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Full text of "Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich"

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THE UNIVERSITY 



OF ILLINOIS 
LIBRARY 

^CEÖ LIBRARY 



ACES LIBRARY 

Verhandlung-en 

der kaiserlich-königlichen 

zoologisch-botanischen Gesellschaft 

in Wien. 

Herausgegeben von der Gesellschaft. 

Hedig^irt von Dr. Carl Fritsch. 

XXXIX. Band. 

Mit 15 Tafeln und 16 Abbildungen im Texte. 




Wien, 1889. 

Im Ifllande besorgt durch A. Holder, k. und k. Hof- und Üniversitäts-Buchhändler. 
Für das Ausland in Commission bei F. A. Brockhaus in Leipzig. 



Druck von Adolf Holzhausen, 
k. und k. Hof- und Universitäts-Buchdrucker in Wien, 



V 



Ausgegeben wurden: 

Redigirt vou Dr. R. v. Wettstein : 

I. Quartal (Sitzungsberichte S. 1—38, Abhandlungen S. 1—200). 
Anfang April 1889. 

Redigirt von Dr. Carl Fritsch: 

II. Quartal (Sitzungsberichte S. 39—70, Abhandlungen S. 201—326). 

Ende Juni 1889. 

III. Quartal (Sitzungsberichte S. 71— 76, Abhandlungen S. 327-480). 

Ende September 1889. 

IV. Quartal (Sitzungsberichte S. 77—92, Abhandlungen S. 481—626). 

Ende December 1889. 



Inhalt. 



Seite 

Stand der Gesellschaft am Ende des Jahres 1889 IX 

Lehranstalten und Bi"bliotheken, welche die Gesellschaftsschriften 

beziehen XXXII 

Wissenschaftliche Anstalten und Vereine, mit welchen Schriftentausch 

stattfindet XXXIV 

Periodische Schriften, welche von der Gesellschaft angekauft werden XLII 

Sitzungsberichte. 

Monats Versammlung am 2. Jänner 1889 Sitzb. 1 

„ 4. Februar 1889 Sitzb. 12 

„ 6. März 1889 Sitzb. 24 

Jahresversammlung am 3. April 1889 Sitzb. 39 

Monatsversammlung am 1. Mai 1889 Sitzb. 57 

„ 5. Juni 1889 Sitzb. 66 

„ 3. Juli 1889 Sitzb. 71 

„ „ 2. October 1889 Sitzb. 77 

„ „ 6. November 1889 Sitzb. 79 

„ „4. December 1889 Sitzb. 84 



Zoologischer Discussionsabend am 12. December 1888 Sitzb. 11 

V » „11. Jänner 1889 Sitzb. 23 

V » „8. Februar 1889 Sitzb. 35 

» „ „ > 8. März 1889 Sitzb. 18 

» » „ 12. April 1889 Sitzb. 62 

» » „11. October 1889 Sitzb. 81 

» « „8. November 1889 Sitzb. 88 

Botanischer „ ,^ 21. December 1888 Sitzb. 4 

» r, „18. Jänner 1889 Sitzb. 14 

» „ „ 22. Februar 1889 Sitzb. 25 

» » „15. März 1889 Sitzb. 52 



237719 



IV 



Inhalt. 



Seite 

Botanischer Discussionsabend am 19. April 1889 Sitzb. 62 

„ „ „ 17. Mai 1889 Sitzb. 67 

» „ „18. October 1889 Sitzb. 83 

» n „ 22. November 1889 Sitzb. 89 



Anhang: Geschenke für die Bibliothek im Jahre 1889 Sitzb. 91 



Wissenschaftliche Abhandlungen und Mittheilungen. 

Zoologischen Inhaltes: 

Beer Dr. B.: Zur Entwicklung der Hemisphären des menschlichen 

Embryo Sitzb. 51 

Brauer Dr. Priedr.: Ueber Lausfliegen Sitzb. 25 

Brunner v. Wattenwyl Dr. C. : Ueber einen Fall von Rücksichts- 
losigkeit der Natur Sitzb. 47 

Cobelli Dr. R.: Contribuzioni alla fauna degli Ortotteri del Trentino Sitzb. 37 

Dybowski Dr. B.: Studien über die Säugethierzähne. (Mit 8 Holz- 
schnitten) Abb. 3 

Flach Carl: Bestimmungstabelle der Trichopterygidae des europäi- 
schen Faunengebietes. (Mit Tafel X — XIV und 1 Zinkographie) Abb. 481 

Fuchs Tb.: Ueber die Natur der „Fucoiden" des Wiener Sandsteines Sitzb. 50 

— Die neueren Anschauungen über die Bildung der Korallenriffe Sitzb. 88 

Grobben Dr. C: Ueber SpJiaerularia hombi Sitzb. 23 

Handlirsch Dr. Adam: Beitrag zur Kenntniss des Gespinnstes von 

Hilara sartrix Becker Abb. 623 

Handlirsch Anton: Ueber die Lebensweise von Dolichurus corni- 

culus Spin Sitzb. 81 

Kohl Fr. Friedr. : Bemerkungen zu Edm. Andre's Speeles des Hyme- 

nopteres, T. III (Les Sphegiens) Abb. 9 

— und Handlirsch Anton: Transcaspische Hymenopteren. (Mit 

Tafel VII) Abb. 267 

Low Dr. Franz: Beschreibung zweier neuer Cecidomyiden -Arten Abb. 201 

— Die in den taschenförmigen Gallen der Prunus-BVätter leben- 
den Gallmücken und die Cecidomyia foliorum H. Lw. . . . Abli. 535 

Lorenz Dr. L. v.: Ueber einige Vögel aus Tenerife Sitzb. 11 

Marenzeller Dr. E.V.: Neues über leuchtende Seethiere .... Sitzb. 3 

— Ueber die wissenschaftlichen Unternehmungen des Fürsten 

Albert L von Monaco in den Jahren 1885—1888 Abh. 627 

Mik J. : Ueber Ugimyia sericariae Sitzb. 51 

Nonfried A. F.: Beschreibung einiger neuer Käfer Abh. 533 

Pokorny Emanuel: (IV.) Beitrag zur Dipterenfauna Tirols . . . Abh. 543 



Inhalt. 



V 



Seite 

Räthay Em.: Das Auftreten der Gallenlaus im Versuchswein^arten 
zu Klosterneuburg im Jahre 1887. (Mit Tafel II und III und 

1 Zinkographie im Texte) Abh. 47 

Rebel Dr. H.: Beiträge zur Microlepidopteren-Fauna Oesterreich- 
Ungarns. (Mit Tafel VIII) Abh. 293 

Rogenhof er A. F.: Papilio Hageni, eine neue Art aus Sumatra . Abh. 1 

— Ueber die Lepidopterenfauna Tenerife's und Bryophila Simonyi 

Roghf. n. sp Sitzb. 35 

— Ueber Lepidopteren aus Ceylon und Indien. (Mit 2 Holzschnitten) Sitzb. 60 

— Ueber einen neuen Tagfalter der Nymphaliden- Gruppe aus 
Ostafrika Sitzb. 76 

— Ueber den Character der Lepidopterenfauna von Madagascar Sitzb. 78 

— Ueber M. Wagnei's Migrationsgesetz der Organismen . . . Sitzb. 81 
Schaufler B.: Beiträge zur Kenntniss der Chilopoden. (Mit Tafel IX 

und 4 Zinkographien) Abh. 465 

Simon E.: Arachnidae transcaspicae Abh. 373 

Botanischen Inhaltes: 

Arnold Dr. F.: Lichenologipche Ausflüge in Tirol. X'XIV. Finkenberg Abh. 249 

Bauer Dr. Carl: Ueber das Auftreten von Volvox glohator in Wien Sitzb. 84 
Beck Dr. Günther R. v.: Ueber die Entwicklung und den Bau der 

Schwimmorgane von Neptunia oleracea Lourr Sitzb. 57 

— Trichome in Trieb omen Sitzb. 59 

— -Ueber die Sporenbildung der Gattung Phlyctoffpora Corda . Sitzb. 59 

— Die Obstsorten der Malayenländer Sitzb. 66 

— Zur Pilzflora Niederösterreichs. V. (Mit Tafel XV) .... Abh. 593 
Braun H.: Bemerkungen über einige Arten der Gattung Mentha . Abh. 41 

— Beitrag zur Flora von Persien. (Mit Tafel VI) Abh. 214 

Burgerstein Dr. A.: Materialien zu einer Monographie, betreifend 

die Erscheinungen der Transpiration der Pflanzen. II. . . Abh. 399 
Dörfler Ign.: Ueber Varietäten und Missbildungen des Eqiiisetum 

Telmateja Ehrh. (Mit Tafel I) Abh. 31 

— Ueber Formen und Monstrositäten de^ Equisehim Telmateja E. Sitzb. 90 
Eichenfeld Dr. M. R. v.: Boronicum Haldcsyi, nova hybrida . . Sitzb. 10 

— Floristische Mittheilungen aus der Umgegend von Judenburg Sitzb. 67 
Fritsch Dr. Carl: Ueber Spiraea und die mit Unrecht zu dieser 

Gattung gestellten Rosifloren Sitzb. 26 

— Ueber die systenriatische Gliederung der Gattung Potentilla Sitzb. 62 

— Ueber die Auffindung der Waldsteinia ternata (Steph.) inner- 
halb des deutschen Florengebietes Sitzb. 68 

— Ueber ein neues hybrides Verhafscum Sitzb. 71. 

— Beiträge zur Flora von Salzburg. II Abh. 575 



VI 



Inhalt. 



Seite 

Fritsch Dr. Carl: Ueber einen neuen C'arc^w^^s-Bastar(i .... Sitzb. 89 

Hirc Drag.: Die Hängefichte in Croatien Sitzb. 22 

Krasser Frid.: Ueber die fossilen Pflanzenreste der Kreideformation 

in Mähren Sitzb. 31 

— Bemerkungen über die Phylogenie von Fiatanus Sitzb. 6 

Kronfeld Dr. M.: Monographie der Gattung Typha Tourn. (Mit 

Tafel IV und V) Abb. 89 

— Ueber Heterogamie von Zea Mays und Typha latifolia . . Sitzb. 21 

— Ueber Dichotypie Sitzb. 65 

Loitlesberger K.: Beitrag zur Kryptogamenflora Oberösterreichs Abb. 287 

Molisch Dr. H. : Ueber eine neue Cumarinpflanze Sitzb. 4 

— Ueber die Ursachen der Wachsthumsrichtungen bei Pollen- 
schläuchen Sitzb. 52 

Raimann Dr. R.: Ueber verschiedene Ausbildungsweisen dicotyler 

Stämme Sitzb. 52 

ßäthay Em.: Ueber das frühe Ergrünen der Gräser unter Bäumen Sitzb. 5 

— Ueber extraflorale Nectarien Sitzb. 14 

Rechiuger C: Beitrag zur Flora von Persien Abb. 240 

Stapf Dr. Otto: Beiträge zur Flora von Persien. II Abb. 205 

— Die Arten der Gattung Adonis Sitzb. 73 

— Ueber den Champignonschimmel als Vernichter von Cham- 
pignonculturen Abb. 617 

— Die neuen Ergebnisse der Stanley'schen Expedition .... Sitzb. 87 
Stockmayer S.: Beiträge zur Pilzflora Niederösterreichs .... Abb. 387 

Strasser P. Pius: Zur Flechtenflora Niederösterreichs Abb. 327 

Thomas Dr. Fr. : Ueber das Vorkommen von Exöbasidium Warmingii 

Rostrup in Tirol und Piemont Sitzb. 86 

Vukotinovic L. v.: Beitrag zur Kenntniss croatischer Eichen . . Abb. 191 
Wein zier 1 Dr. Theodor v.: Ueber die Methoden der Werthbestim- 
mung der Handelssamen Sitzb. 80 

Wettstein Dr. R. v.: Ueber die Arten der Gsittnng Ästragalus, Sectio 

Melanocercis und deren geographische Verbreitung .... Sitzb. 35 

— Untersuchungen über einige Orchideen Sitzb. 83 

Wiemann A.: Saxifraga Braunii nov. hybr Abb. 479 

Zukal Hugo: Ueber eine neue, niedrig organisirte Flechte . . . Sitzb. 78 

Verschiedenen Inhaltes: 

Brun ner V. Watte nwyl Dr. C: Jahresbericht für 1888 .... Sitzb. 39 

Kaufmann J.: Jahresbericht für 1888 • • • Sitzb. 45 

Lorenz Dr. L. v.: Jahresbericht für 1888 . Sitzb. 43 

Wettstein Dr. R. v.: Jahresbericht für 1888 Sitzb. 40 



Inhalt. 



VII 



Terzeiclmiss der Tafeln, 

Erklärung 

sielie Seite 



Tafel I. Dörfler Ignaz: üeber Varietäten und Missbilduugen des 

Equisetum Tehnateja Ehrh 39 

, II— III. Rätbay Emer.: Das Auftreten der Gallenlaus im Ver- 

suchsweingarteu zu Klosterneuburg im Jabre 1887 . . 87 
„ IV— V. Kronfeld Dr. M.: Monographie der Gattung T7/2;?ia Tourn. 189 

„ VI. Braun H.: Beitrag zur Flora von Persien 239 

„ VII. Kohl Franz Friedr. und Handlirsch Anton: Transcaspiscbe 

Hymenopteren 286 

„ VIII. Rebel Dr. H.: Beiträge zur Microlepidopteren-Fauna Oester- 
reich-Ungarns 326 

„ IX. Schaufler Bernb.: Beiträge zur Kenntniss der Chilopoden 478 
„ X — XIV. Flach Carl: Bestimmungstabelle der TncÄop^er2/^7^d!ae 

des europäischen Faunengebietes 529 

„ XV. Beck Dr. Günther R. v. : Zur Pilzflora Niederösterreichs. V. 616 



Stand der Gesellschaft 



am Ende des 



Jahres 188Ö. 



Z. B. ües. n. XXXIX. 



Protector: 

Seine k. und k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog 

Rainer. 



Leitung der Gesellschaft 

im Jahre 1890. 

Präsident: (Gewählt bis Ende 1891.) 
Seine Durchlaucht Fürst Josef Colloredo-Mannsfeld. 

YiceprUsidenten: (Gewählt bis Ende 1890.) 

P. T. Herr Grobben Dr. Carl. 
„ „ Haläcsy Dr. Eugen v. 
„ „ Hauer Dr. Franz v. 

„ „ Pelikan V. Plauenwald Anton Freib. v. 
„ „ Rogenhofer Alois. 
„ „ Wiesner Dr. Julius. 

Secretäre : 

P. T. Herr Fritsch Dr. Carl. (Gewählt bis Ende 1894.) 

„ „ Lorenz Dr. Ludwig R. v. (Gewählt bis Ende 1891.) 

Rechnungsführer: (Gewählt bis Ende 1893.) 
P. T. Herr Kaufmann Josef. 

Ausschussräthe: 

P. T. Herr Ab er le Dr. Carl. (Gewählt bis Ende 1890. 

„ „ Böhm Dr. Josef. „ „ 

„ „ Braun Heinrich. ^ 

„ „ Brauer Dr. Friedrich. „ „ 

„ „ Brunner v. Wattenwyl Dr. Carl. „ „ 

„ „ Bargerstein Dr. Alfred. „ „ 

„ „ Claus Dr. Carl. „ 

„ „ Csokor Dr. Johann. „ „ 

„ „ Handlirsch Anton. „ „ 
„ - Hauer Dr. Franz Ritter V, 



XII 



Leitung der GesellKchaft. 



P. T. Herr Heimerl Dr. Anton. 

„ „ Kern er Dr. Anton Ritter v. Marilau n 

„ „ Kornhnber Dr. Andreas v. 

„ „ Low Paul. 

„ „ Rogenhofe r Alois Friedrich. 

„ „ Vogl Dr. August. 

„ „ Wiesner Dr. Julius. 

„ „ Zukal Hugo. 

„ „ Haläcsy Dr. Eugen v. 

„ „ Marenzeller Dr. Emil E. v. 

„ „ Mayr Dr. Gustav. 

„ „ Mik Josef. 

„ „ Neumayr Dr. Melchior 

„ „ Ostermeyer Dr. Franz. 

„ „ Preyer Leopold. 

„ „ Richter Dr. Carl. 

„ „ Bartsch Franz. 

„ „ Beck Dr. Günther R. v. Managetta. 

„ „ Fuchs Theodor. 

„ „ Grobben Dr. Carl. 

„ „ Kolazy Josef. 

„ „ Müllner M. Ferdinand. 

„ „ Pelikan V. Plaue nwald Anton Freiherr. 

„ Stapf Dr. Otto. 

Wettstein Dr. Rieh. R. V. Westersheim. 



Gewählt bis Ende 1890.) 



(Gewählt bis Ende 189L) 



(Gewählt bis Ende 1892.) 



Mitglieder, welche die Sammlungen der Gesellschaft ordnen: 

Die zoologischen Sammlungen ordnen die Herren: Handlirsch Adam, Hand- 
lirsch Anton, Kaufmann Josef. 

Die Pflanzensammlung ordnen die Herren: Braun Heinrich, Ostermeyer Dr. 
Franz, Preyer Leopold. 

Die Betheilung von Lehranstalten mit Naturalien besorgen die Herren: Hand- 
lirsch Dr. Adam, Handlirsch Anton, Ostermeyer Dr. Franz. 

Die Bibliothek ordnet Herr Franz Bartsch. 

Das Archiv hält Herr Paul Low im Stande. 

Kauzlist der tlesellschaft : 
Herr Frank Cornelius, VIIL, Buchfeldgasse 15. 

Gesellschaftslocale : 

Wien, I., Herrengasse 13 (Landhaus). — Täglich geöffnet von 3—7 Uhr Nachm. 



XIII 



Die Druckschriften der &esellschaft werden überreicht: 

Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät dem Kaiser Franz Joseph. 
Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Karl Ludwig. 
Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Ludwig Victor. 
Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Albrecht. 
Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Josef Karl. 
Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Wilhelm. 
Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Rainer. 
Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Heinrich. 
Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Ludwig Salvator. 
Seiner Majestät dem Könige von Baiern. 4 Exemplare, 



Subventionen für 1889. 

Von dem hohen k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht. 
Von dem hohen niederösterreichischen Landtage. 
Von dem löbl. Gemeinderathe der Stadt Wien. 



XIV 



Mitglieder. 



Mitglieder, welche die &esellscliaftsscliriften beziehen, 

Die P. T. Mitglieder, deren Name mit fetter Schrift gedruckt ist, haben 
den Betrag für Lebenszeit eingezahlt und erhalten die periodischen Schriften 
ohne ferner zu erlegenden Jahresbeitrag. 



P. T. Herr Aberle Dr. Carl, k. k. Reg.-Rath, L, Salzgries 25 Wien. 

„ „ Adamovic Vincenz, Bürgerschul-Director . . Ragusa. 

„ „ Alexi Dr. A. P., Professor am Obergymnasium Naszod. 

„ „ Alscher Alois, städt. Lehrer, IL, Holzhauserg. 7 Wien. 

„ „ Altenberg Felic, Apoth., V., Margarethenstr. 75 Wien. 

„ „ Ambrosi Franz, Bibliothekar Trient. 

„ „ Amrh ein Anton, Kaufmann, beeid. Schätzuügs- 

Commissär, IX., Servitengasse 12 Wien. 

„ „ Andre Ed., Ingen., 21 BouL Bretonier, Cöte d'or Beaume. 

„ „ Anger er Leonhard, P., B.-O.-Pr., L, Annag. 4 Wien. 

10 „ „ Apfelbeck V., Entomologe am Landesmuseum Sarajewo. 

„ „ Arenstein Dr. Josef, Gutsbesitzer Gloggnitz. 

„ „ Arne th Alfr. V., k. k. Dir. d. geh. Staatsarch., Exc. Wien. 
„ „ Arnold Dr. Ferd., k. Ober-Landesgerichtsrath, 

Sonnenstrasse 7 München. 

„ „ Aus serer Dr. Carl, e. Professor, VIII., Lenaug. 2 Wien. 

„ „ Aust Carl, k. k. Bezirksgerichts -Adjunct . . . Hainburg a. D. 

„ „ Bachinger Aug., Prof.a.Land.-Realgymn., N.-Oe. Horn. 

„ „ Bachinger Isid., Professor, Wienerstrasse 41 . Wr.-Neustadt. 

„ „ Bachofen Adolf von Echt, Bürgermeister, Nr. 68 Nussdorf. 

„ „ Badini Graf Franz Jos., k. k. Postofficial . . . Triest. 

20 ^ „ Bäumler Johann A., Dürrmauththor 62, IL. . Pressburg. 

„ „ Ball Valentin, Geolog, Trinity College . . . Dublin. 

„ B ann Warth Th.,Lithogr.,VIL,Schottenfeldg. 78 Wien. 

„ „ Barbey William, Canton Vaud, Schweiz . . . Vallegres. 

„ „ Barbieux August, Fabriksbes., P. Maria Rast . Oberlembach. 

„ „ Bartsch Franz, k. k. Finanzrath, III., Salmg. 14 Wien. 
„ „ Bauer Dr. Carl, Assistent am k. k. bot. Univ.- 

Garten und Museum, III., Rennweg 14 . . . Wien. 
„ „ Beck Dr. Günth. R.v.Managetta, Custosu. Vorst. 

d. bot. Abth. des k. k. naturh. Hofmus., Herreng. 1 1 Währing. 

„ „ Beer Berthold, Dr., IX., Maximilianplatz 13 . . Wien. 



Mitglieder. 



XV 



P. T. Herr Benda Franz, Hochw., P. Provincial, VIII. . . . 
30 p r Benseier Friedrich, luspector d. botan. Gartens 

der k. k. Universität, III., Rennweg 14 . . . 
„ „ Berg Dr. Carl, Univ.-Prof. der Botanik u. Zool. 
„ „ Bergenstamm Julius, Edl. von, IL, Tempelg. 8 
„ „ Bergh Dr. Rudolf, Prof., Chefarzt, Stormgade 19 

„ „ Bergroth Dr. Evald, Finnland 

„ „ Beuthin Dr. Hein., Steindamm 29, St. Georg . 

„ ^ Bigot Jacques, Rae Cambon 27 

„ „ Bisching Dr. Ant., Com.- Ob.- Realschul -Prof., 

IV., Carolineng. 19 

„ Bit tn er Dr. Alex., III., Thongasse 11 . . . . 
„ „ Blasius Dr. Rud., Stabsarzt a.D., Petrithor-Pr.25 
40 „ „ Blasius Dr. Wilh., Director am herz. zool. Mus. 
„ n Bobek Casimir, Lehrer am k. k. III. Gymnasium 
r, n B ob erski Lad., Director d. Lehrerbildungsanstalt 
„ B eh m Dr. Josef, k.k. Univ.-Prof., VIII., Skodag. 17 
„ „ Bohatsch Aibert, IL, Schreigasse 6 . . . . 
„ „ Bohatsch Otto, V., Ziegelofengasse 3 . . . . 
„ Boller A. Adolf, k. k. Oberlieut. im 94. Inft.- 

Regmt., Böhmen 

„ „ Bornmüller J., Eutrisch bei 

„ „ Brauer Dr. Friedrich, Custos des k. k. natur- 

histor. Hofmuseums und Professor der Zoologie 

an der Universität, IV., Mayerhofgasse 6 . . 
„ „ Braun Heinrich, III., Hauptstrasse 8 . . . . 
50 „ n Brei dl er J., Architect, Hubergasse 12 ... . 
„ r BresadolaR. G., Piazetta dietro 12, il Duoma 
„ „ BreitenlohnerDr. J., Prof. d. Hochsch. f. Bdcltr. 

„ „ Brunn er Franz, Südbahn-Beamter 

„ „ B runn er V.Watte nwyl Carl, k. k. Hofrath i. P., 

VIII., Trautsongasse 6 

„ „ Brusina Spiiidion, Prof. u. Dir. d. zool. Museums 
„ „ Buchauer Georg, Cement-Fabrikant . . . . 
„ „ Burger steinDr.Alfr.,Gym. -Prof., IL,Taborstr. 75 
„ „ Burmeister Heinrich, Einsbüttel, Eichenstr. 22 
„ „ Burmeister Dr. Herm., Dir. d. naturh. Mus. . 

60 „ „ Buzek Franz, Lehrer 

» „ Carus Dr. Victor v., Professor a. d. Universität 
„ „ Cassian Job. Ritt, v., Dir. d. Dampfschifff.-Ges. 
„ „ C el er in Dominik, Mag, d. Pharm., I., Wollzeile 13 
„ „ Chiraani Dr. Ernst v., k. k. Ober-Stabsarzt, III., 

Metternichg. 9 

„ „ Christen Severin, P. Hochw., Gyra.-Prof., Kärnt. 



Wien. 
Wien. 

Buenos-Ayres. 
Wien. 

Kopenhagen. 
Forssa. 
Hamburg. 
Paris. 

Wien. 
Wien. 

Braunschweig. 

Braunschweig. 

Krakau. 

Tarnopol. 

Wien. 

Wien. 

Wien. 

Josefstadt. 
Leipzig. 



Wien. 

Wien. 

Ottakring. 

Trient. 

Wien. 

Wien. 

Wien. 

Agrarn. 

Kufstein. 

Wien. 

Hamburg. 

Buenos-Ayres. 

Böhm.-Rakonitz. 

Leipzig. 

Wien. 

Wien. 

Wien. 
St. Paul. 



XVI 



Mitglieder. 



P. T. Herr C hy ze r Dr. Cornel, k. Physikiis, Zempliner Com. Sätoralja-Ujhely. 
„ „ Cidlinsky Carl, k. k. Post- Cassen- Controlor, 

III. , Erdbergerstrasse 37 Wien. 

„ Claus Dr. Carl, k. k. Prof. d. ZooL, Hofrath . Wien. 

„ „ Cobelli Dr. de Ruggero Roveredo. 

'^^ „ „ CoUoredo-Mannsfeld, Fürst Josef zu, Durchl. . Wien. 

„ „ Csatö Job. V., Gutsbes., k. Rath, Siebenb. . . . Nagy-Enyed. 

„ „ C s k r Dr. Johann, Prof. a. k. k. Thierarznei-Inst. Wien. 

n » Cypers Victor Landrecy von, bei Hohenelbe . Böhm.-Harta. 

„ „ Czech Theod. V., Dr. d. M., Ungarn, Cm. Szoluok Tasnäd-Szäntö. 

„ „ Dalla Torr e Dr. Carl v., Prof., Meinliardtstr. 12 Innsbruck. 

„ „ Dalberg Friedrich Baron, k. k. Kämmerer, I., 

Weihburggasse 21 Wien. 

„ „ Damianitsch Martin, p. k. k. Gen. -Auditor, 

L, Elisabethstr. 9/1 Wien. 

„ „ DaminNarcis, Prof. d. nautischen Schule, Croat. Buccari. 

„ „ Degen Ärpäd v., VII., Kerepeserhof Budapest. 

80 „ „ Degenkoll) Herrn., Rittergutsbesitzer bei Pirna Rottwegendorf. 

„ „ Demi Arnold, Dr. med., Hauptstrasse 11 . . . Hietzing. 

„ „ Dewoletzky Rudolf, IX., Wasagasse 26 . . . Wien. 

„ „ Dimit|z Ludw., k. k. Oberforstrath, VIII., Buch- 
feldgasse 19 Wien. 

„ „ Doli Eduard, Realschul-Director, I., Ballgasse 6 Wien. 

„ „ Dörfler Ignaz, III., Rennweg 14 Wien. 

„ „ Dolenz Victor, Stud. phil., IX., Lazarethg. 10 . Wien, 

„ „ Dräsche Dr. Richard Freih. v. Wartimberg, 

I., Giselastrasse 13 Wien. 

„ „ Drude Dr. Oscar, Prof. u. Director d. bot. Gartens Dresden. 

„ „ Dungel Carl, Bürgerschullehrer, V., Wienstr. 93 Wien. 

90 ^ ^ Dzieduszycki Graf Wladimir, Franziskanerpl. 45 Lemberg. 

„ „ Eckhel Georg V., bei Carl Schüler Mainz. 

„ „ Egger Ed., k. k. Finanz - Obercommissär, III., 

Jacquingasse 5 Wien. 

„ „ Egger Graf Franz, Kärnten, am Längsee . . . Treibach. 

„ „ Ehnhart Carl, Privatbeamter, VI., Gumpen- 

dorferstr. 14 Wien. 

„ „ Ehrlich Josef, k. k. Hofgärtner Laxenburg. 

„ „ Eichenfeld Dr. Mich. R. V., k. k. Landesger.-Rath, 

VIII., Josefstädterstrasse 11 Wien. 

„ „ Eichler Wilh. Ritter V. Eichkron, k. k. Hofrath Wien. 

„ „ Ellis J. B., Esq., New- Jersey, U.-St. ..... Newfield. 

„ „ Em ich Gustav Ritter v. Emöke, k. Truchsess, 

IV. , Sebastianiplatz 8 Budapest. 

100 „ „ E ngelhar dt Victor, Stud. ehem., Vn.,Zieglerg. 27 Wien. 



Mitglieder. 



XVII 



P. T. Herr Eutleutner Dr. A. F., Privatgelehrter, Burggrafen- 

strasse 14 Meran. 

„ „ Entz Dr. Geza, Prof. d. Zool. a. d. Univers. . Klausenbiirg. 

„ ErschoffNikol.,Wassili-Ostroff,12. Lin., IS.Haus St.-Petersburg. 

„ „ Ettingshausen Dr. Const., Freih. V., k. k. Prof. Graz. 

„ ^ Evers Georg, Rector, Pastor a. D., bei Innsbruck Mühlau. 

„ „ Fatio Dr. Victor, Eue Massot 4 (N.) .... Genf. 

„ „ Feiller Fianz v.. Privat, VII., Sigmundsg. 13/HI Wien. 
„ „ Feistmantel Dr. Ottokar, k. k. Professor der 

technischen Hochschule Prag. 

„ „ Fekete Gabr. Fidelis V., Hoch w., Priester, Steierm. U.- Premstätten. 

110 ^ ^ Felder Dr. Cajetan Freih. V., I., Schotten gasse 1 Wien. 

„ „ Felix Dr. Paul v., I., Canovagasse 5 . . . . Wien, 

„ ^ Feuer Dr. David, Waiznerstrasse Budapest. 

„ „ Figdor Gustav, Grosshdlr., II., Kais. Josefstr. 38 Wien. 

„ Finger Julius, Realitätenbesitzer, Hptstr. Nr. 68 Ünter-Meidling. 
„ Flatt Carl v. Alföld, Hofrichter, P. Elesd, p. 

Grosswardein Alsö-Lugos. 

„ „ Flügel Dr. Felix Leipzig. 

„ „ Förster J. B., Leiter der Raff.- u. Petrol.-Ind.- 

Actien-Gesellschaft Buda-Pest. 

„ „ Fontaine Cesar, Naturalist, Prov. Haiuaut . . Papiguies. 
„ „ Formanek Dr. Eduard, Gymnasial- Prof., Franz 

Josefstrasse 3 Brünn. 

120 ^ „ Forster Dr. L., Director a. k. k. Thierarznei-Inst. Wien. 

„ „ Frank Dr. Johann, Advocat, I., Operngasse 8 . Wien. 

r, r Franz Carl, Dr. d. Med., Mähr., Post Zastav^ka Rossitz. 
„ „ Freyn Josef, Civil-Ingenieur, fstl. Baurath, Jung- 

mannstr. 3, Smichov Prag. 

„ „ Friedrich Dr. Adolf, Apoth., Schönbrunnerstr. Fünfhaus. 

„ Fritsch Dr. Anton, Prof. u. Cust. a. naturh. Mus. Prag. 

„ Fritsch Dr. Carl, VIIL, Ledererg. 23 .... Wien. 
„ „ Fritsch Josef, Privatier, Eichwaldthorstr. 16 . Teplitz. 
„ „ Frivaldszky Johann v., 1. Custos am Nat.-Mus. Budapest. 
„ „ Fuchs Josef, k. Rath, JH., Hauptstrasse 67 . . Wien. 
130 „ „ Fuchs Theodor, Director der geol.-paläont. Ab- 
theilung des k. k. naturhistor. Hofniuseums . Wien, 
r „ Fürstenberg Friedr., Landgraf zu, Cardinal, Em. Olmütz. 
r, „ G all Eduard V., erzherzogl.Secr. i.P., Rathhausg. 9 Baden. 
„ „ GanderHieronym., Hchw., Pfarrer, P.Sillian, Tirol Inner -Villgraten. 
„ Gangibauer Ludwig, Castos-Adjunct des k. k. 

naturhistor. Hofmuseums, IV., Hauptstr. 40 . Wien. 
„ „ Garcke Dr. Aug., Prof. u. Cust. am k. bot. Mus, 

Friedrichstrasse 227, S. W Berlin. 

Z. 15. Ges. B. XX.XIX. C 



XVIII 



Mitglieder. 



P. T. Herr Geitler Leop., k. k. Artillerie-Oberlieutenant . . Wien. 

„ „ Gen er sich Dr. Anton, Prof. der k. ung, Univ. Klausenburg. 

„ Frau Gerold Eosa v., I., Postgasse 6 Wien. 

„ Herr Glowacki Julius, Prof. a. Land. -Keal- Gymnasium Leoben. 
140 „ „ Godeffroy Dr. Richard, Chemiker am technol. 

Gewerbemuseum Wien. 

„ „ Gold Schmidt Theodor Ritter v., k. k. Baurath 

und Gemeinderath, I., Nibelungengasse 7 . . Wien. 

„ r, Gondola-G h edaldi Baron Gravosa. 

„ „ Gr äffe Dr. Eduard, Inspector d. k. k. zool. Station Triest. 

„ ,. Graff Dr. Ludwig v.. Prof. d. Zool. a. d. Univ. Graz. 

„ „ Gremblich Julius, Hochw., Gymn.-Prof., Tirol Hall. 

„ „ Gr im US Carl R. v. Grimburg, k. k. Professor St. Pölten. 

„ ,, Grobben Dr. Carl, Univ.-Prof., Frankg. 11 . . Währing. 

„ „ Grun ow Albert, Clieraiker d. Metallwfab., N.-Oe. Berndorf. 

„ „ Grzegorzek Dr. Adalb., Hochw., Probst . . . Bochnia. 

150 „ „ GsanglerAnt., Hochw., Rect. d. Piaristen-Colleg. Krems. 

„ „ Gurschner A., Ingenieur, Spitalsgasse 30 . . Bozen. 

,, „ Gutleben Josef, Gärtner, III., Reunweg 14. . Wien. 

„ „ Haas Dr. Carl, VI., Matrosengasse 8 . . . . Wien. 

„ „ Haberhauer Josef, Naturalist Fünfkirchen. 

„ „ Haberler Frz. Ritter V., Dr. jur., I., Bauernmarkt 1 Wien. 

„ „ Hab ich Otto, Fabrikant, Stiftgasse 64 ... Hernais. 

„ „ Hacke 1 Eduard, Gymnasial-Professor . . . . St. Pölten. 
„ „ Hacker P. Leopold, Hochw., Prof. der Moral, 

Küchenmeister im Stifte, Post Furth, N.-Oe. Göttweih. 
„ „ H a i m h f f e n Gust. Ritt. v. H a i m, k. k. Reg.-Rath 

u. Dir. d. Minist.-Zahlamtes i. P., VIL, Breiteg. 4 Wien. 

IGO „ V Haläcsy Eugen von, Dr. med., VIL, Schranlfg. 1 Wien. 

„ „ Halfern Friedrich v., bei Aachen Burtscheid. 

„ „ Hampe Dr. Herm., Hof- u. Ger.-Adv., L, Herreng. 6 Wien. 
„ „ Handlirsch,Dr. Adam, IV., Rubensg. 5 . . . Wien. 
„ „ Handlirsch Anton, Mag. d. Pharm., IV., Rubens- 
gasse 5 Wien. 

„ „ Hantken Max Ritt. v. Prudni k, k. Prof., Univ. Budapest. 

„ „ Haring Johann, Lehrer, N.-Oe. Stockerau. 

„ „ Haszlinski Friedr., Prof. d. Naturgeschichte . Eperies. 
„ „ Hatschek Dr. Berthold, Professor der Zoologie 

an der Universität Prag. 

„ „ Hauck Dr. Ferdinand, Via Rosetti 6 . . . . Triest. 
170 „ „ Hauer Franz R. v., k. k. Hofratli, Intendant des 

k. k. naturh. Hofmuseums, I., Burgring . . . Wien. 

„ „ Haussknecht Dr. Carl, Professor der Botanik . Weimar. 

„ „ Haynald Dr. Ludwig, Cardinal-Erzbischof, p]min. Kalocsa. 



Mitglieder. X]X 



T. Herr Heeg Moriz, Privatbeamter, II., Circusg. 35 . . Wien. 
, „ Heger Dr. Haus, Redacteur der „Pharinaceuti- 

schen Zeitung," L, Kolowratring 9 . . . . Wien. 

, „ Heiden Leopold, Oberlehrer, VII., Kandelg. 30 . Wien. 

, „ Heid er Dr. Adolf, IX., Wasagasse 12 ... . Wien. 
, „ Heider Dr. Arthur Ritter v., Docent f. Zoologie 

a. d. Univ., Maiifredyg. 4 Graz. 

, „ Heider Moriz, IX., Wasagasse 12 Wien. 

, „ Heid mann Alberik, Hochw., Abt des Stiftes . Lilienfeld. 
, „ Heilsberg Alois, Gymnasial- Professor,IX., Sechs- 
schimmelgasse 7 Wien. 

, „ Heimerl Dr. Anton, Prof. a. d. Realschule Sechs- 
haus, Parkgasse 48 Penzing. 

, „ Heinze Hermann, k. k. Fregatten- Capitän . . Pola. 

, „ Heinzel Ludwig, Dr. d. Med., VII., Kircheng. 3 Wien. 

„ Heiser Josef, Eisenwaaren-Fabriksbesitzer,N.-Oe. Garaing. 

„ Helfert Dr. Josef Alex. Freih. V., geh. Rath, Exc. Wien. 

„ Heller Dr. Camill, k. k. Prof. d. Zool., Universität Innsbruck. 

„ Heller Carl M., Assistent am herzogl. Museum Braunschweig. 

Frau Henneberg Marie, geb. Hinterhuber . . . Wien. 
Herr Henschel Gustav, Professor an der Hochschule 

für Bodencultur, VIIL, Florianigasse 16 . . . Wien. 

„ Hepperger Dr. Carl v., Advocat Bozen. 

„ Her man Otto v., Reichst. -Abg., Damjanichg. 46 Budapest. 

„ Hetschko Alfred, Prof. d. Lehrerbildungsanstalt Bielitz. 
„ Hiendlmayr Ant., Custos der zoolog.-zootom. 

Sammlungen des Staates, Schwanthalerstr. 7/II München. 
„ Hinterwaldner J. M., k. k. Bez.-Schul-Insp., 

IL, Obere Donaustrasse 87 Wien. 

„ Hirc Carl, Hauslehrer, Croatien Lepoglava. 

„ Höf er Franz, Fachlehrer der Bürgerschule i. P., 

Kirchengasse 48 Hernais. 

,, Holzel Hugo, Buch- u. Kunsthdlr., IV., Louiseng. 5 Wien. 

Hönig Rud., k. k. Reg.-Rath, IV., Hechteng. 1/a Wien. 
„ Holzhausen Adolf, Buchdruckerei-Besitzer, VII., 

Breitegasse 8 Wien. 

„ Hopffgarten Georg Max Bar. V., b. Langensalza Mülverstedt. 
„ Horcicka Carl Richard, k. k. Postofficial, Am- 
bulanz Westbahn, VI., Magdalenenstrasse 75 . Wien. 
„ Hormuzaki Constantin v., Josefsg. 8 . . . . Czernowitz. 
„ Hornung Carl, Apotheker, Siebenbürgen, Marktpl. Kronstadt. 
„ Horväth Dr. Geza v., Delibäb-utcza 15 . . . . Budapest. 
Huemer Dr. Ignaz, k. k. Reg.-Arzt, Waisenhaus . Fischau. 
Hütterott Georg v., kais. Japan. Consul , , . Triest. 



XX 



Mitglieder. 



P. T. Herr Hungerbyehler Julius, Edler v. Seestätten, 

I., Wollzeile 23 Wien. 

„ „ Hu SS Armin, Professor am evang, Collegium . Eperies. 

„ „ Huter Rupert, Hochw., Pfarrer, bei Sterzing . Ried. 

210 „ Hy rtl Dr. Josef, k. k. Hofr., Prof. i. P., Kircheng. 2 Perchtoldsdorf. 

„ „ Jablonsky Vinc., Direct. d. Lehrerbildungsanst. Krakau. 

„ „ Jetter Carl, Privatbeamter, II., Rothesterng. 4/3 Wien. 
„ „ Joch um Adolf, Official in Ministerium für Cültus 

und Unterricht Wien. 

„ „ Juränyi Dr. Ludwig, Univ.-Professor d. Botanik Budapest. 

„ Jurinac Adolf E., Prof. a. Gymn., Croatien . . Warasdin. 

„ „ K ab ät Jos. Eman., Zuckerfabriksdirector, Böhmen Welwarn. 
„ „ Kalbermatten Leo de, Baron, Ornithologe, 

Antongasse 6 Baden. 

„ „ Karli'nski Dr. J. v., k. k. Oberarzt, Tempelstr. 4 Innsbruck. 

„ „ Karpelles Dr. Ludwig, IV., Lambrechtsgasse 14 Wien. 

220 „ „ Kasp ar Rudolf, Hchw., Dechant, b. Mähr.-Schönb. Blauda. 

„ „ Kaufmann Josef, IV., Rubensgasse 5 . . . . Wien. 

„ „ Keck Carl, Ober-Oesterreich Aistersheim. 

„ „ Keller AI., Bürgerschullehrer, VI., Mollardg. 29 Wien. 

„ „ Kempny Peter, Dr., prakt. Arzt Gutenstein. 

„ „ Kerner Dr. Anton, Ritt. v. Marilaun, Univ.- 

Prof., Dir. des bot. Gartens, Hofrath .... Wien. 

„ „ Kern er Josef, k. k. Kreisgerichts-Präsident . . Wiener-Neustadt. 

„ „ Kern stock Ernst, Realschul-Professor . . . . Bozen. 

„ y, Kerry Rieh., Dr. phil., VIII., Landesgerichtsstr. 15 Wien. 

„ „ Kinsky Ferdinand Fürst, Durchlaucht .... Wien. - 
230 „ „ Kissling P. Benedict, Hochw., Pfarrverweser, 

a. d. Gölsen Schwarzenbach. 

„ „ Kittel August, pr. Arzt, P. Winzendorf . . . Emerberg. 

„ „ Klein Julius, Prof. d. Botanik, Josefs-Polytechn. Budapest. 
„ „ Klemensiewicz Dr. Stanislaus, Prof. a. Gymn. 

St Anna, Ul. Starowislna 8 Krakau. 

„ „ Klob Dr. AI., Hof- u. Ger.-Adv., I.,Maximilianstr.4 Wien 

„ „ Km et Andreas, röm.-kath. Pfarrer, b. Schemnitz Prencow. 

„ „ Knapp Josef Arm., IX., Säulengasse 11 ... Wien. 

„ KnauerDr.B]as.,k.k.Gym.-Prof.,Vm.,Beunog.31 Wien. 
„ „ Koelbel Carl, Custos des k. k. naturhistorischen 

Hofmuseums, IX., Wasagasse 28 Wien. 

„ „ König Dr. Heinrich, k. Gerichtsarzt, Mühlgasse Hermannstadt. 

240 „ „ Königswarter Moriz, Freiherr von Wien. 

„ „ Kohl Franz Fr., Assist, a. k. k. naturhist. Hof raus. Wien. 
„ „ Kolazy Jos., k.k. Hilfsämter- Directions-Adjunct, 

VI., Kaunitzgasse 6/b Wien. 



Mitglieder. 



XXI 



P. T. Herr Kolbe Carl, k. k. Auscult, IV,, Margarethenstr. 31 Wien. 

K olonibato vi c Georg, k.k. Prof. d. Ob. -Realschule Spalato. 

Kom ers C, Kastner, Ungv. Com., P. Csap, Zahony Salamon. 

„ „ Korl ewi c Anton, Professor am Ober-Gjmnasiuni Agram. 

„ „ Kornhuber Dr. Andr. v., k.k. Prof. d. Technik Wien. 

„ „ Kowarz Ferd., k. k. Telegraphenbeamter, Böhmen Pranzensbad. 

„ „ Kraatz Dr. G., Vorst, d. ent. Ver., Linkstr. 28 . Berlin (W.). 

250 ^ ^ KränkelDr.J.,k.k.Ob.-Stabsarzt,III.,Invalidenh. Wien. 

„ KrafftDr.Guido,k.k.Prof.d.Tecbn.,III.,Seidelg.32 Wien. 

„ „ Krahulec Dr. Samuel, III., Hauptstr. 83 . . . Wien. 

„ „ Krasan Franz, k.k. Prof.II. Gymn.,Kroisbachg. 12 Graz. 
„ Krasser Dr. Fridol., Assistent a. k. k. pflanzen- 

physiolog. Institut der Univ., VIII., Albertg. 23 Wien. 

„ „ Kraus Alois, Inspector der k.k. Menagerie . . Schönbrunn. 

„ „ Kraus Dr. M. C, Ober-Baiern, b. Treising . . Weihenstephan. 

„ „ Krau SS Dr. Hermann, prakt. Arzt, Hafnerg. 3 . Tübingen. 

„ „ Krebs Otto B., Vorstand, Westbahnhof . . . Wien. 

„ Kr ist Dr. Josef, Halbarth gasse 12 Graz. 

260 „ „ Kronfeld Dr. Moriz, IX., Schlickgasse 3. . . Wien. 

„ „ Krueg Julius, Doct. d. Med., b. Wien' .... Döbling. 
„ „ Künstler Gust. A., Realitätenbes., Sobieskig. 25 Wien. 
„ „ KulczynskiLad.,k.k.Prof.a. St. Hyacinth-Gymn. Krakau. 
„ „ Kuntze Dr. Otto, 5 Gloucester Road, Kew . . London. 
„ „ Kurz Anton, Privatbeamter, III., Salesianerg. 8 Wien. 
„ „ Kurz Carl, k. k. Medik.-Direct., III., Rennweg 12 Wien. 
„ „ Laj er Ferdinand, Prof. der Naturw. am Obergymn. Stuhl weissenbrg. 
„ „ Lang Robert, Stations-Vorstand, N.-Oe. ... St. Peter. 
., „ Latzel Dr. Robert, k. k. Gymnasial-Director . Klagenfurt. 
270 „ „ Lauche Wilhelm, fürstl. Lichtenstein'scher Hof- 
garten -Director Eisgrub. 

„ „ Lebzelter Ferdinand, k. k. Polizei-Commissär, 

III., Rennweg 12 , Wien. 

„ „ Leder Hans, Ungargasse 12 Mödling. 

„ „ Leibiinger Gustav, IX., Dietrichsteingasse 8 . Wien. 

„ „ Leitgeb Ludwig, P., Oeconomiedirector . , . Göttweih 
„ „ Lenk Dr. Joh., Arzt d. öst.-ung. Lloyd, Via Pozzo 

del mare 1 Triest. 

Leonhard! Adolf Freih., Gutsbes., bei Wittingau Platz. 
„ Lewandowsky Dr. Rudolf, e. k. k. Oberarzt u. 

Prof. am Militär-Mädchen-Pensionat .... Hernais. 

Liechtenstein Joh., reg. Fürst von und zu . Wien. 
Li ech ten Stern Franz Frh., k.k. Hptm. d. R., 

Steiermark, Nr. 113 Wind. -Feistritz. 

280 „ Low Paul, IV., Hauptstr. 47 , Wien. 



XXII 



Mitglieder. 



P. T. Herr Lo itles berger C, Prof.- Cand., VIII., Langeg. 35 Wien. 

„ „ Lorenz Dr. Lud. v. Liburnaii, Custos-Adjunct 

d. k. k. naturhist. Hofmuseums, III., Beatrixg. 25 Wien. 

„ „ Lostorfer Adolf, Dr. med., I., Spiegeig. 4 . . Wien. 

„ „ Ludwig Dr. Ernst, Professor a. d. Universität . Wien. 

„ „ Ii udwig Josef, Bürgerschullehrer, VIII., Zeltg. 7 Wien. 

„ „ Lütkemüller Dr. J., Primär., IV., Favoritenstr. 4 Wien. 

„ „ Lutz Josef, k. k. Polizeicommissär, IV., Schleif- 
mühlgasse 1 Wien. 

„ Maggi August, k. k. Oberlieutenant .... Fünfkirchen. 

„ „ Mahl er Dr. Julius, Zimmermanngasse 13 . . Währing. 

200 „ „ Majer Mauritius, Hochw., C.-O.-Capit St. Gotthard. 

„ „ Maly Franz, k. k. Hof-Garten-Director . . . Wien. 

„ „ Mandl Dr. Ferdinand, IL, Asperngasse 1 . . . Wien. 

„ „ Mantin Georges, 54, Quai de Billy Paris. 

„ „ Marchesetti Dr. Carl v., Dir. d. städt. Museums Triest. 

„ „ Marenz eller Dr. Emil V., Custos des k. k. natur- 

histor. Hofmuseums, VIII., Tulpengasse 5 . . Wien. 

„ „ Margo Dr. Theodor, Prof. d. Zoologie a. d. Univ. Budapest. 

„ „ Marktanner-Turneretscher Gottlieb, VIII., 

Langegasse Wien. 

„ „ Martinovic Peter, Gymn.-Prof Cattaro. 

„ „ M a s c h c k Adalb., fstl. Rohan'scher Gartendirector, 

bei Liebenau Sichrow. 

300 „ „ Massopust Hugo, Via Coroneo 23 Triest. , 

„ „ Matoloni F. X., Xylograph, I., Babenbergerstr. 9 Wien. 

„ „ Matz Maximilian, Hochw., Pfarrer, N.-Oesterr. . Stammersdorf. 

„ ,, Maupas Peter Doimus, Erzbischof, Excellenz . Zara. 

„ „ Maxim owicz Dr. Carl, Collegien-Rath ... St. Petersburg. 

„ „ Mayerhofer Carl, k. k. Hof- Opernsänger, L, 

Opernring 7 Wien. 

„ Mayr Dr. Gustav, Professor, III., Hauptstr. 75 . Wien. 

„ „ Mazarredo D. Carlo de^ Bergingenieur, Clauidio 

Coello 12, pral . Madrid. 

„ Mehely Ludwig v., Lehrer der Staats- Ober-Real- 
schule, Siebenbürgen Kronstadt. 

„ „ Metzger Anton, Spare. -Beamter, III., Siegelg. 1 Wien. 
310 „ „ Miebes Ernest, Hochw., Rector am Piaristen- 

Collegium, 892/11 Prag. 

., „ Mik Josef, Professor am akademischen Gymnasium, 

Marokkanergasse 3, IL, 50 Wien. 

„ Mikosch Dr. Carl, Real.-Prof., IL, Praterstr. 30 Wien. 

„ „ Miller Ludwig, III., Hauptstr., Sünnhof . . . Wien. 

„ „ Mitis Heinr. Ritt. V., k.k.Mil.-Offic, Poststrasse 94 Penzing. 



Mitf^lieder. 



XXII 1 



P. T. H(Mr Mittrowsky Wladimir Graf, Schloss Rozinka, 

per Nedeweditz Mähreu. 

„ „ Möller Dr. M.Jos., Professor an der Universität Innsbruck. 
„ „ Moj si so vics Dr. August V. Moj svar, k. k. Prof. 

d. Zool. a. d. techn . Hochschule, Sparbersbaehg. 25 Graz. 
„ „ Molisch Dr. Hans, a. o. Prof. a. d. technischen 

Hochschule Graz. 

„ Müller Dr. Arnold Julius, prakt. Arzt .... Bregenz. 
320 „ „ Müller Florian, Hochw., Pfarrer, b. Marchegg, 

P. Lassee Groissenbrunn. 

„ „ Müller Hugo M., Grünangergasse 1 Wien. 

„ „ Müller Josef, Zuckerfabriks-Inspector, Smichov, 

Inselgasse 434 Prag. 

„ „ Müllner Michael F., Neugasse 39 Rudolfsheim. 

„ „ Natterer Ludwig, IL, kleine Stadtgutgasse 3 . Wien. 

„ „ Netuschill Frz., k. k. Hauptm , Mil.-geogr. Inst. Wien. 

„ „ N euf ellner Carl, k. k. Res.-Lieut.,V., Rüdigerg. 6 Wien. 

„ „ Neugebauer Leo, Prof. d. k. k. Marine-Realsch. Pola. 

„ „ Neumann Anatol de Spallart, L, Getreidem. 10 Wien. 

„ ., Neu mayr Dr. Melcb., Univ.-Prof. d. Paläontologie Wien. 

330 „ „ Nickerl Ottokar, Dr. d. Med., Wenzelsplatz 16 Prag. 

„ r Nonfried Anton, Entomologe, Böhmen . . . Rakonitz. 

„ „ Nosek Ant., Stud. phil.. Schneckeng. 15, neu I Prag. 

„ „ Novotny Dr. Steph.,Herrschafts-Arzt,Neutr.Com. Komjath. 

„ „ Nowicki Dr. Max., Prof. d. Zool. a. d. Universität Krakau. 
„ „ Nunnenmacher Anton, Ritter v. Rollfeld, 

VIIL, Lederergasse 23 Wien. 

„ Oberleitner Frz., Pfarrer, Ob.-Oe., bei Gmunden Ort. 

„ „ Ofeiiheimer Anton Nasice. 

„ „ Osteu-Sacken Carl Robert, Freih. v., Wredeplatz Heidelberg. 
„ „ OstermeyerDr. Franz, Hof- u. Gerich ts-Advocat, 

L, Bräunerstrasse 11 Wien. 

340 „ „ Otto Anton, VIIL, Schlösselgasse 2 . . . . Wien. 

„ „ P ach er David, Hochvr., Dechant, Kärnten . . Ober-Vellach. 

„ „ Palacky Dr. Johann, Prof. a. d. Universität . Prag. 

„ „ Palla Dr. Eduard, Assistent am botan. Garten Graz. 

„ „ Palm Josef, Dir. am Gymnas., Ob.-Oe., Innkreis Ried. 

„ „ Paltauf Dr. Richard, Univ.-Doc, IX., Alserstr. 4 Wien. 

„ „ PantoczekDr. Jos.,P. Gr.-Tapolcsan,Neutr.Com. Tawornak. 

r r Paszitzky Eduard, Dr. d. Med., Stadtarzt . . Fünfkirchen. 

„ Paszlavszky Jos., Real-Prof., II. Bez., Hauptg.4 Budapest. 

„ „ Paulic Josef, k. Finanzsecretär Karlstadt. 

350 Paulin Alfons, Professor a. k. k. Obergymn. . Laibach. 

r r Pechlaner Ernst, Cand. prof.. Kapuzinergasse Innsbruck. 



XXIV 



Mitglieder. 



P. T. Herr Pelikan v. Plauenwald Anton Freiherrvon,k.k. 

Vice-Präs. u. Fin.-Land.-Dir. i. P., Seilerstätte 12 Wien. 

„ „ Pelzeln Aug. V., Custos i. P., L, Schönlaterng. 13 Wien. 

„ „ Pesta Aug., k. k. Finanz- Minist.- Vice-Secretär Wien. 

„ „ Pfannl Edmund, bei Lilienfeld Niederhof. 

„ „ Pfeiffer Anselm, Hochw., Prof. am Gymnasium Kremsmünster. 
„ Pfurtscheller Dr. Paul, Gymn.-Prof., III., 

Kollergasse 1 Wien. 

„ „ Pickl Josef, Vice-Director im k. k. Punzirungs- 

Amte, III., Hetzgasse 31 Wien, 

„ „ Pier er Dr. F. S. J., Schiffsarzt d. österr.-ungar. 

Lloyd, Via Carradori 7 Triest. 

360 „ „ Pipitz Dr. F. E., Humboldtshof, Goethestrasse 7 Graz. 

„ „ Platz Josef Graf, k. k. Statthalterei-Beamter . Brünn. 

„ „ Pokorny Emanuel, IV., Louisengasse 8 . . . Wien. 

Po lak Dr. J. E., L, Adlergasse 14 Wien. 

„ „ Prandtstetter Franz v., Apotheker, N.-Oe. . Pöchlarn. 

„ „ PrantlDr. Carl, Prof. der Botanik, Director am 

botanischen Garten Breslau. 

„ „ Preissmann Ernest, k. k.Aich-Ober-Iusp,, Burg- 
ring 16 Graz. 

„ „ Pregl Friedrich, Stud. med., Körösistrasse 16 . Graz. 

„ „ Preadliomme de Borre Alfred, rue Scutin 11, 

Schaerbeck . Brüssel. 

„ „ Preyer L., k. k. Militär- Official, IlL, Gärtnerg. 20 Wien. 

370 „ „ Prinz 1 August, Oekonomiebesitzer, N.-Oe. . . Ottenschlag. 

„ „ Procopianu-Procopovici Aurel (Buchhand- 
lung R. Schally.) Czeruowitz. 

„ „ Raimann Dr. Rudolf, Frankgasse 10 . . . . Währing. 

„ „ Rakovac Dr. Ladislav, Secretär d. k. Landes-Reg. Agram. 

„ „ Rausonnet Eugen v. Baron, I., Seitenstetteng. 5 Wien. 

„ „ Rathay Emerich, Prof. d. öu.-pom. Lehranst. . Klosterneuburg. 

„ „ Rauscher Dr. Rob., p.k. k. Ein. -Rath, Stifterstr. 5 Linz. 

„ „ Rebel Hans, Dr. jur., VI., Magdaleuenstr. 14 . Wien. 

„ „ Rechinger Carl, Stud. phil., I., Friedrichsstr. ß Wien. 

„ „ Redtenbacher Josef, VI., Kaserngasse 9/II . Wien. 

380 Regel Dr. Eduard, Direct. d. k. botan. Gartens St. Petersburg. 

„ „ Reiser Othmar, Custos am Landes-Museum . . Serajewo. 

„ „ Reiss Franz, prakt. Arzt Kierling. 

„ „ Re Itter Edmund, Naturalist, Ungargasse 12 . Mödling. 

„ „ Ressmann F., Dr. juris, Kärnten Malborgeth. 

„ „ Rettig Heinrich, Inspector am botan. Garten Krakau. 

„ „ Reuss Dr. Aug. Leop. Ritt, v., I., Wallfischg. 4 Wien. 

„ „ Reuth P. Emerich L., Hochw., Eisenburg. Com Nemet-Üjvär. 



Mitglieder. 



XXV 



T. Herr Key Dr. E., Naturalist, Flossplatz 9 Leipzig. 

„ Richter Carl, Dr. phil., IL, Taborstrasse 17 . Wien. 

„ Richter Ludw. (Adr. L. Thiering), Mar. Valerieg. 1 Budapest 

„ Rimmer Dr. Franz, Seminarlehrer St. Pölten. 

„ Rippe 1 Johann Conrad, Assist, a. d. techn. Hoch- 
schule, IV., Dannhausergasse 10 Wien. 

„ Robert Franz v., L, Zedlitzgasse 4 Wien. 

„ Robic Sim., Hchw., Administr., Krain, P. Zirklach Ulrichsberg. 

„ Rock Dr. Wilhelm, IL, Rembrandtstrasse 14 . Wien. 

„ Rodler Dr. Alfred, Assist, a. geol. Inst. d. Univ. Wien. 

„ Röder Victor von, Oeconom, Herzogth. Anhalt Hoym. 

„ Rösler Dr. L., Professor der k. k. chemisch-physi- 
kalischen Versuchsstation Klosterneuburg. 

„ ßogenhofer Alois Friedrich, Gustos des k. k. 

naturh. Hofmuseums, VIII., Josefstädterstr. 19 Wien. 

„ RollettEmil,Dr. d. Med., Primarius, I.,Giselastr. 2 Wien. 

„ Ronniger Ferd., Buchhalter, Rothethurmstr. 17 Wien. 

„ Rosenthal A. C, Hof- und Kunstgärtner, III., 

Hauptstrasse 137 Wien. 

„ Rosoll Dr. Alexander, IL, Halmgasse 1 . . . Wien. 

„ Rossi Ludwig, k. k. Landwehr-Ober-Lieutenant Karlstadt. 

„ Ro ssm anit Dr. Theod. Ritt, v., k. k. Gen.-Secr. d. 

Börsekammer, L, Börseplatz 3 Wien. 

„ Rothschild Albert, Freiherr v Wien. 

llothschild Baron Xathauiel, IV., Theresianumg. Wien. 

„ RupertsbergerMth.,Hw., Pf., P. Mühld.,K-Oe. Nied.-Ranna. 

„ Sabransky Heinrich, IX., Lazarethgasse 29 . . Wien. 

„ Sandany F. J., k. k. Polizei-Obercommissär, L, 

Seilerstätte 10 Wien. 

„ Schafer Joh., Hochw., Pfarrer, b. Zirkniz, Krain Grahovo. 

„ SchamanekJ., Bürgerschullehrer, VII., Ziegler- 
gasse 49 Wien. 

„ Schaub Robert Ritt, v., IX., Lichtensteinstr. 2 Wien. 

„ Scher fei Aurel, Apotheker, Post Szepes M. . . Felka. 

„ Schernhammer Jos., Privatbeamter, Märzstr. 32 Neufünfhaus. 

„ Scheuch Ed., Beamter der österr.-ung. Bank . Wien. 

„ SchiedermayrDr. Carl, k. k. Statthalterei-Rath, 

Untere Donaulände 12 Linz. 

„ Schieferer Michael, III., Heinrichstrasse 67 . Graz. 

„ Schierholz Dr. Carl, Chemiker, III., Marxerg. 1 Wien. 

„ Schiffner Rudolf, Gutsbes., IL, Czerninplatz 7 . Wien. 

„ Schleicher Wilhelm, Oekonomiebes., N.-Oc. . Gresten. 

Frau Schloss Natalie, IX., Peregringasse 1/3 . . . Wien. 

Herr Schlotter G., k. k. Hauptmann im 74. Inf.-Reg. Wadowice. 

Z. B. Ges. B. XXXIX. d 



XXVI 



Mitglieder. 



P. T. Herr Schmerling Anton Ritter v., geh. Rath, Excell. Wien. 
„ „ Schmie dl Georg, Bürgerschullehrer, I., Werder- 
thorgasse 6 Wien. 

„ „ Schnabl Dr. Johann, Krakauer Vorstadt 63. . Warschau, 
r „ Schollmayer Heinrich, fürstl. Schöuburg'scher 

Ober-Förster, bei St. Peter, Krain Sagurje. 

„ „ Scholtys Alois, Präparator d. botan. Abtheil. d. 

k. k. naturhistor. Hofmuseums Wien. 

„ „ Schräm Jos., Gymn.-Prof., VI., Stumperg. 14 . Wien. 

430 „ „ Schreiber Dr. Egyd, Director d. Staats-Realsch. Görz. 

„ „ Schreiber Mathias, Lehrer Krems a. D. 

„ „ Schroll Anton, Kunst-Verlag, I.,Getreidemarktl8 Wien. 

„ „ Schulzer V. Müggenburg Stef., p. k. k. Hptm. Vinkovce. 
,, „ Schuster Adrian, Prof. a. d. Handels-Akademie, 

IV., Theresianumgasse 6 Wien. 

Schuster Carl, Naturalist, VI., Gumpendorfstr. 62 Wien. 

SchwaighoferAnt.,Doct.d. Phil., III., Hetzg.25 Wien. 

Schwarz Carl v., Baron, Villa Schwarz . . . Salzburg. 

Schwarz Gust. E. v. Mohrenstern, Praterstr. 23 Wien. 

Schwarz-Senborn Wilh. Freih. v., Excellenz Wien. 

440 „ „ Schwarzel Felix, Oek., b. Böhm.-Deutschbrod . Bastin. 

Schwarzenberg Adolf Josef Fürst, Durchlaucht Wien. 

„ „ Scudder Samuel, Prof., Harvard College, U.-St. Cambridge. 

„ „ Sebisanovic Georg, Dir. d. k. Oberrealschule . Semlin. 

„ „ Senn holz Gustav, Stadtgärtner, III., Heumarkt 2 Wien. 

„ „ Senoner Adolf, III., Marxergasse 14 ... . Wien. 
„ „ Sieb eck Alexander, fürstl. Khevenhüller'scher 

Forstmeister, N.-Oe Riegersburg. 

„ r SiegelMor., Civil-Ingen.,V., Hundsthurmerstr.68 Wien. 

„ „ Siegmund Wilhelm jun., Böhmen Reichenberg. 

n r Sigl Udiskalk, P., Hochw., Gymnas. -Director . Seitenstetteu. 

450 « r Simonkaj Dr. Ludwig, Professor am Lyceum . Arad. 
r n Simony Dr. Oscar, o. ö. Professor der Hochschule 

für Bodencultur Wien. 

„ „ Singer Dr. Max, Schriftsteller, IL, Weintrauben- 
gasse 9 Wien. 

„ „ Sitensky Dr. Fr., Professor der Landwirthschaft 

in der Landesanstalt Tabor. 

„ „ Soeding Emil, Buchhändler, I., Wallnerstr. 13 Wien. 

„ „ Sohst C. G., Fabriksbesitzer, Johns Allee 9 . . Hamburg. 

„ „ Spaeth Dr. Franz, Mag.-Beamt., I.,Kohlmesserg.3 Wien. 

r, r Stäche Dr. G., k. k. Ob.-Bergr. d. geol. Reichsanst. Wien, 
r r Stapf Dr. Otto, Assistent der Lehrkanzel für 

Botanik a. d. Univ., Docent, VII., Sigmundsg. 7 Wien. 



Mitglieder. 



XXVII 



P. T. Herr Stein bühler August, Marine-Comm.-Adjunct . Pola. 
460 „ „ Stein dachner Dr. Fr., Hofratli, Director d. zool. 

Abth. d. k. k. naturhistor. Hofmuseums . . . Wien. 
„ „ Steiner Dr. Julius, Prof. am Staats-Gymnasium, 

Gürtelstrasse 29 Währing. 

„ „ Stein inger Hans, Lehrer, Ob.-Oe Reichraming. 

„ Stellwag Dr. Carl v. Carion, k. k. Univ.-Prof. Wien. 

„ „ Sternbach Otto Freiherr v., k. k. Oberst i. P. Bludenz. 

„ „ Stieglitz Franz, Hochw., Domherr, Walterstr. 8 Linz. 

„ „ Stockmayer Siegfried S., Med., Goldschmidtg. 1 Währing. 
„ „ Stohl Dr. Lukas, fürstlich Schwarzenberg'scher 

Leibarzt i. P., III., ßeisnerstrasse 3 . . . . Wien. 

„ „ Strasser Pius P , Hochw., Pfarrer, bei Rosenau Sonntagsberg. 

„ „ StraussJ., städt. Marktcommiss., IV., Waagg. 1 Wien. 

470 „ „ Strobl Gabriel, P., Hochw., Gymnasial-Professor Admont. 
„ „ Stu dnizka Carl, k.k. Artillerie-Hauptmann, Com- 

mandant des Zeugsdepots Theresienstadt. 

„ „ Stummer Josef Ritter v., Präsid. der priv. Kaiser 

Ferdinauds-Nordbahn Wien. 

„ „ Stur Dionys, Director d. k. k. geol. Reichsanstalt Wien. 

„ „ Sturany Rudolf, VII., Zieglergasse 3 . . . . Wien. 

„ „ Stussiner Josef, k. k. Postofficial, Wienerstr. 15. Laibach. 

„ r S van da Stefan, Punzg.-Beamt., Gumpendstr. 63 Wien. 
r, „ Szyszylowicz Dr. Ignaz Ritter v., Assist, am 

k. k. Hofmuseura, III., Beatrixgasse 14 a . . . Wien. 

„ „ T an gl Dr. Eduard, k. k. Univ.-Prof., Albertineng. 3 Czernowitz. 

„ „ Teinpsky Friedrich, Buchhändler Prag. 

480 „ „ Teuchmann Fr., VIL, Burgg., Hotel Höller . Wien. 

„ „ Then Franz, Prof. a. d. k. k. Theres. Akademie . Wien. 

^ „ Thomas Dr. Friedr., herzogl. Professor, b. Gotha OhrdrufF. 
„ „ Thümen Felix, Freiherr von, k. k. Adjunct der 

forstlichen Versuchs-Station Görz. 

„ „ Tief Wilhelm, Gymnasial-Professor Villach. 

„ „ Tobisch J. 0., Dr., Districtsarzt, Kärnten . . Rosseg. 
„ „ Tomasini Otto, R. v., k. k. Oberlieutenant im 

Kaiserjäger-Regiraent, bei Gacko Avtovac. 

„ „ TomekDr. Josef, fürstl. Leibarzt, b. Frohnsburg Riegersburg. 

„ „ Topitz Anton, Schulleiter, bei Grein, Ob.-Oe. . St. Nikola. 

„ „ Trail Dr. Jam. H. W., Univ.-Prof. d. Bot., Schottl. Aberdeen. 

490 „ „ T reuin fei s Leo, Hchw., Abt. b. Marienberg, Tirol Mals. 
„ „ Treusch Leopold, Beamter der I. österreichischen 

Sparcasse, I., Graben 21 Wien, 

., „ Troyer Dr. Alois, Advocat, Stadt Steyr. 

„ „ Tscherniki Carl, k. k. Hofgärtner Innsbrack. 

d* 



XXVIII 



Mitglieder. 



500 



P. T. Herr Tschörch Franz, k. k. militär.-techn. Official . Wien. 
„ „ Tschusi Vict. R. zu Schraidh offen, b. Hallein Tännenhof. 
„ „ Twrdy Conrad, Professor an der k. k. Staats- 
Ober-Realschule, III., Parkgasse 9 .... Wien. 
„ ühl Dr. Eduard, VI., Mariahilferstr. Ib . . . Wien. 

„ „ Ulepitsch Josef, Zipser Comitat Gnezda. 

„ „ Urban Em., e. k. k. Prof., Franz Josefsplatz 7 . Troppau. 

„ „ Valenta Dr. A., k. k. Reg.-Rath u. Spitalsdirector Laibach. 

„ „ Velenovsky Dr. Josef, Wenzelgasse 18 . . . Prag. 

„ „ Verrall Gr. H., Sussex Lodge, England . . . Newmarket. 

„ „ Vesely Josef, k. k. Hofgärtner, IV., Belvedere . Wien. 

„ „ Vielguth Dr. Ferdinand, Apotheker, Ob.-Oestr. Wels. 

„ „ Vierhapper Friedrich, k. k. Gymnasialpvofessor Ried. 

„ „ Viertl Adalb., k. k. Hauptra. i. P., Franziskg. 18 Fünfkirchen. 

„ „ Vodopic Mathias, Bischof, Eminenz, Dalmatien Ragusa. 

„ „ Vogel Franz A., k. k. Hof-Garteninspector . . Laxenburg. 
„ „ Vogl Dr. August, k. k. Universitäts -Professor, 

k. k. Hofrath, IX., Ferstelgasse 1 Wien. 

510 „ Vojtek Rieh., Apotheker, VI., Königsegggasse 6 Wien. 
„ „ Voss Wilhelm, k. k. Professor an der Staats- Ober- 
Realschule Laibach. 

„ „ Vukotinovic Ludwig Farkas v Agram. 

„ „ Wachtl Friedr.,k.k. Forst- U.Domänen-Verwalter, 

I., Hegelgasse 19 Wien. 

r, „ Waginger Carl Dr., VII., Neubaugasse 30 . . Wien. 
„ „ Wagner Bernard; P., Hochw., Professor am Ober- 
Gymnasium Seitenstetten. 

„ „ Walter Julian, Hochw., P.-O.-P., Gymn.-Prof, 

I., Herrengasse 1 Prag. 

„ Walz Dr. Rudolf, IV., Carolineng. 19 ... . Wien. 

„ „ Washington Stephan V., Baron, Schloss Pols . Steiermark. 

„ Weiglsperger Fr., Hchw., Pfarr,, P. Atzenbruck Michelhausen. 

520 „ „ Weinländer Georg, Gymn.-Prof., Yppenplatz 6 Ottakring. 
„ „ W ein zier 1 Dr. Theodor Ritter v., Vorstand der 

Samen-Control-Versuchsstation, L, Herreng. 13 Wien. 
„ „ Weisbach Dr. August, k.k. Ober-Stabsarzt, Garni- 
sonsspital Nr. 1 Wien. 

„ „ Weiser Franz, k. k. Landesgerichtsrath, IV., 

Hauptstr. 49 . Wien. 

„ „ Weiss Dr. Adolf, Regier.-Rath, k. k. Univ. -Pro f. Prag. 

„ Werner Franz, Stud. phil., I., Bellaria 10 . . Wien. 

„ „ WesterlundDr. Carl Agardh, Schweden . . Ronneby. 
^ „ Wettstein Dr. Richard Ritt. v. Westersheim, 

Pocent u. Adjunct a. d. Univ., III,, Mecbelgasse 2 Wien, 



Mitglieder. 



XXIX 



P. T. Herr Wichmann Dr. Heiur., Adjunct a. d. österr. Vei- 

sucbsstatiou f. Brauerei, IX., Währingerstr. 59 Wien. 

„ „ Wieder mann Leopold, Hochw., Pfarrer, Post 

Sieghartskircheu Rappoltenkirchen. 

„ n Wiemann August, Gärtner, III., Renn weg 14 . Wien, 

„ „ Wierer Lud. v. Wierersberg, Bezirksgerichts- 

Adjuuct, Niederösterreich Korneuburg. 

„ „ Wierzejski Dr. Ant,, Prof. a. d. Univ Krakau. 

„ „ Wiesner Dr. Jul., k. k. Univ.-Professor d. Bot. Wien. 

„ „ Wilczek Hans Graf, Excellenz, geh. Rath . . Wien. 

„ „ Wilhelm Dr. Carl, Professor an der Hochschule 

für Bodencultur, VIIL, Skodagasse 17 . . . Wien. 

„ „ Willkomm Dr. Moriz, k. k. Hofrath, Univ.-Prof., 

Smichov Prag. 

„ „ Winkler Moriz, Friedenthal bei Neisse . . . Giesmannsdorf. 

„ „ Wintersteiner Hugo, IX., Schlagergasse 7. . Wien. 

„ „ Witlaczil Dr. Eraanuel, III., Bechardgasse 2 . Wien. 

540 „ „ Wittin g Eduard, VIL, Zieglerg. 27 Wien. 

„ „ Wocke Dr. M. T., Klosterstrasse 87b .... Breslau. 

„ „ Wolf Franz, Nied.-Oest ' . . . . Waldegg. 

„ „ Woloszczak Dr. Eustach, Docent a. d. Technik Lemberg. 

„ „ Woronin Dr. M., Prof., kleine italienische Strasse 6 St. -Petersburg. 

„ „ Wright Dr. Percival, Prof. d. Bot., Trinitj Coli. Dublin. 

„ „ Würth Emanuel v., III., Reisnerstrasse 9/a . . Wien. 

„ „ Zabeo Alfons Graf, IX., Berggasse 9 . . . . Wien. 

„ „ Zahlbruckner Dr. Alex., VIL, Mechitharisteng. 7 Wien. 

r, „ Zapalowicz Dr. Hugo, k. k. Hauptmann, Garni- 
sonsgericht Innsbruck. 

550 ^ ^ Zareczny Dr. Stan., Prof. am III. Gymn. . . Krakau. 

„ „ Zickendrath Dr. Ernst, Haus Siegle, Butirki . Moskau. 

„ „ Zivotsky Josef, ev. Katechet, IV,, Igelgasse 11 Wien. 

p Frau Zugmayer Anna, Nied,-Oest Waldegg. 

554 „ Herr Zukal H., Uebungslehrer der k. k. Lehrerinnen- 
Bildungsanstalt, VIIL, Lerchengasse 34 . . . Wien. 



IrrthUmer im Verzeichniss und Adressänderungen wollen dem Secretariate 
zur Berücksichtigung bekannt gegeben werden. 



XXX 



Ausgeschiedene Mitglieder. 



Ausgeschiedene Mitglieder. 



1. Durch den Tod: 



P. T. Herr Bamberger Georg. 

„ „ Böhm Ignaz. 

„ „ Boennecken Christ. 

„ „ Bonorden Dr. H. F. 

„ „ Bubela Johann. 

„ „ Buchinger Dr. F. 

„ „ Deschmann Carl v. 

„ „ Eberstaller Josef. 

„ „ Fanzago Philipp. 

„ „ Hirn er Josef. 

„ „ Holmgren August Em. 

„ „ Homeyer Eugen v. 

„ „ Keyserling Graf Eugen. 

„ „ Kirsch Tb. 

„ „ L etzner K. 



P. T. Herr Lindberg Dr. S. 

„ „ Low Dr. Franz. 

„ „ Martins Charles. 

„ „ Meneghini Dr. Josef 

„ „ Peyritsch Dr. Johann. 

„ „ Prochaska Leopold. 

„ „ Schierbrand Curt Wolf V. 

„ „ Schneider Dr. W. G. 

„ „ Signoret Dr. Victor. 

„ „ Skinner Maj. 

„ „ Staufer Vincenz. 

„ „ Veth Moriz. 

„ Vullers Dr. D. 

„ „ Wood-Mason J. 



2. Durch Austritt: 



P. T. Herr Äusserer Dr. Anton. 

„ „ Blazicek Jaroslav. 

„ „ Buchmüller Ferdinand. 

„ „ Czoernig Carl v. 

„ „ Dorf meister Vincenz. 

„ „ Eysank V. Marienfels M. 

„ „ Finger Dr. Josef. 

„ „ Firbas Franz. 

„ „ Fischbacher Alois. 

„ „ Fruwirth August. 



P. T. Herr Hanausek Dr. Thom. 
„ „ Kunz Eduard. 
„ „ Lippert Christ. 
„ „ Mihailovic Victor. 
„ „ Moser Dr. Carl. 
„ „ Nevinny Dr. Josef. 
„ „ Pichler Johann. 
„ „ Rassmann Moriz. 
„ „ Rinnböck Josef. 
Scheffler Carl, 



Ausgeschiedene Mitglieder. 



XXXI 



P.T. Herr Scberks Ernst. 
„ „ Scbletterer August. 
Schwöder Adolf. 



So IIa Dr. Felix Rüdiger. 



P. T. Herr Stanze! Dr. Anton. 
„ „ Teiber Heinrieb. 
„ „ Tomasser Ubald. 



3. Wegen Zurückweisung der Einhebung des Jahresbeitrages 
durch Postnachnahme: 



F. T. Herr Benz Robert v. 

„ Kimakowicz Mauritius. 



F. T. Herr Pocta Pbilipp. 

Scbleretb Max v. 



XXXII 



Lehranstalten und Bibliotheken. 



Lehranstalten und Bibliotheken, 

welche die Gesellschaftsscliriften beziehen. 



Gegen Jahresbeitrag*. 

Berlin: Königl. Bibliothek. 

Brixen: Fürstb. Gyranasium Vincentiaum. 

Brünn: K. k, 1. deutsches Ober-Gymnasium. (Nchn.) 

Dornhirn (Vorarlberg): Communal-Ünter- Realschule. 

Feldkirch (Vorarlberg): Pensionat Stella matutina, 

Görz: Landesmuseum, 

„ K. k. Ober-Realschule. 

„ K. k. Ober-Gymnasium. (Q.) 
Graz: K. k. 1. Staats-Gymnasium. 
10 „ K. k. Üniversitäts-Bibliothek. 
Güns: K. kath. Gymnasium. (P. f.) 
Kalksburg: Conviet der P. P. Jesuiten. 
Klagenfurt: K. k. Ober- Gymnasium. 

Klausenburg: Landwirthschaftliche Lehranstalt (Monostor). 
Laibach: K. k. Lehrerbildungsanstalt. 

„ k. k. Staats- Ober-Realschule. 
Leoben: Landes-Mittelschule. 
Linz: Oeffentl. Bibliothek. 

„ Bischöfliches Knaben- Seminar am Freinberge. 
20 Marburg: K. k. Gymnasium. 

Mariaschein bei Teplitz: Bischöfliches Knaben-Seminar. 

Martinsberg bei Raab: Bibliothek d. e. Benedictiner-Erzstiftes. (Nchn.) 

Ober-Hollabrunn: Landes-Realgymnasium. 

Oedenburg : K. kath. Ober-Gymnasium. 

Olmütz: K. k. Studien-Bibliothek. 

„ K. k. Ober-Realschule. 
Pilsen: K. k. deutsche Staats-Realschule. 
Prag: K. k. deutsches Gymnasium der Altstadt. 

„ K. k. deutsches Neustädter Gymnasium, Graben 20. 
30 „ K. k. deutsches Ober-Gymnasium der Kleinseite. (Nchn.) 

„ Gesellschaft für Physiokratie in Böhmen, Wenzelsplatz 16. 
Pressburg: Studienanstalt der Gesellschaft Jesu. 
Przibram: K. k. Lehrerbildungsanstalt. 
Beichenberg (Böhmen): K. k. Ober- Realgymnasium. 
Ried (Ob.-Oesterr.): K. k. Staats-Ober-Gymnasium. 



Lehranstalten und Bibliotheken. 



XXXIII 



Roveredo: Museo Civico. (P.) 
Salzburg: K. k. Gymnasium. 

„ K. k. Ober-Realschule. 
Schässburg: Evang. Gymnasium. 
40 Stockerau: Landes-Realgymnasium. 

Tabor: Höhere landwirthsch. -industrielle Landes-Anstalt. (P. f.) 
Temesvar: K, Ober-Gymnasium. 
Tesche n: K. k. Staats-Realschule. 
Troppau: Landes-Museum. (Nohn.) 

„ K. k. Staats-Gymnasium. (Buchh. GoUmann.) 
„ K. k. Ober-Realschule. 
Ungarisch- Hradisch: K. k. deutsches Staats-Real-Obergymnasium. 
Vülach: K. k. Real-Obergyranasium. 
Weisswasser, Böhm.-: Forstlehranstalts-Direction. 
50 Wien: K. k. Akademisches Gymnasium, L, Christinengasse 1. 
„ Oesterr. Apotheker -Verein. 
„ Bibliothek der k. k. techn. Hochschule. 

„ Kaiser Franz Josefs-Gymnasiura der innern Stadt, Hegelgasse. 
„ Leopoldstädter k. k. Staats-Ober-Realschule, II., Vereinsgasse 21. 
„ K. k. Staats- Gymnasium, IL, Taborstrasse* 24. 
„ Botan. Museum der k. k. Universität, III., Rennweg 14. 
„ K. k. Staats-Ober-Realschule, III., Radetzkystrasse 2. 
„ K. k. Staats-Realschule, Währing, Wienerstrasse 49. 
„ K. k. Staats-Unter-Realschule, V., Rampersdorferg. 20. 
60 » Zool.-bot. Bibl. d. k. k. techn. Hochschule. 

Wiener-Neustadt : Niederösterreichisches Landes-Lehrer-Serainar, 
„ Niederösterreichische Landes-Ober-Realschule. 



Unentgeltlich. 

Czernowitz: K. k. Universitäts-Bibliothek. 
Prag: Lese- und Redehalle der deutschen Studenten. 
Waidhofen a. d. Thaya: Landes-Realgymnasium. 
Wien: K. k. Hof bibliothek. 

„ Communal-Gymnasium Gumpendorf. 

„ n » Leopoldstadt. 

„ „ Ober-Realschule Gumpendorf, VI., Marchettigasse. 

70 „ „ » » I-j Schottenbastei 7. 

„ „ Wieden. 

„ K. k. Universitäts-Bibliothek. 
73 „ Laudesausschuss- Bibliothek. 



Z. B. Ges. B XXXIX. 



XXXIV 



WisBonschaftliche Anstalten. 



Wissenschaftliche Anstalten und Vereine, 

mit welchen Schriftentausch stattfindet. 



Oesterreich -Ungarn. 

Agram: Societas Historica Naturalis Croatica „Glasüik". 
Bregem: Landes-Museums - Verein. 
Brünn: Naturforschender Verein. 

„ Mährisch-schles. Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues. 
Buda-B&st: K. ungar. Akademie der Wissenschaften. 

„ „ „ geologische Anstalt. 

„ „ „ geologische Gesellschaft. 

„ Ungar, naturwissenschaftlicher Verein. 

„ Redaction der naturhistorischen Hefte des National-Museums. 

10 Graz: Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark. 
„ K. k. steiermärkischer Gartenbau -Verein. 
Hermannstadt: Siebenbürgischer Verein für Naturwissenschaften. 

„ Verein für siebenbürgische Landeskunde. 

Innsbruck: Naturwissenschaftlich-medicinischer Verein. 

„ Ferdinandeum. 
Klagenfurt: Naturhistorisches Landes-Museum. 

„ K. k. Gesellschaft z. Beförderung d. Ackerb. und d. Industrie in Kärnten. 

Klausenburg: Medicinisch-naturwissenschaftlicher siebenbürg. Museumsverein. 
Leipa, Böhm.-: Nordböhmischer Excursions-Club. 
20 Leutschau: Ungarischer Karpathen - Verein. 
Lim: Museum Francisco-Carolinum. 

„ Verein für Naturkunde. 
Prag: K. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften. 

„ Naturhistorischer Verein „Lotos". 
Reichenberg: Verein der Naturfreunde. 
Salzburg: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. 

„ Deutscher und österreichischer Alpenverein. 
Trentschin: Naturwissenschaftlicher Verein des Trentschiner Comitats. 
Triest: Museo civico di storia naturale. 
30 Societä adriatica di scienze naturali. 

„ Societä d'orticultura del Littorale. 
Wien: Kais. Akademie der Wissenschaften. 
K. k. naturhistorisches Hofmuseum. 



Wi8seu8cbaftliclie Anstalten. 



XXXV 



Wien: Naturwissenschaftlicher Verein an der Universität. 

„ K. k. Gartenbau-Gesellschaft. 

„ K. k. geographische Gesellschaft. 

„ K. k. geologische Reichsanstalt. 

„ K. k. Gesellschaft der Aerzte. 

„ Oesterreichischer Reichs-Forstverein. 

40 „ Verein für Landeskunde von Niederösterreich. 

„ Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse. 



Deutsches Reich. 

Altenburg: Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes. 

Anndberg-BuchhoJz : Verein für Naturkunde. 

Arnstadt: Deutsche botanische Monatsschrift (G. Leimbach). 

Augsburg: Naturhistorischer Verein. 

Bamberg: Naturforschender Verein. 

Berlin: Königl. preussische Akademie der Wissenschaften. 
„ Botanischer Verein für die Provinz Brandenburg. 
„ Berliner Entomologischer Verein (B. Hache). 
50 „ Deutsche entomologische Gesellschaft. 

„ Jahrbücher des k. botan. Gartens und Museums. 

„ Naturwissenschaftliche Wochenschrift (Verlag Hermann Riemanu, 

Louisenplatz 11, N. W. 6). 
„ Archiv für Naturgeschichte. (Nicolai'sche Buchhandlung.) 
„ Entomologische Nachrichten (Priedländer). 

„ Verein zur Beförderung des Gartenbaues in den k. preuss. Staaten. 
Bonn: Naturhistorischer Verein d. preuss. Rheinlande und Westphalens. 
Braunschweig: Naturwissenschaftliche Rundschau (Vi e weg & Sohn). 

„ Verein für Naturwissenschaft. 

Bremen: Naturwissenschaftlicher Verein. 
60 Breslau: Verein für schlesische Insectenkunde. 

„ Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. 
Cassel: Verein für Naturkunde. 
Chemnitz: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. 
Colmar i. Elsass: Societd d'histoire naturelle. 
Danzig: Naturforschende Gesellschaft. 
Barmstadt: Verein für Erdkunde. 

Donau-Esehingen: Verein für Geschichte und Naturgeschichte. 
Dresden: Gesellschaft Isis. 

„ Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. 
70 Dürkheim: Pollichia (Naturw. Verein d. bairischen Pfalz). 

Elberfeld: Naturwissenschaftlicher Verein von Elberfeld und Barmen. 
Emden: Naturforschende Gesellschaft. 
Erlangen: Biologisches Centralblatt, 

9* 



XXXVI 



WisseaBchaftliche Anstalten. 



Erlangen: Physikalisch-medicinische Societät. 

Frankfurt a. M.: Senkenbergische naturforschende Gesellschaft. 

„ Redaction des Zoologischen Gartens. 

Frankfurt a. 0.: Naturwissenschaft!. Verein f. d. Regierungsbez. Frankfurt a. 0. 

„ Societatum Litterae (Dr. Ernst Huth). 

Freihurg i. B.: Naturforschende Gesellschaft. 
80 Fulda: Verein für Naturkunde. 

Glessen: Oberhessische Gesellschaft für Natur- u. Heilkunde. (Buchh. Richter.) 
Görlitz: Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. 

„ Naturforschende Gesellschaft. 
Göttingen: Königl. Gesellschaft der Wissenschaften. 

Greifswald: Naturwissenschaftlicher Verein von Neu -Vorpommern und Rügen. 
Güstrow: Verein der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. 
Halle a. d. S.: Naturwissenschaftlicher Verein für Sachsen und Thüringen. 
„ Naturforschende Gesellschaft. 

„ „Die Natur" (Schwetschke'scher Verlag). 

90 „ Kaiserl. Leopold. -Carolin, deutsch. Akad. d. Naturforscher. 

Hamburg -Altona: Naturwissenschaftlicher Verein. 

„ Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung. 

„ Naturhistorisches Museum der Stadt Hamburg. 

Hanau: Wetterauische Gesellschaft für die gesammte Naturkunde. 
Hannover: Naturhistorische Gesellschaft, 
Heidelberg: Naturhistorisch-medicinischer Verein. 
Jena: Medicinisch- naturwissenschaftliche Gesellschaft. 
Kiel: Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig-Holstein. 
Königsberg: Königl. physikalisch-ökonomische Gesellschaft. 
100 Landshut: Botanischer Verein. 

Leipzig: Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie (W. Engelmann). 
„ Königl. sächsische Gesellschaft der Wissenschaften. 
„ Botanische Zeitung (Verlagsbuchh. Arth. Felix). 
„ Zoologischer Anzeiger (W. Engelmann). 
„ Verein für Erdkunde. 
Lüneburg: Naturwissenschaftlicher Verein für das Fürstenthum Lüneburg. 
Magdeburg: Naturwissenschaftlicher Verein. 
Mannheim: Verein für Naturkunde. 
Metz: Societe d'histoire naturelle. 
110 München: Königl. baierische Akademie der Wissenschaften. 
„ Gesellschaft für Morphologie und Physiologie. 
Münster: Westphälischer Provinz -Verein für Wissenschaft und Kunst. 
Nürnberg: Naturhistorische Gesellschaft. 
Offenbach: Verein für Naturkunde. 
Osnabrück: Naturwissenschaftlicher Verein. 
Passau: Naturhistorischer Verein. 
JicAjensburg : Zoologisch-mineralogischer Verein. 



Wissenecbaftliche Anstalten. 



XXXVII 



Regensburg: Königl. baierische botanische Gesellschaft. 
Sondershausen: Irmischia. 
120 Stettin: Entoniologischer Verein. 

Stuttgart: Verein für vaterländische Naturkunde in Würtemberg. 
Wiesbadeti: Nassauischer Verein für Naturkunde. 
Ziüickau: Verein für Naturkunde. 

Schweiz. 

Basel: Naturforschende Gesellschaft. 
Bern: Allgera. Schweiz, naturforschende Gesellschaft. 
„ Naturforschende Gesellschaft. 

„ Schweizerische entomologische Gesellschaft. (Theodor Steck, Natur- 
historisches Museum.) 
Chur: Naturforschende Gesellschaft. 

Frauenfeld: Mittheilungen der Turgauischen Naturforschenden Gesellschaft. 
130 Genf: Societe' de physique et d'histoire naturelle. 
Lausanne: Societe vaudoise des sciences naturelles. 
Neufchätel: Socie't^ des sciences naturelles. 
Sion: Sociäte murithienne de Valais. 
St. Gallen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft. 
Zürich: Naturforschende Gesellschaft. 

Skandinavien. 

Bergen: Bibliothek des Museums. 
Christiania: Vetenskaps Sällskapet. 

„ Universitäts-Bibliothek. 
Gothenburg: K. Vetenskaps Sällskapet. 
HO Lund: K. Universität. 

Stockholm: K. Vetenskaps Akademie. (Buchh. M. W. Samson & Wollern 
d. R. Hartmann in Leipzig.) 
p]ntomologiska Föreningen, 94 Drokninggatan. 
Tromsö: Museum. 

Trondhjem: K. Norske videnskabers Selskabs. 
Upsala: Vetenskaps Societät. 
„ K. Universität. 

Dänemark. 

Kopenhagen: Naturhistoriske forening. 

„ K. danske videnskabernes Selskab. 

Holland. 

Amsterdam: Koninklijke Akademie van Wetenschappen. 
150 „ Koninklijke Zoologisch Genootschap Natura Artis Magistra. 

Gent: Kruiskundig Genootschap „Dodonaea". 



XXXVIII 



Wissenschaftliche Anstalten. 



Gent: Natura, Handschrift voor Naturwetenschappen. 
Haag: Nederlandsche Entomologische Vereeniging. 
Harlem: Musee Teyler. 

„ Hollandsche Maatschappij de Wetenschappen. 
Middelburg: Genootschap der Wetenschappen. 
Botterdam: Nederlandsche Dierkundige Vereeniging. 

Utrecht: Provincial Utrechtsche Genootschap van Künsten en Wetenschappen. 

Belgien. 

Brüssel: Academie Royale des sciences, des lettres et des beaux-arts de Belgique. 
(Commission des echanges internationaux.) 
160 „ Societe Royale de Botanique de Belgique. 
„ „ entomologique de Belgique. 

„ „ malacologique de Belgique. 

„ „ Beige de Microscopie. 

Liege: Redaction de la Belgique Horticole. (Morren.) 

„ Societe' Royale des Sciences. 
Luxemlourg: Societe des Sciences naturelles du Grand-Duche de Luxerabourg. 
„ „ de Botanique du Grand-Duche de Luxembourg. 

Grossbritannien. 

Belfast: Natural History philosophical Society. 
Dublin: Royal Irish Academy. 
170 „ Geological Society. (Trinity College.) 

„ Royal Society. 
Edinburgh: Royal Physical Society. 
„ Royal Society. 

„ Geological Society. 

Glasgow: Natural history Society. 
Liverpool: Biological Society. 
London: Entomological Society. 

„ The Entoraologist. 

„ Entomologist's Monthly Magazine. 
180 „ Geological Society. 

„ Linnean Society. 

„ Meteorological Office. 

„ Royal Society. (Burlington House, W.) 

„ Royal microscopical Society. (Kings College.) 

„ Zoological Society. 
Manchester: Literary and philosophical Society. 
Newcastle upon Tyne: Tyneside Naturalist's Field club. 
Berth: Scottish naturalist (Buchanan White, M. D. Annat Lodge). 



Wissenschaftliche Anstalten. 



XXXIX 



Russland. 

Charkow: Gesellschaft der Naturforscher an der kaiserl. Universität. 
190 Dorpat: Naturforscher- Gesellschaft. 

Ekafherinenburg : Societe' ouralienne d'amateurs des sciences naturelles. 
Helsingfors: Finska Vetenskaps- Societeten. 

„ Societas pro Fauna et Flora fennica. 
Kiew: Societe des Naturalistes. 
Moskau: Societe Imperiale des Naturalistes. 
Odessa: Neurussische Gesellschaft der Naturforscher. 
Petersburg : Academie Imperiale des sciences. 
„ Kaiserlicher botanischer Garten. 
„ Societas entomologica rossica. 
200 Riga: Naturforschender Verein. 

Italien. 

Äcireole (Sicilien): Societä italiana dei Microscopisti Sicilia. 

Bologna: Accademia delle scienze. 

Florenz: Bibliotheca Nazionale Centrale di Fireuza. 

„ Redazione del nuovo Giornale botanico. 

„ Societä entomologica italiana. 
Genua: Museo civico di storia naturale. 

„ Societä di letture e conversazioni scientifiche. 
Lucca: Accademia lucchese di scienze, lettere ed arti. 
Mailand: Societä italiana di scienze naturali. 
210 „ Istituto lombardo di scienze, lettere ed arti, 

„ Societä crittogamologica italiana. 
Messina: Malpighia Revista Mensuale di Botanica. 
Modena: Societä dei naturalisti. 

„ Accademia di scienze, lettere ed arti. 

„ Societä malacologica italiana. (Segretario Prof. Dante Panternelli, 
ünivers. Modena.) 
Neapel: Accademia delle scienze. 

„ Mittheilungen der zoologischen Station (Dr. Dohrn). 
Padua: Societä veneto-trentina di scienze naturali. 
Palermo: Real' Accademia palermitana delle scienze, lettere etc. 
220 „ Societä di Acclimazione. 

Pisa: Societä toscana di scienze naturali. 
Pom: Real' Accademia dei Lincei. 
„ Societä italiana delle scienze. 

„ Jahrbücher des botanischen Gartens (Prof. Pirotta). 
Siena: R. Accademia dei Fisiocritici. 

„ Revista italiana di scienze naturali. 
Venedig: Istituto veneto di scienze, lettere ed arti. 



XL 



Wissenschaftliche Anstalten. 



Venedig: Notarisia, Commentariuin Phycologicum (S. Samule, 3422^ Venezia). 
Verona: Accademia di Agricoltura, commercio ed arti. 

Frankreich. 

230 Amiens: Societe Linneenne du Nord de la France. 
Angers: Sociöte' d'etudes scientifiques. 
Bordeaux: Societe Linneenne. 
Caen: Societe Linneenne de Normandie. 

„ Annuaire du Musee d'histoire naturelle. 
Cherhourg: Societe des sciences naturelles. 
Dijon: Academie des sciences, arts et belles-lettres, 
Lille: Societe des sciences de l'agriculture et des arts. 

„ Eevue biologique du Nord de la France. 
Lyon: Academie des sciences, belles-lettres et arts. 
240 „ Societe d'Agriculture. 

„ Societe botanique de Lyon (palais des arts, place des terreaux). 
„ Societe Linne'enne de Lyon. 
Nancy: Societe des sciences. 

„ Academie de Stanislas. 
Paris: Journal de Conchiliologie. 

„ Nouvelles archives du Musee d'histoire naturelle. 
„ Societe botanique de France. 
„ Societe' entoraologique de France. 
„ Societe zoologique de France. 
250 Ronen: Societe des amis des sciences naturelles. 

Portugal. 

Coimbra: Sociedad Broteriana (Boletin annual). 
Lissabon: Academia real das sciencias. 

Porto: Sociedade Carlos Eibeiro (Eevista de Sciencias Naturaes E. Socides). 

Spanien. 

Madrid: Sociedad espanola de historia natural. 

Asien. 

Batavia: Bataviaasch Genootschap van Künsten en Wettenscbappen 

„ Natuurkundige Vereeniging in Nederlandisch-Indie. 
Bombay: Journal of the Bombay Natural History Society Bombay. 
Calcutta: Asiatic Society of Bengal. 
Shanghai: Asiatic Society, north China branch. 



260 Cairo: L'Insiitut Egyptien. 



Afrika. 



Wisseuschaftliche Anstalten. 



XLI 



Amerika. 

a) Nordamerika. 

Boston: American Academy. 

„ Society of Natural History. 
Buffalo: Society of Natural Sciences. 

Cambridge: American Association for the advancement of science. 
j, Museum of comparative Zoology. 

„ Entomological Club Psyche, Organ of the (p. G. Dimokin Paris). 

Chapel Hill: Journal of the Elisha Mitchell Scientific Society. 
Columbus: Geological Survey of Ohio. 
St. Francisco: Californian Academy of Natural Sciences. 
270 Franklin County: Bulletin of the Brookville Society of Natural History. 
Netü-Haven: American Journal of Science and Arts. 

„ Connecticut Academy. 

St. Louis: Academy of science. 

Minnesota: Minneapolis Geological and Natural History Survey of Minnesota 

(N. H.W in che 11, Director U. S. a.). 
Montreal: Geological and natural history Survey. of Canada. 

., Eoyal Society of Canada. 
New -York: Academy of sciences. 

„ Bulletin of the Torrey Botanical Club. 

„ Entomological Society, 16 and 18 Broad Street, New-York City. 
280 „ Society of Natural History (olim Lyceum). 

Philadelphia: Academy of Natural Sciences. 

., American Entomological Society. 

., American Naturalist, Prof. E. D. Cope, 2102 Pine Street. 

., American Philosophical Society. 

„ The Journal of Comparative Medicine and Surgery, A. L. Humel 

(Editor Conklin), 1217 Filbert Street. 
„ Zoological Society of Philadelphia. 

Quebec h. London: Canadian Entomologist by W. M. Saunders (Ontario). 
Salem: Essex Institute. 
Toronto: Canadian Institute. 
290 Trenton: N. J. Journal the Trenton Natural History Society. 

Washington: Departement of Agriculture of the United States of North 
America. 

Smithsonian Institution. 
„ United States commission of fish and fisheries. 

„ United States Geological Survey. 

b) Mittel- und Südamerika. 
Buenos- Ayres: Museo publico. 

Sociedad cientifica argentina. 

Z. B. Gea. B. XXXIX. f 



XLII 



Vou der Gesellscliaft angekaufte periodische Schriften. 



Caracas: Revista cieiitifica meusual d. 1. universitad de Venezuela. 
Cordoha: Acaderaia nacional di ciencias exactas a la Universidad. 
Mexico: Sociedad mexicana de historia natural. 
300 „ Memorias de la Sociedad Cientifica, Antonio Alzate. 
„ Museo nacional mexicana. 
Bio de Janeiro: Museo nacional, 
„ „ „ Archivio de Museo nacional de (E. Mellier, Paris). 

Australien. 

Adelaide: Philosopliical society. (South austral. Institute.) 
Melbourne: Public Liberary, Museum and National Gallery of Victoria. 
Sidney: Linnean society of New South Wales. 
Royal society of New South Wales. 
308 „ The Australian Museum. 



Periodische Schriften, 

welche von der Gesellschaft angekauft werden: 

Berichte der Deutschen botanischen Gesellschaft in Berlin. 

Bibliotheca della Zoologia e Anatomia comparata da Italia per L. Came- 

rano e M. Lessona. 
Bibliotheca zoologica. Herausg. von Carus und Engelmann. 
Botanische Jahrbücher für Systematik etc. Herausg. von A. Engler. 
Botanisch er Jahresbericht. Herausg. von Dr. E. Koehne (fr. Dr. L. Just). 
Botanisches Centralblatt. Herausg. von Dr. Oscar Uhlworm. 
Claus C. Arbeiten aus dem zoologischen Institute der k. k. Universität Wien 

und der zoologischen Station in Triest. 
Flora (Allgemeine botanische Zeitung). 
Flora und Fauna des Golfes von Neapel. 
Le Natur allste C anadien (Red. par Abbö Pro van eher). 
Oesterreichische botanische Zeitschrift. 

Wiener entomol. Zeitung. Herausg. von J. Mik, E. Reitter und F. Wachtl. 
Zoologischer Jahresbericht. Herausg. von der zoolog. Station in Neapel. 
Zoologische Jahrbücher. Herausg. von Spengel. 




/ 



Sitzungsberichte. 



Z. B. Ges. B. XXXIX. Sitz.-Ber. 



A 



3 



Versammlung am 2. Jänner 1889. 

Vorsitzender: Herr Professor Dr. Gustav Mayr. 



Neu eingetretene Mitglieder: 

Als Mitglied bezeichnet durch 
P. T. Herr p ^^^^^^ 

Gurschner H.Alfons, k, k. Ingenieur der 

Etsch-Regulirungsgesellschaft. Bozen . . A. Rogenhofer, E. Zickendrath. 
Hölzl Paul. Maler in Gries bei Bozen . . F. Kohl, A. Schletterer. 



Eingesendete Gegenstände : 

50 Nummern als Fortsetzung seiner „Lichenes exsiccati" von Herrn 
F.Arnold in München. 



Herr Dr. Emil v. Marenzeller hielt einen Vortrag unter 
dem Titel: „Neues über leuchtende Seethiere". in welchem 
er hauptsächlich auf die neue Theorie von Raphael Dubois 
über die Lichtentwickelung einging. 

Dubois nimmt nach Untersuchung des amerikanischen Leuchtkäfers und 
der Bohrmuschel an, dass die lichterzeugende Substanz ein im Wasser löslicher, 
in der Hitze gerinnbarer, nicht organisirter Eiweissstoff ist, wie z. B. die Dia- 
stase des Malzes, welcher als Ferment die Zerlegung eines anderen Stoffes 
unter Lichtentwicklung bewirkt. Es handelt sich um einen rein chemischen 
Process, der unabhängig von dem Leben des Thieres ablaufen kann (Dubois 
E., De la fonction photogenique chez le Pholas dactylus in: Comptes rendus 
de l'Acad. d. sc. de Paris, 1887, T. 105, p. 690). Derselbe Forscher fand später in 
der Athemröhre der Bohrmuschel und an der Oberfläche der Leuchtquallen 
Mikroorganismen, aus welchen leuchtende Bacillen gezogen wurden. (Sur le röle 
de la Symbiose chez certains animaux marins lumineux, ebenda 1888, T. 107, 

A* 



4 



Versammlung am 2. Jänner 1889. 



p. 502.) Der Vortragende ist aber nicht der Ansicht, dass das Leuchten so vieler 
Seethiere mit dem Vorkommen dieser Leuchtbacillen in Zusammenhang zu 
bringen ist, wenn er auch zugibt, dass das Leuchten des Meeres selbst, unter 
Umständen durch ihre Anwesenheit bedingt werden kann. (Siehe auch Maren- 
zell er E. V.: „Ueber Meerleuchten" in Schriften des Vereins zur Verbreitung 
naturwissenschaftlicher Kenntnisse, Bd. XXIX, 1889, p. 137—161. 



Herr Dr. Carl Wilhelm besprach sodann in eingehender 
Weise den Inhalt des soeben erschienenen Werkes von E. Stahl: 
„Pflanzen und Schnecken". 



Herr Secretär Dr. R. v. Wettstein legte folgende, im Ver- 
laufe des letzten Monates der Gesellschaft überreichten Manu- 
scripte vor: 

Kohl F.: „Bemerkungen zu Edm. Andre's Species des Hyme- 
nopteres, T. HI (Les Sphegiens)." (Siehe Abhandlungen, Seite 9.) 

Braun H.: „Bemerkungen über einige Arten der Gattung 
Meniha^^ , (Siehe Abhandlungen, Seite 41.) 

Rathay E.: „Ueber die Verbreitung und das Auftreten der 
Gallenlaus im Klosterneuburger Versuchsweingarten." (Siehe Ab- 
handlungen, Seite 47.) 

Vukotinovi6 L. v. : „Beitrag zur Kenntniss der croatischen 
Eichen." (Siehe Abhandlungen, Seite 191.) 

Ferner berichtete der Secretär über den am 21. December 
1888 abgehaltenen botanischen Discussions- Abend. 

An demselben sprach Herr Docent Dr. H. Molisch über 
eine neue Cumarinpflanze. 

Als eine solche erkannte der Vortragende das so häufig culti- 
virte Ägeratum Mexicanum. Im lebenden Zustande besitzt die 
Pflanze nicht den bekannten Duft des Cumarin, derselbe tritt 
erst nach dem Tode auf. Daraus folgt aber, dass freies Cumarin 
der lebenden Pflanze fehlt und dasselbe erst nach dem Ab- 
sterben abgeschieden wird. Die Hauptmenge des Cumarins findet 
sich in den Blättern, in den Blüthen nur Spuren, in den Wurzeln 
fehlt es. 



E. Räthay. 



5 



Herr Professor E. Ratliay sprach sodann über das frühe 
Ergrünen der Gräser unter Bäumen. 

Ich befasse mich seit einer Keihe von Jahren mit der merkwürdigen, 
durch verschiedene Pilze auf unseren Wiesen hervorgerufenen Erscheinung der 
Hexenringe, und da ich hiebei die Bemerkung machte, dass das Ringgras im 
Frühlinge vor jenem der Umgebung ergrünt, so interessirte es mich zu beobachten, 
dass die Gräser auch noch auf gewissen, ausserhalb der Hexenringe gelegenen 
Stellen früher als auf den übrigen Theilen unserer Wiesen ergrünen. Solche 
Stellen sind folgende: 

1. Die mit Jauche oder mit Stallmist gedüngten Theile der 
Wiesen. In dem hübschen Aufsatze, welchen Professor Julius Gremblich 
über unsere Alpenwiesen veröffentlichte, findet sich gleich Eingangs und später 
nochmals die Angabe, dass gedüngte Wiesen zeitlicher als ungedüngte ergrünen, i) 
und ich überzeugte mich oftmals von der Richtigkeit dieser Angabe. Auf jedem 
mit Jauche oder Stallmist gedüngten Rasentheile sprossen im Frühlinge die 
Gräser früher. 

2. Die Rasensäume längs der Fusspfade. Dass die Gräser auf 
diesen Rasensäumen in der That früher als auf den übrigen Rasentheilen er- 
grünen, beobachtete ich bereits in fünf aufeinanderfolgenden Frühlingen, und zwar 
sowohl auf wagrechten, als auch geneigten Fusspfaden. Uebrigens fiel vielleicht 
die in Rede stehende Erscheinung bereits Hermann Masius auf, indem dieser 
schrieb: „Wenn nach trüben Wintertagen der Strahl der Sonne wärmer und 
voller herabdrängt, dann ist es die Wiese, der grasumsäumte Fusspfad, der 
quellige Rasen, der die ersten grünen Halmspitzen zeigt". 2) 

3. Die Rasensäume längs kleiner Wasserrinnen. Es ist eine 
auffallende Erscheinung, dass die Gräser unserer Wiesen längs kleiner Wasser- 
rinnen früher ergrünen. 

4. Die Rasenflächen unter Bäumen. Die Erscheinung, dass auf 
unseren Wiesen im Frühlinge die Gräser, welche sich unter Bäumen befinden, 
früher als die übrigen ^ergrünen, wurde zuerst von Buchenau beobachtet, und 
von diesem auf die durch Salzgehalt bedingte düngende Kraft, welche das 
aus den Baumkronen herabträufelnde Wasser besitzt, zurückgeführt. 2) Aber 
E. Koehne, welcher in Just 's Jahresbericht über den diesbezüglichen Aufsatz 
Buchenau's referirt, meint, dass bei der Erklärung der in Rede stehenden Er- 
scheinung zunächst an die durch den Schutz der Baumkrone verminderte Wärme- 
strahlung zu denken sei.'*) 

Ich selbst suche die Erklärung für das frühe Ergrünen der Gräser unter 
Bäumen in einer Erscheinung, welche mir im vorigen Frühlinge zum ersten Male 
auffiel. Ich bemerkte nämlich an mehreren aufeinanderfolgenden nebligen Tagen, 



^) Programm des k. k. Ober-Gymnasiums der Franciscaner zu Hall, 1885, S. 4 und 29. 

*) H. Masius, Naturstudieu, 9. Auflage, I. Bd., S. 159. 

») Berichte der deutschen botan. Gesellschaft, I, 1883, S. 108—109. 

*) Just 's Jahresbericht, 11. Jahrg., 2. Abth., 1. Heft, S. 112, 



6 



Versammlung am 2. Jänner 1889. 



dass sich das Nebelwasser an den Aesten und Zweigen der Bäume niederschlug 
und von diesen zwar langsam, aber doch in solcher Menge abtropfte, dass z. B. 
in einer Lindenallee der unter jeder Baumkrone befindliche Boden ganz nass 
wurde. Und in diesem Winter beobachtete ich in derselben Allee, dass im Laufe 
von 2V2 Tagen, während welcher beständig Nebelwetter herrschte, sich unter 
jedem Baume aus dem von dessen Krone niedergeschlagenen und abgetropften 
Nebelwasser eine einen halben Centimeter dicke Eiskruste bildete, welche die 
Schulkinder als Schleife benützten, während der Boden der Umgebung von 
einer solchen Eiskruste frei blieb. Uebrigens ist es selbstverständlich, dass 
die Menge des von den Aesten und Zweigen eines Baumes aufgefangenen Nebel- 
wassers umso bedeutender ist, je umfangreicher und verzweigter seine Krone ist. 
Ein Lindenbaum schlägt wegen seiner reichen Verzweigung ungleich mehr Nebel- 
wasser nieder, als ein ebenso grosser aber dabei weniger verzweigter Kirschenbaum. 

Ein vortrefflicher Kenner unserer Alpenwiesen, nämlich der schon oben 
erwähnte Julius Gremblich, schreibt über dem Ergrünen wörtlich Folgendes : 

„Es vergeht aber nach dem Schmelzen des Schnees noch eine 
geraume Zeit, bis unsere Wiesen zu grünen beginnen, was mir-so 
recht eigentlich den Beginn des pflanzenphaenologischen Früh- 
lings und das Erwachen der Vegetation zu bezeichnen scheint. 
Fällt aber ein warmer Eegen, so lösen sich die Bande, welche das 
Wachsthum solange gebannt hielten, und wie mit einem Zauber- 
schlage verlieren die Wiesen ihre matten Farbentöne, schieben 
die dichten Easenstöcke ihre spitzen, mit zartem Gelb angehauchten 
grünen Blätter hervor, um sich vor unserem Auge als ein grosser 
Teppich auszubreiten".!) 

Und dass auch auf unseren Wiesen das Ergrünen ganz allgemein nur 
dann eintritt, wenn die oberflächliche Bodenschichte, in welcher sich die Wurzeln 
der Gräser befinden, sehr feucht ist, aber im entgegengesetzten Falle selbst bei 
sehr warmem Wetter unterbleibt, weiss ich aus eigener Erfahrung. 

Bedenkt man nun das eben über das Ergrünen der Wiesen Gesagte, so 
liegt es sehr nahe zu vermuthen, dass das frühe Ergrünen der unter Bäumen 
befindlichen Gräser auf der Wirkung des von denselben herabgetropften Nebel- 
wassers beruht. Da aber dieses nur dann eine Wirkung hervorzurufen vermag, 
wenn der Boden trocken ist, und ausserdem nicht in jedem Frühlinge nebliges 
Wetter herrscht, so erklärt es sich, warum die Gräser unter Bäumen nicht all- 
jährlich früher ergrünen. 

Herr Dr. Fridolin Krasser hielt einen Vortrag, betitelt: 
„Bemerkungen über die Phylogenie von Platanus^^. 

Gegenwärtig ist die Gattung Fiatanus über das südöstliche Europa, Asien, 
Nordamerika und Mexiko in wildem Zustande verbreitet. Die Nordgrenze des 
Verbreitungsgebietes reicht in Europa nicht über den Norden Griechenlands, in 



1) J. Gremblich, a. 0. c. 0., S. 3. 



Fridolin Krasser. 



7 



Asien nicht über den Kaukasus und Nordpersien hinaus. Es muss jedoch be- 
merkt werden, dass die Grenzen des asiatischen Verbreitungsgebietes noch nicht 
genügend sichergestellt sind, dass namentlich die Frage, inwieweit die Grenzen 
desselben durch die Cultur verrückt wurden, mangelnder Beobachtungen halber 
kaum erörtert werden kann. Eine gleiche Unsicherheit herrscht in der Fassung 
des Speciesbegriffes und in der Scheidung der Varietäten. Diese Unsicherheit 
findet wohl eine treffliche Beleuchtung in dem Umstände, dass ein so fein- 
fühliger Forscher wie Spach^) sämmtliche Platanen zu einer Art vereinigt: 
Fiatanus vulgaris Spach, weil in Form und Behaarung der Blätter durchaus 
kein durchgreifender Unterschied zu finden sei. An Spach hat sich Baillon^) 
angeschlossen. Heute ist diese Eichtung verlassen und man unterscheidet wohl 
mit Recht etwa vier Speeles 3) und einige Varietäten, deren verwandtschaftliche 
Beziehungen zum Theil, man kann geradezu sagen — unbekannt sind. Ich habe 
da vor Allem die einstigen Willdeno w'schen Platanus -Arten cuneata und 
acerifolia im Sinne, welche beide nach Spach,^) welchem sich unter Anderen 
0. He er 5) angeschlossen hat, verwandtschaftliche Beziehungen zu Platanus 
occidentalis Linne aufweisen. Für Platanus acerifolia Willdenow ist diese An- 
nahme, welche sich lediglich auf die Blattform stützt, jedenfalls sehr anzu- 
zweifeln, da der anatomische Bau des Holzes mit dem von Platanus orientalis 
Linne übereinstimmt, und nicht mit dem von Platanus occidentalis Linne. ^) 
Einer der auffälligsten anatomischen Unterschiede zwischen Platanus orientalis 
und Platanus occidentalis ist der, dass bei letzterem die Fächerung der Gefässe 
in grosser Ausdehnung auftritt, bei ersterem jedoch gekammerte Gefässe nicht 
beobachtet wurden. Vergleichende anatomische Untersuchungen sämmtlicher 
Formen von Platanus sind noch nicht unternommen worden, dürften jedoch 
wie Platanus acerifolia zeigt, bedeutend zur Klärung der genetischen Verhält- 
nisse beitragen. Schon die anatomische Betrachtung des Holzbaues der Platanus- 
Formen müsste genügt haben, um die Berechtigung der beiden Linne'schen 
Arten Platanus orientalis und Platanus occidentalis zu erkennen. Die schon 
von Linne"') angegebenen Unterschiede in der Blattform: 

Platanus orientalis mit tief und schmal gelappten, kahlen Blättern 
(Kleinasien und Griechenland), 

Platanus occidentalis mit breiten Blattlappen und behaarten Haupt- 
rippen (Nordamerika), 
sind allerdings in dieser Schärfe des Gegensatzes nicht haltbar. Und die Ursache 
letzterer Thatsache muss wohl in der Phylogenie gesucht werden. 

1) Annales des sc. nat., 1841, p. 289. 
*) Histoire des plants, III. Bd., p. 400. 

Cf. Bentham et Hooker, Genera plantar um. 

1. c. 

5) Flora f088. Helvetiae, II. Bd., p. 73. 

*) üeber die Holzanatoraie der beiden Linne'schen Platanus -kxtQn vergl. besonders 
G. Hesselb arth: „Beiträge zur vergl. Anatomie des Holzes". Inaugural-Dissertation, Leipzig, 
1879, S. 57 f. 

Die Linne'schen Angaben wurden nach Heer, 1. c, S. 73 wiedergegeben. 



8 



Versammlung am 2. Jänner 1889. 



Als die tertiäre Stammart der heutigen Platanen ist — soweit sich die 
Funde fossiler Platanenreste überblicken lassen — Platanus aceroides Goepp. 
in der Artumgrenzung He er 's zu betrachten, welche sowohl den Blättern als 
auch den Blüthen und Früchten nach genau bekannt ist. Die Vielgestaltigkeit 
des Laubes von Platanus aceroides wurde von He er 2) genau studirt. 

Platanus aceroides war im Tertiär bis zu den Hebriden, Island, Spitz- 
bergen, dem Mackenzie-River und Grönland^) verbreitet. 

Ueber die bei Platanus aceroides beobachteten Blattformen gibt Heer*) 
die folgende Uebersicht: 

a) Blätter am Grunde herzförmig ausgerandet, gestutzt oder zugerundet; 
die Seitenlappen gross, vorstehend, an der Kurzseite ganzrandig, an der Lang- 
seite vielzahnig. Entsprechend der Platanus acerifoUa Willd. 

a. Blatt am Grunde gestutzt, 

ß. Blatt am Grunde herzförmig ausgerandet. (Blatt nur dreilappig!) 
y. Blätter am Grunde zugerundet. 

b) Blätter am Grunde gestutzt, die Seitenlappen gross, vorstehend, an 
der Langseite wenig zahnig. 

c) Die Blätter klein, die beiden Seitenlappen gar nicht, oder doch nur 
wenig vorstehend. 

Es sind dies die obersten Blätter von Wasserschossen, die wieder in ver- 
schiedenen Formen erscheinen. 

a. Blätter am Grunde herzförmig ausgerandet (Quercus rotun- 
data Goepp.), 

ß. Blätter am Grunde zugerundet {Quercus platanoides Goepp.) 
y. Blätter am Grunde herzförmig ausgerandet, nicht gelappt, aber 
tief und scharf gezahnt. 

dj Blätter am Grunde verschmälert und zugerundet, oder selbst keil- 
förmig ausgezogen, sehr schwach dreilappig. 

«. Blätter am Grunde verschmälert und zugerundet. 

Platanus Guillelmae Goepp. Entspricht der Platanus occidentalis Linne 
(Platanus occidentalis macrophylla Audib., Platanus vulgaris angulosa Spach). 
ß. Blätter am Grunde keilförmig ausgezogen. 

Platanus cuneifoUa Goepp. Entspricht der Platanus occidentalis cuneata. 

Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass die Blattformen die grösste 
Aehnlichkeit mit denen von Platanus occidentalis^) besitzen. 

Die typische Blattform von Platanus aceroides weist zwei Hauptlappen 
auf, welche mehr nach vorne gerichtet sind, deren Spitzen daher nicht soweit 



1. c, S. 72 ff., vergl. auch Schenk, Die fossilen Pflanzenreste, Breslau, 1888, S. 238, 
*) 1. c, S. 72 und Taf. 87, 88. 
3) Cf. Schenk, 1. c, S. 238. 
♦) 1. c, p. 72. 

ä) Nach Heer, 1. c, p. 74 bieten die Blätter von Platanus aceroides Goepp. der grossen 
Polymorphie halber kein durchgreifendes Unterscheidungsmerkmal von Platanus occidentalis L. 



Fridolin Krasser. 



9 



auseinanderliegen wie bei den lebenden Platanen. Doch kommen neben diesen 
Formen mit steil ansteigenden Lappen auch solche mit mehr divergirenden vor, 
und vermitteln so den üebergang zu den heutigen Formen. Diese Uebergangs- 
glieder sind wohl am besten als progressive^) Formen zu bezeichnen. 

Es mag hier noch erwähnt sein, dass sich Platanus aceroides im Ver- 
gleiche zur Platanus occidentalis L, durch bedeutend grössere und dickere 
Fruchtspindeln, ferner durch bedeutend kleinere und vorne nicht kopfförmig ver- 
dickte Früchte auszeichnet. 

Die Beobachtung des Blattpoljmorphismus von Platanus orientalis L. 
ergibt die interessante Thatsache, dass sich an den Stocksprossen sowohl, als 
besonders an kränkelnden Individuen, wie sie in unseren Anpflanzungen so 
häufig vorkommen, alle von Heer beschriebenen Blattformen des Platanus 
aceroides sowohl, als auch Blattformen mit Anklängen an Platanus occidentalis 
Linne vorfinden. Aber der Polymorpliismus geht noch viel weiter. Es finden 
sich da Blattformen, welche noch weit mehr ^wercw.s- ähnlich sind, als jene von 
Goeppert als Quercus rotundata und Quercus platanoides beschriebenen Blatt- 
formen der Platanus aceroides. Es finden sich ferner Blattformen vom Typus 
gewisser aus der Kreide beschriebenen Alnus- und Populus-Beste. Der Umstand, 
dass sich unter den in Kede stehenden regressiven Blattformen auch solche 
vom Typus der Credneria laevis Velen., und sogar vom Typus der Credneria 
bohemica Velen, und auch der Credneria rhomboidea Velen, finden, lässt die 
aus der Kreide beschriebenen Älnus- und PopÄs-Blätter zum Theile in einem 
etwas zweifelhaften Lichte erscheinen. Es hat bereits Schenk 2) dieser Stim- 
mung lebhaften Ausdruck in den folgenden Worten verliehen: 

„Ob die heute noch existirenden Gattungen, zunächst Betula und Alnus, 
schon in der Kreideperiode vorhanden waren, ist fraglich. 

Manche von ihnen, so die von Heer aus den Patootschichten Grönlands 
beschriebenen Arten, sind auf unvollständig erhaltene Blätter gegründet, ebenso 
jene aus der Kreide von Minnesota, Nebraska und Kansas durch Heer, New- 
berry und Lesquereux beschriebenen Blätter; zum Theile scheinen sie zu 
jenen Blättern zu gehören, welche als Credneria bezeichnet werden, so z. B. 
Newberry's Alnites grandifolius, sodann das zuerst als Populites, später als 
Alnites und endlich als Hamamelites quadrangulus Lesqu. beschriebene Blatt. 

Nach meinen Erfahrungen über die Vielgestaltigkeit der Platanus-hX'ittQY, 
halte ich die eben angeführte Aeusserung Schenk's für vollständig berechtigt. 
Nur möchte ich noch hinzufügen, dass Credneria — wenigstens die Section 
Etting shausenia — die cretacischen Platanen umfasste. Ueber die Artum- 
grenzungen derselben will ich mich hier nicht aussprechen, und mir nur die 
Bemerkung erlauben, dass -die zahlreichen beschriebenen Crednerien sowohl, als 
auch die zahlreichen Platanen zum grössten Theile wohl nur Blattindividuen 

') Ueber progressive und regressive Formen vergl. meine Arbeit: „Zur Kenntniss der Hetero- 
phyllie". Diese Schriften, Bd. XXXVII, IV. Quartal, 1887, wo sich auch die wichtigste Literatur 
citirt findet. 

^) Palaeophytologie, 5. Lfg., S. 409. 
Z. B. Ges. B. XXXIX. Sitz.-Ber. B 



10 



Versammlung am 2. Jänner 1889. 



repräsentiren. Als bemerkenswerth möchte ich das Vorkommen von regressiven 
Blättern bezeichnen, bei welchen die Lamina in Form eines Lappens den 
Blattstiel umfasst, ganz so, wie es bei Credneria bohemica der Fall ist, welche 
allerdings sehr grosse Blätter besass, während die regressive Blattform nur 2 cm 
in der Länge misst. Ich habe diese blattstielumfassende Blattbasis jedoch auch 
bei grossen Platanenblättern beobachtet, welche allerdings weniger an Credneria 
erinnei-ten. Der erwähnte basale Lappen ist entweder ganzrandig, dann besitzt er 
auch den Nervationstypus desjenigen von Credneria bohemica, oder er ist in dem 
Masse gezähnt, wie die Nebenblätter der Platane, in welchem Falle in die Zähne 
Nerven ausmünden. Aus dem bisher Mitgetheilten ergibt sich, wie sehr auch 
die Nervationsform variirt, indem einerseits der strahlige Verlauf der Haupt- 
nerven in dem Grade sich dem fiedernervigen Typus nähert, als die beiden 
seitlichen Primärleitbündel auseinander rücken und in ihrer Querschnittsdimension 
den Secundärnerven gleich werden. Ebenso existiren zahlreiche Uebergänge 
zwischen dem craspedodromen und camptodromen Nervationstypus, je nachdem 
der Rand gezähnt oder ganz ist. 

Ich habe sehr viel Herbarmaterial verglichen, um auch über die Poly- 
morphie des Laubes der nicht cultivirten Arten ins Klare zu kommen. Im All- 
gemeinen kann ich sagen, dass sich eine ganze Reihe correspondirender Blatt- 
formen bei sämmtlichen Species vorfindet. 

Schliesslich möchte ich mir noch erlauben darauf hinzuweisen, dass zahl- 
reiche von Lesquereux^) beschriebene „Aralien" wohl nichts anderes reprä- 
sentiren, als Blätter von den aus denselben Schichten beschriebenen Platanen. 

Aus dem Vorhergehenden dürfte wohl erhellen: 

1. dass die Polymorphie des Platanenlaubes phylogenetische Beziehung 
sowohl zu den tertiären, als auch den cretaeischen Vorfahren (Crednerien der 
Section Etting shausenia) aufweist, 

2. dass so manche Quercus, Betula, Älnus, Aralia etc., beschrieben aus 
Schichten, in welchen auch typische Platanenblätter nachweisbar sind, nichts 
anderes als verkannte Blattformen von Platanus repräsentiren. 



Herr Dr. M. v. Eichenfeld gab folgende Beschreibung 
einer neuen Doronicum-'H.jhnd.e : 

Doronicum Halacsyi (nova hybrida). 

(Doronicum cordatum [Wulfen sub Arnica] A. Kerner X Doronicum glaciale 

[Wulfen] A. Kerner.) 

Madice oblique descendente fibrosa, caule rigido farcto sparsim piloso, 
capitulum unum proferente; foliis subglabris dentatis vel repando subdentatis, 



1) The Cretaceous Flora of North America. 



L. V. Lorenz. 



11 



radicalibus rotundis in petiolum attenuatis, caulinis oblongis, obtusiusculis, 
antice angustioribus basi subcordata amplexicaulibus ; in volucro sparsim piloso 
squamis linearibus ciliatis acuminatis; floribus aurato flaventibus. 

Inveni die 31. Julii 1886 in alpinis lapidosis ad Leontium (Kersch- 
baumer- Zochalpe) in solo calcareo dolomitico ubi rarissime inter parentes crescit. 
Nomen indici in honorem Dr. Eugenii de Haläcsy. 

Diese Pflanze steht zwischen den Stammeltern in der Mitte; denn während 
die Basalblätter des Doronicum glaciale eiförmig und kurzgestielt, die des Do- 
ronicum cordatum herz- bis nierenförmig und langgestielt sind, erscheinen die 
des Bastardes kreisrund und plötzlich in den Blattstiel zugeschweift, welcher 
letztere in der Regel nicht länger ist als der Durchmesser des Blattes. Die 
Stengelblätter nähern sich sowohl rücksichtlich der Gestalt als auch der Ser- 
ratur denen des Doronicum cordatum. Die Strahlblüthen und Anthodial- 
schuppen stehen sowohl an Farbe als an Gestalt in der Mitte zwischen denen 
der Stammarten; der Wurzelstock hingegen ist von dem des Doronicum glaciale 
nicht verschieden. 



Herr Dr. L. v, Lorenz berichtete -über den am 12. Deeem- 
ber 1888 abgehaltenen zoologischen Disc ussion s- Abend : 

Herr Dr. L. v. Lorenz demonstrirte einige charakteristische 
Repräsentanten der Ornis von Tenerife^ welche durch Herrn 
Professor Dr. O. Simon y im Sommer 1888 auf dieser Insel 
acquirirt und sodann dem k. k. naturhistorischen Hofmuseum ge- 
schenkt wurden. 

Fringilla teydea Webb et Berthelot. Von dieser durch die bei- 
stehenden Autoren auf dem Pic de Teyde entdeckten und seither auch nur auf 
dem genannten Berge durch wenige Forscher, wie Bolle und Godman beob- 
achteten Art liegen zwei schön graublau gefärbte Männchen vor. Dieselben 
wurden durch Simony's Führer in der oberen Zone der Taoro-Mulde in einer 
Höhe von 1500 bis 2000 m, etwa 5 Stunden oberhalb Orotaba erbeutet. Die 
Vögel hatten ihren Schlupfwinkel in den Gebüschen der Retama und waren 
ausserordentlich scheu, so dass es erst nach mehrtägiger Mühe gelang, der- 
selben habhaft zu werden. 

Fringilla canariensis Vi ei 11. = Fringilla tintillon Webb et Ber- 
thelot. Es wurden ein Männchen und ein Weibchen vorgelegt. Godman 
gibt in The Ibis (1872, p. 211) unter dem von Webb und Berthelot ange- 
nommenen Artennamen an, dass er Serien von Finken von den Azoren, Madeira 
und den Canaren sorgfältig verglichen habe und zu der Ueberzeugung gekommen 
sei, dass allen diesen drei Oertlichkeiten nur eine Art gemeinsam sei, indem 
sich bei den Individuen von jeder derselben geringe Variationen der Färbung 

B* 



12 



Versammlxing am 6. Februar 1889. 



zeigen. Dagegen zählt Sharp e in dem „Catalogue of the Birds in the British 
Museum" (1888, Vol. XII, p. 175—177) für die genannten atlantischen Insel- 
gruppen unter Beziehung auf solche Exemplare, welche der Sammlung God- 
man's entstammen, drei Formen unter nachstehenden Bezeichnungen auf: 

Spec. Fringilla maderensis Sharpe von Madeira, 
Subspec. a) Fringilla moreleti Pucher. von den Azoren, 
Subspec. b) Fringilla canariensis Vieill. von Tenerife. 

Columba bollii Godman. Ein Exemplar dieser Art, die durch den 
genannten Autor als verschieden von der Columba trocaz Heineken erkannt 
wurde und welche auf Madeira heimisch ist, sich auch von dem durch Webb 
und Berthelot abgebildeten vermeintlichen Weibchen der Columba laurivora 
dieser Forscher unterscheidet. Diese Form scheint der Insel Tenerife eigen- 
thümlich zu sein. 

Herr Professor Dr. E. Rathay sprach an diesem wie an 
dem folgenden Discussions -Abend über seine Beobachtungen, 
betreffend die ober- und unterirdischen Generationen der 
Reblaus. (Siehe diese Abhandlungen, Bd. XXXIX, I. Quartal, 
Seite 47.) 



Versammlung am 6. Februar 1889. 

Vorsitzender: Herr Hofr. Dr. C. Brunner v. Watten wyl. 



Hartinger Moriz, III., Rennweg 14. . Dr. E. v. Haläcsy, Dr. R. v. Wettstein. 
Schollmayer E. Heinr., fürstl. Schön- 
burg -Waldenburg'scher Oberförster. . Dr. L. v. Lorenz, Dr. R. v. Wettstein. 
Schroll Anton, Buchhändler, Wien, I., 



Neu eingetretene Mitglieder: 



P. T. Herr 



Als Mitglied bezeichnet durch 
P. T. Herren 



Getreidemarkt 



Durch den Ausschuss. 



Eingesendete Gegenstände: 



Kern er A. Flora exsiccata Austro-Hungarica, Cent. XIX und XX vom 
botanischen Museum der k. k. Universität Wien. 



C. Brunuer v. Watteuwyl. 



13 



Der Herr Vorsitzende eröffnete die Versammlung mit fol- 
gender Ansprache : 

Hochgeehrte Herren! 

Das erschütternde Ereigniss, welches ganz Oesterreich in 
Traner hüllt, der Tod unseres durchlauchtigsten Kron- 
prinzen, berührt unsere Gesellschaft aufs Tiefste. Wir ver- 
lieren in dem durchlauchtigsten Herrn Kronprinzen einen wohl- 
wollenden Gönner, an welchen wir uns hoffnungsvoll wenden 
durften und in welchem wir ganz besonders für die Zukunft 
eine mächtige Stütze erhofften. 

Wir verlieren aber noch mehr. — Die Publicationen aus 
seiner Feder enthüllten uns einen Naturforscher, welcher keine 
Anstrengung scheute in der Ergründung der Erscheinungen, und 
in seinen biologischen Beobachtungen über die Vögel eine Fülle 
von interessanten Thatsachen lieferte. 

Die beiden Gefühle der Dankbarkeit für die wohlwollende 
Gönnerschaft und der Hochachtung für den Naturforscher ge- 
sellen sich bei uns zu der Trauer, welche die Herzen aller 
Oesterreicher erfüllt ! 

Der leitende Ausschuss brachte die Gesinnung der Gesell- 
schaft zum Ausdruck, indem wir einen Kranz auf den Sarg des 
Dahingeschiedenen niederlegten. 

Die Trauer ist die einzige Signatur unserer heutigen Stim- 
mung und diese verbietet jede andere Thätigkeit. Desshalb er- 
suche ich Sie, sich von den Sitzen zu erheben und schliesse 
gleichzeitig die Versammlung. 



Diese Ansprache wurde von den in Trauerkleidern er- 
schienenen Anwesenden stehend angehört. Hierauf wurde die 
Versammlung aufgehoben. 



In Ausführung eines vom Ausschusse gefassten Beschlusses 
wurde seitens der beiden Secretäre am 3. Februar ein Kranz mit 
Inschrift an dem Sarge Sr. kaiserlichen Hoheit des Kronprinzen 
niedergelegt. 



14 



Versammlung am 6. Feliruar 1889. 



In dem am 18. Jänner 1889 abgehaltenen botanischen 
Discussions-Abende wurden folgende Vorträge gehalten: 

Professor E. Räthay sprach „Ueber extraflorale Nec- 
tarien". 

Vor mehreren Jahren glückte es mir an verschiedenen Pflanzen zucker- 
ausscheidende Organe zu finden, welche man bis dahin nicht gekannt hatte. Es 
gelang mir vor Allem zu erweisen, dass die „Punkte", welche die Sjstematiker 
schon längst an den Hochblättern gewisser Melampyrum- Arten beobachtet 
hatten, zuckerabsondernde Trichome darstellen. Weiter zeigte ich, dass die 
Spermogonien verschiedener Eostpilze Zucker ausscheiden 2), und dass die Gieba- 
flüssigkeit des Phallus impudicus zuckerreich ist.^) Endlich fand ich, dass die 
Involucralblätter von Centaurea Cyanus und Podospermum Jacquinianum mit 
extrafloralen Nectarien ausgestattet sind.^) In meiner Abhandlung über die 
Spermogonien der Rostpilze veröff'entlichte ich überdies an passender Stelle Mit- 
theilungen über die extrafloralen Nectarien sehr verschiedener Pflanzen, über das 
Sphaceliasecret des Mutterkornpilzes und über die Besucher der verschiedensten 
auf Pflanzen vorkommenden Zuckerausscheidungen, darunter auch jener der Blatt- 
läuse. Aber alle diese Mittheilungen wurden wohl desshalb, weil sie in einer 
mykologischen Abhandlung enthalten sind, nur Wenigen bekannt. 

Der Umstand nun, dass die extrafloralen Nectarien seit dem Erscheinen 
von Schimper's Abhandlung „Die Wechselbeziehungen zwischen Pflan- 
zen und Ameisen" von besonderem Interesse geworden sind, veranlasst mich 
heute, zunächst über die extrafloralen Nectarien der Centaurea Cyanus und des 
Podospermum Jacquinianum zu sprechen. Ausserdem will ich aber auch Einiges 
über die extrafloralen Nectarien im Allgemeinen sagen. 

Bald nachdem Delpino die extrafloralen Nectarien an Centaurea mon- 
tana aufgefunden hatte, beobachtete ich solche an Centaurea Cyanus. Sie be- 
finden sieh bei dieser, wie bei jener Pflanze an den Involucralblättern, und zwar 
unterhalb des trockenhäutigen und fransigen Anhängsels in dem mehrfarbigen 
Saume der Spitze und auf der Unterseite. Ihr Bau ist ebenso einfach, wie jener 
der jüngst von Dr. R. v. Wettstein entdeckten und beschriebenen extrafloralen 
Nectarien der Centaurea alpina.^) Die Ausscheidung ihres Secretes erfolgt im 
Gegensatze zu jenem der extrafloralen Nectarien von Paeonia officinalis nicht 



1) Rathay, Ueter Nectar absondernde Trichome einiger Melampyrum- Arten , ans dem 
LXXXI. Bande der Sitzber. d. kais. Akad. d. Wissensch., I. Abth., Februar-Heft, Jahrg. 1880. 

Rätbay, Untersuchungen über die Spermogonien der Rostpilze, aus dem XLVI. Bande 
der Denkschr. der mathem.-naturw. Classe der kais. Akad. d. Wissensch. 

2) Rathay, üeber Phallus impudicus (L.) und einige Coprinns- Arten, aus dem LXXXVII. Bd. 
der Sitzber. d. kais. Akad. d. Wissensch., I. Abth., Jänner-Heft, Jahrg. 1883. 

*) Rathay, Untersuchungen über die Spermogonien der Rostpilze. 

*) Dr. Richard v. Wettstein, Ueber die Compositen der österreichisch-ungarischen 
Flora mit zuckerabscheidenden Hüllschuppen, aus den Sitzber. d. kais. Akad. d. Wissensch, in 
Wien, mathem.-naturw. Classe, Bd. XCVH. 



E. Räthay. 



15 



aus einzelnen oder wenigen Spaltölfnungen, sondern aus zahlreichen. Dieses Secret 
schmeckt intensiv süss, reducirt viel Fehling'sche Lösung und ist daher zucker- 
reich. Es wird an trüben Tagen ausschliesslich von Ameisen, aber an sonnigen 
Tagen auch von zahlreichen geflügelten Insecten, und zwar verschiedenen Hy- 
menopteren, Dipteren und Käfern aufgesucht. 

Ausser bei Centmirea Cyaniis beobachtete ich auch bei einigen, vor Jahren 
im Wiener botanischen Universitätsgarten unter den Namen Centaurea orien- 
talis, Centanrea Kastiana, Centaurea Sadleriana und Centaurea Badensis 
cultivirten Arten, lebhaften Ameisenbesuch, und zwar an vollkommen blattlaus- 
freien Exemplaren. Das Wanderziel der Ameisen bildeten auch bei diesen 
Centaicrea- Arten die Involucralblätter. Um Klosterneuburg beobachtete ich 
in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren, dass die Involucralblätter vieler, aber 
lauge nicht aller Köpfchen der Cetitaurea Scahiosa kurze Zeit vor dem Ein- 
tritte der Anthese und theilweise auch während derselben theils von Ameisen, 
theils von Fliegen aufgesucht wurden. Als ich einige dieser Köpfchen sammt 
ihren Stielen abschnitt und die Schnittfläche der letzteren in Wasser getaucht 
hielt, beobachtete ich auf einzelnen Involucralblättern das Erscheinen ansehn- 
licher Tröpfchen, von denen ich jetloch nicht zu entscheiden vermochte, ob sie 
süss schmeckten. 

Nach all' dem ist es wohl gewiss, dass eine grössere Zahl von Centaurea- 
Arten mit extrafloralen Nectarien ausgestattet ist. 

Hier sei auch erwähnt, dass ich im Wiener botanischen Universitätsgarten 
gleichzeitig, wie bei den früher genannten Centaurea-Arten auch bei zwei Ser- 
ratula- Arten, nämlich bei Serratula Cretica und radiata, lebhaften Ameisen- 
besuch wahrnahm. Seither hat Dr. v. Wettstein das Vorkommen extrafloraler 
Nectarien auf den Involucralblättern einer Serratula- Art, nämlich der Serra- 
tula lycopifolia vollkommen sichergestellt. Nach ihm tritt auch bei den extra- 
floralen Nectarien dieser Pflanze, sowie auch bei jenen von Jurinea mollis, 
welche gleichfalls auf den Involucralblättern vorkommen, der Nectar aus Spalt- 
öffnungen hervor. ^) 

Berücksichtigt man jetzt, dass Delpino extraflorale Nectarien auch an 
den Involucralblättern von Helianthus tuberosus gefunden hat, so ergibt sich, 
dass derartige Organe bereits in zwei Gruppen der Tubulifloren, nämlich in 
jener der Cynareen und der Senecionideen bekannt sind. Sie kommen aber 
auch an einer der Gruppe der Ligulifloren angehörigen Pflanze, nämlich auf 
Podospermum Jacquinianum vor. Dass diese Pflanze extraflorale Nectarien 
besitzt, wurde mir von dem Augenblicke an wahrscheinlich, als ich wahrnahm, 
dass ihre Involucralblätter von zahlreichen Ameisen und anderen Insecten auf- 
gesucht werden. Gewissheit hierüber erlangte ich aber erst, als ich abgeschnittene 
Blüthenköpfchen der genannten Pflanze unter einer Glasglocke einerseits vor 
Insectenbesuch, andererseits vor Verdunstung schützte. Bei diesem Verfahren 
bemerkte ich gar bald an 1—5 Involucralblättern eines jeden Blüthenköpfchens, 



*) V. Wettstein, a. o. c. 0. 



16 



Versammlunglam 6. Februar 1889, 



welche eine sehr verschiedene Lage im Involucrum einnahmen, die Bildung von 
Tröpfchen, welche süss schmeckten, und deren Substanz die Fehling 'sehe Lösung 
nicht in der Kälte, aber wohl in der Wärme reducirte. 

Bevor ich die Stellen näher bezeichne, auf denen die Involucralblätter 
des Podospermum Jacquinianum Nectartröpfchen ausscheiden, ist es nöthig, 
diese Involucralblätter kurz zu beschreiben. Sie sind lanzettlich und grün, und 
besitzen einen mehr oder weniger deutlichen Kiel, der etwas unter ihrer Spitze 
in einen mehr oder weniger vollkommen entwickelten, nach aufwärts gerichteten 
Stachel endigt. An ihrem Rande sind sie farbig gesäumt, und zwar wie folgt: 
an ihrer Spitze breit und purpurroth, unterhalb ihres Stachels schmal und gelb, 
und noch weiter abwärts ebenfalls schmal, aber weisslich. Nach der eben ge- 
gebenen Beschreibung der Involucralblätter des Podospermum Jacquinianum 
kann ich nun die Stellen, auf welchen sie die Nectartröpfchen ausscheiden, kurz 
wie folgt bezeichnen. Sie liegen nahe dem gelben Saumtheile im weissen Saum- 
theile der Involucralblätter und zugleich unter dem Stachel der letzteren. 

Der Bau der extrafloralen Nectarien des Podospermum Jacquinianum 
weicht von jenem der extrafloralen Nectarien anderer Compositen insoferne ab, 
als die Aussclieidung des Nectars nicht aus Spaltöffnungen erfolgt. Podosper- 
mum Jacquinianum bildet nämlich den extrafloralen Nectar zwischen der Aussen- 
wand und Cuticula jener Epidermiszellen, welche im Vereine miteinander das 
extraflorale Nectarium darstellen. Der Nectar tritt dann durch die gesprengte 
oder vielleicht durch Insecten durchlöcherte Cuticula aus. 

Die Secretion extrafloralen Nectars findet bei Podospermum Jacquinianum 
selten vor, gewöhnlich während und nur ausnahmsweise nach der ßlüthe statt. 
Sie erfolgt in vollkommener Dunkelheit (in einem allseits geschlossenen Zink- 
kasten), im zerstreuten und im directen Sonnenlichte, und scheint daher vom 
Lichte wenigstens nicht direct abhängig zu sein. 

Hinsichtlich der extrafloralen Nectarien im Allgemeinen seien die fol- 
genden Punkte erörtert: 

1. Ob die extrafloralen Nectarien bei allen Pflanzen, bei wel- 
chen sie vorkommen, demselben Zwecke dienen, oder ob sie bei 
verschiedenen Pflanzen verschiedene Functionen verrichten. Be- 
rücksichtigt man einerseits, dass die extrafloralen Nectarien gewisser insecten- 
fressender Pflanzen, z. B. der Nepenthes, zur Anlockung der zu fangenden und 
zu verdauenden Insecten dienen, und andererseits, dass es eine Menge Pflanzen 
gibt, welche extraflorale Nectarien besitzen, aber keine Insecten fangen, so ist 
es klar, dass nicht alle extrafloralen Nectarien genau dieselben Zwecke erfüllen, 
wie dies auf Grund des Gesagten schon von verschiedenen Forschern hervor- 
gehoben wurde. Nach v. Kerner haben die extrafloralen Nectarien von Im- 
patiens tricornis die Aufgabe, die zur Befruchtung unberufenen Ameisen von 
den Blüthen abzulenken,^) und v. Wettstein erwies durch exacte Versuche, 



1) V. Kerner, Die Schutzmittel der Blüthen gegen unberufene Gäste, in Festschr. d. zool,- 
botan. üesellsch., S. A., S. 62 (1876). 



E. Rath <ay. 



17 



dass die mit extrafioralen Nectarien ausgestatteten Blüthenköpfchen gewisser 
Compositen, wenn von ihnen die Besucher der extrafioralen Nectarien abge- 
halten werden, in grösserer Zahl als sonst verunglücken ; aber es ist selbst- 
verständlich, dass die auf den Laubblättern von Prunus Armeniaca vorkom- 
menden extrafioralen Nectarien den sich vor den Blättern entwickelnden Blütlien 
keinen Schutz zu gewähren vermögen. 

2. Ob die extrafioralen Nectarien sämmtlich ein zucker- 
haltiges See r et ausscheiden. Ich prüfte die Secrete der extrafioralen 
Nectarien verschiedener Pfianzen (Centaurea montana, Centaurea Cyanus, 
Podospermum Jacquinianum, Catalpa syringaefolia, Clerodendron fragrans, 
Melampynim arvense , Melampyrum nemorosum, MeJampyrum pratense, 
Paeonia officinalis, Persica vulgaris, Prunus avium, Prunus Padus, Prunus do- 
mestica, Vicia sepium ) einerseits bezüglich ihres Geschmackes und andererseits 
hinsichtlich ihres Vermögens, die Fehling'sche Lösung zu reduciren. Ich fand, 
dass sie mit Ausnahme jener der Centaurea Scabiosa und der Paeonia offici- 
nalis süss schmeckten. Nicht reducirend wirkte nur das der letzteren, welches 
im eingetrockneten Zustande eine gummiähnliche, nicht süsse Masse darstellte. 
Die Secrete der Centaurea Scabiosa und des Sambucus Ebulus wurden bezüg- 
lich ihres Verhaltens zur Fehling'schen Lösung .nicht geprüft. Nach meinen 
Untersuchungen scheint demnach nur das Secret der Paeonia officinalis zucker- 
frei, oder doch wenigstens sehr zuckerarm zu sein. 

3. Ob irgend welche extraflorale Nectarien nur von Ameisen, 
oder nur von anderen Insecten aufgesucht werden. Gewöhnlich wird 
angegeben, dass die extrafioralen Nectarien von Ameisen besucht werden. 
Keinke^) sagt speciell über den extrafioralen Nectar von Prunus avium: „Ich 
habe nie bemerkt, dass Bienen oder andere geflügelte Insecten 
diesen Honig aufsuchten, es liegt das wohl an den fehlenden 
Lockmitteln; begierig aufgesaugt wird er dagegen von Ameisen, die 
ja gerne auf Sträuchern und Bäumen umherkriechen, und denen 
sich hier eine willkommene Gelegenheit zum Naschen darbietet". 
Delpino erblickt in den extrafioralen Nectarien Organe, welche zur Anlockung 
von Ameisen bestimmt sind, und er rechnet die Pfianzen, auf welchen sie vor- 
kommen, zu den myrmecophilen Pfianzen; aber er gibt doch an, dass die extra- 
fioralen Nectarien auch von Wespen besucht werden. 3) Schimper kommt auf 
Grund seiner Beobachtungen zu dem Schlüsse, dass weitaus die grosse Mehrzahl, 
wenn vielleicht auch nicht die Gesammtheit der südbrasilianischen Pfianzenarten 
mit extrafioralen Nectarien von Ameisen besucht wird. Andere Thiere hat er 
dagegen nur selten beobachtet; kleine Fliegen und winzige Käfer hat er hie und 
da bei Cassia neglecta gesehen, während er Wespen, Bienen und andere sonst 

1) T. Wettstein, a. o. c. 0. 

2) Reinke, Beiträge zur Anatomie der an Laufeblättern etc. vorkommenden Secretionsor- 
gane, Pringsheim, Jahrb. f. wissenschaftl. Botanik, 10. Band, S. 122. 

») Just, Botan. Jahresber., III. Jahrg., S. 907. 
Z. B. Ges. B. XXXIX. Sitz.-Ber. C 



18 



Versammlung am 6. Februar 1889. 



nectarsuchende Insecten in Brasilien stets vermisst hat.i) Aber Charles Darwin 
hat schon längst angegeben, dass die extrafloralen Nectarien von verschiedenen 
zuckerliebenden Insecten, wie Ameisen, Bienen und Wespen, eifrig aufgesucht 
werden. 2) Speciell von den extrafloralen Nectarien der Vicia sativa sagt er, 
dass sie bei Sonnenschein von der Honigbiene aufgesucht werden, von welcher 
sie aber, sowie sich die Sonne hinter Wolken verbirgt, wieder verlassen werden. 
Und weiter erzählt er von denselben Nectarien: „Ausser der Korbbiene 
saugte noch eine andere Bienenart, ein Schmetterling, Ameisen 
und zwei Arten von Fliegen die Tropfen von Flüssigkeit auf den 
Stipulae. Die grö sser en Trop f en schmeckten süss. Die Korbbienen 
sahen nicht einmal nach den Blumen hin, welche zu der nämlichen 
Zeit offen waren, während zwei Speeles von Hummeln die Stipulae 
vernachlässigten und nur die Blüthen besuchten". 3) Und Trelease 
fand, dass die extrafloralen Nectarien einer Pappel (Populus tremuloidesj nicht 
nur von zahlreichen Bienen {Augochlora puraj, sondern auch von Seiandria 
Bubi, Microgaster spec, Phytodietus vulgaris, Hulictus spec, zahlreichen un- 
bestimmt gebliebenen Fliegen, vielen Ameisen, wie Formica exsectoides, For- 
mica fusca, Formica gagates, Crematogaster lineolata, Dorymyrmex pyramicus, 
und der gemeinen zweipunktigen Coccinella aufgesucht wurden. Viele dieser 
Insecten beobachtete er auch bei den extrafloralen Nectarien von Populus grandi- 
dentata und Populus monilifera, und bei jenen der ersteren sah er überdies 
eine Ändrena. Nach ihm werden also die extrafloralen Nectarien der genannten 
Pappeln von parasitischen und nicht parasitischen Hymenopteren, von Coleo- 
pteren und Dipteren besucht. Als die häufigsten dieser Besucher bezeichnet er 
aber die parasitischen Ichneumoniden und die Ameisen.^) 

Ich selbst beobachtete bei den extrafloralen Nectarien verschiedener 
Pflanzen, wie aus den von mir in meiner Abhandlung „Untersuchungen 
über die Spermogonien der Rostpilze" veröifentlichten Listen hervorgeht, 
ausser Ameisen noch zahlreiche andere Insecten, wie verschiedene Coleopteren, 
Hymenopteren und Dipteren. Doch muss ich gleich bemerken, dass sich die 
letzteren Insecten nur im Sonnenscheine bei den extrafloralen Nectarien ein- 
finden, und dass diese an trüben Tagen hauptsächlich nur von Ameisen aufge- 
sucht werden. Beobachtet man Melampyrum nemorosum während eines heissen 
Tages im Sonnenscheine, so erstaunt man über die grosse Zahl kleiner Insecten, 
welche den extrafloralen Nectarien dieser Pflanze zufliegen, ohne sich um deren 
Blüthen, welche von Hummeln aufgesucht werden, zu kümmern. An trüben 
Tagen oder im Schatten beobachtet man dagegen bei den extrafloralen Nectarien 
derselben Pflanze zumeist nur Ameisen. Hier sei übrigens erwähnt, dass Hermann 
Müller, dem das Vorkommen extrafloraler Nectarien auf den Hochblättern der 



^) Schimper, Die Wecliselbezieliungen zwischen Pflanzen und Ameisen, S. 67 und 68. 
^) Darwin, Die Wirkungen der Kreuz- und Selbstbefruchtung im Pflanzenreicbe, S. 388. 
») Darwin, Ebenda, S. 388. 

*) Trelease Wm., The foliar nectar glands of Populus, The Bot. Gaz., Vol. VI, 1881, 
Nr, 11, p. 284. 



Melamiiyrum- kr t^w unbekannt war, speciell bezüglich des Melam'pyrum arvense 
wörtlich Folgendes schrieb: „Melcimpijrum arvense z. B. wird, wenn es frei 
an einem sonnigen Orte steht, im warm en Sonn enscheine von zahl- 
reichen honigsuchenden Insecten: Käfern, Fliegen, Wanzen, Gold- 
wespen, Schlupfwespen, Grabwespen, un ausgeprägten Bienen und 
selbst Schmetterlingen umschwärmt, welche sämmtlich sich zeit- 
weise setzen und an den Blüthenständen umherlaufen und umher- 
suchen, ohne den eingeschlossenen Blüthenstaub oder den tief- 
geborgenen Honig aufzufinden, während unsere langrüsseligste 
Hummel, Bombus hortorum, summend von Blume zu Blume fliegt 
und in rascher un d sicherer Bewegung den ihr allein aufbewahrten 
Honig einerntet, den Blumen durch emsige, obwohl unbewusste 
Kreuzungsvermittlung ihre reiche Honigspende vergeltend". Und 
hieraus ergibt sich, dass Hermann Müller, diesem vorzüglichen Beobachter, 
die zahlreichen verschiedenen Besucher der ihm unbekannten extrafloralen Nec- 
tarien des Melampyrum arvense aufgefallen waren. 

Die extrafloralen Nectarien verschiedener Pflanzen werden ebenso wie die 
zuckerausscheidenden Spermogonien des Gymnosporangium juniperinum im 
Sonnenscheine von sehr verschiedenen Insecten, . im Schatten oder an trüben 
Tagen aber nur von Ameisen besucht. Ich habe bisher keine extrafloralen 
Nectarien kennen gelernt, bei denen sich entweder nur Ameisen oder nur andere 
Insecten eingefunden hätten. Schimper gibt an, dass er gleich Delpino bei 
den extrafloralen Nectarien von Ricinus communis keinen Ameisenbesuch fest- 
stellen konnte,^) ich habe aber schon vor mehreren Jahren in einem Glashause 
beobachtet, dass wenigstens die auf den Cotyledonen der Eicinuspflanze befind- 
lichen Nectarien von zahlreichen Ameisen aufgesucht werden. 

Nach all' dem Gesagten vermag ich in den extrafloralen Nectarien, 
wenigstens der Pflanzen unserer Flora, keine speciell den Ameisen angepassten 
Lockorgane zu erkennen, und halte ich es daher unbegründet, die bei uns vor- 
kommenden Pflanzen, welche mit extrafloralen Nectarien ausgestattet sind^ als 
mjrmecophile Pflanzen zu bezeichnen. Ob die Mehrzahl der Insecten, von denen 
die extrafloralen Nectarien aufgesucht werden, in der That geeignet sind, die 
Pflanzen gegen gewisse Thiere zu schützen, muss sich aus der Lebensweise jener 
Insecten erkennen lassen. Vorläufig ist es nach den Untersuchungen v. Wett- 
stein 's nur sicher, dass die Ameisen den mit extrafloralen Nectarien ausge- 
rüsteten Blüthenköpfchen einen Schutz gewähren. 

4. Ob die extrafloralen Nectarien von denselben oder ähn- 
lichen Insecten, wie andere auf Pflanz en frei vorkommende Zucker- 
secrete aufgesucht werden. Vergleicht man die von mir in meiner Ab- 
handlung mitgetheilten Listen der Insecten, welche ich von den extrafloralen 
Nectarien verschiedener Pflanzen, von den zuckerausscheidenden Spermogonien 



1) H. Müller in Encyklopädie der Naturwissenscliaften, I. Abth., 1. Lfg., S. 95. 
») Schimper, a. o. c. 0., S. 66. 

C* 



20 



Versammlung am 6. Februar 1889. 



gewisser Rostpilze, den mit Blattlaiishonig bedeckten Pflanzentheilen, der zueker- 
absondernden Sphacelia des Mutterkornpilzes und der zuckerreichen Gleba- 
fiüssigkeit des Phallus wipudicus einsammelte, so erkennt man zweierlei, nämlich 
einmal, dass die Besucher der extrafloralen Nectarien, des Spermogoniumsecretes 
und des Blattlaushonigs theilweise nicht nur denselben Arten der Ameisen 
{Formiea gagates Ltr., Formica cunicularia Ltr., Formica sanguinea Ltr., Lasius 
fuliginosus Ltr., Lasius hrunneus Ltr., Leptothorax Nylanderi Forst., Tetra- 
morium caespituin L., Myrmica laevinodis NjL), sondern auch denselben Arten 
verschiedener anderer Insecten, wie Hymenopteren [Tryphon rutilator Gr., 
Priocnemis coriaceus Dhlb., Diodontus tristis Dlilb., Tenthredo tesselata Klg.). 
Dipteren {Pipizella virens Fabr., Tachina rustica Meig., Sarcophaga albiceps 
Meig., Callipliora erythrocephala Meig., Lucilia caesar L., Spilogaster 
semicinerea Wdm., Eylemyia cinerella Meig., Antliomyia pluvialis L., Antho- 
myia pullula Zett., Ortalis ornata Meig., Systata rivularis Fabr., Platystoma 
seminationis Fabr., Micropeza corrigiolata L.) und Coleopteren {Phalacrus cor- 
ruscus Payk., Telephorus haemorrhoidalis F., Telephorus lividus L., Coccinella 
14:-pustulata L., Coccinella septempunctata L., Halyzia conglobata L.) ange- 
hören, und dann, dass sich bei dem Sphaceliasecrete von Claviceps und der 
Giebaflüssigkeit des Phallus wahrscheinlich wegen des Trimethylamin-, be- 
ziehungsweise Aasgeruches, welcher diesen Flüssigkeiten entströmt, weder Ameisen 
noch andere Hymenopteren, sondern nur Käfer und Dipteren einfinden. 

Die Thatsache, dass die extrafloralen Nectarien, das Spermogoniensecret 
der Eostpilze und der Blattlaushonig zum Theile von denselben Insecten auf- 
gesucht werden, ist aber, wie ich gleich zeigen werde, von besonderem Interesse. 
Schimper will mit Sicherheit nachgewiesen haben, dass die extrafloralen Nec- 
tarien und die Ausscheidung von Zucker zur normalen Verrichtung der Stolf- 
und Kraftwechselfunctionen weder nothwendig noch von nachweisbarem Nutzen 
seien, und er kommt zu dem Schlüsse, dass man die extrafloralen Nectarien als 
Lockorgane für Ameisen betrachten müsse. ^) Lässt man dies gelten und be- 
achtet man, dass die extrafloralen Nectarien, die Spermogonien der Rostpilze 
und der Blattlaushonig sämmtlich von wenigstens theilweise denselben Insecten 
aufgesucht werden, so liegt die Frage nahe, ob die Blattläuse und Uredineen 
ihren Wirthen nicht auch dieselben Vortheile wie die extrafloralen Nectarien 
gewähren. Lundström findet es in der That nicht unwahrscheinlich, dass die 
Blattläuse gewissen Pflanzen als wandernde Nectarien dienen! 2) 

Ist es erlaubt hier eine Meinung zu äussern, so möchte ich sagen, dass 
ich die Mehrzahl der extrafloralen Nectarien für Organe halte, die in erster 
Linie bei dem Ernährungsprocesse eine Rolle spielen; nebenbei mögen sie ja auch 
dem Schutze dienen. Der Umstand, dass von Persica vulgaris die Sorten ohne 
extrafiorale Nectarien (Bellegarde, Rothe Magdalene) dem Anscheine nach 
ebenso gut wie die Sorten gedeihen, welche entweder auf allen (Bourdine, 



1) Schimper, a. o. c. 0., S. 74. 

^) Axel N. Lundström, Pflanzenbiologisclie Studien, II, S. 84. 



M. Krön fei d. 



21 



Grosse Mignonne, Schöne von Toulouse, Späte Chevreuse, Downton's 
Nectarine) oder auf einem Theile ihrer Blätter (Musser et Bower's Früh- 
pfirsich) extraflorale Nectarien besitzen, kann ebenso sehr gegen die eine An- 
sicht, nach welcher die extrafloralen Nectarien bei der Ernährung thätig sind, 
als auch gegen die andere Ansicht, nach welcher sie durch die Ameisen, die sie 
anlocken, Schutzorgane darstellen, angeführt werden. Aus dem eben Gesagten 
scheint mir aber hervorzugehen, dass die Frage, ob die extrafloralen Nectarien 
bei der Ernährung thätig sind, sich nicht durch Versuche entscheiden lässt, 
welche in einem blossen Ausschneiden der extrafloralen Nectarien bestehen. 

An diesen Vortrag knüpfte sich eine längere Discussion, 
an der sich insbesondere die Herren Dr. R. v. Wettstein^ Dr. 
M. Kronfeld, Professor J. Mik und der Herr Vortragende be- 
theiligten. 

Herr Dr. C. Richter sprach über die Synonymie und 
Nomenclatur des Ranunculus Thora L. 

Herr Dr. R. v. Wettstein besprach sodann eine neue Me- 
thode zur Präparation von Blüthen und Blüthentheilen mit Er- 
haltung der natürlichen Form und Farbe und demonstrirte eine 
Reihe von Präparaten. 

Herr Dr. M. Kronfeld sprach über „Heterogamie von 
Zea Mays und Tyiplia latifolia" . 

Anknüpfend an einen von Professor Latzel im letzten Discussionsabende 
vorgezeigten Fall von Heterogamie bei Zea Mays, demonstrirte der Vortragende 
einschlägige Beispiele und erinnerte daran, wie die Heterogamie des Kukuruz 
schon häufig Gegenstand der Besprechung gewesen ist. Nach G. Kr äfft 's Dar- 
legungen (Sitzungsber. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, 1869, S. 65, 
ferner „Die normale und anormale Metamorphose der Maispflanze") dürfen die 
Fälle von Heterogamie des Mais, namentlich das häufige Auftreten von Frucht- 
knoten im männlichen Blüthenbereiche, als atavistische Belege angesehen werden. 
Die in der Anlage hermaphrodite Zea-Blüthe wäre somit erst nachträglich diclin 
geworden. Die Monoclinie als primären, die Diclinie als secundären Zustand 
anzunehmen, sieht man sich auch bei anderen Pflanzen veranlasst. 

Weiters bespricht der Vortragende die Heterogamie bei TypTia. Bei Typha 
latifolia ist es beobachtet worden, dass männliche Blüthen in Form einer 
schmalen Längszeile oder auch eines breiteren Streifens die weibliche Aehre 
unterbrechen. Bezugnehmend auf diese Facta, sagte der Vortragende schon in 



22 



Versammlung am 6. Feliruar 1889. 



seiner Arbeit „Ueber den Blüthenstand von Typha" : ^) „Dass hier ein Uebergang 
zur Diöcie vorliegt, in der Art, dass an jedem Blüthenstande allmälig nur 
die Blüthen eines Geschlechtes zur Vorherrschaft gelangen, und vorschreitend 
die Gesammtarea der Inflorescenz in Anspruch nehmen". In der That beob- 
achtete nun Dietz im Pester Botanischen Garten eine dicline Form von Typha 
latifolia. Dieselbe — vom Vortragenden zu Ehren des Entdeckers als Typha 
latifolia f. Dieizii bezeichnet — ist männlich. Die ganze, sonst in der unteren 
Hälfte von weiblichen, in der oberen von männlichen Blüthen eingenommene 
Inflorescenz ist an der Typha Bietzii von PoUenblüthen ausgefüllt. 

Ferner besprach der Vortragende die Schwalb 'sehe Me- 
thode zur Conservirung von Hjmenomyceten, und zeigte eine 
Auswahl von präparirten Pilzen vor. 

Herr Dragutin Hirc übersendete eine Mittheilung, be- 
titelt: „Die Hängefichte in Croatien". 

Gelegentlich meiner dritten botanischen Excursion in den nordwestlichen 
Gegenden der südwestlichen croatischen Hochebene (gewesenes Fiumaner Comi- 
tat) kam ich am 14. August 1885 von Cabar nach Trsce, um hier die Flora 
genauer zu studiren. Aufgemuntert durch Herrn Forstadjuncten W., entschlossen 
wir uns, von hier aus die Schneekoppe (1796 m) in Krain zu besteigen und 
traten unseren Weg denselben Nachmittag an. Als wir Trsce verliessen und 
das Dorf Crni lazi passirten, kamen wir in die Waldgegend Crna gora, wo uns 
ein Fichtenwald aufnahm. Längs des Fahrweges fiel mir eine Fichte durch ihren 
lärchenähnlichen Habitus, die ungewöhnliche und besondere Verzweigung um 
so mehr auf, da sie sich von den normal entwickelten Nachbarfichten sehr 
abhob. Später bemerkte ich eine zweite, dritte, vierte u. s. w. Fichte desselben 
Habitus, verglich sie mit den normal entwickelten Bäumen und überzeugte mich, 
dass bei der ersteren die Seitenzweige dünn, lang und vertical herabhängend 
sind. Die Nadeln fand ich derber, weiter abstehend und um die Zweige gleich- 
massiger vertheilt. 

Durch die ganze Waldgegend begleiteten uns links und rechts des Weges 
diese Fichten, die wir nicht genug bewundern konnten, aber keiner wusste, 
welche sonderbare Bildung wir vor uns hatten. Auf der Rückkehr hielten uns 
die Fichten wiederum auf; wir sahen ältere und jüngere Exemplare, aber in's 
Klare konnten wir nicht kommen. So viel war doch entschieden, dass wir vor 
uns eine aussergewöhnliche und seltene Fichtenform oder Varietät hatten. 

Erst die Mittheilung des Herrn Dr. C.Wilhelm in den Verhandlungen 
der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien (1887 S. 8) führte mich 
auf die Vermuthung, dass jene Fichte Ficea excelsa var. viminalis Casp, sein 



1) Ueber den Blüthenstand der Rohrtolben, XCIV. Bd. der Sitzber. d. kais. Akad. d. Wissensch., 
I. Abtk., December-Helt, 1886, S. 99. 



Carl Gr oll hon. 



23 



könnte, ich wollte dies aber noch nicht entscheiden, bis Herr R. Eaimann 
durch seine Abhandlung: „Mittlieilungen über Fichtenformen aus der Umgebung 
von Lunz etc." in denselben Verhandlungen, 1888 (S. 71 — 73), meinem Zweifel 
ein Ende machte, da die Beschreibung und Abbildung mit der croatischen Hänge- 
fichte vollkommen stimmt. 

Wir kenneu bis nun diese Fichte aus Niederösterreich (Lilienfeld, Seeben- 
stein, Lunz), Tirol, Kärnten etc., welchen Ländern sich nun auch Croatien 
anschliesst. 

Ich habe durch neun Jahre das ganze Plateau der genannten Hochebene 
bereist, viele Nadelholzwaldungen besucht und durchgeforscht, aber Crna gora 
bei Trsce ist bis nun der erste Standort, wo Picea excelsa var. viminalis ge- 
funden wurde. 

Hängefichten kommen in Croatien auch bei Warasdin vor. Darüber 
berichtet Herr Professor Öebisanovic im „Glasnik" des croatischen Natur- 
forscher-Vereines (Agram, 1888, p. 267—270). 

Am grossen Friedhofe der genannten Stadt erheben sich zwischen Pinns 
Strohns drei grosse Hängefichten, deren Alter Professor Sebisanovic auf 
50—60 Jahre schätzt. Die eine ist ziemlich üppig und dicht benadelt, die 
anderen zwei sind auch noch gesund, die Zweige aber mehr herabhängend, dünn 
und haben durch die Verästelung ein quastenförmiges Aussehen. 

Im Parke des croatischen Ministers Coloman v. Bedekovic gibt es 
auch eine Gruppe von Hängefichten, an denen sich der verschiedengestaltige Ueber- 
gang von der Normalform in die var. viminalis zeigt. Im Stadtparke ist ein 
äusserst schönes, bis 60 Jahre altes Exemplar von 180 cm Umfang und etwas 
über 20 m Höhe. Zweifellos werden sich die Standorte auch in Croatien für 
diesen interessanten Baum mehren. 



Im zoologischen Discussions- Abende am 11. Januar 
1889 wurden folgende Vorträge gehalten: 

Professor Carl Grobben hielt einen Vortrag über die in 
der Leibeshöhle überwinternder Hummelköniginnen parasitisch 
lebende Sphaerulavia homhi, in welchem derselbe die Resultate 
der neuesten über den Bau und die Lebensgeschichte dieses 
Thieres erschienenen Publication von R. Leuckart referirt. 

Nach den Untersuchungen Leuckart's ist die Sphaerularia der älteren 
Autoren die hervorgestülpte, später zu grossem Umfange heranwachsende, die 
Genitalorgane aufnehmende Scheide (und nicht Uterus, wie Schneider glaubte, 
dessen Verdienst, zuejst die richtige Deutung des Sphaerulariaschlauches bis 
auf die bezeichnete Differenz gegeben zu haben, besonders hervorgehoben sein 
mag) eines Nematoden, welcher selbst jedoch rückgebildet wird. Die junge 



24 



Versammlung am 6. März 1889. 



Brut wandert aus und lebt in feuchter Erde. Hier werden die Männchen 
geschlechtsreif und begatten sich mit den Weibchen, welche erst nach ihrer 
Einwanderung in Hummelköniginnen und nach Hervorstülpung des Scheide- 
schlauches ihre Geschlechtsorgane zur Keife bringen. Es leben somit bloss die 
weiblichen Sphaerularien parasitisch. Die mit Sphaerularia inficirten Hummel- 
königinnen bringen es nach Schneider nicht zur Gründung einer Colonie, und 
ihre Flugzeit dauert bis in den Juni, worauf sie absterben, während gesunde 
Königinnen ihren Ausflug Anfangs oder Mitte Mai einstellen. 

Herr Custos Dr. Th. Fuchs referirte über C. Chun's „Die 
pelagische Thierwelt in grösseren Meerestiefen und ihre 
Beziehungen zu der Oberflächenfauna", wobei der Refe- 
rent insbesondere eine genaue Beschreibung der von Chun er- 
fundenen Fangapparate gab, welche es durch eigenthümliche 
Vorrichtungen und Klappen an den pelagischen Netzen ermög- 
lichen, die in einer bestimmten Schichte des Meeres schwimmen- 
den thierischen Organismen isolirt zu fischen. 



Versammlung am 6. März 1889. 

Vorsitzender: Herr Prof. Dr. Andreas v. Kornhuber. 



Eingesendete Gegenstände: 

Eine CoUection verschiedener Seethiere von Herrn Dr. E. v. Marenzeller. 
4 skelettirte Hundeschädel von den Herren Ad. Handlirsch und L. v. Lorenz. 



Der Herr Vorsitzende eröffnete die Versammlung mit der 
Mittheilung, dass der Secretär Dr. R. v. Wettstein in Folge 
Zeitmangels sich gezwungen gesehen habe, auf seine Stelle zu 



Neu eingetretene Mitglieder: 



P. T. Herr 



Als Mitglied bezeichnet durch 
P. T. Herren 



Neumann-Spallart, Anatol v. Wien, IV., 
Theresianum 



Dr. 0. Simony, A. Rogenhofer. 



Carl Grobben. 



25 



resigniren und dass die Neuwahl eines Secretärs am 3. April 
stattlinden werde. 



Herr Professor Dr. Friedr. v. Brauer hielt einen Vortrag 
„Ueber Laus fliegen". Der Vortragende besprach die hoch- 
interessanten Beobachtungen Portchinski's über die Entwicklung 
der Musciden. 

Die Arbeit Portchinski's ist in russischer Sprache im Jahre 1885 
erschienen und von Baron Osten-Sacken in englischer Sprache in der 
Berliner Entomol. Zeitschr., Bd. XXXI, S. 17 mitgetheilt. 

Es wird von Brauer besonders hervorgehoben, dass durch diese Beob- 
achtung die alte, noch in Lehrbüchern festgehaltene Eintheilung der Dipteren 
in drei Unterordnungen: Nemocera, Brachycera und Pupiimra, welche derselbe 
aus anderen Gründen stets bekämpft und als unnatürlich bewiesen hat, voll- 
ständig unmöglich gemacht wird, indem nach Portchinski die coprophagen 
Muscarien Arten zeigen, welche in südlichen Gegenden sich zeitweise wie 
pupipare Fliegen fortpflanzen (Muscu corvina). Ebenso zeigen andere Gattungen 
Uebergangsstufen zu dieser Vermehrungsart (Hijalomyia strigosa, Dasyphora 
pratorum) . Portchinski beweist sonach die Abstammung der pupiparen 
von coprophagen Muscarien, was mit der Ansicht Brauer's vollkommen über- 
einstimmt, da er bereits im Jahre 1863 in der Monographie der Oestriden die 
Muscarien und Pupiparen in seiner Abtheilung Cyclorhapha vereinigt hat, 
während man früher dieselben durch die ganzen Nemoceren trennte und im 
Anschlüsse an die Puliciden behandelte. (Siehe Schiner, „Fauna", und Ger- 
stäcker, „Handbuch der Zoologie von Carus" etc.) 



Herr Professor Dr. Carl Grobben sprach hierauf über 
„Arbeitstheilung". 

Der Vortragende bespricht die Erscheinung der Arbeitstheilung vom 
physiologischen Standpunkte und betont dabei, dass die Arbeitstheilung der 
Zellen in einem vielzelligen Organismus nicht so zu verstehen ist, dass jede 
Zelle bloss eine einzige Function besitzt, sondern ihre fundamentalen Functionen 
alle, wenngleich rudimentär, beibehält, aber nur eine Function als Haupt- 
function ausübt. 



Der Secretär Dr. R. v. Wettstein legte unter Besprechung 
des Inhaltes folgende eingelaufene Manuscripte vor: 

Die botanische Ausbeute der von A. Knapp im Jahre 1886 
nach Persien unternommenen Reise : I. Salsolaceae und Polygo- 

Z, B. Geb. B. XXXIX. Sitz.-Ber. D 



26 



Versammlung am 6. März 1889. 



naceae von C. Rechinger. (Siehe Abhandlungen^ II. Quartal.) — 
II. Labiatae von H. Braun. (Siehe Abhandlungen^ II. Quartal.) 

Low Dr. Fr.: „Beschreibung zweier neuer Cecidomyiden- 
Arten". (Siehe Abhandlungen, II. Quartal.) 

Stapf Dr. O.: „Beiträge zur Flora von Persien. II". (Siehe 
Abhandlungen, II. Quartal.) 

Der Secretär berichtete ferner über den am 22. Februar 1889 
abgehaltenen botanischen Discussions- Abend. 

An demselben sprach Herr Dr. C. Fritsch „Ueber Spiraea 
und die mit Unrecht zu dieser Gattung gestellten Rosi- 
floren 

Obgleich Maximowicz schon vor zehn Jahren ausführlich dargethan 
hat, dass viele von den meisten Autoren zur Gattung Spiraea gebrachte Arten 
unbedingt in andere, zum Theile neue Gattungen gestellt werden müssen, so 
findet man gleichwohl noch heute in der Mehrzahl der floristischen Publicationen 
die Linne'schen Namen Spiraea Aruncus, Spiraea ülmaria u. s. w. angewendet. 2) 
Ja vor einigen Monaten erschien sogar unter dem Titel „Die Gattung Spiraea^^ 
eine monographische Uebei-sicht,^) in welcher der unglaubliche Versuch gemacht 
wird, alles das, was Maximowicz auf Grund eingehendster Untersuchung 
scharf getrennt hatte, wieder zusammen zu werfen. 

Ich komme auf diese Publication noch zurück; vorher aber will ich die 
wichtigsten Resultate der Untersuchungen von Maximowicz in Kürze wieder- 
geben. Ich berücksichtige dabei zunächst die in Europa vertretenen Gattungen, 
um unsere Floristen auf die wichtigen Unterschiede zwischen Spiraea, Aruncus 
und Filipendula aufmerksam zu machen. 

Schon nach dem Habitus zerfallen die in Europa vorkommenden ,,Spiraea^^- 
Arten in drei scharf gesonderte Gruppen: 1. Strauchige Arten mit ungetheilten 
Blättern, ohne Nebenblätter {Spiraea ohovata W. K., ulmifolia Scop., decumbens 
Koch, sälicifolia L. u. a.); 2. eine krautige Art mit mehrfach getheilten 
Blättern, ohne Nebenblätter {Spiraea Aruncus L.); 3. krautige Arten mit fieder- 
schnittigen Blättern und grossen Nebenblättern {Spiraea Filipendula L., 
ülmaria L.). Diese drei Gruppen zeigen auch im Bau der Blüthe und Frucht 
wesentliche Unterschiede, die im Wesentlichen die folgenden sind: 

Die strauchigen S piraea-kvi^n besitzen zwitterige (selten 
polygamische) Blüthen, einen die Frucht an der Basis um- 



1) Maximowicz, Adnotationes de Spiraeaceis, Acta Horti Petropolitani, VI, p. 105 ad 
2G1 (1879). 

Leider wurde auch in Durand 's „Index Generum" die Gattung Spiraea in dem unmög- 
lichen Umfange, wie wir sie bei Bentham et Hooker linden, belassen. 
••') W enzig, Die Gattung Spiraea, Flora, 1888, p. 243 iF. 



C. Fritsch. 



27 



schliessenden, entschieden röhrigen Kelch, zahlreiche, am Eande 
des Discus inserirte Staubblätter und normal fünf Fruchtblätter, 
deren jedes zu einer mchrsamigen Balgkapsel wird. 

Spiraea Äruiicus L. ist (normal) dioccisch, hat einen sehr 
kurz tellerförmig-röhrigen Kelch, der zur Fruchtzeit einge- 
schrumpft und scheibenförmig ist, am Grunde unter einander 
und mit der Kelchröhre verwachsene Staubblätter und normal 
drei Fruchtblätter, die sich gleichfalls zu mehrsamigen Balg- 
kapseln entwickeln. 

Spiraea Filipendula L. und Spiraea Ulmaria L. weichen 
(neben anderen Merkmalen) durch einsamige Schliessf rü chtchen 
bedeutend ab und bekunden auch im Bau der Staubblätter keine 
nähere Verwandtschaft mit den Arten der beiden ersten Gruppen. 

Die Unterscheidung dieser drei Gruppen als Gattungen fällt durchaus 
nicht in die neueste Zeit. Schon bei Linne in der ersten Ausgabe der „Genera 
plantarum" finden wir die Gattungen Aruncus und Filipendula von Spiraea 
getrennt. Tournefort hatte auch Ulmaria von Filipendula als Gattung 
getrennt; Aruncus erscheint bei ihm als Barha Caprae, welchen Namen Linne 
offenbar als Gattungsnamen unpassend fand. Leider vereinigte Linne schon 
in der ersten Ausgabe der „Species plantaruin" diese drei Gattungen unter 
dem Namen Spiraea, und seither wurde diese Gattung in so unhaltbarem 
Umfange genommen. Nach Linne war es zuerst Gilibert,^) welcher die 
Tournef ort'schen Gattungen Ulmaria nnd Filipendula wieder abtrennte; bei 
ihm heisst unsere „Spiraea Uhnaria" Ulmaria pentapetala, unsere „Spiraea 
Filipendula'^ Filipendula hexapetala. Zwei Jahre später erschien Mönch's 
„Methodus",2) in welchem die genannten Pflanzen als Ulmaria palustris und 
als Filipendula vulgaris bezeichnet werden. Zum ersten Male wieder vereinigt, 
aber von Spiraea getrennt, finden wir Ulmaria und Filipendula bei Koste- 
letzky,3) der aber nicht (wie Linne) den 'Nsimen Filipendula Yorzieht, sondern 
die Gattung Ulmaria nennt. Unsere beiden Arten nennt er Ulmaria palustris Much, 
und Ulmaria Filipendula. Die Abtrennung der Gattung Ulmaria von Spiraea 
wird aber von Kosteletzky gar nicht begründet, da der „Index plantarum" 
ein blosses Namensverzeichniss ist. Unsere „Spiraea Aruncus"' bekommt bei 
Kosteletzky zuerst einen Speciesnamen in der Gdittung Aruncus: Aruncus 
Silvester. Erst zwanzig Jahre später finden wir wieder die Gattung Ulmaria 
(incl. Filipendula) bei Ascherson,^) welcher für die eine Art den Gili- 
bert'schen Namen Ulmaria pentapetala annimmt, s) die andere aber als Ulmaria 



') Supplem. syst, plant. Europae, I, Plantae Lithuanicae cum Lngduuensibus comparatae 
(1792), p. 353—354. 

') Methodus plant, hoiti botan, et agri Marburgensis (1794), p. 663. 

») Index plantarum borti c. r. botan. Pragensis (1844), p. 138. 

♦) Flora der Provinz Brandenburg (1864), S, 177. 

Die daselbst citirte Jabreszabl 1782 (statt 1792) ist auf einen Druckfehler zurück- 
zuführen. 

D* 



28 



Versammlung am 6 März 1889. 



Füipendula (L.) A. Br. anführt. Die streng wissenschaftliche Begründung 
dieser Gattung war aber Maxime wicz vorbehalten, welcher mit Linne die 
Gattung nicht Ulmaria, sondern Füipendula nennt. Meiner Ansicht nach ist 
dies auch das einzig Richtige, da Linne zuerst die Gattung in unserem Sinne 
auffasste. Diejenigen freilich, die der Ansicht huldigen, dass man auch für die 
Nomenclatur der Gattungen nicht weiter zurückgreifen soll, als bis zur ersten 
Ausgabe der „Species plantarum" von Linne, finden zuerst den Namen Ulmaria 
bei Kosteletzky und Ascherson, erst später bei Maximowicz den Namen 
Filipendula. Aber selbst wenn man die Sache als strittig betrachten wollte, 
empfiehlt es sich doch sicher, den vom Monographen gebrauchten Namen 
Filipe^idula anzunehmen, namentlich da Maximowicz auch die Nomenclatur 
aller Arten für diesen Gattungsnamen geregelt hat. Ich bin also entschieden 
gegen die Beibehaltung des Gattungsnamens Ulmaria, der leider auch in Focke's 
neueste Bearbeitimg der Rosaceen Aufnahme gefunden hat. Es ist zwar für 
die Wissenschaft gleichgiltig, ob die Gattung diesen oder jenen Namen führt; 
es ist aber nicht gleichgiltig, wenn eine und dieselbe Gattung gleichzeitig 
unter verschiedenen Namen angeführt wird. 

Die Nomenclatur und wichtigste Synonymie der von Spiraea auszu- 
schliessenden Arten der europäischen Flora stellt sich hiernach folgendermassen : 

Äruncus Silvester Kosteletzky, Index plant, hört. Prag., p. 138 (1844). 
Spiraea Äruncus L., Spec. plant., ed. I, p. 490 (1753). 
Astilbe Äruncus Treviranus in Botan. Zeitg., XIII, S. 819 (1855). 

Filipendula hexapetala Gilibert, Plant. Lithuan., p. 354 (1792). 
Spiraea Filipendula L., Spec. plant., ed. I, p. 490 (1753). 
Filipendula vulgaris Mönch, Method. plant. Marburg,, p. 663 (1794). 
Ulmaria Filipendula Kosteletzky, Index plant, hört. Prag., 
p. 138 (1844). 

Filipendula Ulmaria Maximowicz in Acta horti Petrop., VI, 
p. 251 (1879). 

Spiraea Ulmaria L., Spec. plant., ed. I, p. 490 (1753). 
Ulmaria pentapetala Gilibert, Plant. Lithuan., p. 353 (1792). 
Ulmaria palustris Mönch, Method. plant. Marburg., p. 663 (1794). 

Die nach der Behaarung der Blätter unterschiedenen Formen der Fili- 
pendula Ulmaria berücksichtige ich hier nicht, da sie auf keinen Fall für 
Arten angesehen werden dürfen. 

Während die Gattung Äruncus ziemlich nahe Verwandtschaft zu Spiraea 
zeigt, weicht Filipendula durch das Vorhandensein grosser Nebenblätter, durch 
einsamige Schliessfrüchte und den Bau der Staubgefässe wesentlich ab, und 
gehört desshalb überhaupt nicht zu den Spiraeoideen. Der Habitus, bedingt 
durch die steif aufrechten Stengel und die fiederschnittigen, mit grossen Neben- 



1) Engler und Prantl, Natürl. Pflanzenfamilien, III, 3, S. 40 (1888). 



C. Fritsch, 



29 



blättern versehenen Blätter, erinnert am meisten an Geum und Agrimonia. 
Thatsäehlich haben auch diese Gattungen, wie überhaupt die Rosoideen (im 
engeren Sinne) einsamige Schliessfrüchte und zu diesen ist Füipendula auch 
zu stellen. Maximowicz wollte sie direct unter die Sanguisorbeen eingereiht 
wissen; Focke stellt aber für sie eine eigene Tribus (ülmarieaej auf und 
bringt diese zwischen die Potentilleae (resp. die bei uns nicht vertretenen Cerco- 
carpeae) und die Sanguisorbeae. 

Die in Europa nicht vertretenen Gattungen, welche Maximowicz (zum 
Theile auch schon frühere Autoren) von Spiraea trennen musste, sind die 
folgenden : 

Eriogijnia Hook. Enthält die uordamerikanische Spiraea pectinata T. 
et Gr., welche den Habitus einer Saxifraga hat (von Pursh auch als Saxifraga 
beschrieben wurde!) und sich durch kriechenden, halbstrauchigen Wuchs, doppelt 
dreitheilige Blätter, an der Basis verwachsene Staubblätter und häutige, zwei- 
klappig aufspringende ßalgkapseln sehr bedeutend von den echten Spiraea- 
Arten unterscheidet. 

Sibiraea Maxim. Diese Gattung steht Spiraea am nächsten, weicht aber 
im Habitus und in der Blattnervatur, sowie namentlich durch dioecische 
Blüthen und an der Basis verwachsene Carpelle ab. Hieher gehört Spiraea 
laevigata L. aus Sibirien. 

Die Gattungen Steplianandra S. Z. und Neillia Don werden so allge- 
mein von Spiraea getrennt, dass ich sie hier übergehen kann. Mit Neillia nahe 
verwandt ist Physocarpus (Camb.), deren bekanntester Vertreter >S^iV«eaopitZ'i- 
folia L. ist. Diese drei Gattungen zusammen bilden die Tribus der Neillieen, 
welche sich von den Spiraeen durch das Vorhandensein von Nebenblättern, 
Samen mit steinharter Schale und deutlich entwickeltes Albumen unterscheiden. 
Auch die gelappten Blätter sind für diese Tribus characteristisch. 

Sorbaria A. Br. Die hieher gehörige Spiraea sorbifolia L. weicht 
schon habituell durch fiederschnittige, mit Nebenblättern versehene Blätter 
sehr ab. Das wichtigste Merkmal liegt aber in der Stellung der Carpelle, 
welche nicht den Fetalen (wie bei allen bisher genannten Gattungen), sondern 
den Sepalen gegenüberstehen. Dieses wichtige Merkmal kommt auch den 
Gattungen Chamaebatiaria (Port.) {Spiraea Millefolium Torr.), Spirae- 
anthus (Fisch, et Mey.) {Spiraea Schrenckiana Fisch, et Mey.) und Gille- 
nia Mönch {Spiraea trifoliata L. und Spiraea stipulata Willd.) zu. Sie 
bilden zusammen die Tribus der Gillenieen. 

Ho lodiscus {C. Koch). Diese Gattung umfasst einige centralamerikanische, 
unter einander nahe verwandte Arten, von denen Spiraea ariaefolia Sm. die be- 
kannteste ist. Dieselben haben wie Filipendula einsamige Schliessfrüchtchen, 
aber den Habitus von Cercocarpus. Maximowicz stellt sie direct zu den 
Cercocarpeen, beziehungsweise Potentilleen; Focke bringt sie (olfenbar wegen 
der hängenden Ovula) in eine eigene Tribus (Holodisceae), welche er den Spi- 
raeoideen unterordnet. 



30 



Versanimluiig am 6 März 1889. 



Welclie Gründe sind es nun, welche Wen zig veranlassen, alle die ge- 
nannten Gattungen (ausgenonimen Stephanandra, Neillia, Spiraeanthus und 
GiUenia) wieder mit Spiraea zu vereinigen? Wir finden darüber in seiner Ab- 
handlung (S. 245) folgenden Aufschluss: „Bereits völlig fertig mit dem Entwurf 
meiner Arbeit, empfing ich die Adnotationes de Spiraeaceis von Maximowicz. 
So sehr die hier veröffentlichten morphologischen Arbeiten meinen Bei- 
fall finden, und ich dieselben dem Studium nur dringend empfehlen kann (!), 
so wenig bin ich geneigt, dem systematischen Theile beizutreten." Wenzig 
hat also von der Existenz der Monographie von Maximowicz früher keine 
Ahnung gehabt, hat es daher für nöthig gehalten, selbst eine Monographie zu 
schreiben, und wollte dieselbe auch nicht mehr unterdrücken, nachdem er sie 
bereits ausgearbeitet hatte. 

Dass Wenzig Filipendula, Holodiscus, Sorbaria und Chamaebatiaria 
nicht als Gattungen abtrennt, hat seinen Grund offenbar darin, dass ihm die 
wichtigsten Unterschiede derselben gar nicht bekannt sind. Seiner Section 
„ülmaria'' schreibt er ruhig „folliculi rostrati" zu (S. 247); ebenso wieder- 
holt sich der Ausdruck „folliculi" bei der Diagnose jeder einzelnen Filipendida- 
Art (S. 284 — 286). Es ist ihm also gar nicht bekannt, dass die Früchte dieser 
Arten niemals aufspringen (also keine „folliculi" sind); denn sonst hätte er sie 
unbedingt ausschliessen müssen (ebenso Holodiscus), da er in seiner eigenen 
Gattungsdiagnose ausdrücklich sagt: „Folliculi maturi introrsum dehiscentes'^ 
(S. 246). Ebensowenig erwähnt er bei Sorbaria und Chamaebatiaria der epi- 
sepalen Stellung der Carpelle. 

Die Holodiscus- Arten bringt Wenzig, zusammen mit Sibiraea und den 
echten Spiraea- krtew mit rispigen Inflorescenzen, in eine mit „racemi compositi" 
überschriebene Unterabtheilung der Section Spiraria. Aus diesem Umstände 
geht ganz besonders die — Genauigkeit seiner Untersuchungen hervor. 

Bei flüchtiger Durchsicht der Abhandlung von Wenzig fielen mir noch 
ziemlich viel Unrichtigkeiten und Ungenauigkeiten auf, von denen ich hier nur 
einige der auffallendsten als Beispiele erwähnen will: 

S. 269 — 270. Spiraea sericea Turcz. wird als Synonym zu Spiraea cana 
W. K. citirt. Sie ist aber mit Spiraea oblongifolia W. K., die (p. 271) als Varietät 
der Spiraea chamaedryfolia L. angeführt wird, viel näher verwandt und hätte 
auf alle Fälle als eigene Varietät behandelt werden müssen. Der zu Spiraea 
cana citirte Standort: Amur (Maximowicz, „cum foliis minus pilosis") ge- 
hört sicher zu Spiraea sericea. Spiraea cana W. K. hat nur einen kleinen Ver- 
breitungsbezirk im südöstlichen Europa, und wächst in Asien sicher nicht. 

S. 276. Spiraea Japonica L. f. wird als Synonym zu Spiraea callosa Thbg. 
citirt: der erstere Name ist aber älter und muss daher vorangestellt werden. 

S. 284. Spiraea Kiriloicii Regel soll eine Form der Spiraea sorbifolia L. 
mit kahlen Blüthenstielen sein! Die Pflanze lag wohl dem Verfasser nicht vor, 
sonst hätte er die Stellung des Griffels bemerken können. Die Zusammenziehung 
der auffallenden Spiraea grandiflora Sweet mit Spiraea Lindleyana Wall, und 
Spiraea sorbifolia L. zu einer Art ist doch etwas gewaltsam! Dass sich Sjpi- 



Frid, Krasser. 



31 



raea Linäleyana von Spirnea sorhifolia nur in den Blättern unterscheiden soll, 
spricht auch für gründliche Untersuchung! 

S. 290. Eine „Spirnea astilboides" hat Maximowicz in den Adnotationes 
nicht beschrieben, sondern einen Aruncus astilboides. Die Art unterscheidet 
sich von Aruncus Silvester auffallend durch die aufrechten Fruchtstiele und nicht 
nur durch die Blätter; sie darf deshalb auch nicht als Varietät betrachtet werden. 

Von den bei Maximowicz neu beschriebenen Arten (deren Vorhandensein 
Wenzig wohl aus Just's Jahresbericht schon früher hätte entnehmen können) 
werden Spiraea prostrata, Chinensis, gracilis, bullata und longigemmis vornehm 
ignorirt; Filipendida multijuga dagegen wird als Spiraea multijuga Wenzig 
aufgenommen. Im Uebrigen vermisse ich ausser einigen in den letzten Jahren 
beschriebenen Arten die von Hooker in der Flora von Britisch-Indien beschrie- 
bene Spiraea micrantJia und eine grössere Zahl wichtiger Synonyme. 

Die Arbeit des Herrn Wenzig basirt also auf sehr oberflächlicher Unter- 
suchung, ist unvollständig und enthält zahlreiche Unrichtigkeiten. Das Einzige, 
was Maximo wicz Anderen zu thun übrig gelassen hatte, nämlich die subtilere 
Unterscheidung der einzelnen Eacen und Formen (zum Theile auch Arten), wird 
auch nicht gethan, sondern es wird im Gegentheile alles noch mehr cumulirt, 
und noch viel weniger kritisch unterschieden. Die Abhandlung des Herrn 
Wenzig bedeutet somit einen entschiedenen Eückschritt. Maximo wicz 's 
„Adnotationes" aber werden nach wie vor das grundlegende Werk für die Syste- 
matik der Spiraeoideen bleiben. 

Herr Dr. Frid, Krasser hielt einen Vortrag „Ueber die 
fossilen Pflan zen reste der Kreideformation in Mähren". 

Da bisher aus Mähren nur sehr wenige Pflanzenreste aus den der Kreide- 
formation angehörigen Schichten bekannt geworden sind, und der Fortschritt 
der Wissenschaft Aenderungen in der Bestimmung einiger erheischt, so erscheint 
es mir an der Zeit, einmal eine Zusammenstellung zu bieten, welche einerseits 
eine kritische Uebersicht der aufgefundenen Formen, und andererseits eben- 
dadurch eine richtigere Vergleichung mit analogen Formen anderer Kreidefloren 
ermöglichen soll. 

Die Literatur weist nur drei Arbeiten auf, welche sich mit der Flora 
der mährischen Kreideformation befassen. Es sind die folgenden: 

1. C. V. Ettingshausen, „Beitrag zur Flora der Wealdenperiode" in 
Abhandl. d. k. k. Geolog. Reichsanst. in Wien, I. Bd., III. Abth., Nr. 2 (1852); 

2. A. Schenk, „Beiträge zur Flora der Vorwelt", III und IV; Palaeonto- 
graphica, Bd. XIX ; 

3. 0. Heer, „Flora von Moletein in Mähren" in Denkschr. d. Schweizer. 
Gesellsch. (1868). 

Auf die cretacischen Pflanzenreste kommen auch Hohenegg er in seinen 
Erläuterungen zur geognosti sehen Karte der Nordkarpathen, und A. Reuss in 
seinen im Folgenden citirten „Beiträgen"' im Jahrbuch der k. k. Geologischen 
Reichsanstalt, 1854, zu sprechen. Ich werde darauf noch zurückzukommen haben. 



32 



Versammlung am 6. März 1889. 



Ettingshausen gebührt entschieden das Verdienst, die ersten wissen- 
schaftlichen Bestimmungen mährischer Kreidepflanzen durchgeführt zu haben. 
In der „Wealdenflora" machte er bekannt: 
Cydopteris squamata Ett. 

„In schisto argillaceo ad Murk prope Neutitschein. " 
SpJienopteris MantelU Ett. 

„In schisto margaceo ad Blansko Moraviae." 
Älethopteris recentior Ett. 

„In schisto argillaceo ad Murk prope Neutitschein." 
Gulmites priscus Ett. 

„In schisto argilloso ad Murk prope Neutitschein." 
Thtiites Hoheneggeri Ett. 

„In arenaceo feruginoso ad Mark prope Neutitschein. ^ 
„In schieferigen Sphärosideriten mit Cephalopoden des Neo- 
comien." 

Schenk kritisirte diese Bestimmungen in seinen Beiträgen zur Flora 
der Vorwelt, III und IV. Cydopteris squamata Ett. bezeichnet er als eine der 
Cydopteris angustifolia M' Coy analoge Form und bemerkt 1. c, III, S. 6: 
„Die Abbildung macht den Eindruck, als sei diese Art keine selbstständige". 
Mit SpJienopteris Mantelli Brongn. lasse sich am besten unter den lebenden 
Formen Asplenium nodulosum Ulis, und Äsplenium Belangeri Kze. vergleichen. 
ÄletJiopteris recentior Ett. stellt Schenk, 1. c, III, S. 4, zu Londiopteris 
Brongn. Unter den lebenden Farnen steht sie einigen Arten der Gattung Pteris 
durch den Nervenverlauf am nächsten. Für Culmites priscus Ett. und Thuites 
Hoheneggeri Ett. creirt der genannte Autor die Gattung Frenelopsis. Frenelopsis 
Hoheneggeri Ett. sp. erhält als Synonym Culmites priscus Ett., Beitr. z. Wealdü., 
S. 24, Taf. 1, Fig. 5, welcher nichts Anderes ist, als „kurze, nur aus wenigen 
Internodien bestehende Fragmente älterer Zweige". Die Blätter sind an diesen 
Exemplaren bis auf die unterste Basis verloren gegangen und fehlen auch 
gänzlich, aber die Structur der Epidermis, Gliederung, Länge und Breite der 
Internodien stimmt vollständig mit denen der Thuites Hoheneggeri überein. 

Die angeführten Pflanzen stammen aus den Wernsdorfer Schichten, 2) 
welche dem Urgonien zugezählt werden; sie sind also die Beste einer Flora der 
älteren Kreide. 

Bei der deutschen Naturforscher - Versammlung in Tübingen brachte 
Glocker^) Abbildungen und Beschreibung einer neuen Art von Cupressites 
{Cupressites acrophyllus Glocker) vor. Die Specimina stammten aus den 
schwarzen Schieferthonen des nördlichen Theiles des Moleteiner Thaies. Pflanzen- 
reste aus dem Moleteiner Thale hatte auch Ettingshausen untersucht. Er 



1) Schenk, 1. c, IV, S. 209. 

2) Die von Ilohenegger gegel)ene Aufzählung der fossilen Flora der Warnsdorfer- 
Schi c Ii t e n ist nach den Ettingshausen 'sehen Bestimmungen gegehen. Durch die S c h e n k 'sehe 
Arbeit (Beitr., III) wurden noch weitere Formen bekannt. 

3) Tagblatt der 30. Versammlung der Naturforscher und Aerzte, Nr. 8, S. 89 (1853). 



F r id. Krasser. 



33 



fand, wie Reuss,^) nach brieflichen Mittheiluugen des genannten Forschers, 
mittheilt: „Zamiostrobus elongatus Ett., Geinitzia cretacea Endl., Morinium 
populifolium Ett., Ficus Reussii Ett., Laurogene cretacea Ett., Apocynophyllum 
primaevum Ett. und Callistemophyllum amhiguum Ett." Die Diagnosen zu den 
in diesem Verzeichnisse enthaltenen Novitäten wurden nicht publicirt, und ist 
auch Ficus Reussii Ett. dieser Aufzählung nicht identisch mit dem tertiären 
Ficus Reussii Ett., dessen Diagnose bekanntlich in der fossilen Flora von Bilin 
publicirt wurde. Eeuss (1. c, S. 740) führt auch „Stengelabdrücke" und „fossiles 
Holz" an. Die eben erwähnten Moleteiner Pflanzenabdrücke fanden sich in 
einem feinkörnigen, blass grünlichgelben Sandstein. 

Eeuss beobachtete bei Borotin „schöne, beblätterte Zweige von Geinitzia 
cretacea Endl. 2) und an verschiedenen Localitäten „bernsteinartige Harze". 

Eine ausserordentliche Förderung erfuhr die Kenntniss der fossilen 
Pflanzenreste der mährischen Kreideformation durch 0. Heer, Flora von 
Moletein in Mähren (1868).^) Er beschrieb: Filices: Gleichenia Kurriana Heer. 
Coniferae: Sequoia Reichenbachi Geinitz sp., Sequoia fastigiata Sternberg sp., 
Cuninghamites elegans Corda, Pinns Quenstedtii Heer. Palmae: Palmacites 
horridus Heer. Moreae: Ficus Mohliana Heer, Ficus Krausiana Heer. 
Poljgoneae?: Credneria macrophylla Heer. Laurineae: Daphnophyllum 
Fraasii Heer, Daphnophyllum crassinervium Heer. Araliaceae: Äralia 
formosa Heer. Ampelideae: Chondrophyllum grandidentatum? = Credneria 
grandidentata Ung. Magnoliaceae: Magnolia speciosa Heer, Magnolia 
amplifolia Heer. Myrtaceae: Myrtophyllum (Eucalyptus?) Geinitzii Heer, 
Myrtophyllum Schübleri Heer. Juglandeae: Juglans crassipes Heer. Zu 
dieser Aufzählung erlaube ich mir die folgenden Glossen: „Sequoia fastigiata 
Sternberg sp." ist nach Velenovsky*) mit aller Sicherheit eine von Stern- 
berg's Art sehr weit abweichende Pflanze. Sowohl von Sequoia fastigiata 
Sternberg, als auch von Sequoia fastigiata Heer in Flora Molet. ist die Sequoia 
fastigiata verschieden, welche Heer aus Grönland beschreibt. Die Moleteiner 
„Sequoia fastigiata'^ bedarf also noch näheren Studiums. Credneria macro- 
phijlla Heer scheint mir auch als Credneria nicht gesichert. Die feinere Nervation 
ist unkenntlich, und auch das Blatt selbst nur sehr fragmentarisch erhalten; 
Basis und Spitze fehlen. Es könnte zu Credneria nur dann gestellt werden, 
wenn man unter Credneria die nicht bestimmbaren Dicotyledonenblätter ver- 
stehen wollte. Etting shausenia grandidentata? (= Chondrophyllum grandi- 
dentatum?) ist ebenfalls sehr fragmentarisch erhalten und fehlen daran die 
characteristischen Nervationsmerkmale. 

In der Literatur wird aus Moletein auch Rhus cretacea Heer angegeben; 
es geschieht dies von Schenk in Zittel's Handbuch der Paläontologie, 



*) Reusa, Beiträge zur geogiiostischen Kenutniss Mähreus, im Jahrb., 1854, S. 740. 
») Reuss, 1. c, S. 721. 

Neue Denkschriften der Allgemeinen schweizerischen Gesellschaft für die gesainmten 
Naturwissenschaften, 1868. 

*j Gymnospermen der böhmischen Kreideformatiou, p. 22. 
Z. B, Ges. B. XXXIX. Sitz.-ßer. E 



34 



Versammlung am ß. März 1889. 



II. Abth., S. 543. Diese Angabe ist jedenfalls auf einen Schreibfehler zurück- 
zuführen, denn Heer gibt weder in seiner Flora von Moletein noch sonst 
irgendwo Rhus cretacea aus Moletein an. Zu Ehus cretacea ist als Autor 
Velenovsky (Die Flora d. böhm. Kreideform., IV. Th., S. 7, [68], Wien, 1887) 
zu citiren: Rhus cretacea Velenovsky ist bislang nur aus dem Chlomeker 
Sandstein von Böhm.-Leipa bekannt. 

Die Flora von Moletein ist cenomanen Alters, und die Schichten, aus 
welchen die Sequoia Reichenbachii herrührt, sind nach Velenovsky die 
Perutzer Sandsteine Böhmens. 

Schliesslich seien noch die Funde erwähnt, welche ich selbst gemacht 
habe. Es gelang mir nämlich bei Kunstadt pÜanzenführende Mergel aufzufinden. 
Diese finden in der keramischen Industrie ausgezeichnete Verwendung. Sie 
enthalten reichlich, zum Theil sehr schöne Pflanzen- Abdrücke. Ich konnte 
folgende Formen feststellen: 

Filices: Matonidium Wiesneri n. sp., Jeanpaulia cf. carinata Velen. 

Gymnospermae: Taxodineae: Sequoia Reichenbachii Gein sp. und 
Sequoia fastigiata Heer; Cupressineae: Widdringtonia Reichii Ett. sp. 

Angiospermae: Monocotyledones: Cyperites sp. — Dicotyledones : 
Myricaceae: Myrica indigena n. sp.; Ulmaceae: Celtiophyllum cretaceum n. si^.; 
Sapindaceae: Sapindophyllum sp., Sapindus apiculatus Velen.; Araliaceae: 
Aralia decurrens Velen, und Aralia sp.; Credneriaceae: i) Etting shausenia cunei- 
formis n. sp., Etting shausenia irregularis n. sp., Etting shausenia moravica n. sp., 
Etting shausenia Pseudo- Guillelmae n. sp., Etting shausenia rhomboidea Velen. — 
Platanaceae: Fiatanus acute-triloba n. sp. und Platanus betulaefolia n. sp.; 
Myrtaceae : Eucalyptus Geinitzii Heer und Eucalyptus angusta Velen. 

Den Bestimmungen liegen fast ausschliesslich Blattreste zu Grunde, nur 
bei Myrica indigena lag ein Blüthenzweig vor und von Eucalyptus sind auch 
Abdrücke der Fruchtbecher erhalten. Widdringtonia Reichii Ett. sp. liegt mir 
ebenfalls in Blüthenzweigen vor. 

Ein Blick auf die Liste der Kreidepflanzen von Kunstadt lehrt, dass 
diese Localität wieder eine andere Flora als die vorher besprochene einschliesst. 
Die Kunstädter Mergel sind cenoman und entsprechen wahrscheinlich den Pe- 
rutzer Thonen Böhmens. 

Die Diagnosen und Abbildungen der im Verzeichnisse erwähnten neuen 
Arten werde ich an einem anderen Orte publiciren. Ich will nur noch er- 
wähnen, dass die fossile Flora von Kunstadt unter allen fossilen Kreidefloren 
die meisten Anklänge an die aus dem Gebiete der Kreideformation in Böhmen 
beschriebenen Floren der Perutzer Schichten aufweist. 2) 



^) Bezüglich der systematischen Stellung der Credneriaceen möchte ich darauf verweisen, 
dass gewisse regressive Platanus- Blditter den Ettingshausenientypus deutlich aufweisen. 

2) Auf die fossilen „Algen" der mährischen Kreide bin ich absichtlich nicht eingegangen. 



A. Rogenhof er. 



35 



Herr Dr. R. v. Wettstein sprach hierauf über die Arten 
der Gattung Astragalus, Sectio Melanocercis und deren geogra- 
phische Verbreitung. 

An der Hand von Exemplaren zeigte der Vortragende zunächst die Ver- 
schiedenheiten der Arten dieser gut umgrenzten Section, von denen sich folgende 
unterscheiden lassen: A. Pumilio Vahl auf den Balearen, Ä. Massiliensis Lam. im 
östlichen Spanien, Südfrankreich, Sardinien, Corsika, A. Sirinicus Ten. auf den 
beiden letztgenannten Inseln, in Sicilien, Italien, Dalmatien, A. angustifolius 
Lam. in Griechenland, auf den angrenzenden Inseln und in Armenien. A. pun- 
gens Willd. in Ost-Griechenland und Kleinasien, A. Tymphresteus Boiss. in 
Griechenland, A. Eermoneus Boiss , gymnolohus Fisch, und Heideri Wettst. im 
östlichen Kleinasien, schliesslich A. Serbiens Wettst. in Serbien, Bulgarien und 
an den Küsten des Pontus. Die heutige systematische und geographische Gruppi- 
rung der genannten Astragdlus-krt^xi lässt einen Kückschluss ziehen auf deren 
Entwicklung. 



Im zoologischen Discussi^ns-Abende am 8. Februar 
wurden folgende Vorträge gehalten : 

Custos Rogenhofer gab auf Grund des von Professor O. Si- 
mon y gesammelten Materiales eine Uebersicht der Lepidopteren- 
Fauna Tenerife's. 

Die Lepidopterenfauna Tenerife's (fälschlich Teneriffa) ist zum über- 
wiegenden Theile der paläarctischen Region zuzurechnen ; es wurden im Ganzen 
37 Speeles trotz der vorgerückten Jahreszeit (August, September 1888) beobachtet, 
und sichere Angaben über Höhenverbreitung, Flugzeit und Standorte verleihen 
dem Gesammelten erhöhten Werth. Von besonderem Interesse ist das Vor- 
kommen von Repräsentanten der indischen und amerikanischen Fauna; zur 
ersteren ist gewiss Vanessa vulcania God., zur zweiten Vanessa virginiensis Dr. 
und Danais Erippus L. zu rechnen. Die beiden letzteren Arten sind wohl ein- 
gewandert, so Vanessa virginiensis, die bereits Brülle anführt (1836), seit 
Langem; Danais Erippus, der zuerst auf Palma, dann seit zehn Jahren in 
Tenerife beobachtet, auch vor einigen Jahren an der Südspitze Spaniens er- 
schienen ist. Danais Erippus hat überhaupt in neuerer Zeit eine ungewöhnliche 
Verbreitung gewonnen. 

Die interessanteste endemische Form ist unstreitig die schöne Lycaena 
Wehbiana Br. {fortunata Stdg.), welche vorzüglich auf Adenocarpus franke- 
nioides in der Taoro-Mulde fliegend, einzeln auch auf den vegetationslosen Lava- 
feldern des Pic bis zu 3300 m Höhe vorkommt. 

Von Hemipteren wären noch Notonecta glauca, die sehr dunkel gefärbt 
ist, und Limnobates stagnorum erwähnenswerth ; eine unbekannte Bryophila 

E* 



36 



Versammlung am 6. März 1889. 



erlaube ich mir auf den Wunsch des Entdeckers, seinem hochgeschätzten Vater 
zu Ehren, Bryophila Simonyi zu benennen. 

Bryophila Simonyi Roghf. n. sp. 

cf. Grösse und Aussehen von Bryophila receptricula , mit einem 
eigenthümlichen, fett glänzenden Graubraun wie As. pinguinalis; Kopf, Eücken 
und Palpen graubraun, mit einem Stich ins Röthliche, letztes Palpenglied lang, 
aufgerichtet, an der Wurzel dunkel, Leib heller grau, Brust, Bauch und Beine 
gelblichgrau. 

Oberflügel glänzend graubräunlich, mit den gewöhnlichen, scharf 
schwarzen Linien, schmalem Mittelschatten, der durch die hellere runde Mackel 
zieht, die wie die Nierenmackel geschwärzt ist, Saumfeld etwas dunkler, Saum- 
linie sehr fein schwarz, Fransen grau, mit dunklerer Theilungslinie, Vorderrand 
in der Mitte mit drei schwarzen Fleckchen, im Saumfeld mit vier helleren 
Häkchen. Saumlinie fein schwarz, Fransen einfarbig gelblichbraun, mit zarter 
dunklerer Theilungslinie. 

Hinte rflügel einfarbig bräunlichgrau, schwach gelblich glänzend, mit 
schwachem Mittelmond; Fransen und die Flügelwurzel etwas heller. 

Unterseite eintönig grau, gelblich glänzend, am Vorderrande der Vorder- 
flügel mit drei hellen Häkchen und dunkeln Mittelpunkten. Ausmass 27 mm. 

Q etwas kleiner, 25 ww. Die Oberflügel mehr verdunkelt, namentlich 
der Mittelschatten, der die runde Mackel fast ganz verdeckt, schwärzlich, das 
Saumfeld und die Hinterflügel dunkler, Unterseite etwas weniger glänzend als 
die des ^f. 

Ein hübsches Pärchen an beschatteten Felsen der Schluchten oberhalb 
des Monte Verde, August 1888. 

Die Art ist sehr flüchtig. Bryophila Simonyi unterscheidet sich sehr 
leicht von den drei Nahestehenden: raptricula, fraudatricula und receptricula 
durch das Fehlen des schwarzen Pfeilstriches "am Innenrande der Vorderflügel. 

Daran schloss sich ein kurzer vorläufiger Bericht des Herrn 
Anton Handlirsch über die von Simony auf Tenerife ge- 
sammelten Hymenopteren. 

Professor Simony gab endlich eine lebhafte Schilderung 
der für die genannte Insel charakteristischen Erscheinungen 
der Thier- und Pflanzenwelt unter Vorweisung einer grossen 
Anzahl der von ihm dortselbst gemachten photographischen Auf- 
nahmen. 



Rnggero Cob elli. 



37 



Von Herrn Dr. R. Cobelli wurde folgende Notiz einge- 
sendet: 

Contribuzioni aila fauna degli Ortotteri del Trentino, 

per il Dr. Rnggero Cobelli in Rovereto. 

Nel 1886 pubblicai iina memoria sugli Ortotteri del Trentino.^) Da quell' 
epoca oltre molti altri dati, risguardanti la distribuzione geografica, ed altri 
fatti concernenti questi interessanti insetti, raccolsi altresi cinqiie specie ed una 
varietä, nuove per la fauna del Trentino. Riserbandomi di pubblicare i primi, 
quando avro raccolto un numero maggiore di fatti, credo di fare cosa che inter- 
esserä gli studiosi dl questi insetti, col dare qui sotto 1' elenco delle specie 
nuove della fauna, indicando le localita dove furono trovate. 

Di queste specie, sono' nuove per la fauna di tutto il Tirolo, quelle segnate 
coi numeri 1, 2, 3, 4 e 6. 

Queste specie, i cui esemplari conservo nella mia raccolta, sono le se- 
guenti: 

1. Aphlebia hrevipennis Br. 

II mio amico Signore M. Bezzi, mi portö da elassificare una Q di 
questa specie, che raccolse nell' Agosto 1887 nelle vicinanze di Caldonazzo nella 
Val Sugana, 

2. Tryxalis nasuta L. 

II Signore Dr. Stefano de Bertolini, distinto coleotterologo, mi regalö 
un esemplare (probabilmente 9) questa specie, quasi completamente di- 
strutto dalle larve di Änthrenus, e di mi non restava si puö dive piü altro che 
gli organi del volo. Quest' esemplare raccolto avanti alcuni anni nei dintorni 
di Arco, gli fu portato vivo da uno dei suoi parenti. — Inoltre ai 25. Set- 
tembre 1887 mi fu portato una 9 viva, catturata su di un sasso ai Lavini di 
Marco presso Rovereto, non lungi dalla stazione ferroviaria di Mori. Resta a 
vedersi se forse quest' esemplare su trasportato coi convogli ferroviari. Forse 
la ferrovia puö essere un mezzo di diffusione come di questo cosi anche di 
molti altri insetti. 

3. Leptophyes laticauda Fri. 

Un esemplare fu raccolto nell' Agosto 1887 dal mio amico Signore 
M. Bezzi sui fiori di Dalia a Caldonazzo nella Val Sugana. 

4. Leptophyes punctaiissima Bosc. 

II Signore Dr. Stefano de Bertolini mi regalö un esemplare 9? raccolto 
avanti alcuni anni presso Riva. 

M Gli Ortotteri genuini del Trentino per il Dr. Ruggero Cobelli (con una Tavola), X 
Pubblicazione fatta per bura del Museo civico di Rovereto, Rovereto, 1886. 



38 



Versammlung am 6, März 1889. 



5. Meconema brevipenne Yer. 

Alcuni esemplari cT e 9 furono catturati dal Signore M. Bezzi nell' 
Agosto 1887 presso Caldonazzo in Val Sugana. II medesimo raccolse pure un 
cT a Seandre sul Monte Baldo nell' Agosto 1888. 

6. Gryllus campestris L. var, caudata Krauss. 

Ai 4 Giugno 1887 mi fu portato im esemplare vivo 9? raccolto presso 
Rovereto, perfettamente uguale a quello descritto e figurato dal chiarissimo mio 
coUega Signore Dr. Hermann Krauss/) ed a quello catturato dal Signore 
Pantel a Ucles nella Spagna,^) Noto il fatto, che puö forse avere un im- 
portanza, che cioe tutti gli esemplari finora raccolti di questa varietä, tanto 
quello del Krauss, quanto quello del Pantel, come il mio, appartengono tutti 
e tre al sesso femminile. 



1) Beiträge zur Ortlioptereutunde von Dr. Hermann Krauss in Tübingen (Verhandl. d. 
k. k. zool.-bot. Gesellsch. in Wien, Jahrg. 1886), Wien, 1886, S. 147—148. 

Contribution ä TOrtbopterologie de l'Espagne centrale par le R.P.J. Pantel S. J. 
Anal, de la Socie. Espa, de Hist. Natur., tomo XV, 1886), p. 284—285. 



39 



Jahres -Versammlung am 3. April 1889. 

Vorsitzender: Kerr Hofrath Dr. C. Brunner 
V. Wattenwyl. 



Bericht des Prlisideiiteii-StellTertrcters Herrn Hofratli Dr. C. Bruiiiier 

V. Wattenwyl. 

Hochgeehrte Collegen! 

Den Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr miiss ich mit dera Nach- 
rufe eröffnen, den wir unserem verstorbenen hohen Gönner widmen. Mit Sr. 
kaiserl. Hoheit dem durchlauchtigsten Herrn Kronprinzen haben wir nicht nur 
einen wohlwollenden Gönner, sondern auch einen geistvollen Mitarbeiter auf 
dem Gebiete der Naturforschung verloren. Unserer Trauer über den Hinscheid 
haben wir bereits in der Monatsversammlung vom Februar Ausdruck gegeben. 

Wir haben ferner durch Tod verloren die Herren: Dr. A. de Bary, Carl 
Chimaui, Dr. Josef Effenberger, Carl Eggerth, Carl Eggerth jun., 
Moriz V. Goldschmidt, Asa Gray, Dr. Ignaz Harner, Job. Johnsson, 
Dr. Ludw. Koch, Ed. Kreithner, Hermann v. Kremer, Joh. Kriesch, 
Dr. Jos. Lenhossek, Alex. v. Manderstjerna, Dr. Jos. Pancic, Adolf Joh. 
Fürst Schwarzenberg, Ottokar v. Strohl. 

Als Zeichen unserer Trauer lade ich Sie ein, sich von den Sitzen zu erheben. 

Die Zahl der Mitglieder im Inlande beträgt 528 gegen 542 im Vorjahre, 
und im Auslande 446 gegen 451. Der Ausfall von 14 inländischen Mitgliedern 
verliert seine Bedenklichkeit dadurch, dass gegenüber 69 ausgetreteneu Mit- 
gliedern 73 neue zugewachsen sind, und somit der Verlust in der Gesammtzahl 
auf Rechnung des unerbittlichen Todes zu schreiben ist. 

Einen grossen Verlust erleidet die Gesellschaft durch die Demission des 
Herrn Dr. Ritter von Wettstein, welcher nach fünfjähriger Thätigkeit das 
Secretariat niederlegt. Im Namen der Gesellschaft spreche ich dem scheidenden 
Herrn Secretär den Dank aus für die erfolgreiche Thätigkeit, welche er durch 
die sorgfältige Redaction unserer Verhandlungen und die weise Fürsorge für 
das Gedeihen der Gesellschaft in jeder Richtung an den Tag legte. Sie werden 
in der heutigen Sitzung den Nachfolger wählen. 

Uebergehend zu der wissenschaftlichen Thätigkeit, weise ich auf den 
XXXVIII. Band unserer Verhandlungen, welcher durch 22 Tafeln in diesem Jahre 
besonders reich ausgestattet ist. Von zoologischen Abhandlungen und Berichten 
sind 38, von botanischen 58 und von vermischtem Inhalte 9 vorhanden. 

Z. B. Ges. B. XXXIX. Sitz.-Ber. F 



40 



Jahres -VersaTamlung am 3. April 1889. 



Es wurden zehn Monatsversammlungen mit 26 Vorträgen abgehalten. Die 
Discussionsabende haben sich vortrefflich bewährt. In sieben zoologischen Abenden 
kamen 20 Gegenstände und in neun botanischen 31 Gegenstände zum Vortrage. 

Eine Erschütterung drohte der Gesellschaft dadurch, dass uns im letzten 
Herbst die Localitäten gekündigt wurden, welche wir seit Beginn unseres Ver- 
eines in dem Landhause innehaben. Den Bemühungen unserer Herren Functionäre 
und dem freundlichen Entgegenkommen des hohen Landesausschusses verdanken 
wir unser Verbleiben. Dieses Vorkommniss gab uns die Gelegenheit, die wohl- 
wollende Zusage des Landtages von Niederösterreich von Neuem bestätigt zu 
sehen, wonach uns diese hohe Landesstelle auf die Dauer des Bestandes unserer 
Gesellschaft die Unterkunft gesichert hat. 

Der Ausschuss beschäftigt sich gegenwärtig mit der Verlegung unserer 
Monatsversammlungen in die eigenen Localitäten, wodurch wir nicht allein die 
Auslage für die Miethe des akademischen Saales ersparen, sondern namentlich 
auch ein akustisch zweckmässigeres Locale gewinnen, welches wir unseren Be- 
dürfnissen entsprechend, bleibend einrichten können. 

Ich überlasse es den Herren Functionären, die speciellen Berichte vorzulegen, 
aus welchen Sie das Gedeihen unserer Gesellschaft entnehmen wollen und schliesse 
meinen Bericht, indem ich im Namen der Gesellschaft unseren Herren Secretären, 
Rechnungsführer und Bibliothekar den Dank für ihre erfolgreiche Thätigkeit 
ausspreche. 



Bericht des Secret'ärs Herrn Dr. Kichard K. v. Wettsteiii. 

Anknüpfend an den soeben gehörten Bericht unseres verehrten Herrn 
Präsidenten-Stellvertreters, erlaube ich mir über die Thätigkeit unserer Gesell- 
schaft im verflossenen Jahre zu berichten. Ich beginne diesen Bericht mit 
etwas gemischten Gefühlen, indem ich einerseits mit Freude darauf zurück- 
blici^en kann, was die Gesellschaft in diesem Jahre leistete, andererseits ich das 
Bewusstsein habe, dass ich zum letzten Male heute als Secretär vor Sie trete. 
Insoferne möge mein heutiger Bericht zugleich als Rechenschaftsbericht über 
meine gesammte Secietariatsthätigkeit gelten, und wenn ich die Behauptung 
aufstelle, dass die Gesellschaft im vergangenen wie in früheren Jahren vollauf 
ihrer Aufgabe und Stellung als erste naturwissenschaftliche Gesell- 
schaft des Reiches gerecht wurde, so kann ich daraus auch die für mich 
beruhigende Annahme deduciren, dass ich im Stande war, das in mich gesetzte 
Vertrauen zu rechtfertigen, so dass ich heute das Secretariat in dem Bewusstsein 
niederlegen kann, der Gesellschaft mit vollster Hingabe gedient zu haben und sie 
auf nicht minder hohem wissenschaftlichen und socialen Standpunkte zu verlassen, 
als jener war, auf dem sie sich vor meinem Eintritte in das Secretariat befand. 

Auf die Publicationsthätigkeit der Gesellschaft übergehend, hebe 
ich zunächst hervor, dass der im Jahre 1888 publicirte Band der inhaltlich und 
dem Umfange nach reichste der in den letzten 15 Jahren publicirten Bände 
ist. Derselbe umfasst in 950 Druckseiten nicht weniger als 107 grössere und 



R. V. Wett stein. 



41 



kleinere Aufsätze von 46 Autoreu, darunter 58 botanischen Inhaltes von 27 Ver- 
fassern, 38 zoologischen Inhaltes von 19 Autoren. Den Band illustriren 22 Tafeln 
und 12 Textillustrationen. Von grösseren Abhandlungen möchte ich insbesondere 
erwähnen einen Beitrag zur Flora von Bosnien und der Hercegovina von 
J. Freyn, einen Beitrag zur Flora Griechenlands, insbesondere des bisher 
floristisch nahezu unbekannten Gebirges Kiona von Dr. E. Haläcsy, den 2. Theil 
meiner Vorarbeiten zu einer Pilzflora der Steiermark, die IX. Fortsetzung der 
Beiträge zur Kenntniss der Aeolidiaden von Dr. R. Bergh, die Monographien 
der Stenopelmatiden und Gryllacriden von Dr. C. Brunn er v. Wattenwyl, eine 
umfangreiche Abhandlung über die Verbreitung und den Zug des Tannenhehers 
von V. Tschusi R. v. Schmidh offen, mehrere Arbeiten des Herrn Dr. Fr. Low 
u. V. a. m. 

Die im Jahre 1886 begonnene Ausgabe der Vereinsschriften in Viertel- 
jahrsheften konnte regelmässig weiter geführt werden und obliegt mir in dieser 
Hinsicht die Pflicht, nicht nur des Entgegenkommens der Herren Autoren, sondern 
insbesondere jener des Herrn Buchdruckereibesitzers Holzhausen, sowie des 
Herrn Factors Schittler dankend Erwähnung zu thun, indem vor Allem die 
grossartige Leistungsfähigkeit unserer Druckerei die oft sehr schwierige Fertig- 
stellung eines Quartalheftes ermöglichte. Indem ich zugleich mit dem Secretariat 
von der Redaction unserer Schriften zurücktrete, habe ich umso mehr Grund, 
diesen Dank hier öff'entlich auszusprechen; ich kann sagen, dass es stets mein 
grösstes Streben war, die Schriften nicht nur inhaltlich reich und werthvoll, 
formell vollendet zu gestalten, sondern sie auch unabhängig zu erhalten von 
den verschiedensten ungünstigen Einflüssen, die von mancher Seite auf sie aus- 
zuüben versucht wurden. Diese Selbstständigkeit halte ich überhaupt für die 
Basis, auf welcher auch in Zukunft unsere Verhandlungen eine werthvolle und 
wichtige Zeitschrift sein werden. 

Ich kann es nicht unterlassen, einige Daten anzuführen, aus welchen Sie 
entnehmen mögen, dass unser Vereinsorgan, abgesehen von seinem Erscheinungs- 
modus und Inhalte, in den letzten Jahren unverkennbar einen neuerlichen Auf- 
schwung genommen hat. Der Umfang betrug im Jahre 1884 — 590, 1885 — 750, 
1886 — 600, 1887 — 879, 1888 - 950 Seiten; in denselben Jahren betrug die 
Zahl der Abhandlungen : 33, 42, 49, 79, 107. 

Zum guten Theile war diese Erweiterung unserer Schriften möglich durch 
die Vergrösserung unserer Einnahmen in Folge der Erhöhung des 
Jahresbeitrages. Wenn unsere Gesellschaft überhaupt eines Beweises der 
Festigkeit ihres Bestandes und ihrer Bedeutung bedurft hätte, so wäre dieser Be- 
weis durch die Leichtigkeit, mit welcher diese Erhöhung der Verpflichtungen des 
Einzelnen durchzuführen war, erbracht worden. Mit besonderer Genugthuung 
kann ich heute constatiren, dass die von so vielen Seiten getheilte lebhafte Be- 
sorgniss für das feste Gefüge unserer Gesellschaft sich in keiner Weise als 
berechtigt erwiesen, dass die durch die Beitragserhöhung veranlasste Abnahme 
des Mitgliederstandes durch eine Seitens des Secretariates eingeleitete Action 
nahezu ausgeglichen wurde. 



42 



Jahres -Versammlung am S.April 1889. 



Was das eigentliche Gesellschaftsleben anbelangt, so wäre vor Allem zu 
erwähnen, dass die im Jahre 1886 begonnene Einführung der Discussions- 
abende sich auch im vergangenen Jahre wieder bestens bewährt hat. In den 
Monatsversammlungen hatten wir Gelegenheit, eine Reihe interessanter und 
vollendeter Vorträge zu hören, während in den Discussionsabenden, von denen 
sieben zoologische und neun botanische abgehalten wurden, ein reges wissen- 
schaftliches Leben und Gedankenaustausch zur Geltung kam. Ein Beweis für 
die Zweckmässigkeit der Discussionsabende ist die stets zunehmende Frequenz 
derselben. Da die Abhaltung dieser Veranstaltungen in den Localitäten der 
Gesellschaft sich auf das Beste bewährte, sind alle nöthigen Einleitungen ge- 
troffen, um nach glücklicher Abwendung einer Gefahr, die unsere Localitäten 
überhaupt betraf, uns in die Lage zu versetzen, vom kommenden Herbste an 
auch die Monatsversammlungen im eigenen Saale abzuhalten. 

Wie in früheren Jahren hat auch im vergangenen die löbliche General- 
Direction der k. k. priv. Südbahn-Gesellschaft einigen Mitgliedern der Gesell- 
schaft für wissenschaftliche Reisen Fahrpreisermässigungen gewährt, was ich 
hier mit dem Ausdrucke des Dankes erwähnen möchte. 

Meine kurzen Mittheilungen werden genügen, um im Zusammenhalte 
mit jenen des Herrn Vorsitzenden, sowie denjenigen, welche uns Herr Dr. v. 
Lorenz über den Stand unserer Sammlungen und über die nunmehr vollkom- 
men geregelte Betheilung von Lehranstalten machen wird, Ihnen ein Bild zu 
geben von dem momentanen Stande, der Thätigkeit und dem Wirken unserer 
Gesellschaft, das uns mit Befriedigung und vollem Vertrauen in die Zukunft 
erfüllen kann. Auf freier Vereinigung begründet, durch freiwillige Arbeit wir- 
kend, erfüllt unsere Gesellschaft eine wichtige Aufgabe in wissenschaftlicher 
Hinsicht und eine speciell locale Aufgabe, indem sie selbstständig von den 
beiden grossen hier bestehenden wissenschaftlichen Instituten dieselben in 
mancher Hinsicht ergänzt. 

Mir gereicht es aber zur besonderen Befriedigung, dass es mir vergönnt 
war, durch eine Reihe von Jahren an den Arbeiten der Gesellschaft activ theil- 
zunehmen. Und wenn ich heute mit Befriedigung und Beruhigung mein Mandat 
meinem von Ihnen zu wählenden Nachfolger übergebe, so gestatten Sie mir 
noch schliesslich, meinen innigsten Dank allen jenen auszusprechen, die mir 
während dieser Zeit die Durchführung meiner Arbeiten ermöglichten, vor Allem 
unserem verehrten Präsidenten, meinem Collegen im Secretariate Dr. v. Lorenz, 
unserem Cassier Herrn Kaufmann und allen jenen Herren, die freiwillig die 
verschiedeneu, oft Zeit und Mühe raubenden Arbeiten an den Sammlungen 
unserer Gesellschaft auf sich nahmen und mit denen es mir vergönnt war, im 
besten Einvernehmen zusammen zu wirken. 

Dieser Bericht des abtretenden Secretärs Herrn Dr. Richard 
V. Wett stein vv^urde mit lebhaftem Beifalle aufgenommen; der 
Herr Vorsitzende drückte demselben nochmals unter allseitiger 
Zustimmung den Dank für seine erfolgreiche Thätigkeit aus. 



L. V. Lorenz. 



43 



Im Anschlüsse hieran theilte der Herr Vorsitzende das Re- 
sultat der eben vorgenommenen Secretärswahl mit. Sämmtliche 
abgegebenen Stimmzettel lauteten auf Herrn Dr. Carl F ritsch. 
Als Scrutatoren fungirten die Herren C. Jetter, L. Preyer und 
C. Rechinger. 



Bericht des Secretärs Herrn Dr. Ludwij^ v. Lorenz. 

Meiuer Aufgabe entsprechend erlaube ich mir über die Sammlungen der 
Gesellschaft nach den in den jeweiligen Monatsversammlungen geraachten 
einzelnen Mittheilungen heute folgenden Gesammtbericht für das vergangene 
Jahr zu erstatten. Eine ganz bedeutende Bereicherung erfuhren die botanischen 
Sammlungen der Gesellschaft durch den Zuwachs des Herbariums und der 
Bibliothek des verstorbenen Herrn Hermann Kremer R. v. Auenrode, der 
dieselbe testamentarisch der Gesellschaft vermachte. 

In Aller Erinnerung ist noch die liebenswürdige Persönlichkeit Krem er 's, 
der niemals in den Versammlungen unserer Gesellschaft fehlte, der sich ebenso 
sehr durch sein Benehmen die Herzen Aller gewann, wie er als eifriger Botaniker 
die Achtung seiner Collegen sich errang. Das jederzeit bewiesene rege Interesse 
für das Wohl der Gesellschaft hat Krem er in würdigster Weise durch die er- 
wähnte Verfügung bewiesen. 

Das Kremer 'sehe Herbarium umfasst circa 80 Fascikel, enthaltend zahl- 
reiche von ihm in den verschiedensten Theilen Oesterreichs gesammelte Pflanzen 
in mustergiltigem Präparationszustande, ferner zahlreiche Exemplare aus den 
bedeutendsten in neuerer Zeit erschienenen Exsiccaten; ich erwähne nur beispiels- 
weise jene von Kerner, Huter, Reverchon, Heldreich, Pichler, Spreizen- 
hof er u.v.a. Ausserdem wurde von 22 Mitgliedern eine erhebliche Anzahl 
Naturalien, meist mit der Bestimmung an Schulen vertheilt zu werden, ein- 
gesendet, und zwar zoologische Objectevon den P.T.Herren: Bohatsch, 
Claus, Adam und Anton Handlirsch, Forster, Kaufmann, Lorenz, 
Lutz, Metzger, Paul, Baron v. Pelikan, Ressmann, Rogen hofer und 
Twerdy; botanische Gegenstände von den P. T. Herren: Arnold, Beck, 
Hufer, Preyer, Ressmann, Wintersteiner und Witting. 

Indem ich den genannten Herren hiermit den Dank der Gesellschaft aus- 
zusprechen die Ehre habe, erlaube ich mir zugleich die Bitte vorzubringen, die 
geehrten Mitglieder mögen im laufenden Jahre sich abermals der Sammlungen 
der Gesellschaft und namentlich der zu betheilenden Schulen erinnern und für 
diese in reichlicher Anzahl solche Gegenstände einsenden, welche für den natur- 
wissenschaftlichen Unterricht besonders erwünscht sind, und wollen hiebei die 
in den Bänden XXXV (1885) und XXXVI (1886) der Verhandlungen publicirten 
Verzeichnisse gütigst berücksichtigt werden. 

Die Verwaltung der Sammlungen der Gesellschaft und die Vertheilung 
der Schulsammlungen wurde von meiner Wenigkeit geführt und ich fand hiebei 



44 



Jahres -Versammlung am 3, April 1889. 



durch Herrn Anton Handlirsch eine eifrige und dankenswerthe Unterstützung. 
Durch die Ordnung und Instandhaltung des Herbariums haben sich ausserdem 
insbesondere die Herren Braun, Müllner, Ostermeyer, Preyer, Rechinger 
und Win tersteiner um die Gesellschaft verdient gemacht. 

Speciell an der Zusammenstellung von Schulherbarien haben nebst den 
eben Genannten noch die Herren Jetter, Richter, Sandany und Wettstein 
theilgenommen. 

Aus dem nachstehenden statistischen Ausweise hebe ich hervor, dass an 
20 Schulen 2579 zoologische Präparate und 7200 Pflanzen, im Ganzen also 
9779 Objecte zur Vertheilung gelangten. 

Bezüglich der Bibliothek, welche mit bekannter Hingebung und Präcision 
durch Herrn Finanzrath Bartsch verwaltet wird, hebe ich schliesslich hervor, 
dass die Zahl der mit uns in Schriftentausch stehenden Vereine sich im ver- 
gangenen Jahre um zehn vermehrt hat. 



Uebersicht der im Laufe des Vereinsjahres 1888/89 an Lehranstalten abgegebenen 
zoologischen und botanischen Lehrnrjittel. 

Zusammengestellt von Herrn Anton Handlirsch. 



jstnummer 1 


Bezeichnung der Schule 


irbelthiere 


eichthiere 


Glieder- 
füssler 


rahlthiere, 
Würmer 


Pflanzen 
















1 




10 


35 


100 


3 


400 


2 


Neulerchenfeld, Neumeyerg. 33, N.-Oest. : Volks- 
















22 


36 


100 


4 


400 


3 




23 


40 


200 


5 


400 


4 


Lieben hei Prag, Böhmen: Volksschule 


7 


27 


100 


2 


400 


5 




5 


24 


100 


2 


400 


6 




10 




50 




400 


7 




5 


24 


100 


2 


400 


8 


Wien, X., Erlachgasse 31 — 33: Bürgerschule . . . 


30 


1 


60 


5 


400 


9 


Wien, V., Bachergasse 14 : Bürgerschule 


30 


1 


60 


1 


400 


10 


Wien, V., Hundsthurmerstrasse 107 : Volksschule 


30 


1 


100 




400 


11 


Ottakring, N.-Oest., Hahshurgg.r Bürgerschule . 


8 










12 


Wien, IX., Glasergasse 8: Bürgerschule 


24 


25 


100 


2 


400 


13 


Wien, I., Werderthorgasse 6: Volksschule .... 


35 


25 


100 


2 


400 


14 


Polirlitz, Mähren: Landwirthschaftl. Winterschule 


14 


24 


100 


2 


400 


15 




5 


24 


100 


2 


400 


16 




5 


25 


100 


2 


400 


17 


Inzersdorf, N.-Oest.: Volksschule 


24 


25 


150 


2 


400 


18 




5 


25 


100 


2 


400 


19 


Klosterneuburg, N.-Oest. : Obst- u. Weinbauschule 


32 










20 




10 


25 


100 




400 




Summe . . 


334 


387 


1810 


38 


7200 




Totale .... 






9779 







Josef Kaufmann. 



45 



Bericht des Reclmuugsfülirers Herrn Josef Kaiifmauu. 
Einnahmen: 

Jahresbeiträge mit Einschluss der Mehrzahlungen und P'in- 

trittstaxen von zusammen fl. 194 .82 fl. 3.443 . 55 

Subventionen „ 1.680 . — 

Verkauf von Druckschriften und Druckersätze „ 450 . 64 

Interessen von Werthpapieren und für die bei der Ersten öster- 
reichischen Sparcasse hinterlegten Beträge „ 303 . 95 

Porto-Ersätze v 24 . 85 

Beiträge auf Lebensdauer „ 200 . — 

Sonstige Einnahmen „ 360 . Ol 

Angekaufte Notenrente fl. 1.000 . — 

Summa fl. 1.000 . — fl. 6.463 . — 
und mit Hinzurechnung des am Schlüsse des Jah- 
res 1887 verbliebenen Cassarestes sammt 

fl. 3.560 unantastbaren Vermögens von „ 4.337.62 5 

in Baarem und . . fl. 1.700.— 

in Werthpapieren, im Ganzen fl. 2.700 . — fl. 10.800.62-5 

2 siebenbürgische Grundentlastungs-Obligationen ä 100 fl. und 

1 einh. Silberrente ä 50 fl. als Geschenk von Sr. Excellenz Herrn Cardinal-Erz- 

bischof Dr. Ludwig v. Haynald. 
1 einh. Silberrente zu 100 fl., Geschenk von Herrn Dr. Ludwig R. v. Köche 1. 
1 einh. Silberrente zu 100 fl., Geschenk von Herrn Brandmayer in Wien. 
1 einh. Notenrente zu 100 fl. von Herrn A. Rogenhofer. 

4 einh. Notenrenten ä 100 fl., Geschenk von Herrn Baron v. Kön igswarter. 
1 Rudolfslos zu 10 fl. (3 sind bereits ohne Treffer gezogen) und 

1 einh. Notenrente zu 100 fl. als Spenden von Herrn Martin v. Damianitsch, 
pens. k. k. General -Auditor, zum Andenken an seinen am 19. October 1867 
verstorbenen Sohn Rudolf Damianitsch, stud. jur. 

1 Clarylos zu 40 fl. 

5 einh. Silberrenten ä 100 fl., Legat nach Herrn Dr. Ludwig R. v. Kochel. 
1 einh. Notenrente zu 100 fl., Legat nach Herrn Paul v. Wagner. 

1 einh. Notenrente zu 1000 fl., angekauft von dem Vermögen der Mitglieder auf 
Lebensdauer. 

Ausgaben : 

Besoldung des Kanzlisten fl. 600 . — 

Quartiergeld des Kanzlisten „ 180 . — 

Neujahrsgelder ^ 62 . — 

Beheizung, Beleuchtung und Instandhaltung der Gesellschafts- 
localitäten, dann der diesbezügliche Beitrag für den 
Sitzungssaal „ 255 . 19 5 



46 



Jahres -Versammlung am 3. April 1889. 



Herausgabe von Druckschriften: 

Für den Band XXXVIII der Verhandlungen, 

Druck und broschiren fl. 3.213.65 

Illustrationen „ 1.171.07 fl. 4.384.72 

Büchereinkauf „ 244 . 88 

Erfordernisse für das Museum „ 100 . 80 

Kanzleierfordernisse und Drucksorten „ 262 . 72 

Buchbinderarbeit für die Bibliothek „ 162 . 95 

Porto- und Stempelauslagen „ 338 . 63 

Ankauf von 1000 fl. einheitliche Notenrente sammt Ausgleichs- 
zinsen „ 793 . 58 

Sonstige Auslagen und Adaptirungsarbeiten im zoologischen Saale „ 91.04 



Summa . fl. 7.476.51-5 

Hiernach verblieb am Schlüsse des abgelaufenen Jahres ein Cassarest 
von fl. 2.700 . — in Werthpapieren und fl. 3.324 . 11 in Baarem, welch' letzterer 
zum grössten Theil bei der Ersten österreichischen Sparcasse hinterlegt ist, und 
wovon ein Theilbetrag von fl. 2.900 . — ein unantastbares, aus den für Lebens- 
dauer eingezahlten Beiträgen entstandenes Capital bildet. 



Verzeichniss 
der im Jahre 1888 der Gesellschaft gewährten 
Subventionen : 

Von Sr. k. u. k. Apostolischen Majestät dem Kaiser Franz Josef . fl. 200 
„ Sr. k. u. k. Hoheit dem durchlauchtigsten Herrn Erzherzoge 

und Kronprinzen Rudolf „ 80 

Von Ihren k. u. k. Hoheiten den durchlauchtigsten Herren Erz- 
herzogen: 

Carl Lud wig . . „ 30 

Ludwig Victor „ 20 . 

Albrecht „ 50 , 

Josef Carl . . . „ 50 . 

Wilhelm „ 50. 

Rainer „ 50. 

Heinrich „ 50. 

Von Sr. Majestät dem Kaiser von Deutschland „ 60 . 

„ Sr. Majestät dem Könige von Baiern „ 40 . 

Vom hohen k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht . . . . „ 300 . 

„ hohen niederösterreichischen Landtage „ 400 . 

„ löblichen Gemeinderathe der Stadt Wien „ 300 . 



C. Brunner v. Wattenwyl. 



47 



Verzeichniss 

der für das Jahr 1888 geleisteten höheren Jahresbeiträge von 7 fl. aufwärts. 

Von den P. T. Herren: 

Colloredo- Man nsf eld Fürst Josef zu, Durchlaucht fl. 100. — 

Liechtenstein Joh., regierender Fürst, Durchlaucht „ 25. — 

Schwarzenberg Fürst Johann Adolf, Durchlaucht „ 10.50 

Heidmann Alberich „ 10. — 

KabatJ. E „ 10.— 

Kinsky Ferdinand Fürst, Durchlaucht „ 10. — 

Pelikan V. Plauen wald Anton Freiherr V „ 10. — 

Rothschild Albert Freiherr V „ 10. — 

Bachinger August „ 8.— 

Pey ritsch Johann Dr „ 8. — 

Krauss Hermann Dr „ 7.80 

Zickendrath E. Dr „ 7 . 50 

R öder Victor V „ 7.46 

Berg Carl Dr „ 7.44 

Berg Rudolf Dr „ 7.13 

T m a s i n i Otto R. v „ 7 . — 



Zu Rechnungsrevisoren wurden die Herren Dr. Carl 
Richter und Leopold Preyer gewählt, welche die vorgelegte 
Jahresrechnung zur Revision übernahmen. 



Herr Hofrath Dr. Carl Brunnerv. Wattenwyl hielt einen 
Vortrag „Ueber einen Fall von Rücksichtslosigkeit der 
Natur". 

Seit 27 Jahren habe ich die Ehre, Ihnen jedes zweite Jahr an dieser Stelle 
den Jahresbericht vorzulegen und benütze, wenn möglich, diese Gelegenheit, um 
einzelne Ergebnisse meiner wissenschaftlichen Untersuchungen vorzulegen. 

Bei meinem Studium der Färbung der Insecten bin ich auf eine Er- 
scheinung gestossen, welche eine v^esentliche Erweiterung der Darwin 'sehen 
Lehre erheischen wird. 

In der Familie der Orthopteren bilden die Mastaciden eine gut 
abgegrenzte Zunft der Acridiodeen, welche sich durch den vertical auf- 
gesetzten Kopf, die sehr kurzen Fühler und die schmalen Deckflügel aus- 
zeichnen und den bekannten Tettigiden zunächst stehen. Diese Zunft 

Z. B. Ges. B. XXXIX. Sitz.-Ber. G 



48 



Jahres -Versammlung am 3. April 1889. 



ist über die tropische Zone der ganzen Erde verbreitet und weist 
Eepräsentanten auf in Asien, Afrika und Südamerika. Herr Dr. Hänel 
hat am Amazonenstrom eine Reihe neuer Species gesammelt, welche theil- 
weise von Gerstäcker beschrieben sind und ziemlich subtile Unterschiede 
aufweisen. 

Gewöhnlich ist der Kopf von gleichförmig brauner oder oliven- 
grüner Farbe. Eine Species, Mastax imitatrix Gerst., hat auf der Stirne 
einen schwefelgelben Fleck. Eine andere Species, Mastax tipularia Gerst., 
hat den ganzen Kopf schwefelgelb und es ist nur eine dunkle Querbinde 
hinter dem Auge vorhanden. Eine dritte Species endlich, welche bis jetzt 
unbezeichnet ist, bietet die Abgrenzung der beiden Farben in der Weise, 
dass der obere Theil des Kopfes gleichförmig braun und der ganze untere 
Theil gleichförmig schwefelgelb ist. Die scharfe Grenzlinie der beiden 
Pigmente geht mitten durch das Auge. 

Für die Unterscheidung der drei Species ist die beschriebene, 
scharf markirte Zeichnung sehr bequem und man könnte die Erscheinung 
mit einigen lateinischen Adjectiven in der Diagnose als abgethan be- 
trachten. 

Allein wenn wir die physiologische Wirkung dieser Färbung auf die Thiere 
berücksichtigen, so müssen wir in den drei Species einen wesentlich verschiedenen 
Erfolg annehmen. Bei imitatrix und tipularia umfasst die gelbe Färbung 
Organe von sehr verschiedener Function. Allerdings ist zu vermuthen, dass die 
Wangen, Mandibeln, Lippen und Palpen, welche bei imitatrix braun, bei tipularia 
gelb sind, durch diese verschiedene Färbung in ihren Functionen kaum alterirt 
werden. Nicht so verhält es sich mit der dritten Species, bei welcher ein gutes 
Drittel des Auges gelb überstrichen ist. Diese Farbe ist so intensiv aufgetragen, 
dass ich geneigt bin anzunehmen, die getroffenen Facetten seien kaum mehr 
für das Licht empfänglich, oder es sei doch für dieselben eine wesentliche Alte- 
ration des Sehvermögens eingetreten, gegenüber den unberührt gebliebenen 
Facetten. Ich nenne daher diese Species „semicoeca". 

Wenn die Bildung des Facettenauges aus einer physiologischen Noth- 
wendigkeit hervorging, so erscheint hier bei Auftragung der Farbe die letztere 
nicht berücksichtigt. Wenn man vielleicht geneigt wäre anzunehmen, dass für 
die Lebensbedingung dieser Species eine Abschwächung des Sehvermögens vor- 
theilhaft war, wie dieses bei vielen Insecten der Fall zu sein scheint, so sollte 
man glauben, dass dieses Bedürfniss auf ganz andere Weise befriedigt worden 
sei, und zwar durch eine Veränderung in der Structur des Sehorganes, indem 
das Auge sich mehr oder weniger obliterirte, wie wir es bei vielen Höhlenbewohnern 
beobachten, oder vom Centrum des Auges ausgehend, die Facettenbildung chitinös 
wurde, wie dieses bei einigen Mantodeen der Fall ist. Allein bei semicoeca 
sehen wir, wie die Alteration des Auges lediglich im Zusammenhange mit der 
Färbung des Kopfes steht und gerade so weit reicht als der Pinselstrich, der die 
Stirne malte. 



C. Brunner v. Wattenwyl. 



49 



ÜDd welches sind die aus dieser Erscheinung zu ziehenden Folgerungen? 

Wir haben vor uns drei der Form nach gleichartig gebildete Speeles, 
welche aber durch die blosse Färbung tief einwirkende und in jedem einzelnen 
Falle ganz verschiedene Veränderungen erlitten haben. 

Es wäre eine gezwungene und höchst unwahrscheinliche Annahme, dass 
die beiden Erscheinungen, nämlich die Form der Thiere und die Färbung, 
welche in ihrem Einflüsse so weit auseinander gehen, von der nämlichen Lebens- 
potenz ausgehen. 

Die beschriebene Erscheinung führt uns vielmehr auf das Vorhandensein 
verschiedener Potenzen, welche bei der Erzeugung der Naturkörper thätig sind: 
einmal diejenige, welche jene Gestalt zuwege bringt, die für die Lebens- 
bedingungen nothwendig ist und die nach den Gesetzen des Darwinismus wirkt. 
Dann aber eine zweite, welche unbekümmert um die innere Nothwendigkeit — 
ich möchte sagen — einer willkürlichen Phantasie folgt. 

Während diese zweite Potenz rücksichtslos um das Wohlergehen des Ob- 
jectes vorgeht, sucht die erste, darwinistische, oft in mühsamen Umwegen die 
Extravaganzen der zweiten Potenz dem Thiere nützlich zu machen, indem sie 
beispielsweise die grelle Färbung abdämpft, um das Thier vor Verfolgung zu 
schützen, oder die durch die zweite Potenz erzeugten Formen zur Nachahmung 
fremder Erscheinungen modificirt und dasjenige hervorruft, was man Mi- 
mikry nennt. 

Dieser Dualismus lässt sich nicht nur in der Färbung, sondern auch in 
vielen anderen Formen nachweisen, welche von den Naturforschern, die von 
darwinistischen Grundsätzen durchdrungen sind, leicht übersehen werden. Ich 
habe bereits im Jahre 1873 an dieser Stelle eine Reihe hieher gehörender Er- 
scheinungen als Hypertelie bezeichnet, worunter ich alle jene Erscheinungen ver- 
stehe, die zur Existenz des Thieres nicht nothwendig, ja für dieselbe in manchen 
Fällen gefährlich sind. 

Ich begnüge mich beute, in dem scheinbar unbedeutenden Beispiele ver- 
schiedener Färbung des Kopfes der Mastaciden von Neuem auf das Vorhandensein 
dieses Dualismus aufmerksam zu macheu. 



Herr Professor Dr. Johann Czokor sprach hierauf „Ueber 
einige Zooparasiten der Hausthiere". 

Die Mittheilungen des Vortragenden bezogen sich insbesondere auf einen 
Nematoden, Sclerostomum armutum, dessen Jugendform in der Grimmdarm- 
Arterie des Pferdes lebt uud die indirecte Ursache der sogenannten „Kolik" 
der Pferde ist. 



Herr Professor Dr. Josef Böhm hielt einen von Demon- 
strationen begleiteten Vortrag „Ueber Stärkebildung". Der 



50 



Jahres -Versammlung am 3. April 1889. 



Vortragende theilte die Resultate seiner Forschungen mit, welche 
der Hauptsache nach in seiner Abhandlung „Stärkebildung in 
den Blättern von Sedum sjpectahile Boreau" (Botan. Centraiblatt, 
1889, Nr. 7, 8) enthalten sind. 



Schliesslich berichteten die Herren Secretäre Dr. Ludwig 
V. Lorenz und Dr. Richard v. Wettstein über die im Monate 
März 1889 abgehaltenen Discussionsabende. 

Zoologischer Discussionsabend am 8. März 1889. 

Custos Th. Fuchs sprach über die Natur der sogenannten 
„Fucoiden" des Flysches oder Wiener Sandsteines, und suchte 
nachzuweisen, dass dieselben keineswegs Pflanzen seien, sondern 
nichts anderes als baumartig verzweigte Wurmgänge, welche mit 
einem meist grünlichgrauen oder schwärzlichen Mergel ausge- 
füllt wurden. 

Der Vortragende stützt sich hiebei namentlich auf folgende Momente: 

Dass durch Nathorst nachgewiesen wurde, dass gewisse Würmer (Go- 
niada maculata, Glycera alba) regelmässig baumförmig verästelte Spuren und 
Gänge erzeugen, welche im. Wesentlichen mit den Formen der sogenannten 
Flyschfucoiden übereinstimmen; 

dass die Flyschfucoiden unter den lebenden Tangen gar kein Analogon 
besitzen, da ihre Aeste in der Regel zweizeilig angeordnet sind, während bei 
den lebenden Algen, wie überhaupt bei fast allen Kryptogamen ein dicho- 
tomischer Bau des Stammes respective des Thallus Regel ist; 

dass an den sogenannten Flyschfucoiden, trotz ihres massenhaften Auf- 
tretens und ihrer ausgezeichneten Erhaltung, niemals eine Spur von Fructifi- 
cations- Organen nachgewiesen werden konnte; 

dass die Flyschfucoiden in der Regel nicht flachgedrückt in schieferigen 
Gesteinen vorkommen, wie dies bei fossilen Pflanzenresten meist der Fall ist, 
sondern dass sie in der Mehrzahl der Fälle körperlich und räumlich in harten 
Mergelbänken sich ausbreiten, und zwar in der Weise, dass der scheinbare An- 
heftungspunkt des bäum- oder strauchartig verzweigten Gebildes nach oben 
gerichtet ist, während die Verzweigung nach abwärts in die Masse des Mergels 
hinein erfolgt; 

dass die Flyschfucoiden niemals aus kohliger Substanz bestehen wie 
andere fossile Pflanzenreste, sondern dass ihr Körper stets aus einem Mergel 
gebildet wurde, welcher seiner Substanz nach mit jenem weichen schieferigen 



Th. Fuchs. 



51 



Mergel übereiustimmt, der die Fucoiden führende harte Bank unmittelbar 
bedeckt; 

dass man bei den Flyschfiicoiden niemals umgebogene oder geknickte, 
abgerissene und zerbrochene Zweige findet. 

Die von Maillard vor Kurzem gemachte Beobachtung, dass die Mergel- 
substanz, aus welcher der Fucoidenkörper bestehe, eine grosse Menge kleiner 
kohliger Partikelchen zerstreut enthalte, sei für deren pflanzliche Natur gar 
nicht beweisend, da nach neueren Untersuchungen Dr. Krasser's die weichen 
Mergel, welche das unmittelbar Hangende der Fucoiden führenden Bänke bilden, 
und offenbar das Injectionsmateriale für die verzweigten Wurmgänge lieferten, 
genau dieselben kohligen Partikelchen in genau derselben Menge enthalten, 
wie der Fucoidenkörper selbst. 

Der Vortragende kommt sodann noch auf die sonderbaren schrauben- 
artigen Gebilde zu sprechen, welche als Taonurus und Spirophyton in den 
Sandsteinen fast aller Formationen gefunden werden, und spricht die Ansicht 
aus, dass dieselben ebenfalls durch grabende Thiere erzeugt wurden, und zwar 
in ähnlicher Weise wie die Fucoiden. 

Er erwähnt, dass die Spirophyton des Wiener Sandsteines niemals auf- 
recht im Gesteine stehen, wie dies bisher' allgemein supponirt wurde und wie 
dies Fischer-Ooster in seinen bekannten restaurirten Figuren dieser Gebilde 
darstellt, sondern ausnahmslos umgekehrt, d. h. mit dem offenen Trichter nach 
abwärts. 

Schliesslich legt er noch einen höchst merkwürdigen Chondrites affinis 
Heer aus einem Steinbruche bei Hütteldorf vor, der aus einem Cyklus einseitig 
gewendeter, spiralig gestellter Zweige besteht, und mithin dem Wesen nach 
ein vollständiges Spirophyton bildet. 

Herr Professor J. Mik machte eine vorläufige Mittheilung 
über ügimyia sericariae Rond.^ eine Tachinarie, deren Larve 
in dem japanischen Seidenspinner parasitisch lebt. 

Gegenüber anderen Meinungen vertrat der Vortragende die Ansicht, dass 
Ugimyia sericariae der Gattung Sturmia Rob. Des. {Blepharipa Rond., Masi- 
cera Schin., Ctenocnemis Kow.) angehöre, wesshalb der Name Ugimyia Rond. 
zu den Synonymen zu stellen sei. Ein Pärchen dieser Fliege, sowie deren Larve 
und Tonne wurden vorgezeigt; sie stammen von Prof. Riley in Washington, 
welcher sie von Prof. Sasaki aus Tokio in Japan erhalten hatte. 



Herr Dr. Berthold Beer 
Titel: „Zur Entwicklung der 
liehen Embryo". 



hielt einen Vortrag unter dem 
Hemisphären des mensch- 



52 



Jahres -Versammlung am 3. April 1889. 



Der Vortragende demonstrirte das Gehirn eines menschlichen Fötus aus 
dem Beginne des vierten Monats, und wies darauf hin, dass die sylvische Furche 
in dieser Zeit beim Embryo schon ganz deutlich als tiefe, die Hemisphäre nahezu 
in zwei Hälften theilende, bis nahe an den medianen oberen Hemisphärenrand 
reichende Einschnürung vorhanden sei, und dass die von Ecker gegebene Dar- 
stellung, nach welcher die sylvische Furche durch allmälige Verengerung einer 
im dritten Monate vorhandenen breiten Grube zu Stande komme, unrichtig sei. 
Eck er 's Darstellung beruhe darauf, dass dieser Forscher nur die Verhältnisse 
der noch von den weichen Hirnhäuten bedeckten Hirnhemisphäre in Betracht 
gezogen. 



Botanischer Discussionsabend am 15. März 1889. 

Herr Dr. Hans Molisch hielt einen Vortrag „Ueber die 
Ursachen der Wachsthumsrichtungen bei Pollen- 
schläuchen". 

Nach den Untersuchungen des Vortragenden werden die Pollenschläuche 
in ihrer Wachsthumsrichtung insbesondere von zwei Ursachen beeiuflusst: 1. vom 
Sauerstoff (sie sind negativ aerotrop) und 2. von den Ausscheidungen des 
Griffels, resp. der Narbe. Ausführlichere Mittheilungen behält sich der Vor- 
tragende vor. 

Herr Dr. Rudolf Raimann sprach „Ueber verschie- 
dene Ausbildungsweisen dicotyler Stämme".') 

Normal gebaute Stammtheile dicotyler Pflanzen zeigen in ihrer Aus- 
bildung mannigfache Verschiedenheiten, die in der Regel wenig beachtet werden, 
indem man sich begnügt, die einfachsten Fälle der Ausbildung als allgemein 
giltige Schemata hinzustellen. 

Eine der einfachsten Arten normalen dicotylen Stammbaues bietet Äristo- 
lochia Sipho L'Herit. An einem Querschnitte durch den Stamm dieses Strauches 
zeigen sich die drei Grundformen pflanzlicher Gewebe: Haut-, Grund- und 
Stranggewebe in bestimmter regelmässiger Vertheilung. In jungen Trieben 
bildet das Grundgewebe die Hauptmasse; nach aussen begrenzt durch das Haut- 
gewebe, bietet es gleichsam die Grundlage für das Stranggewebe, welches darin 
derart eingebettet ist, dass der Stammquerschnitt einen Ring eiförmiger Gruppen 
von Stranggewebe aufweist, deren jede ringsum vom Grundgewebe umschlossen 
ist. Wie bekannt, bezeichnet man den centralen Theil des Grundgewebes als 



1) Vergl. auch R. Rai mau n: Ueber unverholzte Elemente in der innersten Xylemzone 
der Dicotyledonen ; Sitzungsber. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, math.-naturw. Classe, 
Bd. XCVm.iAbth. I, S. 40—75, 1889. 



Rudolf Raimann. 



53 



Mark, den peripheren als Rinde, die Verbindungen beider als Markverbindungen 
oder Markstrahlen, und zwar als primäre, grosse Markstrahlen. 

Das Stranggewebe enthält nach Innen Xylem, nach Aussen Phloem, und 
bildet in seiner Gesammtheit die Blattspurstränge, indem es, abgesehen von 
den übrigen Ausladungen der Achse, insbesondere in die Blätter sich fortsetzt. 
Ihrem Längsverlaufe nach verfolgt, zeigen sich die Blattspuren untereinander 
durch Anastomosen verschmolzen und „zu einem überall zusammenhängenden, 
den Pflanzenkörper durchziehenden, nur in den Vegetationsspitzen und mit 
peripheren Zweigen blind endigenden System" ausgebildet. Von der Art und 
Weise, wie die Spurstränge anastomosiren und ob sie durch ein oder mehrere 
Internodien getrennt verlaufen, hängen die Eigenheiten des Blattspurverlaufes 
ab, auf welche hier näher einzugehen mich zu weit führen würde. 

Das Dickenwachsthum des Stammes geht von dem Cambium aus, welches 
zwischen Xylem und Phloem der einzelneu Spurstränge entstehend, allmälig auf 
die Markstrahlen übergreift und so zu einem geschlossenen Verdickungsringe 
wird, der in jeder neuen Vegetationsperiode theils als Fascicularcambium, Phloem 
und Xylem, theils als Interfascicularcambium Markstrahlelemente erzeugt, so 
dass die Spurstränge auch in älteren Stämmen sich noch getrennt verfolgen 
lassen. 

Hiermit wäre in Kürze eine Art des Baues und Dickenwachsthums eines 
dicotylen Stammes skizzirt, welche vielfach in Vernachlässigung anderer, com- 
plicirterer Bauarten allein als Schema dicotylen Starambaues überliefert wird. In 
der That folgt auch die Mehrzahl krautiger und einjähriger Gewächse diesem 
Schema, von Sträuchern und Bäumen aber lassen sich wohl nur wenige, wie z. B. 
Aristolochia, Atragene, Cleniatis, dahin einreihen. Betrachtet man z. B. den 
Stammbau einer Linde oder Hainbuche, einer Rosskastanie oder Esche, einer 
Weide oder Kirsche, oder überhaupt der Mehrzahl unserer Bäume und Sträucher, 
so werden sich ganz andere Verhältnisse darbieten. Zur Erleichterung der 
Schilderung will ich für nachfolgende Darstellung als ein besonderes Beispiel 
den Bau einer Linde wählen. Zwischen Mark und Rinde lagert ein Holzring, 
welcher vollkommen geschlossen ist; primäre, grosse Markstrahleu als Grund- 
gewebeverbiudungen zwischen Mark und Rinde finden sich nicht, so dass auch 
getrennte Spurstränge sich nicht verfolgen lassen. Die innerste Zone dieses 
Xylemringes zeigt sich nicht ringsum gleichartig ausgebildet, indem ein regel- 
mässiger Wechsel von rücksichtlich ihrer Elementarbestandtheile verschieden 
gebauten Holzabschnitten sich aufweist. Während in den einen Abschnitten 
mehr minder reichlich Protoxylem — primäre, englumige Ring- und Spiralgefässe 
und „intraxyläres Cambiform" — sich vorfindet, fehlt dieses fast völlig in den 
mit ersteren Abschnitten wechselnden Holztheilen, die dagegen hauptsächlich aus 
Libriform und Faserzellen zusammengesetzt sind. Dieser Wechsel im Baue der 
innersten Xylemzone hängt mit der Blattstelluug und dem Blattspurverlaufe 
zusammen. Man spricht die protoxylemreichen Xylerntheile als Fascicular-, die 
damit wechselnden Abschnitte als Interfascicularholz an und stellt sich vor, dass 
ersteres die directe Fortsetzung des Stranggewebes der Blätter sei, somit stamm- 



54 



Jahres -Versammlung am 3. April 1889. 



und blattei^enen Gefässbündeln angehöre, hingegen letzteres nur stammeigene 
Bündel bilde, welche aus dem Interfascicularcambium — also jenem, welches 
in dem erst geschilderten Falle Markstrahlgewebe erzeugt — entstehen, und 
zwar später als die Fasciculartheile, daher auch diese tiefer in das Mark ein- 
dringen und die sogenannte Markkrone bilden. 

Ich habe den Stammbau verschiedener Hölzer zu studiren versucht, aber 
bei keinem mit obiger Vorstellung das Auslangen gefunden. Wenn ich auch 
nicht bestreiten will, dass sie vielleicht für einzelne Fälle ihre volle Giltigkeit 
haben kann, so scheint sie mir doch für viele andere Fälle einer Berichtigung 
bedürftig. In jenen Fällen wenigstens, welche ich untersucht habe, kann ich 
das sogenannte Interfascicularholz nicht als stammeigene Gefässbündelstränge 
gelten lassen, denn verfolgt man den Stamrabau nicht nur an einzelnen Quer- 
schnitten, sondern auch im Längsverlaufe, so wird man sehen, dass erstens die 
Blattspurstränge nicht unter einander anastomosiren, wie bei Hölzern des erst 
geschilderten Typus, sondern blind im Stamme endigen, und dass zweitens der 
Bau der Spuren sich mit dem tieferen Verlaufe derselben ändert, so dass, wäh- 
rend er im oberen Theile einer Spur dem Bau des Fascicularholzes entspricht, 
derselbe in tieferen Theilen in den des Interfascicularholzes übergeht. Nach- 
dem nun die unteren Enden der Blattspuren eines höher stehenden Blattes 
zwischen die Stränge tieferer Blätter zu liegen kommen, so ergibt sich, dass 
die Unterscheidung von Fascicular- und Interfascicularholz nur relative Giltig- 
keit hat bei Betrachtung einzelner Querschnitte, hingegen bei Berücksichtigung 
der Längenentwicklung der Blattspurstränge hinfällig wird, da, was in einem 
Querschnitte als Fascicularholz anzusprechen ist, in einem anderen Querschnitte 
durch ein tieferes Internodium zum Interfascicularholz wird gegenüber jenen 
Xylemtheilen, welche den noch protoxylemreichen Spurtheilen tiefer stehender 
Blätter angehören. 

Um dem erwähnten Missverständnisse, das Interfascicularholz als ein 
stammeigenes Stranggewebe aufzufassen, vorzubeugen, bezeichnete ich in meiner 
oben genannten Arbeit in Berücksichtigung des Umstandes, dass das sogenannte 
Interfascicularholz später als die innerste Zone des Fascicularholzes, aber in der 
Regel zugleich mit den von Haustein succedan benannten Holzschichten — 
d. h. die nach aussen auf das Protoxylem folgenden Schichten — entsteht, das 
sogenannte Interfascicularholz als Succedanholz. 

Bei dem secundären Dickenwachsthum eines nach den geschilderten Ver- 
hältnissen gebauten Stammes erzeugt der geschlossene Cambiumring nach 
innen ringsherum Succedanschichten des Xylems; allerdings finden sich auch 
Markstrahlen in dem Holzringe, dieselben sind aber ihrer Entstehung nach 
nicht zu vergleichen mit den Grundgewebestrahlen oder grossen Markstrahlen 
von Äristolochia Sipho, sondern mit jenen kleinen oder secundären Strahlen, 
welche die einzelnen durch Grundgewebe getrennten Xylemtheile durchsetzen. 

Nachdem ich mit diesen beiden, durch Äristolochia Sipho einerseits und 
Tilia andererseits vertretenen Arten dicotylen Stammbaues zwei der extremsten 
Typen skizzirt habe, will ich nun darzustellen versuchen, wie sich die Ver- 



Rudolf Hainiann. 



55 



schiedenheiten dicotylen Stammbaues als eine fortlaufende Reibe in einander 
übergebender, durcb die allmälig sieb vervollkommnende Function des secundären 
Dickenwacbsthums bedingter Typen auffassen lassen. 

Bei dieser Betracbtuug ist es notbwendig auf die erste Anlage des Xylems 
zurückzugeben. Als erste Anlage des Xylems erscbeinen die procambialen Bündel 
oder Spurinitialeu, welcbe sehr frühzeitig in dem Meristem der Vegetationsspitzen 
sieb bilden. Bezüglich der Frage, ob diese Spuriuitialen getrennt oder als ein 
geschlossener Ring, der sogenannte Verdickungsring, entstehen, herrschen be- 
kanntlich zwei, insbesondere durch Schacht und Nägeli vertretene, anfänglich 
als einander gegenseitig ausschliessend betrachtete Ansichten. Das Wesen derselben 
scheint mir darin zu liegen, dass in dem einen Falle (Nägeli) erst längere 
Zeit nach der Anlage der Blattspurinitialen, nachdem bereits in jedem Spur- 
strange die Ausbildung des Xylems und Phloems verhältnissmässig weit vor- 
geschritten ist, die Anlage eines Verdickungsringes, Cambiums im eigentlichen 
Sinne, erfolgt, hingegen in dem anderen Falle (Schacht) unmittelbar nach 
dem Auftreten der Spuriuitialen dieselben auch schon zu einem Ringe, dem Ver- 
dickungsringe (Schacht's, Sanio's), verschmelzen, was in dem vollkommensten 
Falle, wie z. B. bei Tilia, dahin führt, dass zwar die Entstehung des Verdickungs- 
ringes an einzelneu Punkten beginnt, distincte Spurinitialen aber überhaupt 
nicht mehr angelegt werden. 

Aus dieser Auffassung der beiden Typen geht hervor, dass beide einander 
nicht nur nicht ausschliessen und nebeneinander bestehen können, sondern dass 
vielmehr der letztere aus ersterem hervorgeht, dass ibre Verschiedenheit nur eine 
graduelle sei, als Ausdruck der allmälig sich vervollkommnenden Function des 
secundären Dickenwacbsthums. 

In Verfolgung dieser Auffassung lassen sich leicht von jenen Fällen, wo 
ein secundäres Dickenwachsthum überhaupt noch mangelt, bis zu jenen, wo 
selbes am frühzeitigsten ausgebildet ist, eine fortlaufende Reihe allmälig sich 
vervollkommnender Ausbildungsweisen des Holzringes ableiten, sowie auch that- 
säcblich einzelne Entwicklungsstufen beobachten. 

So kann unter den von Wiesner für den Aufbau des Dicotylenstammes 
aufgestellten Typen die unter dem Typus Tussilago zusammengefasste Bildungs- 
weise, bei welcher die Anlage eines Cambiumriuges nicbt oder nur ausnahms- 
weise eintritt, als unterste Stufe der ganzen Entwickelungsreihe angesehen 
werden. Die nächst höhere Ausbildungsstufe bietet der Typus Aristolochia, bei 
welchem ein geschlossener Cambiumring als Fascicularcambium Xylem und 
Phloem der Spurstränge erzeugt, als Interfascicularcambium aber das Markstrahl- 
gewebe vermehrt. 

Betheiligt sich das Interfascicularcambium an der Bildung des secundären 
Holzes und der secundären Rinde, welche Entstebuugsweise des Holzriuges aus 
der oben erwähnten Vorstellung über die Bildung von Interfascicularholz ab- 
zuleiten ist, so ergibt sich wieder eine höhere Stufe. Zwischen den beiden zu- 
letzt erwähnten Ausbildungsweisen des Holzkörpers lässt sich vielleicht jene als 

Z. B. Ges. B. XXXIX. Sitz.-Ber. H 



56 



Jahres -Versammlung am 3. April 1889. 



Mittelstufe einreihen, bei welcher, wie z. B. bei Fagus, das Interfascicularcanibium 
bald das Markstrahlgewebe fortsetzt, bald secundäre Holzschichten erzeugt, so 
dass die Spurstränge in den äusseren Xylemzonen nicht ihrem ganzen Längs- 
verlaufe nach durch primäre Markstrahlen getrennt erscheinen und die „aus- 
setzenden Markstrahlen" Hartig's entstehen. 

Aus der frühzeitigen Anlage eines geschlossenen Verdickungsringes bei 
den Pflanzen mit vollkommener ausgebildetem Holzkörper ergibt sich deren 
wesentlichstes Merkmal, welches darin besteht, dass die Trennung der einzelnen 
Spurstränge immer mehr schwindet, so dass nicht nur die äusseren Holzschichten 
einen geschlossenen Ring aufweisen, sondern auch in der innersten Zone des 
Xylems die Antheile der einzelnen Spurstränge nicht scharf von einander ge- 
trennt erscheinen. Nur durch die verschiedene Ausbildung von Protoxylem und 
Succedanholz ist die Zusammensetzung des Holzringes aus einzelnen Spur- 
strängen angedeutet. Je nach dem grösseren oder geringeren Grad der Deut- 
lichkeit, mit welcher die Zusammensetzung der innersten Xylemzone kenntlich 
ist, lassen sich unter den vollkommener ausgebildeten Hölzern wohl verschiedene 
Typen aufstellen, doch sind dieselben durch sehr allmälige Uebergänge auf das 
Engste untereinander verbunden. Ich unterlasse es, dieselben weiter zu verfolgen, 
weil ich auf die Erläuterung mancher Einzelheiten eingehen müsste, was mich 
zu weit führen würde, ich will nur erwähnen, dass der Typus, nach welchem 
z. B. Aesculus gebaut ist, als tiefer stehend zu betrachten ist im Vergleiche zu 
jenem von Tilia. Bei Aesculus sind nämlich die Fasciculartheile des Holzringes 
durch innere, hartbastähnliche Zellgruppen schärfer hervorgehoben, hingegen 
bei Tilia der Uebergang von Fascicular- und Succedanholz derart vermittelt ist, 
dass es an Querschnitten nicht möglich ist anzugeben, wo eine Spur aufhört 
und die Nachbarspur beginnt; denn wie bei der Längenentwicklung der Spur- 
stränge, so geht auch bei ihrer Ausbreitung in tangentaler Richtung Proto- 
xylem und Succedanholz allmälig in einander über. Dieses Verhalten erklärt 
sich dadurch, dass die ßlattspuren sowohl in longitudinaler als auch in tangen- 
taler und radialer Richtung sich simultan und gleichartig entwickeln. 

Der verwickelte Bau des Xylems der vollkommeneren Hölzer erklärt sich 
wohl aus dem Umstände, dass mit der frühzeitigen Anlage des Verdickungs- 
ringes unmittelbar nach oder mit den Spurinitialen auch weitere Besonderheiten 
in der Entwicklung des Xylems sich ausgebildet haben, welche den Pflanzen 
mit einfacherem Bau fehlen, und daher wirklich eine Verschiedenheit in der 
Ausbildung des Xylems höher und tiefer entwickelter Holzpflanzen begründen. 
Zu diesen Besonderheiten zähle ich den bereits erwähnten Umstand, dass näm- 
lich bei höheren Holzpflanzen der Bau der Blattspuren mit dem tieferen Ver- 
laufe derselben in den Stamm sich ändert, worauf ich eben die übliche Unter- 
scheidung von Fascicular- und Interfascicularholz zurückführe, sowie ferner das 
Fehlen einer typischen Markkrone und die Ausbildung der Markscheide im Sinne 
Wiesner's, jener Uebergaugszone zwischen Mark und Xylem, deren Elemente in 
ihrer Ausbildung zwischen den Elementen des Markes und Xylems die Mitte haltend, 
in ihrer ersten Anlage bald dem ersteren, bald dem letzteren zuzuzählen sind. 



Versamtnluno: am 1. Mai 1889. 



57 



Schliesslich besprach und demonstrirte Herr Dr. Richard 
V. Wettstein einige Arabis- Arien aus der Section Eu-Arabis. 



Versammlung am 1. Mai 1889. 

Vorsitzender: Herr Dr. Franz Ostermeyer. 



Neu eingetretene Mitglieder: 

Als Mitglied bezeichnet durch 
^- P. T. Herren 
Bauer, Dr. Carl, Wien, VII., Stiftgasse 3 . Dr. C. Fritsch, Dr. R. v. Wettstein. 
Matoloni F. X., Xylograph, Wien, I., Baben- 
bergerstrasse 9 . . Dr. L. V. Lorenz, Dr. Otto Stapf. 

Zermann, P. Cbrysostomus, Hochw., Gym- 

uasial-Professor, Melk ' . P. Ans. Pfeiffer, Dr. R.v. Wettstein. 



Eingesendete Gegenstände: 
1 Fascikel Pflanzen von Herrn J. UUepitsch. 



Herr Dr. Carl Richter hielt einen Vortrag über Variation^ 
in welchem er die Ansicht vertrat^ dass sich in der Disteleologie 
kein antidarwinisches Princip geltend mache, da nach Darwin 
jede einzelne Variation nicht absolut nützlich sein müsse, sondern 
nur die Summe der von einer Art erworbenen Variationen ein 
Uebergewicht im Kampfe ums Dasein verleihe. 



Herr Custos Dr. G. Ritter Beck v. Mannagetta sprach 
„lieber die Entwicklung und den Bau der Schwimm- 
organe von Neptunia oleracea Lourr.". 

Einige von Dr. B. Hagen in Sumatra der botanischen Abtheilung des 
k. k. naturhistorischen Hofinuseums übergebene Exemplare von Neptunia oleracea 
Lourr. {Desmanthus natans W.) veranlassten mich, eine anatomische Untersuchung 
des Schwimmorganes dieser auch in anderer Beziehung biologisch interessanten 

H* 



58 



VersaTtimlung am 1. Mai 1889. 



Wasserpflanze zu unternehmen. Obwohl der Bau dieser grossen und auffälligen, 
an den Stengelinternodien sich vorfindenden, tonnenförmigen Schwiinmorgane 
der Hauptsache nach durch eine Arbeit von S. Rosanoff (Botanische Zeitung, 
1871, S. 829 fF., Taf. X, Ä) bekannt geworden war, schien es mir doch nicht 
ganz überflüssig zu sein, die diesbezüglichen Ergebnisse insoweit zur Kennt- 
uiss zu bringen, als sie mit jenen Rosau off 's nicht im Einklänge stehen. 

Nach Rosanoff ist die Rinde junger Stengelinternodien in zwei Zonen 
gegliedert, deren innere aus grossen, runden, ziemlich dickwandigen Zellen 
gebildet wird, während die äussere aus kleineren, zarteren Zellen besteht. An der 
Grenze beider, in der dritten Zellschichte unter der Epidermis bildet sich nach 
demselben Forscher ein secundäres Cambiura, durch welches ähnlich wie bei der 
Korkentwickelung radiäre Reihen von Zellen gebildet werden, die sich später 
unter Beibehaltung eines netzförmigen Gefüges von einander trennen, sehr in 
die Länge strecken und das an ein lockeres Hyphenflechtwerk erinnernde, 
reichlich Luft führende Gewebe des Schwimmapparates der Neptunia dleracea 
Lourr. darstellen. Die äussere Epidermis bedeckt nur in Fetzen das als tonnen- 
förmige Anschwellung des Stengels erscheinenden Gewebe des Schwimmorganes, 
vermittels welcher die Pflanze ihre läuferartigen Stengel auf dem Niveau des 
Wassers erhalten kann. Vor Bildung dieser auf wenige Internodien beschränkten 
Schwimmorgane, und nach Ablösung derselben ist der Stengel unter Wasser 
getaucht. Soweit reichen die Ergebnisse der Ro san off 'sehen Untersuchung. 

Meine Untersuchungen an sicher bestimmter Neptunia oleracea Lourr. 
(= Desmanthus natansW., dem Untersuchungsobjecte Rosanoff 's) führten zu 
abweichenden Resultaten. 

Durchschneidet man ein junges Internodium eines Schwimmorgane aus- 
bildenden Stengels, so findet man unter der Epidermis eine mächtige lücken- 
lose Zone eng aneinanderliegender, unregelmässig sternförmiger, braunen Inhalt 
führender Zellen, die allmälig — etwa in halber Dicke der Rinde — unter 
gleichzeitiger Lockerung des Gewebeverbandes sowohl grösser und dickwandiger 
als auch deutlicher sternförmig werden und an die Gefässbündel anschliessen. 

Unter schwacher, übersichtlicher Ver^rösserung kann man eine braun- 
gefärbte äussere und eine lockere, heller gefärbte innere Hälfte im Riudengewebe 
untersclieiden. In einem weiter vorgeschrittenen Stadium der Entwicklung hebt 
sich die Epidermis insbesondere an den vorspringenden Kanten des Stengels 
unregelmässig von der äusseren Schichte der Rinde ab. Dies wird bewirkt durch 
eine allmälig eintretende Lockerung der äussersten Lagen des dunkelgefärbten 
Rindengewebes; die Zellen derselben vergrössern sich rasch und bilden ebenso 
schnell an Weite zunehmende Intercellularräume. Es beginnt hiemit die Bildung 
des Schwammparenchyms des Schwimraorgans. Ein secundäres Cambium, wie 
es Rosanoff beschreibt und in Fig. 3 abbildet, konnte ich nicht auffinden. 
Die Bildung des Schwammparenchyms erfolgt daher durch Streckung der im 
jüngsten Stadium des Stengels bereits angelegten, nur verhältnissmässig stark 
aneinander gepressten äusseren Zelllagen der Rinde. 



Ct. V. Beck. 



59 



In geradezu charakteristischer Weise sind sämmtliche Zellen des Rinden- 
gewebes unregelmässig sternförmig gestaltet; runde Formen, wie sie Rosanoff 
beschreibt, konnte ich nicht wahrnehmen. 

Mit der fortschreitenden Ausbildung des Schwammkörpers nimmt die 
äussere lückenlose Hälfte des Rindengewebes an Dicke ab, verschwindet jedoch 
niemals, da selbst nach der Ablösung des Schwimmorganes noch mehrere Zell- 
lagen desselben erübrigen und das Stengelgewebe gegen das Wasser hin ab- 
schliessen. Ausserhalb dieses Rindenmantels findet man stets noch Reste und 
Fetzen des Schwimmorganes. Die Schwimmorgane sind nämlich ob des Mangels 
einer continuirlichen Oberhaut vor dem Eindringen des Wassers nicht geschützt 
und können demselben nur so lange Widerstand leisten, als die Luftkügelchen 
zwischen dem Gewirre der hyphenähnlichen Zellen des Schwaramgewebes zu 
adhäriren vermögen. Die äusserst dünnwandigen, hin und her gewundenen 
Zellen des Schwammgewebes können auch äusseren mechanischen Einflüssen 
wenig Widerstand gewähren, wodurch es erklärlich wird, dass das Schwimraorgan, 
einmal mit Wasser vollgesogen, so rasch dem geringsten Wellenschlage des 
Wassers zum Opfer fällt, oder bei der Bewegung des mit vertical nach aufwärts 
strebenden Blättern ausgerüsteten und daher vom Winde leicht bewegbaren 
Stengels durch den Widerstand des Wassers leicht abgestreift wird. 

Einen lückenlosen Ring von Bastzellen, welchen Rosanoff nach dem 
Verschwinden des Schwimmorganes beobachtete (1. c, Taf. X, Fig. 4b), sah ich 
nicht. Wohl aber verstärkt sich die Gefässbündelzone, indem ein geschlossener, 
dicker, aus regelmässig radiär angelegten Zellreihen bestehender Ring von Holz- 
parenchym die Festigkeit des Stengels erhöht. Diese Holzparenchymzellen be- 
sitzen schlitzförmige Poren mit kreisrundem Hofe und in ihrem Gefolge werden 
Reihen von fast kubischen Zellen beobachtet, die je einen grossen Krystall von 
oxalsauerem Kalke einschliessen. 

Im Marke finden sich, wie schon Rosanoff richtig beobachtete, longi- 
tudiual verlaufende, von einzelligen Zellplatten umschlossene, sehr grosse Luft- 
canäle. Zwischen den nach Rosanoff im Querschnitte rundlichen Zellen finden 
sich Gruppen viel kleinerer krystallführender Zellen eingeschaltet. Ich beob- 
achtete, dass auch das Mark in der Jugend aus im Querschnitte unregelmässig 
sternförmigen, mit ihren Fortsätzen ineinander greifenden Zellen gebildet wird, 
und dass erst spät die Zellen sich abrunden. 

Die krystallführenden Zellen sind jedoch nicht immer kleiner und gleichsam 
partieenweise eingeschaltet, sondern öfters stechen einige mit Oxalsäuren Kalk- 
krystaüen dicht angefüllte Zellen durch ihre besondere, jene aller anderen Zellen 
überragende Grösse hervor. Auch finden sich Reihen von kubischen, nur einen 
grossen Krystall führenden Zellen sehr häufig in Begleitung der Gefässe. 

Weiters besprach der Vortragende die interessante Bildung 
von Trichomen in Trichomen^ welche er an den gegliederten 
braunen Randhaaren von Peziza hirta Schum. beobachtete. 



60 



Versammlung am 1. Mai 1889. 



Aus den der Fusszelle der geuannten Haare benachbarten Zellen hatten 
sich 1 — 3 neue gegliederte Trichome gebildet, deren Scheitelzellen sich wie an 
dem umschliessenden Haare meist zuspitzten, die Querwände der untersten Zellen 
durchbrachen und in das Haar hineinwuchsen. 

Auch fand der Vortragende einmal an der subapicalen Zelle eines Rand- 
haares einen trichomartigen Auswuchs, der in die Apicalzelle hineinreichte. 

Endlich berichtete Custos v. Beck über die Sporen- 
bildung der Gattung Phlyctos pora Corda, welche bisher 
unbekannt geblieben war und nun auf Grund einiger zwischen 
Payerbach und Gloggnitz aufgefundener Exemplare sichergestellt 
wurde. 

Die Sporen entstehen zu 2 — 5 auf angeschwolleneu Basidien. Nach deren 
Bildung beginnt zum Theile an dem Basidium, zum grösseren Theile und viel 
reichlicher an den der Spore zunächst befindlichen Hyphen eine eigenthümliche 
Sprossung und Verästelung. Die hiedurch gebildeten Hyphenäste legen sich um 
die Sporen, wobei sie warzenförmige Fortsätze, unregelmässig hin und her ge- 
wundene Ausstülpungen oder rosenkrauzförmige Aestchen bilden, die sich in 
die Thälchen der unregelraässig netzigen Verdickungen des Exospors einlegen 
und an den reifen Sporen im Querschnitte eine meist einschichtige ümwallung 
von blasigen, doch verschieden gestalteten Zellen bewirken. 

Die von Cor da angenommene Stellung der Gattung Phlyctospora bei 
den Hymenogastrei wurde somit gesichert. 



Herr Custos A. Rogenhofer sprach über die Ausbeute 
von LepidoptereUj die der Maler Herr L. Hans Fischer von 
seiner diesjährigen Reise aus Ceylon und Indien mitbrachte, und 
welche er dem kaiserlichen naturhistorischen Hofmuseum zu 
überlassen so freundlich war. 

Ausser verschiedenen interessanten Formen, wie Lycaena Nyseus G., ist 
vor Allem das Gehäuse eines Sackträgers, der leider nur im Eaupenstande vor- 
liegt, hervorzuheben, das durch seine absonderliche Form — der pfriemenförmige 
Sack ist an eine tellerförmige Scheibe befestigt — , an einen winzigen Molukken- 
krebs erinnernd, auffällt. Ich möchte daher einstweilen den Namen Fumea? 
limulus m. dafür vorschlagen. 

Das Materiale des Sackes besteht aus feinkörnigem hellen Sande, ähn- 
lich dem unserer Fumea nudella und Sappho. Die Thiere lebten auf Flechten 
an quarz- und glimmerreichen Felsen in Centrai-Ceylon im Jänner bei Kandy. 
Die Röhre, in welcher die Raupe lebt, ist mit weisser Seide ausgesponnen, der 
Rand auch weiss. 



A. Rogenhof er. 



61 



Die Länge des ganzen Sackes misst von 19 — 22 mm, die Scheibe allein 
6— 9wjw, in deren Mitte die Röhre befestigt ist, welche 10 — 11 wm über die 
Scheibe vorragt. 




Sack 
von unten. 

Fumeat limulus. 



Soviel sich aus den trockenen, wieder aufgeweichten Raupen erkennen 
liess, setzte ich folgende Beschreibung zusammen: 

Raupe eiufärbig beinweiss, mit grossem, sehr harten, geränderten, Vl^mm 
im Durchmesser haltenden, braunen, fast kreisrunden Kopfe, der die Mündung 
des Sackes, welche dasselbe Ausmass zeigt, genau abschliesst. 

Erster Leibring mit breitem bräunlichen Nackenschild, zweiter Ring mit 
braunen Flecken, Muudtheile hell. 

Krallen schwach hornfarbig. Bauchfüsse mit hellbräunlichen Haken- 
kränzen nur an der vorderen Seite. 

Zwischen den Kralleu und an der Bauchseite einzelne lichte Haare. 

Die Länge der trockenen Raupe beträgt Qmm, dürfte aber im Leben um 
die Hälfte mehr betragen. 

Ueber die systematische Stellung lässt sich selbstverständlich nach dem 
Vorliegenden nichts Bestimmtes sagen; da die Form aber doch zu interessant 
ist, und nur um zu weiterem Forschen anzuregen, bezeichne ich dieselbe als 
Fumea? limulus; die ganz aparte Kopfbildung entfernt wohl die neue Form 
von der Nudella-QfXM^^Q, während der Sack doch ihr zunächst kommt. 

Ist doch A'pterona planorhis Sieb, auch nur auf den Sack hin aufgestellt 
worden, und die Characteristik der Psychidenraupen lässt noch Vieles zu wün- 
schen übrig. 



Herr Secretär Dr. Carl Fritsch legte folgende eingelaufene 
Manuscripte vor: 

Arnold Dr. F.: „Lichenologische Ausflüge in Tirol. 
XXIV. Finkenberg". (Siehe Abhandlungen, Seite 249.) 

Kohl F. und Handlirsch A. : „Transcaspische Hymeno- 
pteren". (Siehe Abhandlungen, Seite 267.) 



62 



Versammlung am 1. Mai 1889. 



LoitlesbergerK.: „Beitrag zur Kryptogamenflora Ober- 
österreichs". (Siehe Abhandlungen^ Seite 287). 

Rebel Dr. H.: ^^Beiträge zur Microlepidopteren- Fauna 
Oesterreich-Ungarns". (Siehe Abhandlungen, Seite 293.) 

Strasser P. P. : „Zur Flechtenflora Niederosterreichs. I.". 
(Siehe Abhandlungen, III. Quartal.) 



Es folgten schliesslich die Berichte über die im Monate 
April abgehaltenen Discussionsabende. 

Zoologischer Discussionsabend am 12. April 1889. 

Vorerst demonstrirte Herr Anton Handlirsch einige 
Humnielnester, und zwar von Bombus soroensis und Bombus 
hovtorum, und knüpfte daran eine Reihe von Mittheilungen über 
die erste Anlage und den weiteren Ausbau dieser Nester. 

Herr Dr. Rebel sprach über die Auffindung von Acentropus 
niveus Oliv, in Oesterreich, einer Motte, welche durch den Di- 
morphismus ihrer Weibchen, deren es geflügelte und ungeflügelte 
Formen gibt, ausgezeichnet erscheint. (Vergl. Abhandlungen, 
S. 295.) 

Herr Gustos A. Rogenhof er knüpfte daran eine über- 
sichtliche Zusammenstellung der paläarctischen Lepidopteren, 
welche Weibchen mit verkümmerten Flügeln besitzen. 

Endlich zeigte Plerr Adam Handlirsch einige mikro- 
skopische Präparate von Muskeltrichinen vor, sowie einen frischen 
Echinococcus aus einer menschlichen Leber. 



Botanischer Discussionsabend am 19. April 1889. 

Herr Dr. Carl F ritsch hielt einen Vortrag „Ueber die 
systematische Gliederung der Gattung Potentilla^'. 



Carl Fritsch. 



63 



Lehmann's „Kevisio Potentillarum" ^) ist bis heute das wichtigste Werk 
für speciellere Studien über die Gattuug Potentilla, und das dort niedergelegte 
System dient auch in neuester Zeit noch in der Regel als Grundlage, wenn 
auch mit verschiedenen Modificationen. Bei näherer Betrachtung zeigt aber das 
Lehmann 'sehe System einige Schwächen, die zum Theile noch bis heute in 
unseren floristischen Werken nachwirken. 

Schon die Haupteintheilung in ^Fruticulosae et Suffruticulosae" und 
„Herbaceae" ist nicht haltbar; denn wenn auch manche Arten, wie Potentilla 
fruticosa L., Davurica Nestl. etc., durch ihren entschieden strauchartigen Wuchs 
sehr auffallen, so unterscheiden sich andere, von Lehmann in die erste Gruppe 
gestellte Arten, wie z. B. Potentilla ambigua Jacq. und hiflora Lehm., in Bezug 
auf ihre W^achsthumsverhältuisse durchaus nicht wesentlich von vielen „Herbaceae", 
bei denen ja „holzige Stämmchen" sehr häufig vorkommen. Es empfiehlt sich 
also, die strauchigen und halbstrauchigen Arten nach ihrer Verwandtschaft im 
übrigen System unterzubringen, wie dies auch Zimraeter^) gethan hat. Speciell 
Potentilla tridentata Sol. gehört entschieden in die Section Fragariastrum, 
von der sie bei Lehmann sehr weit getrennt ist. 

Die „Herbaceae" theilt Lehmann weiter ein in „Multicipites" und 
„Acephalae", d. h. in ausdauernde und in ein- bis zweijährige Arten. Auch die 
Bedeutung dieses Merkmals scheint mir überschätzt zu sein, da die einjährigen 
Arten wenigstens zum Theil entschiedene Verwandtschaft mit gewissen aus- 
dauernden erkennen lassen. Dagegen hat Lehmann auf einen anderen wichtigen 
Unterschied im Wachsthum nicht geachtet, nämlich darauf, dass es einaxige 
und zweiaxige Potentinen gibt. DölP) ist vielleicht zu weit gegangen, wenn 
er die Eintheiiung in „Laterales" (d. h. zweiaxige) und „Terminales" (einaxige) 
an die Spitze stellt, namentlich da gewisse Formen sich intermediär verhalten, 
wie besonders die Gruppe der Potentilla Wiemanniana Gth., welche zwar 
zweiaxig ist, a'ber der einaxigen Potentilla argentea L. sehr nahe steht. ^) 
Jedenfalls aber ist der Unterschied zwischen den steif aufrecht wachsenden ein- 
axigen Arten (Typus: Potentilla recta L.) und den zweiaxigen Arten mit un- 
begrenzt fortwachsender Hauptachse und seitlichen Blüthenstengeln (Typus: 
Potentilla verna L.) ein so bedeutender, dass er im System Berücksichtigung 
finden muss. 

Die „Multicipites" theilt Lehmann ein in „Terminales" mit der Diagnose: 
„Pedunculis terminaUbus uni-, pluri- vel multifloris'\ und in „Axilliflorae" : 
„Pedwiculis axillaribus vel oppositifoliis solitariis unifloris folia aequantibus 
vel superantibus etc." Diese Eintheiiung, welche auch Zimmeter im Wesent- 
lichen beibehält, ist schon desshalb zu verwerfen, weil es Potentilla -Avteü. mit 



Nova Acta Acad. Caes. Leopold.-Caiol. Nat. Curios., XXIII. Suppl. (1856). 
^) Die europäischen Arten der Gattung Potentilla, Steyr, 1884. 
») Kheinische Flora (1843), S. 769 ff. 

«) Doli hat unter Potentilla argentea L. zwei Varietäten (coUina und Guentheri), welche 
nach «seiner eigenen Eintheiiung in die Gruppe der „Laterales" gestellt werden mussten; Neil- 
reich hat diesen Fehler verbessert (Flora von Niederösterreich, S. 911). 

Z. B. Ges. B. XXXIX. Sitz.-ßer. I 



64 



Versammlung am 1. Mai 1889. 



wirklich axillären Blüthenstielen überhaupt nicht gibt. Der Blüthenstand der 
„Tormentillae", welche Lehnaann zu den Axilliflorae stellt, ist ebenso cymös 
wie bei den „Terminales". Bei Potentüla reptans L., anserina L. und deren 
Verwandten ist zwar die Reduction der Inflorescenz (jedes blühenden Zweiges) 
auf eine einzelne Blüthe constant; diese Bltithe ist aber durchaus nicht achsel- 
ständig, Da ich auf die Blütheustandsverhältuisse bei Potentüla hier nicht 
näher eingehen kann, so verweise ich nur auf die, wie es scheint, von den 
Systematikern fast ganz vergessenen werthvollen Aufsätze von Wydler^) und 
gehe gleich weiter in der Besprechung der Lehmann 'sehen Eintheilung. 

Das nächste Eintheilungsprincip geht von der Theilung der Blätter aus; 
Lehmann unterscheidet „Pinnatae", „Digitatae" und „Ternatae". Im Allge- 
meinen ist die Sonderung der fiederblätterigen Arten von den fiugerblätterigen 
gewiss berechtigt (vergl. Note 1); es zeigt sich z. B. auch bei der Gattung 
Rubus, dass die Arten mit Himbeerfrüchten (Idaeobatus) mehr zur Fiederthei- 
lung, diejenigen mit Brombeerfrüchten (Eubatus) mehr zur fingerförmigen 
Theilung der Blätter hinneigen. Aber ebenso wie die Bubus-krtQn mit drei- 
zähligen Blättern theils zu Idaeobatus, theils zu Eubatus zu stellen sind, so 
finden wir auch unter den PofeniiZZa -Arten mit dreischuittigen Blättern solche, 
die entschiedene Verwandtschaf c mit fiederblätterigen Arten aufweisen (Poten- 
tüla rigida Wall.), während die Mehrzahl der „Teruatae" mit fingerblätterigen 
Arten in mehr minder nahen Beziehungen steht. Es ist ganz unzulässig, Poten- 
tüla cinerea Chaix und Potentüla subacaulis L., die selbst als Arten schwach 
geschieden sind und von Boissier^) auch schon vereinigt wurden^ in zwei ver- 
schiedene Tribus zu stellen.*) Ebenso steht bei Lehmann z. B. Potentüla 
Clusiana Jacq. wegen ihrer vorherrschend fünfzähligen Blätter unter den 
„Lupinifoliae", die nahe verwandte Potentüla mtida L. jedoch unter „Fraga- 
riastrum". Diese Fehler hat Zimmeter dadurch vermieden, dass er einerseits 
die Gruppe „Leucotricha" (Fragariastrum erweitert) abtrennt, andererseits die 
gelb blühenden Arten mit dreizähligen Blättern den „Palmatisectae" unterordnet. 

Lehmann 's einzelne Tribus sind zum grossen Theile wirklich natür- 
liche Gruppen, wenn auch z. B. die „Chrysanthae" sicher den „Aureae" näher 
stehen als den „Rectae" u. dgl. 



1) Trotz der Uebereinstimmung im Wachsthume halte ich den Schluss Almquist's, dass 
Potentüla reptans und anserina nahe verwandt seien (ßotan. Centralblatt, Bd. XXXII, 1887, S. 251), 
für unberechtigt. Solche Veränderungen können wohl an zwei einander ferne stehenden Arten 
gleichzeitig auftreten. Die gänzlich abweichende Ulattgestalt der beiden genannten Arten setzt 
eine wesentliche Verschiedenheit im Getässbündelverlauf u. s. w. voraus, und jede der beiden Arten 
hat unter den nicht kriechenden Potentinen viel nähere Verwandte. 

2j Flora, 1851, S. 363—364; 1860, S. 149—156. Der erste dieser Aufsätze war 5 Jahre vor 
Lehmann 's „Revisio" erschienen! 

3) Flora Orientalis, II, p. 723. 

*) Noch dazu Jjiat Lehmann bei Potentüla cinerea C'haix noch eine Varietät ß) trifoliata 
{Potentüla Tommasiniana Schultz), die nach seinem eigenen System zu den „Teruatae" gestellt 
werden müsste. 



i 



M. Kronfeld. 



65 



Mit Rücksicht auf die mangelhafte Haupteintheilung Lehmann 's, welche 
Z immeter nicht wesentlich verbessert hat, war es ein Verdienst Focke's,^) auf 
eine von Watson gegebene Eintheilung der nordamerikauischen Potentinen auf- 
merksam zu machen, welche einige neue Gesichtspunkte für die Systematik 
unserer Gattung eröffnet. Nach dieser Gruppirung würden die wichtigsten in 
Niederösterreich wachsenden Arten in folgender Weise anzureihen sein: 

I. Fragariastrum. Potentilla Fragariastrum Fihrh., micrantha Ram., 

alba L., Clusiana Jacq., caulescens L. 
II. Pentaphyllastrum. Potentilla rupestris L. 

III. Potentillastrum. Potentilla snpina L., Norvegica L. (?) 

IV. Comarum. Potentilla palustris Scop. {Comarum L.). 
V. Quin quefolium. 

a) Laterales (alle von Neilreich, Flora von Niederösterreich, unter 
L Rotte, §. 4 aufgeführten Arten). 

b) Terminales: Potentilla argentea L., canescens Bess., recta L. 
VI. Chenopotentilla. Potentilla anserina L. 

VII. Tormentilla. Potentilla silvestris Neck. {Tormentilla erectaL.'^), 
reptans L. 

üebrigens ist auch diese Eintheilung, wie Focke selbst sagt, „noch in 
vieler Beziehung unvollkommen"; ich hielt es aber nicht für überflüssig, auf 
dieselbe aufmerksam zu machen. 

Hierauf sprach Herr Dr. M. Kronfeld „Ueber Dicho- 
typie". 

Nach Vorführung einer Reihe lehrreicher Beispiele von Dichotypie aus 
der namentlich in horticolen Schriften (so Gardener's Chronicle) vorfiudlichen 
Literatur, schilderte der Vortragende einen Fall seiner eigenen Beobachtung. 
Ein Topfexemplar von Zantedeschia aethiopica (L.) Spreng. (== Bichardia afri- 
cana Kunth) war bis auf den Boden zurückgeschnitten worden und trieb hierauf 
nebst normalen pfeilförmigen Blättern ein solches von der Gestalt eines Canna- 
Blattes, wie es analog auch bei einigen Aroideen, so Culcasia scandens P. Beauv. 
(cf. Engler in Natürl. Pflanzenfam.. II, 3, Fig. 74 fi) vorkommt. 

Je nachdem die Dichotypie, deren Begriff von W. 0. Focke 1868^) auf- 
gestellt wurde, an den Blüthen, Früchten oder vegetativen Sprossungen in Er- 
scheinung tritt, unterscheidet der Vortragende: 1. Die heteranthische, 2. die 
heterocarpische und 3. die heterocor mische Dichotypie, um einen 
TJeberblick der zahlreichen hiehergehörigen Fälle zu ermöglichen. Wo der 
Nachweis spontaner oder künstlich veranlasster Kreuzung fehlt, dort wird die 



M Abhandlungen des naturwissenschaftlichen Vereins in Bremen, Bd. X, S. 413. 
2) Focke ist gegen den Namen Poientilla erecfa (L. sub Tormentilla), welchen Zimmeter 
anwendet, weil derselbe zu Verwechslungen mit Potentilla recta L. führen könnte. 
») Oesterr. botan. Zeitschr., 1868, S. 139 ff. 

I* 



66 



Versammlung am 5. Juni 1889. 



Unterscheidung der Dichotypie von dem als Knospenvariation bekannten Phäno- 
men zu einer schwierigen. So betrachtet Räthay^) alle Fälle, in denen ver- 
schiedenfarbige Beeren in einer Traube wahrgenommen wurden, für Knospen- 
variationen, während wenigstens einige derselben in die Rubrik der hetero- 
carpischen Dichotypie gehören dürften. 

Hieran knüpfte der Verfasser theoretische Bemerkungen über pflanzliche 
Bastardirung überhaupt. Man ist gewohnt, im Bastarde ein Durchmischungs- 
product der Eltern zu erblicken; die Dichotypie aber zeigt, dass in der Keim- 
zelle — als dem ersten sexuellen Ergebnisse — förmlich eine Polarität des 
Plasmas besteht, die an entfernter Stelle des heranwachsenden Organismus zur 
gelegentlichen Aeusserung kommen kann. 

Herr Dr. Eugen v. Haläcsy zeigte Viola Adriatica Freyn 
und einen neuen Bastard: Viola Eichenfeldii Hai. (Adriatica X 
scotophylla) , gesammelt von M. Heider auf der Insel Lussin. 
(Vergl. Oesterr. botan. Zeitschr., 1889, S. 181.) 

Zum Schlüsse demonstrirte Herr Dr. Richard v. Wettstein 
die von C. Gerhardt construirte Mikroskopirlampe und besprach 
deren eminente Vorzüge, sowie einige unwesentliche Mängel der- 
selben. 



Versammlung am 5. Juni 1889. 

Vorsitzender: Herr Dr. Franz Ostermeyer. 



Neu eingetretenes Mitglied: 

Als Mitglied bezeichnet durch 
P- T- Herr % T. Herren 

Paulic Josef, k. Finanzsecretär, Karlstadt . Dr. Carl Fritsch, Ludwig Rossi. 



Anschluss zum Schriftentausch. 

Gent: Kruidkundig Genootschap „Dodonaea". 
Siena: R. Accademia dei Fisiocritici. 



1) Die GescMeclitsverliältnißse der Reben, S. 106 ff. 



Versammlung am 5. Juni 1889. 



67 



Eingesendete Gegenstände : 

1 Exemplar von Waldsteinia ternata (Steph.) von Herrn G. Höfner. 
1 Gelege (2 Eier) von Astur palumbarius Bechst. 



Herr Custos Dr. Gr. Ritter v. Beck hielt einen Vortrag: 
„Ueber die Obstsorten der M alay enländer". 

Der Vortragende besprach und deraonstrirte zunächst die interessante 
Frucht von Durio zibetJiinus L. (Duriau), ferner die von Garcinia Mangostana Ii. 
(Mangostan), von Mangifera indica L. (Mango) und von Citrus decumana L. 
als charakteristisch für das malayische Gebiet. Ausserdem fanden die Früchte 
der in den Tropen allgemein cultivirten Obstbäume, wie die des Melonenbaumes 
[Carica Papaya L.), die von Änona squamosa L., die Cocosnuss, Banane, Ana- 
nas und Brotfrucht Erwähnung. 



Herr Secretär Dr. Carl Fritsch legte folgende eingelaufene 
Manuscripte vor: 

Simon E.: „Transcaspische Arachniden". (Siehe Abhand- 
lungen, ni. Quartal.) 

Stockmajer S.: „Beiträge zur Pilzflora Niederösterreichs". 
(Siehe Abhandlungen, HI. Quartal.) 

Botanischer Discussionsabend am 17. Mai 1889. 

Herr Dr. Otto Stapf hielt einen Vortrag: „Ueber die 
Muscari-Arten aus der Section Botryanthus''^ . 

Herr Dr. M. R. v. Eichenfeld besprach und denaonstrirte 
nachfolgende Pflanzen, welche sämmtlich auf einer zwei Stunden 
von Judenburg in Steiermark liegenden Voralpenwiese der See- 
thaler Alpen von ihm und dem Judenburger Floristen Herrn 
B. Przybylski, welcher diesen Standort entdeckt hat, gesam- 
melt worden waren. 

1. Euphrasia montana Jord., die sich durch spärliche Drüsen an 
den oberen Theilen, durch die aus dem Kelche herausragende Blumenkronen- 
röhre, kleine Blätter und lange Internodien charakterisirt. Die Blüthezeit dieser 
Pflanze fällt in den Monat Juni. 



Versarnmlung am 5, Juni 1889. 



2. Cirsium pauciflorum Spv., welches sich auf der erwähnten Wiese 
in grösserer Anzahl findet; diese Pflanze wurde auch, etwa drei Stunden von 
diesem Standorte entfernt, in der Nähe der ungefähr 1700—1800 m hoch 
gelegenen Winterleiten-Seen von Herrn Przybylski in grösserer Anzahl auf- 
gefunden. 

3. Cirsium JuratzTcae Reichardt (= Cirsium paucißorum X hetero- 
l)hyllum). Von dieser Hybriden existiren zwei Hauptformen, nämlich eine solche 
mit fast ganzrandigen, dann eine mit fiederspaltigen bis fiedertheiligen Blättern, 
welche wohl auf das Vorkommen der einen Mutterpflanze, des Cirsium hetero- 
phyllum All., sowohl mit ganzrandigen als auch mit getheilten Blättern zurück- 
zuführen sind. In der Regel stehen die Blätter der Hybriden zwischen denen 
der Eltern in der Mitte; doch finden sich an zwei vorgezeigten Exemplaren so- 
wohl Blätter von der Gestalt derer des Cirsium pauciflorum, als auch derer 
von Cirsium heterophyllum. 

4. Cirsium Heichardti JurOjtzkd. {= Cirsium pauciflorum X palustre) 
in mehreren, theils dem Cirsium pauciflorum, theils dem Cirsium palustre näher 
stehenden Exemplaren. 

5. Cirsium S co p olianum ^chlz.-B'nß. (= Cirsium pauciflorum X erisi- 
thales). Der Vortragende führte an, dass die Farbe der Blüthen — ein mattes 
Orange bis Mennigroth — als das richtige Ergebniss der Vermischung der 
Blüthenfarbe der Eltern erscheint. 

6. Cirsium Frzyhylskii Eichenfeld in der Oesterr. botan. Zeitschrift, 
XXXVII, S. 377 (= Cirsium oleraceum X pauciflorum). Von dieser seltenen 
Pflanze wurden zwei Exemplare vorgezeigt, von welchen das eine dem Cirsium 
pauciflorum Spr., das andere dem Cirsium oleraceum Scop., und zwar der Form 
mit fiedertheiligen Blättern näher steht. 

7. (ein muthmasslicher) Tripelbastard, wahrscheinlich Cirsium pauci- 
florum X erisithales X oleraceum. 

8. Cirsium Wankeiii Reichardt (= Cirsium heterophyllum X palustre) 
in zwei Formen, welche gleichfalls auf die beiden oben erwähnten Formen der 
einen Mutterpflanze, des Cirsium heterophyllum All., zurückzuführen sind. Auch 
charakterisirt sich die Form mit fiedertheiligen Blättern durch das geringe 
Herablaufen der Blätter und die grossen Blüthenköpfe als Cirsium super hetero- 
phyllum X palustre. 

9. Cirsium Tappeineri Uh. (= Cirsium heterophyllum X erisithales), 
sowohl die Form mit gelappten, als auch die mit fiederspaltigen Blättern. 

10. Cirsium Huteri Treuinfels (= Cirsium heterophyllum X palustre), 
und zwar die der letzteren Pflanze näher stehende Form. 

11. Cirsium affine Tausch (= Cirsium oleraceum X heterophyllum). 

12. Cirsium heterophyllum All., und zwar ein grosses Exemplar mit 
fein zerth eilten Blättern. 



Carl Fritsch. 



69 



Hierauf machte Herr Dr. Carl Fritsch Mittheilung von 
der Auffindung der Waldsteinia ternata (Stcph.) inner- 
halb des deutschen Florengebictes. 

Herr Gabriel Höfuer iu Wolfsberg (Kärnten) sandte vor Kurzem an die 
Gesellschaft ein lebendes Exemplar einer am Fusse der Koralpe gesammelten 
Pflanze, mit der Bitte, dieselbe zu bestimmen. Die Pflanze erwies sich als 
identisch mit derjenigen, welche Koch aus Siebenbürgen unter dem Namen 
Waldsteinia trifoUa (Kochel) beschrieben hatte. Bei strenger Durchführung 
des Prioritätsgesetzes muss jedoch dieser Name geändert werden. Schon im 
Jahre 1806 beschrieb Stephan^) diese Pflanze in ausführlicher Weise unter 
dem Namen Daliharda ttrnata; die beigegebene Abbildung ist sehr gut und 
schliesst jeden Zweifel über die Identität aus. In der Beschreibung heisst es 
zwar: ^petala . . . alba", was aber leicht erklärlich ist, da Stephan die Pflanze 
(gesammelt von Laxmann und Sievers iu Sibirien) jedenfalls nur getrocliuet 
gesehen hat. Die Pflanze hat also fortan den Namen Waldsteinia ternata 
zu führen. Waldsteinia Sibirica Tratt. und Comaropsis Sibirica DC. gehören 
dazu als Synonyme. Bedeutend später, 1839, beschrieb sie Koch^) aus Sieben- 
bürgen als Waldsteinia trifoUa, unter welchem Namen sie ihm Kochel zu- 
gesendet hatte. 

Die Gattung Waldsteinia besteht aus vier Arten, von denen zwei {Wald- 
steinia geoides Willd.^) und lobata [Baldw.] Torr, et Gray) ungetheilte, zwei 
dreischuittige Blätter haben {Waldstei^iia ternata [Steph.] Fritsch und Wald- 
steinia fragarioides [Michx.] Tratt.). Hievon wachsen Waldsteinia lobata und 
fragarioides iu Nordamerika, die beiden anderen in der alten Welt. Wald- 
steinia geoides ist von Galizien bis in die Krim verbreitet, während Waldsteinia 
ternata eine viel weitere, sehr interessante Verbreitung aufweist. Das östlichste 
Vorkommen dieser Art (in einer zarten Form) ist Japan; fernerwächst sie im 
östlichen Sibirien, in Siebenbürgen (bei Kronstadt) und in Kärnten. Dieses 
sporadische Vorkommen weist darauf hin, dass wir es mit einer im Aussterben 
begriffenen Art zu thun haben, welche sich nur an einzelnen Punkten eines 
ehemals sehr weiten Verbreitungsbezirkes bis heute erhalten hat. Wir können 
übrigens von der Gattung W^aldsteinia überhaupt dasselbe behaupten und an- 
nehmen, dass dieselbe einer weiteren Eutwickelung und Gliederung nicht mehr 
fähig ist. Die beiden amerikanischen Arten sind mit den europäischen paar- 
weise so nahe verwandt, dass eine Vereinigung von. Waldsteinia lobata mit 
geoides einerseits, von fragarioides mit ternata andererseits kaum einen grossen 
Fehlgriff involviren dürfte. 

') Memoires de la Societe imperiale des Naturalistes de Moscou, Vol. I, p. 92, Tab. X. 
») Linnaea, XIII, p. 337, Tab. VI. 

») Bei Pocke (Natürl. Pflanzenfam, von Engler und Prantl, Lief. 21, S. 36) sind die 
Blätter dieser Art — wohl in Folge eines Schreib- oder Druckfehlers — als 3— 5 zählig bezeichnet. 
*) Focke, a. a. 0. 



70 



Versammlung am 5. Juni 1889. 



Was das Vorkommen von Waldsteinia ternata in Kärnten anbelangt, so 
schreibt Herr Höf n er darüber Folgendes: „Ich finde die Pflanze an einem Berg- 
abhange am Fusse der Koralpe, wo sie an sonnigen, mit Calluna bewachsenen 
Stellen an Glimmersteinen und um dieselben herum nicht gerade selten wächst. 
Die Ausläufer sind oft einen halben Meter lang und die an den Glimmersteinen 
haftenden Wurzeln zwängen sich Saxifraga-sn'tig in die Steinspalten hinein. 
Der Standort ist auf einige hundert Quadratmeter beschränkt. — Blüthezeit 
ist Ende April und Anfangs Mai." ^) Später theilte mir Herr Höf n er noch mit, 
dass er mehrere Exemplare dieser Pflanze an einen zweiten Standort übersetzt 
habe, damit sie sicher noch länger dort erhalten bleibt. 

Durch diesen Fund Höfner's ist also die Anzahl der aus Kärnten, sowie 
aus Cisleitbanien und dem ganzen deutschen Gebiete überhaupt bekannten 
Pflanzengattungen um eine vermehrt worden. 



i) Aus der frühen Blüthezeit erklärt es sich wohl, dass die Pflanze von allen Botanikern, 
welche die Koralpe besuchten, bisher übersehen wurde. 



71 



Versammlung am 3. Juli 1889. 

Vorsitzender: Herr Dr. Franz Ostermeyer. 



Herr Secretär Dr. Carl F ritsch legte folgende eingelaufene 
Manuscripte vor: 

Burger stein Dr. A.: „Materialien zu einer Monographie, 
betreffend die Erscheinungen der Transpiration der Pflanzen. II." 
(Siehe Abhandlungen, Seite 399). 

Schaufler B.: „Beiträge zur Kenntniss der Chilopoden". 
(Siehe Abhandlungen, Seite 465.) 

Wiemann A.: ^^Saxifraga Braunii nov. hybr.". (Siehe Ab- 
handlungen, Seite 479.) 

Herr Dr. Carl Fritsch sprach „Ueber ein neues hybri- 
des Verhascum''^. 

Als ich im August 1888, vom Lungau über den Katschberg kommend, 
im Lieserthale abwärts wanderte, fiel mir dort die grosse Menge von Verbascum- 
Exemplaren auf. Es waren im Ganzen fünf Arten zahlreich vertreten. Schon 
am Südabhange des Katschberges traf ich Verhascum Thapsus L.; hinter Reun- 
weg begannen Verbascum Lychnitis L. und Verbascum nigrum L, aufzutreten; 
zu diesen gesellte sich bald (zwischen St. Nicola und Eisentratten) auch Ver- 
bascum austriacum Schott. Bei Gmünd, wo das Maltathal einmündet, trat noch 
besonders häufig Verbascum thapsiforme Schrad. hinzu (auch schon bei Eisen- 
tratten), während Verbascum nigrum L. dort seltener wurde. 

Bei der bekannten Neigung der Verbascum -Arten zur Bildung von Misch- 
lingen war hier das Auftreten verschiedener Bastarde zu erwarten. Zu meiner 
üeberraschung fand ich sogar einen Mischling, der meines Wissens bisher noch 
nie im Freien beobachtet wurde, nämlich ein zweifelloses Kreuzungsproduct von 
Verbascum austriacum Schott und Verbascum thapsiforme Schrad. Ich gebe 
zunächst eine kurze Diagnose dieser neuen Pflanze. 

Verbascum Carinthiacum nov. hybr. 
[Verbascuin austriacum Schott X thapsiforme Schrad.) 

Planta lidbitu Verbasci thapsiformis Schrad., a quo differt inßores- 
centia basi ramosa, indumento minus denso, foliis breviter tantum decur- 

Z. B. Ges. B. XXXIX. Sitz.-Ber. K 



72 



Versammlung am S. Juli 1889. 



rentibus,^) corollae (paulo tantum, minoris) lobis angustioribus, stamini- 
bus Omnibus purpureo-lanatis (brevioribus apice albo-lanatis) , antheris 
staminum longiorum brevissime decurrentibus. A Verbasco austriaco Schott 
longe discrepat toto habitu, foliis decurrentibus, corollis multo majoribus, an- 
theris staminum longiorum oblique insertis.'^) Simile Verbascum 
Danubiale SimJc. (austriacum Schott X phlomoides L.) differt foliis non de- 
currentibus aliisque notis; Verbascum aduUerinum Koch (nigrum L. X thapsi- 
forme Schrad.) differt inflorescentia elongata vix ramosa, foliorum forma, 
pedicellis longioribus etc. 

Hab. rarissime inter parentes; adhuc tantum in Carinthia prope 
Gmünd (ipse). 

Bekanntlich wird unser Verbascum austriacum Schott im südwestlichen 
Europa durch Verbascum Chaixii Vill. vertreten, welches sich namentlich durch 
die fast leierförmige Gestalt der unteren Blätter auszeichnet. In Frankreich 
wurde auch der dem Verbascum Carinthiacum sicher ähnliche Bastard Verbas- 
cum Chaixii Vill. X thapsiforme Schrad. bereits beobachtet. 3) Der Bastard 
Verbascum austriacum Schott X thapsiforme Schrad. wurde zwar von Gärtner 
künstlich erzeugt, 3) aber bisher weder mit einem einfachen Namen bezeichnet, 
noch spontan beobachtet; wenigstens fand ich in der Literatur darüber nirgends 
eine Angabe. 

Im Herbare des Hofmuseums befindet sich ein von Reichardt im Malta- 
thale (also unweit Gmünd) gesammeltes Exemplar, welches von demselben als 
Verbascum austriacum X phlomoides gedeutet wurde. Da die Blätter jedoch 
etwas am Stengel herablaufen, so dürfte wohl Verbascum thapsiforme Schrad. 
(welches ja früher, z. B. von Neilreich, nicht scharf von Verbascum phlomoi- 
des L. unterschieden wurde) die eine Starampflanze sein, um so mehr, als ich 
Verbascum phlomoides L. in der Umgegend Gmünds nirgends antraf.^) Jedoch 
sind bei dem Reichardt'schen Exemplar die Blüthen bedeutend kleiner und 
die Wolle der Filamente erscheint gegenwärtig gar nicht röthlich, dürfte aber 
ursprünglich doch purpurn gewesen sein, sonst hätte Reichardt doch sicher- 
lich nicht die Pflanze als Verbascum austriacum X phlomoides {„phlomoidi- 
orientaJe" Neilr.) bezeichnet. Nichts desto weniger kann ich Reichardt 's Pflanze 



1) Bei Gmünd traf ich auch. Exemplare des Verbascum thapsiforme Schrad., hei denen die 
Blätter nur ein Stück weit am Stengel herahliefen, die aher gleichwohl mit Verbascum phlomoides L. 
nichts zu thun hatten. Es ist wohl üherhaupt nöthig, zur Unterscheidung dieser heiden Arten 
auch andere Merkmale heranzuziehen. 

*) Franchet hat meines Wissens zuerst darauf hingewiesen, dass die Insertion der An- 
theren an den längeren Staubfäden der Verbascum -Arten ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal 
ahgibt. Für die Section Thapsus ist die schiefe Insertion dieser Antheren wohl allgemein hekannt; 
sie kommt aher auch dem Formenkreise des Verbascum Blatiaria L. zu. Namentlich zur Erkennung 
der Bastarde leistet dieses Merkmal in Verbindung mit der Farbe der die Filamente bekleidenden 
Wolle vortreffliche Dienste. 

3) Focke, Die Pflanzenmischlinge, S. 301. 

") Auch im Lande Salzburg ist Verbascum thapsiforme Schrad. in den Gebirgsthälern 
gemein, während Verbascum phlomoides L. fast nur im Flachlande vorl<ommt. 



Otto Stapf. 



73 



doch nicht ohue Weiteres mit der vou mir gefuiideiieu ideiitificiren, da die letztere 
dem Verbascum thapsiforme Sclirad. näher steht, während erstere mehr zu 
Verhascuin austriacum Scliott hinneigt. 



Hierauf hielt Herr Dr. Otto Stapf einen Vortrag unter 
dem Titel: „Die Arten der Gattung Adonis^'. 

Die Gattung Ädonis umfasst drei Formenkreise höherer Ordnung, deren 
Glieder einander so nahe stehen, dass ihr Zusammenliang ein fast lückenloser 
ist. Die ersten zwei gruppiren sich um Adonis vernalis, beziehungsweise Ädonis 
pyrenaicus. Sie bilden zusammen die Candolle'sche Section Consiligo. Der 
dritte umfasst die annuellen Formen, die Section Adonia. 

Innerhalb des ersten Formenkreises sind bisher die Arten: Adonis ver- 
nalis, wolgensis und amurensis unterschieden worden. Von diesen sind vernalis 
und lüolgensis durch Zwischenformen lückenlos verbunden und das Verbreitungs- 
gebiet des letzteren fällt ungefähr in den östlichen Abschnitt desjenigen des 
erstereu. Adonis amurensis schliesst sich an beide Formen ost- und südost- 
wärts an. Er steht übrigens dem wolgensis, von welchem er hauptsächlich 
durch den Mangel der Behaarung der Kelchblätter verschieden ist, allem An- 
scheine nach sehr nahe, ja näher als beispielsweise extreme Formen des wolgensis 
solchen des vernalis. 

Der zweite Formenkreis umfasst die gewöhnlich als Arten aufgeführten 
Formen: Adonis pyrenaicus, cylleneus, distortus und chrysocyathus. Von diesen 
stehen sich pyrenaicus und cylleneus so nahe, dass sie überhaupt nicht mit Sicher- 
heit unterschieden werden können. Ihnen zunächst kommt chrysocyathus, dann 
folgt, durch Anpassung an den alpinen Standort erheblich modificirt, distortus. 

Der dritte Formenkreis ist endlich der weitaus am reichsten gegliederte. 
Er begreift eine grosse Zahl von Formen in sich, welche in ihren Extremen 
mitunter weit von einander abstehen, im Uebrigen aber ausnahmslos durch 
Zwischenformen, und zwar in verschiedenen Richtungen mit einander verknüpft 
sind. Vernachlässigt man diese Zwischenformen und stellt man nur die über 
einem ausgedehnteren Gebiet einheiilich entwickelten Sippen nach ihren näheren 
oder weiteren verwandtschaftlichen Beziehungen zusammen, so erhält man etwa 
folgendes Schema: 

I.Formen mit dicht gestellten 
Früchten und kämm-, zahn- oder 
höckerartigen Vorsprüngen am oberen 
Rande ihrer gegenseitigen Berührungs- 
flächen: Cristati. 
Äleppicus — intermedius. 

aestivalis s. str. 



microcarpus. 
dentatus. 



II. Formen mit locker gestel Iten 
Früchten (daher die Spindel zwischen 
den Früchten meist sichtbar), diese 
an den Seiten gleichmässig gewölbt, 
dem Gefäs.sbündelverlauf entsprechend 
runzelig oder grubignetzig: Inermes. 
flammeus. 
autumnalis. 
parviflorus. 



74 



Versammlung am 3, Juli 1889. 



Von diesen Sippen zeigt dentatus abermals eine Gliederung in zwei 
territorial getrennte Formen, eine nordafrikanische und eine persische, welch 
letztere sich durch kleinere und weniger höckerige Früchte unterscheidet, und 
ebenso flmnmeus und autumnalis, indem im Osten (Caucasus, Armenien, Nord- 
persien) stark behaarte Formen des flammeus {Adonis caudatus Stev.) überhand 
nehmen oder ausschliesslich vorherrschen, und im westlichen Theile der Mittel- 
meerländer der Adonis autumnalis sich im Allgemeinen durch grössere Früchte 
auszeichnet. 

Alle übrigen hier nicht näher aufzuführenden, als Arten oder Varietäten 
beschriebenen Formen der Section Adonia fallen als Synonyme unter eine der 
angegebenen Sippen. Wir haben demnach als durch Lückenbildung von einander 
getrennte Formeukreise die folgenden zu unterscheiden: 



1. vernalis, 

2. amurensis, 

3. pyrenaieus, 



4. chrysocyathus, 

5. distortus, 

6. die Section Adonia. 



Es ist augenfällig, dass die auf diese Weise umgrenzten Formenkreise 
von dem verschiedensten systematischen Werthe sind. 

Versucht man dagegen ohne Kücksichtnahme darauf die unterschiedenen 
Formen nach ihrer grösseren oder geringeren natürlichen Verwandtschaft in Sippen 
von successive höherem Range einzureihen, so ergibt sich folgendes Schema:^) 



I 



II 



III 



IV 



ilonii I 



Aquilo 



Äustrales • 



Annui { 



vernalis 
ruthenicus 



■ { 



pyrenaieus 

distortus 

chrysocyathus 



cristatus * 



ivolgensis 
amurensis 



Äleppicus 



aestivalis (s. 
ampl.) 



flammeus 

autumnalis 
parviflorus (?) 



intermedius 

segetalis* 
{= aestiva- 
lis s. str.) 

7nicrocarpus 

dentatus 



Africanus * 
Persicus 
eu-flammeus * 
caudatus 
baeticus 
eu-autumnalis '' 



^) Die mit einem bezeichneten Namen sind neu eingeführt. 



Otto Stupf. 



75 



Welcher von diesen Wertbstufeii nun der Artniug zuerkannt werden soll, 
uder üb mau nicht überhaupt die in den Stufen II, III und IV aufgeführten 
Fornienkreise (vernalis, wolgensis, amurensis, pyrenaicus, distortus, chryso- 
cyathus, aleppicus, intermedius, segetalis, microcarpus, dentatus, flammeus, 
autuinnalis, parviflorus) trotz ihrer verschiedenen Werthigkeit in einer Reihe 
als Arten aufführen soll, was so ziemlich der bisherigen Uebung entsprechen 
würde, das ist lediglich eine Frage der Opportunität, die je nach dem Stand- 
punkte, den man einnimmt, verschieden beantwortet werden wird, sowie es ja 
auch andererseits klar ist, dass mit den aufgeführten Formen noch lange nicht 
die Zahl der unterscheidbaren Formen erschöpft ist. Dafür gibt es überhaupt 
kaum eine andere Grenze, als das Unterscheiduugsvermögen des Einzelnen, da 
ja die Natur schliesslich nur Individuen schafft und zwischen diesen ver- 
wandtschaftliche Beziehungen in allen nur denkbaren Graden bestehen, von 
welchen wir nur jene herausheben, durch welche uns die Begrenzung mehr oder 
weniger grosser und mehr oder weniger einheitlich organisirter Individuen- 
coniplexe bedingt erscheint. Arten als in der Natur gegebene systematische 
Einheiten gibt es nicht. 

üeber die Beständigkeit der Merkmale in der Nachkommenschaft inner- 
halb dieser Sippen und über Kreuzungen- und deren Erfolge liegen so gut wie 
keine experimentell begründeten Angaben vor. Die Versuche Hoffmann's mit 
Adonis aestivalis f. citrinus beweisen nur, dass in einzelnen Fällen selbst ein 
so untergeordnetes Merkmal, wie die Blüthenfarbe bei Adonis aestivalis es ist, 
sich mit merkwürdiger Zähigkeit viele Generationen hindurch behaupten kann. 
Andererseits zeigen aber die zahlreichen Zwischenformen in der Section Adonia, 
die gerade in den Mediterranländern, der eigentlichen Heimat der hierher ge- 
hörigen Formen, auftreten, und zwar auch dort, wo es an Gelegenheit zu 
Kreuzungsbildungen fehlt, dass die Beständigkeit der Formen in der Nach- 
kommenschaft keine absolute ist, und dass gerade die hieb er gehörigen Sippen 
lieute noch in lebendiger Entwicklung und Umbildung begriffen sind, wie sie 
auch allem Anscheine nach die jüngsten sind, während die Formen der Australes 
uns als der letzte Rest eines einst weit verbreiteten und wahrscheinlich nicht 
weniger reich gegliederten Stammes erscheinen. Die Aquilonii endlich sind 
offenbar im Westen des eurasischen Continentes im Zurückweichen begriffen. 
Dafür sprechen die zahlreichen Inseln, welche der westlichen Grenze ihres 
zusammenhängenden Verbreitungsgebietes in weitem Bogen von Spanien bis 
Gothland vorliegen und die Thatsache, dass Adonis vernalis gerade hier mit 
anderen Florenrelicten und Faunenresteu aus einer alten Steppenperiode zu- 
sammentrifft, eine Erscheinung, die verständlich wird, wenn man damit eine 
Regenkarte Europas in Vergleich zieht und z. B. den Verlauf der Curve für 
40—45 mm Niederschlagsmenge ins Auge fasst. Die Inseln der Adonis vernalis 
im Westen ihres Gebietes fallen durchaus in von jener Curve umschlossene 
Landstriche. 



76 



Versammlung am 3. Juli 1889. 



Schliesslich legte Herr Custos Alois Rogenhofer die 
Diagnose eines neuen Tagfalters der Nj mphaliden -Gruppe 
aus Ostafrika vor. 

Catuna (Kirby, Jaera Hüb.) Sikorana n. sp. 

Älae anticae supra ut in Catuna Crithea Dr. sed multo ohscuriores, 
cum tribus maculis nigris in cellula mediana, vitta alba subapicali (circa 
2 mm lata) ramum tertium attingente, duobus maculis in cellulis 3 et 4 leniter 
albo-marginatis, 

Alae posticae ad radicem nigrae, posterius brunneo-nigrae, cum fascia 
horizontali angulum internum versus acute attenuata, usque ad marginem 
obscurum intra cellulam 4 — 6 dilatata, ochracea. 

S übt US alae anticae pallidiores quam in Crithea, fascia alba expressa, 
maculis in mediana stricte nigro-cinctis ; alae posticae aequaliter pallide 
ocliraceo-albae, cum striga brunnea mediana, puncto nigro in medio. 

Frons pallide grisea, palpi albidi cum apice obscuro; corpus supra 
nigrescens, subtus albidutn; pedes pallide ochracei. 

Patria: Africa orientalis, Usagara. — Mus. caes. 

Eine Entdeckung des österreichischen Reisenden Herrn Fr. Sikora. 

Die Art unterscheidet sich von Catuna Crithea Dr. ausser der auffallenden 
weissen Querbinde der Vorderflügel namentlich durch die Kürze und Breite der 
Flügel, sowie den fast geraden, nicht gewellten Saum der Hiuterflügel. 

Die Breite des Vorderflügels, in der Mitte gemessen, beträgt bei der neuen 
Art 15 mm, bei Crithea 11 mm; jene des Hinterflügels bei Sikorana 22 mm, bei 
Crithea kaum 19 mm. 

Ferner besprach der Vortragende das erst kürzlich von 
Prof. Eimer erschienene Werk über die Artbildung und Ver- 
v^andtschaft bei den Schmetterlingen etc. der Segelfalter ähn- 
lichen Formen der Gattung Papüio, das von einem hübschen 
Atlas begleitet ist. Es enthält eine Fülle anregender Beobach- 
tungen, namentlich über die Local- und Zeitracen; nur dürfte 
dem Autor verhältnissmässig geringes Material vorgelegen haben. 

Weiters erwähnt derselbe die Ende Mai und Anfang Juni 
eingelaufenen Berichte über die Verwüstungen durch Blattkäfer- 
larven von Lema nielanojpa L., welche in Ungarn und im südlichen 
Mähren bei Znaim an Cerealien, namentlich Arena, beobachtet 
wurden. 



77 



Versammlung am 2. October 1889. 

Vorsitzender: Herr Dr. Franz Ostermeyer. 



Neu eingetretene Mitglieder: 

Als Mitglied bezeichnet durch 

P Herr 

Goldschmidt Theodor R. v., k. k. Baurath, 

Civil-Ingenieur, Wien, I., Nibelungeng. '7 Durch den Ausschuss. 
Lebzelter Ferd., k. k. Polizei- Comraissär, 

Wien, III, Reunweg 12 Carl Kurz, Dr. R. v. Wettstein. 

Singer, Dr. Max, approb. Mittelschullehrer 

u. Schriftsteller, Wien, IL, Weintraubeng. 9 Dr. H. Molisch, Dr. Th.v.Weinzierl. 



Anschluss zum Schriftentausch. 

Acireale (Sicilien): Societä Italiana dei Microscopisti. 
Porto (Portugal): Sociedade Carlos Ribeiro. 



Eingesendete Gegenstände : 

13 Fascikel Pflanzen von Herrn Prof. Dr. Robert Latzel. 

7 Exemplare von Salamandra maculata von Herrn Dr. L. v. Lorenz. 



Herr Gustos Dr. Emilv. Marenzelle r hielt einen Vortrag 
„Ueber die wissenschaftlichen Unternehmungen des 
Fürsten Albert 1. von Monaco in den Jahren 1885—1888". 
(Siehe Abhandlungen, Seite 627.) 



Z, B. Ges. B. XXXIX. Sitz.-Ber. 



L 



78 



Versammlung am 2. October 1889. 



Hierauf besprach Herr Hugo Zukal eine neue, niedrig 
organisirte Flechte, die er Epigloea hactrospora nennt. 

Er fand dieselbe bei Haslach in Oberösterreich in der Form einer grünlichen, 
gallertigen Masse auf Sphagnen und anderen Moosen. Die Gallertmasse be- 
stand hauptsächlich aus einer Alge, und zwar aus Palmella botryoides Kg. var. 
heteroSpora Rbh. 

An vielen Stellen war die Gallertmasse mit den Perithecien einer sehr 
dünnwandigen Sphaeriacee besetzt. An diesen Stellen zeigte sich aber auch 
der Thallus der Alge eine gewisse Strecke weit von einem sehr zarten, von den 
Perithecien ausgehenden Mycel durchzogen, und zwar dergestalt, dass zu jeder 
einzelnen Algenzelle ein eigener Mycelast abzweigt, der aber nicht in die Algen- 
zelle eindringt, sondern sich nur an dieselbe anlegt. 

Die Algenzellen scheinen durch die Berührung mit den Mycelzweigen in 
ihrer Vegetation nicht im mindesten gestört, sondern im Gegentheil zu einer 
lebhaften Vermehrung angeregt zu werden. 

In Folge dieses symbiotischen Verhältnisses hält der Vortragende das 
besprochene Gebilde für eine Brechte, behält sich aber die Mittheilung der 
Diagnose und anderer Details für die nächste Zukunft vor. 



Herr Custos A. Rogenhofe r sprach über den Character 
der Lepidopterenfauna von Madagaskar, den er durch 
Vorzeigen eigenthümlicher Arten, wie Epicausis Smitliii Mb., Deile- 
phila higuttata, Bothia mrguncula, Ahisara Tepalii des Weiteren 
erörterte. Er wies darauf hin, dass die Fauna im Grossen und 
Ganzen, mit verhältnissmässig wenigen Ausnahmen, sich mehr dem 
indo-malayischen Gebiete anschliesst, als jener des afrikanischen 
Festlandes und eines entschieden höheren Alters zu sein scheint, 
als jene des schwarzen Welttheiles. 



Schliesslich legte Herr Secretär Dr. Carl F ritsch folgende 
eingelaufene Manuscripte vor: 

Flach Carl: „Bestimmungstabelle der Trichopterygidae des 
europäischen Faunengebietes". (Siehe Abhandlungen, Seite 481.) 

Low Dr. Franz: „Die in den taschenförmigen Gallen der 
Prunus -Bl'ätter lebenden Gallmücken und die Cecidomyia foUorum 
H. Lw.". (Siehe Abhandlungen, Seite 535.) 



Versammlung am (n. November 1880. 



79 



Nonfried A. F.: „Beschreibung einiger neuer Käfer". 
(Siehe Abhandlungen, Seite 533.) 

Pokorny Emanuel: „(IV.) Beitrag zur Dipterenfauna 
Tirols." (Siehe Abhandlungen, S. 543.) 



Versammlimg- am 6. November 1889. 

Vorsitzender: Herr Dr. Franz Ostermeyer. 



Neu eingetretenes Mitglied: 

Als Mitglied bezeichnet durch 
^- P. T. HerreQ 

Mehely Ludwig v., Lehrer an der Staats- 

Oberrealschule in Kronstadt . . . . •. Dr.A.v.Mojsisovics, Dr. H. Molisch. 



Anschluss zum Schriftentausch : 

Lille: Revue biologique du Nord de la France. 
Siena: Revista Italiaua di scienze naturali. 



Eingesendete Gegenstände : 

25 Stück Erdsalamauder von Herrn Anton Handlirscb. 
1 Glas Reptilien und Käfer, ferner 1 Fascikel Pflanzen von Herrn Dr. 
F. R essmann. 

17 Stück Reptilien und Amphibien, ferner 54 Stück Insecten von Herrn 
H. Schollmayer. 

Herr Secretär Dr. L. v. Lorenz theilte zunächst mit^ dass 
zu dem am 15. October gefeierten 50jährigen Priesterjubiläum 
Sr. Eminenz des Herrn Cardinais Dr. Ludwig Haynald von 
Seite der Gesellschaft ein Beglückwünschungs-Telegramm abge- 
sendet worden war und dass Se. Eminenz auf dasselbe mit einem 
huldvollen Dankschreiben geantwortet habe. 



80 



Versammlung am 6. November 1889. 



Herr Secretär Dr. Carl Fritsch legte folgende eingelaufene 
Maiiuscripte vor: 

Beck, Dr. Günther v.: „Zur Pilzflora Niederösterreichs. V." 
(Siehe Abhandlungen, Seite 593.) 

Bergh, Dr. R.: „Weitere Beiträge zur Kenntniss der Pleuio- 
phyllidien". (Siehe Abhandlungen, Band XL.) 

Fritsch, Dr. Carl: „Beiträge zur Flora von Salzburg. II." 
(Siehe Abhandlungen, Seite 575.) 



Hierauf hielt Herr Hofrath Dr. Carl Claus einen Vortrag 
„Ueber die Entwicklung der Sky phomedusen", in welchem 
er insbesondere auf die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen 
diesen Quallen und den Polypen hinwies. 



Die im Verlaufe der Sitzung vorgenommene Wahl von neun 
Ausschussräthen fiel auf folgende Herren: 



Bartsch Franz. 
Beck, Dr. Günther v. 
Fuchs Theodor. 
Grobben, Dr. Carl. 
Kolazy Josef. 



Müllner M. Ferdinand, 
Pelikan v. Plauenwald An- 
ton, Freiherr. 
Stapf, Dr. Otto. 
Wettstein, Dr. Richard v. 



Als Scrutatoren fungirten die Herren Victor Dolenz, Dr. 
Rudolf Raimann und Hugo Wintersteiner. 



Zum Schlüsse sprach Herr Dr. Theodor v. Weinzierl 
„Ueber die Methoden der Werthbestimmung der Handels- 
samen". 

Nach einer kurzen Darstellung des praktischen Werthes einer wissen- 
schaftlich exacten Samenprüfung hob der Vortragende als die hauptsächlichsten 
Momente der Werthbestinomung einer Saatwaare den Reinheitsgrad und die 
Keimfähigkeit hervor und zeigte an einem Beispiele, wie durch die bekannte 
Relation zwischen diesen beiden Eigenschaften der sogenannte Gebrauchswerth 
und damit der Handelswerth einer Samen art berechnet werden kann. 

Bei Sämereien, welche technischen und industriellen Zwecken dienen, wie 
bei den Mehlfrüchten und der Braugerste, kommen natürlicher Weise andere 



A. Rogenliofer. 



81 



Momente bei der Werthbestim miing iu Betracht. So z. B. das absolute Korn- 
gewicht, das Volumeiigewicht, der Spelzengehalt, die Beschalfenheit des Eudo- 
sperms etc. Hierauf besprach der Vortragende des Weiteren die Methoden der 
Reinheitsbestimmung durch Trennung der Fremdbestandtheile nach der Grösse 
und nach dem Gewichte mittelst eines von ihm ersonnenen Apparates, ferner die 
gegenwärtig in der Samen- Controlstation in Wien verwendeten Methoden zur Er- 
mittlung der Keimfähigkeit, des Mehligkeitsgrades und des Spelzengehaltes nach 
der von dem Vortragenden erfundenen Schlemmmethode. 

Nach Scliluss des Vortrages begab sich das Auditorium in 
die Localitäten der Samen-Controlstation und besichtigte die dort 
aufgestellten verschiedenen Objecto^ als: Verfälschungen von ver- 
schiedenen Klee- und Grassamen, den Präcisions Separator zur 
procentischen Bestimmung von spreuigen Beimengungen der Gras- 
samen und mehligen Futtermittel, die Thermostaten, in welchen 
die Keimversuche ausgeführt werden, den Spelzen -Abschlemm- 
apparat, das Farinatom zur Ermittlung der mehligen oder glasi- 
gen Beschaffenheit des Endosperms der Getreidekörner, einen 
Apparat zur Bestimmung des Hectolitergewichtes des Getreides, 
sowie die Sammlungen des Institutes. 



Zoologischer Discussionsabend am II. October 1889. 

Herr Gustos A. Rogenhofer sprach über M. Wagner's 
Migrationsgesetz der Organismen. 

Die erst kürzlich erschienenen gesammelten Aufsätze von Moriz Wagner 
unter dem Titel: Die Entstehung der Arten durch räumliche Sonderung, Basel, 
1889, gaben dem Vortragenden Anlass, auf die Wichtigkeit der Ansichten 
Wagner's hinzuweisen, die ja selbst Darwin und Haeckel gebührend an- 
erkannt haben. Auf ein weiteres Verdienst Wagner's macht Rogen hof er auf- 
merksam, welches darin besteht, dass er Leopold v. Buch 's bahnbrechende, aber 
leider in Vergessenheit gerathene Anschauung, die derselbe in seiner physi- 
kalischen Beschreibung der Canarischen Inseln aufstellt, wieder zu Ehren bringt. 
L. V. Buch hat 34 Jahre vor dem Erscheinen Darwin's: On the origin of species 
in kurzen aber bedeutsamen Worten dieselbe geistvolle Hypothese ausgesprochen. 

Hierauf sprach Herr Anton Handlirsch „Ueber die 
Lebensweise von Dolicliurus corniculus Spinola". 

Bei einem Ausfluge in der Nähe von Fitten an der Aspangbahn machte 
mich mein Bruder auf eine über den trockenen, sonnigen Weg laufende kleine, 



82 



Versammlung am 6. November 188!). 



schwarze Grabwespe aufmerksam, die ein im Vergleiche zu ihrem eigenen 
Körper sehr grosses, fast unbewegliches Insect schleppte. Ich wollte die Wespe 
fangen, doch sie entwich unter meinem Netze und Hess ihre Beute, eine kleine 
Blattidenart — Aphlebia punctata Charp. ') — , im Stiche, kam aber bald 
wieder mit der bekannten Dreistigkeit, welche die Grabwespen bei ihren Jagden 
zur Schau tragen, um die verlorene Beute, die ich wieder auf den Weg gelegt 
hatte, aufzusuchen. Dabei beging der Räuber die Unvorsichtigkeit, sich fangen 
zu lassen und ich sah zu meiner Ueberraschung, dass es ein Dolichurus corni- 
culus Spinola^) war, Vertreter einer Gattung, über deren Lebensweise bisher 
noch nichts bekannt ist, mit Ausnahme einer Beobachtung Giraud's,^) der die 
genannte Art in der Wiener Gegend in dem staubartigen Schutte einer alten 
Mauer grabend fand. 

Die Constatirung, dass Dolichurus seine Larven mit Blattiden füttert, 
gewinnt dadurch an Interesse, weil die Ansichten über die Stellung dieser 
Gattung im Systeme und über ihre Verwandtschaft mit der Gattung 
Ampulex noch sehr getheilt sind. So stellten Spinola^) und Dahlbom^) 
Dolichurus zu den Pompiliden, einer von den echten Grabwespen sehr ver- 
schiedenen Familie, deren Arten ihre Larven mit S p i n n e n füttern. WesmaeP) 
und Shuckard"') reihten Dolichurus an die Sphegiden in ihrem Sinne, das 
heisst an die Gattungen Sphex und Ammophila, die ihre Larven mit Heu- 
schrecken und Grillen, respective Schmetterlingsraupen füttern. Noch 
in der neuesten Zeit, nachdem schon Giraud^) auf die nahe Verwandtschaft 
von Dolichurus und Ampulex aufmerksam gemacht hatte, entfernte Andre^) 
diese beiden Gattungen in seinem Systeme weit von einander und vereinigte 
Dolichurus mit Cerceris und Fhilanthus in eine Tribus (Fhilanthidae), während 
für Ampulex eine eigene Tribus errichtet wurde. Fhilanthus und Cerceris 
füttern mit Hymenopteren und Käfern, Ampulex aber mit Blattiden. 
Die Uebereinstimmung in der Lebensweise spricht entschieden für die Ansicht 
Giraud's und Kohl's, dass Dolichurus und Ampulex mit einander am 
nächsten verwandt sind, und dass die Autoren, welche diese zwei Gattungen 
nach erwiesenermassen künstlichen Merkmalen, wie die Zahl der Cubitalzellen 
an den Vorderflügeln und die Form des ersten Segmentes, von einander entfernen, 
entschieden im Unrechte sind. Nach meiner Ansicht stehen Ampulex und 
Dolichurus mit der Gattung Sphex, die ja auch ausschliesslich Orthopteren 



1) Charpentier, Horae entomologicae, Vratislaviae, 1825. 

2) Insectorum Liguriae species novae aut rariores, II, Genua, 1806—1808. 

3) Note sur un Hymenoptere nouveau du genre Ampulex, trouve aux environs de Vienne. 
(Verhandl. der zool.-bot. Gesellscli. in Wien, 1858, VIII, S. 441. ) 

<») 1. c. 

5) Hymenoptera Europaea, I, 1843—1845. 

6) Revue critique des Hymen, fouiss. de Belgique. (Acad. Roy. de Beige, 1851, XVIII.) 
'') Essay on tlie indigenous fossorial Hymenoptera, London, 1837. 

8) 1. c, S. 445. 

^) Species des Hymenopteres d'Europe et d'Algerie, III. 



H. V. Wetts tein. 



83 



ftls Futter für ihre Larven verwendet, in viel näherer Beziehung, als mit den 
anderen Grabwespen. 

Schon am 4. August des Jahres 1883 fanden mein Bruder und ich bei 
Frain an der Thaya in Mähren in der Erde eine kleine Blattide in un- 
beweglichem Zustande, aber ganz frisch; zwischen dem ersten und zweiten 
Beinpaare trug dieselbe eine kleine weisse Hymenopterenlarve. 

Am 7. August war die Blattide bis auf Chitinreste total aufgezehrt und 
die Larve spann sich am folgenden Tage in der Erde in einen dichten elliptischen 
Cocon ein, entwickelte sich jedoch nicht weiter, so dass ich damals nicht cou- 
statiren konnte, mit was für einer Grabwespe ich zu thun hatte. Nachdem ich 
sowohl Ampulex als DoUchurus in Frain gefunden habe, ist wohl anzunehmen, 
dass die Larve einer dieser Gattungen angehörte. 

Endlich berichtete Herr Dr. L. v. Lorenz über einige orni- 
thologische Beobachtungen an der Donau in Ungarn. 



Botanischer Discussionsabepd am 18. October 1889. 

Herr Dr. Richard R. v. Wettstein sprach über die Ergeb- 
nisse seiner Untersuchungen über einige Orchideen der 
europäischen Flora und demonstrirte die besprochenen Pflanzen. 

1. Nigritella angustifolia Rieh. Unter diesem Namen wurden bisher 
zwei ganz wesentlich verschiedene Pflanzen vereinigt, die dem Vortragenden in 
zahlreichen Exemplaren vorlagen und die er lebend an Ort und Stelle, sowie in 
Culturen zu beobachten Gelegenheit hatte, wobei sich auch die Constanz ihrer 
Merkmale ergab. Nachdem, wie nebenbei bemerkt sei, die Gattung Nigritella un- 
bedingt mit Gymnadenia unter letzterem Namen zu vereinigen ist, hat die eine 
dieser zwei Pflanzen den Namen Gymnadenia nigra (L.) zu führen; es ist die 
allgemein bekannte Pflanze mit schwarzpurpurnen Blüthenähren, welche in den 
Gebirgen von Schweden und Norwegen, Centrai-Frankreich, in den Pyrenäen, 
Apenninen, im Jura und in den Alpen bis östlich nach Niederösterreich, Steier- 
mark und Krain, dann wieder auf der Balkanhalbinsel verbreitet ist. Die zweite 
Art nannte der Vortragende Gymnadenia rubra, sie unterscheidet sich von der 
ersteren durch rosenrothe Blüthen in schmalen, zugespitzten Aehren, durch 
wesentlich andere Form der Lippe und der Perigonzipfel; auch blüht sie um 
circa 14 Tage früher als Gymnadenia nigra. Gymnadenia rubra ist in den 
östlichen Alpen, insbesondere in Niederösterreich, Steiermark, Krain, Kärnten, 
ferner in den Karpathen verbreitet und vertritt dort zum Theile Gymnadenia 
nigra; ihre westlichsten (allerdings vereinzelten) Standorte sind in Salzburg, in 
den bairischen Alpen, in Tirol und Graubündten. Gymnadenia rubra ist jene 
Pflanze, welche ältere niederösterreichische Botaniker für Gymnadenia suaveolens 
Vill. erklärten, die jedoch in diesem Lande bisher noch nicht gefunden wurde. 



84 



Versammlung am 4. December 1889. 



Eine eingehende Erörterung der hier erwähnten Pflanzen findet sich in den 
Berichten der Deutschen hotanischen Gesellschaft, 1889. 

2. Epipactis. Durch die Auffindung einer Hybriden zwischen Epipactis 
rubiginosa Cr. und Cephalanthera alba (Cr.), welche der Vortragende in der 
Oesterr. botan. Zeitschr., 1889, Nr. 11 als Epipactis speciosa beschrieb, wurde 
er zu einer vergleichenden Untersuchung der Gattungen Epipactis, Cephalan- 
thera und Limodorum angeregt, welche die Unmöglichkeit ergab, die genannten 
Gattungen wie bisher zu unterscheiden; sie stimmen im Baue der vegetativen 
und Blüthentheile ganz wesentlich überein, ihre Entwicklung und Verbreitung 
ist dieselbe. Der Vortragende vereinigt darum die Arten dieser drei Gattungen 
unter dem Namen Epipactis, als dem ältesten. Die Gattung zerfällt in vier 
gleichwerthige Sectionen: Eiiepipactis Jim., Arthrochilium Jrm., Cephalanthera 
Eich., Limodorum Tourn. Der Vortragende hat seine diesbezüglichen Unter- 
suchungen in der Oesterr. botan. Zeitschr., XXXIX, Nr. 11 und 12 niedergelegt. 

3. Zwei neue hybride Orchideen. Vom Vortragenden wurden in 
Gemeinschaft mit Sennholz im heurigen Sommer (Oesterr. botan. Zeitschr., 
Nr. 9) zwei neue Orchis-Üjhr'iden beschrieben, und zwar Orchis speciosissima 
{Orchis speciosa Host X sambucina L.) und Orchis Pentecostaiis {Orchis speciosa 
Host X maculata L.), welche von G. Sennholz im Juni d. J. auf der Eeisalpe 
bei Lilienfeld gesammelt worden waren; die erstere hatte der Vortragende schon 
1886 bei Klein-Zell gesammelt. 

Herr Dr. C. Bauer demonstrirte Volvox globator^ der 
heuer im botanischen Garten der Wiener Universität in grosser 
Menge auftrat und bisher in Niederösterreich überhaupt erst ein- 
mal^ und zwar von H. Zukal im Schwarzenberggarten in Wien 
gefunden worden war. 

An demselben Discussionsabende demonstrirte auch Herr 
H. Zukal mikroskopische Präparate der von ihm entdeckten 
E'pigloea bactros'pora (vergl. oben, Seite 78). 



Versammlung am 4. December 1889. 



Vorsitzender: Herr Dr. Franz Ostermeyer. 



Neu eingetretenes Mitglied: 



Mantin Georges, Paris 



P. T. Herr 



Als Mitglied bezeichnet durch 
P. T. Herren 

Dr. C. Fritsch, Dr. L. v. Lorenz. 



Veraaininlung: am 4. December 18«!). 



85 



Eingesendete Gegenstände: 
2 Herbarien für Schulen von Herrn E. Witting. 



Der Herr Vorsitzende gedachte zunächst in warmen Worten 
des am 22. November verstorbenen hxngj ährigen Mitgliedes Herrn 
Dr. Franz I^öw^ indem er dessen grosse Verdienste um die 
Gesellschaft, sowie auch die Bedeutung seiner wissenschaftlichen 
Leistungen hervorhob. Die anwesenden Mitglieder erhoben sich 
zum Zeichen ihrer Theilnahme von den Sitzen. 



Herr Secretär Dr. L. v. Lorenz erstattete Bericht über die 
Anlegung von 15 Herbarien für Lehranstalten. Die Sammlung 
des hiezu nöthigen Materials hatten in liebenswürdigster Weise 
die Herren H. Braun, A. Dicihtl^ Dr. M. v. Eichenfeld, 
C. Jetter, L. Keller, M. F. Müllner, Dr. F. Ostermeyer, 
L. Preyer, C. Rechinger, Dr. C. Richter, F. J. Sandany, 
II. Wintersteiner und E. Witting übernommen. Die Her- 
barien selbst wurden von den das Gesellschafts-Herbar ordnenden 
Herren, in erster Linie von Herrn Dr. Ostermeyer zusammen- 
gestellt. Allen genannten Herren sei hiemit der wärmste Dank 
der Gesellschaft ausgedrückt. 



Herr Secretär Dr. Carl Fritsch legte folgende eingelaufene 
Manuscripte vor: 

Handlirsch, Dr. Adam: „Beitrag zur Kenntniss des Ge- 
spinnstes von Hilara sartrix'-'. (Siehe Abhandlungen, Seite 623.) 

Kuwert A.: „Bestimmungstabelle der Parniden Europas etc." 
(Siehe Abhandlungen, Band XL.) 

Marenzeller, Dr. Emil v.: „Ueber die wissenschaftlichen 
Unternehmungen des Fürsten Albert I. von Monaco in den 
Jahren 1885—1888". (Siehe Abhandlungen, Seite G27.) 

Stapf, Dr. Otto: „Ueber den Champignonschimmel als Ver- 
nichter von Champignonculturen". (Siehe Abhandlungen, Seite Gl 7.) 



Z. B. Geö. B. XXXIX. Sitz.-l'.er. 



M 



86 



Versammlung am 4. December 1889. 



Hierauf besprach Herr Dr. Carl F ritsch die nachfolgende 
briefliche Mittheilung des Herrn Prof. Dr. Fr. Thomas in 
Ohrdruf „Ueber das Vorkommen von Exohasidium War- 
mingii Rostrup in Tirol und Piemont": 

Im Juli 1888 sammelte ich zwischen Chapelle Cret und Chavanis bei 
Cogne in Piemont einen die Saxifraga aspera auffällig entstellenden Pilz, der 
schon durch die Art der von ihm bewirkten Hypertrophie, sowie durch das weiss- 
staubige Aussehen der Unterseite der durch ihn deformirten Blätter seine Zu- 
gehörigkeit zum Genus Exohasidium andeutet. Im Juli 1889 hatte ich Ge- 
legenheit, die Beobachtung in Tirol zu wiederholen. Auf der Nordseite des 
Hochjochs, zwischen den Rofener Höfen und dem Hochjochhospiz, unmittelbar 
am Wege, nahm ich dasselbe Mycocecidium von Saxifraga hryoides L. an drei 
Stellen auf, in Meereshöhen von ungefähr 2120, 2180 und 2322 m. Der Pilz 
befällt auch an diesem Standorte nicht einzelne Blätter, sondern ganze Triebe 
(oder doch den oberen Theil der Sprosse), die alsdann ebenso durch ihr bleiches, 
wachsähnliches Aussehen, wie durch veränderte Form und Richtung ihrer Blätter 
auffallen. Die Blätter sind nämlich nicht nur verdickt, sondern vor Allem sehr 
stark verbreitert und zugleich verkürzt. An Saxifraga aspera sind die grössten 
bis 6mw! breit und ungefähr ebenso lang. Sie stehen sparrig ab oder sind sogar 
oberseits convex und dann mit der Blattspitze abwärts gekrümmt. Die Sporen 
fallen sehr leicht ab und sind an Herbarmaterial kaum noch zu beobachten. 
Ihre Grösse fand ich zu 6 — S^a Länge und 1 fi Dicke. Dies stimmt gut zu 
den Angaben, welche E. Rostrup in Fungi Groenlandiae, 1888 für sein Exo- 
hasidium Warmingii von Saxifraga Äizoon macht (nach Botan. Centralblatt, 
1888, Bd. XXXVI, S. 4; Original mir nicht zugänglich). Ich sah wiederholt fünf 
und sogar sechs Sterigmen an einer Basidie. Die Basidien fand ich 16 — 24 ^ 
lang, das ist grösser, als Rostrup (1. c.) angibt. Nach gefälliger brieflicher 
Mittheilung des Herrn P. Magnus, der mein Material aus Piemont und Tirol 
sah und prüfte, ist dasselbe von Exohasidium Warmingii nicht verschieden, 
auch diese Art auf Saxifraga aspera von Lagerheim bereits gesammelt worden, 
für Tirol aber neu. 

Herr Dr. Fritsch demonstrirte im Anschlüsse hieran ein von 
Prof. Thomas eingesendetes Exemplar von Saxifraga hryoides L., 
an welchem die durch das Exohasidium Warmingii Rostrup her- 
vorgerufene Deformation auffallend ausgeprägt war. 



Herr Custos Dr. Günther R. v. Beck hielt einen Vortrag 
unter dem Titel: „Die Pflanzenformationen und deren 
wissenschaftliche Bedeutung^^ 



Otto Stapf. 



87 



Schliesslich besprach Herr Dr. Otto Stapf die neuen Er- 
gebnisse der Stanley 'sehen Expedition. 

Der Vortragende gab zunächst eine Skizze des Weges, den die zur Be- 
freiung Emin Pascha 's ausgesendete Expedition unter H. Stanley genommen 
hat, sowie der wesentlichsten dabei gemachten geographischen Entdeckungen. 
Botanisch wichtig ist die Feststellung der Existenz eines undurchdringlichen 
tropischen Urwaldes von ungeheurer Ausdehnung westlich vom Albert Nyanza 
bis nahe an den Unterlauf des Aruwimi. Nördlich erstreckt er sich wahr- 
scheinlich bis an den Nepoko, einen Zufluss des Aruwimi, wo ihn Junker auf 
dem Südufer angetroffen hat. Im Westen, südlich des Congo, ist er vom 
Leopold Il.-See, im Südwesten und Süden von den Ufern des Tschuapa, Sankuru 
und Lomami bekannt. Hier hat ihn bekanntlich schon Livingstone zwischen 
dem Tanganika und Kjangwe angetroffen. Eine schmale Zunge scheint sich 
von diesem Waldgebiete zwischen dem Albert Nyanza und Muta-Neige über den 
Semliki hinüber bis an den Fuss des Ruwenzori zu erstrecken, wenn es nicht 
ein isolirter Waldgürtel ist, wie ein solcher auch den Kilimandscharo zwischen 
2000 und 3000 w umgibt. Der nördliche Theil des Semliki-Thales und die 
östlich und südöstlich angrenzenden Hochplateaux von Wanyoro, Wasangoro, 
Unyampeke und Aukori sind Savannenland, üeber dem Waldgürtel des Ruwen- 
zori folgt offenes Land mit zerstreuten Dracaenen, einzelnen Palmen und Baum- 
farnen, dann ein Gürtel von Bambusbeständen, darüber eine Region mit zer- 
streutem Buschwerk, theils krüppeligen Bambusbüschen, theils bis 3"5 m hohen 
Eriken, mit Brombeerhecken, Heidein, Veilchen, üppiger Moos- und Flechten- 
vegetation. Die höchsten Erhebungen des auf 5500 — 5800 m geschätzten Ruwenzori 
scheinen, soweit sie überhaupt schneefrei sind, vegetationslos zu sein. Diese wenigen 
bisher bekannt gewordenen Daten zeigen schon, dass auch der Ruwenzori 
ähnliche Vegetationsverhältnisse und ähnlichen Florencharakter zeigt, wie sie 
vom Kilimandscharo durch Thomson, Johnston, Meyer, Graf Teleki und 
V. Höhnel und vom Kenia durch die Letzteren bekannt geworden sind. Be- 
kanntlich weisen beide, Kilimandscharo und Kenia, viele Beziehungen zu dem 
abessynischen Hochlande auf; dasselbe ist offenbar auch mit dem Ruwenzori 
der Fall, der wie ein Markstein an der Grenze des west- und des ostafrikanischen 
Gebietes steht. Auffallend ist es aber auch, dass diesen Beziehungen zwischen 
dem in Rede stehenden Gebiete und dem abessynischen Hochlande auch analoge 
auf ethnographischem Gebiete zur Seite stehen, wie Stanley 's Berichte darthun. 



Am Schlüsse der Sitzung theilte der Vorsitzende das Resultat 
der in der Versammlung vorgenommenen Wahlen mit. Es erscheinen 
gewählt als Vice -Präsidenten für das Jahr 1890 die P. T. Herren: 



Grobben, Prof. Dr. Carl. 
Haläcsy, Dr. Eugen v. 
Hauer, Hofrath Dr. Franz v. 



Pelikan, Baron Anton v. 
Rogenhofer, Gustos Alois. 
Wiesner, Prof. Dr. Julius. 

M* 



88 



Versainralmig am 4. Decemher 1889. 



Der bisherige redigirende Secretär Herr Dr. Carl Fritsch 
wurde für die Functionsdauer bis Ende 1894 wieder gewählt. 

Als Scrutatoren fungirten die Herren M. F. Müllner^ Dr. 
Adam Handlirsch und Hugo Wintersteiner. 



Zoologischer Discussionsabend am 8. November 1889. 

Herr Director Th. Fuchs besprach die neueren An- 
schauungen über die Bildung der Korallenriffe. 

Nach den neueren, von Semper, Agassiz, besonders aber von Murray 
vertretenen Anschauungen ist die Entstehung von Koralleninseln, respective von 
Atollen keineswegs nothwendig durch eine Senkung des Bodens bedingt, sondern 
es kann dieselbe bei vollkommen stationären Verhältnissen vor sich gehen. 

Auf unterseeischen Bergen (wohl meist Vulcauen) bilden sich aus den 
Kalkschalen pelagischer, sowie bodenbewohnender Tiefseethiere Kalkablagerungen, 
welche solange anwachsen, bis sie in die Nähe der Oberfläche kommen, wo sich 
dann erst die rasenbildenden Riffkorallen mit ihrem Gefolge riffbewohnender 
Schalthiere ansiedeln. 

In Folge lebhafteren Wachsthums au der Peripherie, sowie der Auflösung 
und Zerstörung der inneren abgestorbenen Theile des Riffes entstehen die ring- 
förmigen Atolle mit einer seichten Lagune in der Mitte. 

Die Untersuchungen Semper's, Brady's und Guppy's auf den Peleu-. 
Fidji- und Salomonsinseln haben ergeben, dass die gehobenen Korallenriffe 
weitaus dem grössten Theile ihrer Masse nach aus Tiefseesediment (Globigerinen- 
schlaram, Pteropodenschlamm, Redelay) bestehen, welche Ablagerungen nur an 
ihrer Oberfläche von einer verhältnissmässig dünnen Kruste von Korallenkalk 
überzogen werden. 

Auf den Sandwichsinseln wurde durch Brunnenbohrungen fester Koralleu- 
kalk bis zu einer Tiefe von 500 Fuss unter der Oberfläche des Meeres nach- 
gewiesen und hier scheint mithin allerdings eine Senkung des Bodens statt- 
gefunden zu haben. Die Riffe der Sandwichsinseln sind jedoch nicht Barriere- 
riffe, wie sie der Darwin'schen Anschauung nach in diesem Falle sein sollten, 
sondern ausgesprochene Küstenriffe. 

Hierauf sprach Herr Dr. Adam Handlirsch „Ueber das 
Gewebe der Hilara sartrix Becker". (Siehe Abhandlungen, 
Seite 623.) 



Carl F ritsch. 



89 



Botanischer Discussionsabend am 22. November 1889. 

Herr Dr. Carl F ritsch besprach unter Vorlegung eines 
Belegexemplares einen neuen Carrhtws-Bastard. 

Carduus Groedigensis nov. hybr. 
{Carduus crispus L. X viridis Kern.) 

Planta hahitu Cardiii viridis Kern., a quo imprimis differt: caule altius 
fülioso et alato (alis spinuloso-dentatis), superne densius ßoccoso-tomentoso; 
capitulis plurihus, quoruni 2 — 3 interdum in apice unius pedunculi 
congregatis ; foliis superiorihus multo minoribus, suhtiis tomento floc- 
coso albicantibus. A Carduo crispo L. discrepat toto hahitu, pedunculis 
elongatis, capitidis plerumque solitariis, foliis infei'iorihus suhtus viridibus, 
superiorihus multo minus dense tomentosis. 

Hab. in consortio Cardui viridis Kern, ad pedem montis „Untersberg'^ 
dicti prope pagum Groedig in Salisburgia. 

Dieser Carduus, über dessen Abstammung nicht der geringste Zweifel 
obwalten kann, namentlich da in der ganzen Umgebung seines Standortes nur 
die beiden oben genannten Carduus -Arten vorkommen, wurde meines Wissens 
bisher nirgends angegeben. Allerdings ist es höchst wahrscheinlich, dass der 
von Ho 11 er hei Augsburg gesammelte „Carduus crispus X defloratus" ^) mit 
dem eben beschriebenen Carduus Groedigensis zusammenfällt, da bei Augsburg 
aus der Gruppe des Carduus defloratus L. sicherlich nur Carduus viridis Kern. 
vorkommt. Der dem Carduus Groedigensis höchst ähnliche Bastard zwischen 
dem echten Carduus defloratus L. (im Sinne Kern er 's = Carduus Summanus 
Poll.) und Carduus crispus L., für welchen Mülluer^) den Brügge r 'sehen 
Namen Carduus Moritzii acceptirt hat, ist nur durch die wenigstens theilweise 
mit einem Wachsüberzuge versehenen, also mehr minder seegrünen (auch meist 
weniger gelappten) Blätter und durch kürzere, breitere Hüllschuppen zu unter- 
scheiden ; ohne Rücksichtnahme auf die in der Nachbarschaft wachsenden Arten 
wird die Unterscheidung der beiden Bastarde oft kaum möglich sein. Was den 
Namen Carduus Moritzii Brügger betrifft, so ist es allerdings nicht nur nicht 
sicher, sondern sogar unwahrscheinlich, dass derselbe von dem echten Carduus 
defloratus Ii. abstammt; denn letzterer ist in der Schweiz gewiss seltener als die 
ihm sehr ähnlichen Arten Carduus Wiaeticus (DC.) und Carduus viridis Kern.^) 
Da die Schweizer Botaniker die Racen des Carduus defloratus L. nicht zu 
unterscheiden pflegen, so ist es ohne Einsicht von Original-Exemplaren und Be- 
such des Standortes unmöglich, diese Frage zu entscheiden. Solange jedoch 
hierüber keine Klarheit herrscht, mag der Name Carduus Moritzii Brügger 
immerhin in dem von Müllner angenommenen Sinne beibehalten werden. — 
Anhangsweise erwähne ich. dass sich im Herbar Haläcsy ein von Burnat bei 

•) Focke, Pflanzenmischliuge, S. 20.3. 

2) Siehe fliese Verhandlungen, Band XXXIII (1883), Sitzungsberichte, S. 27. 

Vergl. Kerner, Schedae ad floram exsiccatam AustrQ-Hungaricara, I, p. 74, 75. 



90 



Versammlung am 4. December 1889. 



St. Moriz im Engadiu gesammelter „Carduus crisims X deßoratus^ befindet, der 
unterseits fast ganz grüne Blätter und noch weiter hinauf beblätterten und ge- 
flügelten Stengel hat. 

Herr Dr. Otto Stapf hielt einen Vortrag „lieber den 
Champignonschimmel als Vernichter von Champignon- 
culturen". (Siehe Abhandlungen^ Seite 617.) 

Schliesslich demonstrirte Herr Ig naz Dörfler eine Reihe von 
Formen und Monstrositäten des Equisetum Tehnatej a Ehrh. 

Es wurden sämmtliche Belege der im diesjährigen Bande der Ver- 
handl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch., S. 31 — 40 publicirten Abhandlung „Ueber 
Varietäten und Missbildungen des Equisetum Telmateja Ehrh." demonstrirt. 
Die interessante Collection enthält 23 Varietäten, Formen und Monstrositäten, 
welche in der Umgebung von Eied und Gmunden in Oberösterreich gesammelt 
worden waren. Davon sind in der genannten Arbeit noch nicht erwähnt: Eine 
f. ramulosa Eonniger der var. hreve Milde, welche in allen Merkmalen mit dieser 
Varietät übereinstimmt, sich aber leicht von ihr dadurch unterscheidet, dass 
zahlreiche primäre Aeste mit secundären Aesten besetzt sind. Diese Form wurde 
von Eonniger auf der Dürnbergwiese bei Gmunden gesammelt. Ferner wurden 
von der f. hrevisimilis Dörfler der var. serotinum A. Br. Exemplare vorgezeigt, 
deren Fruchtähren eine Länge von 20—50 mm haben und solche, deren Aehren 
nur 3 — 5 mm lang sind, also in der Grösse sehr bedeutende Unterschiede zeigen. 
Die ersteren waren als Subforma macrostachyum Eonniger, die letzteren als Sub- 
forma microstachyum Eonniger bezeichnet, und es lagen beide Unterformen so- 
wohl von der Dürnbergwiese bei Gmunden (gesammelt von Eonniger), als 
auch vom Sumpfe nächst Niederbrunn bei Eied (gesammelt von Dörfler) vor. 

Zugleich mit dem Originale der monströsen Form distachyum des 
Equisetum Telmateja Ehrh., von der eine naturgetreue Abbildung der an- 
geführten Arbeit beigegeben ist, wurde ein zweites Monstrosum d*s^ac%Mm vor- 
gezeigt, welches Exemplar Eonniger auf der wiederholt genannten Dürnberg- 
wiese im heurigen Sommer gesammelt hat. Dieses zeigt zwar auch zwei 
übereinander befindliche Aehren, die durch ein Stengelstück von einander ge- 
trennt sind, sieht aber sonst dem auf Tafel I dieses Jahrganges abgebildeten 
Exemplare gar nicht ähnlich. Der untere Theil stellt nämlich ein 11 cm langes, 
reich beästetes und typisches Individuum der var. serotinum f. hrevisimilis vor, 
dessen Aehre eine Länge von 7 mm hat. Der über der Aehre befindliche Stengel- 
theil ist 4 cm lang und imverhältnissmässig stark entwickelt. Die vier Scheiden 
desselben sind trichterförmig und dunkelbraun und unter ihnen befinden sich 
einzelne ganz kurze Aeste, so dass man das proliferirte Stück als var. frondescens 
A. Br. ansprechen muss, dessen Aehre jedoch noch nicht ganz entwickelt, sondern 
in der obersten Scheide noch halb verborgen ist. Die ganze monströse Bildung 
entspricht also einer var. serotinum f. hrevisimilis + var. frondescens! 



Anhang. 



91 



Es wurde vom Vortragenden erwähnt, dass schon Milde ähnliche Mon- 
strositäten, bei denen sich zwei Aehren übereinander befinden, zwar nicht vom 
Equisehim Telmateja Ehrh., wohl aber vom Equisetum arvense L., Eqimetnm 
prateme Ehrh. und Eqiiisetum Umosum L. gekannt und solche in den Ver- 
handl. der kais. Leop.-Carol. Akad. der Naturf., Bd. XXVI, auf Taf. 32, 34 und 3G 
abgebildet hat, und zugleich wurde vom Equisetum Umosum L. ein solches 
Monstrosum distachyum vorgezeigt, welches Herr Dörfler im Krottensee bei 
Gmunden gefunden hatte. 

Equisetum Telmateja Ehrh. var. frondescens A. Br. war Herrn Dörfler 
bei Publication seiner citirten Arbeit aus Oberösterreich nur in einem einzigen 
Exemplare bekannt, das in einem sumpfigen Graben der sogenannten Hasel- 
leithen nächst der grossen Ramsau bei Gmunden gesammelt worden war. 
Sein Freund Carl Ronniger besuchte dieselbe Localität während seines kurzen 
Aufenthaltes in Gmunden im Mai dieses Jahres, fand dort circa 50 Exemplare 
dieser sonst äusserst seltenen Varietät unter normalen fertilen Stengeln des 
Equisetum Telmateja Ehrh. und theilte dem Vortragenden reichlichst von seiner 
Ausbeute mit. Es wurde eine grössere Anzahl dieser Exemplare demonstrirt und 
zeigte die Mehrzahl derselben bereits verwelkte Fruchtähren (wie dies in den 
Beschreibungen dieser Varietät allgemein angeführt wird), die meist schlaff 
herabhängen, anderseits wurden aber auch solche Exemplare vorgezeigt, welche 
wohl reichlichst kurze, grüne Aeste entwickelt haben, deren Fruchtähren jedoch 
nicht verwelkt, sondern gerade in schönster Entwicklung sind, so dass das 
erwähnte Verwelktsein der Aehre bei der var. frondescens A. Br. 
durchaus nicht als Regel hingestellt werden kann. 

Zum Schlüsse wurde noch eine abnorme Bildung des Equisetum arvense L. 
gezeigt, nämlich ein fertiles Exemplar, welches am Ende des Stengels zwei 
ganz normal entwickelte Fruchtähren trägt, und das von Herrn Dörfler vor 
mehreren Jahren am Bahndamrae in der Nähe des Knittlingerholzes bei Ried 
gesammelt worden ist. 



A_ n h a n g. 
Geschenke für die Bibliothek 

im Jahre 1889. 

Sebisanovic Georg, Ornithologisch-mammologische Nachrichten aus der Um- 
gebung von Varasdin. 

— Ein Blick auf einige Arten der Varasdiner Coniferen. Agram, 1888. — 
Beide serbisch. Vom Verfasser, 

Kolombatovic Georg. Sui Pleuronectes Boscii (Risso) e megastoma (Donov.). 
Spalato, 1887. 

— Catalogus vertebratorum dalmaticorura. Spalati, 1888. Vom Verfasser. 
Sehn ab 1 J. Additions aux descriptions precedentes des Aricia et descriptions 

des especes nouvelles. Vom Vorfiisser. 



92 



Geschenke für die Hibliothelc. 



Sausöure Heiirico de. Additamenta ad Prodroraum Oedipodioriim insectoriim 
ex ordine Orthopterorum. Geneve, 1888. Vom Verfasser. 

Pictet Alphonse. Locustides nouveaux ou peu coniius du Musee de Geneve. 
Geneve, 1888. Vom Verfasser. 

iSchuabl J. Contributions ä la faune dipterologique, III. St.-Petersbourg, 1889. 

Vom Verfasser. 

Swinhoe C. et Cotes E. C. A Catalogue of tbe Moths of India. Part. IV: 
Geometrites; Part. V: Pyrales. Calcutta, 1888 et 1889. 

Tiustees of tbe Indian Museum. 

Handlirscb Anton. Monographie der mit Nysson und Bembex verwandten 
Grabwesperi, III. Wien, 1889. Vom Verfasst^r. 

Porcius Flor. Enumeratio plantarum pbanerogamicarum districtus quondam 
Nassodiensis. Claudiopoli, 1877. 

— Flor 'a Phanerogama din festulu districtu alu Naseudului. Sibiiu, 1881. 
Borbäs, Dr. Vinc. Die Pflanzenwelt der ungarischen Puszten und die Sand- 

befestigung. Budapest, 1886. Von Herrn J. A. Knapp. 

F ritsch, Dr. Carl. Beiträge zur Kenntniss der Chrysobalanaceen. 1. : Conspectus 

generis Licaniae. Wien, 1889. Vom Verfasser. 

D z ied z iele vv icz Josef. Neuer Beitrag "zur Fauna der netzflügeligeu lusecten. 

Vom Verfasser. 

Wettstein, Dr. R. V. Carl Eggerth. Nachruf. 

— Die Gattungen Erysimum und Cheiranthus. Ein Beitrag zur Systematik 
der Cruciferen. 

— Pflanzen und Ameisen. Wien. 1889. 

— Beitrag zur Flora des Orientes: Bearbeitung der von Dr. A. Heider im 
Jahre 1885 in Pisidien und Pamphylien gesammelten Pflanzen. Wien, 1889. 

— Pinn.9 digenea [Pinus nigra Arn. X montana Dur.). 

— und G. Sennholz. Zwei neue hybride Orchideen. Vom Verfasser, 
Lanzi, Dr. Matteo. Le diatomee fossili della via Aurelia. Roma, 1889. 

Vom Verfasser. 

Berg, Dr. Carlos. Qu;idraginta coleoptera nova argeutina. Bonariae, 1889. 

— Un capitulo de Lepidopterologia. Buenos -Aires, 1888. Vom Verfasser. 
Zukal Hugo. Entwicklungsgeschichtliche Untersuchungen aus dem Gebiete der 

Ascomyceten. Wien, 1889. Vom Verfasser. 

Krassilstchik M. J. Sur les Bacteries biophytes: note sur la symbiose de 

pucerons avec des bacteries. Vom Verfasser. 

Le Prince Albert de Monaco. Poissons lune {Orthogariscus Mola), capture's 

pendant deux campagnes de PHirondelle. Paris, 1889. Vom Verfasser. 
Seidlitz. Dr. Georg, Die Käfer Siebenbürgens, Lief. I— IV. Königsberg, 

1888—1889. Vom Verfasser. 

Steenstrup Japetus. Mammuthjäger Stationen ved Predmost i det Osterrigske 

Kronland Mähren. Kjöbenhavn, 1889. Vom Verfasser. 

SzyszyJo wicz, Dr. Ign, Hepaticae Tatrenses. Cracoviae, 1884. 

Von Herrn J. A. Knapp. 

Berlese, Dr. A. N. und Bresadola, Ab. G. Micromycetes Tridentini. Rovereto, 

1889, Vom Ab. G. Bresadola. 

Meyer, Dr. A. B. und Helm, Dr. F.: IV. Jahresbericht (1888) der ornithologi- 

schen Beobachtungsstationen im Königreich Sachsen. Dresden, 1889. 

Vom Hofrathe Dr. A. B. Meyer. 
Stapf, Dr. 0. Der Antheil Oesterreich-Ungarns an der naturgeschichtlichen 

Erforschung des Orientes. Vom Verfasser. 

Kronfeld, Dr. M. Johann Josef Peyritsch. Vom Verfasser. 

Herr Theodor v. Goldschmidt spendete ein Exemplar der Verband hingen der 

k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft, 1883, sammt Beilage. 



1 



Papilio Har/em) eine neue Art aus Sumatra. 

Beschrieben von 

A. F. Rogeiiliofer. 



(Vorgelegt in fler Vorsamiuluug am 5, Deceniber 1888.) 



cf. Älae anticae productae, supra albido-cinereae, infuscatae, radice, 
striis et costis nigris; subtiia 'pallidiores. 

Alae posticae supra atramentariae, plaga suhmediana alba cum quatuor 
magnis maculis nigris rhomhiformibus in ipsa; subtus opace nigrae, aliquot 
caeruleo nitentes. 

Caput et prothorax sordide alba, antennae, tliorax, abdomen, pedesque 
nigrae, venire coccineo, lateraliter nigro-punctato. 

JExpansio 14 cm. Patria: Sumatra. Mus. Caes. 

cT. Kopf und Vorderrücken dicht wollig, schmutzigweiss, die Behaarung 
nach hinten spitzwinkelig einspringend; Fühler, Rücken, Leib und Beine tief 
mattschwarz. Bauch und Seiten licht karraiuroth, mit kleinen schwarzen Flecken 
nahe den Lüftern. Die Genitalklappen sind leider stark zusammengedrückt und 
scheinen die meiste Aehnlichkeit mit jenen von Papilio Latreillei zu haben. 

Vorderflügel oben weisslichgrau, an der Wurzel, besonders gegen den 
Innenrand zu und saumwärts stark geschwärzt, die Mittelzelle mit drei schwarzen 
Striemen, die mittlere, entsprechend der Faltung, gegabelt. Saum und Fransen 
schwärzlich. In sämmtlichen Zellen ziemlich breite, schwärzliche Striemen, die 
in Zelle 3—5 am breitesten. 

Hinter flügel tinten schwarz, mit ziemlich langen braunen Haaren von 
der Wurzel bis über die Mitte, an die ein grosser weisslicher Fleck sich an- 
schliesst, in welchem in den Zellen 2—5 je ein länglicher schwarzer Flecken 
steht, der nur durch eine schmale weisse Binde, die in Zelle 3 und 4 einzelne 
schwarze Schuppen eingesprengt hat, von der aus grossen schwarzen runden 
Flecken bestehenden Randbinde getrennt wird; Saum und Fransen schwarz. 
Der Rand der Hinterflügel ist leider stark verletzt, so dass sich nicht sicher 
sagen lässt, ob die Flügel abgerundet oder geschwänzt sind, aber nach der 
Aehnlichkeit mit Priapus dürfte wohl das Erstere anzunehmen sein. 

Z. B. Ges. B. XXXIX. Abh. 1 



2 



A. llogenhofer. Papüio Hageni, eine neue Art aus Sumatra. 



Unterseite der Vorderflügel weisslich, mit schwarzen Rippen und Strie- 
men in den Zellen; Wurzel und Saum viel weniger geschwärzt wie oben. 

Hinterflügel wie oben, etwas matter; der in Zelle 5 stehende schwarze, 
etwas beilförmige Fleck hängt mit dem schwarzen Grunde vorne fast ganz zu- 
sammen und ist hinten etwas deutlicher durch Weiss getrennt als auf der Ober- 
seite; der sammtschwarze Grund springt in den Zellen 3 und 4 zapfenartig in 
das Weiss vor. Rippen dick schwarz. Der Flügelumschlag dicht und kurz braun- 
schwarz behaart. 

Da das Thier ziemlich geflogen ist, lässt sich annehmen, dass vielleicht 
der Saum der Oberflügel dunkler war. 

Die drei Striemen in der Mittelzelle, wovon der mittlere gegabelt ist, 
matt schwarz. Spannweite 14 cm. Leib 2*5 cm. 

Die neue Art steht unbedingt Papüio Priapus B., de Haan (Bijdrag tot 
de Kennis de papil., 1839, p. 23, Taf. II, Fig. 1; Felder, Verbandl. der k. k. 
zool.-botan. Gesellsch. in Wien, Bd. XIV, 1864, S. 373, Nr. 280) zunächst und 
gleicht ihm im Rippenverlaufe sehr. De Haan 's Bild scheint ein 9 darzu- 
stellen, da die Flügel mehr abgerundet sind, unterscheidet sich aber sofort ausser 
den längeren Hinterflügeln durch die hellere Mittelzelle und die viel lichtere 
Unterseite der Vorderflügel. Das Weiss am Kopfe, am Vorderrücken, sowie das 
der Hinterflügel ist viel reiner, nicht gelblich und auf den letzteren weit 
beschränkter durch die grössere schwarze Fleckenbinde und die ganz schwarze 
Vorderecke der Hinterflügel, die bei Priapus unten keinen bläulichen Schimmer 
zeigen. Die Brust ist bei Pnap?^s weisslich, wie auch die Seiten des Leibes. 

Grote Smith beschreibt in Entom. month. magaz., XXI, April 1885, 
p. 247 einen Priapus nahestehenden Papilio Sycorax auch aus Sumatra, der, 
viel grösser (6 Zoll), olivenbrauue Oberflügel, zur Hälfte grünlichgraue, aussen 
aschgraue Hinterflügel, aschgrauen Kopf und Halskragen, aber grünlichgrauen 
Hinterleib hat und mit vorliegender Art noch weniger verwandt ist als Priapus. 

Distant bildet in Rhopal. Malajana, XII, 1886, p. 468, Taf. XLII, Fig. 10 
Sycorax aus Perak ab und stellt ihn aber irrig in die ilfmwon-Gruppe. 

Die neue Art hat wie Priapus in der Vorderflügel-Mittelzelle nur drei 
Striemen, von denen die mittlere gegabelt ist, und steht dadurch Papilio Hector, 
Polydorus, Varuna und Semperi nahe (Staudinger, Exotische Schmetterl., 
2. Lief., S. 9); die Papilio il/mnon- Gruppe hat vier dunkle Striemen, die auch 
Ilelenus, Polymnestor, Protenor, Latreillei und Polyeuctes zeigen. 

Diese schöne Art brachte Herr Dr. Bernhard Hagen, dem das kaiserl. 
Museum vieles Interessante zu verdanken hat, in Einem Stücke aus Nordwest- 
Sumatra, wo dieselbe bei Deli in den Battabergen flog. Ihm, dem Entdecker, zu 
Ehren soll sie benannt sein. 



3 



Studien über die Säiigetliierzähiie. 

Vorläufige Mittheilung 

von 

Prof. Dr. B. Dybowski 

in Lemberg. 

(Mit 8 Holzschnitten.) 



(Vorgelegt in der Versammlung am 5. December 1888.) 



Beim gelegentlichen Studium der Hufthierzähne hahe ich mich davon 
überzeugt, dass die heutige Lehre über den Bau und die Entwickeluug der 
Säugethierzähne mangelhaft und zum Theile unrichtig ist. Diese Ueberzeugung 
hat mich zu weitereu ausführlichen und ausgedehnten odontologischen Studien 
veranlasst, in deren Folge ich zu einer neuen und wie mir scheint viel richtiger&n 
Anschauung gelangt bin. 

Obgleich meine Studien noch nicht abgeschlossen sind, so halte ich doch 
für zweckmässig, die wichtigsten Resultate derselben in einer kurzgefassten 
Uebersicht zu veröffentlichen, eine ausführliche Auseinandersetzung werde ich 
demnächst nachfolgen lassen. 

Um die vorliegende Mittheilung recht klar und übersichtlich zu machen, 
werde ich meine Ansichten in einzelne Punkte zusammenfassen, denen ich eine 
kurze Uebersicht der von meinem Vorgänger gegebenen Lehre vorausgehen lasse. 

Die heutige Odontologie lehrt, dass ein sogenannter zusammengesetzter 
Säugethierzahn, onto- und philogenetisch betrachtet, aus einem einzigen, ur- 
sprünglich kegelförmigen Zahne (I'apille) durch verschiedenartige Einstülpungs- 
])rocesse (Faltungen) des Kegelmantels sich entwickelt. 

Bei den Einstülpungen (respective Faltenbildungen) betheiligen sich alle 
Bestandtheile des Zahnes (Zahnbein, Schmelz und Cement), indem jene Ein- 
stülpung bald von oben (Kaufläche), bald von den Seiten her, bald aber in 
beiden Kichtungen zugleich vor sich geht. 

1* 



4 



B. Dy bowski. 



Die Backenzähne des Elepbanten machen insoferne eine Ausnahme, als 
ihre grosse Papille (Palpe) in eine Anzahl kleinerer zerfällt, aus denen dann 
die gesonderten, aus Zahnbein, Schmelz und Cement bestehenden Zähne sich 
bilden. Indem nun die kleinen, ursprünglich isolirten Zähne nachträglich 
durch Cement fest verkittet werden, kommen die grossen, zusammengesetzten 
Backenzähne des Elepbanten zu Stande. 

Mit den hier angeführten Verhältnissen ist der Entwickelungsgang eines 
zusammengesetzten Säugethierzahnes erschöpft; was dagegen den Bau eines 
solchen Zahnes betrifft, so findet sich in der wissenschaftlichen Literatur 
folgendes: 

An jedem zusammengesetzten Säugethierzahne (z. B. an dem Molaren 
eines Eindes) unterscheidet man zwei Haupttheile, aus welchen das Gerüst des 
Zahnes gebildet wird. Diese Theile nennt man die Zahnjoche, oder einfach 
die Joche; das vordere heisst Vor-, das hintere Nachjoch. Das Joch eines 
Oberkieferzahnes lässt zwei Theile unterscheiden: der laterale Theil des Joches 
heisst Jochwand, der mediale Jochbogen. 

Merkwürdiger Weise lässt man die Unterkieferzähne nur aus einem einzigen 
Theile, dem Jochbogen, bestehen; der zweite Bestandtheil, die Jochwand, soll 
bei den genannten Zähnen fehlen. 

Im Gegensatz zu den zusammengesetzten Zähnen, zu welchen die Molaren 
und Prämolaren gehören, werden die Schneide- und Eckzähne als einfache 
Zähne betrachtet, wiewohl von vielen Autoren auch diesen letzteren Zähnen eine 
Faltenbildung zugeschrieben wird. 

Die eben in ihren Grundzügen dargestellte Lehre von der Entwickelung 
und dem Bau der Säugethierzähne ist allgemein adoptirt worden. Die Odonto- 
logen begnügen sich mit der Theorie des zweijochigen Bauplanes der Zähne, 
indem sie die allercomplicirtesten Formen derselben in den engen Rahmen 
dieser Theorie einzuzwängen versuchen. Dass der Willkür dabei ein ausgedehnter 
Spielraum gegeben ist, liegt auf der Hand. 



Aus meinen eigenen Untersuchungen ergeben sich folgende Thatsachen. 

I. Ich finde, dass die Ober- und Unterkieferzähne homologe, symmetrische 
Gebilde sind. Denkt man sich die Oberkieferzähne (eines Rindes z. B.) in die 
Alveolen des Unterkiefers so eingesetzt, dass ihre vorderen Ränder nach vorne 
und ihre hinteren Ränder nach hinten gerichtet sind, so ist klar, dass ihre 
laterale Fläche zur medialen und ihre mediale Fläche zur lateralen wird. Ver- 
gleicht man nun an den so gestellten Zähnen die einzelnen Bestandtheile 
untereinander, so ist leicht zu ersehen, dass beide Zahnarten sowohl eine Joch- 
wand, als auch einen Jochbogen besitzen (s. Fig. 1 und 2). 

Daraus geht hervor, dass bei den Oberkieferzähnen die Jochwand lateral-, 
der Jochbogen medial-, bei den Zähnen des Unterkiefers dagegen die Jochwand 



Studien über die Säugethierzähiie. 



5 



medial-, der Jochbügeii lateralwärts gerichtet ist. Dieses gilt für alle Säuge- 
thierzähne überhaupt. 

Der Grund, warum die betreffeDdeu Theile au den Ober- uud Unterkiefer- 
zähnen der Säugethiere eine verschiedene, einander entgegengesetzte Stellung 
haben, lässt sich, auf dem Wege einer theoretischen Betrachtung, folgender- 
massen erklären. 




Fig. 5. Fig. 7. Fig. 8. 



Bekanntlich ist der Schleimhautüberzug der Mundhöhle, nebst allen seinen 
Anhängseln, eine unmittelbare Fortsetzung der Körperintegumente der Thiere, 
indem die Körperhaut an der Mundöifnung sich nach Innen einstülpt. Denkt 
man sich nun bei den Selachier-ähnlichen Vorfahren der Säugethiere die Körper- 
haut zur Schleimhaut und die Placoidschuppen zu Kieferzähnen umgewandelt, 
so ist leicht einzusehen, dass der obere Rand der Placoidschuppen (respective 



•) Diese Verhältnisse sind an den meisten Molaren deutlich wahrnehmbar. 



6 



B. Dybowski, 



Jochwand) am Oberkiefer eine laterale, am Unterkiefer eine mediale Stellung 
haben muss. ^) 

IL Ein jeder Säugethierzahn (einige wenige ausgenommen) besteht aus 
vier Haupttheilen.2) Nach dem Vorgange früherer Forscher nenne ich diese Theile 
Zahnjoche und bezeichne sie (von vorne nach hinten) als Vor-, Mittel-, Nach- 
und Hinterjoche (s. I—JF in allen Figuren). Nicht an jedem zusammengesetzten 
Zahne der jetzt lebenden Säugethiere sind alle vier Joche gleichmässig aus- 
gebildet. Es kommen auch solche Zähne vor, an welchen zwei (s. Fig. 2) oder 
nur ein einziges (s. Fig. 8) Joch zu beobachten ist. Dass aber an solchen 
scheinbar nur ein- und zweijochigen Zähnen nicht allein ein oder zwei Joche 
ausgebildet werden, sondern dass auch alle übrigen, wiewohl verkümmert, 
(s. Fig. 2, 3, 8) vorhanden sind, davon kann man sich überzeugen, wenn man 
eine Reihe von thierischen Gebissen studirt und mit einander vergleicht. 

Auf meine vielfältigen,. eingehenden Untersuchungen und Studien gestützt, 
behaupte ich: 1. dass fast allen Säugethierzähnen ein vierjochiger Hauptbauplan 
zu Grunde liegt und 2. dass die Schneide- und Eckzähne keineswegs als ein- 
fache Zähne zu betrachten sind, sondern dass sie den Backenzähnen ähnlich 
gebaut und wie diese zusammengesetzt sind. 

Die Annahme eines vierjochigen Bauplanes der Zähne gibt uns die 
Möglichkeit an die Hand, jede auch noch so complicirte und verwickelte Zahn- 
form zu erklären und erlaubt die Homologie eines jeden Zahnhöckers und einer 
jeden Zahnfalte streng methodisch durchzuführen, was bei dem zweijochigen 
Bauplan öfters nicht möglich ist. ^ 

Durch die Annahme eines vierjochigen Systems glauben wir einen neuen 
Weg für das Studium der Zähne angebahnt zu haben, auf welchem die philo- 
genetische Entwickelung der Zähne wissenschaftlich durchzuführen möglich 
sein wird. 

III. Ein jedes Zahnjoch besteht aus zwei Theilen: Jochwand und Joch- 
bogen, welche an den Ober- und Unterkieferzähnen eine verschiedene, entgegen- 
gesetzte Stellung haben (s. oben, Punkt I). Die beiden Theile eines Zahnjoches 
können verschiedenartig gebaut und auf eine sehr verschiedene Weise mit einander 
verbunden sein, woraus die verschiedenen Arten der Zähne entstehen: verwachsen 
die Theile mit ihren ganzen inneren Flächen unter einander, so entstehen die 
sogenannten Buno- und Carcharodontenzähne; verwachsen sie dagegen mit 
ihren Seitenflächen oder Rändern, so entstehen die Zygo- oder Elasmodonten- 
zähne. Durch eine mehr oder weniger genaue Verwachsung der Ränder entstehen 



1) Diese Erscheinung wird leicht veranschaulicht, wenn man einen Streifen Papier, auf 
welchem irgend ein Zeichen, z. B. der Bruch — , der Länge nach verzeichnet ist, die Schleimhaut- 
einstülpung nachahmend, verknilt hat. Hält man den so verknilten Papierstreifen vor sich, so 
wird man sich leicht überzeugen können, dass am oberen Abschnitte des Streifens (resp. Ober- 
kiefer) der Buchstabe a (resp. die laterale Jochwand) lateral (buccal), am unteren dagegen medial- 
wärts (lingual) gerichtet wird. 

2) Nur diese Haupttheile werden in der vorliegenden Mittheilung in Betracht gezogen. 



Studien über die Säugetbierzähue. 



7 



ferner die geschlossenen (s. Fig. 5 und 7) oder die offenen (s. Fig. 4) Marben 
und Thäler. 

IV. Jede Jochwaud und jeder Jochbogen besteht aus drei Theileu, welche 
ich Pfeiler nenne. Ich bezeichne den mittleren als Mittel-, die beiden äusseren 
als Seitenpfeiler (s. Fig. 1 bei M und aS'). Sowohl die Pfeiler der Jochwand, 
als auch die des Jochbogens sind entweder nait einander eng verwachsen, indem 
sie eine homogene continuirliche Wand (respective Jochwand und Jochbogen) 
darstellen, oder sie sind nicht vollständig verschmolzen und erscheinen dann 
als sogenannte Rippen, Leisten, Falten, Sporen etc. Mitunter treten die Pfeiler, 
die Jochwände und die Jochbogen als isolirte und mehr oder weniger selbst- 
ständige Gebilde auf und stellen dann z. B. die sogenannten Dentikeln, isolirte 
Pfeiler oder die Zähne mit nicht centralisirtem Zahnbein (s. Fig. 6), oder Zahn- 
höcker und Zahntuberkel vor. 

Dies ist nun alles, was ich gegenwärtig über den Bau der zusammen- 
gesetzten Säugethierzähne mitzutheilen habe; schliesslich will ich noch meine 
Ansicht in Bezug auf die Frage über die Entwickelung dieser Zähne äussern. 

Es frägt sich nämlich, wie die Theile (respective Joche und Pfeiler), aus 
welchen die Zähne zusammengesetzt sind, zu deuten wären? 

Es sind hier zwei verschiedene Fälle annehmbar: 

1. dass alle Theile (respective Joche und Pfeiler) durch einen Gliederungs- 
process einer einzigen Zahnpapille entstanden sind und 

2. dass sie durch einen Verwachsungsprocess vieler (z. B. 24 an der Zahl) 
einfacher Papillen zu Stande kamen. 

Ich habe viele gewichtige Thatsachen zur Begründung der zweiten An- 
nahme gesammelt, welche ich aber erst später zu veröffentlichen im Stande 
sein werde. 

Aus dem Gesagten geht eine Theorie hervor, welche uns die Entwickelung 
der zusammengesetzten, vierjochigen Säugethierzähne erklärt. Dieser Theorie 
zu Folge stellt sich die Entwickelung der zusammengesetzten Säugethierzähne 
folgendermassen dar: Einem jeden vierjochigen Säugethierzähne liegen 24 ein- 
fache Papillen zu Grunde, aus welchen ebenso viele Pfeiler entstehen, z. B. die 
sogenannten Zähne mit nicht centralisirtem Zahnbein (s. Fig. 6). Indem nun 
je drei Pfeiler (Papillen) mit einander verwachsen, entsteht je ein Halbjoch 
(respective Jochwand und Jochbogen), die ihrerseits untereinander verwachsend, 
je ein Zahnjoch bilden. Aus dem Verwachsen einzelner Zahnjoche mit einander 
kommt eben der zusammengesetzte, vierjochige Zahn zu Stande. Durch das 
Verkümmern einzelner Pfeiler (respective Papillen) erklärt sich das Verkümmern 
oder gar das Fehlschlagen der einzelnen Zahnjoche. 

Lemberg, im Mai 1888. 



V 



8 



B. Dybowski, Studien über die Säugethierzäline. 



Erklärung der Abbildungen. 



Fig. 3 und 8 sind in zweifacher Vergrösserung dargestellt worden ; Fig. 6 
stellt eine Copie nach Baume dar; die übrigen Figuren sind in natürlicher 
Grösse gezeichnet. Die Bezeichnung der Figuren ist überall die gleiche, u. zw.: 
I—IV bezeichnet die nach einander folgenden Zahnjoche, Jochwand, B Joch- 
bogen, M Mittelpfeiler, S Seitenpfeiler; a, a' Zahnmarken, h „Basalsäule" oder 
„Zahnpfeiler", l Vorder-, c Mittel-, d Nach-, e Hinterjochbogen, f Hinter-, 
g Nach-, h Mitteljochwand, i Hintertheil der Vorjochwand, k, i Vorjoch wand. 

Fig. 1. Die äussere Ansicht des ersten (resp. hintersten) Milchzahnes 
eines Rindes, an welchem das Hinterjoch (IV) verkümmert, die übrigen drei 
Joche dagegen gleichmässig stark ausgebildet sind. 

Fig. 2. Die Ansicht des zweiten oberen Milchzahnes eines Rindes (von 
der inneren Fläche aus), an welchem die zwei inneren Joche (II und III) voll- 
ständig, die zwei äusseren nur andeutungsweise ausgebildet sind. 

Fig. 3. Der dritte untere Molar eines Rehes. Das Vorjoch (I) ist ver- 
kümmert, das Hinterjoch (IV) ziemlich deutlich wahrnehmbar. 

Fig. 4. Der erste untere Milchzahn eines Pferdes (obere Ansicht). 

Fig. 5. Der dritte untere Molar eines Rindes. An beiden Figuren ist 
das Vorjoch (I, i) äusserst schwach, die übrigen drei dagegen [II, h, c, III, g, 
d und IV, f, e) sind gleichmässig stark ausgebildet. Nach Rütimeyer^) sollen 
das Mittel- und Nachjoch (s. hier Ii und g bei Fig. 4) ein einziges Joch reprä- 
sentiren, was ich für nicht richtig halte. 

Fig. 6. Der dritte untere Milchzahn von Phaeoehoerus (nach Baume).^) 

Fig. 7. Der dritte obere Milchzahn des Pferdes. Das Hinterjoch (IVJ 
ist hier spurweise vertreten, was beim Pferde an allen (bis auf die letzten 
oberen) Zähnen vorkommt, am letzten oberen Molare dagegen ist dieses Joch 
sehr deutlich wahrnehmbar. 

Fig. 8. Der erste obere' Prämolar eines Rehes, an welchem die drei ersten 
Joche sich deutlich unterscheiden lassen. 



1) Eütimeyer, Versuch einer natürlichen Geschichte des Rindes, Taf, I, Fig. 13, 14, aa. 
») Baume, Odontologische Forschungen, Leipzig, 1882, S. 187, Fig. 74. 



9 



Bemerkungen 

zu 

Edm. Andre's Speeles des Hymenopteres, T. III (Les Sphegiens). 

Mit Beschreibung- einiger neuer Arten. 

Von 

Franz Friedrich Kolil, 

Assisteut, am k. k. uaturhistoriscben Hofmuseum in Wien. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 7. Jänner 1889.) 



„Qui tacet, consentire videtur." 

Seit dem Jahre 1879 veröffentlicht Herr Edm. Andre in Beaune (Cote 
d'Or) in Fascikeln ein allgemeines Hymenopterenwerk unter dem Titel „Speeles 
des Hymenopteres d'Europe et d'Algerie". 

Dieses soll nach seinem Zwecke, sowie nach seiner ganzen Anlage für 
Hymenopterologen ein Hauptwerk werden. Bis jetzt sind die zwei ersten Bände 
— enthaltend eine Einleitung, die Tenthredinid en (I. Band), Vespiden und 
Formiciden (II. Band) — vollständig, der III. und IV. Band zum Theile er- 
schienen. Der III. Band wird die Sphegiden, der IV. Band die Braconiden 
umfassen. 

Das Andre 'sehe Unternehmen hat seit seinem Beginne eine Reihe äusserer 
Erfolge aufzuweisen. So erhielt es im Jahre 1882 von der Akademie der Wissen- 
schaften in Paris den Thore-Preis, im Jahre 1882/83 von der Societe ento- 
mologique de France den DoUfus -Preis und 1887 von der Acad^mie des 
Sciences, Arts et Belles-Lettres de Dijon die grosse goldene Medaille. Ausser- 
dem wurde es in verschiedenen Zeitschriften sehr günstig und wohlwollend be- 
sprochen, so im 5. Jahrgang der Entomologischen Nachrichten (Putbus) von 
Herrn Prof. Dr. K. v. Dallatorre. Herr Prof. Dr. G. Hayek schreibt im 2. Bande 
seines Handbuches der Zoologie (1881), S. 381: „Diese Figur rührt von Edm. 
Andrd, Speeles des Hymenopteres d'Europe et d'Algerie, einem nicht genug 
anzurühmenden Werke, her." 

Z. B. Ges. B. XXXIX. Abb. 2 



10 



Franz Friedrich Kohl. 



Das kann uns nicht hindern, unabhängig von jedem Autoritätsglauben, 
der sich in der Wissenschaft nur schädlich äussert, einen Theil des Andre'- 
schen Werkes auf den wirklichen Werth zu prüfen und in sachlicher Weise zu 
besprechen. 

Dieser Theil sind die bisher erschienenen Fascikel über die Sphegiden. 

Von einem systematischen Werke, das Anspruch macht, für die Wissen- 
schaft von Werth zu sein, kann man verlangen, dass der Autor die Literatur 
vollständig beherrscht, die wissenschaftlichen Errungenschaften annimmt und 
verwerthet, wenn er nicht in der Lage ist. Besseres an Stelle des Vorhandenen 
zu setzen, was selbstverständlich auf dem Wege einer sachlichen Kritik, nicht 
aber auf dem kurzen des Autoritätendünkels zu geschehen hat; ferner muss der 
Autor bei der Anordnung der Familien, Gattungen und Arten uach den heutigen 
Anschauungen der Systematik, also so weit wie möglich, streng im Sinne der 
natürlichen Verwandtschaft und Abstammung vorgehen. Bei der Unterscheidung 
der Formen muss darnach getrachtet werden, bisher unbeachtet gebliebene, feste 
Merkmale an Stelle der wandelbaren zu setzen, was z. B. bei den Sphegiden 
ebenso nothwendig als unschwer möglich ist. 

Aus diesem letzteren Punkte ergibt sich das Bedürfniss, dass der Autor 
die Thiers selbst durch Autopsie kennt, jedenfalls nur solche Arten in analyti- 
scher Form behandelt, die er selbst untersucht hat; kennt er sie nicht, so hat 
er die Originalbeschreibungen strenge zu achten und nicht nach eigenem Gut- 
dünken zu schänden. Nur durch eine in angegebener Richtung fortschrittliche 
Arbeit werden sich die Arten schärfer begrenzen lassen und kann der unter den 
blinden Hassern der Systematik verbreiteten, irrigen Meinung, dass es keine 
Arten gäbe, erfolgreich begegnet werden. 

Von diesen Standpunkten aus wird in diesen Zeilen der genannte Theil 
des Andre'schen Werkes beurtheilt werden. 

Der allgemeine Theil über die Sphegiden (p. 1—36) erscheint über 
Gebühr ausgedehnt. 

Die Angabe (p. 1) in der Familiendiagnose, dass die Fühler bei den 
Weibchen 12, bei den Männchen 18 Glieder besitzen, ist insoweit unrichtig, als 
bei Crabro, also innerhalb einer und derselben Gattung, Artgruppen vorkommen, 
bei denen auch die Fühler der Männchen 12gliedrig sind. In jüngster Zeit 
hat auch A. Handlirsch eine neue, südamerikanische Grabwespengattung 
fScapheutefiJ aufgestellt, bei der das Nämliche zutrifft; somit lässt sich die 
Angabe über die Fühlergliederzahl, wie sie Andre gemacht hat, für eine Dia- 
gnose der ganzen Familie nicht streng verwenden. 

In derselben Weise unrichtig ist die Angabe, dass die Unterkiefertaster 6-, 
die Lippentaster 4gliedrig sind; denn Bembex hat 4gliedrige Unterkiefer- und 
2gliedrige Lippentaster, Steniolia sogar 3 gliedrige Kiefer- und 1 gliedrige Lippon- 
taster; letztere Gattung ist zwar keine paläarktische, aber zu einer wissen- 
schaftlichen Kennzeichnung einer Familie oder Gattung können doch unmöglich 
nur die Vertreter eines beschränkten Gebietes herangezogen werden. 



Bemerktiiige» zu Edin. Andre 's Speeles des Hynienopteres. 



11 



Als gauz laienhaft ist die Erörterung des Thorax und seiner Theile (p. G) 
zu bezeichnen. Das Segment mädiaire ist, als ob gar nicht vorhanden, mit 
keiner Silbe erwähnt, obwohl Andre bereits im I. Band seines Werkes p. LVllI, 
])1. III. Fig. 1, 2 (1879, 1880) seine Anschauungen darüber niedergelegt hat. Die 
Unrichtigkeiten dieser Anschauungen hat jüngst Herr Ant. Handlirsch in seiner 
Monographie der mit Kysson und Bemhex verwandten Grabwespen dargethan. 

Andre' hat somit die Schuld auf sich geladen, die Anschauungen Rein- 
hardts und Gerstäcker "s über das Segment mediaire (Gattung Oxyhelus, 
1867) vernachlässigt oder nicht recht verstanden zu haben. 

Prof. Brau er 's höchst wichtiger Aufsatz „Ueber das Segment me- 
diaire Latreille's" (Sitzber. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, 85. Bd., 
1883, I. Abth., S. 278) war zur Zeit als das Andre'sche Werk zu erscheinen 
begann, noch nicht veröffentlicht; aber jetzt, bei Gelegenheit der Monographie 
der Sphegiden, wo das Mittelsegment wegen seiner mannigfachen Gestaltung 
eine grosse Rolle spielt, wäre es die Pflicht Andre 's gewesen, seine Irrthümer 
zu widerrufen, oder aber, wenn er mit den Anschauungen Brau er 's nicht ein- 
verstanden ist, eine Widerlegung zu versuchen. Andre schweigt, und das Mittel- 
segment erscheint in einem Haupt -Hymenopterenwerke trotzdem wieder als 
Metanotum. 

Was die Flügel betriff t, so geht aus der Darstellung Andre 's hervor, 
dass ihm die von E. Adolph begründeten und von anderen Autoren wie Brauer 
und J. Redtenbacher weiter verfolgten, wissenschaftlichen Anschauungen über 
das Flügelgeäder und seine natürliche Entwicklung vollständig fehlen. Beson- 
ders zeigt sich dies bei der Eintheilung der Sphegiden in Tribus und Gattungen, 
wo viele enge verwandte Genera, deren Verwandtschaft sich durch die Entwick- 
lung des Flügelgeäders streng nachweisen lässt, gewaltsam auseinander gerissen 
werden. — Es ist dabei jedoch nicht gemeint, dass Andrd eine neue, der Ent- 
wicklung des Geäders entsprechende, natürliche Nomenclatur für die Adern und 
Zellen hätte bringen sollen. So nothwendig dies auch scheint, so ist die Ento- 
mologie noch nicht so weit vorgeschritten, dass es mit Erfolg zu wagen wäre. 

Ganz unwissenschaftlich ist ferner die Besprechung des Hinterleibsstieles 
(p. 8). Man erfährt ungefähr blos, dass das 1. Segment entweder sehr lang- 
gestreckt, stielförmig ist und darauf die erweiterten Ringe folgen, oder dass der 
Stiel kurz ist. Wie man den Stiel vom morphologischen Standpunkte auffassen 
muss, erfährt man nicht. Es ist also nicht gewürdigt, was Gerstäcker in seiner 
Abhandlung über Oxyhelus vom Hinterleibsstiel gesagt hat. Nach Gerstäcker 
erscheint in dem einen Falle der Stiel dadurch gebildet, dass die verlängerte 
Ventralplatte allein denselben darstellt und, weil von der Rückenplatte nur 
ganz hinten bedeckt, grösstentheils freiliegt, daher von oben sichtbar ist (Sphex, 
Psammophila, Psen, Mimesa, Pelopoeus); in anderen Fällen wird ein Stiel 
durch die gleichmässige Verlängerung der genau übereinander und nicht hinter- 
einander liegenden Rücken- und Bauchplatte des 1. Segmentes (hiebei rechne 
ich das Mittelsegment nicht als 1. Hinterleibssegment) gebildet (Mellinus, 
Trypoxylon, Rhopalum, Dasyproctus, Podagritus, Trachypus). 

2* 



12 



Frauz Friedrich Kohl. 



Bei Ämmophila tritt, abgesehen von der Gruppe Psammophila, wobl der 
erstere Fall ein, nur erscheint auch die Rückenplatte mehr weniger gestreckt, 
der Stiel daher „zweigliedrig". 

Von der bei den Weibchen der Sphegiden auf der oberen Afterklappe 
vorkommenden Absonderung eines Pjgidialfeldes und von dessen Werth für die 
Bestimmungen ist im Werke Andre's nichts zu finden. 

Die Angaben über Anatomie, Vermehrung und Lebensweise sind fast aus- 
schliesslich den Arbeiten anderer Autoren (L. Dufour, J. H. Fahre) entnommen 
und wörtlich angeführt. 

Auf den allgemeinen Theil folgt (p. 36) eine Aufzählung der Arbeiten 
über Sphegiden (Bibliographie speciale). 

Diese Aufzählung umfasst 225 Abhandlungen, ist aber dennoch sehr 
mangelhaft zu nennen, da weit über 100 fehlen. 

So fehlen z. B. die bis zum Jahre 1885, also noch vor Erscheinen der 
Andre'schen Sphegiden-Monographie, veröffentlichten einschlägigen Arbeiten 
folgender Autoren : 

Andersson, Berthold, Beuthin, Brauer, Brischke, Capron, Car- 
ruccio, Contarini, Giuseppe Costa, Disconzi, Fauvel, Edw. Fitsch, 
Frey- Gessner, Friese, Gorgoza, Guillou, H. Kawall (1857), Labram et 
Imhoff, Ferd. Morawitz, O.Müller, Herrn. Müller, Piccioli, Rolauder, 
Sajö, Scheven, Schlechtendal, Schmidt-Goebel, Schoyen, Schreber, 
Sichel, 0. Siebold (1839), Snellen v. Vollenhoven, Uddmann (1753). 

Ferner fehlen einzelne Arbeiten von : 

Becker, ßoitard. Brülle, Dallatorre, Giraud, Goeze, Herrich- 
Schäffer, Kirschbaum, Mayer-Dür, Mocsäry, Rogenhofer und Kohl, 
Rudow, Edw. Sau nders, Schenck, Smith, Schilling. 

Endlich fehlen noch eine Reihe von Arbeiten, welche zwar in der Haupt- 
bibliographie des L Bandes der Speeles des Hymenopteres angeführt werden, 
aber höchst nothwendig auch zur Specialbibliographie der Sphegiden gehören, 
besonders jene von ihnen, welche ausschliesslich europäische Sphegiden behandeln. 

Diese fehlenden Arbeiten sind von : 

Brülle, Cederhielm, Curtis, Cuvier, Cyrillo, Dahlbom, Dietrich, 
Donovan, Dumeril, Forster, Förster, Fritsch, Ghiliani, Gmelin, 
Guörin et Meneville, Hentschius, Lamark, Latreille, Panzer, Poda, 
Roemer, Rondani, Samouelle, J. Schäff er, Sickmann, Smith, Stephens, 
Sulzer, Thomson, Tischbein, Wissmann. 

Ich glaube, dass vorhergehende Angaben, bei denen ich selbst keine Voll- 
ständigkeit angestrebt habe, hinreichen werden, die Sachlage zu beleuchten. 

Seite 50 werden die Sphegiden in nicht weniger als 14 Tribus eingetheilt, 
die wie Unterfamilien behandelt werden, jedoch nach Art natürlicher Familien 
auf —-idae auslauten. 

Die neuere Forschung hat dargethan, dass eine wissenschaftliche Syste- 
matik bei den Grabwespen wohl Gruppen enger verwandter Gattungen (Gattungs- 



Bemeikun^'en zu Edra. A n d r e 's Speeles des llyiiiciioiUeres. 



cuniplexe) neben vereinzelt stehenden Gattungen, aber keine Eintlieilimg in 
Familien oder Unterfamilien anerkennen kann. 

In den „Species des Hymenopteres" ist diese Erkenntniss vollständig 
vernachlässigt, und die gebotene neue, noch von keinem anderen Autor früher 
gebrauchte Eintheilung durch kein Wort der Kritik begründet. 

Die erwähnten 14 Tribus gruppiren sich nach dem Eintheilungsgrund 1 
(p. 50)^) in zwei Abtheilungeu; die erste soll durch die Angabe, dass die er- 
weiterte Partie des 1. Hinterleibssegmentes kürzer oder gleich lang wie die ver- 
schmälerte ist, die zweite durch den Gegensatz: „die erweiterte Partie des 1. Seg- 
mentes ist länger als der stielartige Theil", gekennzeichnet sein. 

Hiernach glaubt Jeder bei einfacher Logik, dass die Gattungen aller 
Tribus sammt und sonders mit einem Hinterleibsstiel ausgestattet seien, der 
sich nur in Bezug auf seine Länge in der angegebenen Weise verschieden 
verhalte. 

Wo blieben dann die zahlreichen Formen der Sphegiden, bei denen mau 
von einer „partie filiforme" überhaupt nicht reden kann, wie Crabro ex parte, 
Oxybelus, Tachytes, Larva, Tachysphex, Palarus, Ästatus, Bembex etc.? 

Die Logik, mit welcher Andre diese in der 2. Abtheilung unterbringt, 
verstehe ich nicht. 

Die Andre 'sehen Tribus der 1. Al)thciluiig mit längerem Hinterleibs- 
stiele sind: 



L Ammophilidae. 

2. Pelopoeidae. 

3. Sphecidae. 

4. Ampulicidae. 



5. Mellinidae. 

6. Psenidae. 

7. Pemphredonidae. 

8. Trypoxylonidae. 



Sehr merkwürdig ist nun die Thatsache, dass die Kennzeichen dieser 
Abtheilung sehr häufig nicht zutreffen. 

Unter den Ammophiliden ist bei mehreren Arten der Gruppe Psammo- 
phila (z. B. Psammophila Moraivitzii Andre, off'inis Kirby, alpina Kohl, hirsuta 
Scop. etc.) die partie filiforme, nicht — wie angegeben ist — die partie 
renflee kürzer. 

Selbstverständlich kann unter partie filiforme nach Andre nur der 
oben sichtbare Theil des 1. (resp. 2.) Ventralsegmentes, nicht auch der von der 
Rückenplatte überdeckte, meist halb umschlossene Endtheil desselben geraeint sein. 

Was von einem Theile der Ammophiliden gesagt ist, gilt von zwei 
Drittel der bekannten Spheciden (z, B. sämmtlichen der Gruppe des Sphex 
maxillosus: maxillosus, flavipemiis, tristis, argentatus, nigripes, plumipes R. etc., 
ferner von denen der Gruppe des subfuscatus: subfuscatus, aegyptius, persicus, 
Stschurowskii etc., endlich von vielen Arten der anderen Gruppen). 



») .,1 La partie renflee du premier segraent ventral est plus courte que la partie lilifonne 
ou lui ebt egale (Abdomen dit petiole). 

La partie renflee du premier segment ventrale et plus longe que la partie filiforme (Ab- 
domen dit seBt-ile)." 



14 



Frauz Friedricli Kohl. 



Weiters gilt es von einigen Pelopoeiden, von vielen Pein ph red o- 
niden (im Sinne Andre's, nicht in dem der Wissenschaft), namentlich allen 
Arten der Gattung Passaloecus, wo man überhaupt von keinem Hinterleibsstiel 
sprechen kann, von einigen Pseniden und man denke von sämmtlichen 
Ampuliciden.i) 

Wie man die Sache bei den Meli ini den und Trypoxyloniden auffassen 
soll, ist unverständlich, da bei diesen die Erweiterung des 1. Segmentes allmälig 
erfolgt und man daher bei der Beurtheilung nicht weiss, von wo an etwa die 
partie renflee zu rechnen ist. 

Bei den Crabroniden und Philanthiden gibt es auch Formen, denen man 
gewiss mit demselben Rechte wie den Trypoxyloniden und Melliniden oder etwa 
gar Passaloecus einen gestielten Hinterleib zusprechen kann (z. B. Basyproctus, 
Uhopdlum, Blepharipus, Tracliypus). Wie kommen nun bei Andre diese in 
die 2. Abtheilung der Tribus mit sitzendem Hinterleibe? Ich wäre sehr neu- 
gierig zu wissen, wie ein Anfänger etwa ein Phopalum coarctatum oder einen 
Passaloecus nach Andre bestimmen würde. 

Untersucht man, wie Andre die einzelnen Tribus der 1. Abtheilung aus- 
einander hält, so ergeben sich wieder manche Ungeheuerlichkeiten. 

So werden dieAmpuliciden von den Pemphredoniden und Trypoxy- 
loniden getrennt durch die Angabe, dass die Vorderflügel drei Cubitalzellen be- 
sässen; diese Angabe ist indessen unrichtig, da es manche Ämpulex- Art mit 
zwei Cubitalzellen gibt in der Weise, dass die erste Cubitalquerader verschwunden 
erscheint; dies ist gerade bei der einzigen europäischen Art der Fall. 

Von den Ammophiliden, Pelopoeiden und Spheciden werden die 
Am pu Heiden bei Andre durch die Angabe unterschieden, dass die erste 
Cubitalzelle einen rücklaufenden Nerven aufnähme, was bei ersteren nicht der 
Fall sei. Allein es gibt Stücke bei gewissen Sphex-Artm (Sphex niveatus, 
nigropectinatus, puhescens) , wo die erste rücklaufende Ader deutlich auf die 
erste Cubitalzelle trilft; dies kommt auch bei Pseudosphex vor. Die genannten 
Trennungsgründe erweisen sich somit als unverlässlich. 

Die Ammophiliden sollen, im Gegensatze zu den Pelopoeiden mit 
einem Zahne an den Klauen, entweder stumpfe oder zweizähnige Krallen haben. 
Hiernach ist es Andre unbekannt, dass es auch Ämmo2^hila -Avtm und selbst 
europäische {Ämmophüa afßnis K., ebenina Rad., Spin., fallaxK. etc.) gibt, 



1) An dieser Stelle scheint es mir wünschenswerth die Wahrnehmung zu äussern, dass 
man sich hei der Beurtheilung von Längenverhältnissen überhaupt, besonders bei Beurtheilung der 
Länge des Hinterleibsstieles mit der darauffolgenden Kückenplatte (z. B. von einer AmmopJäla) 
nach dem Augenmasse gewaltig täuschen kann. Seitdem ich diese Erfahrung gemacht habe, be- 
nütze ich ein Präparirmikroskop, an dem eine Camera lucida angebracht ist, und entwerfe von 
den zu untersuchenden Körpertheilen eines Insects eine vergrösserte Zeichnung; diese lässt eine 
genaue vergleichende Messung zu, was am Thiere wegen der Kleinheit höchst selten und nur mit 
Gefahr für das Object möglich ist. Es ist richtig, dass eine derartige Untersuchung etwas zeit- 
raubend ist, aber sie führt zu verlässlichen Angaben. Ich bin der Ueberzeugung, dass sich im 
Laufe der Zeit die Entomologen mehr und mehr zu solchen Untersuchungen bequemen und dass 
die Herren Optiker einmal einen zu diesem Zwecke ganz geeigneten Apparat herstellen werden. 



Bemerkuiigeu zn Edin. Andro's Species des Hynienopteres. 



15 



welche einen Klaiienzahn besitzen. Bei der Bestimmung würden nun nach dem 
Tableau des Tribus diese echten Ämmophila -Arten zu den Pelopoiden gerathen. 

Weiter unten bei der Besprechung der Pelopoeiden im Allgemeinen 
wird erwähnt, dass die Klauen selten unbezahnt seien; dies ist in der That 
bei dem amerikanischen Pelopoeiis flstularius der Fall. Mit welchem Kechte 
kann nach alldem die Nichtbewehrung der Klauen zur Trennung der Pelo- 
poeiden von den Ammophiliden benützt werden? Es gibt dafür andere 
Unterschiede, die leider vernachlässigt sind. 

Die 2. Gruppe der Tribus wird gebildet von den Crabroniden, Gastero- 
sericiden, Ph ilanthiden, Bembeciden, Larriden und Nyssoniden. 

Die Trennung dieser Tribus ist fast ganz auf Angaben über das Flügel- 
geäder gegründet, wobei Andre' ebenso wie bei der Trennung der Ampuliciden 
von den Ammophiliden, Sphegiden etc. zeigt, dass er den Werth des 
Geäders nicht zur Beurtheilung der natürlichen Verwandtschaft zu verwerthen 
versteht. Wie könnte er sonst die Gattungen mit einer Cubitalzelle als Crabro- 
niden, jene mit zwei als Gaster ose riciden etc. zusammenfassen. 

Was für eine Gesellschaft von Gattungen er auf diese Weise zusammen- 
bringt, wird weiter unten gezeigt werden. 

So viel über die Eintheilung der Sphegiden im „Tableau des Tribus". 

Ausserdem werden die Tribus noch einzeln bei Gelegenheit der dicho- 
tomischen Behandlung der Gattungen und Arten eingehend besprochen. 

Diese Charakterisirungeu sind ganz ohne Gleichmässigkeit durchgeführt, 
indem bei der einen Tribus eine Menge Punkte zur Besprechung gezogen werden, 
die bei der anderen verschwiegen sind. 

Ein weiterer Missstand ist der, dass Merkmale, welche bereits beim All- 
gemeinen, d.i. im Anfange des Bandes als allen Sphegiden zukommend 
hervorgehoben sind, bei dieser oder jener, oder auch der Mehrzahl der Tribus 
neuerdings, wenn auch ohne Grund, angebracht werden. 

Was soll es der Wissenschaft nützen, wenn man bei den Ammophiliden 
(p. 52), Pelopoeiden (p. 03) und Spheciden (p. III), ferner bei den Melli- 
niden (p. 166) neuerdings erfährt, dass die Weibchen 12-, die Männchen 
ISgliedrige Fühler besitzen, nachdem dies doch schon p. 1 und 6 als bei 
sämmtlichen Sphegiden zutreffend erklärt worden ist? 

Was soll es nützen, wenn von den Pelopoeiden (p. 93) und Spheciden 
(p. III) besonders gesagt wird, dass die Männchen 7, die Weibchen 6 äusserlich 
sichtbare Hinterleibsringe zeigen? Dieser Geschlechtsunterschied wurde gleich- 
falls schon (p. 8) als ein bei den Sphegiden allgemein giltiger hervorgehoben. 

Was soll es ferner nützen, wenn bei der Kennzeichnung mehrerer Tribus 
(bei den Spheciden [p. HO], Pelopoeiden [p. 93], Ampuliciden [p. 153] und 
Ammophiliden [p. 51]) betont wird, dass das 2. Fühlerglied sehr kurz, das 
3. das längste von allen ist? — Dass das 2. Fühlerglied sehr kurz ist, gilt nicht 
nur von allen Grabwespen, sondern fast ausschliesslich von allen Aculeaten, 
während die Andre'sche Angabe über die Länge des 3. Fühlergliedes nicht 
immer, z. B. bei gewissen Spheciden, Crabroniden etc. nicht passt. 



16 



Franz Friedrich Kohl. 



Höchst Überflüssig ist auch die häufig wiederkehrende Angabe ^^Yeux 
grmides", da sie bei allen Grabwespen so ziemlich zutrifft. 

Warum wird denn gerade bei der Tribus der Spheciden erklärt, dass 
die Augen nicht ausgerandet sind, warum denn dann nicht auch bei den beiden 
vorhergehenden Tribus, den Ammophiliden und Pelopoeiden, und den 
darauffolgenden Ampuliciden, Melliniden, Pseniden? 

Wo soll nun ein Anfänger, der die Gattungen dieser Tribus noch nicht 
kennt, aus dem Andre'schen Werke erfahren, ob die Augen ganz oder ausge- 
randet sind? Im allgemeinen Theile erfährt er ja blos, dass die Augen meist 
ganz, selten ausgerandet sind; auch im „Tableau des Tribus" wird dieses ausge- 
zeiclmete Merkmal nicht verwendet. Daselbst werden die Pemphredoniden 
von den Tr jpoxyloniden, welch letztere sich wirklich durch nierenförmige 
Augen auszeichnen, durch die Zahl der Cubitalzellen auseinandergehalten, u. zw. 
durch eine Angabe, die selbst wieder unrichtig ist, da die Trypoxyloniden 
in der That wie die Pemphredoniden zwei Cubitalzellen haben, von denen 
die zweite bei der Gruppe Äulacophilus vollkommen, bei sehr vielen anderen 
Arten durch schwächere Tiugirung, bei sämmtlichen übrigen Arten aber durch 
sichtbare Spuren der Venenrohre umgrenzt erscheint. Von einer einzigen 
Cubitalzelle kann streng genommen nur dann eine Rede sein, wenn die zweite 
auch nicht einmal in der Anlage vorhanden ist. 

Am vernünftigsten wäre es gewesen, im Capitel über die „Caracteres 
generaux" zu sagen, dass bei den Sphegiden, mit Ausnahme von Trypoxylon, 
Pison, Trachypus und Philanthus, die Augen nicht ausgerandet sind und später- 
hin über diesen Punkt mit Ausnahme bei den genannten Gattungen zu schweigen. 

Wenn bei den Spheciden (p. III) von der Länge des Metathorax (resp. 
Mittelsegmentes) gesprochen wird, warum soll dieser Umstand dann nicht auch 
bei den Pelopoeiden, wo der Metathorax durchschnittlich noch länger ist, 
Erwähnung finden? 

Dafür wird von den Pelopoeiden (p. 93) verrathen, dass sie drei Ocellen 
besitzen. Diese Angabe hätten wir dem Autor gerne erlassen, wenn er uns 
gesagt hätte, wie es mit der Bewehrung der Beine steht, weil er diese doch 
von den vorausgehenden Ammophiliden und den folgenden Spheciden er- 
wähnt, und weil sich gerade hierin die Pelopoeiden von sämmtlichen Ämnio- 
phüa- und Sphex-Arten unterscheiden. 

Bei einigen Tribus erfährt man etwas über die Zahl der Schienensporne, 
bei anderen wieder nichts. 

So Hesse sich noch Manches von der Charakterisirung der Tribus nam- 
liaft machen, was entweder unrichtig, unzulänglich oder überflüssig ist. 

Eintheilung der Tribus in Gattungen bei Andre. 
I. Tribus. — Ammophilldae, 

Hieher rechnet Andre die Gattungen: 1. Ammophila Kirby; 2. P«m- 
jmmmophila Taschenbg. ; 3. Eremochares Grib.; 4. Coloptera Lep. 



Bemerkungen zu Edm. Andre '8 Species des Hymenopt&res, 



17 



In Betreff Eremochares erkläre ich, dass ich ein Stück (9) des Eremo- 
chares Boriae, welches Gribodo an Mocsäry geschickt hatte, von diesem 
Forscher zur Einsicht bekommen und gefunden habe, dass es nur ein etwas 
mehr roth gefärbtes Individuum der in der Farbe veränderlichen Parapsammo- 
phila dives ist. Eremochares muss demnach verschwinden. Würde 
Andre die Artmerkmale von Parapsammophila dives erkannt haben, so hätte 
es ihm bei der Untersuchung von Eremochares Doriae nicht mehr fraglich 
scheinen können, ob Eremochares als Gattung gelten kann oder nicht. 

Parapsammophila ist im Andre'schen Werke vorzüglich durch den 
Besitz von zwei Klauenzähnen als Gattung gekennzeichnet. Dieses Merkmal kann 
indessen zur Aufrechterhaltung einer Gattung nicht hinreichen, wenn man er- 
'w%'igt, dass im Ammophila-kvtm mit einem Klauenzahn keine eigene Gattung 
errichtet worden ist, weil es innerhalb der zu Ammophila gehörigen, natürlichen 
Artensection Psammophila Arten mit und ohne Klauenzahn gibt. 

Bei Sphex, wo die Zahl der Klauenzähne zwischen 1—5 schwankt, ist 
diese nicht zur Errichtung von Gattungen verwendet worden und auch mit 
Recht. Mit welcher Folgerichtigkeit könnte sie dann bei den so nahe verwandten 
Ammophiliden massgebend sein? Oder sollten die Sphexe unter einander 
in den übrigen Merkmalen mehr übereinstimmen als Parapsammophila mit 
Ammophila? Dies kann wohl Niemand behaupten. 

Als weiteres Merkmal für Parapsammophila gibt Andrd an: „Za troi- 
sieme (cell, cubit.) est assez fortement retrecie vers la radiale". Dieses ist bei 
dives in Bezug auf den Grad sehr veränderlich, bei armata, miles und lutea 
meistens nicht der Fall; bei armata ist nämlich die 3. Cubitalzelle fast immer 
schmal rhomboidisch, so dass von einer Verschmälerung derselben an der Radial- 
zelle daher keine Rede sein kann; bei miles und lutea ist sie tonnenförmig, 
daher der Abstand der 2. und 3. Cubitalquerader an der Radial- und Cubital- 
ader so ziemlich gleich ist. Ich habe auch schon Stücke gesehen, wo gerade 
das Gegentheil der Andre'schen Angabe zutrifft, nämlich die 3. Cubitalzelle an 
der Radialader nicht schmäler, sondern breiter war. Ein so schwankendes Merk- 
mal kann man zur Begründung einer Gattung nicht brauchen. 

Nach Allem dürfen wir Parapsammophila von Ammophila nicht trennen. 

Die vierte Gattung der Ammophiliden, nämlich Coloptera, ist eine 
Form mit zwei Cubitalzellen. Sie ist von Lepelletier auf eine Art Namens 
barhara gegründet, welche seither Niemand mehr zu Gesicht bekommen hat. 
Dieser Umstand, und weil die später beschriebene Coloptera proxima Smith 's 
(Cat. Hym. Brit. Mus., P. IV, p. 225) sich mir nur als ein aberrantes Stück 
der Ammophila tenuis Pal. (= cyaniventris Guer.) entpuppt hat, ferner weil 
die Ammophila pictipennis Walsh. (= anomala Taschenbg.) und andere Arten 
nicht sehr selten in beiden Flügeln, manchmal auch nur in einem, blos zwei 
Cubitalzellen zeigen, möchte ich fast vermuthen, dass wir es hier blos mit einem 
Individuum irgend einer Ammophila- Art zu thun haben, bei der gegen die Regel 
eine Cubitalzelle verschwunden erscheint, indem entweder die 2. oder 3. Cubital- 
querader abortirte, oder die 2. und 3. Cubitalquerader auf Kosten der 3. Cubital- 

Z. B. üeö. B. XXXIX. Abb. 3 



18 



Franz Friedrich Kohl. 



Zelle in einer Weise verschmolzen, wie sie bei Ammophüa campestris angedeutet 
ist. Sollte gegen meine Vermuthung die Coloptera barbara, wie Ammophüa 
nearctica Kohl n. sp.,i) eine nordamerikanische, bisher unbeschriebene Art, 
nur zwei Cubitalzellen aufweisen, so könnte sie trotzdem nicht, von Ammophüa 
getrennt, eine eigene Gattung vorstellen, so lange nicht an ihr andere Gattungs- 
merkmale nachgewiesen werden. 

Die erwähnte amerikanische Coloptera nearctica ist ebenfalls in allen 
Einzelheiten eine Ammophüa. 

Nach Obigem erscheint nun die Tribus der Ammophiliden 
auf eine einzige Gattung zurückgeführt. 

II.— Y. Trilbus. — JPelopoeidae, SphecidaCf Ampulicidae, Melli- 
nidae» 

Diese Tribus sind gleichfalls nur von je einer einzigen Gattung gebildet. 

Von den Ammophiliden, Pelopoeiden und Spheciden, d. i. eigentlich 
von den Gattungen Ammophüa, Pelopoeus und Sphex, lässt sich eine engere 
Verwandtschaft nachweisen; sie bilden eine natürliche Gattungsgruppe in der 
grossen natürlichen Familie der Spegiden Westw. 

YI, Trilbus. — Die Psenidae werden von den Gattungen Mimesa und 
Psen gebildet. 

YII. Trilbus. — Die I*emphredonidae zerfallen bei Andrä in die 

Gattungen Stigmus, Cemonus, Pemphredon und Passaloecus. 

Wir vermissen hier die nächsten Verwandten von Pemphredon, nämlich 
Ceratophorus, Diodontus, Spilomena und Ammoplanus. 

Hätte sich Andrd die Gesammtheit der Merkmale, besonders jener, welche 
sich durch ihre Beständigkeit als werthvoll erwiesen haben, vor Augen gehalten, 
so würde er unmöglich diese Gattungen bei anderen Gruppen haben unter- 
bringen können. 

Spilomena, Ceratophorus und Diodontus bilden nämlich bei Andre zum 
Theile die Tribus der Gasterosericiden. 

Es ist unbegreiflich, wie man Spilomena von der Seite der so nahe ver- 
wandten Gattung Stigmus reissen und in eine andere Tribus werfen kann; 
noch unbegreiflicher aber, weil der Erkenntniss aller anderen Autoren, sowie 
jeder wissenschaftlichen Anschauung über Verwandtschaft entgegen, ist es, wenn 

1) Ammophüa nearctica n. sp. Länge 12 mm. Schlank. Zeigt in heiden Flügeln 
bei den Stücken, die ich kenne, nur zwei Cubitalzellen; die zweite ist verhältnissrnässig sehr 
gross. Radialzelle ziemlich kurz und am Ende abgerundet, schwarz. Dorsalplatte des 2. Segmentes 
(2. Stielglied) mehr weniger, und das ganze folgende Segment roth. Endringe schwarz, ohne Metall- 
glanz. Behaarung weiss. Augen wie gewöhnlich gegen den Kopfschild convergent, ihre Entfernung 
am Scheitel an der Linie, die man sich durch die hinteren Nebenaugen gezogen denkt, nicht ganz 
doppelt so gross als die geringste Entfernung am Kopfschilde. Collare verhältnissmässig stark, 
ähnlich wie bei Ammophüa procera Dahlb. (= gryphus Sm.) mit Querriefen ausgestattet, etwa 
doppelt so breit als lang. Dorsulum ebenso quergestreift, mit einer Mittelfurche. Episternalfurche 
nicht ausgeprägt. Mesopleuren unbestimmt gerunzelt. Mittelsegment oben dicht querstreifig; 
1. und 2. Glied des Hinterleibsstieles so ziemlich gleich lang; eines von ihnen etwa so lang als 
die zwei Grundglieder der Hinterbeine. — Nearktische Region. — Washington Terr. 



Bemerkungen zu Edm. Andre 's Species des Hymenoptires. 



19 



Ceratophorus, yf elcher ebensowenig als Ce7nomis {rede Diphlehiis Westw.l) nicht 
einmal als selbstständige Gattung von Pemphredon getrennt bleiben darf, in 
einer anderen Unterfarailie untergebracht wird. 

Auch Diodontus gehört in die nächste Nähe von Pemphredon. 

Wie steht es nun mit Ammoplanus? Bis jetzt hat das Werk diese Gattung 
noch nicht gebracht; ich hätte sie neben Stigmus und Spilomena, deren nächste 
Verwandte sie ist, zu finden gewünscht. Ob sie Andre nicht kennt, oder ob 
die leidige Cubitalzellenzahl in gewaltthätiger Weise einen Crabronen daraus 
machen wird, werden die nächsten Hefte des Werkes zeigen. 

YIII. Tribus. — Trypoocylidae Andr^. 

Diese werden nur von der Gattung Trypoxylon gebildet. 

In meiner Arbeit „Die Gattungen und Arten der Larriden" (Verhandl. 
der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, 1884) habe ich S. 191 eingehend nach- 
gewiesen, dass Trypoxylon und Pison einander ungemein nahe stehen. Schon 
dazumal war ich nahe daran, diese beiden Gattungen mit dem Zwischengliede 
Aulacophilus zu einer einzigen zu vereinigen, was früher oder später sicher 
einmal erfolgen wird. 

Dass Trypoxylon und Pison zusammengehören, geht daraus hervor, dass 

1. sich der Trypoxylo7i-F\üge\ nJichgewiesenermassen aus dem Pison-Flügel 
entwickelt hat, ohne dass sich die Anlage des Geäders wesentlich geändert hätte, 

2. die Augen bei beiden ausgerandet, die Thoraxtheile und Beine gleichförmig 
gebildet sind, 3. bei beiden die Häkchen des Retinaculums in zwei Gruppen 
getheilt sind, was sonst bei keiner Sphegidengattung vorkommt, und 4. die 
Lebensweise (Nestbau, Larvenfutter!) so ziemlich die nämliche ist. 

Für Andre existirt dieser Beweis nicht; Pison steht bei ihm nämlich 
nicht in der Tribus der Trypoxylideu und dürfte nach dem „Tableau des 
Tribus" zu schliessen, bei seinen Larriden untergebracht werden. 

IX. Tribus. — Gastrosericidae» 

Es wurde bereits oben erwähnt, dass die Gastrosericidae drei Gattungen 
enthalten, die aus guten Gründen bei Pemphredon und Verwandten stehen 
sollten. Ausser diesen sind noch drei Gattungen, nämlich Gastrosericus, Dinetus, 
und Miscophus, bei dieser Tribus untergebracht, die ebenso gewaltsam, wie die 
vorhin erwähnten von den Pemphredoniden, von den Larriden- Gattungen 
gerissen worden sind. Besonders Gastrosericus kann nicht aus der Nähe von 
Tachysphex, Tachytes, Larra (s. 1.), Prosopygastra etc. entfernt werden, mit 
denen er eine Gruppe näher verwandter Gattungen bildet. Diodontus und 
Miscophus stehen mehr vereinzelt, letzterer ist jedoch entschieden näher den Gat- 
tungen Sylaon und Solierella als der Gattung Diodontus oder Spilomena, oder 
Ceratophorus ; darüber kann keine Frage herrschen. 

Die Zusammenstellung der Tribus der Gastrosericiden muss 
als eine in allen Theilen verunglückte bezeichnet werden. 

X. Tribus. — JPhilanthidae. 

Die Philanthiden erscheinen aus den Gattungen Cerceris, Philanthus, 
Änthophilus und Dolichurus zusammengestellt. 

3* 



20 



Eranz Friedrich Kohl. 



Dolichurus hat in keinem Falle mit Philanthus nnd Oercem etwas zu 
schaflfen, was allein schon durch die grosse Verschiedenheit in der Configuration 
des Kopfes und Thorax und die Verschiedenheit in der Anlage des Flügelgeäders 
angedeutet ist. Diese Gattung steht in Beziehungen zur Gattung Ampulex. 

Änthophilus kann von Philanthus nicht getrennt werden, da der Unter- 
schied im Geäder der Hinterflügel kein sicherer ist; dies lehren die ausländi- 
schen Arten. 

Ganz unrichtig ist bei der Kennzeichnung der Tribus die Angabe 
„Yeux grandes, entiers", indem g er 2i de Änthophilus und. Philanthus durch 
ausgerandete Augen ausgezeichnet sind. 

Bemerkungen über die Unterscheidung der Arten bei Andre. 

Genus Ammophila, 

Von der G2i.ttung Ammophila sind 45 Arten besprochen, 
von denen Andre nur 23 aus eigener Anschauung zu kennen 
vorgibt. 

Ammophila Hungarica M. (p. 61) ist das Weibchen zu fallax Kohl (nach der 
Type!). 

Ammophila Hispanica M. (p. 63) ist gleichfalls das Weibchen zu fallax Kohl 
(nach der Type!). 

Ammophila Turcica M. (p. 63) ist das Männchen zu fallax Kohl (ebenfalls nach 
der Type). 

Somit erscheint ein und dieselbe Art im Werke unter vier 
Namen ; dies ist die Folge, wenn man Thiere, die man nicht kennt, in ana- 
lytischer Form behandeln will. 

Es fällt mir auch auf, warum Andre meiner Beschreibung der 
Ammophila fallax nicht die Angabe über das Fehlen der Episternalnath 
des Mesothorax, ein ganz vortreffliches Merkmal, entnommen hat. Ammo- 
phila fallax ist überdies durch den Besitz eines Klauenzahnes aus- 
gezeichnet (cf, 9). was ich in jüngerer Zeit wahrgenommen habe. 

Ammophila clypeata M. (p. 64) ist nach der Type eine Parapsammophila und 
zwar das Männchen von armata, welches in Bezug auf die Ausbildung 
des Kopfschildhornes etwas abändert. 

Ammophila Tuareg Andre n. sp. (p. 65) ist nach der Type, die mir der Autor 
zugesandt hat, die häufigste und längstbekannte Ammophila, die Ammo- 
phila sabulosa L. 

Ammophila Bhaetica K. (p. 67) wird neben Ammophila Mocsäryi noch immer 
als selbstständige Art behandelt, obgleich ich sie bereits im Jahre 1880 
(Zeitschr. d. Ferdin. in Innsbruck, p. 183) als ein Synonym von letzterer 
erklärt habe. Das Andre unbekannte Männchen dieser Art beschrieb 
ich in der genannten Zeitschrift gleichfalls schon im Jahre 1880, p. 237. 

Ammophila Iherica Andr^ n. sp. (p. 69) ergibt sich nach der Type (!) als eine 
unzweifelhafte Ammophila Heydenii Dhlb., der zweithäufigsten mittel- 



Bemerkungen zu Edm. AndreV Speeles des Hynienopteies. 



21 



und südeuropäischen Art, welche in der Ausdehnung des Roth einiger- 
masseu veränderlich ist. 
Ammophila (Psanimophila) ehenina Andre ist nicht die ehenina Spinola's, 
wohl aber die ehenina Costa's; diese aber ist nichts anderes als die 
schwarze, weibliche Abänderung der Ammophila hirsuta Scop. Dass 
diese schwarzleibige Form nicht als eigene Art aufgefasst werden darf, 
sagt die vollständige üebereiustimmung in der Sculptur und den plastischen 
Verhältnissen mit hirsuta und das fast vollständige Fehlen schwarz- 
leibiger Männchen. In Corsica vertritt sie die rothleibigen Weibchen 
nahezu ganz, während man daselbst keine schwarzen Männchen antrifft. 
Was die Zusammengehörigkeit von hirsuta und dieser schwarzen Psammo- 
phila besonders beleuchtet, ist das Fehlen der Klauenballen (9 ©in 
Merkmal, das zuerst Thomson gefunden hat, von Andrd aber leider 
nicht benützt worden ist. 

Radoszkowski hat zuerst und zwar in einer seiner letzten Ar- 
beiten die Erkenntniss niedergelegt, dass die ehenina Costa's und 
anderer Autoren mit der ehenina Spinola's nichts zu thun hat, und 
nennt sie Ammophila Mervensis. 

Die Beziehungen von Mervensis zu hirsuta sind diesem Autor aber 
nicht aufgefallen. 

Eine kurze Vergleichung von Ammophila hirsuta var. Mervensis 
und ehenina Spin, dürfte am Platze sein : 

Ammophila hirsuta var. Mer- 
vensis Rad. 
1. Klauen ohne Zahn an der 



Basis. 

2. Klauenballen beim Q fehlend. 

3. Kopf und Dorsulum dicht 
grob punktirt. 



Ammophila ehenina Spinola. 



1. Klauen mit einem kleinen, erst bei 
stärkerer Lupenvergrösserung (z. B. 
45 fache Vergr.) sichtbaren Zahn. 

2. Klauenballen beim 9 deutlich. 

3. Kopf und Dorsulum ziemlich glän- 
zend, deutlich aber nur spärlich 
punktirt. 

4. Mittelsegment oben dicht querrunze- 
lig gestreift (ähnlich affinis). 

5. 1. und 2. Geisseiglied zusammen 
reichlich so lang wie das 3. + 4- . 



4. Mittelsegment oben grob punk- 
tirt, runzelig, oft fast körnig. 

5. 1. und 2. Geisseiglied zu- 
sammen ein wenig kürzer als 
das 3. und 4. zusammen. cT. 

Bei ehenina sind übrigens die Fühler und Beine viel schlanker, 
der ganze Körper schmächtiger. 

Ammophila lutaria Fabr. (= affinis Kirby) ist durch einen Klauenzahn ausge- 
zeichnet; dies erscheint nicht berücksichtigt. 

Ammophila caucasica M. fp. 82) ist identisch mit Ammophila afßnis Kirby 
(nach der Type!}. 



22 



Franz Friedrich Kohl. 



1 gehören alle zu einer und derselben Art, 
welche den Namen Ämmophila Tydei 
Guillou (Revue zool., IV, 1841) führen 
muss; Andre scheint dieser nicht bekannt 
zu sein. 

Parapsammophüa lutea Taschenberg (p. 90, non Q!) ist, wie mich die 
Einsicht der Tas chenberg'schen Type belehrt hat, nur eine sehr helle 
Abänderung der Parapsammophüa dives Br. 

Eremocliares Boriae Grib. (p. 92) ist keine selbstständige Art, sondern die 
Ämmophila dives Br., was ich bereits oben erörtert habe. Selbstverständlich 
hat der Artname Boriae ebenso zu verschwinden, wie der Gattungsname. ^) 

Genus JPelopoeus» 

Der Pelopoeus violaceus, den Andre (p. 101) beschreibt, ist eine 
Mischart; sie enthält den orientalischen Bengalensis, dm Pelopoeus Targionii 
Carr. {= violaceus Dahlb. non Fabr. ? = flehilis Lep.), ausserdem noch zwei 
paläarktische Arten, die bisher nicht erkannt worden sind, obgleich sie 
sich in fast allen grösseren Sammlungen befinden. Die eine findet sich 
vorzüglich im Kaukasusgebiete und in Turkmenien, die andere auf der 
Balkanhalbinsel. Erstere nenne ich Pelopoeus Walteri, letztere omissus. ^) 

1) Da Parapsammophüa dives in der Färbung sehr veränderlich ist, so scheint es 
mir angezeigt, eine Beschreibung nach den eigentlichen Merkmalen, die noch nirgends, auch von 
Andre nicht, erkannt worden sind, zu liefern: 

Länge 20—26 mm. — Innenränder der Augen zum Unterschiede von den übrigen bekannten 
Arten der Gruppe Parajisammophila, yiie auch YOn den allermeisten übrigen J.»w7«o_p7iiZa -Arten auch 
beim Weibchen gegen den Kopfschild zusammenneigend. Geringster Abstand der Augen beim Weibchen 
gleich der Länge der beiden ersten Geisselglieder, beim Männchen etwas geringer. Gesicht ver- 
hältnissmässig schmal. Abstand der hinteren Nebenaugen von einander grösser als deren Abstand 
von den Netzaugen. Stirne beim Männchen stark eingedrückt. Die beiden ersten Geisselglieder 
zusammen gleich lang wie die beiden folgenden zusammen. Dorsulum in etwas veränderlicher 
Dichte, beim Männchen gedrängt punktirt. 

Mesopleuren punktirt. Schildchen nicht längsgestreift, sondern punktirt. Mesosternum 
vorne in der Mitte — hinter den Vorderhüften — in einen stumpfen, platt- 
gedrückten Kegel vortretend, 

Mittelsegment oben quergestreift; die Streifen treten an den Seiten der Rückenfläche 
entschiedener hervor. 

Hinterleibsstiel (Ventralplatte des 2. Segmentes) sichtlich länger als der Metatarsus der 
Hinterbeine, kaum ein wonig länger als die Hinterscbenkel, nicht viel weniger als doppelt so lang 
(Q) oder wirklich doppelt so lang wie die ßückenplatte {(^). 

Verlauf der 2. Discoidalquerader veränderlich, manchmal interstitial oder sogar noch in 
die 3. Cubitalzelle mündend. 

2) Pelopoeus (ChalyMon) Walteri n. sp. 18—21 mm. Weibchen. Der Kopfschild 
ist stark gewölbt, hat einen Längskiel in der Mitte und gleicht dem von Targionii; bei oinisstis 
ist er viel flacher. Sein Vorderrand zeigt nur drei zahnartige Läppchen, wogegen bei Targionii 
und auch omissus zu jeder Seite ausser den dreien noch ein sehr stumpfes, bogenförmig verlau- 
fendes Läppchen sichtbar ist. Zur Untersuchung dieses Verhältnisses verwende man eine starke 
Lupe, da die Behaarung die Vorsprünge zum Theile verdeckt. 

Geringster Abstand der Augen am Kopfschilde der Länge des 2. + halben 3. Geisseigliedes 
eutsprecliend, etwa um den Durchmesser eines hinteren Nebenauges grösser als der Abstand an 
der Linie, die man sich durch die hinteren Nebenaugen quer über den Scheitel gezogen denkt. 



BemerknngCD zu Edm. Andre 's Speeles des Hymenopt&res. 



23 



Genus Sphex. 

Vou 41 iu der Bestimmuiigstabelle augefülirten Arten 
kennt Andr^ nur 21 aus eigener Anschauung. 

Mein Sphex hirtus (Term. Füzet., IX, p. 169 et 176, 1885) wird 
als Synonym zu melanosoma Smith (Cat. Hym. Brit. Mus., P. IV, 1856) 
gezogen. Dies Vorgehen ist unberechtigt, 1. weil die Beschreibung Smith 's 
auf unterscheidendere Merkmale nicht eingeht, daher zu einer verläss- 
lichen Deutung nicht ausreicht, 2. weil Smith Indien als Vaterland von 
melanosoma angibt, während hirtus aus Afrika stammt. 

Der Sphex melanosoma Smith 's ist nach meiner Ansicht eine 
Abänderung des Chlorion splendidwn Fabr. 

Andre, der die Art selbst nicht kennt, bringt die Beschreibung 
Smith 's in üebersetzung und stellt ihr meine Angabe über die Länge 
des 2. Geisseigliedes („Deuxieme article du funicule plus court que la 
troisieme") bei hirtus <^ voran. Dabei begeht er einen doppelten 
Fehler, weil sein melanosoma erstens eine andere Art und zweitens kein 
Männchen ist. 

In meiner oben angeführten Abhandlung brachte ich in Folge eines 
Verstosses das Merkmal des Sphex hirtus cf , dass das 2. Geisseiglied viel 
kürzer als das 3. und kaum länger als das 1. ist, auch zur Beschreibung 
des eximius. Dass dabei nur ein Verstoss obwalten konnte, geht doch 
klar genug aus der Bestimmungstabelle, p. 169 hervor, wo eximius und 
hirtus in folgender Art auseinander gehalten werden : 

4. Zweites Geisseiglied kürzer als das dritte etc. . . Sphex hirtus Kohl. 
„ „ länger „ „ „ » • • Sphex eximius Kohl. 



Bei omissus ^ beträgt der geringste Abstand der Augen am Kopfschilde die Länge des 
2, + 3. Geisselgliedes, erscheint somit bedeutender; auch ist der Unterschied des Abstandes am 
Kopfschilde im Vergleiche mit jenem auf dem Scheitel ein klein wenig grösser als bei Walferi. 

Bei Targionü ist der Abstand der Augen auf dem Scheitel gleich der Länge des 2. Geissel- 
gliedes, vermehrt um ein Dritttheil des dritten; er ist auch nicht geringer als der am Kopfschilde. 

Schildchen gewölbter als bei omissus und Targionü. Metapleuren mit kurzen Querrunzel- 
streifen, die wie bei Targionü senkrecht auf der Mesopleural-Metapleuralnaht stehen und ein 
klein wenig auch auf die Mittelsegmentseiten übersetzen; diese Streifchen beginnen erst an der 
Metapleuralgrube ; in der Nähe der Mesopleuren sind die Metapleuren punktirt. Bei omissus sind 
die Stellen, wo bei Targionü und Walteri sich diese Querstreifung zeigt, ziemlich glatt. 

Hinterleibsstiel so lang wie das 2. -f 3. Geisseiglied ; bei omissus ist so ziemlich dasselbe 
der Fall, bei Targionü dagegen beträgt seine Länge reichlich die des 2. + 3. + halben 4. Geissei- 
gliedes. Beim Vergleiche der Hinterleibsstiellänge mit der der Hinterfussglieder ergeben sich 
keine brauchbaren Unterschiede. 

Die Punktirung des Körpers ziemlich dicht und wie die Querstreifung der Rückenfläche 
des Mittelsegmentes bei den verglichenen Arten so ziemlich gleich. Pelopoeus omissus ist weniger 
schlank als die beiden anderen. 

Männchen. Bei omissus fällt wie im weiblichen Geschlechte ein viel flacherer Kopfschild 
auf. üeber die Unterscheidung der Männchen von Walteri und Targionü bin ich mir gegenwärtig 
noch selbst nicht ganz im Reinen, hoffe jedoch, wenn mir mehr Material zur Verfügung stehen 
wird, die Frage zu lösen. 



24 



Franz Friedrich Kohl. 



Andre bcLreibt diesen Irrthum gedankenlos nach, und bei ihm 
hat das Männchen von eximius (— Kohli Andre) dasselbe Geisselglieder- 
verhältniss wie hirtus. ^) 

Sphex Haberhaueri Rad. (p. 127), mir in der Type bekannt, gehört ebenso- 
wenig als Sphex niveatus und nigropectinatus, wie in den Speeles des 
Hym^nopteres angenommen ist, zu der Abtheilung der Enodia-Arten mit 
3 oder 4 Klauenzähnen, denn sie besitzen nur 2 Klauenzähne. In meiner 
citirten Arbeit habe ich dieses Verhältniss deutlich und oft genug (p. 165 
[6], p. 170 [6], p. 176 [Bd. I, 1]) gekennzeichnet. Warum Andre, der 
den Sphex Haberhaueri gar nicht kennt, sich zu diesem Schritt veran- 
lasst sieht, ist nicht erfindlich. Den Sphex niveatus und nigropectinatus, 
den Andre doch zu kennen vorgibt, scheint er nach der Anzahl der 
Klauenzähne nicht untersucht zu haben. 

Sphex micans Andrö (p. 133) ist nicht identisch mit micans Eversm., dessen 
Type ich durch die Freundlichkeit meines verehrten Fachgenossen Herrn 
0. Radoszkowski zur Einsicht bekommen habe, sondern der livido- 
cinctus Costa's. Dieser Name muss bleiben; denn der Sphex micans 
Eversm. ist der Sphex pubescens Fabr. 

Sphex pruinosus Germ. (p. 142) ist nach den „Speeles des Hymenopteres" nicht 
bestimmbar, da der Bestimmer nichts über die so auffallende Sculptur 
des Mittelsegmentes („Metanotum") erfährt und die Angabe ,,Petiole 
assez long^^ sich mit dem Eintheilungsgrund der Abtheilung, in welcher 
er untergebracht ist, nicht zusammenreimt. 

Sphex Sirdariensis Rad. und persicus Mocs. sind, wie mich die Einsicht der 
Typen belehrt hat, die Männchen ein und derselben Art. Was Andr^ 
uüter seinem Sirdariensis (p. 145) versteht, vermögen wir nicht zu 

1) Sphex hirtus Kohl. — Länge 20— 26 mm. 

Das Weibchen ist dem Sphex Kohlii Andre ^j^, Q in Gestalt, Färhuug und Flügelgeäder- 
verlauf, also im ganzen Aussehen täuschend ähnlich; es unterscheidet sich von ihm durch die 
gröberen Querrunzelstreifen des Mittelsegmeutes, die in Folge reichlicherer Punktirung weniger 
glänzenden Mesopleuren, die dünneren und gestreckteren Fühler, den längeren Hinterleibsstiel und 
die auffallend dünneren Beine. 

Kopfschild an seinem Vorderrande wie bei regalis mit 5 Zähnen, der mittlere nur ange- 
deutet, auch die übrigen schwächer als hei genannter Art. In Bezug auf die Länge des Kopfschildes 
sei erwähnt, dass er viel kürzer ist als das 2. Geisselglied, nur so lang als das 3. Hinterleibsstiel 
so lang wie das 2. Geisselglied, länger als das 3. Hinterfussglied, jedoch kürzer als das 2. Hinter- 
flügel mit schwach angedunkeltem Spitzen- und Hinterrande. 

Das Männchen ist gleichfalls dem von regalis var. Kohlii im Aussehen zum verwechseln 
ähnlich; es unterscheidet sich indessen leicht: 1. durch den braunen Saum der Hinterflügel, 2. die 
viel dichtere und zottigere Behaarung des Kopfes und Brubtstückes, welche zugleich mit einem 
schwärzlichen Tomente die Sculptur zum grössten Theile verdeckt, 3. die noch etwas gröberen 
Querrunzelstreifen des Mittelsegmentes, 4. die sichtlich dünneren, längeren, kurz auffallend schlan- 
ken Beine, 5. besonders aber durch das kürzere 2. Geisselglied; dieses ist etwa um die Länge des 
1. Geisselgliedes kürzer als das 3. Kopfschild sichtlich länger als das 2. Geisselglied. flinterleibs- 
stiel so lang wie das 3. Geisselglied. Vorderbeine zum Theile roth. 

Geographische Verbreitung: Tor, Sinai, Cairo, Dongola. 



Bemerkungen zu Edm. Andr^'s Species des Hymenopteree. 



25 



deuten; mit dem Sphex persicus Moc?. ist er nicht identisch, aber auch 
nicht mit dem Sirdariensis Rad.^) 

Andre kann zwischen Sphex uegyptius und suhfuscatus ausser 
in der Grösse und der Sculptur des Mesonotums keine Unterschiede 
finden und meint, es handle sich um die Frage, ob sie blos Abänderungen 
einer und derselben Art sind. Der Unterschied in der Sculptur des Meso- 
notums existirt nur insoweit, als aegyptius in dem Grade gröber sculptu- 
rirt erscheint, als er grösser ist; er ist somit ein relativer. 

Dagegen bin ich in der Lage eine Reihe von Merkmalen anzugeben, 
welche beide Formen als gute Arten stempeln. 

Bei aegyptius sind die Beine, vorzüglich die Tarsen, ausser der 
gewöhnlichen Bedornung mit starren Borsten dicht besetzt; diese fehlen 



1) Eine prächtige, dem Sphex sirdariensis Rad. sehr nahe stehende Art aus Russisch- 
Armenien (Araxes-Thal) erwarb jüngst das k. k. naturhistorische Hofmuseum. Ich nenne sie 
Sphex lugens. Sie gehört zur Ahtheilung mit schmaler 2. Cubitalzelle. 

Länge 23—26 mm. Q . Schwarz. Collare, Dorsulum — beim Weibchen ausser dem 

Gesichte auch die Schläfen — sowie die Oberseite der Mittel- und Hinterschenkel mit silber- 
weissem Filze bedeckt, ähnlich wie bei Sphex Stschurowskii Rad. Die übrige, sehr spärliche 
Körperbehaarung ist schwarz. Flügel mehr weniger angedunkelt, ihr Geäder wie bei sirdariensis. 

Weibchen. Kopfschild massig gewölbt, vorne mit einer schüsselartigen Vertiefung. 
Innere Aagenränder parallel. Hintere Nebenaugen von einander ungefähr ebensoweit abstehend, 
wie von den Netzaugen. Abstand der Netzaugen an der Linie, die man sich durch die hinteren 
Nebenaugen quer über den Scheitel gezogen denkt, so gross wie die Länge des 2. -f- halben 
3. Geisselgliedes. 2. Geisseiglied so lang wie das 3. halbe 4. 

Die Rui.zelung des Thorax ist so derb, wie ich es bei keinem anderen Sphex beobachtet 
habe. Das Dorsulum lässt trotz der dichten, anliegenden Pubescenz eine derbe Querruuzelung 
erkennen. Schildchen betiächtlich gewölbt, etwas gerunzelt. Mesopleuren mit sehr groben, zer- 
knitterten Runzeln besetzt, sehr stark gewölbt und weit heraustretend ; desswegen und weil auch 
die Mittelsegraentseiten scharf heraustreten, erscheinen die Metapleuren grubenartig vertieft. 
Hinterschildchen gewölbt, in der Mitte leicht eingedrückt. Mittelsegment grob gerunzelt, die 
Runzeln etwas zerknittert, nicht immer deutliche Querstreifen bildend. Hinterleibsstiel Va^^al so 
lang wie der Metatarsus der Hinterbeine, oder so lang wie das 2. -f- halbe 3. Hinterfussglied. 
Beine im Vergleich zu der sonst gedrungenen Gestalt etwas schwach. Schenkel und Schienen des 
hintersten Paares gleich lang. 

Männchen. Dem Weibchen sehr ähnlich, nur haben die Beine keine weisse Pubescenz 
(ob beständig?). Innere Augenränder gegen den Kopfschild kaum merklich zusamraenneigend, 
Hii.tere Nebenangen von einander etwas weiter abstehend als von den Netzaugen. Diese sind an 
der Linie, die man sich durch die hinteren Nebenaugen quer über den Scheitel gezogen denkt, 
von einander um die Länge des 1. -j- 2. 3. -f- halben 4. Geisselgliedes entfernt. 2. und 3. Geissel- 
glied so ziemlich gleich lang, jedes von ihnen sichtlich kürzer als das 4., beide zusammen aber 
etwas länger. 

3. Geisseiglied etwa doppelt so lang als in der Mitte dick. 5. und 6. Geisselglied am 
längsten. 

Hinterleibsstiel VsHial so lang als der Metatarsus der Hinterbeine, gleich lang wie das 
2. Hinterfussglied, vermehrt um zwei Drittel des 3., etwas kürzer als das 2. -f- 3. -(- 4. Geissel- 
glied. Das 7. Ventralsegment tritt an den Seiten wie bei sirdariensis in eine Ecke vor, die von der 
Seite besichtigt ein kegelartiges Aussehen bekommt. 

Sphex lugens ist von sirdariensis besonders durch die Weise der Behaarung, die noch 
gröbere Sculptur, die tiefer liegenden Metapleuren, die Kopfschildgrube und das Abstandsverhält- 
nisB der Nebenaugen verschieden. 

Z B. Ges. B. XXXIX. Abh. 4 



26 



Franz Friedrich Kohl. 



bei subfuscatus vollständig. Bei diesem sind die Beine im männlichen 
Geschlechte grau tomentirt, bei jenem ganz schwarz. 

Abstehende Körperbehaarung bei aegyptius 9 braunschwarz, bei 
subfuscatus schmutziggrau bis hellbraun. 

Der Kopfschild ist bei aegyptius gewölbter als bei subfuscatus. 

Ausserdem lassen sich beide Arten durch Vergleichung gewisser 
Masse leicht trennen. 



Sphex aegyptius. 

1. Augenabstand auf dem Schei- 
tel (9) 3-11 der Linie, die man 
sich durch die hinteren Neben- 
augen gezogen denkt, nicht 
einmal TS mal so gross, als 
die Länge des 2. Geissel- 



2. Geisseiglied beim Weibchen 
gleich lang wie das 3. + 4. 

2. Geisselglied beim Männ- 
chen dreimal so lang wie dick. 

3. Geisselglied beim Männ- 
chen mehr als doppelt so lang 
wie dick. 



Sphex subfuscatus. 

1. Augenabstand auf dem Scheitel (9) 
ungefähr doppelt so lang als das 
2. Geisselglied. 



2. 2. Geisselglied beim Weibchen kürzer 
als das 3. -}- 4. 

3. 2. Geisselglied beim Männchen dop- 
pelt so lang wie dick. 

4. 3. Geisselglied nicht doppelt so lang 
wie dick. 



Rechnet man dazu noch, dass bei aegyptius das Mittelsegment 
zottig behaart und das Gesicht deutlich schmäler ist als bei subfuscatus, 
so kann keine Frage mehr über die Berechtigung beider Arten aufkommen. 

Sphex rufipennis Andre (p. 150) ist eine Mischart; sie enthält eine Abänderung 
des Sphex nigripes, den eigentlichen rufipennis und noch zwei südameri- 
kanische Arten; es ist schon von vorneherein sonderbar, dass diese Art in 
Afrika, Asien und Brasilien vorkommen sollte. 

Sphex Eversmanni Andre (p. 151) = subfuscatus Eversm. ist nach der Type die 
unter dem Namen Sphex syriaca Mocs. beschriebene schwarze Abänderung 
des Sphex occitanicus Lep. (= fera Dahlb.). 

Bei Sphex paludosus Rossi (p. 152) = fuscatus Dahlb. — ich ziehe letzteren 
Namen als den verlässlicheren vor — ist die Angabe „petiole tres court"" 
unpassend, da gerade bei dieser Art der Hinterleibsstiel viel länger ist 
als bei maxillosus, flavipennis, tristis und rufipennis, wo die Kürze des 
Stieles nicht besonders hervorgehoben erscheint, und paludosus gerade 
zu einer Abtheilung von Sphex -Arteii (Isodontia) gehört, der die Länge 
des Stieles unter anderen Dingen eigen ist. 

Von der Gattung Ampuleoc werden zwei Arten angeführt, die Ammo- 
phila europaea Gir. und fusciata Jur. Andre war keine von beiden bekannt. 



Bemerkunj^en zu Edm. Auiire's Speeles des Ilymeiioptöres. 



27 



wie er selbst angibt. Die Andre 'scheu Unterscheidungsmerkmale gehen aus 
den Originalbeschreibungen der europaea Giraud's und fasciata Chevrier's, 
welche auch im Werke aufgenommen sind, nirgends hervor und erscheinen erfunden. 

Dr. Kriech bäum er in München hat bereits im Jahre 1874 (Stettiner 
Entom. Zeitg.) den Beweis eingehend erbracht, dass Ämpulex europaea Gir. und 
fasciata Jur. ein- und dieselbe Art sind. Warum Andrö diese wissenschaft- 
liche Errungenschaft stillschweigend vernachlässigt, ist nicht klar; dass ihm 
die Kriechbaum er 'sehe Abhandlung bekannt war, geht daraus hervor, dass er 
ihr die Diagnose der Gattung Waagenia und deren Art SiJckimensis entlehnt. 
Ausserdem habe auch ich Gelegenheit gehabt, die Type der fasciata Jur. im 
Museum in Genf und die der europaea Gir. im Wiener Museum zu untersuchen 
und mich von der Identität derselben zu überzeugen; dies wurde im Jahre 1882 
der Schweizer Eutomologischen Gesellschaft (Bd. VI, Nr. 7, p. 391) auch von mir 
bestätigt. 

Von der sehr schwierigen Gattung Mimesa erscheinen im Werke 
12 Arten behandelt; von diesen waren sieben dem Autor in natura nicht bekannt. 
Für die übrigen Arten hätte er manche gut brauchbaren Merkmale den Arbeiten 
Thomson 's entnehmen können; so erwähnt er z. B. von der Verschiedenheit 
der oberen Afterklappe, die zwischen Mimesa Dahlbomii und unicolor besteht, 
keine Silbe. 

Bei Mimesa vermisse ich die Mimesa atra Fabr. Wenn Andre diese 
als Psen-kvi auffasst, so ist er nicht im Rechte. Richtig ist, dass die 3. Cubital- 
zelle die 2. Cubitalquerader aufnimmt, wie es bei den Psm -Arten wohl meistens, 
indess nicht immer der Fall ist. 

Die Gattung Mimesa ist durch die Angabe über die Art des Verlaufes 
der 2. Discoidalquerader, weil diese nicht immer zutrifft, nur unzulänglich ge- 
kennzeichnet. 

Beständig ist die Art des Verlaufes der Cubitalader in den Hinterflügeln, 
und gerade hierin, sowie in der Gestalt der oberen Afterklappe erscheint die 
Sphex atra Fabr. als eine Mimesa. 

Ich glaube, dass der Beständigkeit im Verlaufe der Cubitalader der Hinter- 
flügel ein grösserer Werth beizulegen ist, als dem weniger beständigen Verlaufe 
der 2. Discoidalquerader der Vorderflügel, zumal noch die Tracht des Thieres 
und die Gestalt der oberen Afterklappe für die Einreihung bei Mimesa spricht. 

Die Gattung Psen ist in sechs Arten besprochen, von denen dem Autor 
zwei Arten nicht vor Augen gekommen sind. 

Psen atratus Pz. darf als sicherer Name in keinem Falle vor dem unsicheren 
pallipes Pz. weichen. Andre hat sich hierin Smith (Cat. Hym. Brit. 
Mus., P. IV, 1856) angeschlossen, der im Unrechte ist. 

1 Epistonit pourvu d'une carine tranchante, non prolongee triangulairement en avant. 
Ocüles diatanta entre eux comme chex les autres Sphegiens. 

Epiatomt pourvu d'unt carhne tranchante, prolongee, triangulairement en avant. Ocellea petita, 
tris rapprochü. 

4* 



28 



Franz Friedrich Kohl. 



Psen laevigatus Schenck ist durchaus uicht synonym mit concolor, sondern eine 
gute, kleine Art; es ist der distinctus Chevrier's, der als ein Syno- 
nymum zurückzutreten hat. 

Oeims Stigmus Jur. 

Stigmus minutissimus Rad. ist, wie mich die Type gelehrt hat, nichts anderes 
als die Spilomena troglodytes. Wie könnte nun Jemand diese Art nach 
Andre bestimmen, nachdem Stigmus durch einen sehr langen Hinter- 
leibsstiel gekennzeichnet worden ist und die Spilomena troglodytes in 
einer ganz anderen Tribus steht. 

Oeiius Cemonus Andr6 (= Diphlehus Mor., Kohl). 

Dieser Bruchtheil der natürlichen Gattung Pemphredon hat bei 
Andre nur zwei Arten, den unicolor Fabr. und dentatus Puton, welch 
letzteren er übrigens nicht kennt. 

Andrd macht es sich in Bezug auf die Unterscheidung der schwie- 
rigen Cemonus -kvten, über welche kaum ein Autor klar geworden ist, 
sehr leicht und wirft sie alle unter dem Namen unicolor Fabr. zusammen; 
dabei ist er freilich der ganzen Mühe der Untersuchung und der Sichtung 
der Synonymie überhoben. 

Die scharfe Unterscheidung, welche A. Morawitz gebracht hat, 
hätte ihn indessen bei einiger Gewissenhaftigkeit nachdenklich stimmen 
können. 

Der Cemonus unicolor Andrö's enthält folgende gute Arten: 
Pemphredon Wesma'eli Mor., Pemphredon lethifer Shuck. und Pemphre- 
don ShucJcardii Mor. 

Die Hauptunterschiede liegen vorzüglich in der Gestalt des Kopf- 
schildes; da seine Untersuchung wegen der aufsitzenden weissen Härchen 
gehindert ist, so senge man diese mit einer glühenden Nadel durch 
leichtes Darüberhinstreichen vorsichtig weg. 
Genus JPemphredoH Audr6 (= Cemonus Jur., Kohl). 

Die Arten wurden von Thomson (Hym. Scand.) vorzüglich ge- 
kennzeichnet. Warum bleibt denn in den Speeles des Hymenopteres bei 
montanus und lugubris das beste Erkennungszeichen der Weibchen, die 
Beschaffenheit der oberen Afterklappe, wie es Thomson richtig hervor- 
hebt, unerwähnt. 

Geradezu unverzeihlich ist das Vorgehen, den Cemonus podagricus 
Ctievr. (Schweiz. Entom. Mittheil., 1870, S. 168) kurzweg als synonym zu 
lugubris zu ziehen, da doch Chevrier die eigenthümliche Beschaffen- 
heit des Metatarsus der Mittelbeine beschreibt und durch diese zur Namen- 
gebung veranlasst wird. Mir ist diese ausgezeichnete Art in beiden Ge- 
schlechtern bekannt. Das Weibchen ist bisher noch nicht beschrieben 
worden; denn das Weibchen des podagricus Chevrier's gehört nicht 
zum Männchen, sondern ist nach der Angabe über das obere Aftersegment 
sicherlich nur der Pemphredon lugens Dahlb. Q . Den Pemphredon poda- 
gricus kenne ich aus Baiern, Niederösterreich und der Schweiz. 



Bemerkungen zu Edin. Andiü'a Specieis ilea Hymeuopteres. 



29 



Genus Trypoxylon Latr. 

Vou der Gattung Trypoxylon führt Andre sechs Arten vor; drei 
davon sind ihm aus eigener Anschauung bekannt. 

Doch nun genug über die Kennzeichnung der Arten. 

Zum ,,Catalogue methodique et Synonymique". 

Was den Sphegidenkatalog betrifft, so muss ich zwei Unistiinde bemän- 
geln; erstens sind unter den Synonymen nicht nur jene Namen aufgenommen, 
welche eine Beschreibung nach sich führen, sondern auch alle, welche in fau- 
nistischen Verzeichnissen blos angeführt sind. Daher kann Jemand, der die 
Synonymenliste benützen wollte, nie wissen, ob hinter einem Namen eine Be- 
schreibung steckt oder nicht; wenn doch wenigstens die Synonymen, welche 
auf Beschreibungen gegründet sind, vor denen, welche nur faunistischen Auf- 
zählungen entnommen sind, durch „gesperrte" Schrift ausgezeichnet wären! 
Zudem dürfte in der Hälfte der Fälle, besonders in den älteren Verzeichnissen 
die Bestimmung unrichtig sein. 

Der zweite Mangel ist der, dass bei der Anordnung der Arten, die nicht 
alphabetisch angelegt ist, in e;ner Weise vorgegangen wurde, die zeigt, dass der 
Autor nicht die geringste Idee, nicht den geringsten Blick für natürliche Ver- 
wandtschaft hat; zudem scheint er nur die wenigsten Arten zu kennen. Dieser 
Fehler tritt bei der Anordnung der Sphex- und Ämmophila - Arten, die eben 
ziemlich zahlreich sind, ganz besonders hervor. 



In obigen Zeilen werden blos die gröberen Mängel der Arbeit aufgedeckt; 
alle die kleineren sachlichen Fehler, Ungenauigkeiten, Unfolgerichtigkeiten, 
überflüssigen Angaben zu verzeichnen, unterlasse ich, da es nur ermüden würde, 
ohne die Sachlage noch schärfer zu kennzeichnen. Allein den Umstand kann 
ich nicht unerwähnt lassen, dass Andre in seinen Bestimmungstabellen der 
Arten, wo er die Beschreibungen anderer Autoren ausnützt, sehr häufig die 
besten und verlässlichsten Unterscheidungsmerkmale nicht aufnimmt, somit die 
Leistungen anderer Autoren den Benützern seines Werkes vorenthält. Freilich 
kann er diese Merkmale nicht brauchen. Was kann ihm z. B. bei Ammophila 
faJlax meine Angabe nützen, dass die Episternalnaht an den Mesopleuren fehlt? 
Er weiss ja nicht, ob dies Merkmal bei anderen Arten ebenfalls vorkommt, da 
er ja die meisten nicht kennt. 

Auch den Vorwurf kann ich Andrö nicht ersparen, dass er selbst die 
Arten, die er zu kennen vorgibt, nicht oder nur unzulänglich untersucht hat. 



Ganz dasselbe was von den Sphegiden, gilt auch von den 
Vesparien (II. Band); ich glaube nicht, dass der Autor darüber 
einen ähnlichen Nachweis wünscht. 



30 



Fr. Fr. Kohl. Bemerkungen zu E. Andre 's Speeles des Hymenopteres. 



In diesen Blättern glaube ich hinreichend in sachlicher Weise nachge- 
wiesen zu haben, dass der Autor der Species des Hymenopteres, wenn er wirk- 
lich die Absicht gehabt hat, etwas für die Wissenschaft Förderliches zu liefern, 
seinen Zweck leider ganz und gar nicht erreicht hat. 

Meine Ansicht geht dahin, dass die Aufgabe, die sich Andre' gestellt hat, 
wenn sie in würdiger Weise durchgeführt werden sollte, etwas Titanenhaftes an 
sich hat. 

Mir schien es schon zur Zeit, als das Werk zu erscheinen anfing, ganz 
unmöglich, dass Andre die gestellte Aufgabe würdig und mit innerem Erfolge 
durchführen könnte; was soll es der Wissenschaft nützen, wenn man sich über 
alle Hindernisse leichten Muthes hinwegsetzt und zur vorhandenen Verwirruog 
noch neue schafft. 

Ich möchte Andre sine ira et studio den aufrichtig gemeinten Rath er- 
theilen, von dem Plane, die Species des Hymenopteres d'Europe et d'Algerie 
um jeden Preis durchzuführen, ganz abstehen zu wollen, dafür seine Sammlungen 
und Literatur nach irgend einer Richtung zu vermehren und sich so für die 
monographische Bearbeitung einer Partie, z.B. einer Familie vorzubereiten. 



31 



Ueber Varietäten und Missbildungen des EquiHetmn 
Tehnateja Ehrh. 

Von 

Ignaz Dörfler. 

(Mit Tafel 1.) 



(Vorgelegt in der Versammlung am 5. December 1888.) 



Wiederholt hatte ich Gelegenheit, in die Umgehung von Ried und Gmunden 
botanische Excursionen zu unternehmen, und da in diesen Gegenden das Eqtii- 
setum Telmateja Ehrh., das in manchen grösseren Floren gebieten nur als Selten- 
heit vorkommt, das häufigste ist, so richtete ich mein Augenmerk auf die Varie- 
täten dieses schönsten unserer Equiseten. Meine Mühe war nicht vergebens, 
denn ich fand eine ganze Reihe von Formen, über deren Vorkommen in Ober- 
österreich bisher nichts bekannt war, und überdies war ich auch in der Lage, 
neue Formen zu entdecken. Bei der Bestimmung standen mir Originale nicht 
zur Verfügung. Um aber bei einer Publication einem möglichen Vorwurfe vor- 
zubeugen, ich sei mit meinen Bestimmungen und mit der Aufstellung neuer 
Formen zu voreilig gewesen, sandte ich meine ganze Collection, nachdem ich 
eine theilweise Bearbeitung derselben den einzelnen Exemplaren beigelegt, Herrn 
Dr. Ch. Luerssen, Professor an der Universität zu Königsberg in Preussen, 
mit der Bitte, mir seine Meinung darüber zu sagen. Mit grosser Bereitwillig- 
keit unterzog sich Herr Prof. Luerssen der Mühe, meine Sendung durchzusehen, 
wofür ich ihm an dieser Stelle meinen tiefgefühlten Dank ausspreche. 

Bevor ich zur Besprechung der Varietäten übergehe, will ich eine Beob- 
achtung an den normalen, sterilen Stengeln nicht unerwähnt lassen. 

Milde schreibt in seinem Werke „Filiees Europae et Atlantidis etc.", 
18G7, p. 218 in der Diagnose des Equisetum Telmateja Ehrh.: „Stomata in 
caule Sterin nulla, vel biseriata phanerophora" und wiederholt denselben Satz 
wörtlich in seiner Monographia Equisetorum, Nova Acta, 1867, XXXU, 2, p. 241. 
Dabei bezieht er die Worte: ,A'>el biseriata phanerophora^ auf die var. Urawmi, 



32 



Ignaz Dörfler. 



gracile und caespitosum, indem er im letztgenannten Werke p. 242 bei der Be- 
schreibung der Epidermis ausdrücklich sagt: „Bei der Normalform fehlen die 
Spaltöffnungen". Auch in seinen übrigen Werken behauptet Milde dasselbe, 
und wie Milde, so nehmen auch die späteren Forscher allgemein an, dass den 
normalen, sterilen Stengeln des Equisetum Telmateja Ehrh. die Spaltöffnungen 
fehlen. Und doch ist dies nicht ganz richtig. Ich untersuchte wiederholt solche 
Stengel, und wenn ich auch an einigen keine Spaltöffnungen sah, so fand ich 
doch bei der grössten Anzahl der untersuchten Exemplare beiläufig im obersten 
Drittel des Stengels Spaltöffnungen, und zwar theils in einfachen, theils in 
Doppelreihen.') Dadurch aufmerksam gemacht, untersuchte ich auch eine grosse 
Anzahl der var. breve Milde, und fand auch an den Stengelinternodien dieser 
Varietät Spaltöffnungen und noch dazu überaus reichlich. Und doch wurde die 
var. breve von Milde in die Grlippe der sterilen Formen „ohne Spaltöffnungen 
am Stengel" eingereiht, und so ist es auch jetzt üblich. Ich halte aber nach 
meinen Beobachtungen eine Scheidung der sterilen Formen des Equisetum 
Telmateja Ehrh. in solche „mit Spaltöffnungen am Stengel", und solche „ohne 
Spaltöffnungen am Stengel" für unrichtig, und unterscheide nur Formen des 
unfruchtbaren Stengels überhaupt, und solche des fruchtbaren Stengels. 



I. Varietäten des unfruchtbaren Stengels. 

1. Var. breve Milde in Denkschrift der schles. Gesellsch. für vaterl. 
Cult., 1853, S. 188; Nova Acta, 1858, XXVI, 2, p. 429; Die höheren Sporen- 
pflanzen Deutschlands und der Schweiz, 1865, S. 101; Filices Europ. et Atlant., 
1867, p. 219; Monogr. Equiset., Nova Acta, 1867, XXXII, 2, p. 248; Luerssen 
in Rabenhorst's Kryptogamenflora, 2 Aufl., III. Bd., S. 679. 

Ausgewachsener Stengel nur 30m hoch und niedriger; die 
Internod ien verkürzt. Scheiden daher dicht untereinanderstehend. 
Aeste in dichten Quirlen, wagrecht oder wenig aufrecht abste- 
hend, schon am Stengelgrunde beginnend. 

Um Ried und Gmunden die häufigste Form. Specielle Standorte sind: 
Um Ried, Waldschläge beim Hochholz (Vierhapper in Prodr. einer Flora d. 
Innkreises, I. Theil, S. 1); auf einem uncultivirten, lehmigen Orte beim Dürn- 
bergerholze; im Sumpfe nächst Niederbrunn, hier fast unvermittelt neben bis 
2 m hohen, sterilen Exemplaren. Um Gmunden, auf saueren Wiesen des Hon- 
gars, Grünberges und Dürnberges. Ueberaus häufig auf Wiesen am rechten Ufer 
des Traunsees bei der grossen Ramsau. Liebt trockene Standorte. 



1) Der Grund dafür, dass man bisher an den normalen, sterilen Stengeln Spaltöffnungen 
nicht beobachtet, ist keineswegs in einer mangelhaften Untersuchung derselben zu suchen; es ist 
nur zu leicht möglich, dass an kleinen Epidermisstücken, wie solche zur mikroskopischen Unter- 
suchung abgenommen werden, Spaltöffnungen fehlen, während sie sonst vorhanden sind. So musste 
auch ich in vielen Fällen mehrere Präparate von einem Individuum machen, bis ich vom Vorhanden- 
sein der Spaltöffnungen überzeugt wurde. 



Ueber Varietäten und Missbildungen d< p Eqnisetum TeJmafeja Ehrh. 



33 



2. Yar. ramulosum Milde in Monogr. Equiset., p. 248; Die höheren 
SporenpÜ. Deutschi. u. d. Schweiz, S. 101; Filices Europ. et Atlant., p. 219; 
Luerssen in Rabenh. Kryptogamenfl., III, S. 679. 

Stengel über 30 cm hoch, kräftig, meist schon vom Grunde an 
ästig; die fünf kantigen primären Aeste tragen 2 bis 3 und mehr 
secundäre Aestchen. 

Beim Dürnbergerholze nächst Ried. Selten! Ich besitze von dem ange- 
führten Standorte ein circa 60 cm hohes instructives Exemplar, bei welchem die 
primären Aeste vom Grunde bis zur Spitze mit secundären Aestchen besetzt 
sind. An Epidermisstücken vom Stengel desselben fand ich keine Spaltöffnungen, 
doch habe ich nur dieses eine Exemplar untersucht, und es ist daher nicht 
ausgeschlossen, dass Spaltöffnungen an anderen Individuen dieser Varietät zu 
finden sind. 

3. Yar. compositum Luerssen et Dörfler. 

Hauptstengel normal entwickelt, vom Grunde an reich be- 
ästet. Sämmtliche untersten Aeste sind stengelartig, stärker als 
die übrigen, sind in die Höhe gerichtet, tragen vollständige Ast- 
quirle und erreichen fast.die Höhe des Hauptstengels. Meist tragen 
auch die Aeste unter der vorletzten und bisweilen unter der dritt- 
letzten Scheide Quirle, mindestens sind sie mit secundären Aesten 
besetzt. Spaltöffnungen sind auch in der Mitte des Hauptstengels 
in Reihen, die aus einfachen, seltener aus Doppellinien gebildet 
werden, vorhanden, während die stengelartigen Aeste von ihnen 
ganz besät sind, und in den Rillen derselben Reihen von Spalt- 
öffnungen, aus zehn und mehr Linien gebildet, sich vorfinden. 

Eine auffallende Form, die ich in Menge auf dem lehmigen Platze beim 
Dürnbergerholze nächst Ried fand. Jedes Exemplar bildet infolge der reichen 
Beästung und der stengelartigen, quirletragenden Aeste einen dichten Busch, 
und so glaubte ich beim Auffinden derselben auf den ersten Blick, es seien eine 
Anzahl dünnstengeliger Individuen rings um einen normalen, sterilen Stengel 
aus dem Boden hervorgesprossen. Ich bemerke hier, dass ich schon aus Ried 
Herrn Dr. Skofitz über diese seltsame Form in einer Correspoudenz Mitthei- 
lung machte (vergl. Oesterr. botan. Zeitschr., XXXVIII, Nr. 8, S. 287). 

4. Yar. gracile Milde in Botan. Zeitg., 1865, S. 345; Monogr. Equiset., 
p. 247; Filices Europ. et Atlant., p. 218; Luerssen in Rabenh. Kryptogamenfl., 
III, S. 678. 

Unfruchtbare Stengel zu 4 — 7 (bis 25) beisammen aus einem 
Rhizom rasenförmig hervorsprossend, dünn, aufrecht, bleichgrün, 
vom Grunde an mit 4— Skantigen, 5—7 cm langen Aesten besetzt. 
Stengelinternodien circa 2 cm lang, 12— Hkantig. Stengelriefen 
breit, in den Rillen zahlreiche Spaltöffn u n gen. G rü nes Parenchym 
sparsam; Centralhöhle und Valecularhöhlen fast gleich lang, aber 
letztere breiter. 

Z. B. GeB. B. XXXIX. Abh. 5 



34 



Ignaz Dörfler. 



Von dieser interessanten Varietät fand ich eine Anzahl von prächtigen 
Exemplaren, die mit Milde 's Beschreibung vollkommen übereinstimmen, auf 
dem bereits mehrfach erwähnten Standorte des Equisetum Telmateja Ehrh. in 
der Nähe des Dürnbergerholzes bei Ried. Meine Exemplare zeichnen sich da- 
durch aus, dass aus einem Wurzelstocke bis 25 Stengel beisammen rasenförmig 
hervorsprossen, während Milde sieben als Maximum angibt. Auch sind Spalt- 
öffnungen an den Internodien der Stengel nicht spärlich, sondern, wie ich in 
der Diagnose ausgebessert habe, in Menge vorhanden. Eigentlich wäre die var. 
gracile Milde besser zu den Monstrositäten zu stellen, indem Milde (in Monogr. 
Equiset., p. 248) ihre Entstehung dadurch erklärt, dass der Haupttrieb des Rhizom- 
astes nicht zur Entwicklung gelangt, und man muss in der That beim Anblicke 
eines solchen Exemplares auf diesen Gedanken kommen. Bemerkenswerth ist es, 
dass ich mehrere Exemplare besitze, die eine vollständige Uebergangsform von 
der var. gracile zur var. compositum bilden. Bei diesen entspringen wohl meh- 
rere Stengel aus einem Rhizome, der mittlere von ihnen ist jedoch bedeutend 
grösser und stärker entwickelt (fast um das Doppelte) und so schon als Haupt- 
stengel kenntlich. Die var. gracile Milde war bisher nur aus Preussisch-Schlesien 
bekannt und ist daher der Standort bei Ried neu für Oesterreich. 



II. Monstrositäten des unfruchtbaren Stengels. 

In sumpfigen Gräben nächst der grossen Ramsau bei Gmunden sammelte 
ich erst in diesem Jahre mehrere 70—90 cm. hohe sterile Exemplare, die bis 
zu einer bedeutenden Höhe normal entwickelt sind. Die 5 — 7 obersten Inter- 
nodien sind jedoch plötzlich so verkürzt, dass die Scheiden derselben einander 
berühren und es den Eindruck macht, als ob einem normal sterilen Sprosse 
oben die var. brevis Milde aufgesetzt worden wäre. 

Bei einer zweiten Monstrosität, von der ich mehrere Stücke beim Dürn- 
bergerholze nächst Ried fand, ist der Hauptstengel verkümmert, dafür sind die 
Aeste am Grunde des vorhandenen Stengelfragmentes besonders üppig ent- 
wickelt und bilden einen dichten, piuselartigen Schopf, üeberdies war diese 
Monstrosität durch gelblichgrüne Färbung der Aeste auffallend. 

Auch Auflösung der Scheiden in ein spiraliges Band, sowie gabelige 
Theilung des Hauptstengels beobachtete ich bei Niederbrunn nächst Ried. 

III. Var. serotinum Alex. Braun. 

5. Var. serotinum Alex. Jiraim in Silliman's Americ. Journal, 1844, 
vol. XLVI, p. 84; Milde in Denkschrift der scbles. Gesellsch. für vaterl. Cult., 
1853, S. 187; Nova Acta, XXVI, 2, p. 428; Die höheren Sporenpfl. Deutschi. u. 
d. Schweiz, S. 102; Filices Europ. et Atlant., p. 219; Monogr. Equiset., p. 66 
et 249; Luerssen in Raben h. Kryptogamenfl., III, S. 679. 

Der normal sterile oder nur in den obersten Scheiden ver- 
änderte, bis meterhohe Stengel trägt eine Sporangienähre. 



Ueber Varietilten und Missbildiingeu des Eqiiisdiim Telinateja Ehrh. 



35 



Diese Varietät sah ich nirgends in so unglaublicher Menge wie im Sumpfe 
nächst Niederbrunn bei Ried, wo ich sie nun durch drei Jahre immer wieder 
beobachtete. Ausserdem fand ich bei Ried noch einzelne Exemplare unter dem 
normalen sterilen Equisetum Telmateja Ehrh. beim Dürnbergerholze. Um 
Gmunden kommt die besprochene Form auf sumpfigen Wiesen des Hongars und 
in sumpfigen Gräben auf dem Grünberge durchaus nicht selten vor und über- 
dies wurde sie von Herrn Ronniger an ähnlichen Standorten bei der Ramsau 
gesammelt. In Bezug auf das Vorkommen der var. serotinum kann ich mich 
daher nur der Meinung Luerssen's anschliessen, dass sie gelegentlich an 
allen Standorten des Equisetum Telmateja beobachtet werden dürfte. 

Milde führt als Synonym zur var. serotinum A. Br. das Equisetum 
eburneum Schreber an und beruft sich (Monogr. Equiset., p. 66) auf die Dia- 
gnose, die Roth über dasselbe gibt, und die folgendermassen lautet: „Scapo 
fructißcante nudo, demum elongato in frondem verticillato-ramosam ; vagina- 
rum dentibus subulato setaceis"^. Und Roth bemerkt weiter darüber: „Semine 
disperoso et spica marcescente, demum corrugata vel decidua scapus elongatur 
in frondem verticillato-ramosam, saepius ultra-tripedalem, erectam, strictam^. 
Milde meint nun: „Da Roth von einem über 3 Fuss hohen, ästigen Stengel 
spricht, so ist ofi'enbar die var. serotinum gemeint". Die angeführte Grösse ist 
aber auch der einzige Grund, wesshalb Milde das Equisetum eburneum Schreb. 
als identisch mit var. serotinum A. Br. hält. Im Uebrigen aber passt die Be- 
schreibung vollkommen auf die var. frondescens A. Br. Roth schreibt nämlich, 
dass der fruchttragende Schaft nach Verstreuung der Sporen und nach Ver- 
welken der Aehre sich verlängere und Astquirle treibe. Letzteres ist aber von 
der var. frondescens als Thatsache bekannt. Wenn es nun auch selten vor- 
kommen mag, dass der fertile Stengel sich bei Bildung der var. frondescens 
bis zur Länge von 3 Fuss verlängert, so ist dies immerhin möglich, geradeso 
wie die Behauptung Milde 's a. a. 0.: „Schlagend ist die Thatsache, dass die 
Aehre dieser Form (darunter ist die var. serotinum gemeint) niemals die Grösse 
des Fruchtschaftes zeigt, im Gegentheil ganz gewöhnlich sogar nur wenige 
Linien lang ist", nicht stichhältig ist, indem ich selbst Exemplare der var. sero- 
tinum gesammelt habe, deren Aehren denen des Fruchtschaftes an Grösse nicht 
nachstehen, ja eines derselben hat eine reichlich 8 cm lange Aehre und über- 
trifft so sogar die gewöhnliche Länge der Aehren des Fruchtschaftes. Und Milde 
führt durch seine Bemerkung selbst den Beweis, dass Roth unter dem Equi- 
setum eburneum Schreb. jedenfalls die var. frondescens gemeint habe. Denn 
wäre es denkbar, dass es Roth, der, wie aus seiner Beschreibung hervorgeht, 
die normal fertilen Stengel („scapo fructißcante nudo") und die var. fronde- 
scens („scapo elongato in frondem verticillato-ramosam^') nebeneinander vor 
sich hatte, nicht aufgefallen wäre, wenn er an den ästigen Exemplaren eine be- 
deutend kleinere Aehre gesehen hätte? Und hätte er da angenommen, dass ein 
solches Exemplar sich aus dem fertilen Sprosse gebildet habe? Sonderbar wäre 
es überhaupt, wenn Roth die var. serotinum vor sich gehabt hätte, dass an 
sämmtlichen Exemplaren die Aehren schon verwelkt gewesen wären ! Auch dass 

5* 



36 



I g u a a Dörfler. 



der fertile Stengel bei Bildung der var. frondescens sein Wachsthum fortsetze, 
glaube ich annehmen zu müssen, da ich aus Gmunden ein über 50 cm langes 
Exemplar besitze, dessen Aussehen im Vergleiche mit den normalen fertilen 
Exemplaren einen schon fremdartigeren, wohl nur durch das fortgesetzte Längen- 
wachsthum hervorgerufenen Eindruck macht, und interessant ist die Bemerkung 
des Herrn Ronniger, der das erwähnte Stück der var. /ronciescens gesammelt, 
dass er es wohl damals nicht als diese Form erkannt habe, dass es aber die 
übrigen fertilen Sprosse ganz bedeutend überragt, und ihm so schon von Weitem 
aufgefallen sei. Milde meint zwar, dass an ein Weiterwachsen des Schaftes 
der var. frondescens desshalb nicht zu denken sei, da ein Theil des Stengels 
verwelkt, also entwicklungsunfähig sei. Wäre es aber denkbar, dass der Stengel 
nach dem Verwelken der Aehre kurze Aeste treiben würde, wenn er entwicklungs- 
unfähig wäre? Also bin ich der Ueberzeugung, dass Roth sein Equi- 
setum eburneum Schreb. ganz richtig gedeutet, dabei die var. 
frondescens, nicht aber, wie Milde meint, die var. serotinum vor 
sich gehabt habe, und ist daher Equisetum eburneum Schreb. als 
Synonym zur var. frondescens A. Br. zu setzen. 

Die Entwicklung der var. serotinum A. Br. stellt Milde übrigens ganz 
richtig dar. Auch ich hatte Gelegenheit, Hunderte lebende Exemplare dieser 
Form zu beobachten. Im ersten Stadium trägt diese Form ganz den Charakter 
des normalen, sterilen Stengels an sich, hat bereits Ansätze von Aesten, und 
ist als var. serotinum nur durch eine kleine, knopfartige Verdickung an der Spitze 
des Stengels kenntlich. Im späteren Stadium fand ich die Aeste wohl schon 
stark entwickelt, und auch die Sporangienähre als solche schon deutlich kenn- 
bar, jedoch in der Scheide noch vollständig eingeschlossen; erst nach voll- 
kommener Ausbildung der Aeste fand ich auch die Aehre vollständig entwickelt, 
nie aber früher. Wollte man daher annehmen, diese Form sei wie die var. 
frondescens aus dem Fruchtsprosse entstanden, indem dieser erst nach Ver- 
streuung der Sporen die Aeste entwickelt habe, dann wäre dies freilich unrichtig, 
dann müsste man solche Exemplare nie lebend beobachtet haben. 

a. Formen der var. serotinum A. Br. 

Die var. serotinum A. Br. tritt in mehreren Formen auf, die wohl durch 
Uebergänge mit einander verbunden, aber in ihren Grenzen so charakteristisch 
und gut unterscheidbar sind, dass sie aufgeführt zu werden verdienen. Ich 
unterscheide: 

a. Forma nor^malis Dörfler. 

Stengel bis oben normal verzweigt und allmälig sich ver- 
jüngend, ebenso die Scheiden gegen die Spitze des Stengels zu an 
Grösse abnehmend. Astquirle auch unter der der Aehre zunächst 
sitzenden Scheide vorhanden. Aehre 1'5— 2 c»i lang. 

Nächst Niederbrunn bei Ried und auf dem Hongar bei Gmunden. — Ich 
nehme diese Form insoferne als forma normalis an, als sie dem normal sterilen 



Ueber Varietäten und MisHbildunpfon des Eqtdsctam Telmateja Ehrh. 



37 



Stengel durch die augeführten Merkmale am nächsten steht und von diesem 
nur durch das Vorhandensein der Fruchtähre verschieden ist. 
ß. Forma patens Dörfler. 

Stengel vom Grunde bis zur Spitze gleich stark, daher auch 
die Scheiden, mit Ausnahme der obersten, die etwas grösser ist, 
von gleicher Grösse. Astquirle auch unter der obersten Scheide 
vorhanden, aus wenigen Aesten gebildet, diese jedoch sehr lang 
und ausgebreitet bis bogig abwärts gekrümmt. Aehre2 — 4cm lang. 

Im Sumpfe nächst Niederbrunn bei Ried wiederholt gefunden. 

/. Forma microstachyiim Milde in Denkschrift der schles. Gesellsch. 
für vaterl. Cult., 1853, S. 187, als ß. serotinum 2.; Nova Acta, XXVI, 2, p. 428; 
Die höheren Sporenpfl. Deutschi. u. d. Schweiz, S. 102; Filices Europ. et Atlant,, 
p.219; Monogr. Equiset., p.249; Luerssen in Rabenh.Kryptogaraenfl.,III,S.680. 

Stengel nach oben allmälig verdünnt und beästet, die ober- 
sten Internodien und Scheiden nach oben ganz allmälig kleiner, 
aber mitAusnahme der unmittelbar unter der Aehre sitzenden und 
etwas vergrösserten, schwach erweiterten und keine Aeste unter 
sich tragenden Scheide unverändert. Aehre sehr klein, m e ist nicht 
über 5 cm lang. 

Nächst Niederbrunn bei Ried, von wo ich ein 75 cm hohes Exemplar mit 
circa 0"5 cm langer Aehre besitze. 

(f. Forma intermedia Luerssen in Raben h. Kryptogamenfl., III, S. 680. 

Der voraufgehenden Form ähnlich und namentlich bis oben 
normal verzweigt, aber die obersten Internodien kräftiger bis fast 
eben so stark als die unteren, die oberste astlose Scheide auffal- 
lend (bis viermal) vergrössert, trichterförmig erweitert und den 
Scheiden des Fruchtsprosses ähnlich. Die Aehre grösser, 2—3 oder 
selbst 4, sehr selten bis h'^/^cm lang. 

Eine ausgezeichnete Form, die ich wiederholt bei Niederbrunn nächst 
Ried und bei Graunden, sowohl auf dem Hongar wie auf dem Grünberge 
sammelte. 

6. Forma macrostachya Milde in Denkschrift der schles. Gesellsch. 
für vaterl. Cult., 1858, S. 187, als ß. serotinum 1.; Nova Acta, XXVI, 2, 
p. 428; Die höheren Sporenpfl. Deutschi. u. d. Schweiz, S. 102; Filices Europ. 
et Atlant., p. 219; Monogr. Equiset., p.249; Luerssen in Raben h. Krypto- 
gamenfl., III, S. 630, pro parte! 

Aehre sehr gross, bis i^j^cm (bis 8cm!) lang, die der Aehre 
zunächst sitzenden Scheiden denen des Schaftes ähnlich; oberer 
Stengeltheil astlos. Aeste kurz, nicht oder höchstens bis zur Aehre 
reichend. 

Eine nicht seltene, auffallende Form, die ich von Niederbrunn bei Ried 
und vom Grünberge bei Gmunden besitze. — Zu dieser Form geliört das oben 
erwähnte Exemplar mit 8 cw langer Aehre. 



38 



Ignaz Dörfler. 



C. Forma brevisimilis Dörfler. 

Stengel kräftig, bis 30cm hoch; Internodien verkürzt, Schei- 
den daher dicht untereinander; Aeste in sehr dichten Quirlen , auf- 
recht- abstehend. Aehre 2— 4cm, mitunter nur V2 cm lang. 

Im Sumpfe nächst Niederbrunn häufig; auf dem Dürnberge bei Gmunden 
von Herrn Ronniger gesammelt. Die ganze Pflanze entspricht einer var. 
hreve Milde mit Pruchtähre und kommt mit ihr an einem Standorte gemein- 
schaftlich vor. Herr Prof. Luerssen theilt mir mit, dass er meine Form unter 
seinen noch nicht eingeordneten Equiseten auch aus Schleswig, Schlesien und 
Baiern gefunden habe. 

b. Monstrositäten der var. serotinum A. Br. 

7). Monstr. polystachyum, Milde in Denkschrift der schles. Gesellsch. 
für vaterl. Cult., 1853, S. 187, als ß. serotinum 5.; Nova Acta, XXVI, 2, p. 428, 
als monstr. pohjstachyum normal e et proliferum; Die höheren Sporenpfl. 
Deutschi. u. d. Schweiz, S. 102; Filices Europ. et Atlant., p. 219; Monogr. Equi- 
set., p. 250; Luerssen in Rabenh. Kryptogamenfl., III, S. 680. 

Auch die Aeste, meist nur die der obersten Wirtel, tragen 
kleine normale oder vom Aste durchwachsene Sporangienähren. 

Am Grünberge bei Gmunden, sehr selten. Ich besitze von dort ein sehr 
grosses Exemplar, welches an der Spitze von mehr als 30 Aesten winzige Aehr- 
chen trägt, von denen keines proliferirt. Die Aehre an der Spitze des Schaftes 
ist bei demselben noch nicht entwickelt, sondern noch ganz von der Scheide 
umhüllt. Ein gleiches, jedoch bedeutend kleineres Exemplar fand ich auch bei 
Niederbrunn, und ist dieses derzeit in Händen des Herrn Prof. Vierhapper 
in Ried. 

^. Monstr. proliferum Milde in Denkschrift der schles. Gesellsch. für 
vaterl. Cult., 1853, S. 187, ß. serotinum 4.; Nova Acta, XXVI, 2, p. 429; 
Monogr. Equiset., p. 250. 

Endähre des Stengels proliferirend; der die letztere über- 
ragende Stengeltheil 3\'2 — IIV2 cm lang. 

Nächst Niederbrunn bei Ried; auf dem Hongar bei Gmunden. Nicht häufig. 

i. Monstr. distachyam Dörfler. 

Das 34 cm lange so bezeichnete Exemplar besitzt in einer 
Höhe von 18 cm, bis wohin es vollkommen astlos ist, eine kräftige 
Aehre. Diese ist vom Stengel durchwachsen und der sie über- 
ragende 12 cm lange Stengeltheil ist reich beästet und trägt an 
der Spitze eine zweite, vollkommen entwickelte Aehre. 

Dieses kostbarste Stück meiner Formencollection sammelte ich im ver- 
gangenen Jahre auf dem Hongar bei Gmunden unter gewöhnlichen Serotina- 
Formen. Merkwürdig ist bei demselben, dass die untere astlose Hälfte mit 
der" Beschreibung der fertilen var. elatius Milde vollkommen übereinstimmt, 
während die obere Hälfte aus einem deutlichen Exemplar der var. serotinum 



/ 'frfmiuU. iL k. k: -utol. boUkw. 



J. Dorn er: 

l \'h. Y(met.uJliRh. v.Ecjuisi-ttim Tlüm. 




Autor deÜTi 



Lifli.Anst.v.Th.Baniiwarth,Wien,MBez. 



Ueber VariotätPi» und Missbildungen des Eqtiise.tum Tclmateja Ehib. 



39 



forma intermedium Luerss. gebildet wird. So bat das ganze Monstrosuin das 
Aussebeu, als ob zwei verscbiedeue Stücke übereinander gesteckt worden wären, 
als sei es eine var. elatius + var. serotinum forma intermedia! Die Entstebung 
des besprochenen Exemplares kann ich mir auch nicht anders deuten, als dass 
die var. elatius Milde ursprünglich normal entwickelt war. Der Stengel setzte 
jedoch später sein Längenwachsthum durch die Aehre fort, entwickelte erst 
über derselben die Aeste und schliesslich noch die zweite Aehre. Jedenfalls ist 
dieses Exemplar von morphologischem Werthe, weshalb ich eine nach dem Ori- 
ginale entworfene Zeichnung beifüge (vergl. Taf. I). 

IV. Varietäten des fruchtbaren Stengels. 

6, Yar. elatius Milde in Denkschrift der schles. Gesellsch. für vaterl. 
Cult., 1853. S. 187; Nova Acta, XXVI, 2. p. 427; Die höheren Sporenpfl. 
Deutschi. u. d. Schweiz, S. 102; Luerss en in Rabeuh. Kryptogamenfl., 
III, S. G82. 

Fruchtbarer Spross schlank, bis 48 cm hoch, auch getrocknet 
ganz weiss, meist astlos, selten mit einzelnen Aesten besetzt; seine 
unteren Scheiden in Gestalt und Farbe denjenigen des sterilen 
Stengels ganz gleich, die oberen nur in der Farbe den sterilen 
gleichend, sonst trichterförmig. Aehre normal. 

Von dieser Varietät besitze ich drei Exemplare aus Niederbrunn bei Ried, 
wo ich sie Mitte Juli 1886 in Gesellschaft der var. serotinum fand. Das grösste 
davon ist 48 cni lang, ganz astlos und besitzt am gleichen Rhizom einen zweiten, 
erst bis zu einer Länge von 13 ctn entwickelten Spross. Die beiden anderen 
Exemplare sind etwas kleiner und besitzen einzelne Andeutungen von Aesten. 

Diese höchst seltene Varietät wurde bisher nur bei Neisse von Milde 
gesammelt und ist daher mein Fundort bei Ried überhaupt der zweite bekannte 
und neu für Oesterreich. 

7. Var. frondescens Alex. Braim in Sil Ii man 's Americ. Journal, 1844, 
vol. XL VI, p. 84; Milde in Denkschrift der schles. Gesellsch. für vaterl. Cult., 
1853, S. 187, als a. intermedium; Nova Acta, XXVI, 2, p. 427, als forma 
intermedium-, Die höheren Sporenpfl. Deutschi. u. d. Schweiz, S. 101; Filices 
Europ. et Atlant., p. 219; Monogr. Equiset., p. 67 et 249; Luerssen in Rabenh. 
Kryptogamenfl., III, S. 682. 

Syn. Equisetum ehurneum Schreber. 

Der normale Fruchtspross entwickelt nach Verstreuung der 
Sporen in seinem mittleren Theile kurze grüne Aeste, während der 
obere, ährentragende Theil verwelkt. 

Von dieser ebenfalls seltenen Varietät ist mir aus Oberösterreich bisher 
nur ein Exemplar bekannt. Dasselbe wurde, wie schon oben erwähnt, von Herrn 
Ronniger in einem sumpfigen Graben nächst der grossen Ramsau bei Gmun- 
den gesammelt. Der genannte Herr war so gütig, mir dieses für mich sehr 
werthvolle Exemplar für mein Herbar zu überlassen und so eine Lücke meiner 



40 Ign. Dörfler. Ueber Varietäten u. Missbildnngen des Equisefum Telmaieja Ehth. 



Formenreihe auszufüllen, weshalb es mir eine angenehme Pflicht ist, Herrn 
Ronniger hiefür meinen wärmsten Dank abzustatten. 



Ueberblicken wir voranstehende Uebersicht, so ergibt sich, dass in der 
Umgebung von Ried und Gmunden vom Equisetvm Telmateja Ehrh. sieben 
Varietäten vorkommen und eine, nämlich var. serotinum A. Br., in neun Formen 
und Monstrositäten auftritt. Bisher waren aus Oberösterreich aber nur zwei 
dieser Varietäten bekannt, die var. hreve („bei Ried") und die var. serotinum 
(„Unter der Normalform in der Dornleiten an der Kirchdorferstrasse; Pötsch 
in System. Aufzähl, der im Herzogth. ob der Enns bisher beob. Kryptogr. von 
Pötsch u. Schiedermayr, Wien, 1872, S. 374). Die übrigen Varietäten sind 
für Oberösterreich, und zwei davon für Oesterreich überhaupt neu, nämlich 
var. gracile Milde und var. elatius Milde. Und wie diese Formen um Ried und 
Gmunden auftreten, so glaube ich mit Sicherheit annehmen zu dürfen, dass sie 
auch an anderen Fundorten des EquisetMn Telmateja Ehrh. in Oberösterreich 
aufgefunden werden könnten. 



41 



Bemerkuiigeii übor einige Arten der Gattung Menfha, 

Von 

Hoiliricli Braun. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 7. Jänner 1888.) 



Raummangels halber mussten im Texte zur XVIII. Centurie der vom 
botanischen Museum der k. k. Universität Wien herausgegebenen „Flora exsic- 
cata Austro-Hungarica" einige Erläuterungen, welche ich an die daselbst 
edirten Mentha-F ormm knüpfte, weggelassen werden. Da ich aber diese Aus- 
führungen als zum Studium dieser Formen und zum Verständniss der Syno- 
nymik für nicht unwichtig halte, insbesondere für denjenigen Theil des bota- 
nischen Publicums, welcher sich bislang nicht eingehend mit dem Studium der 
Gattung Mentha beschäftigt hatte, so erschien es mir als nicht unberechtigt, 
an dieser Stelle oberwähnte Besprechungen zu veröffentlichen. Nachfolgende 
Zeilen enthalten zugleich auch eine Rechtfertigung meiner Ansichten betreffs 
der Umgrenzung mehrerer Formen. 

Mentha incana Willd., Enum. plant, horti reg. bot. Berolinensis, p. 609 (1809) 
nec Mentha incana Sole herb., Smith in Rees, Cyclopoedia, XXHI, 
Nr. 5 (1819) = Mentha mollissima Borkhausen in Flora der Wetterau, 
II, S. 348 (1800). 

Die Diagnose Winden ow's a. a. 0. stimmt mit den auf Bogen 1 
und 2 des Fascikel Nr. 10.814 im Herbar Willdenow befindlichen Exem- 
plaren gut überein, die Pflanzen auf den folgenden Bogen 3—5 gehören 
anderen, mit der Diagnose des Autors nicht im Einklänge stehenden 
Arten an, welche hier nicht weiter in Betracht gezogen werden können. 
Diese Thatsache hat schon C. Koch in der Linnaea, XXI, p. 649 (1848) 
bei Gelegenheit der Besprechung seiner Mentha Sieberi {Mentha cane- 
scens Sieber pl. exsicc, non Roth) festgestellt. Im Uebrigen verweise ich 
auf die Ausführungen C. Koch 's a. a. 0., und möchte nur erwähnen, dass 
Willdenow am äusseren Umschlagbogen des Fascikels Nr. 101.814 (des 
Herbar Willdenow) die handschriftliche Bemerkung: „Mentha incana 

Z. B. Ges. R. XXXIX. Abb, 6 



42 



H. Braian. 



florihus spicatis foliis ovato-ohlongis, serratis, utrinque tomentosis'^ auf- 
zeichnete, ferner dass die auf Bogen 5 befindliche Mentha, welche aus 
der Umgegend von Athen stammt, die Mentha glomerulata Jan illustrirt, 
welche von Bentham und seinen Abschreibern unrichtig zum Formen- 
kreise der Mentha suavis Gussone gestellt und von Heldreich unter 
dem Namen Mentha tomentosa d'Urville mehrmals edirt wurde. Die Mentha 
tomentosa d'Urville ist iudess eine von der Athener Pflanze weit ver- 
schiedene Art. Die Mentha incana Smith, welche als Synonym zu Mentha 
mollissima Borkh. gezogen werden muss, ist ebenfalls von Mentha incana 
Willd. total verschieden. Mentha incana bewohnt die Küsten des Mittel- 
meeres und der Adria, ferner die Lombardei und das mittlere Italien. 
Mentha viridescens Borbas in Bekesvärmegye flöräja, p. 74 (1881); Ertekezesek 
a termeszettudomänyok körebol, tom. XI, Nr. 18. 

Von Interesse ist die Thatsache, dass Mentha viridescens Borbäs 
einen Theil der Mentha halsamea Willd. herb, begreift. Auf dem ersten 
Bogen, Fascikel 10.809, Herbar Willdenow, liegen zwei verschiedene 
Formen auf; das links situirte Exemplar stellt die echte, dem Wortlaute 
der Description entsprechende Mentha halsamea Willd. dar. Bei dieser 
Pflanze sind die Stengel locker behaart; die Blätter sind lanzettlich, 
beiderseits grün, oberseits kahl, unterseits, besonders an den Nerven, 
locker behaart, nach oben zu scharf bespitzt, spitz und ziemlich tief 
eingeschnitten gesägt, mit scharfen Sägezähiieu; die kleinen Blüthenquirle 
sind zu langen gracilen und unterbrochenen Scheinähren am Ende der 
Stengel angeordnet; die Deckblätter sind behaart, spitz, ziemlich lang, 
die Kelche kurzglockig, an der Basis kahl, und nur oberseits an den 
pfriemlichen Kelchzähnen lang bewimpert, etwa so lang als die kahlen 
oder nur sehr spärlich behaarten Pedicellen. Diese Pflanze stimmt nun 
aufs Trefflichste mit den Angaben in der Beschreibung Willdenow 's 
in Enum. plant, horti reg. bot. Berolinensis, p. 608 (1809), überein, 
muss daher ohne jeden Zweifel als die echte Mentha halsamea Willd. 
angesprochen werden. Am ähnlichsten ist diese Pflanze der Mentha 
ocymiodora Opiz, Naturalientausch, S. 22 (1823). Das zweite Exemplar 
auf Bogen 1, Cahier Nr. 10.809 herb. Willdenow, welches also rechts 
situirt ist, stimmt auf das Genaueste mit der Mentha viridescens Borbäs 
überein. Bemerkenswerth erscheint es, dass Willdenow eigenhändig 
auf Cahier 10.809 die Note: „Mentha halsamea florihus spicatis foliis 
ohlongis acuminato-dentatis subtus canescentihus*^ aufzeichnete, 
welch letzter Passus nur auf das am ersten Bogen rechter Hand situirte 
Exemplar anzuwenden ist, also auf Mentha viridescens Borbäs. Un- 
geachtet eben erwähnter Thatsache kann doch nur das links situirte 
Exemplar, als mit dem Wortlaute der Diagnose Willdenow's im Ein- 
klänge stehend, als echte Mentha halsamea angesprochen werden. Diese 
Mentha halsamea Willd. macht den Eindruck, als ob sie das Product der 
Kreuzung zwischen einer Form aus der Gruppe der Mentha viridis L., 



Bemerkuugeu über einige Artou der Gattung Mtatha. 



43 



etwa Mentha laevigata Willd. oder Mentha ocymioäora Opiz, mit Mentha 
üiridescens hovhi^ sei. DaWilldeuow in regem Verkehr mit Kitaibel 
stand, ist es nicht unmöglich, dass die behaartbLätterige Art aus Ungarn 
stammt, während die Formen der 3Ientha viridis L. dem Süden Europas, 
besonders der mediterranen Zone entstammen. Da nun beide Exemplare im 
Berliner botanischen Garten cultivirt waren, so ist der oben ausgesprochenen 
Vermuthung nicht aller Boden entzogen. Deseglise und mehrere andere 
französische Autoren versandten unter dem Namen „Mentha balsamea 
Willd." Formen, welche weit von den eben besprochenen Formen ab- 
weichen, und welche mit der auf dem zweiten Bogen, Cah. Nr. 10.809 herb. 
Willd enow aufliegenden Art authentisch sind. Diese Pflanze ist von 
robustem Baue, mit ziemlich breiten, im Zuschnitte an die Mentha can- 
dicans Crantz erinnernden Blättern, welche oberseits anliegend behaart, 
unterseits an der Lamina kurz, an den Nerven lang zottig behaart er- 
scheinen, m.it scharfer aber ziemlich seicht in den Blattrand ein- 
geschnittener Serratur; die unteren Blätter sind gestielt, spitz nach oben 
zu, zur Basis aber abgerundet. Stengel oben dicht flaumig. Bracteen 
lanzettlich-pfriemlich ; die Blüthenquirlen sind zu laugen lockeren Schein- 
ähren vereinigt, Kelche und Pedicellen kurzhaarig. Diese Pflanze, welche 
zunächst den Menthen der Gruppe der Mentha canescens Roth non alior. 
zuzuzählen ist, liegt mir aus Frankreich, der Schweiz, Italien, Croatien 
und endlich von Fuss (Nr. 20.987) aus Siebenbürgen gesammelt vor, 
welch Letzterer die Pflanze nächst Girsau entdeckte; diese siebenbürgische 
Pflanze besitzt schön violett gefärbte Kelche, welche an die der Mentha 
Kotschyana Boiss. erinnern. Ich habe diese Mentha halsamea Aut. et 
Willd. herb, pro parte mit dem Namen „Mentha halsamißora" bezeichnet. 

Mentha paludosa Sole, Menthae Brit., p. 49, tab. XXII (1798); Icon. English 
Botany Third, ed. (Boswell), VII, tab. MXXXII (1867); conf. H. Braun 
in Ed. Forraänek, Mährisch- schlesische Menthen in Verhandl. des natur- 
forsch. Ver. in Brünn, extr. S. 3 (1888). 

3Icntha reversa Ptochel in Linnaea, XII, p. 588—589, tab. VI, fig. XXII (1838). 
Dass Kochel unter dem Namen „Mentha reversa'^ mehrere Formen, 
wahrscheinlich verschiedenen Sectionen angehörend, cummulirte, geht bei 
dem Anblicke der unter dem Namen Mentha reversa Kochel, 1. c, fig. XIX 
bis XXII abgebildeten Blattformen ganz deutlich hervor. Es fragt sich 
nun, welcher von diesen Formen mit Fug und Kecht der Name „Mentha 
reversa Kochel" zugesprochen werden darf, d. h. welche dieser Formen 
den Anforderungen der Diagnose entsprechen und mit den eventuellen 
Citaten in Einklang gebracht werden können. Die Diagnose der Mentha 
reversa Kochel ist nun innerhalb weiter Grenzen gehalten und lässt 
übrigens nur erkennen, dass Kochel bei Abfassung derselben eine Mentha 
ins Auge gefasst hatte, welche kurzgestielte Blüthen und trichterig- 
glockig geformte Kelchröhren aufweist. Ergänzend wäre hier noch die 
Thatsache zu erwähnen, dass sämmtliche unter dem Namen Mentha 

6* 



H. Braun. 



reversa abgebildeten Blätter beiderseits ziemlich dichte Behaarung sowohl 
an den Nerven als auch an der Spreite selbst zeigen. Nach eben Er- 
wähntem lassen sich nur wenige Schlüsse ziehen, und es wäre die Stel- 
lung der Mentha reversa Kochel eine gewiss sehr unsichere und kaum 
eruirbare gegenüber anderen und ziemlich zahlreichen Föi-men, welche 
die gleichen Eigenschaften aufweisen, wenn nicht einige Thatsachen der 
Aufhellung dieser Art zu Gute kämen. Eine für die Auffassung dieser 
Art entscheidende Thatsache ist nun ein Citat, welches Kochel zweimal 
gelegentlich der Diagnose seiner Mentha reversa auf p. 588 und 589 a. 
a. 0,, einmal nach der Diagnose mit einem Ausrufungszeichen, das andere 
Mal unmittelbar nach dem Namen Mentha reversa Kochel anführt, und 
zwar das Citat: „Mentha hirsuta Smith". Wie Exemplare im Herbare 
des kaiserl. naturhistorischen Hofmuseums in Wien aus der Hand Porten- 
schlag's, KitaibePs etc. nachweisen, verstanden die älteren österreichi- 
schen und ungarischen Botaniker unter Mentha hirsuta Sm. eine Pflanze, 
Avelche genau die Blattform der von Smith in English Botany, Vol. VII, 
PI. 447 (1798) abgebildeten Mentha hirsuta Huds. trägt, aber die Haupt- 
axe nicht durch kopfförmig zusammengesetzte Blüthenwirtel, sondern 
durch sterile, kleine Blätterbüschel abgeschlossen hat; wobei noch er- 
wähnt werden soll, dass die Form des Kelches eine sehr ähnliche jener 
ist, welche der Kelch von Mentha reversa aufweist. Unter allen Blatt- 
formen, welche Kochel a. a. 0. abbildet, stimmten nur die unter Nr. XXII 
auf Tafel VII gezeichneten in befriedigender Weise mit denen der Mentha 
hirsuta Aut. (Smith) überein. Es ist ja doch anzunehmen, dass wenn 
ein Autor zweimal eine Pflanze zur Diagnose seiner neu creirten Species 
citirt, diese Pflanze mit der betreff'enden Species eine habituelle Aehn- 
lichkeit besitzen muss, während andererseits diese Hinzufügung beweist, 
dass er die Mentha hirsuta Smith von der Mentha hirsuta Hudson, 
Linne für verschieden und mit seiner Species selbstverständlich gleich- 
gestaltet erklärt. Eine zweite Thatsache ist ferner die, dass Kochel 
seine Pflanze zwischen der Mentha rubra Smith und Mentha pilosa 
Sprengel placirt, beides Arten, deren Blätter eine Aehnlichkeit mit den 
auf Nr. XXII abgebildeten Blattformen zeigen. Die in der „Flora exsic- 
cata Austro-Hungarica" ausgegebene Pflanze erfüllt alle Bedingungen, 
welche nach Ebenerwähntem an die Mentha reversa Kochel gestellt 
werden können, in der befriedigendsten Weise, und nur sie kann, soll 
anders der Name Mentha reversa Kochel einer speciellen Art und nicht 
einer Gruppe von Formen zugesprochen, d. h. ganz fallen gelassen werden, 
mit vollem Rechte den Namen Mentha reversa Kochel führen. Möglich 
ist es immerhin, dass Kochel anlässlich der colossalen Verwirrung, 
welche bei den Abbildungen der Blattformen unter den Nr. XIX — XXI 
auf Tafel VII zu Tage tritt, auch die Mentha villosissima Schur im Auge 
hatte; mit dem Citate Mentha hirsuta Smith, sowie mit den anderen 
obenerwähnten Thatsachen kann letztere Pflanze nie und nimmer in 



Bemerkaugen über einige Arten der Gattung Mentha. 



45 



Einklang gebracht werden. Die hier in Rede stehende, allein als richtige 
Mentha reversa Rochel aufzufassende Pflanze hat die grösste Aehnlich- 
keit mit Mentha hallotaefolia Opiz (Naturalieutausch, S. 21, 1823) und 
Mentha suhspicata Weihe (teste Becker et Fresenius), allein von beiden 
Menthen unterscheidet sie sich leicht durch kürzere Kelchzähne und 
trichterig-glockige Kelchröhren. 

Mentha diversifolia Dumortier, Florula Belgica, p. 49 (1827), Mentha nummu- 
laria Dese'glise et aut. plur. uon Schreber. Mentha diversifolia Dumort. 
wird von der Mehrzahl der Autoren, wie Nees, Wirtgen und zuletzt 
wieder von Deseglise bei Gelegenheit der Besprechung der Mentha 
harhata und odorata Opiz (non Erhart, nec Sole) der echten Mentha 
nummularia Schreber zugezählt. Schreber beschreibt aber seine Mentha 
nuDwmlaria a. o. a. 0. mit ,,foUis glabriusculis praesertim margine et 
venis subtits subvillosa; pedicellis laeviusculis, calix pilis raris paten- 
tibus hirsutis, praesertim basi etc.," alles Merkmale, welche mit denen 
vorliegender Pflanze nicht harmoniren. Hingegen treffen alle Merkmale, 
welche Schreber der Mentha dubia Suter's zuschreibt, mit vorliegender 
Pflanze zusammen, so z. B. „foliis inferioribus subrotundis minoribus, 
superioribiis ovato-lanceolatis, subhirsutis, pedicelli laeviuscuU vel pilosi, 
calix paullo magis villoso quam in praecedente (Mentha nummularia)^^ , 
Zum Schlüsse der Description der Mentha dubia Suter bemerkt Schreber: 
„An praecendentis {Mentha nummularia Schreber) sola varietas? — certe 
ei simillima est^. Diese Ausführungen lassen wohl keinen Zweifel auf- 
kommen, dass die 3Ientha aus der Verwandtschaft der Mentha nummu- 
laria Schreber mit beiderseits behaarten Blättern und dicht behaartem 
Kelche zu Mentha dubia Suter, welche eine grosse Verbreitung in Mittel- 
europa (Schweiz, Tirol, Steiermark, Niederösterreich, Würtemberg, Baden, 
Hessen, die Rheinprovinz, Frankreich und Belgien) besitzt, gestellt werden 
muss. Als ältester Name hat Mentha diversifolia Dumort., dessen Pflanze 
völlig, soAvohl der Diagnose als auch dem Original-Exemplare nach, mit 
der Pflanze Suter's identisch ist, in Kraft zu treten. 

Mentha Bihariensis Borbäs in Simonkai, Enum. flor. Transilv., p. 437 (1887) 
nomen solum. Mentha Bihariensis Borbäs ist die Vertreterin einer 
Gruppe der Gattung Mentha, welche bislang auf die verschiedenste Art 
gedeutet und verschiedenen Sectionen angereiht wurde. Zweifelsohne ist 
sie indess jeuer Section anzugliedern, welcher man füglich die Mentha 
gentilis als ältesten Repräsentanten voraussetzen kann, und welche auch 
nach ihr den Namen „Menthae gentiles" führt. Schon Host, bei Gelegen- 
heit der Besprechung seiner MentJia Carniolica in der Flora Austriaca, 
II, p. 146 (1831), d. h. der unter Nr. 1764 ausgegebenen Mentha Dal- 
matica Tausch, erwähnt ausdrücklich, dass der Geruch dieser Pflanze ver- 
schieden von dem der anderen Menthen aus der Gruppe Arvenses sei, 
und mehr an den der Mentha silvestris L. erinnere („Odore poltet 
simili Uli quem Mentha silvestri sed debiliore'^). Und in der That, 



46 



H. Braun. Bemeikungoii über einige Arten der Gattung Mentha. 



schon am Gerüche, der mehr citronen- oder bergamottenähiilich ist, 
lassen sich die Glieder dieser Section erkennen, die Blumenkronenrührc 
ist überdies innen kahl, die Tracht eine ganz eigenthümliche und auf- 
fallende; die Serratur der Blätter eine scharfe und spitze. Die Formen 
dieser Section kann man füglich nach der Behaarung ihrer Anhangs- 
organe in zwei grosse Gruppen sondern, und zwar a) in Glahrescentes, 
wohin beispielsweise die Mentha rubra Sm., Mentha Wirtgeniana 
F. Schultz, Mentha grata Host, Mentha resinosa Opiz, Mentha Würlii 
Opiz, Mentha pratensis Sole, Mentha Cardiaca Gerardi, Mentha gracilis 
Sole etc. gehören, und h) in Pilosae, welche letztere wieder in zwei 
Rotten: «. Eugentiles, welchen die echte Mentha gentiles L. als Haupt- 
repräsentant vorgesetzt werden kann, und ß. in Py cnotrichae, wozu 
Mentha pycnotricha Borbäs, Mentha villosissima Schur {Mentha suaveolens 
Host non Ehrhart), Mefitha Dalmatica Tausch, Mentha Bihariensis 
Borbäs, Mentha Haynaldiana Borbäs, Mentha Äor^msis Tausch (in Koch, 
Synops., ed. II, p. 635 sub varietate ß. acutifolia Menthae gentilis L., 
1843), Mentha Wohlwerthiana und Mentha Mülleriana F. Schultz u. a. 
gehören. Die kahlblätterigen Formen dieser Section sprach man früher 
als Producte von Kreuzungen zwischen Formen aus der Gruppe der 
Mentha viridis L. und Mentha arvensis L., die behaartblättrigen aber 
als solche zwischen den Formen aus den Gruppen der Mentha candicans 
Crantz, Mentha mollissima Berkh., Mentha rotundifolia L. mit solchen 
der Mentha arvensis L. an, mit welcher Berechtigung, müssen wohl erst 
Experimente zeigen. Noch in neuerer Zeit gab A. Kern er durch Creirung 
seiner Mentha Skoßsiana (silvestri X arvensis) in Oesterr. botan. 
Wochenbl., XIII, S. 385 (1863), welche zur Mentha hortensis Tausch 
gehört, der vorhin ausgesprochenen Meinung Ausdruck. 



47 



Das Aiiftretoii dor Gallenlaus im Versuehsweiii^arton 
zu Klosterneuburg im Jahre 1887/) 

Von 

Eiuerieli Ratliay, 

Professor an der k. Ic. önologischen und poraologischen Leliranstalt in Klosternenliurg bei Wien. 

(Mit 2 chromolithographischen Tafeln [Tafel II und III] 
und 1 Zinkographie im Texte.) 



(Vorgelegt in der VerBammlung am 7. Jänner 1889.) 



Einleitung. 

Aus einer Mittheilung Baron Babo's ergibt sich mit grosser Wahr- 
scheinlichkeit, dass die Reblaus im Frühjahre 1868 mit amerikanischen Wurzel- 
reben in den Versuchsweiugarten nach Klosterneuburg gelangte, 2) und aus 
den Berichten, welche über den Stand dieses Weingartens im Jahre 1871 vor- 
liegen,^) darf man schliessen, dass daselbst die Wirkungen der Reblaus bereits 
in diesem Jahre bemerkbar wurden. Ganz gewiss war dies aber im Jahre 1872 
der Fall, ^) in welchem Jahre Prof. Leonh. Rösler, Leiter der k. k. chemisch- 
physiologischen Versuchsstation, im Monate Mai zum ersten Male im Kloster- 
neuburger Versuchsweingarten ungeflügelte Wurzelläuse auffand.^) Von 

1) Der Verfasser erlaubt sich hier dem hohen k. k. Ackerbau- Ministerium für die 
Freigebigkeit ehrfurchtsvollst zu danken, durch welche es die Ausstattung dieser Abhandlung mit 
zwei chromolithographischen Tafeln ermöglichte. 

Ehrerbietigst dankt er auch Herrn Anton von Pr e ti s -Cagn o d o , Ministerialrath im 
k. k. Ackerbau-Ministerium, für die Anregung, welche er von diesem zu seiner Arbeit erhielt. 

Endlich hat er auch die angenehme Pflicht, seinem hochverehrten Vorstande, Herrn Director 
August Freiherrn von Babo, und dem Chemiker Herrn Franz Kurmann für die mannig- 
fache Förderung, welche seine Arbeit durch die Genannten erfuhr, höflichst zu danken. 

-) A. v. Babo, Ueber das Auftreten der Phylloxera vasfatrix in Klosterneuburg, „Wein- 
laube", 1874, S. 2*n. — Georg Ritt. v. F rauen fei d , Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. 
in Wien, 1872, S. 567. — Dr. W. Ritt. v. Hamm, Die Wurzellaus der Weinrebe, 1875, S. 12. 

^) „Weinlaube", 1871, S. 89 und 154. 

") „Weinlaube", 1872, S. 222 und 240. 

5) Rösler, Die kleinen Feinde des Weinstockes, „ Weinlaube", 1872, S. 219. — Rösler, 
Beiträge zur Kenntniss der gegen die Phylloxera empfohlenen Mittel, „Weinlaube", 1872, S. 2«.'). — 
Rösler, Belehrung über das Auftreten der Reblaus, Mittheilungen des k. k. Ackerbau-Ministeriums, 
187t, I. Heft, S. 10. 



48 



Emerich Kätliay. 



dem ehemaligen Weinbauschüler Forst wurden dann daselbst im Jahre 1874 auch 
„Geflügelte",^) und einige Jahre später von Kösler angeblich zweierlei 
Geschlechtsthiere beobachtet, von denen die einen unabhängig (?) von Ge- 
flügelten auf den Wurzeln aufgetreten sein sollen, während sich die anderen 
aus den Eiern der Geflügelten entwickelten. 2) 

Ob in Klosterneuburg im Freien jemals das Winterei beobachtet wurde, 
vermag ich nicht zu sagen. Gewiss ist es aber, dass man sich daselbst viele 
Jahre hindurch vergebens bemühte, die Reblaus, so wie in Amerika und theil- 
weise auch in Frankreich, auf den Blättern der Rebe, und zwar als Gallen- 
erzeugerin zu finden, und schon vermuthete man in den letzten Jahren, dass sie 
in dem Klima von Klosterneuburg nur auf den Wurzeln, aber nicht auf den 
Blättern zu leben vermöge, als ich im Vorjahre, und zwar am 3. Juli, also 
15 Jahre nach der Auffindung der Wurzellaus in Klosterneuburg und wahr- 
scheinlich 19 Jahre nach der daselbst erfolgten Infection der Weingärten mit 
dem Schädlinge, die ersten Gallen und Gallenläuse im Versuchsweingarten 
beobachtete. ^) 

Dieses späte Erscheinen der Gallenläuse im Klosterneuburger Ver- 
suchsweingarten ist in zweifacher Beziehung lehrreich, nämlich einmal insoferne, 
als es zeigt, dass die Gallenläuse viele Jahre hindurch kein nothwendiges Glied 
im Generationswechsel der Reblaus bilden, indem sie sonst im Klosterneu- 
burger Versuchsweingarten schon längst hätten auftreten müssen, und dann 
noch aus einem anderen Grunde. Ich hörte vor nicht langer Zeit in einem 
Vortrage über die Reblaus die Vermuthung aussprechen, dass dieser Schädling 
von den Wurzeln auf die Blätter übergehe, wenn ihm der Aufenthalt auf den 
ersteren aus irgend einem Grunde verleidet werde. Ein solcher trat aber in 
K loste rneuburg sicherlich im Jahre 1878 ein, in welchem man daselbst die 
Reblaus wesentlich nach der von dem Phylloxera-Congresse zu Lausanne im 
Jahre 1877 empfohlenen Methode^) mit Schwefelkohlenstoff" zu bekämpfen be- 
gann.^) Da aber in diesem und den folgenden Jahren die Reblaus sich nicht 
auf die Blätter flüchtete, sondern erst im Vorjahre auf ihnen erschien, so wird 
durch das Auftreten der Gallenlaus in Klosterneuburg die Richtigkeit der 
obigen Vermuthung nicht bestätigt. 

Der Umstand, dass die Gallenlaus bisher wohl in Amerika und Frank- 
reich, aber noch niemals bei uns genauer beobachtet wurde, veranlasst mich. 



1) Dr. W. Ritt. V. Hamm, Die Wurzellans der Weinrebe, 1875, S. 15. 

2) Bericht über die Verhandlungen des ersten österreichischen Weinban-Congresses iu Mar- 
burg a. d. Drau vom 20. bis 23. September 1876, S. 43 und 44. 

3) Emerich Räthay, Reblausgallen in Klosterneuburg, „Weinlaube", 1887, S. 327. 

*) K. k. Ackerbau-Ministerium, Die Bekämpfung der Reblaus nach den Ergebnissen des 
Phylloxera-Congressee zu Lausanne. 

A. V. Babo, Die Phylloxera-Yrsige in Klosterneuburg, „Weinlaube", 1878, S, 273. — 
W. V. Hamm, Die Bekämpfung der Reblaus mit Schwefelkohlenstoff, „Weinlaube", 1878, S. 317. — 
Dr. Herzmanowsky, Die Bekämpfung der Phylloxera in Niederösterreich, „Weinlaube", 187«, 
S. 426. — A. V. Babo, Neuanlage des Versuchsweingartens in Klosterneuburg, „Weinlaube" 
1879, S. 206, 



Das Auftreten der Gallenlaus im Versuchsweingarten zu Klosterneuburg im J. 1887 . 49 



die Beobachtungen, welche ich im Vorjahre bei Gelegenheit ihres Auftretens in 
Klosterneuburg machte, im Folgenden mitzutheilen. 

I. Die Gallen und ihre Bewohner. 

Wie ich oben erwähnte, fand ich die Blattgallen der Keblaus erst am 
3. Juli, doch werde ich weiter unten nachweisen, dass sie bereits viel früher, 
nämlich schon im Mai, zu finden waren. Sie hingen als pfeflferkorngrosse, 
gelblicbgrüne oder röthliche, mit Höckern und Borsten besetzte Beutel an der 
Unterseite der Blattspreiten (Taf. II, Fig. 1 und 2), während sich auf der Ober- 
seite derselben die von einem behaarten Wulste umgebenen Galleneingänge 
befanden (Taf. II, Fig. 3 und 4). Dass die Reblausgallen aus der Blattunterseite 
hervortreten, unterscheidet sie einerseits von den häufigen Gallen der Weinmilbe 
[Phytoptus vitis Landois), welche Gallen Auftreibungen auf der Blattoberseite 
darstellen, und andererseits von den seltenen Gallen der Rebengallmücke {Ceci- 
domyia oenephila Haimhoffen), ^) indem jede der letzteren Gallen sowohl aus 
der Ober- als auch aus der Unterseite der Blattspreite hervorragt. OeflPnete 
ich eine völlig entwickelte Reblausgalle, indem ich sie halbirte und gleichzeitig 
ihre Hälften auseinanderlegte, so gewahrte ich in der Regel eine, seltener zwei 
erwachsene und träge Gallenläuse, deren abgelegte Häute und zahlreiche Eier, 
nebst einigen aus diesen eben ausgeschlüpften, sehr beweglichen jungen Gallen- 
läusen (Taf. II, Fig. 5). Die erwachsenen Gallenläuse (Taf. III, Fig. 1 und 2) 
sahen entwickelten Wurzelläusen (Taf. III, Fig. 3) bis zu einem gewissen Grade 
ähnlich, unterschieden sich aber von den letzteren doch wieder so mehrfach, 
dass ich bei ihrem ersten Anblicke an eine specifische Verschiedenheit von den 
Wurzelläusen glaubte. Einmal mass ihre grösste Länge nicht wie bei den 
letzteren 1*2 vim, sondern 1"76 mm. Weiter besassen sie niemals die .grünlich- 
gelbe, bis fast grüne Farbe der Wurzelläuse (Taf. III, Fig. 3), sondern einen dem 
Orangegelb sich nähernden Farbenton (Taf. III, Fig. 1 und 2). Endlich fehlten 
auf ihrem Rücken ausnahmslos die vier Warzeureihen (Taf. III, Fig. 1), mit 
welchen jener der Wurzelläuse stets verziert ist (Taf. II, Fig. 3). Dabei stimmten 
sie aber insoferne mit den erwachsenen, ungeflügelten Wurzelläusen überein, 
als alle ihre Individuen Eier legten, sich also parthenogenetisch vermehrten; 
doch war die Zahl der letzteren, welche eine einzelne Gallenlaus erzeugte, 
grösser als bei den Wurzelläusen, wie daraus hervorgeht, dass ich in Gallen, 
welche nur eine erwachsene Gallenlaus enthielten, häufig 250 Eier zählte. 
Diese wurden in ungefähr 18 Tagen gelegt, wie der folgende Versuch lehrt: Viele 
junge Gallenläuse (Taf. III, Fig. 4) wurden in einer unten zu beschreibenden 

1) Die Gallen der Cecidomyia oenephila wurden von Gustav Kitt. v. H aim h o ff e n bei 
uns in Niederösterreicli (Gersthof, P e r cht o 1 d s do r f, Giesehübl) und von Bergenstamra 
in Istrien (Kubia bei Görz) gefunden (v. Haimhoffen, Beobachtungen über die Blattgalle und 
deren Erzeuger auf Vitis vinifera L., Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, XXV, S. 803). 
Mir wurden sie heuer durch Herrn Johann v. Zotti, Secretär der II. Section des Landescultur- 
rathes in Trient aus Roveredo in Südtirol und durch Herrn Alexander Wntscher aus 
St. Bartholomäin Krain eingeschickt (R a t h a y, Die Blattgallen der Rebe, „Weinlaube", 1889, S. 1.5). 
Z. B. Ges. B. XXXIX. Abb. 7 



50 



Emerich Räthay. 



Weise auf die jüngsten Blätter mehrerer Taylorreben übertragen, worauf an 
jenen die gleichzeitige Bildung zahlreicher Gallen erfolgte. Von diesen wurden 
dann jeden dritten Tag immer andere darauf untersucht, ob sie Eier enthielten, 
wobei solche zum ersten Male am 29. Juli und zum letzten Male am 16. August 
gefunden wurden. Was die Eier selbst anbelangt, welche sich in den Blattgallen 
fanden, so stimmten sie vollkommen mit den Eiern der ungeflügelten Wurzel- 
läuse überein. Sie besassen mit diesen dieselbe gelbe Farbe, die gleiche ellip- 
soidische Form und denselben Längendurchmesser, nämlich 0'3 mm. Das Aus- 
schlüpfen der jungen Gallenläuse aus den Eiern erfolgte wenige Tage nach 
ihrer Ablage, wovon ich mich durch folgenden Versuch überzeugte: Es wurde ein 
mit 18 Eeblausgallen besetztes Taylorblatt vom 22. Juli an durch neun Tage 
an jedem Morgen auf eine reine und mattgeschliffene Glastafel in die Mitte 
eines auf diese mit einem Haarpinsel aufgetragenen und 2 cm breiten Glycerin- 
ringes gebracht und daselbst bis zum Morgen des folgenden Tages gelassen. 
Hiebei wurde beobachtet, dass sich auf den Glycerinringen vom 22. bis inclusive 
28. Juli zahlreiche erst aus den Eiern ausgeschlüpfte Gallenläuse fingen, während 
sich auf dem Glycerinringe vom 29, Juli nur wenige und auf jenem vom 30. Juli 
gar keine Gallenläuse mehr fanden. Als hierauf am 31. Juli das Innere der 
Gallen des Taylorblattes untersucht wurde, waren in jenen nur mehr leere Eier- 
hüllen vorhanden, und es waren demnach aus sämmtlichen Eiern, somit auch 
aus denen, welche erst am 22. Juli gelegt worden waren, die jungen Gallenläuse im 
Laufe von neun Tagen ausgeschlüpft. Der vorstehende Versuch zeigt ausserdem, 
dass frisch abgepflückte Rebenblätter, aufweichen sich Reblaus- 
gallen befinden, schon vermöge der in diesen enthaltenen Eier der 
Gallenlaus, mindestens eine Woche lang höchst gefährliche Ob- 
jecte für jede reblausfreie Gegend darstellen, in welche sie in 
irgend einer Weise gelangen. 

Die jungen Individuen (Taf. III, Fig. 4), welche ich aus den Eiern der 
Gallenläuse ausschlüpfen sah, glichen in jeder Beziehung den jungen Wurzel- 
läusen, auch waren sie ebenso beweglich wie diese. Wurden sie während ihres 
Laufes über ein Blatt durch einen sehr nahe gehaltenen, gläsernen Millimeter- 
massstab beobachtet, so sah man, dass sie hier mit einer Geschwindigkeit von 
7 mm in 20 Secunden liefen. Dieser Beweglichkeit entsprechend verliessen sie 
sehr bald ihre Geburtsstätte durch die Gallenöffnung, um vorübergehend auf 
allen oberirdischen Organen der Rebe zu erscheinen. So beobachtete ich sie 
an schönen Tagen, z. B. am 13. Juli, auf den Blattspreiten, Blattstielen, Inter- 
nodien, Ranken und Trauben, u. zw. überall mehr oder weniger zahlreich. 
Befestigte ich mittelst eines Zwirnes auf dem Blattstiele eines mit Reblaus- 
gallen besetzten Blattes eine dünne Baumwollenschichte, so fanden sich zwischen 
deren Fasern oft schon nach' Verlauf von wenigen Minuten zahlreiche junge 
Gallenläuse. Und das Gleiche beobachtete ich häufig, wenn ich auf ein Inter- 
nodium einen Baumwollring band. 

In welcher Menge die auf den oberirdischen Organen gallenkranker Reben 
befindlichen jungen Gallenläuse entweder durch den Wind, oder in Folge der 



Das Auftreten der Gallenlaus im Versuchsweingarten zu Klosterneuburg im J. 1887. 



51 



durch diesen hervorgerufenen Erschütterungen, oder vielleicht auch dadurch, 
dass sie sich freiwillig fallen lassen auf benachbarte Stöcke, oder auf die unter 
den gallenkrankeu Reben befindlichen Gegenstände gelangen, zeigt der folgende 
Versuch: Am 19. Juli Morgens wurden die Lottengipfel einer unter dem Namen 
Canadawine im Versuchsweingarten vorhandenen amerikanischen Rebe, deren 
Blätter mit zahlreichen Gallen besetzt waren, in horizontaler Lage und in der 
Entfernung von 60 cm über einem kleinen und mit Bezug auf die gallenkrankeu 
Reben unter der Windrichtung befindlichen Tischchen befestigt. Auf diesem 
wurden dann zwei Brettchen so untergebracht, dass das eine in horizontaler 
Stellung unter die gallenkranken Lottengipfel zu liegen kam, während das an- 
dere neben diesen mit der Ebene des Tischchens derart einen Winkel von 45° 
bildete, dass seine Oberseite den gallenkranken Lottengipfeln zugewendet war 
und von dem Winde getroffen wurde. Endlich wurden beide Brettchen mit 
25 Glasplatten belegt, deren jede einen Quadratdecimeter Fläche besass und 
auf der Oberseite mit Glycerin bestrichen war. Beide Brettchen blieben nun 
fünf Stunden lang auf dem Tischchen, worauf die klebrige Oberfläche ihrer 
Glasplatten mit einer starken Lupe auf das Vorkommen junger Gallenläuse 
untersucht wurde. Hiebei fanden sich solche auf den Glasplatten in folgenden 
Zahlen, und zwar: 

a) auf den Glasplatten des horizontalen Brettchens, auf 

9 Platten je Läuse, 

9 „ „1 Laus, 

1 Platte 2 Läuse, 

1 » 3 „ 
3 Platten je 5 „ 

2 » » 8 „ 

und daher auf einer Fläche von 25 Quadratdecimeter 45 Läuse, und 
h) auf den Glasplatten des geneigten Brettchens, auf 
10 Platten je Läuse, 
13 „ „1 Laus, 
2 „ „2 Läuse, 
also auf einer Fläche von 25 Quadratdecimeter 17 Läuse. 

Nach den Ergebnissen des eben mitgetheilten Versuches ist es selbst- 
verständlich, dass die in einem gallenkranken Weingarten beschäf- 
tigten Arbeiter beim Verlassen desselben oft zahlreiche junge 
Gallenläuse auf ihren Kleidern mit sich nehmen und daher mög- 
licher Weise nicht wenig zur Verbreitung der Reblaus beitragen. 
Ich beobachtete öfter, dass ich, trotzdem meine Wohnung eine halbe Stunde 
weit vom Versuchsweingarten entfernt liegt, lebende junge Gallenläuse an meinen 
Kleidern mit nach Hause brachte. 

Oben wurde gesagt, dass die jungen Gallenläuse nach dem Verlassen der 
Gallen vorübergehend auf allen oberirdischen Organen der Rebe erscheinen; 
hier muss aber hervorgehoben werden, dass sie sich dauernd nur auf den jüngsten, 

7* 



52 



EraericL Rathay. 



noch in raschem Wachsthum begriffenen Organen der Lotten und Geize, und 
zwar zumeist auf den entweder noch nicht oder eben erst entfalteten Blättern, 
seltener dagegen auf jungen Ranken (Taf. III, Fig. 5) und Internodien (Tai III, 
Fig. 5) niederlassen, um auf allen diesen Organen Gallen (Taf. III, Fig. 5) zu 
erzeugen. Ausgebildete Organe scheinen desshalb, weil sie nicht mehr zu wachsen 
vermögen, für die abnormen Wachsthumsvorgänge der Gallenbildung ungeeignet 
zu sein. Auf den Blättern siedelten sich die jungen Gallenläuse ausnahmslos 
nur auf der Oberseite, hier aber oft in so grosser Zahl an, dass die Blätter 
durch sie bis zum Beginne der Gallenbildung punktirt erschienen (Taf. II, 
Fig. 6). Hatte die Ansiedlung der Gallenläuse auf einem Blatte stattgefunden, 
so vertiefte sich schon in den nächsten Tagen der unter jeder Laus befindliche 
Blatttheil, während sich der Rand der entstandenen Vertiefung mit so gestellten 
Haaren umgab, dass die Laus von denselben bedeckt wurde (Taf. II, Fig. 7). Die 
vollständige Entwicklung der Gallen erfolgte, wie ich in einigen Fällen fest- 
stellte, im Laufe von 14 Tagen. War eine Galle entwickelt, so zeigte sich auch 
die in ihr enthaltene Laus erwachsen und begann dieselbe ihre unbefruchteten 
Eier zu legen, welches Geschäft sie durch ungefähr 14—20 Tage fortsetzte, um 
nach Beendigung desselben zu sterben. Das Leben einer Gallenlaus dauerte 
daher etwas über einen Monat. 

Die Vertheilung, in welcher die Gallen auf den Lottenblättern der Reb- 
stöcke vorkamen, wurde in zahlreichen Fällen untersucht. Da sich jedoch alle 
analog erwiesen, so genügt es, einen derselben zu betrachten. Eine gallenkranke 
Taylorrebe besass fünf Lotten, auf deren Blättern sich am 5. August die Gallen 
in der aus der folgenden Zusammenstellung ersichtlichen Vertheilung fanden. 



Lottenblätter, 


Zahl der 


auf den Lottenblättern vorhandenen Gallen, 


in der Richtung 




und zwar auf 




von unten nach 












oben gezählt 


Lotte I 


Lotte II 


Lotte III 


Lotte IV 


Lotte V 


Blatt 1 














Dieses Blatt 












fehlte 


. 2 

















« 3 


1 














« 4 














1 


„ 5 

















. 6 


































« 8 














Dieses Blatt 












fehlte 


„ 9 














2 


„ 10 


6 











Dieses Blatt 












fehlte 



Das Auftreten der tiallfiilaiis ijii VerHuchsweiiigarteii zu Klobterneuburg im J. 1887 



53 



Lottenblatter, 
in der Richtung 
von unten nach 

oben gezählt 



Zalil der auf den Lottenblätteni vorliandeuen Gallen, 
und zwar auf 



Lotte I 



Lotte II Lotte III Lotte IV 



Blatt 11 

. 12 

n 13 

. 14 

„ 15 

, 16 

. 17 



18 
19 
20 
21 



22 
23 



24 

25 
26 
27 



12 

9 



1 

3 

Zahlreiche 
Gallen (die eine 
Hälfte des Blat- 
tes fehlte) 

114 
108 
79 . 

Zahlreiche 
Gallen (der 
grösste Theil 
des Blattes 
fehlte) 

18 

Junge, festge- 
saugte Läuse, 
aber Gallen 

Knospe 



7 

35 
81 



65 
54 



21 



10 
2 

Junge, fest- 
gesaugte 

Läuse, aber 
Gallen 

Knospe 






1 

3 




22 



24 
37 
25 
17 



14 

Junge, fest- 
gesaugte 

Läuse, aber 
Gallen 

Knospe 



1 




Dieses Blatt 
fehlte 


1 



4 
10 
19 
14 



17 



Junge, festge- 
saugte Läuse, 
aber Gallen 

Knospe 



Der vorstehende Fall lehrt Mehreres, nämlich : 

1. Dass die erste Generation der Gallenläuse im Versuchsweingarten 
bereits Anfangs Mai auf den Rebenblättern erschien, wie die Gegenwart je einer 
Galle auf dem dritten Blatte der Lotte I und auf dem vierton Blatte der 
Lotte V, also auf solchen Blättern zeigt, welche sich nur Anfangs Mai in dem 
zur Gallenbildung geeigneten Zustande befanden. 



54 



Emerich Räthay. 



2. Dass auf den untersten, gallenkranken Blättern der Lotten aus- 
nahmslos nur wenige, nämlich nur 1—3 Gallen vorkommen. Es ist dies ein 
Umstand, welcher für die Richtigkeit jener Ansicht spricht, nach welcher die 
ersten Gallenläuse, die im Frühlinge erscheinen, den von den Weihchen der 
Geschlechtsgeneration in der Einzahl erzeugten und daher auch einzeln, u. zw. 
auf die Borke der Rebe, abgelegten Wintereiern entstammen. 

3. Dass auf die untersten, mit Gallen besetzten Blätter der Lotten stets 
einige gallenfreie Blätter folgen. Es sind dies diejenigen, die sich während 
der Zeit entwickeln, welche die den Wintereiern entschlüpfte erste Generation 
der Gallenläuse zu ihrer Entwickelung benöthigt. 

4. Dass auf den folgenden Blättern der Lotten die Zahl der Gallen um- 
somehr zunimmt, je näher sie einem über ihnen befindlichen Blatte gelegen 
sind, welches die grösste Zahl der Gallen trägt, und dass auf den noch höher 
gelegenen Blättern die Zahl der Gallen gegen das oberste ausgebreitete Blatt 
allmälig abnimmt, welches zwar noch keine Gallen trägt, aber bereits mit 
jungen Läusen besetzt ist. 

Was die Zeit anbelangt, in welcher die Gallenläuse in grösster Menge 
erschienen und daher die meisten Blattgallen bildeten, so fiel sie in die zweite 
Hälfte des Juli, in welcher sich die Gallenläuse auch auf jungen Internodien 
(Taf. III, Fig. 5 a), Ranken (Fig. 5 b) und Blattstielen (Fig. 5 c) ansiedelten, 
um auch auf diesen Organen Gallen zu bilden. Die Bildung der Rankengallen 
währte dann bis Anfang September, doch entstanden im Ganzen nur wenige 
derartige Gallen. Dessenungeachtet kamen einige Fälle zur Beobachtung, in 
welchen die sechs obersten Ranken einer Lotte mit Gallen besetzt waren. 

Untersuchte man eine erwachsene Rankengalle, so fand man in derselben 
genau so wie in einer Blattgalle einmal eine erwachsene Gallenlaus, ferner 
deren Eier und endlich einige, den letzteren bereits entschlüpfte junge Gallen- 
läuse, und alles dies beobachtete man auch in den Gallen der Internodien und 
Blattstiele. 

Die Vermehrung der Gallenläuse dauerte fast bis Mitte September, wie 
daraus hervorgeht, dass ich noch am 12. dieses Monates ganz junge Gallen- 
läuse auf den jüngsten Blättern einiger Lotten der Clinton Vialla beobachtete. 
Im Ganzen genommen nahm die Zahl der Gallenläuse und Gallen vom August 
an allmälig ab, und war es am 19. September, als die letzten, u. zw. erwachsenen 
Gallenläuse in einigen Blattgallen der ClintonVialla gefunden wurden. 

Ueber die Art, wie auf den Lotten der Reben am 12. September die 
Gallenläuse vertheilt waren, gab die Untersuchung zweier Lottenenden Auskunft, 
von denen das eine der Clinton Vialla, das andere dagegen der Canadawine 
angehörte. Die Ergebnisse dieser Untersuchung lassen sich wie folgt zusammen- 
stellen, und zwar: 



Das Anftreten der Gallenlaus im Versnchsweingarten zu Klosterneuburg im J. 1887. Öö 



1. Hiusichtlicji des liOttenendes der 
Clinton Viaila 



2. Hinsichtlich des Lottenendes der 
Canadawine 



Ausgebrei- 
tete Lotteu- 
blätter, von 
oben gezählt 



Vorkommen der Gallen, der 
alten und jungen Gallenläuse 
und der Eier 



Ausgebrei- 
tete Lotten- 
blätter, von 
oben gezählt 



Vorkommen der Gallen, der 
alten und jungen Gallenläuse 
und der Eier 



1. Blatt 



9. 



10. 

11. 



12. 
13. 
14. 



Weder Gallen noch junge 
Läuse 

Gallen mit alten Läusen 

und Eiern 
Ebenso 



Viele Gallen mit Kesten 
abgestorbener Läuse und 
mit leeren EihüUen und 
wenige Gallen mit alten 
Läusen und Eiern 

Gallen, von denen nur 
wenige eine alte Laus 
und Eier enthielten 

Gallen mit abgestorbenen 
alten Läusen und leeren 
Eihüllen 

Viele Gallen mitResten ab- 
gestorbener Läuse und 
leeren Eihüllen und eine 
Galle mit einer alten 
Laus und Eiern 

Ebenso 

Zahlreiche Gallen mit Re- 
sten abgestorbener Läuse 
und leeren Eihüllen 

Ebenso 

Wenige Gallen mitResten 
abgestorbener Läuse und 
leeren Eihüllen 

Eine Galle mit einer abge- 
storbenen Laus u. leeren 
Eihüllen 



1. Blatt 



10. 
11. 



12. 



Weder Gallen noch junge 
Läuse 

Gallen mit alten Läusen 

und Eiern 
Ebenso 



Gallen , Reste abgestor- 
bener Läuse und wenige 
Eier 

Gallen , Reste abgestor- 
bener Läuse und leere 
Eihüllen 



56 



Emerich Eäthay. 



Alle Generationen der Gallenläuse, welche vom 3. Juli bis 12. September 
beobachtet wurden, bestanden aus sich parthenogenetisch vermehrenden, unge- 
flügelten Individuen, und alle Bemühungen, Nymphen, Geflügelte und Geschlechts- 
thiere in den Gallen zu finden, waren vergebens. 

Beachtet man einmal, dass den eben gelegten Eiern der Gallenläuse 
spätestens nach 9 Tagen junge Gallenläuse entschlüpfen, sowie, dass diese nach 
14 Tagen erwachsen sind und ihre ersten Eier legen, so erkennt man, dass eine 
Generation der Gallenläuse zu ihrer Entwicklung ungefähr 23 Tage braucht. 
Bedenkt man dann weiter, dass im Vorjahre im Versuchsweingarten die ersten 
Gallenläuse Anfangs Mai erschienen und die letzten am 12. September gefunden 
wurden, so lässt sich berechnen, dass daselbst die Gallenläuse im Verlaufe des 
Sommers in sechs Generationen erschienen sind. 

Die Art wie die Gallenläuse trotz ihrer steten Vermehrung im September 
von den oberirdischen Organen der Rebe verschwanden, lässt sich leicht aus 
dem Umstände errathen, dass sich die jungen Gallenläuse vom Monate Septem- 
ber an sehr zahlreich von den Reben zu Boden fallen lassen. Vermuthlich gehen 
sie von den oberirdischen auf die unterirdischen Organe der Rebe, auf die 
Wurzeln, über. 

II. Verbreitung und Unschädlichkeit der Gallenlaus im Versuchs- 
weingarten. 

Der nicht ganz sechs Hectar grosse Versuchsweingarten besteht aus drei 
aneinander stossenden, durch ihre Lage von einander verschiedenen Theilen, 
nämlich : 

1. Aus dem unter dem sogenannten „schwarzen Kreuze" (i- auf 
nebenstehendem Plane) — einer Steinsäule — befindlichen Südabhange (/—/); 

2. aus dem zwischen dem Fusse des letzteren und dem Weidlingbache 
{W—W) sich hinziehenden, eben und tief liegenden Theile {II— II) und 

3. aus dem sogenannten „Liebertacker" {III— III), welcher auf dem 
östlich vom schwarzen Kreuze sich ausdehnenden Rücken liegt. 

Alle diese Theile sind sowohl mit mannigfaltigen Sorten der europäischen 
Rebe, als auch mit verschiedenen Arten und Sorten amerikanischer Reben be- 
pflanzt. Die Anpflanzung der ersteren, der europäischen Rebsorten, erfolgte 
hauptsächlich im Jahre 1878, nachdem in den vorhergehenden Jahren der grösste 
Theil des Versuchsweingartens der Reblaus als Opfer gefallen war; jene der 
letzteren, der amerikanischen Reben aber, im Laufe von mehreren Jahren. So 
wurden die Taylor Sämlinge {2 — S), welche sich auf dem Südabhange befinden 
und die Grenzreihen zwischen den mit verschiedenen europäischen Rebsorten 
bebauten Parcellen bilden, schon im Jahre 1878, die mannigfaltigen, von Baron 

1) Siehe nebenstehende Abbildung. — Erklärung der Zeichen: -f- Steinsäule = schwarzes j 
Krpuz; 7— 7 Südabhang; 77 — 77 ebener Theil des Weingartens; TF— Weidliugbach ; 777—777 ; 
Liebertacker ; 1 dalmatinischer Marzemino; 2 Taylorsämlinge; 3 blauer Wildbacher; 4 blauer 
Muskateller; 5 Clinton; 6 Canadawine; 7 Cocalin; 8 Humboldt; ,9 Franklin; 7F— 7F Obstgarten. 



58 



Emerich Räthay. 



Babo aus verschiedenen Theilen der Monarchie bezogenen amerikanischen 
Sorten, welche den tief und zugleich eben gelegenen Theil des Weingartens 
einnehmen, während der Jahre 1879—1882 inclusive, und das reichhaltige Sor- 
timent amerikanischer Reben, welches sich auf dem Liebertacker befindet, erst 
im Laufe der letzten Jahre (1885—1887) an Stelle verschiedener Rebsorten 
ausgesetzt, welche durch die Reblaus zu Grunde gerichtet wurden. 

Die ersten Blattgallen wurden auf dem Südabhange an einem Stocke 
der zur Vitts vinifera gehörigen Sorte dalmatinischer Marzemino [1] gefunden. 
Bald darauf zeigte es Sich jedoch, dass daselbst, u. zw. an den oben erwähnten, 
aus Taylorsämlingen {2) bestehenden Grenzreihen, die Blätter mehrerer ein- 
zelner Stöcke sehr reichlich mit Gallen besetzt waren und solche in geringer 
Zahl auch auf wenigen Stöcken einiger europäischer Rebsorten (5) vorkamen. 

Das häufigere Auftreten der Blattgallen auf den Tayl or Sämlingen 
brachte mich auf die Vermuthung, dass sich die Gallenläuse zuerst auf ihnen 
angesiedelt hätten, und dass sie erst von den Taylorsämlingen auf die 
europäischen Rebsorten übergegangen wären und sie auf diesen überhaupt nicht 
selbstständig aufzutreten vermochten. Da jedoch in der nächsten Zeit in 
demselben Theile des Versuchsweingartens, wo die oben mitgetheilten Beobach- 
tungen gemacht wurden, von Herrn De Gar Ii und mir mitten in einer Parcelle 
des blauen Muskatellers {4) auf einzelnen Stöcken ziemlich reichlich mit 
gut entwickelten Gallen besetzte Blätter gefunden wurden, so schien es doch 
wieder wahrscheiulich, dass die Gallenlaus auch unabhängig von amerikanischen 
Reben auf europäischen vorkommen könne. Dass dies wirklich der Fall sei, 
lehren die im Vorjahre in Steiermark und in Krain gemachten Beobachtungen 
zweier meiner einstigen Schüler, und Bolle 's Angaben über das Auftreten der 
Gallen in Istvien im Jahre 1883 und 1884. In Steiermark fand der technische 
Leiter der Reblausbekämpfung, Herr Ballon, am 22. September bei Hrastovez 
in einem phylloxerirten Weingarten, welcher sich 200 m von einer mit Ameri- 
kanern bepflanzten Rebschule entfernt befindet, an drei verschiedenen Stellen 
und zusammen auf 15 Stöcken, welche theils dem gelben Muskateller, theils 
dem Muskat-Alexandriner, also der Vitis vinifera angehören, Blätter mit 
gut entwickelten, aber nicht sehr zahlreichen Reblausgallen. ^) In Krain 
beobachtete Herr Wutscher in St. Bartholomä, wo ausser der daselbst seit 
langem cultivirten Isabella bisher amerikanische Reben gänzlich fehlten, in 
einem phylloxerirten Weingarten Blattgallen auf dem blauen Kölner," aber 
weder auf den noch übrigen daselbst cultivirten Sorten der Vitis vinifera, noch 
auf der Isabella.^) Und in Istrien traten nach Bolle die Reblausgallen nur 
auf der zur Vitis vinifera gehörigen Sorte Refosco auf. 2) 



^) Ich entaehme Obiges dem betreffenden amtlichen Berichte, den ich zur Einsicht erhielt. 
(„Weinlaube^ 1887, S. 463.) 

2) „Weinlaube", 1887, S. 506 und 1889, S. 16. 

3) Bolle, LMnfezione fillosserica in Istria nel 1884, Estratto dagli „Atti e Memorie", Anno 
1886, p. 20. 



Das Anftreten der Gallenlaus im Versuchsweingarten zu Klosterneuburg im J. 1887. 59 

Aber nicht bloss auf dem Abhänge unter dem schwarzen Kreuze, sondern 
auch in dem tief und eben gelegenen Theile des Versuchsweingartens wurde die 
Gallenlaus, und zwar auf gewissen der von Baron Babo gesammelten ameri- 
kanischen Reben gefunden. Sie kam hier an mehreren weit von einander ent- 
fernten Stellen vor. Einmal fand sie sich auf fast allen Stöcken einer mit 
Clinton {5} bepflanzten Parcelle und weiter auf zwei nebeneinander in je 
einer Reihe gepflanzten Rebsorten, nämlich auf Cocalin (7) und der schon 
oben erwähnten Canadawine (6). Der Platz, wo sich diese beiden Rebsorten 
befanden, war 130 Schritte von jenem der gallenkranken Clinton entfernt. In 
der Reihe der Sorte Canadawine waren nur zwei, und zwar nebeneinander- 
stehende Stöcke, in jener der Sorte Cocalin mehrere, theils von einander ent- 
fernte, theils benachbarte Stöcke von der Gallenlaus sehr stark befallen und 
daher auf ihren jüngeren Blättern dicht mit Gallen besetzt. Endlich erwiesen 
sich auch zwei Stöcke, von denen der eine der Sorte Humboldt (8), der andere 
der Sorte Franklin {9) angehörte, und welche von den oben erwähnten 
Cocalin- und Canadawin e-Reihen ungefähr 69 Schritte entfernt standen, 
ebenfalls stark von der Gallenlaus befallen. 

Gänzlich fehlten die Galleuläuse nur in dem dritten Theile des Versuchs- 
weingartens, dem Liebertacker, wiewohl dieser hauptsächlich mit amerikanischen 
Reben bepflanzt ist. 

Selbstverständlich legte ich mir auch die Frage vor, ob die Gallenlaus 
den von ihr befallenen Reben einen merkbaren Schaden zufüge. Und da im 
Versuchsweingarteu die Sorte Clinton unter allen Reben von der Gallenlaus 
am meisten und auch an und für sich sehr stark befallen war, so machte ich 
gerade an ihr die zur Beantwortung der obigen Frage geeigneten Beobachtungen. 
Ich achtete einmal darauf, ob die Clintonreben noch im selben Jahre, in welchem 
auf ihnen die Gallenlaus auftrat, ein Nachlassen der Vegetation, oder eine 
geringere Fruchtbarkeit zeigten und weiter, ob solches im folgenden, d. i. in 
diesem Jahre, in welchem die Gallenlaus merkwürdiger Weise aus dem Ver- 
suchsweingarten völlig verschwunden war, vorkam. Das Erwähnte trat aber 
weder in dem einen noch in dem anderen Jahre ein, indem in beiden die 
Vegetation und Fruchtbarkeit der im Vorjahre von der Gallenlaus befallenen 
Stöcke dieselbe, wie jene der nicht befallenen war. 

III. Werden von der Gallenlaus dieselben oder andere Reben als 
von der Wurzellaus befallen? 

Um zur Beantwortung dieser Frage zu gelangen, suchte ich im Versuchs- 
weingarteu Zweierlei zu ergründen, nämlich: 

1. Ob die von der Gallenlaus befallenen Reben auch von der Wurzellaus 
befallen waren und 

2. ob sich die Gallenlaus auf verschiedene und darunter auch auf solche 
Reben übertragen lasse, welche bisher von der Wurzellaus freigeblieben waren. 

8* 



60 



Emerich Räthay. 



In ersterer Beziehung machte ich die folgenden Beobachtungen, und zwar: 

a) An dem blauen Muskateller. Von dieser zur Vitis vinifera gehörigen 
Sorte wurden die Wurzeln dreier Stöcke untersucht, welche nur eine sehr geringe 
Vegetation zeigten und auf ihren oberen Blättern mit zahlreichen, wohl ent- 
wickelten Gallen besetzt waren. Ihre älteren, ein- bis mehrjährigen Wurzel- 
verzweigungen zeigten Tuberositäten, ihre jüngsten Wurzelzweige endigten in 
Nodositäten, und auf beiden Anschwellungen wurden sowohl alte als auch junge 
Wurzelläuse und Eier gefunden. 

h) An Clinton. Wiewohl die Individuen dieser Rebe bereits seit Jahren 
von der Wurzellaus befallen waren, so zeigten sie doch eine kräftige Vegetation, 
doch erschienen ihre Blätter wie alljährlich bereits vom Juni an gelblich. Von 
ihr wurden vier Stöcke untersucht, von denen jedoch nur zwei auf ihren Blättern 
mit Gallen besetzt waren; dennoch fanden sich an den Wurzeln aller sowohl 
Nodositäten, als auch Tuberositäten, mit jungen und alten Wurzelläusen, 
Nymphen und Eiern. 

Die Blattgallen der beiden von der Gallenlaus befallenen Individuen 
zeigten eine sehr vollkommene Entwickelung. Sie besassen einen Querdurch- 
messer von 2'5 mm und eine ebensolche Länge. Ihre Aussenfläche erschien 
längsfaltig und mit kleinen Höckern und vielen Haaren besetzt. Ihre Mündung 
war durch den Wulst und dessen Haare fast verschlossen. Die in ihnen ent- 
haltenen Gallenläuse waren im erwachsenen Zustande sehr gross, nämlich 
ri mm lang und 0*88 mm breit, und jede derselben legte beiläufig 120 Eier, 

c) An Humboldt. Von dieser Rebe, welche kräftig vegetirte, waren die 
Blätter nur eines Stockes, und zwar mit zahlreichen wohl entwickelten Gallen 
besetzt. An seinen Wurzeln kamen Nodositäten mit alten und jungen Läusen 
und Eiern vor. 

d) An Taylorsämlingen. Von diesen wurden drei ungemein kräftige, 
aber von der Gallenlaus sehr stark befallene Exemplare untersucht, welche nicht 
nur auf den meisten Blattspreiten, sondern auch auf einem Theile der Blatt- 
stiele, Internodien und Ranken Gallen trugen. Unter diesen waren speciell die 
Gallen auf den Blattspreiten grösser, als jene aller übrigen von der Gallenlaus 
befallenen Reben; denn sie besassen einen Querdurchmesser von 4*5 mm und 
eine Länge von 5 mm; sie erschienen von ihrem unteren Theile gegen ihre 
Mündung hin verschmälert und die letztere war durch den Wulst und dessen 
Haare fast völlig verschlossen. Ihre Oberfläche zeigte unregelmässige Längs- 
falten und Höcker, welche zackig endigten, und erschien ausserdem behaart. 
Die Läuse, welche sich in den eben beschriebenen Gallen befanden, waren sehr 
gross, nämlich I G— 1-76 mm lang und 126 mm breit, und legten so viele Eier, 
dass man deren häufig 250 in einer Galle zählte. 

Die Wurzeln der in Rede stehenden Taylorsämlinge zeigten Tube- 
rositäten und Nodositäten, und beherbergten auf diesen beiden Wurzelläuse und 
deren Eier, auf den Nodositäten überdies noch Nymphen. 

e) An Canadawine. Von dieser Sorte waren im Ganzen nur zwei, 
und zwar üppige Stöcke, diese aber sehr stark von der Gallenlaus befallen. 



Das Auttreten der Gallenlans im Vereuchsweingarten zn Klosterneuburg im J. 1887. 



Letztere erzeugte an ihnen nicht allein auf vielen Blattspreiten, sondern auch 
auf einigen Ranken Gallen. Diese waren ansehnlich und hatten einen Quer- 
durchmesser von 3*5 mm und eine Länge von 2—3 mm. Ihre Oberfläche war 
unregelraässig faltig und mit Protuberanzen und Borstenhaaren besetzt. Ihre 
Mündung war durch den Wulst und dessen Haare fast verschlossen. Die in 
ihnen enthaltenen erwachsenen Läuse hatten eine Länge von 1-43 mw und 
eine Breite von 1 mm und legten zahlreiche Eier. Ich zählte deren in einer 
Galle, in welcher sich nur eine alte Wurzellaus befand, 180. 

An den Wurzeln der beiden untersuchten Stöcke fanden sich sowohl 
Nodositäten als Tuberositäten, und auf diesen beiden sowohl junge als auch 
alte Läuse und deren Eier, aber keine Nymphen. 

f) An Cocalin. Von den fünf Stöcken, welche von dieser Eebe unter- 
sucht wurden, zeigten vier einen sehr kümmerlichen Wuchs, der fünfte dagegen 
einen kräftigen. Zugleich waren die Blätter der vier schwachwüchsigen Stöcke 
ziemlich reichlich mit Gallen besetzt, jene des starkwüchsigen Stockes dagegen 
gallenfrei. Dabei fanden sich an den Wurzeln aller fünf Stöcke Tuberositäten, 
Nodositäten, junge und alte Wurzelläuse, deren Eier und auch Nymphen. 

Die Gallen der Sorte Cocalin waren jenen der Canadawine sehr 
ähnlich und enthielten erwachsene Läuse, deren Länge l'l mm und deren 
Breite 0*93 mm betrug. Eine solche Laus legte mehr als 100 Eier. 

Aus den im Vorhergehenden mitgetheilten Erfahrungen er- 
gibt sich unmittelbar, dass alle die von mir untersuchten Indi- 
viduen verschiedener Arten und Sorten der Reben, deren Blätter 
von der Gallenlaus befallen waren, an ihren Wurzeln auch die 
Wurzellaus beherbergten. 

Um zu entscheiden, ob sich die Gallenlaus auf verschiedene und darunter 
auch auf solche Reben übertragen lasse, welche bisher im Versuchsweingarten 
nur wenig oder gar nicht von der Wurzellaus befallen worden waren, stellte ich 
Versuche nach zweierlei Methoden an, welche ich kurz mit I und II bezeichnen 
will. Nach der Methode I, welche ich zumeist, und zwar in allen Fällen an- 
wendete, in welchen ich die Methode nicht näher bezeichne, schnitt ich von der 
Rebe, von welcher ich die Gallenläuse auf eine andere übertragen wollte, einige 
Blätter ab, deren Gallen sowohl Gallenläuse als auch Eier enthielten. Diese 
Blätter rollte ich ein Stück weit unterhalb des Gipfels einer starkwüchsigen 
Lotte jener Rebe, auf welche ich die Gallenlaus übertragen wollte, um einige 
Internodien und band sie hier mit Bast fest. Die Folge davon war, dass die 
Gallenläuse, welche den in den Gallen der angebundenen Blätter enthaltenen 
Eiern entschlüpften, ihrer Gewohnheit gemäss die in der Entfaltung begriffenen 
Blätter der Lotten aufsuchten und sich auf diesen dauernd ansiedelten, wenn 
sie zu ihrer Ernährung und zur Gallenbildung tauglich waren. 

Die Methode II wendete ich nur in dem Falle an, als sich die Rebe, auf 
welche ich die Gallenlaus übertragen wollte, neben einer bereits befallenen be- 
fand. Nach ihr befestigte ich eine entgipfelte, gallenkranke Lotte der letzteren Rebe 
an eine solche der ersteren und erreichte hiebei dasselbe, wie nach der Methode I. 



62 



Emerich Räthay. 



Im Folgenden theile ich sämmtliche Versuche mit, welche ich zur Ueber- 
tragung der Gallenlaus auf verschiedene Reben anstellte, und gleichzeitig gebe 
ich an, wie sich diese im Versuchsweingarten bisher zur Wurzellaus verhielten. 

Versuch 1. Uebertragung der Gallenlaus von Canadawine auf 
die Sorte Verdot (Vitis vinifera). Dieser Versuch wurde am 12. Juli aus- 
geführt und schon am 13. Juli befanden sich auf den zu ihm verwendeten Lotten 
zahlreiche junge Gallenläuse, theils auf der Wanderschaft zu den jungen 
Blättern, theils auf der Oberseite der letzteren festgesaugt. Am 18. Juli waren 
auf den Blättern bereits kleine Gallen vorhanden, welche aber in der Folge nicht 
weiter beachtet wurden. 

Versuch 2. Uebertragung der Gallenlaus von Clinton auf 
blauen Muskateller (Vitis vinifera). Sie wurde am 12. Juli an den Lotten 
mehrerer Stöcke vorgenommen. Bis zum anderen Tage hatten sich zahlreiche 
junge Gallenläuse auf der Oberseite der jüngsten Blätter angesiedelt, und am 
18. Juli waren auf den letzteren bereits kleine Gallen vorhanden. Diese wurden 
am 1. August, nachdem sie längst ausgewachsen waren, untersucht. Die voll- 
kommensten von ihnen besassen einen Querdurchmesser von nur 1"5 mm und 
ragten nur um das eben angegebene Mass aus der Unterseite der Blätter hervor. 
Sie waren an der Aussenseite mit zahlreichen einzelligen Haaren besetzt und 
ihre Mündung war durch den wulstigen behaarten Rand fast geschlossen. Jede 
von ihnen enthielt eine 5 mm lange, alte und im Absterben begriffene Laus 
und wenige leere Eihüllen. Die übrigen der in Rede stehenden Gallen waren 
aber noch unvollkommener entwickelt. Sie stellten seichte, oberseits weit offene 
Vertiefungen in der Blattspreite dar und enthielten keine Läuse mehr. 

Versuch 3. Uebertragung der Gallenlaus von Clinton auf die 
Müllerrebe (Vitis vinifera). Sie erfolgte am 16. Juli. Am folgenden Tage 
hatten sich bereits zahlreiche junge Gallenläuse auf der Oberseite der jüngsten 
Blätter festgesetzt, und am 22. Juli wurden auf den letzteren kleine Gallen 
beobachtet, welche sich in der Folge nur kümmerlich entwickelten. Am 5. August, 
nachdem sie längst erwachsen waren, besassen sie einen Querdurchmesser von 
nur 1*5 mm und ragten aus der Unterseite der Blätter nur 75 mm weit hervor. 
Ihre Aussenfläche war höckerig und ihre Mündung nicht geschlossen, indem sich 
die einander gegenüber befindlichen Theile des behaarten Wulstes nicht berührten. 

Versuch 4. Uebertragung der Gallenlaus von Clinton auf 
blauen Portugieser (Vitis vinifera). Sie fand am 14. Juli statt. Am fol- 
genden Tage wurden auf den jüngsten Blättern der zu dem Versuche verwendeten 
Lotten oberseits zahlreiche festgesaugte junge Läuse beobachtet, und am 18. Juli 
waren schon kleine Gallen vorhanden, welche sich jedoch in der Folge nur 
wenig entwickelten. Als diese Gallen am 5. August untersucht wurden, ent- 
hielt jede derselben nur eine kleine, aber dennoch eierlegende und daher 
erwachsene Laus. 

Versuch 5. Uebertragung der Gallenlaus von Canadawine auf 
Gut edel (Vitis vinifera). Sie erfolgte am 12. Juli nach der Methode II, und 
zwar auf zwei Lotten eines und desselben Stockes. Sie hatte zur Folge, dass 



Dae Auftreten der Gallenlaus im Versuchsweingarteu zu Klosterneuburg im J. 1887. 63 



am 14. Juli auf den jüngsten Blättern beider Lotten oberseits junge, festgesaugte 
Gallenläuse und am 18. Juli kleine Gallen gefunden wurden, welche sich später 
aber nicht zur selben Grösse, wie jene auf den Taylorsämlingen und den 
Sorten Cauadawine, Cocalin und Clinton entwickelten. Diese Gallen be- 
sassen einen Querdurchmesser von 2 mm und eine Länge von 2'5 mm. Ihre 
Mündung war durch den die letztere umgebenden Wulst und durch dessen 
Haare so verengt, dass durch sie gerade nur die jungen Gallenläuse gelangen 
konnten. Und wie die eben beschriebenen Gallen nicht dieselbe Grösse wie 
jene auf den oben bezeichneten Reben erreichten, so war das Gleiche auch bei 
den in ihnen erwachsenen Läusen der Fall. Diese besassen im eierlegenden, 
also erwachsenen Zustande nur eine Länge von 0"93 mm und legten nur eine 
geringe Menge Eier, nämlich höchstens 30. Letztere glichen in jeder Beziehung 
jenen in den bestentwickelten Gallen der Taylorsämlinge, und es ent- 
schlüpften ihnen auch vollkommen normale Gallenläuse. Noch sei hier erwähnt, 
dass ich in den von mir künstlich hervorgerufenen Gutedelgallen noch am 
19. August sowohl alte und junge Läuse, als auch Eier fand. 

Hinsichtlich der genannten europäischen Rebsorten, an denen 
die im Vorhergehenden mitgetheilten Uebertragungsversuche an- 
gestellt wurden, sei bemerkt, dass sie mit Ausnahme des blauen 
Portugiesers, welcher bisher in Klosterneuburg der Reblaus un- 
gleich besser als gewisse zur directen Production empfohlene 
amerikanische Sorten (Canada, Black July) widerstand, unter den 
Angriffen der Würz ellaus allgemein litten. 

Versuch 6. üebertraguug der Gallenlaus von Clinton auf Vitis 
californica. Sie erfolgte am 15. Juli, und zwar auf Lotten mehrerer Stöcke. 
Auf den jüngsten Blättern jener wurden dann am 18. Juli festgesaugte Läuse 
und am 22. Juli kleine Gallen beobachtet, welche als sie erwachsen waren einen 
Querdurchmesser von 2 m,m und eine Länge von 1-5 wm besassen. Ihre Mündung 
war durch die sehr genäherten Wulsttheile und die auf denselben befindlichen 
mehrzelligen Haare fast verschlossen. An ihrer Aussenseite erschienen sie durch 
einen in der Epidermis enthaltenen Farbstoff schön carminroth und überdies 
waren sie hier mit mehrzelligen Haaren besetzt. Von den in ihnen beobachteten 
alten und jungen Gallenläusen besassen die ersteren nur eine Länge von 0*66 mm 
und eine Breite von 0'57 mm und legten nur eine geringe Zahl Eier, wie daraus 
hervorgeht, dass ich deren in einer Galle höchstens 50 fand. 

1) Es ist eine höchst auffallende Thatsache, dass im Klosterneuburger Versuchs- 
weingarten in ganz derselben Lage, in welcher ein aus dem Jahre 1862 herstammender Satz des 
blauen Portugiesers trotz der Reblaus aushält und noch immer fruchtbar ist, die zur directen 
Production empfohlene und erst im Jahre 188.5 ausgesetzte Sorte Canada in Folge der Angriffe 
der Reblaus dem Absterben bereits nahe ist. Und ähnlich wie der erwähnte Satz des blauen Portu- 
giesers verhält sich ira Versuchsweingarten auch noch ein anderer, und zwar aus dem Jahre 1878 
herrührender Satz derselben Sorte. Wie übrigens eine Sorte, welche durch viele Jahre der Reb- 
laus wenigstens scheinbar vortrefflich widerstand, mitunter plötzlich zurückgehen kann, konnte 
man im Vorjahre im Versuchsweingarteu an der Sorte Orleans beobachten, von der sich daselbst 
ein Satz seit dem Jahre 1862 befindet. 



64 



Emerich Räthay. 



Die Vitis californica leidet im Versuchsweingarten ungemein von der 
Wurzellaus und ich fand daher an ihren Wurzeln sowohl zahlreiche Nodositäten 
als Tuberositäten. 

Versuch 7. üebertragung der Gallenlaus von Clinton auf 
Vitis arizonica. Diese üebertragung wurde am 14. Juli an drei Stöcken auf 
je zwei Lotten vorgenommen. Hierauf fanden sich auf den jüngsten Blättern 
der letzteren am 15. Juli festgesaugte Läuse und am 22. Juli schon kleine Gallen, 
welche sicher am 29. Juli, wahrscheinlich aber schon einige Tage vorher, ihre 
geringe Entwicklung vollendet hatten. Ihr Querdurchmesser mass nur 2 h mm 
und ihr Längendurchmesser nur TS mm. Ihre Mündung war durch den Wulst- 
rand und die auf demselben befindlichen Haare fast verschlossen, und ihre 
Aussenfläche erschien schwach längsfaltig und stark borstig behaart. Sie ent- 
hielten am 29. Juli eben erwachsene Läuse, welche bereits Eier legten. Jene 
erschienen im Vergleiche mit den in den Gallen der Taylorreben enthaltenen 
Läusen zwerghaft, denn sie waren nur 0*73 mm lang und 62 mm breit; auch 
wurde in der Folge beobachtet, dass sie nur ungefähr 30 Eier legten. Diese 
waren nicht nur entwicklungsfähig, sondern auch ebenso gross wie die Eier in 
den Taylorgallen. Die jungen Läuse, welche ihnen entschlüpften, gingen aber 
nicht auf die in der Entwicklung begriffenen jüngsten Blätter über, sondern 
verschwanden von den Stöcken. So kam es, dass an den Lotten, auf welche 
die üebertragung erfolgt war, im September nur jene Blätter Gallen trugen, 
welche sich zur Zeit der üebertragung entwickelten, dass dagegen an den später 
entstandenen Blättern Gallen gänzlich fehlten. Für das eben Gesagte diene 
folgendes Beispiel als Beleg. 

Vertheilung der Gallen am 5. September an einer der am 14. Juli mit der Gallen- 
laus inficirten Lotten der Vitis arizonica. 



Ausgebreitete Blätter der 
Lotte, in der Richtung 
vom Gipfel nach abwärts 
gezählt 


1. 


Blatt 


2. 


» 


3. 




4. 


» 


5. 




6. 


n 


7. 




8. 


» 


9. 


n 


10. 


» 


11. 




12. 





Internodien, von 
denen aus die In- 
fection erfolgte 



Zahl der auf den 
Lottenblättern be- 
findlichen Gallen 



Die in der Achsel 
des Lottenblattes 
befindliche Geiz 
trägt 



10— 11 

11- 12 









1 

einige 
13 
7 




keine Gallen 



Gallen 



Das Auftreten der Gallenluus im VersHchswping;arten zu KloFterneuburg im J. 1887 . 65 



Die Vitis arizonica leidet im Versuchsweingarten in gleicher Weise von 
der Wurzellaus, wie die Vitis californica. 

Versuch 8. Uebertrag un g der Gallenlaus von Clinton auf 
Vitis vulpina. Sie erfolgte am 14. Juli an drei Stöcken auf je zwei Lotten, 
und hatte an den jüngsten Blättern der letzteren am 15. Juli die Festsaugung 
junger Läuse und später die Entwicklung kleiner Gallen zur Folge, deren An- 
fänge vom 22. Juli an sichtbar wurden. Die in den ausgebildeten Gallen ent- 
haltenen Läuse erreichten nur geringe Dimensionen, nämlich eine Länge von 
0"44 mm und eine Breite von 28 mm, und legten nur wenige Eier. 

Die Vitts vulpina krankt im Versuchsweingarten in Folge der Angriffe 
der Wurzallaus. 

Versuch 9. Uebertragung der Gallenlaus von Clinton auf die 
Vitis rupestris am 15. Juli. Sie wurde an drei Stöcken auf je zwei Lotten 
versucht, und hatte zur Folge, dass sich am 18. Juli zahlreiche Läuse auf der 
Oberseite der jüngsten Lottenblätter festsaugten und sich am 21. Juli die aller- 
ersten Anfänge von Gallen zeigten, welche jedoch bereits am 25. desselben 
Monats vollkommen vertrocknet waren und nun schwarze Flecke von 1 Tiwi 
Durchmesser darstellten. 

Die zu dem vorstehenden Versuche verwendete Varietät der Vitis rupestris 
wurde in neuester Zeit im Versuchs Weingarten von der Wurzellaus befallen, 
ohne jedoch von derselben zu leiden. 

Versuch 10. Uebertragung der Gallenlaus von Canadawine 
auf eine von der Gartenbaugesellschaft in Wien erhaltene Varietät 
der Vitis riparia. Sie erfolgte am 12. Juli an vier Stöcken auf je zwei 
Lotten. Hierauf erschienen die jüngsten Blätter der letzteren am 13. Juli auf 
ihrer Oberfläche von zahlreichen jungen Läusen besetzt, welche sich festgesaugt 
und bis zum 18. Juli die Anfänge flaschenfürmiger Gallen erzeugt hatten. Diese 
erreichten in der Folge einen Querdurchmesser von 2 mm und eine Länge von 
2"5 7nm. Ihre Aussenfläche erschien der Länge nach gefaltet und nur wenig 
behaart, und ihre Mündung war durch den Wulst und dessen Haare fast völlig 
verschlossen. Die Läuse, welche in diesen Gallen erwuchsen, zeigten schliess- 
lich eine Länge von 1*04 w?m und eine Breite von 0'73 wm und legten eine ge- 
ringere Zahl Eier als jene in den Taylorgallen. 

Versuch 11. Missglückte Uebertragung der Gallenlaus von 
Canadawine auf eine aus Paris bezogene Varietät der Vitis riparia. 
Diese Uebertragung wurde am 20. und 31. Juli und am 8. und 20. August an 
allen Lotten von sechs Stöcken, und zwar stets vergebens angestellt. 

Die zu den letzten beiden Versuchen verwendeten zwei Varietäten der 
Vitis riparia, welche sich im Versuchsweingarten seit dem Jahre 1879 auf zwei 
aneinander stossenden kleinen Parcellen in derselben Lage und auf demselben 
Boden befinden, unterscheiden sich bei gleicher Ueppigkeit des Wachsthums in 
höchst auffallender Weise durch ihr gänzlich verschiedenes Verhalten zur Wurzel- 
laus von einander; denn während die von der Gartenbaugesellschaft bezogene 
Varietät das Insect schon seit Jahren beherbergt, blieb die Pariser Varietät von 

Z. B. Ges. B. XXXIX. Abh. 9 



66 



Emericb Rathay 



demselben bisher völlig frei. Die erstere Varietät erscheint im Versuchswein- 
garten nur widerstandsfähig, die letztere aber ausserdem auch immun. 

Versuch 12. üebertragung der Gallenlaus von Clinton auf 
Solonis. Sie erfolgte am 12. Juli an sechs Stöcken auf je zwei Lotten und 
bewirkte, dass sich am 13. Juli auf den jüngsten Blättern zahlreiche junge 
Gallenläuse ansiedelten, welche viele kleine Gallen erzeugten, deren Anfänge 
vom 18. Juli an sichtbar wurden. Diese Gallen waren von zweierlei Art. Die 
meisten von ihnen waren offen und seicht und besassen einen Querdurchmesser 
von rS nun und einen mit kurzen Haaren besetzten Wulst. Sie stellten unvoll- 
kommene Bildungen dar, aus welchen die erzeugenden Läuse noch im unent- 
wickelten Zustande verschwanden. Wenige Gallen waren dagegen durch den 
Wulst und dessen Haare fast verschlossen. Sie hatten einen Querdurchmesser 
von 2 mm und eine Länge von 1*5 mm. Ihre Aussenfläche war der Länge nach 
gefaltet und mit Borsten besetzt. Die in ihnen enthaltenen Läuse waren klein, 
nämlich nur 0"9o mw lang und nur O'limm breit, und legten nicht mehr als 
50 Eier. 

Die Solonis wurde im Versuchsweingarten schon vor mehreren Jahren 
von der Wurzellaus befallen, welche seither an ihren jüngsten Wurzeln Nodosi- 
täten hervorruft. Da sie aber dessenungeachtet noch gegenwärtig üppig vege- 
tirt, so erscheint sie daselbst als widerstandsfähig. 

Versuch 13. üebertragung der Gallenlaus von Clinton auf 
Black July. Dieser Versuch wurde am 14. Juli an drei Stöcken auf je zwei 
Lotten ausgeführt. Er hatte auf den jüngsten Blättern der letzteren die An- 
siedlung junger Läuse und die Bildung kleiner Gallen zur Folge. 

Black July leidet im Versuchsweingarten bereits sichtlich unter den 
Angriffen der Wurzellaus» 

Beachtet man nun einerseits die Ergebnisse, zu welchen die von mir an- 
gestellten Uebertragungsversuche führten, und andererseits das Verhalten, welches 
die Beben, die zu diesen Versuchen dienten, zur Wurzellaus zeigten, so gewinnt 
es den Anschein, dass in einer bestimmten Localität die Üebertra- 
gung der Gallenlaus auf alle Reben gelingt, welche daselbst von 
der Wurzellaus befallen werden, und sie nur bei solchen Reben 
missglückt, welche wie die im Versuchs Weingarten befindliche und 
aus Paris bezogene Varietät der Vitis riparia zur Ernährung der 
Wurzellaus ungeeignet sind. 

Nach meinen obigen Beobachtungen und Versuchen entspricht die 
Vollkommenheit der Gallen bei verschiedenen Reben häufig aber 
nicht immer dem Grade der Empfänglichkeit der Reben für die 
Wurzellaus. So sind z. B. die Wurzeln der Taylorsämlinge und der euro- 
päischen Rebsorten für die Wurzellaus sehr empfänglich, aber nur die Blätter 
der ersteren eignen sich zur Galleubildung in einem besonders hohen Grade. 

Dagegen entspricht die Entwicklung der Gallenläuse in allen 
Fällen jener der Gallen. Reben, auf deren Blättern sich wie bei Taylor, 
Clinton, Canadawine und Cocalin die Gallen besonders gross entwickeln. 



Das Auftreten der Gallenlaus im Versuchsweingarten zu Klosterneuburg im J. 1887. 



67 



beherbergen in den letzteren grosse Läuse, welche zahlreiche Eier legen. Das 
Umgekehrte findet aber bei Reben statt, welclie wie Solonis und Vitis cali- 
fornica nur kleine Gallen bilden, indem in diesen die Läuse nur zu geringer 
Grösse erwachsen und nur wenige Eier legen, welche jedoch nicht nur ebenso 
gross, sondern auch ebenso entwicklungsfähig wie die Eier der in ansehnlichen 
Gallen enthaltenen grösseren Läuse sind. 

IV. Ist die Gallenlaus mit der Wurzellaus identisch? 

Wiewohl Laliman schon vor einer Reihe von Jahren die Behauptung 
aufstellte, dass auf den Reben zweierlei Phylloxe^-a -Arten, vorkämen, von denen 
die eine an den Wurzeln Anschwellungen erzeuge, während die andere die Ent- 
stehung von Gallen an den Blättern hervorrufe, so wurde dessen ungeachtet bis 
zu der im Vorjahre erfolgten Veröffentlichung von Donnadieu's Aufsatz „Sur 
les deux especes de phylloxera de lavigne"^) allgemein nur eine reben- 
bewohnende Phylloxera -Art angenommen. In dem bezeichneten Aufsatze suchte 
nun Do nn adieu nachzuweisen, dass man bisher zwei Phylloxera-F ormen in 
eine einzige Art zusammenfasste, nämlich die wurzelbewohnende Phylloxera 
vastatrix und die auf den Blättern in Gallen lebende Phylloxera pemphigoides. 
Nach ihm würden sich die Ungeflügelten, Geflügelten und Geschlechtsthiere der 
Wurzel- und Gallenläuse, und zwar in allen ihren Entwickelungsstadien, also 
als Ei, Larve, Puppe und vollkommenes Insect, nicht nur in anatomischer, 
sondern auch in physiologischer und biologischer Hinsicht auffallend von 
einander unterscheiden, und würde das vielbesprochene Winterei der Phylloxera 
pemphigoides, aber nicht der Phylloxera vastatrix angehören. 

Der Umstand, dass ich den erwähnten Aufsatz D onnadieu 's nur wenige 
Tage, nachdem ich die Gallenlaus im Klosterneuburger Versuchsweingarten 
aufgefunden hatte, erhielt, veranlasste mich, die Identität der Wurzel- und Gallen- 
laus selbst zu prüfen. 2) Hiebei zog ich folgende Punkte in Betracht: 

L Die Formverschiedenheiten der ungeflügelten Gallen- und 
Wurzelläuse in allen ihren Entwickelungsstadien. Nach Donna- 
dieu ist das Ei der ungeflügelten Individuen der Phylloxera vastatrix in der 

*) Comptes rendus, 1887, premier semestre, p. 667. 

Dass eine erneute Prüfung der von Donnadieu bestrittenen Identität der Gallen- 
'ind Wurzellaus nicht überflüssig war, ergibt sich daraus, dass die diesbezügliche Arbeit des Ge- 
fijtnnten wenigstens in Oesterreich und Deutschland eine ziemliche Beachtung fand. Wurde 
doch in diesem Jahre in einer Sitzung der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien über 
die Arbeit Donnadieu's referirt, wobei freilich die Bemerkung gemacht wurde, dass des Genann- 
ten Beobachtungen zu ungenügend erscheinen, um ein sicheres Urtheil über seine Angaben zu 
gestatten (Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, Jahrg. 1888, Bd. XXXVIII, S. 34). 
Und ein Mitglied der kaiserl. Carol. -Leopold. Deutschen Akademie der Naturforscher veröffentlichte 
wörtlich Folgendes: „Als Schlusswort will ich noch ein Beispiel dafür anführen, dass man auch 
in Frankreich durch genaues Studium der Reblaus in jüngster Zeit dahin gekommen ist, An- 
sichten, welche bisher für richtig gegolten haben, als irrthümlich zu erkennen. In einer mir zu- 
gegangenen Abhandlung von M. A. L. Donnadieu in Montpellier bestätigt nämlich dieser 
Entomologe auf Grund wiederholter genauer Beobachtungen, vergleichender Versuche und Unter- 

9* 



68 



Emerich Räthay. 



Mitte angeschwollen und gegen seine beiden Enden verjüngt, dagegen jenes der 
Phylloxera pemphigoides länglich, an den beiden Enden abgerundet, etwas 
mehr cylindrisch und ein wenig grösser als bei der Phylloxera vastatrix. Ich 
selbst vermochte jedoch, wie ich bereits oben erwähnte, in keiner Beziehung 
einen Unterschied zwischen den Eiern der Wurzel- und Gallenläuse aufzufinden. 
Beide stimmen bezüglich ihrer Form, Grösse und Farbe völlig mit einander 
überein; sie sind ellipsoidisch, 3 lang, 0"15 mm breit und gelblichgrün. 

Von dem flügellosen Insecte, welches eben aus dem Ei ausschlüpfte, gibt 
Donnadieu an, dass es die Form darstellt, in welcher sich die Wurzel- und 
Gallenläuse am wenigsten, nämlich nur durch ihre Körperanhänge, welche bei 
der Gallenlaus etwas mehr als bei der Wurzellaus entwickelt sein sollen, von 
einander unterscheiden. Mir selbst schienen aber die beiderlei jungen Läuse 
völlig gleich zu sein. Dagegen beobachtete ich ebenso wie Donnadieu, dass 
sie im erwachsenen Zustande von einander sehr verschieden sind. In diesem 
ist die Galleulaus, wie ich bereits früher angab, 1'76 mm lang, orangegelb gefärbt 
und auf ihrem Rücken warzenlos (Taf. III, Fig. 1); die Wurzellaus dagegen 
1*2 mm lang, grünlichgelb und auf der Rückseite mit vier Warzenreihen besetzt, 
von denen die beiden seitlichen nur über die Brustsegmente, die beiden mittleren 
dagegen sowohl über diese, als auch über die Hiuterleibssegmeute reichen 
(Taf. III, Fig. 3). Auch erzeugen die Gallenläuse viel mehr Eier als die Wurzel- 
läuse, und findet man daher bei den ersteren stets viel grössere Eierhaufen als 
bei den letzteren. 

Wie man sieht, zeigen also die ungeflügelten Gallen- und Wurzelläuse 
nur in ihrem letzten Entwickelungszustande auffallende Unterschiede, ob diese 
aber derart sind, um eine Trennung der Gallen- und Wurzelläuse in zwei 
Species zu rechtfertigen, soll sogleich erörtert werden. 

2, Die Ueberf ührbarkeit der Gallenlaus in die Wurzellaus. 
War es möglich zu zeigen, dass junge Gallenläuse, wenn sie auf Rebwurzeln 

suchungen meine vom Anfange an aus mehrfaclieu Gründen gehabte Vermuthung, dass die vielfach 
verbreitete Ansicht, die Phylloxera vastatrix verursache neben den Missbildungen (Nodositäten 
und Tuberositäten) an den Wurzeln des ßebstockes auch noch auf den Blättern amerikanischer 
Reben Gallen, eine irrige sei. Er weist nach, dass man bisher zwei Formen von Phylloxera in eine 
einzige Art zusammengeworfen hat, nämlich die wurzelbewohnende Phylloxera vastatrix und die auf 
den Blättern in Gallen lebende Phylloxera pemphigoides. Er charakterisirt beide Arten ganz genau, 
indem er in dem ersten Abschnitte seiner Abhandlung, „Unterschiede anatomischer Art", von den 
Formen aller Entwickelungsstufen, vom Ei, von der Larve, der Puppe und dem vollkommenen 
Insect, sowohl von dem ungeflügelten als auch von dem geflügelten und deren Nachkommen, die 
äusseren Unterscheidungsmerkmale angibt, und im zweiten Abschnitte, „Unterschiede physiolo- 
gischer oder biologischer Art", die ganz verschiedene Lebensweise der vollkommenen Insecten 
beider Arten beschreibt, womit er dann auch gleichzeitig nachweist, dass das von den Schrift- 
stellern viel besprochene Wintere! nur der Phylloxera pemphigoides, nicht aber der Phylloxera 
vastatrix angehört" (Dr. H. F. Kessler, Weitere Beobachtungen und Untersuchungen über die 
Reblaus, Cassel, 1888, S. 57; siehe auch Naturwissenschaftliche Wochenschrift, 1888, HI. Bd., Nr. 3, 
S. 22). Ueberdies wurde Donnadieu'a Ansicht neuestens sogar in einem für einen grossen Leser- 
kreis bestimmten Aufsatze, zwar mit aller Vorsicht aber doch erwähnt (Dr. Otto Geise, „Die 
Reblausgefahr", Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge, heralusgegeben von 
Rud. Virchow und Fr. v. Holtz endorff, Neue Folge, 3. Serie, Heft 57, 1888, S, 15). 



Das Auftreten der Galleulaus im Vers-uclisweingarten zu Klosterneuburg im J. 1887. 69 



gebracht werden, sieb daselbst zu Wurzelläusen entwickeln, oder dass solche im 
jugendlichen Zustande auf unentwickelte Blätter übertragen, au diesen Gallen 
erzeugen und in den letzteren zu typischen Galleuläusen erwachsen, so war der 
Beweis geliefert, dass die Unterschiede zwischen der Gallen- und Wurzellaus, 
so auffallend sie auch sind, doch keine Unterschiede der Art, sondern nur der 
Anpassung an verschiedene äussere Lebensverhältnisse darstellen. Und darum 
versuchten verschiedene Forscher sowohl die Ueberführung der Gallenlaus in 
die Wurzellaus, als auch das Umgekehrte. Wie die Literatur lehrt, glückte das 
Erstere mehrere Male, das Letztere dagegen nur ein Mal, und zwar dem Ameri- 
kaner Riley. ^) 

Hier sei nun ein Versuch mitgetheilt, welchen ich im Vorjahre am 
14. Juli zur Umzüchtung der Gallenlaus in die Wurzellaus begann. Ich ver- 
wendete zu ihm Wurzeln der auf dem Sandboden der Donauauen wachsenden 
wilden Reben, weil sich diese Wurzeln unter allen Wurzeln der mir zugänglichen 
europäischen Reben allein als lausfrei erwiesen. Die erwähnten Wurzeln, welche 
eine Dicke von 3 — 6 mm besassen, zerschnitt ich in 12 cm lange Stücke, die 
ich in zwei Partien sonderte, von denen ich jede so in sechs Eprouvetten ver- 
theilte, dass in eine derselben 2—3 Wurzelstücke zu liegen kamen. Hierauf 
brachte ich zu den Wurzeln der ersten Partie kleine Wurzelstückchen, welche 
von cultivirten Reben herrührten und mit eierlegenden Phylloxeren besetzt 
waren, und zu jenen der zweiten Partie in jede Eprouvette 20 Blattgalleu, 
welche sowohl alte Läuse als auch deren Eier enthielten. Zuletzt verschloss ich 
sowohl die Eprouvetten, in welchen sich die Wurzeln der ersten, wie jene der 
zweiten Partie befanden, mit Korkpfropfen und brachte sie in den finsteren 
Raum einer Holzschachtel. Als ich sodann in den nächsten Tagen die in den 
Eprouvetten enthaltenen Wurzeln besah, bemerkte ich, dass sich auf jenen der 
ersten Partie ganz junge Wurzelläuse von den beigegebenen phylloxerirten Wurzel- 
stückchen her eingefunden hatten, und dass die Wurzeln der zweiten Partie von 
den zahlreichen jungen Läusen, welche aus den ihnen beigelegten Gallen hervor- 
gekommen waren, nicht aufgesucht wurden, sondern dass sich jene auf der 
Glaswand der Eprouvetten ansammelten, weswegen ich den Uebergaug der 
Gallenläuse auf die Rebwurzeln nicht mehr erwartete. Und darum erstaunte 
ich, als ich einige Tage später, nämlich am 22. Juli, bei abermaliger Betrachtung 
meiner Wurzeln jene der zweiten Partie so sehr mit jungen Gallenläusen be- 
setzt fand, dass sie in Folge dessen eine gelbe Farbe besassen. Es waren die 
sämmtlichen Läuse, welche sich einige Tage früher auf der Glaswand der 
Eprouvetten befunden hatten, auf die Wurzeln übergegangen. Dass sich die 
Läuse von diesen nährten, wurde schon in den nächsten Wochen bemerkbar, 
weil sie sich zwar langsam aber doch merklich vergrösserten. Freilich starben 
jetzt viele Läuse, theilweise aus unbekannten Gründen, theilweise desshalb, weil 
sich auf einigen Wurzeln Pilzmycelien angesiedelt hatten, welche von den Phyllo- 

^) C. V. Riley, Ueber dem Weinstock schädliche Insecten, Annalen der Oenologie, VII. Bd., 
rf.33. — Balbiani (Compted rendus, 1875, 81, p. 328) und Boiteau (Comptes rendus, 1883, 97, 
p. 1180) bemühten sich vergebens, die Wurzellaus zur Erzeugung von Blattgalleu zu veranlassen. 



70 



Emerich Räthay. 



xeren nicht vertragen werden. Aber ein Theil der Gallenläuse hielt auf den 
Wurzeln aus und entwickelte sich schliesslich zu erwachsenen, 0"8 mm langen 
Läusen, welche, als sie am 18. August untersucht wurden, Eier legten und auf 
ihrem Eücken genau dieselben vier Warzenreihen wie die Wurzelläuse zeigten 
(Taf. III, Fig. 6). Die jungen Gallenläuse hatten sich somit zu typischen Wurzel- 
läusen umzüchten lassen. Gleichzeitig hatten sich auf den Wurzeln der ersten 
Partie die Wurzelläuse sehr vermehrt, und waren somit die Bedingungen in 
meinen Eprouvetten keine solchen, welche die Entwickelung der Wurzelläuse 
ausgeschlossen hätten. 

So überzeugend nun nach meiner Ansicht alle Versuche von der Art des 
eben mitgetheilten für die Identität der Gallen- und Wurzelläuse sprechen, so 
legt Donnadieu denselben doch keinen Werth bei, weil sie in Gläschen an- 
gestellt werden, wo die Bedingungen für die Entwickelung des Insectes nicht 
die natürlichen sind. Ich frage aber, würde Jemand an der Identität des Pferdes 
und des Esels zweifeln, wenn es in einem Stalle gelänge Fohlen zu Eseln zu 
erziehen; ich glaube nicht. Alle und selbst Donnadieu wären dann, trotzdem 
die Verhältnisse im Stalle etwas andere als im Freien sind, von der Identität 
der beiden Einhufer überzeugt. Und so betrachte ich es auf Grund der oben 
erwähnten Versuche als vollkommen sicher, dass zwischen der Gallen- und Wurzel- 
laus kein Artunterschied bestehe. 

3. Das Auftreten und Verschwinden der Gallenlaus im Kloster- 
neuburger Versuch s Weingarten. Der Umstand, dass die Gallenlaus als 
sie im Vorjahre zum ersten Male im Versuchsweiugarten erschien, gleich in 
grosser Verbreitung und Menge auftrat, lässt sich nur dann erklären, wenn 
man annimmt, dass sie mit der daselbst ungemein verbreiteten Wurzellaus zu 
einer und derselben Speeles gehöre. Und hiefür spricht auch wieder ihr 
gänzliches Verschwinden im Versuchsweingarten, welches ich im letzten Früh- 
linge und Sommer feststellte, Ich nahm nach dem massenhaften Auftreten 
der Gallenlaus, wie ich es im Vorjahre im Klosterneuburger Versuchs- 
weingarten beobachtet hatte, an, dass sie daselbst im heurigen Jahre sicher 
wieder erscheinen werde, und war darum nicht wenig erstaunt, als ich im ver- 
gangenen Mai auf den Blättern der Reben keine Gallenläuse zu finden vermochte 
und diese auch in der Folge nicht erschienen. Und wie in Klosterneuburg, 
so wurde heuer das Ausbleiben der Gallenlaus auch bei Hrastovez in Steier- 
mark, und zwar von Ballon wahrgenommen. 2) Dagegen trat dieselbe nach 
einer freundlichen Mittheilung Wutscher 's auch in diesem wie im vorigen Jahre 
bei St. Bartholomä in Krain auf. Offenbar waren die Bedingungen für das 
Erscheinen der Reblaus auf den Blättern in diesem Jahre bei Klosterneuburg 



1) Emerich Räthay, Die Gallealaus im Versuchsweingarten am schwarzen Kreuze, „Weia- 
laube", 1888, S. 31G. 

2) Herr Ballon schrieb mir diesbezüglich: „Ich suchte in diesem Jahre (1888) 
bei Hrastovez während aller Sommermonate nach der Gallenlaus, aber stets 
vergebens, wiewohl ich mir im Jahre 1887 die von ihr befalleneu Muskateller- 
reben ausgezeichnet hatte". 



Das Auftietou der Galleiilaus im Versuclisweingarteu zu Klostenieuburg im J. 1887 . 71 



und Hrastovez nicht günstig und beschränkte sich daher das Insect auf die 
Wurzeln, von denen es in anderen Jahren unter gewissen Bedingungen wieder 
auf die Blätter übergehen wird. 

4. Den Umstand, dass die Gallenlaus nur in solchen Wein- 
gegenden auftritt, in welchen die Wurzellaus vorhanden ist. Als 
Beleg für das eben Gesagte diene das Auftreten der Gallenlaus in Cislei- 
thanien.^) Sie wurde daselbst ausser in Niederösterreich (Klosterneu- 
burg), Steiermark (Hrastovez) und Krain (St. Bartholomä) schon im 
Jahre 1883 in Istrien, und zwar bei Pirano,-) aber überall nur im Gebiete der 
Wurzellaus gefunden. 

V. lieber die oberirdische Geschlechtsgeneration. 

Es ist bekannt, dass Balbiani das Winteret der Reblaus im Jahre 1875 
auf der Rebe entdeckte-') und dass dasselbe bald darauf von verschiedenen 
französischen Forschern, wie Boiteau^), Valery Mayet^), Lichtenstein^) 
und Henneguy') beobachtet wurde. Die Genannten fanden es zumeist nur auf 
amerikanischen Reben und unter diesen wieder am häufigsten auf der Sorte 
Clinton, und zwar unter der Borke der zwei- und dreijährigen Zweige. Auf der 
europäischen Rebe wurde das Winterei in Frankreich bisher nur ausnahmsweise 
beobachtet (Henneguy, Bai bian i^). Ausserhalb Frankreichs scheint es in Europa 
bisher nur noch in Istrien gefunden worden zu sein, wenigstens gibt Bolle an, 
dass er es daselbst im Jahre 1883 in zwölf und im folgenden Jahre in zwei 
Exemplaren auf dem zweijährigen Holze der europäischen Sorte Refosco 
beobachtet habe. ^) Bezüglich der übrigen österreichischen Länder und ebenso 
bezüglich Deutschlands und Italiens liegen meines Wissens noch keine Angaben 
über das Vorkommen des Wintereies vor, und hinsichtlich Ungarns steht es fest, 
dass es daselbst noch von Niemandem gesehen wurde, ^o) 



1) lu Transleithanien wurden bisher die Blattgallen und Galleiiläuse überhaupt noch 
nicht gefunden, wiewohl daselbst bereits 400 Katastraljoch mit amerikanischen Reben bepflanzt 
sind (Földmiveles-, ipar- es kereskedelemügyi m. kir. ministerium, Jelentes a fiUoxera-ügy älläsä- 
röl az 1887 evben, Budapest, 1888, p. 25). 

2) G. Bolle, L'infezione fillosserica in Istria nel 1884, Estratto dagli „Atti e Memorie", 
Anno 1886, p. 19—20. Die im „Bericht über die Verbreitung der Keblaus (Phylloxera vastatrix) in 
Oesterreich 1887" enthaltene Angabe, dass die Gallenlaus in Istrien bereits im Jahre 1881 beob- 
achtet wurde, ist unrichtig und verdankt ihre Entstehung jedenfalls einem Druckfehler. 

Comptes rendus, 1875, seconde semestre, p. 581. 
■») Boiteau, Le Phylloxera aile et sa descendance, 187G, p. 16. 
*) Comptes rendus, 1881, 92, premier semestre, p. 783. 
«) Comptes rendus, .1881, 92, p. 849. 
^) Comptes rendus, 1882, 94, p. 708 und 1027. 

8) Henneguy, Comptes rendus, 1882, 95, p. 1136. — Balbiani, Comptes rendus, 1883, 
't:, p. 176. 

••) Bericht über den III. österreichischen Weir.baucongress in Bozen, S. 110. 

In Ungarn wurde, wie mir heuer in Budapest von sehr verlässlicher Seite mitgetlieilt 
wurde, das "Winterei bisher noch niemals beobachtet. Siehe in dieser Beziehung auch „Weinlaube", 
1886, S. 247. 



72 



Emericli Rätliay. 



Der Umstand, dass das Winterei in Europa bisher fast nur in Frankreich 
und dem Anscheine nach auch dort nicht häufig beobachtet wurde, ist aber bei 
der grossen Verbreitung, welche die Wurzellaus in den europäischen Weinländern 
besitzt, höchst merkwürdig. ^) 

Lässt man die Ansicht, nach welcher die Laus, die im Frühlinge dem 
Winterei entschlüpft, die Gründerin einer neuen Lauscolonie auf den Wurzeln 
werden kann, ausser Acht und nimmt man einstweilen an, dass sich diese Laus 
in allen Fällen auf den Blättern ansiedle, so erklärt sich aus der Seltenheit 
des Wintereies jene der Gallenlaus. Auch erscheint es dann begreiflich, warum 
das Winterei bisher nur in solchen Weinländern gefunden wurde, in denen die 
Gallenlaus auftrat, und weswegen man es daselbst auf jenen Reben auffand, 
auf welchen sich jährlich Gallen bilden. Iq Frankreich, wo die Reblausgallen 
schon längst vorkommen, wird auch schon seit Jahren das Winterei gefunden, 
während man es in Deutschland und Ungarn, wo bisher die Gallenlaus noch 
niemals vorkam, vergebens suchte. Valery Mayet fand das Winterei im 
Languedoc, und zwar auf Clinton, auf welcher Sorte daselbst alljährlich die 
Blattgallen beobachtet wurden, nach langem Suchen erst dann, als er sich von 
dem Gedanken leiten liess, dass man das Winterei auf jenen Reben finden 
müsse, an deren Blättern sich alle Jahre Gallen zeigen. 2) Da nun in Kloster- 
neuburg die Gallenlaus im Vorjahre hauptsächlich auf der Sorte Clinton 
beobachtet wurde, so fand ich mich veranlasst, als ich mich Ende November 
dieses Jahres das Winterei zu finden bemühte, dasselbe zuerst auf der genannten 
Rebe zu suchen. Bevor ich mittheile, was ich hiebei fand, will ich früher noch 
etwas über den Ort, wo ich das Winterei auf der Sorte Clinton suchte und 
über die Art, wie ich dies that, sagen. Nach den oben erwähnten Erfahrungen, 
welche man in Frankreich über das Vorkommen des Wintereies machte, richtete 
ich meine Aufmerlcsamkeit beim Suchen des letzteren besonders auf die Borke 
der zwei- und dreijährigen Zweige, nebstbei aber auch auf jene des Stammes, 
der einjährigen Triebe und der Wurzeln. Ich löste von ihr soweit dies leicht 
ging die älteren Schichten mittelst eines Messers in kleineren und grösseren 
Stückchen los und besah diese auf der Innenseite und die auf den Zweigen, 
beziehungsweise auf dem Stamme und der Wurzel zurückgebliebene und noch 



1) Hier -will ich erwähnen, wie J. Bolle die Seltenheit des Vv^intereieß zu erldären sucht. 
Nach ihm sollen zur Reblaus zwei verschieden grosse Geflügelte gehören, von denen die einen 
1 mm, die anderen aber Tjyo'mm lang sind. Jede dieser Geflügelten soll zwar gleich grosse Eier 
legen, dabei sollen aber die Eier der zweierlei Geflügelten genau die Grössenunterschiede zeigen, 
welche Balbiani bei den Eiern jeder Geflügelten beobachtet haben will. Diesem Umstände ent- 
sprechend, würden nach Bolle die zweierlei Geschlechtsthiere oft weit von einander zur Welt 
kommen und sich in Folge dessen nur selten finden. Das Ei des Weibchens, das sogenannte 
Winterei, bliebe daher häufig unbefruchtet, und dies begründe — so meint Bolle — die Selten- 
heit de:<selben. — Es ist aber bekannt, dass auch die Insecten ilire Eier selbst dann ablegen, wenn 
die letzteren nicht befruchtet wurden (Bericht über den III. österreichischen Weinbaucongress in 
Bozen, 1886, S. 108—111 und Bolle, L'infezione fillosserica in Istria nel 1884, Estratto dagli 
„Atti e Memorie", Anno 1886). 

2) Valery Mayet, a. a. 0. 



Das Auftreten der Gallenlaus im Versucbsweingarten zu Klosterneuburg im J. 1887. 73 



fest anhaftende jüngere Schichte auf der Aussenseite mit einer guten Lupe. 
Mein Suchen führte zunächst zur Auffindung zahlreicher schön rother, behaarter 
und 0"17 mm grosser Eier, von denen ich bald feststellte, dass sie einer gleich- 
falls rothen und nur 2 mm langen Milbe angehörten. Auch fand ich noch 
verschiedene andere theils farblose und glasige, theils schön gelbe Milbenarten 
und auch ein Individuum von Pliytoptus vitis. Letzteres erblickte ich zufällig, 
als ich ein Borkenstückchen eines zweijährigen Zweiges unter dem zusammen- 
gesetzten Mikroskope im auffallenden Lichte betrachtete. Weiter fand ich, und 
zwar besonders auf den zwei- und dreijährigen Zweigen Individuen des Leea- 
nium vini, des Dactylopius vitis und einer Thrips-kYt. Endlich gelang es 
mir, Eier zu finden (Taf. III, Fig. 7 und 8), welche ich zuerst für die gesuchten 
Wintereier der Reblaus hielt, was sich jedoch nicht bestätigte. Sie fanden 
sich zumeist einzeln, selten zu zweien oder dreien, und zwar auf zehn unter- 
suchten Clin ton -Stöcken in der aus der folgenden Zusammenstellung ersicht- 
lichen Weise vertheilt. 





Bezeichnung 
der 

untersuchten 
Clintonstöcke 


Zahl der auf deren überwinternden Theilen unter der Borke 
gefundenen Eier, und zwar: 






auf dem 
Stamme und 
dessen älte- 
ren Aesten 


auf den 
dreijährigen 
Zweigen 


auf den 
zweijährigen 
Zweigen 


auf den 
einjährigen 
Zweigen 


auf den 
Wurzeln 






1 

2 
3 
4 
5 
6 
7 
8 
9 

10 


1 



1 


6 
1 

1 






1 
1 

3 
3 

1 
1 







2 

2 




1 


oooooooooo 


OOOOOOOOOO 


Auf allen Wurzeln wurden kleine, 
0-3 mvi lange und mit einem Schna- 
bel versehene Läuse gefunden 








10 


10 


5 











Aus dieser Zusammenstellung ergibt sich, dass von den bewussten Eiern 
die Mehrzahl unter der Borke der drei- und mehrjährigen Zweige und des 
Stammes, und nur die Minderzahl unter jener der zweijährigen Zweige vor- 
kommt. Unter der Borke der Wurzeln und der einjährigen Triebe fehlen aber 
diese Eier aussahmslos. Im Grossen und Ganzen stimmt ihre Vertheilung mit 
jener der gleichfalls unter der Borke vorkommenden und von der Geschlechts- 
generation der Reblaus herstammenden sogenannten Wintereier überein, indem 
diese hauptsächlich auf den zwei- und dreijährigen, aber nicht auf den ein- 

Z. B. Ges. B. XXXIX. Abb. 10 



74 



Emerich Räthay. 



jährigen Zweigen gefunden werden. Der vereinzelten und von Riley herrühren- 
den Angabe, nach welcher die Wintereier der Reblaus unter der Borke, richtiger 
unter dem Innenperiderm auch der einjährigen Zweige vorkommen sollen,^) 
vermag ich schon desshalb keinen Glauben zu schenken, weil das genannte 
Gewebe im ersten Jahre seiner ganzen Ausdehnung nach mit den übrigen Ge- 
weben lückenlos verbunden ist. 

Die unter der Borke der von mir untersuchten Clinton-Stöcke gefundenen 
Eier besassen eine gelbe Farbe. Bezüglich ihrer Grösse verhielten sie sich 
genau so wie die Eier der Geflügelten, d. h. man fand unter ihnen wie unter 
den Eiern der letzteren grössere von 0*32 mm Länge und kleinere von 0*26 mm 
Länge. Als Wintereier der Reblaus konnten sie schon desshalb nicht betrachtet 
werden, weil sie mehr oder weniger entwickelte Embryonen enthielten (Taf. III, 
Fig. 8 und 9). Da diese den Rebläusen glichen und auch dreigliedrige Fühler 
besassen, so kann kein Zweifel darüber herrschen, dass die Eier, in denen sie 
enthalten waren, der Reblaus angehörten. Indem sie aber des Schnabels ent- 
behrten, so war es ausserdem sicher, dass sie die Geschlechtsthiere der Reblaus 
darstellten, und da es bekannt ist, dass aus den grösseren Eiern der Geflügelten 
Weibchen und aus den kleineren Männchen ausschlüpfen, so waren ofi"enbar die 
in den grösseren der gefundenen Eier enthaltenen Embryonen Weibchen, jene 
in den kleineren Eiern dagegen Männchen. Dabei beobachtete ich ebenso wie 
Boiteau,2) dass die ersteren in grosser Ueberzahl vorhanden waren, indem 
ich unter 28 gemessenen Eiern 21 grosse und nur 7 kleine zählte. Wurde ein 
Borkenstückchen, unter dem sich eines der in Rede stehenden Eier befand, 
derart abgehoben, dass dessen Eihaut hiebei zerriss, so fiel der in dem Ei ent- 
haltene Embryo entweder ganz oder theilweise aus der Eihaut heraus (Taf. III, 
Fig. 9). In keinem einzigen Falle und selbst dann nicht, wenn die Rebstöcke 
vor der Untersuchung ein oder mehrere Tage im warmen Zimmer gelegen waren, 
wurden unter ihrer Borke freie, sich bewegende Geschlechtsthiere gefunden. 
Und ebenso wenig gelang es, neben den Eiern, in denen jene enthalten waren, 
Wintereier zu finden. Enthielten doch alle Eier, welche zur Untersuchung ge- 
langten, schnabellose Embryonen. Nach all' dem Gesagten ist es somit gewiss, 
dass in diesem Winter auf der Sorte Clinton nicht die Wintereier, sondern 
die Eier der Geflügelten mit den in ihnen enthaltenen Embryonen der Geschlechts- 
thiere überwintern. Auch ist es mit Rücksicht auf den Umstand, dass in diesem 
Jahre im Versuchsweingarten die Gallenläuse gänzlich fehlten, sicher, dass die unter 
der Borke überwinternden Eier von Geflügelten der Wurzelläuse herrühren. Es wird 
nun im nächsten Frühlinge sehr interessant sein, dreierlei zu beobachten, nämlich : 

1. Ob die gegenwärtig noch in der Eihülle befindlichen Enabryonen der 
Geschlechtsthiere zur vollen Entwickelung und auch zur Begattung gelangen, 

2. ob in dem Falle als dies eintritt, die befruchteten Eier entwickelungs- 
fähig sind, 

1) The Gardener's Chronicle, 1881, XV, p. 507 und We igelt, Oenologischer Jahresbericht, 
4. Jahrg., S. 22. 

5) Boiteau, Le Phylloxera aile et sa descendance; 1876, p. 7. 



Das Auftreten der Galleulaus im Versuchsweingarten zu Klosterneuburg im J. 18S7. 7ö 



3. ob, wenn diesen wirklich juuge Läuse entschlüpfen, sich dieselben auf 
den Wurzeln oder auf den Blättern der Clinton- Reben ansiedeln. 

Es niuss hier daran erinnert werden, dass nachBoiteau und Balbiani 
die Geflügelten ihre Eier häufig auf der Unterseite der Blätter in die Winkel 
zwischen den Blattnerven ablegen.^) Aber von Beiden ist bekannt, dass sie 
auch solche Fälle beobachteten, in denen die Geflügelten ihre Eier unter der 
Borke unterbrachten, und man kann vermuthen, dass je nachdem die Geflügelten 
flüher oder später im Jahre erscheinen, sie ihre Eier entweder auf den Blättern 
oder unter der Borke ablegen. 

Uebrigens ist die wahrscheinlich durch die frühzeitigen und zugleich 
sehr heftigen Herb&tfröste bedingte Thatsache, dass heuer die Eier der Ge- 
flügelten übeiwiutern, sehr auffallend, indem dies sonst die Eier der von den 
Geflügelten abstammenden Geschlechtsgeneration, die sogenannten Wintereier, 
thun, und es nach Carriere's Beobachtungen sogar vorkommen soll, dass aus 
den Wintereiern bereits im Herbste die agamen Individuen ausschlüpfen, um 
dann auf den Rebwurzeln zu überwintern. 2) In dem letzteren Falle, dessen 
Vorkommen ich übrigens sehr bezweifle, könnte man annehmen, dass die durch 
den Eintritt der rauhen Witterung von den oberirdischen Organen auf die 
Wurzeln gedrängten Läu^e auf diesen dauernd verbleiben und daher im folgenden 
Frühlinge keine Gallenläuse erscheinen. Und so hängt vielleicht das Auftreten 
der letzteren zum Theile davon ab, ob die Eier der Geflügelten oder jene der 
Geschlechtsgeneration, oder die den Wintereiern frühzeitig entschlüpften Läuse 
überwintern. Es ist sehr wahrscheinlich, dass in allen Fällen, in welchen die 
Eier der Geschlechtsthiere unter der Borke überwintern, die ihnen entschlüpfenden 
Läuse, weil sie bei warmer Witterung oberirdisch erscheinen, sich auf den Blättern 
ansiedeln und zu Gallenläusen erwachsen. 

Der Umstand, dass ich die Eier der Geflügelten auf fast allen den von 
mir untersuchten Clinton-Reben — und es waren deren im Ganzen 40 — auf- 
fand, veranlasste mich dazu, noch andere Reben zu untersuchen, um zu erfahren, 
ob das Vorkommen jener Eier auf die Clin ton -Rebe beschränkt sei. Ich unter- 
suchte im Ganzen 239 Stöcke, welche einigen verschiedenen Arten uud zahl- 
reichen Sorten angehörten. Das Resultat dieser Untersuchung ist aus der 
letzten Spalte der nachfolgenden Zusammenstellung ersichtlich. Diese enthält 
ausserdem neben den Namen der untersuchten Reben die Zahl der von den 
letzteren geprüften Exemplare und die Angabe, ob deren Wurzeln von der Reb- 
laus befallen oder frei sind. 



') Boiteau, a. a. 0., p. 6 und Balbiani, Comptes rendus, 1875, seconde ßemet-tre, p. 581. 
2) Biologit-ches Centraiblatt, 7. Bd., 1887—1888, S. 743. 



10* 



76 



Emerich Räthay. 



Arteu- und Sorten- 
namen der unter- 
suchten amerikani- 
sclioii R0I0611 


Zahl der unter- 
suchten Stöcke 


Die Wurzeln von 
der Reblaus be- 
fallen oder frei 


Eier 
der Geflügelten 
unter der Borke 


Namen 
der untersuchten 
europäischen Reb- 
sortöii 


Zahl der unter- 
suchten Stöcke 


Die Wurzeln von 
der Reblaus be- 
fallen oder frei 1 


Eier 1 
der Geflügelten 1 
unter der Borke 1 


Black July. . . 


6 


befallen 


fehlend 


Blaufränkisch . 


11 


befallen 


fehlend 


Cauada 


4 






Burgunder , 








Jacquez .... 


16 








11 






Marion 


9 






Geschlafen e . . 


12 






Taylorsämlinge 


15 






Gutedel .... 


10 






Vitis riparia, 








Oesterreichisch 








aus Amerika 








weiss 


10 






bezogen. . . . 


11 


frei 




Portugieser, 








Vitis riparia, 










10 






von der Wiener 








Riesling .... 


10 






Gartenbauge- 








Rothgipfler . . 


10 






sellschaft er- 








Traminer. . . . 


10 






halten 


10 


befallen 


» 


Veltliner .... 


10 






Vitis riparia, 
















Sorte Portalis 


13 


frei 


n 










Vitis riparia, 
















aus Paris be- 


















10 


» 












Vitis rupestris 


16 


befallen 














10 














York Madeira . 


15 
















135 








104 







Es finden sich sonach im Versuchsweingarten in diesem Winter die Eier 
der Geflügelten unter den von mir untersuchten Reben nur unter der Borke 
der Sorte Clinton, und sie fehlen selbst auf den unmittelbar neben diesen 
angepflanzten Sorten der Vitis riparia und der Sorte Soloni s gänzlich. Auch 
kommen sie auf keiner der zehn untersuchten Sorten der Vitis vinifera vor. 
Es führte also der oben mitgetheilte Gedanke May et 's, dass man das Winterei 
auf jenen Reben suchen müsse, auf welchen die Gallenläuse hauptsächlich auf- 
treten, heuer in Klosterneuburg zwar nicht zur Auffindung des Wintereies 
selbst, aber doch zu jener der Geschlechtsgeneration, die, wenn sie sich nicht 
verspätet entwickelte, das Winterei an ihrem Aufenthaltsorte, also unter der 
Borke der Clinton -Rebe abgelegt haben würde. Man darf es hiernach für 
sehr wahrscheinlich halten, dass man in anderen Jahren, in welchen sich in 
Klosterneuburg die Geschlechtsgeneration rechtzeitig entwickelt, daselbst 
ebenso wie im Languedoc das Winterei, und zwar auf fast jedem Stocke der 



Das Auftreten der Gallenlaus im Versuchsweingarten zu Klosterneuburg im J. 1887. 77 

Clin ton -Sorte finden werde, auf welchem man im Vorjahre Gallenläuse beob- 
achtete. Dabei ist es eine merkwürdige Thatsache, dass vor einem Jahre in 
Klosterneuburg die Gallenlaus nicht überall auf der Clinton-Rebe erschien, 
und in diesem Winter das Gleiche bei den Eiern der Geflügelten der Fall ist, 
indem man diese nur auf den Stöcken der einen mit Clinton bepflanzten 
Parcelle findet, kuf welcher vor einem Jahre fast jeder Stock von der Gallenlaus 
bewohnt war. Mein hochverehrter Amtsvorstand, Herr Director Freiherr v. Babo, 
übergab mir kürzlich aus seinem eigenen Weingarten, in welchem bisher noch 
niemals die Gallenlaus beobachtet worden war, zwölf Clinton - Stöcke, die aus 
Stecklingen jener Clinton-Reben erzogen worden waren, auf welchen ich im 
Vorjahre die Gallenläuse und in diesem Winter die Eier der Geflügelten fand. 
Sie enthielten unter ihrer Borke weder die Eier der letzteren, noch Wiutereier. 
Und ebenso fehlten diese beiden auf zwölf Clinton- Reben, welche ich Ende De- 
cember dieses Jahres untersuchte und die von einer im Versuchsweingarten vor- 
handenen Parcelle herrührten, auf welchen im Vorjahre die Gallenlaus nicht vor- 
handen war. 

Bei dem in dem II. Abschnitte dieser Abhandlung mitgetheilten Um- 
stände, dass im Vorjahre mehrere Tay lor - Sämlinge von der Gallenlaus befallen 
waren, kann es auffallen, dass auf keinem der jüngst untersuchten Stöcke dieser 
Sorte die Eier der Geflügelten unter der Borke gefunden wurden. Es ist aber 
hiebei zu bedenken, dass das Auftreten der Gallenlaus im Vorjahre auf den 
Taylor- Sämlingen nicht wie jenes auf der Clinton-Sorte ein allgemeines, 
sondern nur ein sporadisches war, und dass daher derartig in diesem Winter 
auch das Vorkommen der Eier der Geflügelten sein dürfte, weswegen es sich bis- 
her meiner Beobachtung entzog. 

Dass ich auf den übrigen Reben, auf denen ich im Vorjahre im Versuchs- 
weingarten noch die Gallenlaus fand, nämlich auf den Sorten Canadawine, 
Cocalin, Humboldt, Franklin, blauer Muskateller und dalmatini- 
scher Marzemino, in diesem Winter die Geflügelten nicht suchte, hat darin 
seinen Grund, dass die Culturen der ersteren beiden Sorten unterdessen auf- 
gelassen wurden, und auf den anderen Sorten im Vorjahre die Gallenlaus über- 
haupt nur sehr vereinzelt auftrat. 

Mit Rücksicht auf die Erfahrungen, welche ich mir in Klosterneuburg 
über das Auftreten der Gallenlaus und der Geschlechtsgeneration auf der Sorte 
Clinton und über das Fehlen jener beiden auf zahlreichen anderen Reben 
sammelte, erscheint mir nun die am Eingange dieses Abschnittes gemachte 
Annahme, dass die aus dem Wintere! ausschlüpfende Laus sich in allen Fällen 
auf den Blättern ansiedle und daselbst zur Gallenlaus erwachse, fast begründet. 
Sprechen doch für die Richtigkeit dieser Annahme auch die oben mitgetheilten, 
von May et im Languedoc über das Vorkommen der Gallenlaus und des 
Wintereies gemachten Beobachtungen, so wie das, was man über die Seltenheit 
des Vorkommens jener beiden weiss. Man wird mir aber einwenden, dass die 
in Rede stehende Annahme den gegenwärtig herrschenden Ansichten über die 
Verbreitung der Reblaus widerspreche. Und dies ist in der That der Fall; 



78 



E m er i c Ii R a t h a y. 



aber ebenso richtig ist es, dass auch die thatsächliche Seltenheit des Wintereies 
einem Theil dieser Ansichten widerspricht, wie ich jetzt erörtern will. 

Es ist bekannt, dass sich die Reblaus in unseren Weingärten in zweierlei 
Weise verbreitet, nämlich einmal von den befallenen Stöcken aus in allseits 
radiärer Richtung auf die benachbarten Stöcke, und weiter von den Seuchen- 
herden aus über oft viele Stöcke hinüber, welche zunächst noch von der Reblaus 
frei bleiben, auf entfernte Stöcke, Mau erklärt jetzt die erstere Verbreitungs- 
weise — die sogenannte Verbreitung von Stock zu Stock — bei dem Um- 
stände, dass sich in unseren Weingärten die Wurzeln der Nachbarstöcke vielfach 
berühren, aus dem Ueberkriechen der beweglichen jungen Wurzelläuse von den 
Wurzeln der befallenen Stöcke auf jene der benachbarten noch freien Stöcke, 
und die zweite Verbreitungsweise — die sprungweise Verbreitung — aus 
dem Flugvermögen der Geflügelten. Man nimmt nämlich an, dass diese vom 
August an bis in den Herbst hinein von den Seuchenherden, von dem Winde 
unterstützt, nach weit entfernten Stöcken fliegen, um auf diesen entweder auf 
die Blätter oder unter die Borke ihre Eier abzulegen. Hier sollen dann im 
Herbste die Geschlechtsthiere ertcheinen, von denen das Weibchen sein eines 
Ei zur Ueberwinterung unter die Borke besonders der zwei- und dreijährigen 
Stämme und Zweige der Rebe legt. Endlich soll sich im Frühlinge die dem 
Winterei entschlüpfende Laus bei uns zumeist auf den Rebwurzeln und nur 
selten auf den Blättern ansiedeln, um daselbt eine neue Lauscolonie zu gründen. 
Für diese Ansicht über die sprungweise Verbreitung der Reblaus spricht haupt- 
sächlich die Thatsache, dass man die Geflügelten in unseren Weingärten so- 
wohl auf der Unterseite der Blätter beim Ablegen ihrer Eier als auch in 
radförmigen Spinnengeweben beobachtete, aber es widerspricht ihr die andere 
Thatsache, dass man in unseren Weingärten das Winterei bisher vergebens suchte, 
und dass man es selbst in Frankreich nur selten und wie im Languedoc nur 
auf amerikanischen Reben fand. Indem ich dies bedenke, gelange ich zu der 
Ueberzeugung, dass man der Geflügelten bei der sprungweisen Verbreitung der 
Reblaus bisher eine viel zu grosse Rolle zuschrieb. Ich kann mir auf Grund 
der bisherigen Erfahrungen nur dort eine Mitwirkung der Geflügelten bei der 
sprungweisen Verbreitung der Reblaus denken, wo man das Auftreten des Winter- 
eies und der Gallenlaus beobachtet. Diese Ansicht ist übrigens dieselbe, welche 
der Amerikaner Riley^) bereits im Jahre 1872 wörtlich, wie folgt aussprach, 
aber später zurücknahm: 

„Aus dem, was wir bis jetzt gesehen haben, können wir mit 
Recht schliessen, dass sich das Insect nicht von selbst von einem 
Weinberge zum anderen verbreiten kann, ohne durch die gallenmachende 
Phase gegangen zu sein; einige wenige Gallen auf den Blättern sind 
unzweifelhaft stets die ersten Zeichen der Ankunft der Läuse auf natür- 



1) C. V. Riley, Die Rehen- Phylloxera {Phylloxera vififoUae Fitch.), Erster deutscher Jahres- 
bericht der Staats -Ackerbaubehörde von Missouri für das Jahr 1872, S. 50. — Derselbe, üeber 
dem Weinstock schädliche Insecten, Anualen der Oeuologie, VII. Bd., S. 27. 



Pas Auftreten der Gallenlaus im Versuchsweingarten zu Klißtenieuburg im J. 1887 



79 



liehe Weise in einem vorher nicht angegriffenen Weinberge. Unter 
rauf natürliche Weise" verstehe ich, ohne Mitwirkung des Menschen, 
von welcheoi sie von einem Weinberge zum anderen an den Wurzeln 
eingeführt werden." 
Hier sei übrigens erwähnt, dass über die Art wie sich die Reblaus ver- 
breiten soll, auch sehr absonderliche Angaben gemacht werden. So hat der 
französische Gutsbesitzer Faucon beobachtet, dass an warmen, sonnigen Tagen 
auch an der Oberfläche der Erde eine Wanderung der Läuse, und zwar manch- 
mal in grossen Schaaren stattfinde.^) Professor Rö sie r will beobachtet haben, 
dass die Wurzelläuse auf harten festgetretenen Wegen, welche sich zwischen den 
einzelnen Weingärten befinden, am leichtesten und schnellsten vorwärts kommen. 2) 
Nach Lichtenstein soll der Wind, auch wenn derselbe nicht sehr stark ist, 
sowohl die geflügelten als ungeflügelten Rebläuse als leichten Staub im Lande 
herumwehen. 3) Und Prof. Rösler behauptet, dass die Geflügelten sehr weit 
und selbstständig fliegen können, und führt hiefür wörtlich Folgendes an: 

„So habe ich z. B. in einem Spinnennetze nahe am Gipfel des 
Leopoldsberges im Jahre 1874 nicht weniger als 65 geflügelte Pbyllo- 
xeren gefangen gefunden, ein Beweis, dass die Fhijlloxera in Schwär- 
men fliegt, und dass sie sehr hoch fliegt und selbst bewaldete Anhöhen 
übersetzen kann. Wir haben in Frankreich Beweise gehabt, dass sie 
die Rhone, welche im Süden von Frankreich sehr breit ist und die 
Breite der Donau übersteigt, fünfmal übersetzt hat. Warum sollte 
sie bei uns nicht über die Donau auf den Bisamberg geflogen sein, 
warum sollte sie nicht von Klosterneuburg in die einzelnen Wein- 
gärten weiter in die Umgebung gewandert sein".^) 
Was aber von derartigen Angaben zu halten ist, ergibt sich am Besten 
aus der Kritik, welcher sie durch Kessler unterzogen wurden. ^) Ich selbst be- 
mühte mich ganz vergebens, um Klosterneuburg die ungeflügelten Läuse 
auf der Wanderung über den Boden zu beobachten, und 65 Geflügelte zählte 
ich nicht einmal in einem Spinnengewebe des gänzlich verseuchten Versuchs- 
weingartens^ 

Wie sehr die Ansichten besonders über das Flugvermögen der Geflügelten 
auseinander gehen, ergibt sich aus den diesbezüglichen Aeusserungen der beiden 
Versuchsstationsleiter Rösler und Bolle. Ersterer sagte bei Gelegenheit des 
Weinbaucongresses in Marburg an der Drau: 

so ist die Annahme von V2 lern Flugstrecke per Tag 
für das geflügelte Insect gewiss nicht zu hoch gegriffen. Da das Thier 

1) Comptes rendus, 8i), p. 693. 

*) L. Rösler, Ein Beitrag zur Beantwortung der heute in Frankreich besonders venti- 
lirten Fragen über Phylloxera vasfatrix (Ännalen der Oenologie, IV. Bd., S. 464). 

Dr. H. F. Kessler, Weitere Beobachtungen und Untersuchungen über die Reblaus, 
1888, S. 47. 

*) Bericht über den III. österreichischen Weinbaucongress in Bozen, S. 67. 
*) Dr. H. F. Kessler, a. a. 0. 



80 



Emerich Rathay. 



nun viele Tage lang lebt und die Eier an ganz verschiedenen Stellen 
absetzt, so ist anzunehmen, dass die Verbreitung durch das geflügelte 
Insect eine ganz immense ist/'^) 

Dagegen äusserte sich der Letztere bei dem Weinbaucongresse in Bozen 
wörtlich wie folgt: 

„Ich selbst habe nur in Entfernungen von höchstens 100 m vom 
inficirten Terrain geflügelte Phylloxeren in grösserer Zahl vorgefunden. 
Ich will damit nicht die Meinung aussprechen, dass in grösseren Ent- 
fernungen die geflügelte Phylloxera nicht auftritt, aber es dürfte 
schwer sein, zu beweisen, dass in grösseren Entfernungen neue Colo- 
nien durch die geflügelten, respective geschlechtlichen Thiere gegrün- 
det werden. Man kann annehmen, dass desshalb die Verbreitung der 
Phylloxera durch das geflügelte Insect bei Weitem nicht so gefährlich 
ist, als man bisher meinte." 2) 

VI. lieber die angebliche unterirdische Geschlechtsgeneration. 

Professor Rösler machte im Jahre 1876 bei Gelegenheit des ersten 
österreichischen Weinbaucongresses in Marburg an der Drau unter Anderem 
die Mittheilung, dass es ihm gelungen sei Geschlechtsthiere der Reblaus zu 
entdecken, welche das ganze Jahr hindurch im Boden vorkommen und nicht 
von Geflügelten abstammen. Rösler äusserte sich über diese Entdeckung 
wörtlich wie folgt: 

„Wir haben es jedoch nicht allein mit dieser parthenogenetischen 
Vermehrung zu thun, sondern es sind gleichzeitig auch geschlechts- 
reife Thiere vorhanden, welche sich neben den Mutterthieren fast zu 
allen Jahreszeiten im Boden vorfinden. Ich spreche hier an dieser 
Stelle zum erstenmale öffentlich diese Beobachtung aus und glaube 
mir hiedurch auch die Priorität gesichert zu haben, denn es ist bisher 
• noch nicht bekanntgeworden, dass geschlechtsreife Wurzelgenerationen 
unabhängig von den geflügelten Thieren bestehen. Es ist mir gelungen 
den positiven Nachweis zu liefern, dass zu allen Jahreszeiten, selbst 
im Winter, im Boden geschlechtsreife Thiere, Männchen und Weibchen, 
neben den sogenannten Mutterthieren auftreten. Die Eier, welche von 
diesen Thieren abstammen, unterscheiden sich wesentlich durch Grösse, 
Form und Gestalt; sie unterscheiden sich namentlich auch dadurch, 
dass sie nicht eine Hülle besitzen, wie die Eier der sogenannten 
Mutterthiere, sondern mit drei Hüllen umgeben sind. Diese ge- 
schlechtsreifen Thiere sind äusserst schwer zu vertilgen, weil sie eine 
sehr starke Haut haben. Sie sind nicht so sehr an eine Stelle gebunden, 



1) Bericht über die Verhandlungen des ersten österreichischen Weinbaucongresses in Mar- 
burg an der Drau, S. 46. 

2) Bericht über den III. österreichischen Weinbaucongress in Bozen, S. 110—111. 



Das Auftreten der Gallenlaus im Versuclisweingarten zu Klosterneuburg im J. 1887 . 81 



indem sie weiter wandern; sie sind ferner viel kräftiger gebaut, nament- 
lich ihre Füsse sind viel stärker, die Fühler besser ausgebildet. Ausser 
diesen geschlechtsreifen Thieren, welche unter dem Boden leben, 
haben wir es, wie bereits bekannt, auch mit anderen geschlechtsreifen 
Thieren zu thun, welche aus den Eiern der Geflügelten stammen."^) 

Zu dieser Aeusserung Rösler's habe ich zu bemerken, dass ihr bereits 
zwei Jahre vorher ein Aufsatz Balbiani's über das Bestehen einer unterirdischen 
Geschlechtsgeneration der Phylloxera vastatrix vorausging. Der wesentliche 
Inhalt dieses Aufsatzes kann wie folgt wiedergegeben werden. Die unterirdische 
Geschlechtsgeueration stammt von flügellosen Individuen ab und tritt im Gegen- 
satze zu der aus den Eiern der Geflügelten ausschlüpfenden Geschlechtsgeneration, 
welche schon vom Monate August und vielleicht schon vom Monate Juli an er- 
scheint, erst gegen Mitte October auf. Von ihr wurden merkwürdiger Weise 
nur weibliche Individuen gesehen, welche vollkommen den Weibchen der ober- 
irdischen Geschlechtsgeneration glichen und wie diese auch nur ein einziges 
konisches Ei legten. Die Individuen der unterirdischen Geschlechtsgeneration 
kommen lange nicht auf den Wurzeln aller Stöcke eines Weingartens vor; sie 
finden sich auf der Wurzel des einen Stockes gar nicht, auf jenen des anderen 
zu Hunderten. 2) 

Uebrigens erscheint der Werth, welchen die Entdeckung der unterirdischen 
Geschlechtsgeneration besitzt, oder vielleicht gar diese Entdeckung selbst, sehr 
zweifelhaft, wenn man die folgende von Balbiani nur ein Jahr nach der Ver- 
öfi'entlichung seines oben mitgetheilten Aufsatzes gemachte Bemerkung berück- 
sichtigt : 

„Je ne perds pas Ici de vue la de'couverte que j'ai faite vers la 
fin de Fannde derniere, de Texistence d'une ge'neration sexue'e bypogee; 
mais tout indique que cette generation n'apparait qu'ä titre tout ä 
fait exceptionnel et non comme une phase reguliere de Tevolution de 
Tespece. En effet, il s'en faut que je l'aie observee dans tous le vig- 
nobles, et mes observations ä cet egard se reduisent ä un petit nombre 
d'individus femelies rencontres sur quelques racines isolees."^) 

Aber noch mehr als die vorstehende Bemerkung spricht der Umstand, 
dass Balbiani den gegen das Ei der oberirdischen Geschlechtsgeneration ge- 
richteten Anstrich (badigeonnage) zur Bekämpfung der Reblaus empfiehlt, 
dafür, dass er an das Bestehen einer unterirdischen Geschlechtsgeneration selbst 
nicht glaubt. Und das Gleiche darf man bezüglich Rösler's vermuthen, indem 
dieser zweite Entdecker der unterirdischen Geschlechtsgeneration, nachdem er 

^) Bericht über die Verhandlungen des ersten Österreichischen Weinbaucongresses in Mar- 
burg an der Drau vom 20. bis 23. September 1876, S. 43 und 44. 

2) Balbiani, „Sur Texistence d'une generation sexuee hypogöe chez le Phylloxera vasta- 
trix", Comptes rendus, Tom. 79, Juillet— D^cembre 1874, p. 991. 

Balbiani, „Les Phylloxeras sexu^s et l'oeuf d'hiver", Comptes rendus, Tora. 81, 
Juillet— Decembre 1875, p. 587—588. 

Z. B. Ges. B. XXXIX. Abh. U 



82 



Eme rieh Eäthay, 



sich die Priorität seiner Entdeckung bei dem Congresse in Marburg gewahrt 
hatte, über dieselbe weiter nichts mehr hören Hess. 

Ueberdies verneinte ein anderer Forscher, nämlich Boiteau, bereits im 
Jahre 1876 auf Grund der von ihm gemachten Beobachtungen geradezu das 
Bestehen der unterirdischen Geschlechtsgeneration, und suchte sich derselbe die 
angebliche Auffindung einer solchen durch Balbiani aus einer Täuschung 
desselben zu erklären, 

Ob Donn adieu von den zweierlei Geschlechtsthieren, welche er auf der 
Rebe gefunden haben will, und von denen er die einen zur Phylloxera vastatrix, 
die anderen dagegen zu seiner Phylloxera pemphigoides zählt, die ersteren im 
Boden fand, lässt sich aus seiner Abhandlung nicht entnehmen. 2) 

Ich selbst bemühte mich mehrere Jahre hindurch zu verschiedenen Jahres- 
zeiten ganz vergebens auch nur ein Individuum der unterirdischen Geschlechts- 
generation der Reblaus aufzufinden, wiewohl mein Untersuchungsmateriale aus 
demselben Weingarten, wie das Rösler's herrührte. 

VII. Heber die verschiedenen Generationen der Reblaus. 

Aus der schon öfter erwähnten Abhandlung Donnadieu's muss man 
schliessen, dass derselbe nicht nur von der Wurzel-, sondern auch von der Gallen- 
laus drei verschiedene Generationen beobachtet habe, nämlich die sich partheno- 
genetisch vermehrenden Ungeflügelten, ferner die Geflügelten und die Geschlechts- 
thiere. Da der Genannte jedoch nichts über die näheren Umstände angibt, 
unter welchen er die dreierlei Generationen beobachtet hat, so vermag ich aus 
dessen Abhandlung allein um so weniger die Ueberzeugung von dem Vorkommen 
Geflügelter und Geschlechtsthiere bei den Gallenläusen zu gewinnen, als es mir 
im Vorjahre nicht glückte, in den Blattgallen der Rebe noch andere als unge- 
flügelte und mit einem Schnabel ausgestattete Läuse zu finden, wiewohl ich 
eigens zu diesem Zwecke am 20., 21., 30. und 31. Juli, am 1., 8., 12., 16., 19., 
24., 27., 28. und 29. August und am 6. und 12. September die in zahlreichen 
Blattgallen enthaltenen Läuse untersuchte. Dessenungeachtet vermag ich aber 
auf Grund des negativen Ergebnisses meiner Untersuchungen es nicht auszu- 
sprechen, dass es unter den Gallenläusen keine Geflügelten und Geschlechts- 
thiere gäbe, da, wie die Literatur lehrt, nicht allein von Donnadieu, sondern 
auch von anderen Beobachtern das Auftreten Geflügelter und Geschlechtsthiere 
unter den Gallenläusen behauptet wird. So berichtet der Staatsentomologe (!) 
Riley im Jahre 1872, dass Dr. Shimer aus Blattgallen Geflügelte von dem- 
selben Charakter erhalten habe, welchen die von den Wurzelläusen abstam- 
menden Geflügelten zeigen. 3) Hiezu muss aber gesagt werden, dass derselbe 
Riley sechs Jahre später folgende Bemerkungen machte: 

1) Boiteau, Le Phylloxera aile et sa descendance, 1876, p. 20. 

2) Donnadieu, Sur les deux especes de phylloxera de la vigne. 

3) C. V. Kiley, Einige unserer schädlicheren Insect'en, Erster deutscher Jahresbericht der 
Staats -Ackerbaubehörde von Missouri für das Jahr 1872, S. 44. 



Das Auftreten der Gallenlans im Versnclisweingarten zu Klosterneuburg im J. 1887. 83 

1. „Eine männliche Gallenlaus ist noch niemals beobachtet 
worden, und man hat allen Grund anzunehmen, dass solche überhaupt 
nicht existiren. In der That kann ich nicht genug Gewicht darauf 
legen, dass die Gallaecola bloss in der Form des ungeschlechtlichen 
und ungeflügelten Weibchens besteht."^) 

2. „Wir haben gesehen, dass die Gallaecola höchst wahrschein- 
lich nur in der Form des ungeflügelten, rauhhäutigen, ungeschlecht- 
lichen Weibchens besteht, welches keine Auswüchse hat." 2) 

3. „Dr. Shimer beschreibt in seiner schon erwähnten Abhand- 
lung die Form, welche er für das Männchen hielt, gibt aber keinen 
Beweis für seine Ansicht, und man hat Grund anzunehmen, dass die 
wenigen Exemplare, welche er gefunden hat (vier Geflügelte und drei 
Puppen in zehntausend untersuchten Gallen), von den Wurzeln ge- 
kommen waren, denn diese können als Puppen oder im geflügelten 
Zustande zuweilen auf den Reben herum wandernd gefunden werden ; 
in allen meinen Untersuchungen habe ich niemals eine Puppe oder ein 
geflügeltes Insect gefunden, welches ich mit Sicherheit als von dem 
Typus Gallaecola kommend ansehen konnte." ^) 

In Weigelt's Oenologischem Jahresberichte heisst es: 

„A. Champin hat wie auch Kniasef geflügelte Phylloxeren 
neben einer eierlegenden Mutter in den Blattgallen beobachtet."^) 

Aber in demselben Werke findet sich auch die Stelle: 

„J. Lichtenstein glaubt indess, dass aus der Anwesenheit 
der geflügelten Thiere in den Gallen nicht ohne Weiteres geschlossen 
werden dürfe, dass dieselben in den Gallen auch geboren seien, da 
man statt der Mutter und der Eier Nymphen neben den Geflügelten 
hätte finden müssen, aus welchen die letzteren hervorgegangen. Bei 
Verwandten hat Verfasser stets die Nymphen neben den geflügelten 
Thieren in Gallen gefunden, und ist desshalb der Ansicht, dass die- 
selben die Gallen nur als Zufluchtsstätte aufgesucht hätten, wie dies 
alle geflügelten Phylloxera- Arten thun."^) 

Uebrigens spricht es nicht zu Gunsten des Bestehens von Geflügelten 
und Geschlechtsthieren unter den Gallenläusen, dass man bisher noch niemals 
das Auftreten der letzteren unabhängig von jenem der Wurzelläuse beobachtet 
hat. Würden zu den Gallenläusen ebenso wie zu den Wurzelläusen Geflügelte 

1) C. V. Riley, Ueber dem Weinstock schädliche Insecten, Annalen der Oenologie, 
VII. Bd., S. 26. 

») C. V. Riley, a. e. a. 0., S. 28. 
») C. V. Riley, a. e. a. 0., S. 60. 

«) Weigelt's Oenologischer Jahresbericht, I. Jahrg., S. 28. (Die mir nicht zugängliche 
Original -Abhandlung befindet sich in „La vigne americaine", 1878, II, p. 227.) 

5) Weigelt's Oenologischer Jahresbericht, I. Jahrg., S. 28 („La vigne americaine", 1878, 
II, p. 248). 

11* 



84 



Emerich Räthay. 



und Geschlechtsthiere gehören, so müssten die Gallenläuse doch auch selbst- 
ständig auftreten können, was jedoch nicht der Fall zu sein scheint. In Amerika, 
wo die Reblaus entdeckt wurde (1856), fand man zuerst nur die Gallenlaus, aber 
später, nach der Entdeckung der Wurzellaus in Frankreich (1868), zeigte es 
sich, dass in Amerika auch diese verbreitet sei. Riley hebt ausdrücklich her- 
vor, dass es auch in Amerika viele, und zwar besonders der Vitis labriisca 
angehörige Rebsorten gäbe, auf denen nur Wurzelläuse aber keine Gallenläuse 
gefunden werden.^) Dass Riley aber nicht das Entgegengesetzte beobachtet 
habe, ergibt sich aus der folgenden, von ihm herrührenden Aeusserung: 

„Die Möglichkeit ist nicht geradezu ausgeschlossen, dass unter 
gewissen Umständen, z. B. bei unseren wilden Reben, wo der Boden 
um die Wurzeln herum nicht bearbeitet wird, also hart und fest ist, 
die Gallaecola vorherrschend werden könnte und alle ihre eigenthüm- 
lichen Phasen durchliefe, ohne zu den Wurzeln hinunter zu steigen; 
das Ei könnte über der Erde überwintern, oder die Jungen unter der 
losen Rinde oder auf den Reben. Aehnliches kommt bei einer anderen 
Pflanzeulaus [Eriosorna pyri Fitch) vor, welche in dem Westen der 
Vereinigten Staaten die Wurzeln der Apfelbäume bewohnt und sich 
nur ausnahmsweise an den Zweigen derselben findet, während sie in 
den feuchteren, östlichen Staaten, in England und den feuchteren 
Theilen Europas, wohin sie von hier aus eingeschleppt worden ist, ge- 
wöhnlich die Zweige und nur ausnahmsweise die Wurzeln angreift. 
Ob dies bei der Reben-P/iyZZo.rera, z. B. bei unseren wilden Reben 
der Fall ist, ist mir nicht bekannt, jedenfalls glaube ich nicht, dass 
es jemals in unseren cultivirten Weinbergen vorkommt." 2) 

Ich vermuthe sehr, dass auf dem immunen Sandboden Ungarns selbst 
dann, wenn man auf demselben nur jene Reben (Clinton und Taylor)^) pflanzen 
würde, aufweichen in Amerika die Gallenlaus so gewöhnlich vorkommt, nie- 
mals Gallenläuse auftreten würden. 

Würde man allen Angaben, welche über das Bestehen verschiedener Ge- 
schlechtsgenerationen der Reblaus gemacht werden, Glauben schenken, so müsste 
man nicht weniger als drei derartige Generationen annehmen, nämlich: 1. Die 
von den Geflügelten der Wurzellaus abstammende und über dem Boden lebende, 
2. die aus den Eiern der geflügelten Gallenläuse ausschlüpfende und 3. die den 
Boden bewohnende und unabhängig von den Geflügelten entstehende. Von diesen 
drei Geschlechtsgenerationen ist aber nur das Bestehen der ersten eine un- 
bestreitbare Thatsache, dagegen das der zweiten zweifelhaft und das der dritten, 
nach dem was im VI. Abschnitte dieser Abhandlung gesagt wurde, mindestens 
höchst unwahrscheinlich. 



1) C. V. Kiley, a. e. a. 0., S. 27. 

2) C. V. Riley, Ebenda, S. 27. 
») C. V. Riley , Ebenda, S. 26. 



Das Auftreten der Gallenlaus im Versuchsweingarten zu Klosterneuburg im J. 1887. 85 



Den Eiern — Wintereiern — der in der Regel im Herbste erscheinenden, 
aber ausnahmsweise, wie in diesem Jahre, im embryonalen Zustande über- 
winternden Geschlechtsgeneration entschlüpft eine ungeflügelte und sich partheno- 
genetisch vermehrende Generation, und zwar nach der Mehrzahl der Forscher 
im Frühlinge, nach Carriere aber schon im Herbste. Diese Generation, 
welche der Letztere auf den Wurzeln überwintern lässt, wird nach allen Angaben 
die Stammmutter mehrerer ihr gleichen Generationen. Nach jenen Forschern, 
nach welchen sie erst im Frühlinge den Wintereiern entschlüpft, vermag sie sich 
entweder auf den Wurzeln oder auf den Blättern anzusiedeln, um sich daselbst 
zu einer Wurzellaus-, beziehungsweise Gallenlausgeneration zu entwickeln. 
Mehrere Umstände sprechen aber dafür, dass sie sich ausnahmslos auf den 
Blättern ansiedle. Diese Umstände sind die folgenden: 

1. Dass dem Anscheine nach das Vorkommen der Wintereier und Gallen - 
läuse gleich selten ist, 

2. dass in solchen Ländern, wie Ungarn und Deutschland, in denen 
man bisher das Winterei nicht beobachtete, auch die Gallenlaus nicht ge- 
funden wurde, 

3. dass die Wintereier am sichersten auf jenen Reben (Clinton) gefunden 
werden, auf welchen die Gallenläuse öfter auftreten, 

4. dass die Ansiedlung der aus dem Winterei ausgeschlüpften Laus trotz 
aller Bemühungen bisher nur auf den Blättern, aber noch niemals auf den 
Wurzeln beobachtet werden konnte. 2) 

Die Generationen der Gallenläuse bilden wenigstens viele Jahre hindurch 
keine nothwendigen Glieder im Generationswechsel der Reblaus, wie daraus 
hervorgeht, dass sie in Klosterneuburg erst 15 Jahre nach dem ersten Er- 
scheinen der Wurzellaus auftraten. Auch ist es bekannt, dass Boiteau in 
Gläschen im Laufe von sieben Jahren 25 Generationen der ungeflügelten Wurzel- 
läuse durch Parthenogenesis auseinander entstehen sah. 3) 

Es ist so gut wie sicher, dass in der freien Natur die Gallenlaus nur 
dann erscheint, wenn sich die dem Winterei entstammende Generation auf den 
Blättern ansiedelt. Wird doch von allen Autoren übereinstimmend angegeben, 
dass die Gallenlaus Anfangs Mai auf den Reben auftritt, und es ist kein Fall 
in der Literatur verzeichnet, in dem sie erst im Laufe des Sommers er- 
schienen wäre. 

VIII. Die natürHchen Feinde der Gallenlaus. 

Während des Auftretens der Gallenlaus im Versuchsweingarten lernte ich 
auch einige Feinde derselben kennen. Unter diesen ist einmal die Larve einer 
Chrysopa-Axt — nach der gütigen Bestimmung des Herrn Professor Brauer 



1) Carri&re, Die Reblaus, Biologisches Centraiblatt, VII. Bd., S. 743. 
') Boiteau, Comptes rendus, 1876, 82, p. 1043. — Lichtenstein, Comptes rendus, 187G, 
82, p. 1145. — Lafitte, Comptes rendus, 1881, 93, p. 828. 
») Boiteau, Comptes rendus, 1886, 102, p. 195. 



86 



Emerich Rätliay. 



Chr.y.sopa vulgaris Schneider — zu nennen, welche ich häufig auf der Oberseite 
der mit Reblausgallen besetzten Blätter fand, während sie eben ihre Saugzangen 
in der Oeffnung einer Galle stecken hatte. Weiter nauss ich als einen Feind der 
Gallenlaus die sechsbeinige Larve des Tromhidium fuliginosum Herrn. = Trom- 
hidium gymnopterum (L.) Berl. anführen, deren Bestimmung ich der besonderen 
Güte des Acarologen Dr. P. Kram er in Halle a. d. S. verdanke. Ich fand dieses 
Tromhidium häufig, und zwar entweder im Innern der Reblausgallen oder mit 
dem Kopfe in einer solchen steckend, während der Hinterleib aus der Galle 
hervorragte, und einmal beobachtete ich, wie ein solches Tromhidium sich beim 
Nähern meiner Hand in eine Reblausgalle flüchtete. Dass die Larven der Trom- 
bidien ein ectoparasitisches Leben führen und überall auf Blattläusen, Fliegen, 
Spinnen etc. schmarotzend angetroffen werden, ist, wie mir Herr Dr. Kram er 
mittheilte, bekannt. Endlich beobachtete ich die Thätigkeit des ärgsten Feindes 
der Gallenlaus, welchen ich jedoch nicht selbst sah und von dem ich vermuthe, 
dass er ein Vogel sei. Er frisst oft von den Blättern ganzer Stöcke die Reblaus- 
gallen ab. 

Ob eine überaus lebhafte Thrips- Art und eine kleinere, muntere Hemi- 
ptere, welche ich häufig im Innern der Gallen fand, Feinde der Gallenlaus sind, 
vermag ich nicht zu sagen. 

Noch sei hier erwähnt, dass ich auf einigen mit Gallen besetzten Blättern 
die Larve einer Coccinella beobachtete. 



^) Sielie aucli Hermann Henking aus Jerxheim in Braunschweig, „Beiträge zur Anatomie, 
Entwicklungsgeschichte und Biologie von Tromhidium fuliginosum Herm.", Zeitschrift für wissen- 
schaftliche Zoologie, herausgegeben von C. Th. v. Siehold, 37. Bd., 8.589—593. 



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Das Auttreteu der Galleulaus im Versuchtiweiugai teu zu Klosterneuburg im J. 1887. 87 



Erklärung der Abbildungen. 



Tafel II. 

1. Unterseite eines Blattlappens einer amerikanischen Rebe (Sorte Cocalin) 
mit mehreren Gallen (Vergr. 1 : 1). 

2. Unterseite eines ßlattstückes derselben Rebe mit einer Galle (Vergr. 4 : 1). 

3. Oberseite eines Blattlappens einer amerikanischen Rebe (Sorte Cocalin) 
mit mehreren Galleneingängen (Vergr. 1 : 1). 

4. Oberseite eines Blattstückes derselben Rebe mit einem Galleneingange 
(Vergr. 4:1). . 

5. Blattstück einer amerikanischen Rebe (Sorte Cocalin) mit einer von 
ihrem Eingange aus halbirten Galle, deren Hälften auseinander gelegt 
wurden. In diesen sieht man, und zwar in der in der Figur unten be- 
findlichen Hälfte zwei erwachsene Gallenläuse, nebst einigen von diesen 
gelegten Eiern und wenigen jungen Gallenläusen (Vergr. 6 : 1). 

6. Oberseite eines jungen, eben erst entfalteten Blattes einer amerikani- 
schen Rebe (Sorte Cocalin) mit zahlreichen festgesaugten jungen Gallen- 
läusen (Vergr. 3 5 : 1). 

7. Oberseite eines Blattstückes einer amerikanischen Rebe. Man sieht auf 
ihm zwei junge festgesaiigte Gallenläuse, welche von besonderen Blatt- 
haaren überwachsen werden, während sich gleichzeitig der unter ihnen 
befindliche Blatttheil zum Zwecke der Gallenbildung nach abwärts 
krümmt (Vergr. 6 : 1). 

Tafel III. 

1. Eine erwachsene Gallenlaus von der Rückenseite (Vergr. 30 : 1). 

2. Eine erwachsene Gallenlaus von der Bauchseite (Vergr. 30 : 1). 

3. Eine erwachsene Wurzellaus von der Rückenseite (Vergr. 80 : 1). 

4. Eine junge, eben aus dem Ei ausgeschlüpfte Gallenlaus von der Bauch- 
seite (Vergr. III : 1). 

5. Ein Lottengipfel, auf dessen Intornodien (a), Ranken (h) und Blättern 
sich Reblausgallen befinden. Speciell das Blatt c, d zeigt solche sowohl 
auf dem Blattstiele (c) als auch auf der Blattspreite {d). 



E. Rathay. Das Auftreten der Gallenlaus im Versuchs Weingarten zu Klosterneub. 



6. Eine zur Wurzellaus umgezüchtete Gallenlaus im erwachsenen Zustande 
(Vergr. 58 : 1). 

7. Kleiner Theil der Oberfläche eines Clinton - Stammes nach Entfernung 
der älteren Borkenschichten. Man sieht auf ihm zwei Eier der geflü- 
gelten Generation (Vergr. 6 : 1). 

8. Ei einer Geflügelten mit dem Embryo eines weiblichen Individuums 
der Geschlechtsgeneration (Vergr. 140 : 1). 

9. Embryo eines weiblichen Individuums der Geschlechtsgeneration, aus 
der beim Abheben der Borke zerrissenen EihüUe herausgefallen 
(Vergr. 140 ; 1). 



89 



Monographie der Gattung Typha Tourn. 
{Typhinae Agdh., Typhaceae Schur-Engl.). 

Voa 

Dr. M. Kronfeld. 

(Mit Tafel IV und V.) 

(Vorgelegt in der Versammlung am 7. Jänner 1888.) 



I. Einleitung. 

(Geschichtlicher Ueberblick. Allgemeines.) 

Es konnte nicht fehlen, dass eine allerwärts verbreitete und physiog- 
nomisch so sehr auffallende Gattung wie Typha schon von den ersten Natur- 
forschern beachtet wurde. In der That nennt bereits des Aristoteles Schüler 
Theophrast (371—286 n. Chr.) an mehreren Stellen seiner Pflanzengeschichte 
ein Gewächs ti-^t]. Und sicher ist, dass wir mindestens ein oder zwei der Beleg- 
stellen auf die Typha im heutigen Sinne beziehen dürfen. 

Legen wir nämlich die Ausgabe Theophrast 's von Heinsius (Leyden, 
1613) zu Grunde, so sind von vorneherein auszuschliessen: I 9, II 5, VIII 8 
(p. 11, 31, 152, 155, 157), wo es sich bestimmt um ein gesätes (VIII) und in 
Weizen (II 5, VIII 8) um wandelbares Getreide i) handelt. Dagegen könnte die 
Ti-^rj I 8 mit knotenlosen Stengeln unsere Typha bedeuten. Ohne Zweifel ist 
als solche die Pflanze in IV 11 anzusehen. Von dieser heisst es, sie wachse im 
See Orchoraenos und sei zur Speise geeignet, indem die Knaben gerne an dem 
zarten Theile kauen, welcher den Wurzeln zunächst ist. Des Näheren auf den 
ökonomischen Abschnitt verweisend, wollen wir hier nur daran erinnern, dass 
den Kosaken am Don der Wurzelstock von Typha latifolia noch heute zur 
beliebten Speise dient. Ob Theophrast diese Art im Sinne habe, wie Spren- 
ge P) meint, oder ob unter seiner ti^v] die in ganz Griechenland vorkommende 
Typha angustata Bory et Chaub. zu verstehen sei, das lassen wir dahingestellt, 
obschon die letztere Deutung pflanzengeographisch wahrscheinlicher ist. 

1) Die Fabel von dem in Weizen nmwandelbaren Grase, über welches noch 1843 E. Berg 
eine Abhandlung schrieb, findet sich zuerst bei Theophrast. 

2) Comment. in Dioscorid., II, p. 547 (1827). 

Z. B. Ges. B. XXXIX. Abh. 12 



90 



M, Kronfeld. 



Dioscorides, der im Jahre 70 n. Chr. starb, gibt eine genauere Be- 
schreibung von Typha. Im dritten Buche, Cap. CXXIII, seiner Materia medica 
(editio Sprengel^) heisst es nämlich: 

Tui^Y) cpuXXov av^rjai ■/.u;c£p(St o[j.oiov, xauXov Xeiov, 6[j.aAbv, Itz' axpco 

7r£pix£([jL£vov avOo? Tiuxvbv xal £x;ia7T:7:ou[j.£Vov, o xaXXouaiv Ivioi av67]X7)V ' tauTT]? 

TO avOo<;, avaXyjcpÖEV aT^ati x:aXa{tp usi'co TtSTrXup-s'vüJ, xaiaxaujJLaTa 6spa::£U£i • cpus- 

Tai Se h iXsai xai uBpoaTaa([Aoti; to'tcoi?. 

Aus dieser Stelle erfahren wir zugleich, dass die haarigen T^/p/^a-Früchte 
mit Talg gemengt an verbrannte Stellen des Körpers applicirt wurden. Spren- 
ge P) und ebenso Andere 2) halten des Dioscorides Pflanze für Typha latifolia. 

Nahezu anderthalb Jahrtausende vergingen, bis Fuchs zur Erkenntniss 
kam, jede Gegend trage ihre eigenen Gewächse, und blosse Commentation des 
Dioscorides könne nicht die Aufgabe der Pflanzenkunde bleiben. Auf p. 823 
seiner Historia stirpium (Basileae, 1542) finden wir ein schönes ganzseitiges 
Habitusbild der Typha, die eine Seite vorher im Anschlüsse an Dioscorides 
abgehandelt ist. Wir halten die dargestellte Art mit Linnd^) für Typha 
angustifolia. 

Vier Jahre nach Fuchs' Werke kam Cuba's Hortus sanitatis*) heraus. 
In diesem ist eine Abbildung von Typha latifolia neben Schilfrohr (Phragmites 
communis) enthalten. Die Pflanze wird Typha genannt, und es wird erwähnt, 
dass ihre „Wurzel" (d. i. das Ehizom) zu erweichenden Umschlägen Verwen- 
dung finde. 

Typha minima Funk-Hoppe findet sich als Typha minor zuerst bei Lobel 
(Nova stirp. advers., Antwerpen, 1576, p. 41) beschrieben und abgebildet. Die 
Abbildung ist habituell zutreffend. Aus einem Rhizome erheben sich drei 
Blüthentriebe mit wenigen scheidigen Grundblättern. Die Inflorescenzen sind 
deutlich getrennt; unterhalb der männlichen Abtheilung zweigt ein Hochblatt 
ab. In Lobel's Icones stirp. (Antwerpen, 1591), Tab. 114, ist diese Figur wieder 
abgedruckt. Neben ihr (Tab. 113) kommt eine Typha (Typha latifolia) zur 
Darstellung. Lobel (Nov. stirp.) berichtet, dass die Typha minor, oder, wie er sie 
auch nennt: Typha pusilla, Typhula, bei Genf an der Zusammenflassstelle von 
Rhone und Arve durch Pen na gesammelt wurde. Die weitere Beschreibung, 
zusammengehalten mit der Abbildung, lassen keinen Zweifel darüber, dass Lobel 
als Erster die Typha minima von der Typha latifolia unterschieden habe. (Im 
Jahre 1693 führt Rajus^) die Typha minima Yon dem bei Lobel verzeichneten 
Standorte wieder an; sie hat sich daselbst bis zur Stunde erhalten.) 

Nicht lange darauf (1583) erkannte Clusius^) Typha angustifolia als 
eigene Art. Er nennt sie Typha media und sagt von ihr aus, ihre Blätter 

Comment. in Dioscorid., II, p. 547. 

2) Sternberg, Catalogus in Comment. Matthioli etc., p. 27. 

3) Species plantarum, Holm., 1753, ed. I, p. 971. 
*) Frankfurt, 1546. 

Bist, plant., Londini, 1693, p. 1312, 1313. 

Rariorum al. Stirp. per Pannon. etc. hist., Antverp., 1853, p. 716. 



Monographie der Gattung Ti/pha Tourn. 



91 



seien schmäler, ihr Kolben schlanker als bei Typha vulgaris (Typha lati- 
folia), im Ganzen jedoch übertreffe sie an Grösse Lobe 1- Pen na's Typha 
minima. In seiner Rariorum plantarum historia (Antverp., 1601), Tab. CCXV 
bildet Clusius später Typha media (angustifolia) ab. 

Damit waren in der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts die drei Arten 
festgestellt, welche noch Linne allein bekannt waren. 

Inzwischen wurde ihre Kenutniss im Einzelnen erweitert. 

So gibt Tab ernaemontauus ^) für die ihm wohlbekannte Typha minima 
(„ein kleiner Geschlecht vom Lieschkolben") als Standort die Obergrafschaft 
Katzenellenbogen au, nachdem er von ihr betonte: „wird nicht allenthalben 
gefunden." In dem Gebiete der oberen Grafschaft Katzenellenbogen, zwischen 
Main, Odenwald und Wetterau, wurde Typha minima neueren Datums nicht 
wieder gefunden. Als nördlichstes Vorkommen am Rheine abwärts bezeichnet 
Rohrbach^) Strassburg. 

C. Bau hin in seinem Pinax (Basileae, 1623), p. 20 gibt zunächst, wie 
von den übrigen Gattungsnamen, so auch von Typha eine etymologische Er- 
läuterung. Der Name komme von dem „gedrehten" Blüthenstande her, der an 
die Wirkung des Wirbelwindes (Typhon) erinnere, oder der Blütheutrieb deute 
die aufrechte, drohende Gestalt des Riesen Typhon an, endlich ifcpr] sei von 
Ti2;o;, der Sumpf, abzuleiten. Doch ist der Name eher auf xucpo? = Rauch zu- 
rückzuführen; dies wegen der dunklen Färbung des Kolbens. Indem Bauhin 
ferner die Angaben sämmtlicher früherer Autoren zusammenstellt, gelangt er 
zur Unterscheidung der drei Arten, Typha palustris major, Typha palustris 
clava gracili, Typha palustris minor, welche sich mit Typha latifolia, angusti- 
folia und miyiima decken. 

Dieselben Arten handelt Rajus (1. c.) ausführlich ab. Er bedient sich 
hiebei wieder der C lusius 'sehen Bezeichnung Typha palustris media für 
Typha angustifolia. Typ>ha minima fand Rajus, wie schon erwähnt, an Lobel's 
locus classicus auf. Richtig beobachtete er, dass die Blüthengemeinschaften bald 
zusammenstossen, bald von einander deutlich abgesetzt erscheinen, weiters, dass 
die beiden Blüthenvereine in ihrem Längenverhältniss wechseln. 

Abermals erörtert Morison (Plant, historiae, Oxonii, 1715), p. 246, ein- 
gehend die Artentrias und bildet dieselbe in Sect. 8, Tab. XIII recht gut ab. 
Man erkennt die Typha palustris major mit zusammenhängenden, Typha pa- 
lustris media mit getrennten Inflorescenzen, endlich die Typha minima. Mori- 
son zieht di.uc]i Acorus Calamus und einige exotische Aroideen zu Typha. 

1719 erschien Tournefort's bedeutendes Werk lustitutiones rei herbariae, 
die wichtigste Vorarbeit zu Linne 's Genera plantarum. Die XV. von Tourne- 
fort's Classen ist betitelt: De herbis et suffruticibus flore apetalo seu stamineo,^) 
und führt in sechs Sectionen die Verwandtschaft der Gräser, Cyperaceen, 

Neues Krauterbuch, Frankfurt a. M., 1588, I, S. 686. 
») Ueber die europäischen Arten der Gattung Typha, Verhandlungen des 13otan. Vereinen 
für Brandenb., XI, 1869, S. 92. 

Tournefort, 1. c., Tom. I, p. 501. 

12* 



92 



M. Kronfeld. 



Amaranthaceen, Polygoneen und Urticaceen, nebstdem auch Genera wie Asarum, 
Herniaria, Paronychia, Älchemilla vor. In der V. Section begegnen wir den 
Gattungen Carex, Typha, Sparganium, Zea und Coix. Typha im Besonderen 
erhält, 1. c, p. 530, die folgende Charakteristik: 

Typha est plantae genus, flore apetalo, plurimis scilicet staminibus 

constante, in spicam disposito, sed sterili; embryones enim inferiorem 

spicam occupant, abeuntque deinde in semen. 

Tab. CCCI stellt nicht nur eine Inflorescenz von Typha angustifolia dar, 
sondern bringt auch eine immerhin anerkennenswerthe Blüthenanalyse der Art. 
In A und B PoUenblüthen mit drei, beziehungsweise zwei Antheren (stamina), 
in D eine einzelne Stempelblüthe, in E ein Büschelchen von solchen (embryones), 
in ein Früchtchen (semen). Von Typha-Arten nennt Tourn ef ort dieselben 
wie Morison. 

Mit dem Jahre 1753, in welchem Linn e's Species plantarum zum ersten- 
male herauskamen, war die neue Richtung der systematischen Botanik angebahnt. 
Statt langathmiger Erörterungen über jede Pflanze, statt ihrer vielwortigen Be- 
zeichnung, ward die knappe, auf das Wesentlichste gerichtete Diagnose und mit 
ihr die binäre Nomenclatur eingeführt. Nur so gelang es Linne 's Genie, eine 
Codification sämmtlicher bekannt gewordener Pflanzen zu Wege zu bringen, 
eine Uebersicht aller bisherigen Errungenschaften, auf welcher das Gebäude 
der neuen Systematik aufgebaut werden konnte. Doch wie Lin n e 's System als 
künstliches nur ein vorläufiger Behelf und keine wirkliche Hilfe, keine end- 
giltige Lösung der systematischen Frage sein konnte, so vermochten sich auch 
seine kurzen, in ihrer Kürze oft mehrdeutigen Diagnosen, seine schematisirende 
Methode, nicht auf die Dauer zu behaupten. Neuere führten die ausführliche, 
auf jedes Detail bedachte Diagnose der naturwissenschaftlichen Art wieder ein. 

Bemerkenswerther Weise verzeichnet Linne in der ersten Ausgabe seiner 
Species, p. 971, nur zwei Typha- Avten, nämlich Typha latifolia und angusti- 
folia, ohne der Typha minima zu gedenken, welche Lobel schon 1576 erkannt 
hatte. Erst die zweite Ausgabe der Species (1763^) gedenkt dieser Pflanze 
als var. ß. von Typha angustifolia und unter dem Namen Typha minor. 

Nachdem Linne in den Genera plantarum (1737, Nr. 707) die folgende 
Gattungsdiagnose von Typha (im Anschlüsse an Tournefort) gebracht hatte — 

* Masculi numerosi in amento culmum terminante. 

Cal. Amentum commune cylindraceum, densissimum, constans. 

Perianthiis propriis triphyllis, setaceis. 
Cor. nulla. 

Stam. Filamenta tria, capillaria, longitudine calycis. Antherae 
oblongae, pendulae. 

* Feminei numerosi in amento, culmum eundem cingente, com- 

pactissime digesti. 



1) Tom. II, p. 1378 



Monographie der Gattung Trjpha Tourn. 



93 



Cal. Capilli papposi. 
Cor. nulla. 

Pist. Germen setae insidens, ovatum. Stylus suhidatus. Stigma 

capillare, persistens. 
Per. nullum. Fructus numerosi cylindrum constituunt. 
Sem. unicum, ovatum, stylo instructum, setae insidens. Pappus capil- 
laris, setae feminiferae quasi afßxus, longitudine pistilli — 
und das Genus in die XXI. Classe Monoecia, III. Triandria, eingereiht war, gab 
er in den Species (1. c.) die nachstehende Charakteristik der beiden Arten: 

Typlia foliis suhensiformibus, spica mascula femineaque appro- 
ximatis. latifolia. 
Typha foliis cemicylindricis, spica mascula femineaque remotis. 

angustifolia. 

Linne hat auch, freilich nur als Skizze, ein natürliches System der 
Gewächse hinterlassen. Unter den von ihm aufgestellten Ordines naturales^) 
findet sich eine Ordnung Calamariae, und in dieser Typha mit Sparganium, 
Eriophorum, Scirpus, Carex, Cyperus, Schoenus. Hiemit waren die verwandt- 
schaftlichen Beziehungen der Gattung beiläufig angedeutet. 

Haller, 2) Pollich, 3) Roth'') und Andere gaben in den nächsten Jahren 
eingehende, von Autopsie zeugende Beschreibungen der TypUa latifolia und 
angustifolia. 

Doch nur Gärtner's ausgezeichnetes Werk: De fructibus et seminibus 
plantarum (Tom. I, Stutgardiae, 1788) bezeichnete einen wirklichen Fortschritt 
in der Erkenntniss der Gattung Typha. In trefflicher Art untersuchte Gärtner 
die Morphologie der Frucht — des Samens, wie er sie nennt — von Typha 
latifolia (1. c, p. 9, Tab. II, Fig. 1). Von seinen Angaben verzeichnen wir: 

Integumentum (seminis) simplex, memhranaceum, tenuissimum, 

facile secedens. 

Albumen semini conforme, carnosum, solidiusculum, lutescens. 
Embryo monocotyledoneus, longitudine fere seminis, rectus albi- 
cans. Plumula tereti-acuminata-longa. Radicula incrassata infera. 
Mustergiltig stellt die Fig. 1, Tab. II, in fünf Zeichnungen die morpho- 
logischen Details dar. 

Bevor das Jahrhundert zu Ende ging, wurde Typha minima wieder in ihre 
Rechte als Art eingesetzt. In Hoppe's Botanischem Taschenbuch für das 
Jahr 1794, S. 118, erwähnt Funk das Vorkommen von Typha minima bei Salz- 
burg; S. 181 desselben Bandes erscheint abermals der Name in der Aufzählung 
der von Funk gesammelten Pflanzen.^) Dazu macht Hoppe, S. 187, die Bemer- 

1) Philos. Botan., 1751. 

2) Hist. stirp, Helv., Bernae, 1768, Tom. II, p. 1G3. 

Hist. plant, in palat., Elect., 1777, Tom. II, p. 554— 55C. 
") Teut. flor. germ., 179.3, Tom. II, p. 471. 

5) Obwohl an beiden Orten Fnnck gedruckt ist, schreiben wir Funk ohne c nach Ein- 
sicht handschriftlicher Etiquetten Funk'e. 



94 



M. Kronfeld, 



kung: „Typha minima ein vortrefflich Pflänzchen, das wohl nur Linn^ als 
eine Abart (Varietät) angeben konnte. Soll diese Typha eine Abart von Typha 
angustifoUa seyn, so kann mit weit mehrerm Rechte diese letztere eine Abart 
von Typha latifoUa genannt werden; da dieses aber kein deutscher Botaniste 
zugibt, so steht erstere hier allerdings mit Recht als eigene Speeles." Da so- 
wohl von Funk als von Hoppe die Salzburger Typha minima in Exsiccaten 
verbreitet wurde, so kann über ihre Identität mit der schon von Lobel be- 
schriebenen Typha minor kein Zweifel sein. Weil es aber conventioneil gewor- 
den ist, bloss Linne' und die nachlinneischen Autoren bei den Pflanzennamen zu 
citiren, sollte man Typha minima Funk-Hoppe („Funck [Hoppe]* nach Ascher- 
son^s Vorschlage 1) schreiben, wobei man die noch erhaltenen Original-Exem- 
plare mit den Original-Etiquetten als Documente betrachtet und den beiden 
Männern an der Wiederherstellung der Speeles Typha minima gleichen Antheil 
beimisst. Von Manchem wird Typha minima Willdenow citirt, unter dem Vor- 
geben, dass sich in der von diesem Forscher herrührenden Bearbeitung der 
Speeles plantarum (IV, 1805^ p. 198) die erste Diagnose der Typha minima seit 
Linne vorfinde. Dieser Beweggrund ist aber ungiltig, weil von Braune's^) 
Citirung der Typha minima Hoppe im Jahre 1797 abgesehen, die Typha mi- 
nima Hoppe von Ho ff mann in der zweiten Ausgabe seiner Flora Deutschlands 
(1804) mit einer Diagnose versehen wird. 

Allein fast alle russischen Autoren, und ihnen folgend Rohrbach, Bois- 
sier U.A., gaben seit Ledebour^) den Namen Typha minima überhaupt auf 
und setzten für denselben Typha Laxmanni Lepechin (Nova Acta Academiae 
Petropolitauae, XII, 1801, p. 84, 335, Tab. IV), deren Beschreibung bei der 
Petersburger Akademie am 15. März 1797 einlief. Dabei gingen sie von der Vor- 
aussetzung aus, dass Typha Laxmanni Lep. und Typha minima Synonyma 
seien. Doch ist diese Voraussetzung, wie gleich gezeigt werden soll, unrichtig. 

Vergleicht man nämlich Lepechin 's Tafel, so zeigt sich eine Typha 
mit deutlich beblättertem Blüthentrieb. Ein solcher kommt nun wohl einer 
Verwandten von Typha minima {Typha Martini Jordan*) zu, keineswegs aber 
der Art selbst, die sich von allen anderen Typha- Arten eben durch den Um- 
stand unterscheidet, dass der Blüthentrieb nur wenige scheidige Niederblätter 
an der Basis besitzt, und die Laubblätter an eigenen Auszweigungen des Rhi- 
zoms entspringen.^) Thut also die citirte Tafel dar, dass Lepechin nicht Typha 
minima vorliegen hatte, so heisst es in der Diagnose von Typha Laxmanni 
zudem ausdrücklich: „Typha foliis angustis linearibus . . dann weiter unten 
(p. 336); „culmus non raro ultra duos pedes altus, foliosus, foliis gramineis^. 

In der That hatte Lepechin mit Typha Laxmanni im Jahre 1797 eine 
bis dahin unbekannte Typha- Art aus Daurien (Transbaicalien) beschrieben. Es 



1) Oesterr. botan. Zeitschr., 1878, S. 285—287. 

2) Flora von Salzburg, 1797, II, S. 624. 

3) Flora rossica, 1842—1846, III, p. 4. 

4) Cf. Icon. noßtr., Tab. IV, Fig. 7. 
ä) Cf. Icon. nostr., Tab. IV, Fig. 2. 



Monographie der Gattung Typlia Tourn. 



95 



ist dieselbe, wie wir nach Einsicht eines von Laxmann gesammelten Exem- 
plares aus Daurien (im Petersburger Herbar) behaupten können, keineswegs 
mit Typha minima, dagegen aber mit der im Jahre 1844 aufgestellten Typha 
stenophylla Fischer et Meyer zu identificiren. 

Zu Ende des XVIII. Jahrhunderts waren demnach vier Typha- Arten 
beschrieben. Bald kam eine neue Species dazu. Freilich als Unterart von 
Typha JatifoJia, welcher sie ferner steht als der Typha angustifolia, diagnosti- 
cirte Persoon^) im Jahre 1807 die Typha dominginensis aus Westindien. 
Nach den jetzigen Erfahrungen kommt die Pflanze nicht nur auf den Antillen, 
sondern auch in Central- und Südamerika bis hinab nach Buenos -Ayres und 
Patagonien vor. Sie vicariirt im Süden für die Typha angustifolia Nordamerikas. 
Zu Typha dominginensis Pers. gehören die im Jahre 1815 von Humboldt, Bon- 
pland und Kunth (Nova Gen. et Spec. plant., I, p. 82) aufgestellten Arten Typha 
truxiUensis (Peru) und Typha tenuifoUa (Venezuela). Pursh') führt 1814 aus 
Nordamerika Typha latifoUa und angustifolia an. Im Vereine mit der süd- 
amerikanischen Typha dominginensis war Amerikas Typhenflora vollständig be- 
kannt geworden. 

Aus Neu-Holland wurde eine Typha angustifolia 1810 von R. Brown^) 
beschrieben. Derzeit steht fest, dass die Pflanze eine Varietät der Linne'schen 
Typha angustifolia darstellt. Sowohl Schnizlein^) als Rohrbach^) hatten 
in derselben eine neue Art vermuthet. Brown ordnete Typha in die sectio III 
der Aroideen ein. Ebenfalls beschrieb Richard im Jahre 1832 die Typha an- 
gustifolia von Neu-Seeland (Voyage de l'Astrolabe, Botan., 1832, p. 99). 

Im gleichen Jahre veröffentlichte Roxburgh (Flora Indica, Vol. III, 
1832, p. 566) die Diagnose einer imposanten indischen Species, der Typha 
elephantina. Schnizlein (1. c, p. 26) sagt von derselben: ultius inquirenda, 
auch Rohrbach (1. c, p. 73) hatte kein Specimen zu Gesicht bekommen. Die 
ausgezeichnete Art ist, von allem Anderen abgesehen, durch die über der Scheide 
prismatisch dreikantigen Blätter charakterisirt. Dieser Tage erhielt ich von 
Battandier Specimina seiner im vorigen Jahre neu aufgestellten Typha 
Maresii aus Algier. Zu meiner Ueberraschung erwies sich die Pflanze als 
identisch mit Typha elephantina. Rohrbach's Typha Schimperi aus Abys- 
sinien ist Roxburgh 's Art zumeist verwandt. 

Das Jahr 1833 ist für die Naturgeschichte von Typha insoferne bedeu- 
tungsvoll, als es aus Richard 's Feder die erste morphologische Studie über 
die Gattung brachte. Doch bevor wir auf dieselbe eingehen, wird es nöthig 
sein, der Typha media zu gedenken, welche im Jahre 1800 von Schlei eher'') 



1) Bnllet. de la classe phys.-mathem. de l'Acad. de St. Petersbourg, Vol. III, 1845, Col. 209. 

2) Synopsis plant., II, 1807, p. 532. 

Flora Amer. septentrion., I, Londini, 1814, p. 34. 
*) Prodromup Flora Nova Holl., I, Londini, 1810, p, 338. 
*) Die natürl. Pflanzenfam. der Typhaceen, Nördl., 1845, S. 26. 
*) 1. c, S. 86. 

'') Catalog. plant, in Helv. nasc, ed. I, Bex, 1800, p. 59. 



96 



M. Kronfeld. 



erwähnt, seither die mannigfachste Deutung erfuhr und zu einer beispiellosen 
Verwirrung in der Synonymik führte. 

Rohrbach 1) hat die Typha media der Autoren zu entwirren gesucht. 
Ich folge im Wesentlichen seinen Ausführungen. Auszuschliessen sind zunächst, 
da über ihre wirkliche Stellung kein Zweifel mehr besteht: Typha media Gmel., 
Fl. bad., III, p. 602 = Typha angustifolia L.; Typha media Bory et Chaub., 
Exped. Moree, II, 2® part., p. 29 = Typha angustata Bory et Chaub., 1. c, p. 388; 
Typha media Barb. in herb. Bracht = Typha Laxmanni Lepech. Die kritische 
Typha media wird zuerst mit dem Citate „Moris." (Morison) von Schleicher 2) 
erwähnt. Morison aber (1. c.) versteht, gleich Rajus (1. c.) und Clus ins (I.e.), 
unter Typha (palustris) media die Typha angustifolia. Man kann also an- 
nehmen, dass Schleicher 's Typha media die Typha angustifolia, oder eine 
Form derselben ist. Diese Annahme wird zur Gewissheit, da Rohrbach im 
De C and olle 'sehen Herbar ein Schleich er 'sches Original-Exemplar einsah, 
und ich ein französisches Specimen der Typha media Schi. (Departement de Mo- 
selle) im Petersburger Herbar gleichfalls für Typha angustifolia erklären muss. 
In De Candolle's Flore fran9aise (1815, p. 302) wird die Typha media Schleich, 
diagnosticirt. Sie soll zwischen Typha latifolia und angustifolia stehen. Rohr- 
bach fand, dass das betreffende Specimen im Herbar De Can doli e eine flach- 
blättrige Form von Typha angustifolia darstelle. Allein De Candolle begeht 
den Fehler, zu Typha media Typha angustifolia L. var. ß. und Typha minor 
Smith (Flora Britannica, 1805, p. 960) 3) zu citiren, welche beide Typha minima 
Funk-Hoppe bedeuten. De Candolle ahmen zahlreiche Autoren, so Kunth 
(Enum. plant.) und Ledebour (Fl. rossica) nach. Andere, wie Nyman (Syll.), 
Grenier- Godron (Flore de Fr.), Cossen- Germain , Willkomm-Lange, 
u. s. f. citiren Typha media irrthümlich zu Typha latifolia. Nur Pariatore 
(Fl. ital., II, p. 265) und Bertoloni (Fl. ital., X, p. 25) weisen Typha media 
die ihr nach dem Obigen zukommende Rolle als Form der Typha angusti- 
folia zu. 

Mit Typha media in dem angedeuteten Sinne ist Typha elatior Bönning- 
hausen^) identisch. Dieselbe findet sich neuesten Datums als Varietät der 
Typha angustifolia in Baenitz, Herb, europ. ausgegeben. Da von der typischen 
Typha angustifolia zur Typha media zahlreiche Uebergänge zu beobachten 
sind, so kann dieselbe nur als Form gelten. Dagegen gehört Typha elatior 
Boreau (Guillem., Arch. de Bot., II, p. 399) zu Typha latifolia L. 

1) 1. c, p. 77—79. 

2) Catalog. plant, iq^ Helv. nasc, ecl. I, Bex, 1800, p. 59. 

3) So sicher es ist, dass Typha minor Sm. = Typha minima Funk-Hoppe — nebst den 
Citaten Lobel., Icon., angustifolia ß. L., macht Smith die Bemerkung: ex agro Genevensi habui 
— so wenig begreiflich ist es, dass schon Willdenow (1. c.) Typha minor Sm. für eine von 
Typha minima verschiedene Pflanze hält. Vielleicht war hiefür der Umstand massgebend, dass 
nur Smith ein Specimen der Typha minima von Dillen ins sah, nach ihm aber die Pflanze in 
England nicht wieder beobachtet wurde. 

■») Prodrom. Flor. Westphal., 1824, p. 274. — Völlig unbegründet hält ein Anonymus in der 
Flora, 1840, p. 79 Typha minor Smith für Typha media Clus. 



Monoj?iap]iie flftr Gattuns: Typha Tourn. 



97 



Im Jahre 1882 beschrieben Bory de Saint-Vincent et Chaubard 
(1. c, p. 29) abermals eine Typha media aus Griechenland, erkannten aber noch 
vor Abschluss des Bandes, dass ihre Art eine neue und unbeschriebene sei, dem- 
gemäss heisst es im Index anstatt Typha media-. Typha angustata. 

Es ist nun Zeit, der morphologischen Abhandlung über Typha latifolia 
zu gedenken, welche L. C. Eichard in Guillemin's Arch. de Bot., I, 1833, 
p. 193 squ. (pl. V) veröffentlichte. 

Richard betont, dass von den Hochblättern (folia floralia sub anthesi 
decidua) eines an der Basis der weiblichen Blüthengemeinschaft, eines an der 
Basis der männlichen postirt ist, und diese letztere ausserdem von 4—7 ab- 
wechselnden Hochblättern unterbrochen werde. Die Typha-lnüoTescenz be- 
zeichnet Richard (p. 194) als spadix duplex. Er gedenkt auch der Fälle von 
Typha latifolia, in denen die männliche und weibliche Gemeinschaft durch ein 
freies Zwischenstück des Triebes getrennt sind, wie für gewöhnlich bei Typha 
angustifolia. Anstatt aber die Hinfälligkeit des veralteten Kriteriums, an dem 
Manche leider noch immer festhalten, aus dieser Beobachtung zu folgern, 
äussert sich Richard: ideoque, an recte distinctae species, Typha latifolia et 
Typha angustifolia?, verkennt also Beider specifischen Werth. Ferner spricht 
Richard im Gegensatze zu Früheren, so Linne, und Späteren, so Schniz- 
lein (s. u.), den Haaren um die Staminen jede Beziehung zu denselben ab. 
Das Filament hält Richard (p. 195) für einen aus so vielen Filamenten ver- 
wachsenen Körper, als spitzenwärts Antheren wahrnehmbar sind. Jede Anthere 
soll eine einzelne männliche Blüthe andeuten, und hieraus ergebe sich die 
Analogie mit den Aroideen. Im weiblichen Blütenbereiche unterscheidet unser 
Autor nebst der tragenden Axe die miuuta et peculiaria receptaculi eminentia, 
Pedicellen oder secundären Achsen. Richard (p. 196) erläutert ferner die Stempel- 
blüthe von Typha latifolia durch Abbildung einer jungen Blüthe, Fig. E, 6. 
Das Bild erweckt treffend die Vorstellung, dass die ötempelblüthe von Typha 
einem zusammengefalteten Blatte entspreche. Die eminentia receptaculi heissen, 
da vom Fruchtstande die Rede ist, inconsequenter Weise paleae. Indem ich 
wegen der übrigen Details namentlich auf Richard 's Tafel verweise, erübrigt, 
seiner Darstellung der Keimung von Typha latifolia (p. 197) zu gedenken. 
Nach Richard öffnet sich zur Reifezeit das Pericarp (die Fruchtkuotenwand) 
mit einem Längsriss. Hiedurch wird der Same als gelbes, mit netzförmiger 
Aussensculptur versehenes Nüsschen entblösst. Eine Samenschale ist von dem 
Samen selbst nicht zu unterscheiden. Noch innerhalb des Pericarps keimt der 
Same, indem er spitzenwärts die radicula vorschiebt. Diese selbst wird durch 
den anwachsenden Cotyledon von dem Samen allgemach entfernt. Diese Dar- 
stellung ist, wie sich unten zeigen wird, wesentlich richtig. Nur entspricht 
das Keimen des Samens innerhalb der Fruchtknotenwand bei Typha lati- 
folia dem selteneren Vorkommen. Schliesslich hebt Richard nochmals her- 
vor, dass die einzelnen Antheren und Fruchtknoten von Typha ebensoviel 
Blüthen gleichwerthig sind, und hieraus die Verwandtschaft mit den Aroideen 
erhelle. 

Z. l;. (irs. i;, X\v(X. AI. Ii." 13 



M. Kronfeld. 



Im zweiten Bande von Guillemin's Archives (ebenfalls 1833) beschreibt 
Boreau, (p. 399) seine Typha elatior als vermeintlich neue Speeles, Bereits 
oben ist dieselbe als Synonym der Typha media Schi., d. i. Typha angustifolia 
erwähnt. Im gleichen Bande (p. 403) verzeichnet Delile die Entdeckung, dass 
Typha angustifolia einzelne Pollenkörner — grains du pollen simples globu- 
leux — , Typha latifolia und Typha minima dagegen Pollentetraden — le pollen 
compose de grains soudees quatre ä quatre — besitze. Hiemit war ein neues 
und wichtiges Kriterium der Typha -Arten erkannt. 

Anknüpfend an Richard ergeht sich Dupont^) im nächsten Jahre (1834) 
über die Morphologie von Typha. Dupont (p. 57) findet, dass die Achse im 
weiblichen Blütheubereiche einen kreisrunden, dagegen im männlichen Blüthen- 
bereiche einen oblongen, in die Breite gezogenen Querschnitt besitzt. Dupont 
(p. 58) macht ferner auf die unfruchtbaren weiblichen Blüthen aufmerksam, die 
Bichard vernachlässigte. Ferner zieht Dupont (p. 59) auch Typha angusti- 
folia in den Bereich seiner Untersuchung. Er stellt den Thatsachen gemäss 
fest, dass die Narbe von Typha angustifolia linear, jene von Typha latifolia 
lanceolat geformt ist, weiter, dass unter den weiblichen Blüthen der ersteren 
Art Spreublättchen (paleoles) von spateiförmiger Gestalt vorkommen. Dupont 
(p. 60) gibt schliesslich ein Resume der vorher ermittelten Unterschiede zwischen 
Typha latifolia und angustifolia. 

Endlicher's,2) wie Kunth's^) Besprechung des Genus Typha bringt 
kaum etwas Neues. Ja Schnizlein (1. c.) weist darauf hin, dass diese Autoren, 
wie nicht minder Nees v. Esenbeck,^) im Einzelnen Ungenauigkeiten be- 
gehen. Doch soll erwähnt werden, dass Kunth nach Typha latifolia, an- 
gustifolia und minima als „Speeles dubiae" anführt: Typha dominginensis 
Pers. mit der Bemerkung an Typhae angustifoliaeL. congenita?; Typha Brownii 
— „Typha angustifolia R. Br. (nec. non L.) an eadem ac Typha dominginensis?^ ; 
Typha tenuifolia Humb., Kth. — „Typhae angustifoliae similis?" ; Typha ele- 
phantina Roxb.; Typha truxillensis Humb., Kth. — „Typhae latifoliae proxi?na^'. 

1834 stellte Godron in seiner sorgfältigen Flore de Lorraine (II, p. 19, 
20) für Typha latifolia und angustifolia je zwei Varietäten auf. Typha lati- 
folia cc. genuina ist die normale Form mit bis zu 2 cm breiten Blättern und 
starkem Kolben, ß. gracilis ist eine schmalblättrige, zartere. Typha angustifolia 
«. genuina entspricht wieder der normalen Form mit unten halbcylindrischen 
Blättern, ß. eZaitor entspricht der Bönninghausen 'sehen Speeles, ist demnach 
die flachblättrige Typha angustifolia. Merkwürdig ist die Typha glauca Godron 's 
(p. 20), die seither nicht wiedergefunden wurde und Rohrbach nur in Frag- 
menten vorlag. Nach Allem scheint mir die Pflanze ein Bastard von Typha 
latifolia und angustifolia zu sein, ein Bastard, auf den neuerlich geachtet 



1) Observatious sur le Typha, Ann. des Scienc. natur., II. ser., I, 1834, p. 57—60. 

2) Genera plant., Vindob., 1836—1840, p. 1709. 

3) 1. c, Iii, 1841, p. 90—92. 

"») Gen. üor. german. icon, illustr. 



Monographie der Gattung Typha Toiirn. 



99 



werden sollte. Da die beiden Arten öfters untereinander wachsen, ist es 
naheliegend anzunehmen, dass Kreuzung vorkommt. 

Aus dem Jahre 1844 verdient Plee's^) genaue, von den Späteren nicht 
citirte Analyse der Typha minima hervorgehoben zu werden. 

In diese Zeit fällt auch die Beschreibung der Typha macranthelia Barker- 
Webb et Berthelot 2) von den Canaren. Nach Rohrbach 3) gehört dieselbe zu 
der guineischen Typha ausiralis, Vf^Xoh^ Schumacher und Thonning*) im 
Jahre 1829 aufgestellt hatten und die von Eohrbach als Varietät ß der Typha 
angnstifolia bezeichnet wird. Indess darf die Pflanze als Unterart von Typha 
angustifolia angesehen werden. 

1844 wurde auf europäischem Boden eine neue Typha entdeckt. Es ist 
Typha Shuttleivorthii Koch et Sonder (Synops. flor. germ., ed. II, II, p. 186). 
Die wohl charakterisirte Art wurde zuerst in der Schweiz, an der Aar bei Bern 
und Aarau, beobachtet. Man hielt sie bis in die sechziger Jahre für eine in 
Helvetien endemische Art. Allein seitdem wurde die Pflanze in Baiern, Würtem- 
berg, Steiermark, Ungarn und Siebenbürgen, südlich in der lombardischen 
Ebene angetrolfen.^) Merkwürdig ist, dass eine nächstverwandte Species, Typha 
orientalis Presl. (EpimeJ. botan., 1849, p. 239), erst wieder an der Ostküste 
Asiens, nämlich in China und auf den Philippinen vorkommt. 

1845 erschien Schnizlein's monographische Bearbeitung der Typhaceen 
(Typha und SparganiumJ unter dem Titel: Die natürliche Pflanzenfamilie der 
Typhaceen, mit besonderer Rücksicht auf die deutschen Arten. Ich nehme 
selbstverständlich nur auf jene Ausführungen Schnizlein's Rücksicht, welche 
Typha angehen. 

1. Beschreibung der Typha angustifolia (p. 4- 9). Die Pflanze besitzt 
keine echte Wurzel, sondern einen unterirdischen Stengel (Rhizom) mit un- 
gefähr V2 Zoll langen Internodien. Betreffend die Verzweigung dieses Rhizomes, 
ist es eine vorzugsweise regelmässige Erscheinung, dass sich an dem laub- 
tragenden Ende der Achse aus den Achseln etwa vorjähriger Blätter zwei seit- 
liche Knospen und daraus Zweige entwickeln, deren einer nach einem gewissen 
Zeitverlauf eine Blütenaxe treibt, hiemit sein Endwachsthum erreicht und sich 
dann nur aus den seitlichen grundständigen Knospen fortsetzt: Der Blüthen- 
stengel ist ein seitlicher Zweig an der Achse des vergangenen Jahres. Der 
Laubtrieb eines Jahres besteht aus 8 — 12 zweizeiligen Laubblättern und eben- 
sovielen Niederblättern. Die Laubblätter haben fast ein Dritttheil ihrer ge- 
sammten Länge betragende Blattscheiden, welche einander mit den Rändern 
decken. „Eine merkwürdige Eigenschaft ist, dass sich die Blätter gleichmässig 



1) Types de chaque famille etc., Paris, 1844, pl. 30. 

2) Histoire natur. des lies Canaries, III. Sect., III, Paris, 1836—1850, p. 291, pl. 218. 
^) 1. c, p. 84. 

«; Danske Vidensk. Selsk. Afhandl., IV, 1829, p. lO.ö. 

Typha f^hnfihviorthii Send., Plant. Preiss., II (1846—1847), p. 3 und Plant. Müellerian. 
I.innaea, 18.56, p. 22 sind heide mit der obigen nicht identisch; sie stellen eine eigene austra- 
lische Species: Typha Muelleri dar. 

13* 



100 



M. Kronfeld. 



nach einer Seite drehen, nämlich mit der Innenfläche (exostrept) um 1 bis 
lV2i3aal auswärts wenden." Unten werden wir sehen, dass diese biologisch 
wichtige Eigenschaft, die schon Schnizlein erkennt, das Blatt von Typha 
(im Sinne Kerner's) zu einem gegen den Wind widerstandsfähigen „Dreh- 
blatt" macht. 

Im Gegensatze zu den früheren Autoren, namentlich Richard und End- 
licher, findet Schnizlein, dass der Blüthentrieb (Schaft) von Typha angusti- 
folia aus mehreren Internodien (Interfolien) besteht, von denen das oberste 
fünf- bis sechsmal länger ist, als das nächst untere, und von der Scheide seines 
Blattes bis zur Hälfte seiner Länge umfasst wird. An den nun folgenden 
4 — 5 Zoll langen Internodien — die Zahl derselben wird nicht angegeben ^) — 
sitzen wagrecht abstehende, zugespitzte Stielchen (Blüthenstielchen, pedicelli) 
und auf diesen erst die weiblichen Blüthen. Die pedicelli sind jene secundären 
Auszweigungen der weiblichen Inflorescenzachse, auf welche Richard zuerst 
aufmerksam machte; freilich nannte er sie eminentia peculiaria und gleich 
darauf, durchaus untriftig, paleae. Schnizlein entgeht, dass einzelne weib- 
liche Blüthen auch unmittelbar auf der Hauptachse entspringen. Dagegen gibt 
der Autor richtig an, dass jede Pedicelle vier bis sechs kleine Absätze hat und 
an den unteren fruchtbare, an den oberen unfruchtbare Blüthen trage. Jedem 
Blüthchen wird ein Deckblatt (bractea) — Dupont's pale'ole — zugeschrieben. 
„Auch am Grunde jedes Stielchens scheint ein allgemeines Deckblatt (Tragblatt) 
unmittelbar an der Blüthenachse zu stehen, doch ist dies sehr schwer zu be- 
stimmen, weil die Gestalt fast dieselbe ist, und das dichte Beisammenstehen 
Unsicherheiten mit sich bringt." Die 50—60 Haare am Grunde des gestielten 
Fruchtknotens glaubt Schnizlein als Blüthenhülle ansehen zu müssen, ledig- 
lich aus dem Grunde, weil sie „unterhalb des Fruchtknotens an dessen Basis 
und zum Theil auch an den Stiel hinangewachsen sind." Das Ovulum wird 
umgebogen, anatrop im heutigen Sinne, genannt. Die unfruchtbaren Blüthen 
werden als keulenförmige, oben zugespitzte Körperchen beschrieben. 

Der männliche Blüthenstand setzt sich aus 2 — 3, im Jugendzustande 
durch schnell abfallende Blätter (Hochblätter) markirte Glieder zusammen. Die 
Aufblühefolge der unmittelbar an der Achse sitzenden männlichen Blüthen ist 
von unten nach oben gerichtet. Um sie herum finden sich bandförmige und 
gabelig getheilte Haare, die abermals eine Blüthenhülle ausmachen sollen. Die 
Staubblätter entspringen gewöhnlich zu dreien (seltener einzeln, paarweise oder 
zu vieren) auf einem entsprechend dreispaltigen Träger. Die Antheren sind vier- 
fächrig. Dadurch, dass die männlichen Blüthen abtrocknen und der Stiel der 
Fruchtknoten sammt den Haaren nach der Anthese bedeutend heranwächst, er- 
hält die Inflorescenz zur Zeit der Fruchtreife ein sehr verändertes Ansehen. 



1) Dietz (lieber die Entwicklung der Blüthe und Pruclit von Sparganium und Typha. 
Cassel, 1887) reclinet ein Internodium auf den weiblichen Blütlienstand von Typha. Ich selbst 
beobachtete in teratologisclien Fällen zwei Internodien (lieber den Blütlienstand der Rohrkolben. 
Aus dem XCIV. Bande der Sitzb. der kais. Akad. d. Wissensch., I. Abth., December-Heft, Jahrg. 
1886, S. 78—109. Mit 1 Tafel und 2 Holzschnitten). 



Monographie der Gattuu}? Typha Tourn. 



101 



Die leicht ablösbare Fruchtbülle schliesst einen gelben Kern (Samen) ein. 
Die Schale ist gestreift, fein warzig; sie umschliesst ein mehliges Eiweiss, in 
dessen Mitte der grosse Embryo liegt. Derselbe ist an dem nach oben ge- 
richteten Ende etwas verdickt. „Im letzten Vierttheil seiner Länge nächst dem 
verdickten Theile zeigt sich beim Hin- und Herwälzen und sanftem Drücken 
eine nach der Spitze des Keimes hin gerichtete parabolische Spalte." 

Ich übergehe die veralteten anatomischen Angaben und bemerke, dass 
Schnizlein die Anzahl der weiblichen Blüthen an einer Inflorescenz von 
Typha angustifoUa schätzungsweise auf 100.000 berechnet, von denen beiläufig 
nur ein Sechstel reife Früchtchen ergeben sollen. 

Weiter gibt Schnizlein eine Uebersicht der verschiedenen Ansichten 
über die Stellung der Typhaceen im natürlichen System. Selbst will Schniz- 
lein die Typhaceen (Typha — Sparganium) als natürliche Gruppe zwischen die 
Cyperaceen und Pandaneen gestellt wissen. Ordnete man die Typhaceen den 
Aroideen unter, so ging man von der Betrachtung der Inflorescenz als spadix 
(Kolben) aus; dahingegen habe Typha „jedenfalls einen spadix compositus, so- 
wohl in Beziehung auf die gestielten weiblichen Blüthen, als auf die männ- 
lichen, welche spadices* superpositi sind. Am besten wird es sein, zu sagen bei 
Typha: inflorescentia cylinclracea, und bei Sparganium: inflorescentia glo- 
hosa.^ Auf Grund einer Abnormität bei Typha angustifoUa, bei welcher zwei 
weibliche Kolben vorhanden waren und der eine der Länge nach von einer 
blüthenfreien Zeile unterbrochen erschien, vermuthet Schnizlein, dass der 
Blütheustand von Typha „eine an die Achse dicht verwachsene Rispe (pani- 
cula spicaeformis)" sei. Auf diese speculative Deutung wird noch unten zurück- 
gekommen werden. Doch sei gleich hier erwähnt, dass Döll^) und Ascher- 
son2) Schnizlein's Deutung der T?/2>7ia-Inflorescenz wesentlich acceptirten. 

Demnach erhält Typha (p. 24) die folgende Gattungsdiagnose: 

Perianthium setaceum. Stamina monadelpha vel plus minus 

solitaria. Germina foecunda suh anthesi breviter stipitata elongata, 

abortivis intermixta. 

F TU et US caryopsideus stylo stigmateque longe stipitatus, 

ellipticus, stipite inferne piloso. Semen ellipticum testa membranacea. 

Die Arten selbst bringt Schnizlein (p. 24, 25) in zwei Unterabthei- 
lungen: Species ebracteatae und Species bracteatae. Obwohl bloss von einem 
Merkmale, dem Fehlen oder Vorhandensein der Deckblätter (bracteae) im 
weiblichen Blüthenstande, hergenommen, erlaubt diese Eintheilung die näher 
verwandten Arten beisammen zu behalten, sie ist eine natürliche. Indem ich 
für bracteae, wegen der Zartheit und Kleinheit der Gebilde bei Typha, brac- 
teolae setze, halte ich auch unten an den Tribus ebracteolatae und bracteo- 
latae fest. 



1) Flora des Grossherzogthumes Baden, Carlsruhe, 1857, 1, S. 445. 
Flora der Provinz Brandenburg, 1864, S. 674. 



102 



M. Krön fei fl. 



Folgende sind die von Schnizlein anerkannten Arten: a) Species 
ebracteatae: 1. Typha latifolia L. (in Typha glauca Godr. wird Typha 
Shuttleiüorthii vermuthet), 2. Typha Shuttleworthii Koch (sollte heissen Koch et 
Sond.); bj Species bracteatae: 3. Typha angustifolia L. [Typha elatior Bön- 
ningh. wird für synonym erklärt), 4. Typha aequalis Schnizl. (eine mit Typha 
angustata Bory et Chaub. identische Art), 5. Typha minima Funk (als Syno- 
nyma: elliptica Gmel., intermedia Schleich., media Cand., nana Ave-Lall. ^). 
Endlich Kunth's species dubiae: Typha dominginensis Pers., Typha Brownii 
Knth., Typha tenuifolia, truxillensis H. et K., Typha elephantina Roxb. 

Schnizlein's Abbildungen, derselben noch in Kürze zu gedenken, sind, 
was Habituszeichnungen und Analysen betrifft, von bleibendem Werthe. 

Ebenso findet sich eine treffliche Analyse der Typha latifolia bei Spach, 
Hist. nat. d. veget., 1840, PI. 93, 2. 

Von Wichtigkeit sind die Reicbenbach'schen Icones^) des Jahres 
1847, in welchen auf Tab. 319—323 mehrere Arten und Formen von Typha 
zur Darstellung gelangen. Diese sind: 1. Typha minima (Tab. 319) nebst der 
Form nana Ave-Lall. 2. Typha gracilis (Tab. 320), bei welcher irrthümlich 
Suhr statt Schur als Autor genannt ist. (Sie entspricht, wie SchurRohrbach^) 
mittheilte, nicht der sieben bürgischen Pflanze und ist vielmehr Typha elatior 
Bonn in gh. gleich werthig, wurde auch unter diesem Namen von Reichen- 
bach später „aus dem Teiche bei Moritzburg" ausgegeben.) 3. Typha angusti- 
folia (Tab. 321). 4. Typha Shuttleivorthii (Tab. 322). 5. Typha latifolia (Tab. 323). 
Einzelnes aus Reichenbach's Bildern trägt nicht dem thatsächlichen Ver- 
halten Rechnung. So wird die unfruchtbare Blüthe auf Tab. 320, c für eine Narbe 
erklärt, die Oberfläche des Pollenkornes auf Tab. 321, G unrichtig abgebildet, auch 
sind die Bilder der Keimpflanzen, ebenda J und Tab. 323, M, nicht ganz zu- 
treffend. 

Jordan^) beschrieb 1849 eine neue Typha- Art von Lyon unter dem 
Namen Typha gracilis, den er zwei Jahre später, dem Entdecker zu Ehren, 
selbst durch Typha Martini ersetzte. Nächstverwandt mit Typha minima, 
lässt sich Typha Martini als eine von jener auf dem Wege der Asyngamie ab- 
gezweigte Art auffassen. Sie blüht im Herbste, Typha minima dagegen im 
Frühlinge; sie hat an den Blüthentrieben ausgebildete Laubblätter, Typha mi- 
nima dagegen bloss Niederblätter. Diese Unterschiede wiegen schwer genug, um 
in Typha Martini eine eigene Art zu erkennen. Die Typha minima ß. serotina 
Grenier's (Flore de la Chaine Jurassique, I, 1865, p. 813) ist mit derselben 
synonym. Dagegen gilt dies ebenso wenig von Typha Martini Thomson Herb. 
Kew., als von Typha Laxmanni Franch. (Plantae Davidianae, 1884, p. 312); 



1) Letztere als Species von Ave-Lallemant (De plant. Ital. et Germ., 1829, p. 19) 
beschrieben. 

*) Icones florae German, et Helv., IX. 

1. c, S. 84. Schur mag sich nachträglich eines Anderen besonnen haben. In seiner Enum. 
plant. Transsilv., 1866, p. 637 ist die Rei c h e n b a c h'sche Abbildung zu Ttjpha gracilis citirt. 

*) Observations, VII, Fragm., 1840, p. 43. Idem, adnotat. Hort., Grafcionopolit., 1851. 



Monographie der Gattung Typha Tourn, 



103 



die erstere stimmt mit Typha Laxmanni Lepecb. (uoii auct.) überein, die 
letztere bildet eine eigene Varietät der Typha Martini, die icb var. ß. Sclmiz- 
leinii nenne. 

Sonder's Flora Hamburgensis, 1851, fübrt (p. 507) als var. ß. von Typha 
angustifolia die Form mit genäberten Blüthengemeinschaften, als var. y. von 
Typha latifolia (p. 508) die Form mit getrennten Blüthengemeinscliaften an, 
bringt weiters diagnostische Bemerkungen über Typha glauca und Typha 
Shuttleivorthii. 

In demselben Jahre veröffentlichte Schur^) seine „Beiträge zur Kennt- 
niss der Entwickelungsgeschichte der Gattung Typha'\ eine ausführliche, wie 
es scheint unabhängig von Schnizlein gearbeitete Abhandlung über Typha 
latifolia und angustifolia. Dass Schur sich überhaupt mit Typha angelegent- 
lich beschäftigte, geht aus den von ihm aufgestellten, inzwischen freilich ein- 
gezogenen Arten der Enum. plant. Transs. ebenso hervor, wie aus seinen Notizen 
im Berliner Herbar. 

Schur 's Arbeit, die eher den Titel führen sollte: Beiträge zur Morpho- 
logie der Gattung Typha, enthält zunächst detaillirte Angaben über Typha 
latifolia. „Die Blüthen sind eingeschlechtig, nackt, aber von Borsten (setae 
hypanthae) umgeben. Die männlichen Blüthen sind gestielte, zweifächerige 
Anthereu (antherae biloculares), wo jedes Fach durch eine Längsfurche in zwei 
unvollständige Fächer getheilt ist (subquadrilocellatae) und in zwei Längs- 
furchen sich öffnet". Das Eichen ist ein hängendes (Ovulum pendulumj. Die 
Frucht ist ein Schliessfrüchtchen (achaenium) mit häutiger Fruchthülle, der 
Same umgekehrt (inversum) (S. 179, 180). Ferner hebe ich Schur 's Bemer- 
kungen (S. 187) über den Blüthenstand von Typha im jugendlichen Zustande 
hervor. „Zur Blüthenknospe gehören vier scheidenartige Blätter, die in doppelter 
Ordnung, nämlich äussere und innere Scheiden, auftreten. Aus dem obersten 
Blatte nämlich erhebt sich der Blüthenstand, welcher in die bauchige Scheide 
dieses Blattes eingehüllt war, in Form eines Cylinders, mit einem kleinen Schöpfe 
an der Spitze, Dann finden wir an der Basis des Blüthenstandes oder der 
weiblichen Abtheilung zwei gegenüberstehende Scheiden, von denen die innere 
zarter und nur halb so lang als diese Abtheilung, während die äussere consi- 
stenter und so lang ist, dass sie nicht nur die männliche und weibliche Ab- 
theilung des Blüthenstandes einhüllt, sondern mit einer blattartigen Ver- 
längerung noch darüber hinausreicht. An der Basis der männlichen Abtheilung 
befindet sich ebenfalls eine zarte Scheide, welche diese gänzlich einhüllt; ausser 
diesen Hauptscheiden bemerken wir noch mehrere zarte, gelbliche häutige Neben- 
scheiden, welche die männliche und weibliche Abtheilung in unbestimmter An- 
zahl unterbrechen, und welche die unentwickelte Aehre theilweise einhüllen." 
Nachdem Schur also auf die Zusammensetzung der T^/i^/ia-Iuflorescenz aus 
mehreren Internodien Gewicht gelegt, macht er den Versuch, dieselbe auf die 



') Verhandl. des siebenb. Vereins f. Naturw. zu Hermannstadt, II, 18.51, S. 177—19.5, 198 
bis 208, Tab. I, II. 



104 



M. Kronfeld. 



Sparganium-lntiovescenz zurückzuführen. Er sagt S. 191: „Wenn die junge 
Blüthenknospe von Typha der Länge nach durchschnitten wird, so bemerkt man 
im Innern deutlich die Punkte, wo äusserlich die Scheiden ihren Sitz haben. 
Jedes dieser Gelenke nähert sich der Kugelform, und denken wir uns diese 
kugelförmigen Stücke auseinander gezogen und jedes durch ein Blatt unterstützt, 
so haben wir den Blüthenstand von Sparganium." Mit Hinweis auf diese Stelle 
habe ich in meiner Schrift über den Blüthenstand der Rohrkolben^) die Ver- 
wandtschaft der Schur 'sehen Hypothese mit jener von Celakovsky^) nach- 
gewiesen und der Schnizlein 'sehen Rispentheorie die Schur-Celako vsky- 
sche Sparganium-Theone gegenübergestellt. 

Die Ti/pha-Blüthe^\ nennt Schur (S. 191) nackt. Er vergleicht die Haare 
der weiblichen und vornehmlich der männlichen Inflorescenz mit den Antheren- 
trägern und bemerkt, dass zwischen diesen Borsten und den Blüthen selbst ein 
morphologischer Zusammenhang stattfindet, ferner dass diese borstenförmigen 
Organe bald als solche, bald als Blüthe auftreten können. An der weiblichen 
Blüthe (S. 198) wird ein gynophorum, ein germen, ein stylus und eine stigma 
unterschieden. Auch wird die weibliche Blüthe speculativ mit einem Blatte 
analogisirt (S. 199). „Das ganze Blatt ist der Länge nach zusammengefaltet 
und mit den Rändern verwachsen, welche Verwachsung durch eine Linie längs 
der einen Seite der Pruchthülle noch erkennbar ist. Die Fruchthülle entspricht 
nämlich der Blattscheide, der Grififel und die Narbe der Blattfläche, und an 
dem Punkte, wo sonst Blatt und Scheide sich berühren, hier aber der Grijffel 
seinen Anheftpunkt hat, entspringt die Samenknospe auf einem Stielchen.* 
Obwohl speculativ ausgesprochen, findet diese Deutung Schur's, vorzüglich in 
teratologischen Thatsachen (s. u.), neuerlich Bestätigung. 

Beim Keimen bleiben nach Schur (S. 201) alle Theile der Frucht 
in Verbindung. Der Same ist durch den Samenträger in Connex mit dem 
Pericarp. Die Samenschale öifnet sich mit einem kreisförmig abgeschnittenen 
Deckel, welcher an der einen Seite vermittelst einer Faser an der Samenschale 
und zugleich auch an dem Cotyledon hängen bleibt. Mit fortschreitendem 
Wachsthum des Cotyledons verdickt sich das Wurzelende und spitzt sich all- 
mälig zu, um zur Hauptwurzel zu werden. Die Nebenwurzeln (radices adven- 
titiae) bilden einen Kranz an der verdickten Stelle. Ist der Cotyledon aus- 
gewachsen, so entwickelt sich in seiner Achse die erste Knospe zur Plumula 
oder zum Stengelchen, welches denselben in der Nähe der Basis durchbricht 
und an das Licht tritt. 

Mit Ausnahme Agardh's (Aphorismi botanici, pars X, 1823, p. 139), 
welcher aus dem Genus Typha eine eigene Ordnung TypMnae gebildet und 
Sparganiurn zu den Najadeae gestellt hatte, vereinigten alle früheren Autoren 
Typha und Sparganium zu einer Familie oder Subfamilie, den Typhaceen. 
Schur gebührt das Verdienst, Typha mit seinen besonderen Charakteren aber- 



1) 1. c, p. 11. 

2) Ueber die Inflorescenz von Typlia. Flora, 1885, Nr. .35, 



Monographie der Gattung Typha Tourn. 



105 



mals zu einer eigeueu Familie erbobeu zu haben (S. 204). Schur lässt den 
Typhaceen die Cyperaceen, diesen die Sparganiaceen, dann die Aroideen folgen. 

Schur 's Werth voller Abhandlung sind zwei Tafeln mit 58 Einzelfiguren 
beigegeben. 

1853 erschien eine Arbeit über Typha von Michailow (mit zwei Tafeln) 
in russischer Sprache. Ich bedaure, dieselbe nicht zu Gesichte bekommen zu haben. 

1854 stellte Schnizlein bei Zollinger ^) eine Typha javanica auf, 
ohne dieselbe zu beschreiben. Erst Rohrbach 2) gab eine genaue Diagnose. 
Von MiqueF) und Anderen ist Typha javanica mit Unrecht TypJia angusti- 
folia untergeordnet worden. 

In demselben Jahre glaubte Bertoloni (Fl. Ital., Vol. X, p. 26) eine Form 
von Typha minima mit distanten Bliithengemeinschaften als eigene Varietät ß. 
aufstellen zu müssen. Ambrosi^) sprach der Typha angustifolia das Arten- 
recht ab und erklärte sie für eine Varietät (ß. minor) von Typha latifolia. 
Typha minima Hess dieser Autor als Art gelten. 

Godron und Grenier's Flore de France (1855, III, p. 334) nennt Lyon und 
Le Var im südöstlichen Frankreich als Standorte der Typha Shuttleworthii. 1859 
gab Herbich^) das Vorkommen der Pflanze in der Bukowina irrthümlich an (s. u.). 

In seiner Sylloge Fl. Europeae (1854—1855, p. 388) betrachtet Nyman 
Typha angustata B. et Chaub. fälschlich als Unterart von Typha latifolia, und 
citirt zu Typha glauca Godr. Wo od 's Tour. flor. (London, 1850), während die 
Art seit 1843 bekannt war. 

1856 führte Sonder (1. c.) eine Typha Shuttleworthii von Australien auf, 
welche nach Rohrbach eine eigene Art, Typha Jf^eZZm, vorstellt. 

Die erste Entwicklungsgeschichte der T^/p/ia-Blüthe gibt Payer in 
seinem berühmt gewordenen Traite d'Organogenie comparee de la fleur (Paris, 
1857), p. 691, PI. 139, Fig. 26—30. Nach Payer, der im Besonderen Typha 
angustifolia abhandelt, erheben sich an der Achse der weiblichen Inflorescenz 
Protuberanzen, die zu langen, oben offenen Röhrchen, den Fruchtblättern, aus- 
wachsen. Später wird die Mündung derselben durch ungleichseitiges Wachs- 
thum schief. An der niedrigen Seite zeigt sich zugleich eine Spalte. Im Innern 
des Fruchtblattes, nahe der Basis, entsteht an der Wandung desselben (Fig. 29) 
das Ovulum. Die Haare an der Basis des Fruchtblattes vergleicht Payer mit 
jenen von Eriophorum. 

1858 beschrieb Büffet^) Längsspaltungen des Fruchtkolbens von Typha, 
wie ich sie in meiner oben citirten Schrift auf Spannungsdilferenzen in be- 
feuchteten und dann wieder austrocknenden Kolben zurückführte, ferner Wieder- 
holungen des weiblichen Kolbens. 



•) Verzeichniss der im ind. Archip. ges. Pflanz., S. 77. 

1. c, S. 08. 
') Fl. Ind. Batavae, III, 1855, p. 173. 
♦) Fl. tirol. austral., I, 1854, p. 797. 
*) Flora der Bukowina, 1859, S. 98. 

«) Sur des epis monstreux de Typha. Bullet, de la Soc. botan. de France, V, 1858, p. 758. 
Z. B. Ges. B. \X\IX. Abh. 14 



106 



M. Kronfeld. 



Costa'-) stellte 1864 eine schmalblättrige Form der Typha latifoUa Yom 
Besos-Ufer bei Barcelona als neue Art: Typha Bethulona auf. 

Seemann in seiner Flora Vitiensis (London, 1865—1873), p. 280, reihte 
Typha unter die Pandanaceen ein und beging den Fehler, zu Typha angusti- 
folia L.: Typha damiattica Ehrb. (= Typha angustata), Typha angustata B. 
et Chaub., Typha javanica Schnizl., Typha Shuttleivorthii Koch et Sond., 
Sond., PI. Preiss., also sehr verschiedene Pflanzen zu citiren. 

1866 sah sich Celakovsky 2) veranlasst, eine im böhmischen Museums- 
herbar aufliegende Typha Laxmanni — angeblich von Barbieri bei Mantua 
gesammelt — als neue Species : Typha juncifolia zu beschreiben. Der genannte 
Standort beruht gewiss auf einem Irrthum; die in der Dobrutscha ihre westliche 
Grenze findende Pflanze ist von Neuem in Italien nicht wieder beobachtet worden. 

In demselben Jahre fasste Grisebach^) Typha dominginensis als Varie- 
tät der Typha angustifolia auf. 

Miquel gab in seiner Prolusio Fl. Japonicae (1866—1867), p. 324, die 
Diagnose der Typha japonica, die ich, aus unten zu erörternden Gründen, zu 
Typha orientalis Presl ziehe. 

Eine Uebersicht der ostindischen 2'ypha- Arten — abermals den Pan- 
danaceen eingereiht — verfasste 1867 Kurz.^) Kurz bespricht als indische 
Arten: Typha elephani ina ^oxh., Typha latifoliaL., Typha angustifolia (statt 
angustata; mit denselben Synonymen wie Seemann), Typha minima Funk und 
als Species dubia Typha Bungeana Presl (1. c.) eine zu Typha minima ge- 
hörige Form. 

Eohrbach's wichtige Arbeit über Typha erschien 1869 im XI. Jahrg. 
der Verhandl. d. botan. Ver. für Brandenburg (S. 67—104, mit zwei Tafeln). Sie 
führt den Titel: Ueber die europäischen Arten der Gattung Typha, und sollte 
nach dem Plane des wissenstüchtigen, zu früh verblichenen Autors, eine Mono- 
graphie der Typhaceen {Typha— Sparganium) vorbereiten. 

Kohrbach (S. 68) gibt an, dass die Achse erst nach Bildung der Laub- 
blätter und der die Inflorescenz unterbrechenden Hochblätter zur Entwicklung 
der Blüthen schreite, im Gegensatze zu Bayer, welcher die Blüthenanlagen an 
den noch unterirdischen Trieben beobachtet haben wollte. Sowohl männliche 
als weibliche Blüthen werden im ganzen Umkreise der Achse durch Höcker, 
welche in Eingzonen hervortreten, angebahnt; erstere in akropetaler, letztere in 
basipetaler Eichtung. Die weiblichen Blüthenanlagen (S. 69) „werden entweder 
zu Einzelblüthen, oder zu Blüthenzweigen; beide stehen völlig regellos durch- 
einander. Die zu Zweigen werdenden entwickeln erst in akropetaler Folge zwei- 
zeilig gestellte Seitenhöcker, die dann selbst denselben Entwicklungsgang wie 
die Einzelnblüthen verfolgen. Dieselben bilden zuerst an ihrer Basis eine un- 
bestimmte Anzahl Haare, die man als Stellvertreter eines Perigons deuten muss". 

1) Introd. ä la Flore de Cataluna, 1864, p. 251. 

2) Lotos, XVI, p. 147—150. 
Catalog. plant. Gubens., p. 220. 

Bei Seemann, Journ. of Botany, V, p. 94 ff. 



Monogniphie der Gattung Typha Touni. 



107 



Rohrbach fasst somit die Haare am Grunde der weiblichen Blüthe, ebenso wie 
Sehn iz lein, als Perigon auf und findet, dass die Blüthen auf den Pedicellen 
zweizeilig erscheinen. Dagegen wird den Haaren in der männlichen Blüthen- 
gemeinschaft jede Beziehung zur Blüthe abgesprochen. Was die männliche 
Blüthe selbst betrifft, so stellt Rohrbach die wichtige Thatsache fest, dass 
dieselbe „ein in Bezug auf die relative Blüthenachse terminales, einfaches oder 
verzweigtes Staubgefäss", oder anders gesagt, einem Caulome gleichwerthig 
ist. ^) In der Folge erfuhr diese Angabe öftere Bekämpfung, namentlich von 
Jenen, welche ein künstliches Schema in die Natur tragend, die Phanerogamen- 
blüthe durchaus auf das Phyllom zurückzuführen bestrebt sind. Demnach 
treten Hieronymus 2) und Strasburger 3) überhaupt der Ansicht entgegen, 
dass Caulome Pollen erzeugen können. Schenk 4) und neuestens Dietz^) 
machen speciell gegen Rohrbach 's Deutung entwicklungsgeschichtliche Gründe 
geltend. Magnus 6) leitet die Typha -Antheve speculativ aus der Verwachsung 
mehrerer seitlicher Pollenblüthen her. Allein Warming ') hält das Vorkommen 
pollenerzeugender Caulome für sicher, und GoebeP) findet, dass bei Typha 
— „ganz abgesehen von jeder Deutung" — die männliche Blüthe wirklich aus 
der Verzweigung des Primordiums entstanden zu denken ist. Ich selbst werde 
zu dem kritischen Gegenstande unten Stellung nehmen. 

Die Eintheilung der Typ/ia -Arten in Speeles bracteatae und ebracteatae 
gibt Rohrbach (S. 70) auf, da ihm dieselbe „nicht ganz natürlich* scheint. 
Gemäss derselben würden beispielsweise Typha Laxmanni und latifolia bloss 
nach dem Habitus zu unterscheiden sein und übrigens dicht neben einander 
stehen. Ich nehme die Schnizlein'sche Eintheilung auf, weil eine natürliche 
Gruppirung der Typhen nach derselben denn doch möglich ist. Wir können 
sämmtliche Arten in zwei Gruppen bringen: die Bracteaten und die Ebracteaten. 
In beiden Gruppen entspricht einem habituell grössten Vertreter ein habituell 
kleinster; hier der Typha latifolia die Typha Laxmanni, dort der Typha 
dominginensis die Typha minima. Rohrbach benützt als obersten Einthei- 
lungsgrund die Verschiedenheit im Fruchtbau der Typhen (S. 71). „Man wird 
nämlich bei genauer Vergleichung leicht bemerken, dass die reifen Früchte 
sämmtlicher Arten mit Ausnahme derer von Typha Laxmanni, Typha minima 
und einer neuen Art Armeniens — Typha Haussknechtii Rohrb. — eine Längs- 
furche (die Verwaclisungsstelle der Ränder des Fruchtblattes) besitzen, in welcher 
sie, in Wasser gelegt, alsbald aufspringen. Bei Typha Laxmanni und minima 
dagegen hat die Frucht keine Längsfurche und öffnet sich, in Wasser gelegt, 

•) Von Rohrbach selbst schon früher in den Sitzungsber. der Gesellsch. naturf. Freunde 
zu P.erlin, 18f>9, S. 3.5 mitgetheilt. 

») Botan. Zeitung, 1872, S. 171, 187. 

») Die Conifereu und die Gnetaceen, 1872. 

*) Bei Sachs, Lehrbuch, 4. Aufl., 1884, S. 525. 

*) 1. c, S. 11. 

«) Beiträge zur Kenntniss der Gattung Najas, 1870, S. .34. 

^> Untersuchungen über Pollen bildende Phyllome und Kaulorae, 1873. 

9) Botanische Zeitung, 1882, R 405 und Anm. 3, S. 406-407. 

14* 



108 



M. Kronfeld. 



nicht. Es ist nämlich hier der Same mit dem Pericarp vollständig verwachsen, 
während bei den anderen Arten eine derartige Verwachsung nicht stattfindet." 
Abgesehen nun davon, dass der Rohrbach 'sehe Eintheilungsgrund die Arten 
in zwei ungleiche Sectionen bringt, ist derselbe nicht richtig. Bei Typha Lax- 
manni fand ich, dass nach langem Liegen im Wasser das Pericarp, ganz wie 
bei den übrigen Arten, mit einer Längsfurche aufspringt und der Same völlig 
frei wird (s. u.). 

Als Kriterien bei der Unterscheidung der einzelnen Arten verwendet 
Rohrbach (S. 71—72): 1. Die Gestalt der Narben, 2. das Vorhandensein oder 
Fehlen von Tragblättern, 3. das Längenverhältniss zwischen den Narben, den 
Perigonhaaren und den Fruchtblättern zur Zeit der Fruchtreife, 4. die Gegen- 
wart oder das Fehlen von Haaren auf der männlichen Blüthenachse, 5. die Art 
des Pollens, 6. den anatomischen Bau des Samens, 7. den Querschnitt des Blattes 
an der Trennungsstelle von den Scheiden, 8. die Gestalt und Färbung der 
Perigonhaare in der weiblichen Blüthe. 

Gemäss der modernen anatomischen Richtung in der Systematik legt 
Rohrbach (S. 72) auf den anatomischen Bau der Samenschale, im Besonderen 
auf die Verdickungsweise und die Ausmessung der Zellen in der „Maschen- 
schichte" (äussere Zellreihe der testa) das grösste Gewicht. Mit anerkennens- 
werthem Fleisse hat Rohrbach die Unterscheidung der Typha- krt^n nach dem 
Bau der testa ausgearbeitet. Indess glaube ich — so hohe Achtung ich vor der 
anatomischen Richtung im Allgemeinen und vor Rohrbach's Untersuchungen 
im Besonderen hege — dass dieser Autor in dem angedeuteten Punkte zu weit 
gegangen ist. Davon zu schweigen, dass Bentham^) Rohrbach's Merkmal 
„a histological character of no practical use" nennt, und Floristen von der Bedeu- 
tung eines Boissier^) desselben nicht weiter gedenken, liegt meines Erachtens 
etwas Gezwungenes darin, imposante Pflanzenformen gleich den Rohrkolben nach 
einem minutiösen Detail unterscheiden zu wollen, welches — vorausgesetzt die 
gelungene Herstellung des Präparates — im besten Falle bei mehrhundert- 
maliger Vergrösserung zur Ansicht gebracht werden kann; Rohrbach's Bilder 
sind bei 844facher Vergrösserung abgezeichnet. Man braucht kein Freund jener 
Botaniker zu sein, die in der Taschenlupe ihr einziges Werkzeug für die Bestim- 
mung der Pflanzen haben; gerade die Gattung Typha macht die Verwendung 
eines einfachen Mikroskopes nöthig. Allein mit diesem wird man, wo es nur 
auf Erkennen der Species ankommt, völlig ausreichen. Demgemäss habe ich 
davon Abstand genommen, die anatomischen Details der Maschenschichte bei 
der Diagnose der einzelnen Arten anzuführen. Ohnedies ist Rohrbach (S. 94) 
die Anatomie der testa von Typha minima „in manchen Punkten unverständ- 
lich geblieben", ferner zeigen weit auseinanderstehende Arten, wie Typha Shuttle- 
worthii und angustifolia, gerade im Bau der testa die kleinsten Diff'erenzen 
(Cf. Rohrbach, Fig. 2, 3). 



1) Fl. Austral., 1878, VII, p. 160. 

2) Fl. orientalis, 1884, V, p. 49— 51. 



Monographie der Gattung Tij/>ha Touru. 



109 



Mit dem Obigen kehre ich mich keineswegs gegen die vielberufene ana- 
tomische Methode. Aber ich glaube, dieser Favoritin der jetzigen Wissenschaft 
sollte die seither mit bestem Erfolge geübte Unterscheidung der Pfianzenart 
nach morphologischen Charakteren mindestens als ebenbürtige Schwester an 
die Seite gestellt bleiben und nicht zum Aschenbrödel herabgewürdigt werden. 
Nehmen wir Alles zusammen, so hat die Anatomie betreffend schon vorhandene 
Unterscheidungen zu weiteren Gesichtspunkten verholfen; der Codex morpho- 
logischer Charaktere ist durch einzelne Novellen bereichert, aber keineswegs 
durch eine völlig neue Grundlage ersetzt worden. 

Im ausführenden Theile seiner Arbeit (S. 73—99) gibt Eohrbach nach 
einem Bestimmungsschlüssel (S. 73 — 74) gründliche Beschreibungen von den 
dreizehn ihm bekannt gewordenen Arten, unter welchen auch die aussereuro- 
päischen mitbegriffen sind. Als species novae sind aufgestellt: Typha Schimperi 
(Abyssinien), Typha Muelleri (Australien), Typha capensis (Cap), Typha Hauss- 
knechtii {Armenien). Dazu kommen von den früher bekannt gewordenen : Typha 
latifolia, Typha Shuttleivorthii (mit ß. orientalis [Presl.]), Typha glauca, Typha 
angustifoUa (mit ß. australis [Schum.-Thonn.]), Typha angustata (mit ß. lepto- 
carpa Rohrb., y. aethiqpica Rohrb.), Typha Laxmanni,^) Typha minima. Da 
unten an die Rohrb ach 'sehen Beschreibungen angeknüpft werden soll, unter- 
lasse ich es, über dieselben noch Weiteres mitzutheilen. Es genügt an dieser 
Stelle zu bemerken, dass auch die Literatur trefflich durchgearbeitet ist, ob- 
schon Einzelnes, wie Typha japonica Miquel, Typha Bethulona Costa, Typha 
minima Funk-Hoppe ß. serotina Gren., Typha lugdunensis Chabert (Bull, de la. 
Soc. agron. de Lyon, 1850 = Typha minima), Rohrb ach entgangen zu sein 
scheint. Nach dem folgenden Schema (S. 75) unterscheidet Rohrb ach die 
Typha -Arten in Haupt- und Unterarten: 



Ueber die Blattbürtigkeit des Typha-Kichens sprach sich Rolirbach 1870 
in der Botanischen Zeitung, S. 479, aus. Dies im Gegensatze zu Sachs 2), der 
dem Typha-Oynlum Aclisenursprung zuschrieb. 



Hauptarten: 



Unterarten: 



1. Typha latifolia. 

2. Typha Shuttleworthii. 

3. Typha Schimperi. 

4. Typha Muelleri. 

5. Typha glauca. 

G. Typha angustifoUa. 

7. Typha angustata. 

8. Typha Laxmanni. 

9. Typha minima. 



Typha capensis. 



Typha dominginensis, Typha javanica. 



Typha HaussJcnechtii. 



1) Welchen Namen Rohrb ach noch für Typha minima setzt. 
») 1. c, S. 547. 



HO 



M. Kronfeia. 



Dasselbe Jahr brachte eine morphologische Abhandlung Unger's: Ueber 
die fossilen Typha - Arten Stur 's Verdienst war es gewesen, Typhaeloipum 
Ung. und Culmites anomälus Brogn. in seinen Beiträgen zur Kenntniss der 
Flora der Süsswasserquarze (Wien, 1867) als fossile Reste einer Typha erkannt 
und Typha üngeri genannt zu haben. Von Braun war ferner die Typha 
latissima aus der Oeninger Molasse aufgestellt worden (bei Heer, Tert. Flora 
der Schweiz, I, S. 98, Taf. 43, 44). An Petrefacten von Hlinik in Ungarn, welche 
in halbdurchsichtiger Quarzmasse eingeschlossen, noch wohlerhalten und der 
anatomischen Untersuchung direct zugänglich waren, beweist Unger die Analogie 
mit Typha latifolia und Typha angustifolia. Durch einen anatomischen Excurs 
über Rhizom und Wurzel der lebenden Arten wird die Berechtigung dargethan, 
die Hliniker Reste als Typha, beziehungsweise Typha Ungeri anzusprechen. 
Ferner wird ein neues Fossil aus dem Sandsteine von Gams in Steiermark als 
Typha gigantea beschrieben. Somit ergibt sich nach Unger die folgende Ueber- 
sicht der fossilen Typhen: 

Typha gigantea Ung. 

Typha Ungeri Stur. 

Typha latissima'^) A. Br. 

Typha fragilis Ludw., Paläontogr., Bd. VIII, S. 78, Taf. 18, Fig. 3. 
(Zweifelhaft.) 

Weil die amerikanische Typha dominginensis von Schur auf Etiquetten 
des Berliner Herbares schon vordem Typha gigantea genannt ist, und diese Be- 
zeichnung bereits von Rohrbach als Synonym zur P er so on'schen Speeles ge- 
zogen wurde, muss der Name der Ung er 'sehen Art geändert werden. Ich nenne 
sie zu Ehren meines hochverehrten Lehrers an der Wiener Universität, Herrn 
Prof. Dr. A. v. Kerner, Typha Kerneri. 

Das Diagramm der T^/p/ia-Blüthe behandelt 1875 Eichler 3) in seinem 
meisterhaften Werke. Mit Rohrbach gibt Eichler die Schniz lein 'sehe 
Auffassung der Haare um die männlichen Blüthen als Perigon auf. Ferner ist 
er geneigt, den Pollenblüthen von Typha eher Blattnatur als Caulomnatur bei- 
zumessen. Auch die Haare an den weiblichen Blüthen scheinen Eichler kein 
Perigon zu sein. „Jedenfalls aber," sagt Eich 1er, „möchte ich hier wie dort 
die nämliche Deutung annehmen und die Haare also entweder beiderseits als 
Perigon, oder beiderseits als blosse Pubescenz betrachten." Das einzige Frucht- 
blatt wird als nach rückwärts gestellt angesehen, was auch für Sparganium 
die wahrscheinlichste Position ist. Das Trag- oder Deckblatt würde bei den 
bracteolaten Arten der Curpidennaht opponirt sein. Demnach repräsentiren die 
Typhaceenblüthen (Typha und Sparganium) eine Formation für sich, deren 
Anschluss vorläujSg noch zweifelhaft ist, wenngleich einige Anklänge an die 
Cyperaceae, in deren Verwandtschaft die Familie meist gestellt wurde, wie 

1) Sitzungsber. der raathem.-naturw. Classe d. kais. Akad. d. Wissensch., Bd. LXI, I. Abth., 
S, 94 - HC, mit 3 Tafeln. 

2) Bei Unger, S. 109, steht „latissimia" . 
s) Blüthendiagramme, I, 1875, S. 111—113. 



Äfonofrrapliie der Gattuug Tijplia Touru. 



III 



auch au die Aroideae vorliaudeu sind. Unter den Ci/peruceae bietet vielleicht 
Carex die meisten Berührungspunkte, doch ist der Fruchtknotenbau ein ganz 
anderer und Typha hat auch kein Analogon des Utriculus; das haarförmige 
Perigon — wenn man die Haare unter den Typha-BXüthen eben als Perigon 
deuten will — würde sieh bei den Scirpeae, besonders Eriophorum wiederfinden. 
Anlangend die Typ/ta-Inflorescenz führt Eichler dieselbe auf die ^rMm-Inflore- 
scenz mit mehreren übereinandergestellten Spathen (Hochblättern) zurück. 

Falkenberg 's Vergleichende Untersuchungen über den Bau der Vege- 
tationsorgane der Monocotyledonen (Stuttgart, 1876) enthalten, S. 89 — 96, eine 
anatomische Studie über Typha latifolia. In dieser Studie wird auf die Ver- 
zweigungs- und Verbindungsweise der Gefässbündel in Ehizom, Stengel (Blüthen- 
trieb) und Blatt vornehmlich Eücksicht genommen. Es wird das Skelett von 
Typha latifolia besprochen, ohne dass zugleich die Anatomie der Zelle abge- 
handelt würde. 

Im gleichen Jahre verzeichnet Freyn^) Standorte der Typha Shuttleivorthii 
aus dem östlichen Ungarn. 1878 berichtet Debeaux 2) über die Auffindung der 
Pflanze in den Ostpyrenäen. 

1878 zieht Bentham (1. c, p. 159) Rohrbach 's Typha Maelleri ein; 
er erklärt dieselbe für Typha angustifolia. 

In Ny m an's Conspectus Fl. Europ., 1878—1882, p. 757, finden wir Typha 
Laxmanni als Unterart von Typha minima angeführt. 

1877 machte De Bar y in seiner „Vergleichenden Anatomie der Vegetations- 
organe," S. 149 die Angabe: „Sparganiiim ist reich an Raphiden, die Typha- 
Arten krystallfi-ei." Dieselbe ist mehrfach, so von H. de Vries,^) wiederholt 
worden. Allein Paschkewitsch hatte, wie aus Batalin's Referate seiner 
Arbeit über Typha latifolia in Just's Jahresbericht, 1882, S. 413, hervorgeht, 
bereits 1880*) bei dieser Art nicht nur in Rhizom, Wurzel, Blatt und Stengel 
Raphiden, sondern auch Drusen im Blatte und prismatische, klinorhombische 
Krystalle in den Basttheilen von Blatt und Stengel beobachtet. 1886 erwähnte 
Dietz in der vorläufigen Mittheilung 5) über seine grössere entwicklungs- 
geschichtliche Arbeit das Vorkommen von Raphiden im Connectiv von Typha 
latifolia und angustifolia. 1887 betonte ich in dem Aufsatze über Raphiden 
bei Typha^) das allgemeine Vorkommen von Krystallnadeln in der Antheren- 
wandung der Typha- Arten. Zugleich gedachte ich der Auffindung von Harz- 
zellen bei Typha. Kurz darauf und noch in demselben Jahre erschien die 
Arbeit von Dietz,"') in welcher über das Vorkommen der Raphiden im Connectiv 
und im Keimling von Typha genauer berichtet ist. 



1) Mathem. u. naturw. Mittheil, der k. ung. Akad., XIII, 1876, Nr. 4. 
») Act. Soc. Linn. Bord., XXXH, 1878. 
») Landw. Jahrb., Bd. 10. 

♦) Sitzungsber. d. Botan. Sect. d. St. Petersburger Naturf.-Ges. v. 20. Nov. 1880. 
*) Botan. Centralbl., 1886, Nr. 40—41, S.-A., S. 3. 

Botan. Centralbl., 1887, Nr. 18. 
■') üeber die Entwicklung etc., S. 9, 32. 



112 



M. Kronfeld. 



Beiith am und Hooker in ihrem grossen Werke: Genera plantarum 
(Vol. III, pars II, 1883, p. 954, 955) reihten Typha und Sparganium als Familie 
der Typhaceen zwischen die Cyclanthaceen und Pandanaceen ein. ßentham 
und Ho Oker erkennen sowohl den weiblichen als den männlichen Typha-Blüthen 
ein perianthium e filis tenuissimis zu. Sie nennen die Bracteolen paleae. Nach 
der genauen Diagnose werden die Typha-Arten auf zehn geschätzt. 

1884 gibt Boissier (1. c.) eine eingehende Erläuterung der Arten: Typha 
latifolia, Typha angustifolia, Typha angustata, Typha stenophylla, Typha 
minima (Typha Laxmanni Boiss. non Lepech.j, Typha HaussJcnechtii. Wie 
Rohrbach unterscheidet er zwei Gruppen und gibt ihnen die lateinischen 
Namen: 1. Dehiscentes, 2. Indehiscentes. 

In das nächstfolgende Jahr fällt Celakovsky's Abhandlung über die 
Inflorescenz von Typha. Celakovsky sieht sich gedrängt, wie es Doli und 
Ascherson vor ihm andeuteten — auf Schur wird nicht zurückgegangen! — 
die zwischen den Hochblättern befindlichen Stockwerke als Achselsprossungen 
dieser Hochblätter anzusehen; nur in diesem Sinne wäre das Vorkommen von 
Hochblättern an der Inflorescenzspindel verständlich. Da die Entwicklungs- 
geschichte lehrt, dass an dem Achsenstück, welches der Inflorescenz entspricht, 
vorerst nur die zweizeiligen Hochblätter erscheinen, so müssten die Blüthen- 
anlagen als adventiv betrachtet werden, insolange man eine bestimmte Be- 
ziehung der Blüthenstockwerke zu den Hochblättern in Abrede stellt. Und 
doch weist auf eine solche das Genus Sparganium, namentlich in seinen ein- 
fach racemos verzweigten Arten, wie Sparganium simplex. Wie bei Typha be- 
steht die Gesammtinflorescenz aus Partialinflorescenzen, deren untere weiblich, 
deren obere männlich sind. Dem Nachweise, dass diese Partialinflorescenzen 
Achselsprossungen sind, unterzieht sich Celakovsky mit grossem Scharfsinne. 
Die unteren weiblichen Köpfchen von Sparganium sind ganz frei oder mit ihren 
Stielen eine Strecke weit der Hauptachse angewachsen, so dass auf dem Durch- 
schnitte das Receptaculum des Köpfchens als eine halbmondförmige Gurtung 
der Hauptachse erscheint. Bei dem männlichen Köpfchen ist hingegen die 
Verschmelzung von Köpfchen und Hauptachse schon so weit gediehen, dass sein 
Eeceptaculum nur mehr als seitliche Rindenwucherung an der letzteren wahr- 
nehmbar ist. „Indem sich schliesslich die Ränder dieses Receptaculums auf der 
dem Deckblatte gegenüberliegenden Seite vereinigen, entsteht die gewöhnliche 
Bildung der Typ/^a-Kolben." 

Vergleicht man diese Ausführungen mit denjenigen Sc hur 's (s. oben 
S. 104), so wird man finden, dass dieselben im Wesentlichen übereinstimmen. 
Demgemäss nenne ich die Sparganium -T1\vqov\q, in welcher ich eine befriedigende 
Erklärung der Ti/p/ia-Intiorescenz finde, welche ich auch in meiner Schrift über 
den Blüthenstand der Rohrkolben durch Beibringung teratologischer Daten 
unterstützt zu haben glaube, die Schur-Celakovsky'sche Theorie. Man kann, 
wie ich glaube, diese Deutung der Ti/p/ia-Inflorescenz annehmen, ohne damit 



1) Flora, 1885, Nr. 35. 



Mono<»raplüe der Gattuui!f Tijpha Tonru. 



113 



zugleich Typha und Sparganium für nächste Verwandte zu erklären und auf 
das Gebiet der phylogenetischen Hypothese abzuschweifen. Ich wenigstens halte 
an der Deutung fest, ohne zu behaupten, dass Typha und Sparganium einer 
Familie angehören. Vielmehr finde ich mit Schur (I.e.) und Engler (Natürl. 
Pflauzenfam.), dass Typha sowohl wie Sparganium je eine eigene, wie Engler 
will, durch die Pandanaceae getrennte Familie repräsentiren.^) 

Die Haare, sowohl in der weiblichen als in der männlichen Inflorescenz, 
hält Celakovsky für reducirte Perigonbildungen. Die Pedicellen wären als 
deckblattlose Seitenzweige, vergleichbar jenen der Balanophoreen, aufzufassen. 

Am 19. November 1885 hielt Engler in der Schlesischen Gesellschaft 
zu Breslau einen Vortrag über die Familie der Typhaceen.2) In diesem wird 
bemerkt, dass die Haare von Typha „entschieden nicht als Perigon gedeutet 
werden können". Sodann weist der Vortragende — vorbehaltlich ausführlicher 
Mittheiluugen — darauf hin, dass die Gattung Sparganium sich von Typha 
wesentlich unterscheide: 1. durch die auf Achsen I.— IV. Grades stehenden 
Inflorescenzeu, 2. durch das Vorhandensein eines deutlichen, oft aus zwei Kreisen 
gebildeten Perigons, 3. durch häufig aus zwei Carpellen gebildete Gynaeceeu, 
4. durch das Fehlen .eines Samendeckels. Somit stünde Sparganium den 
Paudanaceen näher als der Gattung Typha. 

In diesem Sinne bearbeitete auch Eng 1er die Typhaceen (Typha) für 
das Sammelwerk: Die natürlichen Pflanzenfamilien. 3) 

Viel hatte zur Klärung der Ansichten über Typha die inzwischen er- 
schienene entwicklungsgeschichtliche Arbeit von Dietz beigetragen. Da auf 
dieselbe bei den Erörterungen im nächsten Capitel mehrfach zurückgekommen 
werden soll, begnüge ich mich an dieser Stelle mit einer bibliographischen 
Notiz. Die vorläufige Mittheilung von Dietz erschien zuerst ungarisch in den 
Termeszetrajzi füzetek, X, 1886, Nr. 2—3, dann deutsch im Botan. Central- 
blatt desselben Jahres, Nr. 40—41. Die von der königl. ungarischen Natur- 
wissenschaftlichen Gesellschaft mit dem Bugät-Preise gekrönte Arbeit selbst 
kam unter dem Titel: lieber die Entwickelung der Blüthe und Frucht von 
Sparganium und Typha, mit drei Tafeln als Heft der Bibliotheca botan. im 
Jahre 1887 heraus. Gleichzeitig wurde die ungarische Ausgabe dieser Arbeit 
mit reicherem Tafelschmucke veröffentlicht, und zwar in den Ertekezesek a 
termöszettudomänyok köreböl, XVII, 1887.4) 

Als vermeintlich neue Art hatte ich im Jahre 1887 fSitzber. der k. k. zool.- 
botau. Gesellsch. in Wien, Bd. XXXVII, 2. März) die Typha spatulaefolia be- 
schrieben. Ich sehe mich derzeit genötbigt, dieselbe für eine blosse Form von 



') Mit dieser Ei'kläruiig glaube ich die Differenzen behoben zu haben, die sich zwischen 
meiner Arbeit und dem ürtheile Engl er 's über dieselbe (En gier, Jahrbücher, VIII, 1887, 
Literaturberichte, S. 155—158) ergaben. 

2) Referirt in Botan. Centralbl,, 1886, Nr, 4. 

») II. Bd., 1. Abth., 1887, S. 183—186. 

") Ira Folgenden citire ich in der Regel die deutsche Hauptarbeit mit Dietz und Pagina- 
Angabe. 

Z. B. Ges. Ii. XXXIX. Abb. 15 



114 



M. KroTifel (1, 



TypJia latifolia zu erklären und die 1. c. beschriebene var. ad int. von Typha 
Laxmanni (Typha stenophylla olim) zur Hauptart zu ziehen. 

1887 stellte Battand ier^) die Typha Maresii auf. Die Pflanze ist, wie die 
Einsiebt authentischen Materiales ergab, identisch mit Typha elephantina Roxb. 

Noch erwähne ich in aller Kürze den Aufsatz von Borbäs: „Zur Ver- 
breitung und Teratologie von Typha und Sparganiujn'^ "^j, und neuesten Datums 
(1888) die Studies in the Typhaceae. 1. Typha, von Morong.^) Letztere 
Arbeit gibt eine dankenswerthe Uebersicht der nordamerikanischen Arten und 
erläutert dieselben durch gelungene Analysen. 



II. Morphologisch-biologische Charakteristik. 

a. Das Rhizom. 

Entsprechend der Grösse, welche die einzelnen Typha- Arten erreichen, 
ist das Rhizom 2 mm (Typha minima var. Begelii) bis über daumendick (Typha 
elephantina). Es setzt sich aus kurzen, von scheidigen, später, wenn das Paren- 
chym zerstört ist, frausenartigen Niederblätteru eingeschlossenen Internodien 
zusammen. Die Niederblätter correspondiren mit der Ober- und Unterseite 
des plagiotropen Rhizoms. Dessen Verzweigung geschieht in sympodialer Folge 
durch Knospen, welche aus den Achseln der am fortwachsenden Ende befindlichen 
Laubblätter ihren Ursprung nehmen. Die Achse jeder Knospe ist gegen die 
Vegetationsspitze keulig erweitert^) und dient bis zum zweiten Jahre als Depot 
der Reservestoffe, vornehmlich der Stärke. 

Anatomisch gliedert sich das Rhizom in den Centralcylinder und die 
Rinde. Ersterer besteht aus einem lockeren Grundgewebe und zahlreichen 
Gefässbündeln. Die Zellen des Parenchyms fallen durch blosses Schütteln eines 
Rhizomstückchens im Wasser mit unversehrten Häuten auseinander. Sie sind 
prall mit Stärkekörnern angefüllt. Am häufigsten sind kreisrunde Formen, und 
zwar Klein-, Gross- und Uebergangskörner, doch kommen auch gestreckte 
Formen und verzweigte Körner von hervorragender Grösse vor. Die Gefässbündel 
des Centralcylinders sind sämmtlich mit Phloem und Xylem versehen, ihre Gefässe 
sind durchaus Treppengefässe. ^) Die Rinde zerfällt in die dichtzellige, gefäss- 
lose Aussenrinde und die breitere, von zahlreichen Blattsträngen durchzogene 
Innenrinde. Die Zellen der Rinde zeichnen sich durch hohen Schleimgehalt 



») Bull, de la Soc. botan. de Fr., XXXIV, 1887, p, 389. 

2) Oesterr. botan. Zeitsclir., 1886, Nr. 3. 

3) Bullet, of the Torrey Botan. Club, 1888, Nr. 1. 

") Derartige keulige Auszweigungen des Tt/^/ja-Bliizomy sind für die fossilen Rohrkolben 
besonders charakteristisch. Vergl. Tinge r, 1. c. 
Unger, 1. c, S. 98. 



Monographie der liattuuf^ Tijjilia 'rouni. 



115 



aus, sparlioher sind Rapbidenzelleu. Den bedeutenden Sclileimgelialt des ßhizoms 
können wir als Schutzmittel wider Schneckenfrass ansehen.^) 

b. Die Wurzeln. 

Eine verhältuissmässig kräftige Hauptwurzel (mit wenig Wurzelhaaren), 
in welche das erste Gefässbündel des Cotyledonarblattes sich unmittelbar fort- 
setzt, entwickelt der Keimling (s. u.). Es kommt somit Typha im Jugeud- 
stadium eine echte Hauptwurzel zu, wie dies derzeit auch für andere Mono- 
cotyledonen, so Gramineen (Hanstein^), Canna (Hegelmaier^) u. a. bekannt 
geworden ist. Die spulrunden, mit fädigen Auszweigungen versehenen Neben- 
wurzeln entspringen im ganzen Umfange des Rhizoms. Anatomisch gliedern 
sie sich in einen Centraikörper mit radiär gestellten Gefässen und eine Rinde. 
Die Endodermis zwischen beiden tritt deutlich hervor. Das Epiblem trägt 
zahlreiche Wurzelhaare. 

c. Die Laiibblätter. 

Dieselben fussen entweder auf eigenen Auszweigungen des Rhizoms oder 
sie gehen zusammt dem Blüthentrieb aus einer gemischten Knospe hervor. 
Nur Typha minima (nicht aber Typha Martini) hat unten von Niederblättern 
umhüllte Blüthentriebe (Taf. IV, Fig. 2). Zwischen den Niederblättern des Rhi- 
zoms und den oberirdischen Laubblättern sind, wenn man den belaubten Trieb 
von aussen nach innen untersucht, Uebergänge zu beobachten. Von diesen seien 
namentlich langscheidige, mit kurzen parabolischen Spreiten versehene Nieder- 
blätter hervorgehoben. Nur solche Phyllome kommen an der Basis des Blüthen- 
triebes von Typha minima vor. Die Laubblätter setzen die zweizeilige An- 
ordnung der Niederblätter am Rhizome fort. Ihre Grösse entspricht im Allge- 
meinen der Grösse der Art. Typha minima ß. Begelii hat 2 — 3 dm lange, an 
der Spreite 1*5 mm breite Blätter, Typha elephantina besitzt Riesenblätter von 
mehr als 4 m Länge und mit 3 — 4 cm breiten Spreiten (Taf. V, Fig. 9, 10, s). An 
dem Laubblatte von Typha unterscheiden wir einen Scheiden- und einen Spreiten- 
theil, ersterer ist etwa ein Drittel so lang als letzterer. Die Scheide hat eine 
breitere Fläche als die Spreite und umgreift den Stengel. Für die meisten 
Arten ist die Form des Blattquerschnittes an dem Uebergänge der Scheide in 
die Spreite bezeichnend. So hat Typha latifolia (Fig. 11, 8) plan- oder schwach 
concav-convexe, Typha angustata und Typha angustifolia (Fig. 1, 2, 8) halb- 
cylindrische, Typha dominginensis (Fig. 5, 8) flache und kaum etwas convexe 
Blätter, Typha javanica (Fig. 6, 8) nebst halbkreisförmigen elliptische, Typha 
Muelleri (Fig. 3, 8) zweischneidige, Typha elephantina (Fig. 10, 8) und Typha 
Haussknechtii dreikantig-prismatische Blattkörper. Nach oben zu verflacht sich 

Cf. stahl. Pflanzen und Schnecken, 1888, S. 77 ff. 

Entwickelung des Keimes der -Monocotylen und Dicotylen, S. 67. 

Zur Entwickelungsgeschichte monocotyler Keime, Botan. Zeitung, 1874, S. 66'J. 

15* 



116 



M. Kronfeld. 



bei sämmtlichen Arten die Spreite und erscheint der Länge nach eingedreht. Hie- 
durch erhalten die Typha- Arten ein gegen Windbruch geschütztes „Drehblatt." 

Anatomisch findet sich nur an der Ober- und Unterseite des Blattes ein 
zusammenhängendes Parenchym. Die beiden Schichten werden durch quere 
Geweberippen verbunden, die in der Zahl den äusserlich sichtbaren Nerven 
entsprechen und zwischen sich weite Luftlücken freilassen (Fig. 10, s); so 
wenigstens im erwachsenen Zustande des Blattes. Im Jugendzustande, an der 
Scheide auch später noch, ist der Raum zwischen den Geweberippen von stern- 
förmigem Parenchym ausgefüllt. Die Stränge des Blattes sind nach Falkenberg^) 
dreierlei: 1. solche mit Gefässen, Leit- und Bastzellen. 2. mit Leit- und Bast- 
zellen, 3. bloss mit Bastzellen. Die ersten Bündel kommen in den queren Rippen, 
die dritten unmittelbar unter der Epidermis, die zweiten etwas tiefer unter 
derselben vor. Die Biegungsfestigkeit des Typha-Bl&ttQs wird also — nach 
dem dritten der Sch wen den er 'sehen Typen für die Querschnittsform des 
mechanischen Systems in bilateralen Organen 3) — durch I-förmige Träger her- 
gestellt. Die innere (obere) Epidermis vom Scheidentheil des Blattes ist mit 
längsovalen Drüsenflecken versehen, welche bloss über den Baststrängen auftreten 
und lebhaft Schleim secerniren. Sie bestehen aus einer Schichte von Zellen, 
welche quer auf die Wachsthumsrichtung des Blattes wiederholte Theilungen 
eiogehen. Den Drüsenflecken — Schleimdrüsen Falkenberg's — käme nach 
diesem Autor ^) die Aufgabe zu, „den bei der Streckung des Stengels vorhan- 
denen Reibungswiderstand zu vermindern". Doch kann diese Erklärung nicht 
ausreichen, da die Drüsenüecken noch spät im Herbste secerniren, zu einer 
Zeit, wo der Blüthentrieb längst ausgewachsen ist. Möglicherweise stellt der 
Schleim einen hermetischen Verschluss der Scheide her und verhindert, dass in 
derselben Wasser lange Zeit stagnire. Vereinzelt finden sich an der inneren 
Seite der Scheide Spaltöffnungen mit zwei Paar Nebenzellen, welche unter An- 
wendung der Mo hl 'sehen Nomenclatur für die Proteaceen-Stomata als innere 
und äussere Porenzellen bezeichnet werden können.^) Die Stomata der Spreite 
— au beiden Seiten derselben vorhanden — weichen auch im Uebrigen nicht 
von dem Monocotylentypus ab. Von Inhaltskörpern der Parenchymzellen seien 
sparsam vorkommende Raphiden erwähnt. ' 

d. Der Blüthentrieb (Stengel). 

Der Blüthentrieb ist als unmittelbare orthotrope Fortsetzung des Rhizoms 
oder eines seiner Aeste anzusehen. Er baut sich aus mehreren verschieden langen 

1) Cf. Kerner, Pflanzenleben, I, S. 398. 

2) 1. c, S. 93. 

3) Schwendener, Das mechan. Princip etc., 1874, S. 79, Taf. IX, Fig. S,0 (Typha lafifolia). 
*) 1. c, S. 92. 

=) Mohl, Ueber die Spaltöffnungen der Proteaceen, Leopold. -Carol. Akad., XVI, II, 1838. 
Freilich sind die Stomata der Proteaceen in das Blattpareucliyra eingesenkt und die beiden Paare 
von Nebenzellen gelangen erst auf dem Querschnitt oder bei der Ansi(>ht von innen (1. c, Taf. LX, 
Fig. 11) zur Wahrnehmung. 



Monographie der Gattung Tijpha Touru. 



117 



luternodieu auf. Die untersten Internodien sind nach Dietz^) die kürzesten. 
Die nächst höheren werden zunehmend länger, dann folgen wieder in der Länge 
abnehmende Internodien und, von der Inflorescenz vorläufig abzusehen, macht 
den Schluss ein langes, 5—6 der unteren Internodien gleichendes Stockwerk. 
Ebenso erreicht bei den Gramineen das subflorale Internodium eine bedeutende 
Länge; es wird bei Gynerium argenteum bis 2 w, bei Ärundinaria Schomhurghii 
bis 16 Fuss lang. 2) 

Die Oberhaut des Stengels ist einschichtig und enthält einzelne Stomata 
(etwa drei auf 1 n-mm). Nach innen schliessen sich an dieselbe mehrere 
Reihen von Parenchymzellen, dann folgt ein Ring von Bastgewebe und inner- 
halb desselben abermals Parenchym mit den Gefässbündeln. Die äusseren 
Gefässbündel haben ringsum Bastbeleg, die inneren nur an der Aussenseite. 
Raphiden fehlen im Stengel. Dagegen finden sich einzelne Harzzellen. Der 
geschlossene Bastring ist der Querschnitt eines Hohlcylinders und Typlia reprä- 
sentirt daher, was die Biegungsfestigkeit des Stengels anlangt, das System des 
einfachen Hohlcylinders mit eingebetteten oder angelehnten Mestomsträngen.^) 



e. Der Blüthenstand. 

Der Blüthenstand besteht aus mehreren Internodien, wie aus dem Jugend- 
zustande desselben unmittelbar hervorgeht. Immer findet man an der Basis der 
weiblichen Abtheilung — somit der Gesammtinflorescenz — ein Hochblatt, und 
ein zweites, mit dem unteren alternirendes an der Basis der männlichen Abthei- 
lung; ausserdem mehrere Hochblätter, welche die PoUenblüthen unterbrechen 
und wenigstens in ihrer ersten Anlage die Distichie der unteren Blätter fort- 
setzen, im entwickelten Blüthenstande aber unregelmässig auftreten.^) Erst 
nachträglich kommen die Blüthen in Ringzonen zwischen den Hochblättern 
zum Vorschein und die Hochblätter selbst fallen ab, wenn die PoUenblüthen 
zu stäuben beginnen. Individuen mit jungen Blüthenständen von Typha an- 
gustifolia sind für eine eigene Varietät spafhacea (Borbäs in sched.) unstatt- 
hafter Weise gehalten worden. Gleichfalls ist Typha bracteata Greene nur der 
Jugendzustand von Typha dominginensis. Am längsten erhält sich im vertrock- 
neten Zustande das Hochblatt an der Basis der männlichen Abtheilung bei Typha 
minima, was schon Tabernaemontanus bekannt war. Die weibliche Abthei- ' 
hing besteht aus einem Internodium, die männliche auch bei Typha Shuttle- 



1) 1. c, s. 4ff. 

*) Hofmeister, Allgem. Morphologie der Gew., 1868, S. 420. 

Schwenden er, 1. c, S. 74, Taf, VII, Fig. 7 (Typha latifolia). 
*) Cf. Goebel, Vergleichende Entwictlungsgesch. in Schenk 's Handbuch, III. Bd., 
1883. S. 298, 299, Fig. 61. 

Man vergleiche hierüber und betreffend die Inflorescenz überhaupt meine Schrift über 
den Blüthenstand der Rohrkolben. 



118 



M. Kronfeld. 



worthii und Typha orienfalis (Taf. IV, Fig. 5, 1), wo sie kürzer als die weibliche 
ist, aus mehreren, mindestens 2—3. Bei der Mehrzahl der Arten kommt die 
weibliche Abtheilung der männlichen in Bezug auf die Länge gleich, trotzdem 
sie nur ein Internodium ausmacht (Typha latifoUa, angustifölia, minima 
[Fig. 2], capensis, javanica, Haussknechtii) , bei Typha Laxmanni (Fig. 3), 
Schifnperi und Muelleri wird sie von der männlichen übertroffen; bei Typha 
Laxmanni ist die männliche Gemeinschaft 3— 4 mal so lang als die weib- 
liche. Abnorme Fälle von Typha latifolia und angustifölia, bei denen die 
weibliche Blüthengemeinschaft eine quere Einziehung aufweist oder durch 
ein freies Stück der Achse unterbrochen ist, lehren, dass auch im weiblichen 
Blüthenbereiche mitunter zwei, vielleicht auch mehr Internodien auftreten, wie 
dies Schur^) für die Regel gehalten hat. Die männliche Blüthengemeinschaft 
grenzt entweder unmittelbar an die weibliche, oder sie ist von derselben durch 
ein freies Stück der Achse getrennt; ersteres ist typisch für Typha latifolia, 
Shuttletvorthii, orientalis, letzteres für Typha angustifölia, angustata (Fig. 6), 
Laxmanni, elephantina, Schimperi, Muelleri, dominginensis, Haussknechtii, 
beides kommt bei Typha capensis und minima (hier oft auf demselben Indi- 
viduum) vor. Doch kann dieser Umstand nicht, wie dies noch immer geschieht, 
als wichtigstes Kriterium zwischen Typha latifolia und angustifölia oder anderen 
Arten benützt werden; typisch distanzirte Inflorescenzen (Typha angustata, 
angustifölia, Muelleri, dominginensis) finden sich, obwohl seltener, zusammen- 
stossend, typisch zusammenstossende Inflorescenzen (Typha latifolia) mitunter 
distanzirt. Durchaus gingen ferner jene Autoren fehl, welche von Typha minima 
nach der Distancirung und dem Zusammenstossen der Inflorescenzen verschie- 
dene Speeles aufstellten. Am constantesten erweist sich die Angrenzung der 
Blüthenabtheilungen für Typha Shuttleworthii und orientalis, die Distancirung 
für Typha Laxmanni. — Rohrbach fasst das von Blüthen freie Achsenstück 
zwischen den beiden Blüthenabtheilungen als Internodium auf. Der Ausdruck 
ist aber nicht ganz richtig, weil dieses Achsenstück nur das obere Ende jenes 
Internodiums ist, welches an der Basis der weiblichen Abtheilung (ausnahms- 
weise in deren Continuität) seinen Ursprung nimmt und im Jugendzustande der 
Inflorescenz durch zwei Hochblätter eingeschlossen wird, von denen das obere 
zugleich die Basis der männlichen Gemeinschaft markirt. In der Regel wird 
die obere Abtheilung der Inflorescenz von männlichen, die untere von weiblichen 
Blüthen in Anspruch genom.men. Indess kommt es bei Typha latifolia, wo die 
Abtheilungen aneinander stossen, vor, dass das obere Ende der weiblichen Ab- 
theilung häufiger durch eine dem ersten (untersten) Hochblatte opponirte Längs- 
zeile von männlichen Blüthen ausgefüllt wird. Diese als Heterogamie zu bezeich- 
nende Erscheinung kann schliesslich dazu führen, dass die Inflorescenz in ihrer 
ganzen Länge nur männliche Blüthen trägt. Ich nenne eine hierhergehörige, 
von Dietz im Budapester botanischen Garten entdeckte und den Dioecismus 
anbahnende Form: Typha latifolia f. Dietzii. 



1) 1. c, S. 189. 



Monopfrapliie der Gattung Tijpha Tourn. 



119 



Nur ein Theil der Blüthen in der weiblichen Abtheiluug sitzt unmittelbar 
auf der Achse. Die grössere Anzahl derselben fusst nämlich auf kurzen, die 
Achse in dichter Flucht borstenartig bekleidenden Zweigchen, den Pedicellen 
(Taf. V, Fig. 1 — 15,12). Die Gesammtheit der Pedicellen macht nach Dietz's 
Nomenclatur den secundären Blüthenstand aus. Die Pedicellen sind von Richard 
1833 entdeckt (s. ob. S. 97). Um sie zur Ansicht zu bekommen, empfiehlt es sich, 
vom reifen Fruchtstand Scämmtliche Früchtchen zu entfernen. Man bemerkt dann, 
dass die Pedicellen die Spindel dicht besetzt halten, mit Ausnahme jener Linie, 
welche dem ersten Hochblatte opponirt ist. ^) Die grösste Länge erreichen die 
Pedicellen von Typha latifolia mit 2 mm. Diejenigen von Typha Shuttleivorthii 
und Typha orientalis erreichen durchschnittlich 1*5 min. Die Pedicellen sämmt- 
licher übrigen Arten bewegen sich in der Länge zwischen 0"25— 1 mm. Zu den 
kleinsten gehören diejenigen von Typha angustifolia, minima und stenophylla, 
welche kaum 5 mm hoch werden. Die Grösse der Pedicellen ist ein werthvolles 
Merkmal. Man kann beispielsweise Typha latifolia (Fig. 11, 12) und Typha an- 
gustifolia (Fig. 2, 12) nach wenigen Pedicellen mit Bestimmtheit unterscheiden. 
Typha Muelleri (Fig. 8, 12), welche von den meisten Autoren zu angustifolia 
gezogen wird, weicht von dieser durch längere Pedicellen ab. Die kurzen Pedi- 
cellen (Typha angustifolia, minima) gleichen niedrigen Kegeln, die langen (Typha 
Shuttleworthii, latifolia) gestreckten Säulchen. Entsprechend den auf ihnen 
fussenden Blüthen sind die Pedicellen mit seitlichen Absätzen oder Stufen ver- 
sehen, welche meist regelmässig alterniren. Doch kommt es auch vor, dass die 
Stufen auf einer Seite gar nicht ausgebildet oder irgendwo scheinbar ordnungs- 
los zu beobachten sind; beides findet in der gegenseitigen Behinderung der Pedi- 
cellen ausreichende Erklärung. Während die Anatomie der Blüthenspindel mit 
jener des übrigen Triebes wesentlich übereinstimmt — nur der äussere Contour 
der männlichen Spindel ist statt kreisrund ellipsenförmig oder zweischneidig 
abgeplattet — weist der Bau der Pedicellen einige Eigenthümlichkeiten auf. 
Lässt man die derben Pedicellen monatelang in Pottaschen -Kalilauge maceriren, 
so können dieselben im Wassertropfen zwischen Deckglas und Obiectträger 



') Nur wegen der gedrängten Stellung der Blüthen erscheint der weibliche Kolben ringsum 
geschlossen, in der That ist er durch eine blüthenfreie Zeile unterbrochen, es ist dieselbe, an 
deren Rändern mitunter männliche Blüthen auftreten. Diese Zeile ist für Celakovsky 's Her- 
leitung der Typha- von der Spargrajimm-Iuflorescenz von Wichtigkeit ; es ist die Stelle, an welcher 
die Ränder des von einer Seite über die Spindel herübergewachsenen Receptaculums wahrnehm- 
bar sind. In Fällen mit zwei weiblichen Kolben sah ich die blüthenfreie Zeile des oberen mit 
derjenigen des unteren alterniren, wie es die Sparganium-'i\\eox\e erheischt. Es sei noch bemerkt, 
dass von dieser blüthenfreien Zeile aus eine Spaltung der Spindel und eine Theilung des Kolbens 
in zwei und mehr Längswülste erfolgen kann, wenn bei wechselnder Austrockuung und Beuässung 
die Blüthen an der Zeile gegeneinander drängen. Der Fruchtstand erscheint dann in zwei, drei 
und noch mehr Wülste gespalten. Ich habe derartige Fälle von Typha angustifolia alle Jahre au 
einer bestimmten Localität gesehen, und gleiche Theilungen bei Typha latifolia und Laxmanni 
beobachtet. Meine oben citirte Schrift gibt eine ausführliche Erklärung des Phänomens. Im 
Petfrs burger Herbare sah ich einen fünftheiligen Fruchtstand von Typha orientalis (leg. Bret- 
schneider sine determ.) aus Peking. Prof. Engler theilte mir mit, dass er ähnliche Theilun- 
gen an Typha avgustata in Griechenland wahrnahm. 



120 



Jl. Krön fei (1, 



zerdrückt und in ihre Elemente zerlegt werden. Man erkennt dann: 1. Spiral- 
gefässe, 2. langgestreckte, bastartige Faserzelleii, welche mit jenen die Achse 
der Pedicelle bilden, 3. meist rechteckige, getüpfelte Parenchymzellen, welche 
den Körper, schliesslich 4. kürzere Zellen, welche die Epidermis der Pedicelle 
ausmachen. In zahlreichen Parenchymzellen kommt Harz vor, welches mitunter 
das Lumen völlig erfüllt und beim Zerdrücken und Zerreiben der Pedicelle, von 
der Zellhülle befreit, als förmlicher Ausguss des Zellinnern zur Ansicht ge- 
bracht werden kann. 

Je nach dem Zustande ihrer Entwickelung ist das Aussehen der Typha- 
Inflorescenz ein verschiedenes. Man kann drei Stadien derselben unterscheiden. 
1. Das Stadium der männlichen Anthese: Vom Abfalle der Hochblätter bis zur 
Eintrocknung der Antheren nach erfolgter Verstäubuug; die weibliche Blüthen- 
walze erhebt sich 1—3 mm über den Umfang der Achse. 2. Das Stadium der 
weiblichen Anthese: Von der Verstäubuug und Eintrocknung der Antheren bis 
zur Anschwellung der befruchteten Blüthenwalze; die Pollenblätter fallen ab 
oder werden vom Winde abgerissen, die Blüthenwalze erhebt sich 1 m und mehr 
über die Achse, sie wird zum „Kolben." 3. Das Fruchtstadium: Die Blüthenwalze 
wächst noch etwas in die Dicke, sie trocknet aus und zerfällt schliesslich in 
die befiederten Früchtchen; die männliche Spindel ist abgebrochen, oder, wo 
sie erhalten ist, bar aller Blüthenorgane. — Das Aufblühen selbst geschieht in 
der männlichen Abtheilung vorwiegend acro-, in der weiblichen basipetal. 

/. Die männliche Blüthe. 

Die männliche Blüthe von Typha fasse ich mit Kohrbach und War- 
ming als einfachen oder verzweigten Spross auf. Bei allen Ti/p/ia -Arten, 
am häufigsten bei Typha minima, kommen Pollenblüthen vor, die einem ein- 
zigen in Filament und Anthere geschiedenen Stamen gleichwerthig sind: Sie 
sind mit Bezug auf die Blüthenspindel Zweigchen oder Caulome zweiten Grades. 
Wollte man ihre Phyllomnatur vertheidigen, so müsste mau den in mehrfacher 
Hinsicht prekären Begriff der terminalen Blätter ins Feld führen. Gewöhnlich 
besitzt die männliche Typha-Blüthe drei Antheren, welche von einem als Ver- 
wachsuugsproduct der Filamente gedeuteten Stiele (Schur, Eng 1er) wirtei- 
förmig ihren Ursprung nehmen, beziehungsweise einem endwärts radiär ver- 
zweigten Caulome entsprechen. Seltener kommen Blüthen mit vier oder fünf, 
am seltensten solche mit sechs oder sieben Antheren vor. Nicht immer geschieht 
die Gliederung des Pollenzweiges an dessen Ende. Oefters nimmt die eine 
oder andere Anthere schon in einiger Entfernung über der Basis des Pollen- 
zweiges ihren Ursprung.^) Die Gliederung des Pollenzweiges bleibt, ob dieselbe 
in ährenförmiger Folge oder nach Art einer Dolde geschieht, eine monopodiale. 
Dietz macht gegen die Annahme eines Polleuzweiges bei Typha neuestens 
entwickluugsgeschichtliche Daten geltend. Namentlich bemerkt Dietz, 2) dass 



1) Cf. Tab. I, Fig. 11 /, h in der uugarischeu Ausgabe von Dietz. 

2) 1. c, S. 12. 



Monographie der Gattung Typha Tourn. 



121 



die Spitze des Ursprungshöckers öfters als abgeflachte Partie zwischen den 
seitlich hervorsprossenden Pollenblättern erkennbar sei. Aber gerade mit Bezug 
auf diese Höcker erklärte Goebel, ^) dass sie sich in ihrer Gänze zu männlichen 
Ty/'/ia-Blüthen umwandeln. Auch finde ich, dass in vergrünten Jugendstadien der 
männlichen Typha ininima-Blüthen (s. u.) die Spitze des Ursprungshöckers ebenso 
emporgewölbt ist und dieselbe Zellvertheilung aufweist, wie die beiden seitlichen 
Sprossungeu desselben. Weiter vorgeschritten hätte dieser Höcker eine trian- 
drische Blüthe mit einer unzweifelhaft terminalen und zwei lateralen Antheren 
ergeben, wie ein Spross unter der Terminalkuospe seitliche Knospen entwickelt. 
Wo die Blüthe einem Stamen gleich werthig ist, nimmt Dietz eine Hemmungs- 
bildung an, welche durch die gedrängte Stellung der Blüthen während ihrer 
Entwicklung erklärt würde. Allein bei Typha minima findet man so viele 
monandrische Blüthen, dass von einer Hemmungsbildung nicht mehr die Rede 
sein kann. Es sei denn, mau wollte annehmen, die männlichen Blüthenanlagen 
von Typha minima stünden gedrängter als diejenigen sämmtlicher übrigen Arten, 
sie wären mehr ^gehemmt'' als diejenigen von Typha latifolia, angustata oder 
irgend einer anderen Speeles. Ich stelle das pollentragende Caulom, welches 
die männliche Typha-hlnthe ausmacht, mit der vielverzweigten Inflorescenz 
mancher Fandanus -Alten, so Pandanus uiilis Bory (Abbildung bei Drude in 
Schenk 's Handbuch, I, S. 703) oder Fandanus Lais Kurz (Abbildung bei 
Solms-Laubach, Natürl. Pflanzenfam., II, 1, S. 188, Fig. 147 a), in eine Reihe: 
Die Pollenzweige von Typha sind rudimentäre Fandanus-luß.ovescenzeii. Zu 
Gunsten dieser Ansicht spricht die den Typhaceen von Engler zugewiesene 
Stellung im System und die nahe Verwandtschaft derselben mit den Pandanaceen, 
welche englische Autoren, so Seemann (1. c), bestimmte, die Typhaceen den 
Pandanaceen unterzuordnen. 

Die reife Anthere ist vierkantig und nach unten verschmälert, im Ganzen 
also keilförmig. Das Connectiv ragt über die Antherenfächer empor, sein freies 
Ende ist angeschwollen und sticht durch grünlichbraune Färbung von der gelben 
Anthere ab (Taf. V, Fig. 7, e). Von den vier angelegten Pollenfächern münden je 
zwei ineinander. Spärlich im Filament und der Antherenwanduug, dagegen häufig 
im Connectiv kommen Raphidenzellen vor. Dietz (1. c, S. 9) beobachtete, dass 
die Raphiden schon frühzeitig, noch vor Bildung der Gefässe im Connectiv und 
der PoUeumutterzelleu auftreten und ihre Zahl in der jungen Anthere von unten 
nach oben zunehme. Die Häufigkeit der Raphiden bringt es mit sich, dass beim 
Zerzupfen einiger Antheren für die Zwecke der Pollenuntersuchung (s. u.) immer 
einige Raphidenbündel frei werden. Dieser Umstand brachte mich, unabhängig 
von Dietz, zu der Ansicht, dass De Bary's Behauptung, die Typha- Arten seien 
krystallfrei, eine irrthümliche ist. Kommen auch im Rhizom und den Blättern 
von Typha Raphiden vor, so ist doch ihre Häufung, so zu sagen ihre Concen- 
tration, in den Antheren merkwürdig. Allein sie findet ihre Erklärung in dem 



^) Botanische Zeitung, 1. c. 

2) Krön leid, Ueber Raphiden bei Typha, a. a. 0., S. III. 
Z. B. Ges. B. XXXIX. Abh. 



16 



122 



M. Kronfeld. 



Umstände, dass die prallen, saftstrotzenden und mit zuckerreichem Pollen 
gefüllten Pollenbeutel von Typha darch Schnecken in Menge abgefressen würden, 
wenn sie nicht eben durch Raphiden geschützt wären. Die Vorliebe der 
Schnecken für Zucker, ihre Abhaltung durch Raphiden darf nach Stahl's^) 
schöner Arbeit als erwiesen angesehen werden. 



g. Der Blüthenstaiib (Pollen). 



Die Typha- Arten lassen sich, je nachdem der reife Pollen in einzelnen 
Körnern erscheint, oder aber aus der Pollenmutterzelle als Tetrade hervorgeht, 
in zwei Gruppen bringen: 



Pollenkörner einzeln : 



Pollen in Tetraden: 



Typha elephantina. 

Typha Martini. 

Typha Haussknechtii. 

Typha latifolia. 

Typha minima. 

Typha Schimperi. 

Typha ShutÜeworthii. 



Typha aethiopica. 
Typha angustata. 
Typha angustifolia. 
Typha australis. 
Typha capensis. 
Typha dominginensis. 
Typha javanica. 
Typha Laxmanni. 
Typha Muelleri. 
Typha orientalis. 

Die Art des Pollens ist also ein wichtiges Kriterium bei der Bestimmung 
von Typha. Man kann Typha latifolia und Typha angustifolia, Typha minima 
und Laxmanni bloss nach dem Pollen unterscheiden. Um den Pollen eines 
vorliegenden T^/^/^a-Specimens untersuchen zu können, wird man selbst dann 
noch meistens zum Ziele kommen, wenn nur mehr wenige verschrumpfte, schein- 
bar allen Blüthenstaubes bare Antheren an der Spindel stehen. Man gibt einige 
dieser verschrumpften Antheren in Kalibydrat, allwo sie sich „strecken", d. h. 
ihre ursprüngliche Form annehmen, und mit den Präparirnadeln zerrissen, fast 
immer noch einige Körner oder Tetraden hervortreten lassen. Schon bei 50 facher 
Vergrösserung wird man darüber im Klaren sein, ob runde Einzelkörner oder 
gepäckartige Tetraden vorliegen. Bei stärkerer Vergrösserung lassen sich an 
jedem Pollenkorn von Typha die Pollenwand, die Foveola und der Kern in 
derselben unterscheiden. Die Pollenwandung stellt entsprechend der Form des 
frischen oder mit Kalihydrat zum Aufquellen gebrachten Kornes eine Kugel- 
schale dar. Einerseits erkennt man an ihrer Oberfläche die meist spaltförmige, 
seltener kreisförmige Austrittsstelle des Pollenschlauches. In der Foveola lassen 
sich feine Fetttröpfchen wahrnehmen. Der Kern ist meist excentrisch und der 
Intine angelagert. Die Exine ist, wie weitergehende, etwa 800 malige Vergrösse- 
rung lehrt, nicht glatt, sondern mit stäbchenförmigen Protuberanzen versehen 



1) Statl, 1, c, S. 80, S. 84 ff. 



Monographie der Gattung Typha Touru. 



123 



(vergl. Dietz, uugar. Ausgabe, Tab. V, Fig. 10, 11). Nach Dietz^) entwickelt 
der Polleu von Typha latifoUa seine Schläuche in sehr kurzer Zeit. Dabei 
kommt auf jedes Korn der Tetrade ein Schlauch. 2) 

Die Polleuköruer von Typha werden in grosser Menge ausgeboten. Bei 
jedem Windzüge erheben sich von einem mit Typha bestandenen Weiher wahre 
Wolken des gelben, trockenen Blüthenstaubes. Mit der von unten nach oben 
fortschreitenden Folge des Aufblühens hängt es zusammen, dass der Pollen 
durch mehrere Tage ausgeboten wird. Im Gewirre der Haare, welche die 
männliche Blütheuspindel besetzen (s. S. 125), wird zudem ein gewisser Antheil 
des Pollens längere Zeit deponirt. Was die Pollentetraden anlangt, so findet 
man die vier Körner gewöhnlich in einer Ebene aneinanderliegen, so dass die 
Tetrade an ein Gepäckstück oder die Sarcina ventriculi erinnert (Tab. V, Fig. 11, 
7, a, ß). Doch wie vier gleiche Kugeln im Räume die verschiedensten Beziehungen 
haben können, so findet man auch das gegenseitige Verhältniss der Körner mannig- 
fach abgeändert. Ist die Gepäcksform die häufigste, so zeigen die Körner oft 
genug auch kreuzförmige Anordnung (7 y). Seltener ist T-förmige Anordnung, 
wobei die Horizontal-, wie die Verticalreihe je zwei Körner besitzt (7 s), oder 
conidienartige Aufeinanderfolge der vier Körner in einer Längsreihe (7 0). Auch 
ist jene Anordnung der Pollenzellen, die seit Mohl als tetraedrische bezeichnet 
wird (7 C), nicht allzu selten: Die Theilung der Pollenmutterzelle ist hier nicht 
mehr in einer Ebene, sondern entsprechend dem Räume eines Tetraeders er- 
folgt; durch das Deckglas erscheint die oberste der tetraedrisch angeordneten 
Zellen oft zur Seite gedrängt. Von der einreihigen Tetrade (7 S) abgesehen, 
hat GoebeP) völlig analoge Theilungen der Pollenmutterzelle bei Neottia 
nidus avis beobachtet und dieselben zum Anlasse theoretischer Betrachtungen 
über den Einfluss der Mutterzellenform auf die Orientirung der zur Ausbildung 
kommenden Septen genommen. Da die Typhen zu den niedrigst organisirten 
Monocotylen gehören, können die Pollentetraden ohneweiters mit den Sporen- 
mutterzellen gewisser Kryptogamen, wie Jungermannia sp. und Lycopodimn 
Selago verglichen werden. Auch ist an Goebel's^) Beispiele der Sporenmutter- 
zellen gewisser Algen, so Callithamnion und Polysiphonia zu erinnern. Ebenso 
verdient die von demselben Forscher im Jahre 1884 (Flora, Nr. 28, Taf. VII) 
beschriebene und abgebildete Tetramyxa parasitica Erwähnung. Die Sporen 



») 1. c, S. 13. 

-) Die Foveola des Tijpha-'P oUena ist reich an (Trauben-)Zucker. Man kann dies un- 
mittelbar feststellen, indem man ein Quantum Pollen in einem Uhrgläschen durch ein bis zwei 
Minuten mit concentrirter Cu SO^-Lösung behandelt und den auf dem Filter aiisgewaschenen Pollen 
dann in kochende Kalilauge thut; alsbald entsteht ein reichlicher Niederschlag von rothem Kupfer- 
oxydul. — Gelegentlich kommen Beimengungen von Typha latifolia-V ollen zu „Semen Lycopodii'^ 
vor. Unter dem Mikroskope ist natürlich die Fälschung sofort zu erkennen. Nur ist die Frage, 
ob der Typha-V oUen als austrocknendes und kühlendes Mittel nicht dieselbe Wirkung hätte, wie 
die in grosser Quantität schwerer zu beschaffenden Lijcopodium-Sforen. 

3) Zur Embryologie der Archegoniaten, Arbeit, d. Botan. Inst, zu Würzb., II, 1882,3.441. 
Cf. Sachs, Vorlesungen über Pflanzenphysiologie, II. Aufl., S. 428. 

^) 1. c. 

16* 



124 



M. Kronfeld. 



des eigenthümlichen, an Ruppia roccellata gallenerzeugenden Pilzes sind durch- 
wegs zu Vieren zusammenhängend (Cf. Fig. 3, 1. c). Dabei ergibt sich eine Mannig- 
faltigkeit der Figuren, die jener der Pollentetraden von Typha völlig analog ist. 

Was die mikrometrische Grösse des TypT^a-PoUens anlangt, so bewegt 
sich nach meinen Erfahrungen der Durchmesser im Allgemeinen zwischen 20 
und 40 [X. Dietz gibt für Typha latifolia 22'5 und 31 [i. als Grenzwerthe an. 
Der Amerikaner Morong^) findet neuestens als Grenzwerthe und ~- engl. 
Zoll. Unabhängig von einander gelangen wir annähernd zu demselben Eesul- 
tate. Da Morong bemerkt, man könne Typha dominginensis wegen der 
kleineren Körner von anderen Arten unterscheiden, war es naheliegend, nicht 
nur die Richtigkeit dieser Angabe, sondern auch die Bedeutung der Pollen- 
grösse von Typha überhaupt als specifisches Kriterium zu prüfen. Dem gemäss 
führte ich eine grosse Zahl von mikrometrischen Messungen aus. Im Folgen- 
den finden sich die Mittelwerthe für die einzelnen Arten angegeben. Ich be- 
merke, dass die Zahlen den Durchmesser der Einzelkörner bedeuten, ob dieselben 
als solche oder zu Tetraden angeordnet vorlagen. 



Typha angustata 20 — 26 [x 

Typha angustifolia 26 — 33 p. 

Typha australis 26 [j. 

Typha capensis 26 p. 

Typha dominginensis 20—26 [j. 

Typha elephantina 20—26 [j. 

Typha latifolia 26—33 [j. 

Typha Laxmanni 33—40 [j. 

Typha Martini 26—33 

Typha minima 26 [j. 

Typha Muelleri 26 [j- 

Typha orientalis 20—26 [x 

Typha Shuttleworthii 20 [j- 2) 



Es ist also richtig, dass Typha dominginensis kleinere Pollenkörner als 
Typha angustifolia hat, und wo die übrigen Arten von vorneherein ausge- 
schlossen werden können, das Mikrometer zur Diagnose verhilft. Allein relativ 
kleine Körner kommen auch bei Typha angustata, Typha elephantina und 
Typha orientalis vor. Die grössten Körner hat merkwürdiger Weise die habi- 
tuell kleine Typha Laxmanni. 

h. Die Haare der männlichen Blüthengemeinschaft. 

Am Grunde der männlichen Blüthen findet man bei allen Typha -Arten 
mit Ausnahme von Typha minima, Hausshnechtii und Martini bandförmige. 



1) 1. c, p. 7. 

2) In der Analysentafel (Taf. V) sind die Arten des Pollens — Einzelnkorn oder Tetrade 
— ater auch die vier vorlcommenden Grössen verliältnissmässig zur Darstellung gebracht. 



Monographie der Gattung Typha Tourn. 



125 



endwärts oft spateiförmig erweiterte und verzweigte Haare (Taf. V, Ffg. 1—13, 5), 
welche von den älteren Autoren, jüngst noch von Celakovsky und Bentham- 
Hooker, für ein reducirtes Perigon genommen wurden. In einem vergrünten 
Blüthenstande von Typha minima^) sah ich auch am Grunde der männlichen 
Blüthe Haare, und zwar glichen diese ganz den geknöpften Haaren der weib- 
lichen Blüthen (Fig. 7, 3). Dieser Umstand spricht dafür, dass die Haare am 
Grunde der männlichen und am Grunde der weiblichen Blüthe homolog sind, 
obwohl die ersteren zu bandförmigen, die letzteren zu stielrunden, cjlindrischen 
Gebilden adaptirt sind. Anatomisch bestehen die Haare der männlichen Spindel 
aus einer Lage gleichartiger, gestreckter Zellen; nimmt ihre Zahl gegen das 
freie Ende zu, so erscheint das Haar lanceolat oder spateiförmig verbreitert, 
sonst ist es annähernd lineal, meist zugespitzt, seltener stumpf; das spatei- 
förmige Haar ist gabelig verzweigt oder mit mehreren Zipfeln versehen. Die 
Farbe des Haares ist weiss oder braun. Auf Grund der Haarform lässt sich 
die folgende Uebersicht der Typha-Arten geben: 

A. Haare einfach; 

a) stumpf: Typha elephantina, Schimperi, 

h) zugespi'tzt: Typha latifolia, Shuttleivorthii, glauca, Laxmanni. 

B. Haare selten einfach, meist verbreitert und verzweigt: 

Typha angustifölia , angustata, australis, (Martini'^), Muelleri, 
capensis, dominginensis, javanica. 

Vorzüglich charakteristisch ist das Haar von Typha australis (Fig. 4, 5), 
welches Rohrbach mit dem Geweih des Damhirsches vergleicht. Aber auch Typha 
dominginensis (Fig. 5, 5) ist schon nach dem Haare der männlichen Spindel zu 
erkennen, und bei den meisten Arten gibt die Haarform, zusammengehalten mit 
den übrigen Charakteren, ein werthvolles Merkmal ab. Die biologische Aufgabe 
der Haare, welche am ehesten mit den Spreuschuppen mancher Farne, so Cibotium, 
verglichen werden können und mit den Bracteolen der weiblichen Blüthen auf- 
fallende Aehnlichkeit haben, ist zunächst die, den Druck, welchen die jungen, 
dichtgedrängten Blüthen aufeinander ausüben, abzuschwächen. Sind die An- 
theren durch intercalares Wachsthum der Träger vorgeschoben und nach Aus- 
bietung des Pollens eingetrocknet, so stellen — im 2. Stadium der Anthese — 
die gleichfalls eingetrockneten und gegen die Spindel gekrümmten Haare eine 
Art von Depositorium für Pollenkörner dar. Man trifft dem entsprechend nach 
Abfall der Antheren nicht wenige Pollenkörner im Gewirre der Haare; wo die- 
selben verbreitert und mehrzipflig sind (Typha australis, dominginensis), dort 
halten sie um so sicherer einen Theil des Blüthenstaubes zurück. Da das Auf- 
blühen über die mehreren Internodien der männlichen Blüthengemeinschaft 
langsam acropetal vorschreitet, wird die Stäubung über eine Woche fortgesetzt 



Ich fand denselben unter normalen Blüthentrieben im Frühjahre 1887 bei Kritzendorf 
nächst Wien. 

2) In einem von Rohrbach (S. 94) beobachteten Ausnahmsfall. 



126 



M. Kronfeld. 



und selbst nach dieser Zeit erhalten sich im Geflechte der Haare noch zahl- 
reiche Pollenkörner. Nach einem Monate — vom 1. Stadium der Anthese ge- 
rechnet — waren sämmtliche Antheren von Typha latifolia abgetrocknet und 
vom Winde weggerissen. Im oberen Blüthenbereiche waren auch die Haare nicht 
mehr zu sehen, aber unten fanden sich in ihrem Gewirre nicht wenige Körner. 
Es kommt somit den Haaren die doppelte Aufgabe zu, als Schutzorgan zu dienen 
und die männliche Anthese möglichst zu verlängern. Bei einzelnen Individuen 
kann dann unter Umständen später als beim Gros die Belegung erfolgen, und es 
können auf dem Wege der Asyngamie neue Arten entstehen. So ist Typha 
Shuttleworthii von Typha latifolia durch Asyngamie abgezweigt zu denken. 

i. Die weibliche Blüthe. 

Wie bei der männlichen Blüthe werden wir auch hier, um die von Dietz 
untersuchte Entwicklungsgeschichte nicht wiederholen zu müssen, bloss auf 
die fertigen Zustände Rücksicht nehmen. Der weibliche Blüthenstand darf gegen 
das Ende des zweiten Anthesenstadiums, also nach Ausbietung des Pollens und 
Vertrocknen der Antheren, als reif angesehen werden. Die weiblichen Blüthen 
sind dann dreierlei : 1. Fruchtbare Blüthen mit Gynophor, Ovar sammt Ovulum, 
Griffel und Narbe; 2. taube Blüthen, den vorigen ähnlich, aber mit gestrecktem 
spindelförmigen Ovar und verkümmertem Ovulum (neutrale Blüthen Schniz- 
lein's^); 3. unfruchtbare, keulenförmige Blüthen oder Carpodien^) (Pistillodien 
En gl er 's). Unmittelbar auf der Spindel sitzen nur Blüthen der ersten Art; 
jede Pedicelle trägt nach Dietz 3) in acropetaler Folge fruchtbare, taube Blüthen 
und Carpodien, schliesslich noch haarförmige Blüthenrudimente. Von dem 
Gynophor zweigen bei allen drei Blüthenforraen in grösserer Anzahl (30—50) 
cylindrische Haare ab, welche von den älteren Autoren, jetzt noch von Bentham- 
Hooker und Celakovsky, als Perigon aufgefasst sind. Von diesen Haaren soll, 
wie von den einzeln und nur bei Schnizlein's Speeles bracteatae (bracteo- 
latae nach unserer Nomenclatur) vorkommenden Tragblättchen bei Besprechung 
der Frucht gehandelt werden, weil die gedachten Organe erst zur Fruchtzeit 
ihre vollkommene Grösse und Ausbildung erreicht haben. 

Die fruchtbare Blüthe besteht aus einem der Länge nach in einer 
Naht zusammenschliessenden Fruchtblatte, welches, getragen von einem stiel- 
förmigen Gynophor, an dem oberen freien Ende in die Narbe erweitert ist und 
darunter eine röhrenförmige Verengerung, den Griffelcanal, aufweist. Wo Brac- 
teolen vorkommen, ist die Carpidennaht, gemäss Eichler 's Darstellung, diesen 
zugewandt zu denken. Das eigentliche Ovar trägt an seiner Innenseite das 
einzige anatrope, genauer gesagt epitrope Ovulum. Die Blattbürtigkeit desselben 
war schon von Bayer 1857 (s. oben S. 105) erkannt, musste aber im Jahre 1870 



1) 1, c.,.s. 9. 

*) Der Ausdrucli, analog Staminodien gel^ildet, rührt von Eichler, a. a. 0., S.4, her. 
3) 1. c, S. 21. 



Mouographie der Gattung Typlia Tourn. 



127 



vou ßobrbach auf's Neue bewiesen werden, weil Sachs dem Ty pha- ONvAvim 
irrthümlich Acbseunatur zusprach. Aber selbst Dietz^) Hess uocb die Frage 
offen, ob das Ovulum am Rande oder an der Fläche des Fruchtblattes hervor- 
komme. Dass die Placeutation nun eine parietale ist, beweisen aufs Deutlichste 
die Blüthenvergrüuungen von Typlia minima. Die Fruchtblätter erscheinen bei 
denselben der Länge nach geöffnet und in ein Blatt mit Scheide und Spreite, 
welche durch eine verengte Stelle geschieden sind, verwandelt. Eben an der ver- 
engten Stelle kommt aus der Mitte der Blattfläche ein langovaler, an der Basis 
verschmälerter Gewebekörper, das Ovulum, hervor. In der vergrünten Inflorescenz 
kommen auch Fruchtblätter vor, die im unteren (Scheiden-)Theile mit den Seiten- 
rändern verwachsen sind, so dass zwei oder drei in der Fläche nebeneinander 
zu liegen kommen. In allen Fällen sind die oberen (Spreiten-)Theile frei, und 
an der Grenze von Scheiden und Spreiten finden sich in einer Querzeile zwei 
oder drei Ovula, je nachdem zv^ei oder drei Carpiden verwachsen sind. Durchaus 
entspricht also das Typha-OwAum. in seinem morphologischen Werthe einer 
Blattsprossung, und zwar jener serialen Auszweigung des Blattes, die seither 
als Blatthäutchen oder ligula bekannt ist. Es ist bemerkenswerth, dass schon 
Schur vermuthete, was ich durch die teratologischen Thatsachen für bewiesen 
erachte (cf. oben S. 104). Das der Fläche des Fruchtblattes und entsprechend 
dessen Hauptnerv, in welchem die Vasalien verlaufen, aufsitzende Ovulum hat 
ein äusseres und ein inneres Integument. Die Wand des Ovars ist mit einzelnen 
Krystallzellen versehen, welche grosse rhomboedrische Krystalle führen. Die 
Narbe ist lineal — TypJia angustifolia, angustata (Taf. V, Fig. 2, 1, i) u. a. — 
oder spateiförmig- lanceolat — Typlia latifolia, Shuttlewortliii, Laxmanni (Fig. 11, 
12, 15, i) u. a. — gibt somit ein werth volles diagnostisches Merkmal ab. Sie 
hat keine Drüsen, sondert aber zur Zeit des Stäubens eine klebrige Flüssigkeit 
ab, welche bewirkt, dass die weibliche Blüthenwalze im Sonnenstrahl glitzernd er- 
scheint. 2) Die Narbe senkt sich dütenförmig mit schief abgeschnittenem Rande 
gegen den Griffelcaual ein. Der wie aus einem Mehlsacke von der eigenen 
männlichen Blüthenabtheilung herabrieselnde Pollen bestreicht den ganzen Um- 
fang der weiblichen Blüthenwalze, dazu kommt, dass gegen dieselbe von allen 
Seiten aus der Umgebung Polleu angeweht wird. Die meisten weiblichen Blüthen- 
walzen in einem T2//3Äa-Bestande sind daher an ihrer ganzen Oberfläche einge- 
pudert. Die entwickelte weibliche Blüthe ist 72 ^is 1 cm lang; hievon kommen 
nach Dietz^) auf den Fruchtknoten 8 bis 1*2 mm, auf den Griffel das Zwei- 
bis Dreifache, auf die Narbe die Hälfte dieses Masses, 

Die Carpodien sind von der Länge der entwickelten weiblichen Blüthe 
und stellen zellig aufgebaute, endwärts verbreiterte und mit einem angesetzten 
Spitzchen versehene Körper dar, die in der Gestalt am ehesten an kleine Keulen 
oder langgestielte Birnen erinnern (Fig. 1—13, 2). Indem sie sich mit ihren 

^) 1. c, S. 18. 

2) Cf. Behrens, Untersuchungen über den Bau des Griffels und der Nar))e, Göttingen 
1875, S. 30. 

1. c, S. 20. 



128 



M. Kionfeld. 



breiten oberen Umfangen aneinanderlegen, schliessen sie nach abwärts, beziehungs- 
weise nach der Inflorescenzspindel meniscoidale Räume ab, in welchen die Frucht- 
knoten zur Entwickelung gelangen. Es sind also die Carpodien für die dicht- 
gedrängten weiblichen Blüthen Schutzorgane: Die Carpodien schaffen den zur 
Entwickelung der Fruchtknoten und Samen nöthigen Raum. Ihre biologische 
Aufgabe lässt sich unmittelbar mit jener vergleichen, welche den gleichfalls 
keulenförmigen Cystiden zwischen den Lamellen des Hymenomycetenhutes zu- 
kommt. 1). Viele der oberflächlich gelegenen Zellen des Carpodiums sind mit 
demselben Harz augefüllt, dessen bei den Pedicellen Erwähnung geschah. 

k. Die Haare der weiblichen Blüthengemeinschaft; 
die Frucht. 

Zur weiblichen Blüthe gehören als wesentlicher Bestandtheil die Haare 
(Taf. V, Fig. 1 — 16, i) Sie sprossen aus dem Gynophor schon im ersten Stadium 
der Anthese hervor, und zwar regellos in der ganzen Länge desselben. Sie sind 
cylindrisch und drei Zellreihen mächtig. Die radialen Zellwände springen etwas 
vor, so dass die Oberfläche des Haares nicht glatt, sondern mit leistenartigen 
Vorsprüngen besetzt erscheint (Fig. 1 — 15, 3). Bei Typha minima (7, 3) sind 
die Haare endwärts knopfförmig oder kugelig, bei Typha dominginensis (5, 3) 
keulenförmig erweitert, indem mehrere Zellen unter der Spitze durch Einla- 
gerung von Harz seitwärts ausgebaucht werden. Das regellose Auftreten der 
Haare, die an der Frucht nur beiläufig in mehreren Quirlen angeordnet er- 
scheinen, verbietet, in denselben eine Blütheuhülle zu erkennen. Ich sah die- 
selben in der vergrünten Inflorescenz von Typha minima völlig unverändert. 
Würden sie in der That ein Perigon nach Art des Compositen-Pappus vertreten, 
so hätte man eine ähnliche Umwandlung derselben in dreieckige Zipfe erwarten 
dürfen, wie sie bei vergrünten Compositen^) öfters beobachtet wurde. Ihre defi- 
nitive Länge erreichen die Haare an der reifen Frucht, beziehungsweise nach 
Streckung des Gynophors zu einem Carpophor uud Ausbildung des Samens. In- 
dem sie mit der Frucht in Verbindung bleiben, steilen sie ein ausgezeichnetes 
Flugorgan derselben dar. Allein vermöge der Zellenvorsprünge der Haare bleiben 
die Früchte auch am Pelze von Thieren, am Gefieder von Vögeln hängen, so 
dass sie Klettfrüchte darstellen, und schliesslich werden sie durch den Haar- 
besatz zu weiten Wasserreisen befähigt. Es gilt von den T^/i^/ia-Früchten, was 
ich für die Compositen-Achaenien bewiesen habe: Sie können durch Wind, 
Thiere und bewegtes Wasser verbreitet werden, Da die Haare im ausgewach- 
senen Zustande spröde sind und leicht abbrechen, ist eine Zählung derselben an 



1) Cf. W ettstein, Zur Morphologie und Biologie der Cystiden. Aus dem XCV. Baude der 
Sitzber. der kais. Akad. d. Wisseuscli., 1. Abtli., Jänner-Heft, 1887, ö. 10 ff. 

2) Cf. Treub, Over het pappus der Compositae. Nederlandscb. Kruidkundig arcliief, 1873, 
p. 274, Tab. XV u. v. a. 

') Cf. Kronfeld, üeber einige Yerbreitungsmittel der Compositenfrüchte. Aus dem XCI. Bd. 
der Sitzber. der kais. Akad. der Wissensch., I. Abtk., Mai-Heft, Jahrg. 1885, S. 414 ff. 



Monographie der Gattung Tijpha Tourn. 



129 



den Blüthen, beziehungsweise Früchten der einzelnen Arten schwer auszuführen. 
Verhältnissmässig arm an Haaren sind Typha Shuttle ivorthii (Fig. 12, i, ii) und 
orientalis, welche gegen 30 derselben besitzen, die übrigen Arten haben an 50. 
Nebst ihrer Aufgabe als Verbreitungsagens erfüllen die Haare die Function eines 
Schutzorganes der Blüthen. Die Fruchtknoten erscheinen zwischen denselben wie 
Eier zwischen Häcksel eingebettet, denn nicht nur die fruchtbaren, auch die 
tauben Blüthen und Carpodien haben ihren Haarbesatz, mit dem zugleich sie sich 
von der Spindel ablösen. Schaffen die Carpodien den zur Entwicklung der 
Fruchtknoten nüthigen Raum, so umhüllen die Haare die einzelnen Fruchtknoten 
und schützen dieselben vor gegenseitigem Drucke. Erinnern wir uns des Schutz- 
organes in der männlichen Blüthengemeinschaft, der Carpodien und Haare in 
der weiblichen Abtheilung, so wird erst begreiflich, wie auf der verhältnissmässig 
kleinen Area der Ti/^^/m-Inflorescenz viele tausend Blüthen zur Ausbildung ge- 
langen können. Schätzt doch Schnizlein^) die Anzahl der Blüthen am weib- 
lichen Kolben von Typha angustifolia auf nahe 100.000, und Morong findet, 
dass eine weibliche Walze derselben Species von fünf Zoll Länge — nach Ab- 
rechnung der Carpodien und tauben Blüthen — 60.000 Früchte ergibt. Noch 
wäre zu bemerken, dass die weiblichen Blüthenhaare, entsprechend ihrer Aufgabe 
als Verbreitungsmittel, im reifen Zustande lufthaltig sind (mit Ausnahme einzelner 
Harzzellen bei Typha domingmensis und minima [Fig. 5, 7, 3] ) und wasserhell 
durchsichtig, seltener endwärts bräunlich gefärbt erscheinen (Typha angusti- 
folia). Zur Fruchtzeit lösen sich alle drei Blüthenarten des weiblichen Blüthen- 
bereiches von der Spindel und den Pedicellen. Die vorerst der Länge nach 
zusammengeschlagenen Haare spreizen auseinander und heben dadurch Früchte, 
Carpodien und taube Blüthen förmlich aus den Angeln. Hier und dort bauscht 
der Kolben auf, und die Früchte werden zusammt den Carpodien und tauben 
Blüthen durch den Wind in ganzen Flocken davongetragen. 2) Die Dissemination 
findet mit der Abräumung der ganzen Spindel ihr Ende, so dass dieselbe nur 
mehr von den Pedicellen besetzt ist. Schon vorher sind die Antheren und Haare 
der männlichen Gemeinschaft abgefallen. 

/. Die Tragblättchen, Bracteolen der weiblichen Blüthe. 

Dupont machte im Jahre 1834 die Entdeckung, dass die weiblichen 
Blüthen von Typha angustifolia von spateiförmigen Spreublättchen (palöoles) 
gestützt werden. Wir können dieselben, da zu jeder Blüthe je eines derselben 
gehört — nach Schuizlein auch zu jeder Pedicelle — , da sie ferner in ihrer 
Entwicklung der Blüthe bedeutend vorauseilen (Dietz, Engler), als Tragblätter, 
bracteae oder wegen ihrer Kleinheit bracteolae, auffassen. Ihre Selbstständigkeit 
bekundet sich zur Zeit der Dissemination noch darin, dass sie von dem Carpo- 
phor sich loslösen, nicht wie die Haare mit demselben verbunden bleiben. 

1) 1. c, s. 9. 

2) Als -wirksames Mittel gegen deu Zerfall der Kolben im Herbar habe ich Collodium an- 
gegeben. Cf. Botan. Centralbl. 1886, Nr. 20. 

Z. B. Gee. B. XXXIX. Abh. 17 



130 



M. Kronfeld. 



Auch ihre Form ist eine ganz andere als die der Haare (Cf. Taf. V, Fig. 1—10, i, 4). 
Auf schmalem, bei Typha Muelleri (3, 1) haarförmigem Stiele erhebt sich eine 
kleine lanceolate, oben abgestutzte, eiförmige oder umgekehrt herzförmige Spreite. 
Das Tragblatt ist nicht mit den weiblichen, wohl aber mit den männlichen 
Blüthenhaaren (1—13, 5) zu vergleichen und unterscheidet sich von diesen nur 
dadurch, dass seine Spreite gauzrandig ist. Morong^) hält dafür, dass diese 
Bracteolen, wie die männlichen Blüthenhaare, rudimentäre Carpiden sind. Das 
Läugenverhältniss von Tragblatt, Narbe und Perigonhaaren im Fruchtkolbeu 
ist von der grössten Wichtigkeit für die Bestimmung der Arten. Species brac- 
teolatae sind: 

Typha aethiopica, angustifolia, australis, angustata, minima, Mar- 
tini, elepJiantina, Schimperi, Muelleri, dominginensis, javanica, Haus- 
Jcnechtii. 

Species ebracteolatae, bei welchen bloss das Längenverhältniss der Haare 
zu den Narben zu beobachten bleibt, sind dagegen: 

Typha latifolia, Shuttleworthii , orientalis, glauca, Laxmanni, 
capensis. 

Um sich von dem Vorhandensein oder Fehlen der Bracteolen und ihrer Be- 
ziehung zur Narbe und den Perigonhaaren zu überzeugen, ist es nöthig, mit einer 
feinen Pincette oder mit der Präparirnadel tief in den Kolben, womöglich bis 
an die Spindel zu greifen und ein kleines Packet von Blüthen herauszuheben. 
Passelbe legt man mit Sorgfalt, um jede Verschiebung hiutanzuhalteu, die bei- 
spielsweise die Bracteolen länger erscheinen lassen könnte, als sie wirklich sind, 
in einen Tropfen Alkohol auf den Objectträger. Sind die Haare vollgesaugt und 
alle Luftblasen vertrieben, so legen sich die Blüthen bei einigem Nachhelfen 
mit den Nadeln fächerförmig auseinander. Man gibt nun einen Tropfen Wasser 
auf das Object, breitet das Deckgläschen darüber, und das Präparat für die 
mikroskopische Untersuchung ist fertig. Man wird dann nicht nur die gedachten 
Beziehungen, sondern auch die Form der Haare, des Tragblattes und die übrigen 
Details überblicken können. Gleichfalls empfiehlt es sich, eine Bracteole, je eine 
fruchtbare Blüthe und eine Carpodie besonders herauszupräparireu. Aehulich 
hat die Untersuchung der männlichen Blüthe zu geschehen. Schon oben sind 
die Verhältnisse hervorgehoben, auf welche bei denselben zu achten ist. Bei 
einiger Uebung wird man die Untersuchung der Tt/^j/id- Blüthen für die Zwecke 
der Determination bald beherrschen. Ein Aufkochen der Blüthen, wie sonst an 
Herbarmaterial, ist durchaus unnöthig. Eingebettet zwischen den Schutzorganen, 
conserviren sich die Typha-Blüthen in ausgezeichneter Weise und schrumpfen 
dabei nur unerheblich ein. 

m. Der Same und die Keimung. 

Die TyphaSiimen sind im Verhältniss zur Grösse der meisten Arten, 
namentlich Typha elephantina und dominginensis, klein zu nennen. Denn sie 



^) 1. c, p. 3. 



Monographie der Gattung TypTia Tourn. 



131 



erreichen nur 1 7mn Länge. Dabei sind sie von gestreckter Gestalt und drei- 
bis fünfmal so lang als breit. Von diesem Mittel entfernen sich nur die Samen 
der beiden Roh rbach 'sehen Varietäten von Typha angustata. Die var. Zep/o- 
cnrpa hat Samen, die 7 mal, \^\\ aetliiopica Samen, die nur 2- bis 2V2nQa,l 
so lang als breit sind. ') Der Same von Typha entwickelt sich aus einer ana- 
tropen (epitropen) Samenknospe. Im reifen Zustande ist er nach Art eines 
Spitzgeschosses geformt, das heisst, er stellt einen cylindrischen, an dem einen 
Ende querabgeschnittenen, an dem anderen Ende conisch zugespitzten Körper 
dar. Aehnlich wie bei Sparganium ist das breite Ende durch ein kreisförmiges, 
in der Mitte erhöhtes Deckelchen abgeschlossen, welches Antheile des äusseren 
und inneren Integumentes in sich enthält (vergl. Dietz, S. 22, 23, Taf. II, 
Fig. 5, 6, 11). Mit Dietz (S. 27, Taf. II, Fig. 11— 14) unterscheiden wir an 
dem Samen von aussen nach innen fortschreitend : die äussere Samenschale 
(testa), die innere Samenschale (tegmen), das Sameneiweiss (albumen) und den 
Keim (embryo). Sowohl die testa als das tegmen bestehen aus je zwei Zellreihen. 
Die äussere Schichte der testa setzt sich aus ziemlich grossen, in der Richtung 
des Radius oder tangential gestreckten Zellen zusammen, die an der nach Innen 
sehenden Wand stärker verdickt sind. Rohrbach (1. c, S. 72) bat diese 
Zellreihe als Maschenschichte bezeichnet und das Längenverhältniss des radialen 
und tangentialen Durchmessers einerseits, den Verdickungsgrad der inneren 
Wand anderseits, als anatomisches Kriterium zur Unterscheidung der Arten in 
Anwendung gebracht. 2) Die äussere Wand der Maschenschichte ist dünn und 
im trockenen Zustande des Samens collabirt. Desshalb treten die Enden der 
radialen Zellwände an der Oberfläche des Samens hervor und derselbe erhält 
eine feinhöckerige Oberfläche, er ist, wie sich Schnizlein (1. c, p. 7) aus- 
drückt, „gestreift, fein warzig". Die innere Schichte der testa besteht aus stark 
und unregelmässig verdickten, niedrigen und tangential gestreckten Zellen. Die 
beiden Zellreihen der inneren Samenschale werden aus ebenfalls tangential ge- 
streckten und stark verdickten Zellen gebildet. Das Sameneiweiss ist, wenigstens 
bei den von Dietz (S. 29, Taf. II, Fig. 14) untersuchten Arten (Typha latifolia 
und Typha angustifolia), ein doppeltes: ein äusseres, aus einer Zellschiclite be- 
stehendes Perisperm und ein inneres Endosperm. Das Endosperm ist mehlig, 
hart und spröde. Innerhalb desselben findet sich der im Vergleiche zu den 
anderen Theilen des Samens grosse Embryo vor. In seinem unteren Di-ittel hat 
er die halbkreisförmige Keimblattspalte, auf welche bereits Schnizlein^) auf- 
merksam machte. Als Reservestoffe kommen in den Zellen des Samens Aleuron, 
Stärke und Oel vor. Die Stärkekörnchen sind überaus klein und finden sich 
nur in den Endospermzellen, das Oel in diesen und im Embryo, das Aleuron 
zudem auch im Perisperm. Legt man eben gekeimte Typha-Sd^men in Glycerin 
ein, so erscheinen nach mehreren Tagen in demselben kleine Oeltröpfchen 
suspendirt. 

1) Cf. Rolirbach, 1. c, S. 88, 89. 

2) Vergl. meine Beraerkxing über dieses Kriterium, S. 108. 
Vergl. oben, S. 101. 

17* 



132 



M. Kronfeld. 



Um Typha-Ssimen für die Untersucbung in grösserer Menge zu erhalten, 
genügt es, bei Typha latifolia, angustifolia, überhaupt bei jenen Arten, welche 
in die Eotte der Dehiscentes gehören, reife Früchte, wie man sie vom Kolben 
abgenommen, in einer Eöhre mit Wasser kräftig durchzuschütteln. Schon nach 
einigen Minuten werden sich am Grunde der Röhre etliche Samen vorfinden. 
Setzt man das Schütteln fort, so werden etwa nach einer halben Stunde die 
meisten Samen sich vom Pericarp losgelöst haben und zu Boden gesunken sein. 
Man kann dann leicht die Fruchthüllen mit den Haarbesätzen, da sie obenauf 
schwimmen, von den Samen sondern. Legt man die Früchte einfach auf die 
Wasserfläche einer Krystallisirschale, so trennen sich die meisten Samen inner- 
halb ein bis drei Tagen vom Pericarp. 

Schwieriger ist es, von Typha Laxmanni und minima, den indehiscenten 
Arten nach Rohrbach, eine erhebliche Anzahl von Samen zu erhalten. Mit 
dem blossen Durchschütteln kommt man nicht zum Ziele. Man muss die Früchte 
mehrere Tage im Wasser lassen und kann dann mit den Präparirnadeln das 
Pericarp loslösen, was freilich für jede Frucht besonders geschehen muss. 
Wartet man zu, so trennt sich nach drei Wochen auch der Same von Typha 
Laxmanni und Typha minima vom Pericarp, allein zu dieser Zeit ist der 
Keimling bereits stark angewachsen. Jedenfalls muss aber die Eintheilung der 
Typha- ki'iQn in species dehiscentes und indehiscentes aufgegeben werden. Hier 
wie dort klafft das Pericarp in einer Längsspalte auf, um den Samen zu entlassen, 
mit dem es eigentlich nie verwachsen war. Der Unterschied liegt nur darin, 
dass diese Trennung bei der Mehrzahl der Typha -Arten rascher, bei einigen 
Arten aber langsamer erfolgt. 

Gelangen, wie dies in der Mehrzahl der Fälle statt haben wird, Früchte 
von Typha angustifolia auf Wasser, so schwimmen sie zunächst auf demselben 
vermöge der Haare. An jedem Haare haften links und rechts, entsprechend den 
etwas vorgreifenden Zellenenden, kleine Luftbläschen. Jede Frucht ist daher 
von vielen hundert Luftbläschen getragen. Man kann sich davon überzeugen, 
indem man auf ein weisses Blatt Papier einen Objectträger legt und in dessen 
Mitte einen Tropfen Wasser mit einer Typha-Fnicht gibt. Haben sich die 
Haare der Wasseroberfläche angeschmiegt, und leitet man mittelst einer Linse 
Lichtstrahlen von einer Lampe oder von der Sonne auf dieselbe, so erscheint 
auf dem weissen Papiere von jedem Luftbläschen ein Schattenpunkt, man erhält 
förmlich eine Horizontalprojection sämmtlicher Bläschen, welche die Typha- 
Frucht schwimmend erhalten. Die Feuchtigkeit durchdringt das Pericarp, sie 
gelangt zum Samen und macht dessen Maschenschichte aufquellen. Hiedurch 
vergrössert sich der Same, übt auf das Pericarp von innen her einen zunehmen- 
den Druck aus, bis dasselbe entsprechend seiner Längsnath auseinander klafft, 
um den Samen entweder völlig zu befreien, oder, was dem geringeren Procent- 
satze entspricht, mit den Rändern der Spalte im Längsdurchmesser zu umgreifen. 

Wie schon bemerkt, erfolgt die Oeffnung des Pericarps innerhalb ein bis 
drei Tagen. Nunmehr spielen sich an dem zu Boden gesunkenen, oder noch 
im Pericarp wie in einem Balge steckenden Samen die weiteren Keimungs- 



Monographie der Gattung Typlia Tourn. 



133 



Vorgänge ab. Wie bei Typha angustifolia, so fand icli bei Typha Shuttleiüorthii 
uud latifolia, dass die Mehrzahl der Samen, von der Fruchthülle getrennt die 
Keimung eingeht, nicht gemäss der Angabe älterer Autoren (Richard, ßeichen- 
bach) noch innerhalb derselben. Während seines langsamen Sinkens im Wasser 
orientirt sich der Same so, dass das zugespitzte Ende, weil relativ schwerer, 
bodenwärts sieht. Mit dem verjüngten Ende stösst der Same gegen den Boden 
au, uud die geringe Fallkraft ist ausreichend, ihn im schlammigen — im Ver- 
suche durch geschlemmte Kreide zu ersetzenden — Grunde aufrecht zu erhalten; 
der Same bleibt so zu sagen in dem weichen Boden stecken. Dieser Art ist 
für die erste Befestigung des Samens im Keimbette Sorge getragen, 

Nunmehr beginnt die Keimung. Der Samendeckel wird durch den wachsen- 
den Cotyledon aufgesprengt und bleibt an jener Seite, welche der Keimblatt- 
scheide entgegengesetzt ist, mit der Mündung der Samenschale wie durch ein 
Charnier in Verbindung. Gleich an diesem Orte gedenke ich eines merkwürdigen 
Ausnahmsfalles, bei welchem der Samendeckel sich nicht öffnete und der kreis- 
förmig gebogene Keimling seitlich durch die Samenschale brach. Das freie 
Ende des Keimlings war dabei gegen den zugespitzten Theil des Samens ge- 
richtet, so dass die Lage des Embryo, mit der Norm verglichen, umgekehrt 
genannt werden musste. Gleich nach seinem Hervortreten aus der Samenschale 
hat das Ende des Keimlings das Aussehen eines Bandwurmkopfes. Der wali- 
förmigen Verdickung entsprechend wird, wenn der Keimling noch kaum 1 — TS mm 
lang ist, ein Kranz von Wurzelhaaren gebildet. Die kegelförmige Partie ober- 
halb desselben entspricht der radicula, das walzenförmige untere Stück der 
Cotyledonarscheide. Rasch wächst der Keimling in die Länge und krümmt sieb 
zugleich heberförmig gegen den Boden. Inzwischen sind auch die Wurzelhaare 
ausgewachsen und die Wurzelhaube ist deutlich geworden. Kaum berührt die radi- 
cula den Boden, so umklammern die langen Wurzelhaare Sandpartikel und andere 
kleine Gegenstände; der Same selbst steckt nur mehr leicht im Boden, aber 
der Keimling ist ausgiebig an sein Keimbett befestigt, er ist geradezu verankert, 
lieber dem Kranze der Wurzelhaare bricht in diesem Stadium die grüne Knospe 
des ersten Blattes aus der Keimblattscheide hervor. Fortwachsend ergrünt der 
Cotyledon und richtet sich dabei auf. Negativ geotropisch wächst das erste 
Laubblatt in die Höhe. Auch die radicula verlängert sich rasch bis 1 oder 
rS cm. Sie bildet eine gerade Hauptwurzel mit sehr wenig Wurzelhaaren. Hat 
Hanstein^) für die erste Wurzel des Gramineenkeimlings, Hegelmaier^) für 
die gleiche von Canna nachgewiesen, dass beide Monocotyledonen echte Haupt- 
wurzeln entwickeln, so ist das Vorhandensein einer solchen auch für Typha 
mit Sicherheit auszusprechen. Nachdem der Cotyledon mit dem in der Samen- 
schale steckenden keuligen Theile das Nährgewebe ausgesaugt hat, vertritt er 
kurze Zeit hindurch ein assimilirendes Laubblatt und stirbt dann ab. Der im 



^) Vergl. Kerner, 1. c, S. 567. 
1. c. 

3) 1 c. 



134 



M. Kronfeld. 



Samen bleibende Theil, anatomisch von dem übrigen Cotyledon nicht verschieden, 
ist schon vorher eingeschrumpft. 

Bei einer äusseren Temperatur von 14 — Iß^R. nimmt die Keimung von 
der Hebung des Samendeckels bis zum Erscheinen des ersten Laubblattes 1 bis 
IV2 Monate in Anspruch. Langsam entwickeln sich in disticher Folge weitere 
Laubblätter und unter jedem derselben je eine Adventivwurzel. Nach vier 
Monaten, von der Absprengung des Deckels an gerechnet, ist die Hauptwurzel 
eingetrocknet und das ganze Pflänzchen hat drei bis vier Laubblätter (abgesehen 
von dem vergänglichen Cotyledon) und zwei bis drei Nebenwurzeln. So wenigstens 
bei Samen, welche im Zimmer der Keimung unterzogen waren. Der Typha angusti- 
folia durchaus analog verhalten sich Typha latifolia und Typha Shuttletvorthii. 

Biologisch möchte ich noch auf die Befestigungsweise des Samens im 
Keirabette Gewicht legen. In jüngster Zeit sind von Kerneri) eine Reihe von 
Einrichtungen beschrieben worden, welche ein Haften des Samens an der Unter- 
lage während der Keimung bezwecken. Bald ist es die klebrige Samenschale 
(Salvia, Linum), bald sind es Unebenheiten derselben, bald hygroskopische Fort- 
sätze der Theilfrucht (Erodüim), welche im angedeuteten Sinne wirksam sind. 
Und dass diese Einrichtungen für die Oekonomie der Pflanze nicht belanglos 
sind, zeigt eine Beobachtung Tsch irch's, 2) nach welcher entschleimte Xwtim- 
Samen es nicht vermochten, ihre radicula in den Boden einzusenken; dieselbe 
krümmte sich bizarr hin und her, der Same selbst ging zu Grunde. Bei Typha 
ist, wie wir sehen, schon durch die Fallrichtung des Samens im Wasser das 
Steckenbleiben desselben im Schlamme möglich gemacht. Ausgiebiger ist weiters 
die Befestigung des Keimlings durch die Wurzelhaare, welche kleine Gegen- 
stände fast automatisch umklammern, so dass er nur mit diesen emporgehoben 
werden kann, oder, beim Versuche vom Boden abgehoben zu werden, mitten 
durchreisst. Ich sage automatisch, weil ich die Erfahrung machte, dass die 
Wurzelhaare eines im Wasser erzogenen T?/p7^fl-Keimlings, wenn man denselben 
mit einer Pincette vorsichtig aufnimmt und dann auf feuchten Sand setzt, 
schon im nächsten Momente Partikelchen desselben umklammern und den 
Keimling sofort befestigen. Aber selbst diese Verankerung des Keimlings mit 
den langauswachsenden Wurzelhaaren ist nur eine vorläufige. Die Hauptwurzel, 
nach dieser die Nebenwurzeln übernehmen schliesslich die Aufgabe, den Keimling 
vor Losreissung zu schützen. Unterzieht man Samen von Typha in einem 
mit Wasser gefüllten Glasgefässe ohne weichen Boden der Keimung, so wächst 
die Hauptwurzel wohl auch aus, aber sie zeigt jene eigenthümlichen krankhaften 
Krümmungen, welche Molisch^) an Zea-Keimlingen wahrnahm, die mit der 
Wurzel ins Wasser hineinwuchsen. Der Keimling selbst steigt gegen die Ober- 
fläche des Wassers auf und geht zu Grunde. Bei denjenigen Samen von Typha 
angustifolia, welche in der Umhüllung des Pericarps stecken blieben und aus 

1) 1. c, s. 574 ff. 

2) Angewandte Pflanzenanatomie, 1888, I, S. 459. 

Ueber die Ablenkung der Wurzeln von ihrer normalen Wachsthumsriclitung durch Gase. 
Sitzber. der kais. Akad. der Wissensch., I, 1884, S. 3—4, Fig. 1—3. 



Monographie der Gattung Typha Touri 



135 



der Naht desselben deu Keimling herausstrecken, wird es nöthig sein, dass die 
schwimmende Frucht an das schlammige Ufer getrieben wird, damit die Wurzel- 
haare die rasche Befestigung des Samens au dem Keimbette vollführen können. 
Diesen Keimlingen analog verhalten sich uaturgemäss Typha Laxmanni und 
T'ypha minima, bei welchen der Same immer innerhalb des Pericarps zur 
Keimung gelangt, beziehungsweise der Cotjledon die Wandung desselben durch- 
bohrt. Aber auch hier vermag der Same nach drei Wochen von der Umhüllung 
des Pericarps frei zu werden. — Entweder fällt der Same von TyjJia also noch 
vor der eigentlichen Keimung zu Boden und bleibt in demselben stecken, oder 
er beginnt seine Keimung im Contaet mit der Frucht, um mit derselben ans 
Ufer getrieben Halt zu fassen. Noch ist zu erwähnen, dass die Hartschichte 
des Samens, die sich aus der inneren Zellenlage der testa und den beiden Zelleu- 
lagen des tegmen zusammensetzt, ein Schutzmittel des Nährgewebes vor äusseren 
Gewalten, wie namentlich vor der Zerstörung durch Thiere darstellt,^) ferner 
dass iu dem hervortretenden Cotyledou und in den ersten Laubblättern das 
häufige Vorkommen von Eaphiden zu beobachten ist, welche nach StahTs 
neuester Arbeit 2) Schnecken und andere W^asserthiere von den jungen und zarten 
Keimlingen abhalten mögen. 

Was das Keimprocent der T?/p/ia-Samen anlangt, so finde ich, dass 
dieselben, ein oder zwei Jahre alt, fast ausnahmslos keimen und das Keimproceut 
somit nahezu 100 ausmacht. Dietz^) bemerkt, dass nur 20— 307o seiner Samen 
keimten, doch ist nicht angegeben, welches Alter dieselben hatten. Ein Gefäss- 
bündel tritt frühzeitig im Ende des Cotyledons (und in den ersten Laubblättern) 
auf. Es geht aus procambialen Zellen hervor und vereinigt sich nach unten 
und nach Durchstreichuug des kurzen, säulenförmigen Hypocotyls mit dem 
Centraistrange der Wurzel, wie dies Sachs^) analog bei Ällium Cepa gefunden hat. 



III. Specieller Theil. 

Typliaceae. 

Typhinae Agardh, Aphorismi Botanici, pars X, p. 139 (1823). 

Typhaceae Schur in Mittheilungen des Siebenbürgischen Vereins für 
Naturwissenschaft, II, S. 204 (1851); Engler in Natürliche Pfianzenfamilien, 
II, 1, S. 183 (1888); nec non auctorum excl. gen. Sparganium,. 

Character familiae in genere solitario Typha exponitur. 



1) Vergl. Marlotli, üeber niechanisclie Schutzmittel der Samen u. s.w. Englcr's Jahr- 
bücher, III, 1883, S. 245. 

2) Stahl, 1. c. 
») 1. c, S. 31. 

*) Botan. Zeitg., 18G3, Taf. III. 



136 



M. Kronfeld. 



Typha. 

Tournefort, Instit., p. 530, Tab. 301 (1719); Linne, Gen. plant. (1737) 
Nr. 707; Gaertner, De fruct., I, p. 8, Tab. II, Fig. 1 (1788); Roth, Tent. Fl. 
Germ., II, p. sec. p. 470 (1793); Persoon, Synopsi splant., p. 532 (1807); Brown, 
Prodrom, fl. Nov. Holl., p. 338 (1810); De C and olle, Fl. de France, VI, p. 30 
(1815); Humboldt et Bonpland, Nov. gen. et spec. plant., I, p. 82 (1815); 
Pollinius, Fl. Veron., p. 100 (1824); Roxburgh, Fl. Ind., III, p. 566 (1832); 
L. C. Richard in Guillem. Archiv, I, p. 193, PI. V (1833); Dupont in Annal. d. 
Scienc. nat., IP ser., I, p. 57 (1834); Endlicher, Gen. plant., p. 241 (1836— 
1840); Koch, Synopsis Fl. germ., p. 681 (1837); Barker-Webb et Berthelot, 
Hist. nat. iles Canaries, III, sect. III, p. 291, PI. 218 (1836—1850); Hooker, Fl. 
Boreali-Americana, II, p. 170 (1840); Kunth, Enum. plant., III, p. 90 (1841); 
Visiani, Fl. dalmat., I, p. 187 (1842); Ledebour, Fl. ross., IV, p. 1 (1842— 
1846); Godron, Fl. de Lorraine, II, p. 19 (1843); Plee, Types, PL 30 (1844); 
Schnizlein, Typhaceen, p. 24 (1845); Spach, Hist. nat. d. veget., PI. 93, 2 
(1846); Reichenbach, Icon. Fl. Germ., IX, p. 1 et Tab. 319—323; Presl, 
Epimel. Botan., p. 239 (1849); Schur in Verhandl. des Siebenb. Ver. f. Naturw. 
zu Hermannstadt, II, S. 177-195, 198—208, Tab. I, II; Sonder, Fl. Hamburg., 
p. 506 (1851); Lindley, The veget. Kingdom., p. 126 (1853); Bertoloni, Fl. 
Ital., X, p. 22 (1854); Godron et Grenier, Fl. de France, III, p. 333 (1855); 
Seemann, Fl. Vitiensis, p.280 (1865—1873); Kurz in Seem. Journ. of Bot., V, 
p. 94 (1867); Rohrbach in Verhandl. d. botan. Vereins f. Braudenb., XI, S. 73 
(1869); Eichler, Blüthendiagr., I, S. III (1875); Bentham, Fl. Austral., VII, 
p. 159 (1878); Bentham et Hooker, Gen. plant., III, p. sec, p. 955 (1883); 
Boissier, FI. Orient., V, p. 49 (1884); Dietz, Ueber die Entwicklung der 
Blüthe und Frucht von Typha und Sparganium (1887); Morong in Bullet, of 
the Torrey Botan. Club, 1888, p. 1; Engler in Natürliche Pflanzenfamilien, II, 
1, S. 183 (1888). 

Flor es in spicis superpositis, terminalibus, contiguis vel remotis, 
densissime conferti; superior mascula, axi compressa, simplex, spatha cito 
decidua in basi suffulta, spathis huiuscemodi compluribus locis in continuitate 
sua interrupta; inferior feminea, axi tereti, ramosa, ramulis numerosis, setae- 
formihus, 5 ad 2 mm longis, gradatis. Perianthium nullum. Flores 
masculi: Nudi, 1 — 7-, saepissime 3-andri, pilis numerosis fasciatis, ex axi 
ortis, simplieibus vel versus apicem dilatatis ramosisque instructi; filamenta fili- 
formia, simplicia vel ramosa; antherae basifixae, oblongae, quadriloculares, loculis 
oppositis, 2-loceTlatis, rimis lateralibus dehiseentibus, postremo eontortae, connec- 
tivo supra dilatato, in corpusculum carnosum, subolivaceum producto, raphidis 
abundanti; polline simplici vel conglobato, 4-dymo, plerumque sarcinaeformi, 
granisSOadiO ^ indiam. Flores feminei: Nudivelbracteolis insummo spathu- 
latis suffulti; ovarium oblongum, fusi forme, gynoplioro elongato, in basi pilis 
numerosis (30—50), tenuissimis, fiUformibus vel versus apicem globulatis aut 
clavulatis obsito stipitatum, in stylum gracilem erectumque superne productum, 



Monographie dor Gattung Typha Tourn. 



137 



stigmate Uneari, spathulato-ovato vel rhomhoideo-lanceolato \ placenta parie- 
talis, mediana, commissiirae ovarii opposita, monovoidea ; Ovulum duobus inte- 
gumentis instructum, anatropum (epitropum), pendulum; flores imperfecti 
(carpodia, pistillodia) clavati vel piriformes, basi in stipitem, pilis ut in flo- 
ribus fertilibus obsitum attenuati, super ne in styli rudimentum producti. Fruc- 
tus- siccus, nucuJaris, minutus^ ovoideus vel fusiformis, carpophoro longo pili- 
fero instructus, mox vel post aliquantuvi temporis rima longitudinali commissurae 
ovarii apta dehiscens. Semen: flavum, teretiusculum, pericarpio con forme, 
testa membranacea, reticulata, minutidis asperitatibus scariusculum ; tegmen 
non discernibile, nucleo connatum; albumen farinaceum; embryo axilis cylin- 
draceus, albumini fere aequilongus, radicula supera, testam attingenti. 

Herbae paludosae V. lacustres, gregariae. Rhizoma: validutn, repens, 
amylo abundans, cataphyllis distichis postremo discissis instructum, versus apices 
in caules ascendens. Caules: inflorescentiis terminati, erecti, simplices, basi 
submersa, internodiis longitudine diversis exstructi, nomophyllis distichis, 
rarius modo cataphyllis vaginatis occupatae. Folia (nomophylla): Uneari- elon- 
gata, coriacea, crassiuscule-spongiosa, vaginis longis, in foliis subsequentibus 
plerumque alterne involutis, laminis leviter intortis; laminae Sectio trans- 
versa supra vaginam plano-convexa, semicylindrica vel planiuscula, bicon- 
vexa, elliptica vel triquetra. 

Species 18, paludibus aquae dulcis regionum temperatarum et tropi- 
carum incolae. — Secundum cl. Englerum familia Typhacearum prima in 
Monocotyledoneis , ideoque prima plantarum Phanerogamarum est notanda. 
Post Typhaceas Pandanaceae, Sparganiaceae etc. enumerandae. 

Usus. Schon oben ist erwähnt, dass zu Theophrast's Zeiten die Rhizome 
von Typha, die wir als sehr stärkereich geschildert haben, als Nahrungsmittel 
aufgesucht wurden. In Tscherkask am Don ist das Rhizom von Typha lati- 
folia für Jung und Alt, nach Dr. Clark e, ein beliebtes Nahrungsmittel. Die 
Rhizome werden ähnlich dem Spargel in Bündeln auf den Markt gebracht und, 
nachdem man sie abgeschält, von den Kosaken roh gegessen. Sie sollen eine 
nicht unangenehme, im Sommer kühlende Speise abgeben. Palm er führt die 
TypÄa- Rhizome ebenfalls als Speise der nordamerikanischen Indianer an. Der 
Aufguss des schleimigen Rhizoms wird mancherorten wider Eiterflüsse und 
Katarrhe gebraucht. 

Vornehmlich gewann Typha als nahrungspendende Pflanze auf Neu-See- 
land Bedeutung. Die einheimische Bevölkerung war mangels nährender Cultur- 
pflanzen genöthigt, von Zeit zu Zeit Kriege zu unternehmen, um die im Kampfe 
Gefallenen zu verzehren. Auf Neu-Seeland lenkte sich daher die Aufmerksam- 
keit des Volkes jeder Pflanze zu, die nahrhafte Stoffe enthielt. Von Typha 
angustifolia ß. Brownii dient noch jetzt nicht bloss das Rhizom als Nahrung 
(Colenso, Transact. New Zeal. Inst., 1880), sondern es wird der Pollen in 
Menge gesammelt, mit Wasser zu einem Teige angerührt und aus diesem Teige 
werden eigene Kuchen gebacken. Der Fall, dass Blüthenstaub ein Nahrungsmittel 
abgibt, ist wohl ein überaus seltener. Gerade Typha empfiehlt sich nach dieser 

Z. B. Gea. B. XXXIX. Abh. 18 



138 



M. Kronfeld. 



Richtung in Folge des gleichsam wie Mehl ausgebotenen zuckevreichen Blüthen- 
staubes. Ganz ähnlich werden nach Hook er in Ostindien aus Typ/ia-Pollen 
Brode angefertigt. Dass T^/p/ia-Pollen als Surrogat für Semen Lycopodii be- 
nützt wird, wurde schon bemerkt. Welche Wichtigkeit Typlia für die ein- 
heimische Bevölkerung Neu-Seelands hatte, das geht aus den zahlreichen Namen 
hervor, welche die Pflanze im Volksmunde führt (Lindsay in Seem. Journ. of 
Bot., 1869). Die Pflanze selbst heisst Karito und Kopu-pungatva, das Rhizom 
Kareirei und Konica, der Pollen und der aus demselben bereitete Kuchen 
punga2mnga. 

Wenig bekannt dürfte sein, dass Typha-Arien zu Nahrungszwecken gebaut 
werden. Dies ist nach Fauvel (Mem., Cherbourg, 1881) in den chinesischen 
Rohrsümpfen mit Typlia minima, nach Hildebrandt (Gesellsch. f. Naturk. z. 
Berlin, 1881) in Central- Madagascar mit einer nicht näher bezeichneten Typlia 
(capensis ß. Hildehrandtii?) der Fall, welch letztere auf salzhaltigen Stellen ge- 
pflanzt, in ihrer Asche ein dem Kochsalze vorgezogenes Product ergibt. 

Als Flechtmittel finden die langen, starken Blätter der Typlia- kview, die 
sogenannten Lieschen, mannigfache Anwendung. In Ostindien werden mit den 
riesigen Blättern der Typlia elepliantina die Hütten gedeckt. Nach Caspary ver- 
suchte mau es einmal, die Leitbündel des Rhizoms von Typlia latifolia als 
Gewebestoff zu benützen (Schrift, d. physik.-öcon. Ges. zu Königsb., 1873). 

Die befiederten Früchtchen gaben, wie Dioscorides berichtet, vermengt 
mit Fett ein Mittel wider Verbrennungen ab. Von armen Leuten wurden sie 
in classischer Zeit als Ausstopfmittel für Pölstou* benützt. Auch der Boden im 
römischen Circus war mit der Fruchtwolle von Typlia bedeckt. Auf beiderlei 
Gebrauch anspielend, sagt daher Martial, Epigr. XII, 160: 
Tomentum concisa palus Circense vocatur; 
Haec pro Liugonico stramina pauper emit. 

In unseren Tagen finden die Typha-l^oVa^n decorative Anwendung. Selbst 
dieser Brauch der üppigen Gemächer scheint vom Volke hergenommen. Denn 
in Tirol zieren die Leute in den Häusern die Heiligenbilder mit Rohrkolben, 
welche, um ihren Zerfall hintanzuhalten, vorher abgesotten werden. Als Spott- 
kolben oder Spottrohr sind die Ti/p/m-Kolben dem christlich-deutschen Volke 
eine Erinnerung an Christus, den entthronten König. 

Conspectus specierum analyticus. 

Tribus I. Bracteolatae. 

Bracteatae Schnizlein, Typhaceen, S. 25. 

Flores feminei hracteolis superne spatliulatis instructi. Pedicelli non 
supra 1mm alti. 

1. Stigmata linearia. Pollen simplex vel 4-dymum. Speeles totius orbis. ^. 
Stigmata lanceolata. Pollen 4-dymum. Species tropicae. 10. 



Monographie dor Gattung Trjpha Tonrn. 



139 



2. Pollen 4-dymum. Plantae graciles. 3. 
Pollen Simplex. Plantae robustae. 5. 

3. Caules florales foliis laminatis (nomophyllis) instriicfi. 4. 
Caides florales nonnisi foliis vaginalis (cataphyllis) instructi: 

Typha minima 

4. Laminae integerrimae, ad vaginam plano-convexae : . Typha Martini 
Laminae remoto-suhdenticulatae, ad vagiyiam triquetrae: 

Typha Haussknechtii 

5. Pili florum femineorum filiformes acuti. 6. 

Pili florum femineonm siipra clavulati. Speeles americana: 

Typha dominginensis 

6. Bracteolae stigmatibus breviores. 7. 

Bracteolae Stigmata adaeqiiantes, utraque pilos superantia. 
Frnctus 4—5^ quam crassus longior. Folia ad vaginas semicylindrica: 

Typha angustata 

Fructus 2 — 2' 5^ quam crassus longior. Folia ad vaginas obtuso-triquetra : 

Typha aethiopica 

7. Bracteolarum petioli angusto-lineares, bracteolae versus apicem sensim dila- 

tatae. Species veteri orbis. 8. 
Bracteolarum petioli angustissimi, bracteolae in summo demum dilatatae. 
Species australiensis : Typha Muelleri 

8. Pili spicae masc. supra simplices, furcati vel denticulati. 9. 

Pili spicae masc. supra valide dilatati, ramosiusculi, damae cornua imi- 
tantes: Typha australis 

9. Folia inferior a ad vaginam ellipticae: Typha javanica 

Folia inferiora ad vaginam semicylindrica, rarius planiuscula: 

Typha angusti folia 
10. Folia ad vaginam triqiietra. Spica fem. rufo-brunnea: 

Typlia elephantina 
Folia ad vaginam plano-convexa. Spica fem. brunneo- nigra: 

Typha Schimperi 

Tribus II. Ebracteolatae. 

Ebracteatae Sehn iz lein, Typhaceen, S. 24. 

Flores feminei ebracteolati. Pedicelli 0'5—2mm alti. 

1. Stigmata lanceolata in Typha capensi etiam linearia. Folia viridia. 2. 
Stigmata ad unum omnia linearia. Folia glauca . . . Typha glauca 

2. Pili florum fem. Stigmata superantes, vel adaequantes. Folia 5—10 mm 

lata. 3. 

Pili florum fem. stigmatibus breviores. Foliaangusto-linearia,vel5—20mm 
lata. 4. 

18* 



140 



M. Kronfeld. 



3. Stigmatibus lanceolatis Unearia intermixta. Spica fem. et masc. fere 
aequilongae Typha capensis 



Stigmata laneeolata. Spica ( ^ 

j, . Folien simpl 

masc. fem. consptcue < „ , , 

Pollen 4-dyt) 



ex ... . Typha orientalis 

, . , - . . ^ ^Jmum. . Typha Shuttleworthii 

orevior. l ^ 

4. Pollen 4-dymum. Folia 5 — 20 mm lata, ad vaginas planiuscula. Spica fem. 

et masc. fere aequilongae Typha latifolia 

Pollen Simplex. Folia angusto-linearia, ad vaginas semicylindrica. Spica 

fem. et masc. 5° vel # hrevior Typha Laxinanni 

Accedunt ad species 18 enumeratas varietates 7, formae 9. Celeberrimi 
Bent ha 771 et Ho oh er ponunt generis Typhae: „species ad 10". 



Eintheilung und Entstehungstheorie. 

Sind die 18 Typha- Arteii in die beiden Tribus eingeordnet, so wird man 
bei näherer Untersuchung erkennen, dass jede Tribus wieder in zwei Subtribus 
zertheilt werden kann, entsprechend der näheren Verwandtschaft der Arten ; und 
zwar nach folgendem Schema :0 

Typha. 

I. Tribus: Bracteolatae. 

Subtribus A. Bohrbachia. 

Plantae graciles 5—1 m altae. 
Axis spicae masc. pilis destitutus. 
Subtribus J5. Schnizleinia. 

Plantae robustae 1 — 4 771 altae. 
Axis spicae masc. pilis instructus. 

II. Tribus: Ebracteolatae. 

Subtribus C. Schuria. 

Plantae robustae 1 — 2 m altae. 
Spica masc. femineae aequilonga, hac admodum 
longior vel conspicue brevior. Pollinis grana 
minora. 

Subtribus D. Engleria. 

Plantae graciles ad 1 m altae. 
Spica 7nasc. fe7ninea triplo vel quadruplo 
longior. Pollinis grana maiora. 

Die Arten selbst in den einzelnen Subtribus können ferner als Haupt- 
und Nebenarten unterschieden werden. 



1) Die vier Subtribus benenne ich den Forschern zu Ehren, welche sich um die Systematik 
des Genus Typha vorzüglich verdient machten. 



Monographie der Gattung Typhu Touru. 



141 



Typha. 

Species: 
Typha minima. 
Typha Martini. 
Typlm doviinginensis. 
Typha angustata. 
Typha anejustifolia. 

Typha clephantina. 
TypJta glanca. 
Typha Shuttleworthii. 
TypJm latifolia. 
Typha Laxmanni. 



Subspecies: 
Typha Haussknechtü. 
Typha aethiopica. 

Typha Muelleri. — Typha australis. 

— Typha javanica. 
Typha Schimperi. 

Typha orientalis. 
Typha capensis. 



Dass die getroffene Eiutheilung der Typha- Arten in Tribus und Sub- 
tribus eine natürliche ist, hiefür spricht nebst den morphologischen Verhält- 
nissen auch der Stammbaum der Gattung Typha, den wir unter gleichzeitiger 
Berücksichtigung der. durch ünger bekannt gewordenen fossilen und der 
recenten Arten entwerfen können. Der Stammbaum wäre nämlich folgender: 



Gegenwart 



Tertiär 



Trias 



Engleria Schuria 



Schnizleinia 



Eohrbachia 



Laxmanni ShutÜeio] angustifoUa (ß. Brownii), Haussknechtü \ 

(ß. mongolica, orientalis\ dominginensis \ javanica, Martini 

y. planifolia) capensis | australis | Muelleri \ an- (ß. Bavidiana) 

(ß. Hildebr.)\ ^ gustata (ß. leptocarpa), minima 

latifolia aethiopica \ elephantina, (ß. Begelii) 
Schimperi 



Ebracteolatae X 



Bracteolata 



Typha latissima 



Typha Ungeri 



Typha Kerneri 



TypJia latissima ist hiebei als Ürsprungsart der Ebracteolatae, Typha Ungeri 
als Ursprungsart der weit mehr gegliederten Bracteolatae genommen. Typha 
glauca ist nach unserer Auffassung die den Uebergang zwischen den beiden 
Tribus vermittelnde Kreuzungsform. 

Der Stamm Typha stellt eine active, in der Gegenwart sich ausbildende 
und fortgliedernde Gattung dar. Viele Typha-Arten sind — verglichen mit den 
Arten anderer Gattungen — vorläufig nur durch minutiöse Charaktere von ein- 
ander zu trenoen; so Typha angustifoUa von australis, javanica und Muelleri. 
Des Ferneren lehrt der einfache Blüthenbau, der auf keine höher entwickelte 
Blüthenform zurückgeführt werden kann, dass die Gattung Typha als rudimentäre 



142 



M. Kronfeld. 



Gattung die niederste Stufe unter den Monocotyledonen einnimmt; dies hat 
Engler zuerst mit Deutlichkeit ausgesprochen. Bei einzelnen Arten (Typha 
angustifoUa, TypTia latifolia) sind auch die Varietäten noch nicht fest zu um- 
grenzen und gehen in einander über. Wir müssen sie als Formen hinstellen. 

Vorausgesetzt, dass die Typha-kxiQia. aus einigen Arten entstanden sind, 
so wird es bei dem Umstände, als die leichten, trefflich beschwingten Fort- 
pflanzungskörper zu weiten Luftreisen befähigt sind, zudem auch durch be- 
wegtes Wasser und als Klettfrüchte durch Thiere verbreitet werden können, 
leicht erklärlich sein, wie eine bestimmte Art, auf dem Wege der Migration 
unter veränderte Vegetationsbedingungen gelangend, selbst Umgestaltungen 
erfuhr. Das erste Auftreten einer Pflanze in einem von ihrem Vegetations- 
centrum entfernten Orte entzieht sich gewöhnlich der Controle. Die Beob- 
achtung, dass Flugfrüchte oder Flugsamen, die gestern noch auf einer Insel 
oder Küste nicht vorhanden waren, über Nacht durch einen Orkan herbeige- 
tragen wurden, kann, wie es in der Natur der Sache liegt, immer nur eine 
zufällige und gelegentliche sein. Aber eben solche gelegentliche Beobachtungen 
sind wegen ihrer Seltenheit von höchstem Werthe. Um nur einige derselben 
anzuführen, so sah Berthelot^) nach einem Sturme an mehreren Stellen der 
canarischen Inseln Erigeron amhiguus aufschlagen, eine Pflanze des Mediterran- 
gebietes, deren Achaenien von Nordafrika oder gar von Portugal herbeigetragen 
sein mussten, und Warming^) erhielt Fruchtzweigehen von Calluna und Erica 
zur Untersuchung, welche von Schweden quer über das Kattegat durch den 
Wind transportirt worden waren und somit ein Drittel des Weges zwischen 
Island und Grönland in der Luft zurückgelegt hatten. Unter solchen Umstän- 
den darf angenommen werden, dass Früchte, beispielsweise von Typha angusti- 
foUa, sei es von Italien, sei es von irgend einem mediterranen Eilande, nach 
Afrika gelangten, und hier die Pflanze zur Typha australis wurde. 

Die vorzügliche Migrationsfähigkeit ist also als erstes Moment für die 
Entstehung neuer Typha -Arten geltend zu machen. Ein zweites Moment liegt 
in der Asyngamie, dem ungleichzeitigen Blühen der Individuen einer Art, 
welches nach Kerner's^) Ausführungen zur Entstehung neuer Arten führen 
kann. Das Gros der Individuen einer Art blüht zu gleicher Zeit, es sind Syn- 
gamisten. Nebst diesen kommen aber auch „Vorläufer" und „Nachhinker" vor, 
von welchen, da die Vegetationsbedingungen, unter welchen sie reifen, gegen- 
über jenen des Gros veränderte sind, oder doch mehr weniger modificirt sein 
können, neue Arten mitunter ihren Ausgang nehmen. Aehnliche Arten, von 
welchen die eine das Hochgebirge, die andere das Thal, die eine den Norden, 
die andere den Süden bewohnt, die sich also in zwei Gebieten gewissermassen 
vertreten und deren Areale gewöhnlich aneinander grenzen — z. B. Soldanella 
montana und Soldanella alpina, Calamintha Nepeta und Calamintha nepetoides, 

1) Cf. Grisebacli, Die Vegetation der Erde, I, S. 370. 

2) In Engler's Jalirbüch., 1888, X. Bd., S. 407. 

Vorläufige Mittlieilung über die Pedentung der Asyngamie für die Entstehung neuer 
Artea. Sep.-Abdr. aus den Ber. d. naturw.-medic. Ver. in Innsbruck, 1874. 



Monogr;ipliio clcr Gattung Tijpha Touru. 



143 



Draha aizoides und Draha lasiocarpa u. v. a. — sind auf diese Weise entstan- 
den. ') Indem wir die Vorläufer als prodromisch — die Nachhinker als epidro- 
misch-asyngam bezeichnen wollen, haben wir für beide Gruppen unter den 
Typen je einen ausgesprochenen Vertreter. Typlia S/iuttleworthii ist als pro- 
dromisch-asyngam von Typha latifolia, Typha Martini als epidromisch-asyn- 
gam von Typha minima abgezweigt zu denken. Typha Shuttleivorthii ist 
unseres Erachtens zugleich das Beispiel einer „jungen", in der allerletzten Zeit 
von Typha latifolia abgezweigten Art. Hiefür spricht auch nach Christ der 
Umstand, dass Typha Shiittleworthii auf der Schweizer Molasse, dem jüngsten 
Boden des Landes, wächst. Die beiden durch Asyngamie entstandenen Arten 
sind ferner desshalb merkwürdig, weil jede derselben sich von der Mutterart 
an zwei räumlich entfernten Oertlichkeiten abgesondert findet. Typha Martini 
sehen wir in Westeuropa, und eine Varietät oder Form derselben in Ostasien 
neben Typha minima vorkommen. Typha Shuttleivorthii tritt neben Typha 
latifolia in der Schweiz, und ihre Unterart Typha orientalis wieder neben Typha 
latifolia an der Ostküste Asiens auf. 

Ferner ist das Genus Typha ein ubiquistisches, denn es kommt auf allen 
Festländern und allen grösseren Inseln zwischen dem nördlichen Polarkreis und 
dem 50. Parallelkreis südlicher Breite vor. Was von der Gattung gilt, trifft 
aber nicht für die einzelnen Arten zu. Räumlich die grössten Areale bewohnen 
Typha latifolia und Typha minima, aber selbst die erstere fehlt in Australien 
und Polynesien, letztere zudem noch in Amerika. Endemisch könnte am ehesten 
noch Typha capensis genannt werden; die vordem für endemisch gehaltene 
Typha Shuttleivorthii ist auch in Frankreich, Oberitalien, in der Steiermark, in 
Ungarn und Siebenbürgen gefunden worden. Die ostindische Typha elephan- 
tina ist nun auch für Algier nachgewiesen. Für jede Typha-krt ist das Ver- 
breitungsgebiet im Detail zu erörtern. „Auf der ganzen Welt" findet sich 
keine einzige Art. 

Als Anwohner des Wassers haben die Rohrkolben ihr hauptsächliches 
Vorkommen in der Ebene. Im europäischen Alpengebiet gelangen sie jedoch 
mitunter in bedeutende Höhen. Offenbar werden ihre Fortpflanzungskörper 
durch die senkrecht aufsteigenden Luftströme emporgehoben, wie dies Kerner 
bei anderen leichten Samen im Hochgebirge beobachtete. Der höchste mir be- 
kannt gewordene Standort einer Typha im mitteleuropäischen Alpengebiete ist 
die Krummholzregion der Tofana di Mezzo (Südtirol), wo 0. Simony die 
Typha latifolia f. Bethiilona in einer Höhe von 1800 m blühend antraf. 

Noch höhere Standorte von Typha sind aus den amerikanischen Cordil- 
leren bekannt. In Caracas kommt Typha dominginensis bis in die Höhe von 
2200 w vor (Ernst), und Mandon sammelte dieselbe Art in Bolivia 2600m 
hoch über dem Spiegel des Meeres. In der Erhebung von 1300— 1400 w wird 
nach Martens und Galeotti die Typha latifolia bei Xalapa in Mexico be- 
obachtet. 



•) Rprner, a. a. 0., S. 8. 



144 



M. Kronfeld. 



Diese Bemerkungen über die verticale Verbreitung der Gattung Typha 
zu besehliessen, sei noch des iranischen Vorkommens gedacht. Auf dem persi- 
schen Plateau sammelte Stapf die Typha angustata bei Baermaeh Daelack in 
1700 m Höhe, die Typha Laxmanni y. planifolia bei Asupas in einer Höhe 
von circa 2400 m. 

Tribus I. Bracteolatae Schnizl. emend. 
Subtribus A.: Ptohrbachia Kronf. 

1. Typha minima Funk-Hoppe. 

Syiioymia: Typha angustifolia Allion. Fl. pedem., II, p. 273, Nr. 2349 B. 

— Riedel! in sched. herb, petrop! nec non berol! — Szovits in herb, petrop! 

— non Linne, Spec. plant., ed. I, p. 971. — neque auctorum. 

Typha angustifolia ß. minor Linne Spec. plant., ed. II, Vol. II, p. 1378. 
Typha Bungeana Presl Epimel., p. 239. — Walp. Annal., III, p. 495. 

— Kurz in Seemann, Journ. of Bot., V, p. 96. 

Typha elliptica Gmelin, Fl. bad., III (1808), p. 603. 

Typha juncifolia Montandon, Syn. de la Fl. de Jura sept. — Wil- 
helms, PI. exs. Nr. 3321! non Celakovsky. 

Kleiner Geschlecht vom Lieschkolben Tabernaemontauus, Kräuterb. 
(1588), I, S. 686. 

Typha Laxmanni Ledebour, Fl. ross., IV, p. 3 (excl. syn. Lepechin). 

— Nyman, Sylloge (1854—1855), p. 388. — Turczan., Fl. Baical. Dahur., II, 
Fase. 1, p. 169. — Tchihatcheff, Asie min., Botan., II, p. 649. — Rohrbach, 
Gatt. Typha, S. 91 (excl. syn. Lepechin). — Boissier, Fl. Orient., V, p. 50 
(excl. syn. Lepechin). — Engler in Natürl. Pflanzenfam., II, 1, S. 186. — nec 
non auctorum praecipue Fl. ross. — non Lepechin. 

Typha lugdunensis Chabert in Bull, de la Soc. agr. de Lyon, 1850. — 
Gandoger, Fl. GalL, exsicc. Nr. 609! 

Typha media Endres in herb, petrop! — non auctorum. 

Typha minima Funk sine descript. in Hoppe, Botan. Taschenb., 1794, 
S. 118, 181; Hoppe, ibid., Anmerk. S. 187. — Braune, Salzb. Fl., II, S. 624. 

— Hoffm., Flora Deutschi., 2. Ausg. (1804), S. 251. — Willden., Spec. plant., 
IV, p. 198. — Pollinius, Fl. Veron., III, p. 101. — Schnizlein, Typhaceen, 
p. 25. — Plee, Types, PI. 30. - Fr auch et, PI. David., p. 312. — atque auct. 
mult. (excl. syn. Schleicher et De Cand. apud Kunth, Enum., III, p. 91). 

Typha minima duplici clava Morison, Plant, bist., p. 246. 

Typha minor Lobel et Pena, Stirp. advers. (1576), p. 41. — Bauhin, 
Hist. plant, e recens. Chabr. (1650), p. 540. — Smith, Fl. Britann., III (1805), 
p. 960. — Willd., 1. c. — Bertoloni, Fl. Ital., X, p. 26. — atque auct. mult. 

— non Curtis. — nec Reich enb., IX, p. 1 (excl. Syn. Engl. Bot.). 

Typha minor b. spica utraque hrevi, cylindracea Bertoloni, 1. c. 



Monographie der Gattung Typha Tourn. 



145 



Typha nana Ave-L allem., De plant. Ital. bor., p. 19. — Eeichenb., 1. c. 
Typha palustris minor Rajus, Hist. plant., p. 1313. — Tournefort, 
Instit, p. 529. 

Descriptio : Planta gracilis, 30 ad 60 cm alta. Spica mascula et feminea 
remotae vel contiguae, aeqiiilongae vel admodum diversae, utrimque saepe 
in eodem exemplare; haec 18 — 30, illa 15 — 45 mm longa, spatium a floribus 
liberum 10— IS mm latum. Axis spicae masc. sine pilis; flores 1—3-andri, plerum- 
que monandri; antherae l'5—2 mm longae, superne 0'4 — 0'5 mm latae, pollen 
4-dymum, grana singidaria 26 fi in diam. Spica feminea in anthesis stadio III 
brunneo-fusca, oblonga, elliptica, oviformis vel sphaeroidea; florib. fertilibus abor- 
tivi (carpodia) intermixti. Flos femineus totus in anthesis stadio I. 2 — 3 mm, in 
anthesis stadio III 6 mm longus, suffultus bracteola fasciata, brunneola, versus 
apicem angusto-spathidata, obrundata, 0'06 mm lata; pili florum femin. nume- 
rosi (ad 50), superne capitidato-vel globtdato-incrassati, hic albi vel brunneoli, 
026 — 0'04, illic 013 nun lati, bracteolam adaequantes; stigma lineare, 
O'l — 0'2 mm latum, pilos longo superans; germen fusiforme. Fructus ovoideus, 
O'S — 9 mm longus, 24 — 0'30mm latus, superne infundibuliformis ; carpophorum 
ad 3 mm longum; Stylus in fructu plerumque defractus. Pedicelli gradati, 
0'2—0 4 mm alti. Folia caulium floriferorum ad vaginas interdum breviter 
mucronatas redacta, turionum sterilium laminata, laminae integerrimae angusto- 
lineares (1'5 — 3mm latae), extus convexae vel convexiusculae, intus planae, caulem 
aequantes vel superantes. 

Icoiies: Lobel, Icon. stirp. (1591), Tab. 114. — Morison, 1. c, Icon., 
Sect. 8, Tab. 13, Fig. 3. — Engl. Botan., XXI, 1437. — Pollin., I.e., III, 
Tab. 1. — Reichenb., Icon. fl. Germ., IX, Tab. 319, Fig. 742 et 743. — Engler, 
1. c, S. 185, Fig. 144. — Icon. nostr. Tab. IV, Fig. 2. 

Analyses: Ave'-Lallem., I.e., Fig. 23. — Schnizlein, I.e., Fig. 6, 7, 
8 und 21. - Plde, 1. c, PI. 30. — Anal, nostr., Tab. V, Fig. 7. 

Exsiccatae: Hoppe, Decad., Nr. 100! — Reichenbaeh, Fl. Germ., Nr. 331 
— Schultz, Herb, norm., Nr. 750!, eiusdem Fl. Gall. et Germ., exsicc. cent. 2, 
Nr. 57! — Bourgeau, PI. d. Alp. maritim., Nr. 276! — G an doger, Fl. Gall., 
exsicc. Nr. 609! — Kern er, Fl. exsicc. Austr.-Hung., Nr. 687! 

Distributio geographica: An Plussufern, im feuchten Sande, meist 
dem Laufe der Flüsse folgend. 

A, Europa. I.England: VonDillenius bei Hounslow, westlich von Lon- 
don gefunden (Smith, Fl. Britan., 1805, III, p. 960), seitdem nicht wieder; daher 
in Bentham-Hooker, Engl. Flora (5. Aufl.) nicht angeführt. — 2. Spanien: 
Noch nicht beobachtet, vermuthungsweise in Catalonien (Willk.-Lge., Prodr. 
Fl. Hisp., I, p. 33). — 3. Belgien: Bamps erfuhr, dass die Typha minima 
des Löwener Gartens von St. Trond in Belgien gebracht sei, suchte aber auf 
diesem Standorte vergeblich nach der Pflanze (Bull. Soc. de Bot. Belg., XIII, 
1874, p. 217). — 4. Frankreich: (im Flussgebiete der Rhone) An der Arve in 
Savoyen (Personnet, Bull. Soc. bot. de France, 1861, p. 462); Lyon (Chabert!, 

Z. B, Ges. B. XXXIX. Abb. 19 



146 



M. Kronfeia. 



Martin!, Godrou- Grenier , Fl. de France, 1855, III, p. 339); an der Isere 
(Huguenin!), bei Vautre (Martin!), Grenoble (Godron- Grenier, 1. c), Cham- 
bdry (Schultz, herb, norm., Nr. 750!); an der Durance bei Saules (Burle!); an 
der Rhone bei Avignon (Herb. Ja c quin in herb. palat.Vindob !, Hooker!, Godron- 
Grenier, 1. c), Arles (Artaud!); am Var bei Nizza (Bourgeau, PI. d. Alp. 
maritim!, Riedel! Mertens! Godron - Grenier, 1. c); Cannes in den See- 
Alpen (Hellmann!). — 5. Schweiz: Canton Waadt bei Genf an der Einmün- 
dung der Arve in die Rhone (Lobel-Pena, Stirp, advers. 1571, p. 41, Rajus 
Hist. plant, 1693, p. 1313, Lagger! Jack! et aliü); Lausanne (Lagger!), an 
mehreren Stellen im Waadtland (Durand -Pittier, Bull. Soc. bot. France, 1882, 
p. 247); Canton Neuenburg bei Troirods (Lerch!); Canton Aarau bei Brem- 
garten (Siegfried!); Lenzburg (Herb, petrop !); Aarau ( J ä g g i !) ; Luzern ( J ä g g i !) ; 
Bregenz am Bodensee (Reichenbach, Fl. Germ., Nr. 33!); St. Gallen (Jäggü). — 
6. Italien: Auf der ganzen Halbinsel bis Calabrien, nicht auf den Inseln (Parlat,, 
Fl. ital., II, p. 266); Lombardei (Cesati, Linnaea, N. F., V, 1848, p. 54); Parma!; 
Turin (Cesati! et aliü); Cortelona (Balbis, Fl. ticin., II, p. 167); Verona (Bracht!, 
Manganottü); Pavia (Gibbelj) ; Toscana (Caruel, Prodr. della fl. tose, p. 668). 

— 7. Deutschland (den Rhein abwärts) : Basel (Lechler ex Rohrbach); Rhein- 
weiler (Solms-Laubach und Magnus ex Rohrbach); am Kaiserstuhl und bei 
Breisach (A. Braun ex Rohrbach); Rheinau (Fl. Gall. et Germ, exsicc. 2a cent., 
Nr. 57!); Strassburg (Endres! Huter! et al.!); ehedem weit nördlicher bis zum 
Mainzer Rhein-Knie, denn von Tabernaemontanus (Kräuterb., 1588, I, p. 686) 
aus der oberen Grafschaft Katzenellenbogen angegeben; Michelfeld (Zeyher!) 
(im Flussgebiet der Donau) am Lech von Schongau an (Ca f lisch ex Rohr- 
bach); bei Augsburg (Caflisch!); am Inn bei Rosenheim (Sendtner ex 
Rohrbach). — 8. Oesterreich-Ungarn:. Vorarlberg: Feldkirch am Rhein!; 
Tirol, im ganzen Gebiete am Inn und Eisack!!!; (im Donaugebiet (Salzburg: Salz- 
burg, Auen an der Salzach (Kern er, Fl. exsicc, Nr. 687! Funk! Mielichhofer! 
et al. ! !) ; Laufen (Hoppe!), auch im übrigen Theile ! ; Oberösterreich : Linz, Steyregg 
(Oberleitner!), Auen an der Salzach (Vierhapper, Prodrom. Fl. Innkreises, 
1885, S. 37); Niederösterreich: an der Donau von Weissenkirchen oberhalb Krems 
(Kalbrunner!) bis Wien!!!; Steiermark: an der Donau bei Wurmberg (Verbniak 
bei Maly, Fl v. Steierm., 1868, S. 57) ; Kärnten: an der Drau bei Berg (Pacher- 
Jaborn egg, Fl. Kämt., I, S. 256); Krain (Frey er, in herb, palat. Vindob!), 
scheint neuerdings nicht wieder gefunden zu sein; Ungarn: Pressburg (Schnel- 
ler, 1856!), Banat (Rochel, Reise, S. 85), am Plattensee (Presl ex Rohrbach), 
Eisenburger Comitat beiDömölk (Borbäs!), Pest (Csakö, 1884!); Croatien: Drau 
bei Legrad (Sehl o sser-Vukotinovic, Fl. Croat., p. 1155), Zäkäny (Borbäs!; id. 
Oest. bot. Zeitschr., 1886, S. 83); in den übrigen Kronländern, als Böhmen, 
Mähren, Schlesien, Istrien, Dalmatien, Galizien und Siebenbürgen fehlt Typha 
minima. — 9. Serbien: Bei Turija reka im Gurgusovacer Kreise (Pancic, 
Zool.-botan. Ges., 1856, p. 598). — 10. Rumänien (Kanitz, PI. Rom., p. 245). 

— 11. Russland: Bei Tscherkask am Donfluss (Henning, Mem. Mose, VI, 
p. 92); Lithauen? (Eichwald ex Kunth, Enum., III, p. 91). 



Monographie der Gattung Typha Tourn. 



147 



B, Asien. 1. (Kaukasus-Proviii::eii) am Terek bei Kisljar (Bieberstein ex 
Robrbacb); am Podkumak (Wilbelms ex Robrbacb); am Kodor iuAwbasia 
(Nordmann ex Robrbacb, Tcbicbatscbef f, Asie min., Botan., II, p. 649); 
Marienfeld (Hobenacker!); Grusien (K o c b!, id. Linnaea, N. F., VI, 1849, p.269). — 
2. Armenien: Am Nakitscbiwantscbai (Szovits!). — 3. Beludscbistan (Stocks, 
Nr. 858 ex Robrbacb). — 4. Afgbanistan (Griffith Nr. 5622!). — 5. Tur- 
kestan: Tocbitscbil (Semeszow!); zwiseben Bucbara und Samarkand und am 
Syr-Darja (Lebmann ex Robrbacb). — 6. Soongarei: An der Lepsa 
(Scbrenk!) — 7. Transbaicalien: In Transbaicalien (Turczaninow Fl. 
Baical. Dah., II, Fase. 1, p. 169). — 8. Persien (Bunge in berb. petrop.!). — 
9. Mongolien: Wüste Gobi, Oase Isa-Tscben (Przewalski !), Keria, Oase Nia 
(Prz ewalsk ü); Ortous und Gebol (David ex Fr ancb et, I.e.). — 10. China: 
Bezirk Tangut (Przewalski!); nördliches China (Bunge ex Robrbacb). 

C. Amerika. Robrbacb sab im Poite au 'sehen Herbarium eine Typha 
minima mit Poiteau's Etiquette von St. Domingo. Der Standort bleibt höchst 
zweifelhaft. 

Flor et: Majo, Junio %. 

Var. ß. Begelii Kronf. 

Synonym.: Typha Laxmanni Regel mscr. ! — non Lepech. neque auct. 

Deseriptio : Planta gracillima, 20 ad 30 cm alta. Spica mascula et fe- 
minea remotae, longitudine diversae, haec cylindracea vel sphaeroidea, 10 ad 15, illa 
25 ad 30 mm longa, spatium a florihus liberum 15 mm latum. Folia caulium 
floriferorum ad vaginas interdum hreviter mucronatas redacta, turionum steri- 
lium laminata, laminae angustissimo-lineares (1 — 15 mm latae), extus con- 
vexae, intus planae, caulem superantes. 

Icones: Icon. nostr., Tab. IV, Fig. 4, Tab. V, Fig. 9. 

Exsiccatae: Regel, PI. exsicc. it. turkestan! 

Distributio geographica: Asien. 1. Turkestan: Kuldscha (Regel, It. 
turkestan!). — 2. Mongolien: Gobi-Wüste am Flusse Jedzin bei Gao-tai und 
Luyatun (Potanin!). — 3. China (Karolkow und Krause!). 

Observatio. Typha minima nimmt wegen des Fehlens entwickelter 
Laubblätter an den Blüthentrieben, wegen der endwärts geknöpften weiblichen 
Haare und des Fehlens der Haare an der männlichen Spindel, schliesslich wegen 
ihrer relativen Kleinheit, unter den Typha- Avten eine besondere Stellung ein, und 
könnte selbst als Vertreter eines eigenen Tribus aufgefasst werden. Die Ge- 
schichte und Nomenclatur der Art ist schon oben, S. 93, erörtert worden. Hier 
sei nur nochmals hervorgehoben, dass Typha Laxmanni der Autoren seit 
Ledebour sich keineswegs mit Typha minima deckt, sondern den ältesten 
Namen für TypJia stenophylla darstellt. 

Das ürsprungsgebiet der Art in Europa scheinen die Alpen zu sein. Am 
Genfer See, wo die Pflanze noch beute häufig ist, fand sie Penius schon in der 
zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, und Lobel gab 1576 die erste Bescbrei- 

19* 



148 



M. Kronfeld. 



bung und Abbildung der Art. Durch die Ehone wurde Typha minima in die 
französische Ebene, durch den Rhein nach Deutschland, die Donau nach Oester- 
reich-Ungarn gebracht. Sie kam zu Tabernaemontanus' Zeiten bis zum 
Ehein-Knie (Einmündung des Main) vor, hat sich aber derzeit bis nach Strass- 
burg zurückgezogen. Wenn sie, wie Bamps vermuthet, in Belgien vorkommt, 
so ist sie gleichfalls durch den Rhein hinuntergeschwemmt worden. Nach 
Osten scheint die Pflanze derzeit im Vordringen begriffen zu sein. Erst 1884 
fand sie Csakö bei Pest, einem Standorte, der den emsigen ungarischen Bota- 
nikern, wenn schon früher vorhanden, kaum entgangen wäre. Wo man Gelegen- 
heit hat, die Pflanze an einer bestimmten Localität zu beobachten, dort über- 
zeugt man sich, dass ihr Vorkommen von dem Wasserstande und den jährlichen 
Veränderungen, welche sandige Flussufer mitmachen, abhängig ist. Seit 1881, wo 
mir die Vegetation der Typha minima in den Donauinseln und Auen bei 
Kritzendorf nächst Wien zuerst auffiel (vergl. Oest. bot. Zeitschr., 1881, S. 374), 
und wo ich mein Interesse der Gattung Typha zuzuwenden begann, nahm ich 
das Vorkommen der Typha minima an der genannten Localität, ferner in der 
Klosterneuburger Au und im Wiener Prater in Acht. Nach Allem kann ich 
Reissek^) nur zustimmen, wenn er sich, betreffend unsere Pflanze, also äussert: 
„Sie steht nie anders als am Ufer oder in der Nähe desselben, gewöhnlich im 
reinen Sande tief mit ihren Rhizomen sich verbreitend, und wenn sie vom 
Buschwerke nicht eingeengt ist, truppweise den Platz bedeckend. Zieht sich 
das Wasser von ihrem Standorte zurück, werden Sand- und Kiesbänke vorge- 
lagert und der Platz trockener, so schwindet sie, steril werdend und sich schnell 
verschmächtigend, sehr bald. In der Regel wird sie nach kürzerer oder längerer 
Zeit vom Gebüsche überwachsen, zuerst von Purpurweiden, hierauf von baum- 
artigen Salicinen und Grauerlen, und schwindet dann schnell. Man wird sie 
daher nur ausnahmsweise für längere Dauer auf einem Standorte finden." Indess 
erhielt sich doch nach meiner Erfahrung Typha minima in der Kritzendorfer 
Au auf Sandboden im geraumen Abstände vom Donaubette. 

Bemerkenswerth ist die grosse Variabilität der Form der weiblichen Aahre, 
des Kolbens von Typha minima (Taf. V, Fig. 7, 9). Auf diese allein hin Arten 
gründen zu wollen, wie Gmelin's Typha elliptica, ist ebenso unrichtig, als 
das Vorhandensein oder Fehlen des blüthenfreien Achsenstückes als Kriterium 
zu benützen. (Vergl. hierüber auch Rohrbach, S. 93.) Dagegen ist Typha 
minima ß. Regeiii, die niedlichste aller Typhen, so wohl charakterisirt, dass 
sie als Varietät unterschieden werden darf. In der gleich zu erörternden 
Typha Martini Jord. (Typha minima ß. gracilis auct J erkenne ich, wegen des 
völlig verschiedenen Habitus, eine eigene Art. 

2. Typha Martini Jord. 

Synonymia: Typha gracilis Jordan, Catal. h. Grationop., 1848, p. 24 
et Obs. sur plus, plant, nouv., VIP fragm., 1849, p. 43. — Walpers, Annal., 



Schriften der zool.-botan. Gesellscli. in Wien, 1855. 



Monographie clor Gattung Tijpha Tourn. 



149 



m, p. 495. — Godron-Grenier, Fl. de Fr., 1855, III, p. 335. — non Reichen- 
bach. — nec Schur. 

Typha Laxmanni ß. gracilis Rohrbach, 1. c, S. 93. 

Typha Martini Jordan, Catal. h. Grationop., 1851. — non Thomson 
in herb. Kew. 

Typha minima ß. serotina Gr an i er, Fl. Jurass., I, 1865, p. 813. 

Typha minima var. gracilis Ducommun, Taschenb. Schweiz. Botan., p. 778. 

Descriptio : Planta gracilis, 30 ad 60 cm dlta. — Spica mascula et 
feminea remotae, utraque 4 — 6 cm, plerumque 5 cm longae, spatium a floribus 
liberum 5 — 15 mm latum. Axis spicae masc. sinepilis; flores 1 — 3-andri plerumque 
monandri, antherae 1'5 mm longae, superne 0'5 mm latae, polten 4-dymum^ grana 
singularia 26 fi in diam. Spica fem. in anthesis stadio tertio brunneo-fusca, 
longa, cylindracea; florib. fertilibus abortivi (carpodia) intermixti. Florib. fem. 
totus in anthesis stadio III. 5 mm longus, suffultus bracteola fasciata versus 
apicem angusto-spathidata, obrundata, 06—01 mm lata; pili florum fem. 
numerosi (ad 30) supra capitulato- vel globulato-incrassati, hic brunneoli 
0'04—0'06 mm, illic 013 mm lati, minutissimi, bracteola paulo breviores; stigma 
lineare, 04—0'06 mm Ißtum, pilos longe superans; germen fusiforme. Fructus 
ovoideus, 0'8 mm longus, 016 mm latus, carpophorum ad 3 mm longum. Pedicelli 
gradati ad 4 mm longi. Gaules floriferi foliis laminatis, inflorescentiam 
superantibus instructi, laminae integerrimae, angusto-lineares (1'5 — 2 mm latae), 
extus convexae vel convexiulae, intus planae. 

Icoiies: Icon. nostr., Tab. IV, Fig. 7; Anal. Tab. V, Fig. 8. 

Exsiccatae: Martin, PI. d. envir. de Lyon! — Jordan! 

Distril)iitio geographica: Europa: Auf den Rhone-Inseln unterhalb 
Lyon bei Vaux (Jordan!), an der Iscre bei Vaule (Martin!), an der Arve bei 
^Itrambieres (Reuter ex Rohrbach), an dem Zusammenflusse der Rhone und 
Arve (Grenier, Fl. Jurass., I, p. 813). 

Floret: Augusto, Septembri %. 

Var. ß. Davidiana Kronf. 

Synonymia: Typha Laxmanni Fr an ch et. Plant. David., p. 312. — non 
Lepechin. — neque auct. 

Descriptio : Planta gracilis, 1 m alta. — Caules floriferi foliis laminatis, 
inflorescentiam superantibus instructi, laminae integerrimae, 3 — 4 mm latae. 

Bistributio geographica: Mongolei: In Sümpfen von Gähol (David!). 

Obseryatio: Die von Jordan aufgestellte Art unterscheidet sich von 
Typha minima: 1. durch das Vorhandensein von Laubblättern an den Blüthen- 
trieben; 2. die constant gestreckten, cylindrischen Kolben; 3. das regelmässige 
Vorkommen eines blüthenfreien Achsenstückes zwischen weiblicher und männ- 
licher Inflorescenz; 4. die über die Haare ragenden Bracteolen; 5. die Feinheit 
der Haare; 6. die Blüthezeit. Der Typha Martini nächstverwandt ist Typha 
Haussknechtii Rohrb., welche aber durch unten dreikantige, schwachgezähnelte 



150 



M. Kronfeld. 



Blätter und noch längere Bracteolen gekennzeichnet ist. Da Typha Martini 
andererseits wesentliche Berührungspunkte zu Typha minima zeigt, als welche 
nur die Form der weiblichen und das Fehlen der männlichen Haare, ferner der 
Wuchs erwähnt seien, darf man annehmen, dass die Art im Sinne Kerner 's 
durch Asyngamie von Typha minima, unter welcher sie vorkommt, abgezweigt 
ist, und zwar ebenso im Lyoner Gebiet, wie in der asiatischen Mongolei. 

3. Typha Haussknechtii Eohrb. 

Synoiiymia : Typha Haussknechtii Rohrbach, 1. c, S. 99. — Boissier, 
Fl. Orient., V, p. 51. 

Typha stenophylla Haussknecht! — non Fisch, et Mey. — neque auct. 

Descriptio: Subspecies Typhae Martini. — Planta gracilis, ad 1 m 
alta. — Spica mascula et feminea remotae, longitudine diversae; haec 2' 5, 
illa 5 cm longa, spatium a floribus liberum 3 cm latum. Axis spicae masc. 
sine pilis; flores 1—3-andri. Flos fem. suffultus bracteola fasciata versus api- 
cem angusto-spathulata, obrundata; pili florum fem. numerosi, capitulato- vel 
globulato-incrassati, albi, bracteola multo breviores, interdum cum stigmate 
lineari, germen fusiforme. Fructus ovoideus. Pedicelli gradati, ad 0'5 mm 
longi. Folia caulium floriferorum laminata, inflorescentiam multo superantia, 
laminae inferiores ad vaginam triquetrae, ad angulas laterales subdenti- 
culatae. 

Exsiccatae: Haussknecht, It. syrio. -armen ! 

Distrilbutio geographica : Asien : A r m e n i e n : Am Flusse Göksu zwischen 
Behesne und Adiaman (Haussknecht!). 

Observatio: Diese Unterart der Typha Martini ist von derselben immer- 
hin deutlich zu unterscheiden: 1. Durch die eigenartig geformten Blätter; 2. das 
Längenverhältniss der Bracteolen zu Narben und Haaren; 3. die weit über die 
Inflorescenz ragenden Spreiten. Die Zähnelung des unteren Blattrandes ist 
eine äusserst schwache, die Zähnchen sind weit auseinander und nur mit Mühe 
wahrnehmbar. An eine wirklich gezähnte lamina, wie sie in der den Typha- 
ceen nächst verwandten Familie, den Pandanaceen, vorkommen, darf selbst- 
redend nicht gedacht werden. Schon Boissier (1. c.) vermuthete in Typha 
HaussTcnechtii eine Unterart der Typha Martini. 

Subtribus B,: Schnizleinia Kronf. 

4. Typha angustifolia L. 

Synonymia: Liesch- oder Mostkolben Tabernaemontan us, Kräuterb. 
(1588), I, S. 686 pro p. 

? Typha Nr. 70 var. a. Gmelin, Fl. Sib., I, p. 133. 



Monographie der Gattung TijpTia Tourn. 



151 



Typlia angustifölia Linne, Spec. plant., ed.I (1753), p. 971; ed. II (1763), 
p. 1378 (excl. var. ß.). — Pollich, Hist. plant., II, p. 555. — Smith, Fl. Brit. 
(1805), III, p. 959. — Pursh, Amer. sept., I, p. 34. — Balbis, Fl. Ticin., II, 
p. 167. — Pollinius,Fl. Veron.,in, p. 101. — Bluff- Fingerh., Comp., Sect. I, 
Tom. II, p. 458. — Schnizlein, Typhaceen, p. 25. — Bertoloni, Fl. Ital., X, 
p. 24. — Godron-Grenier, Fl. de France (1855), III, p. 335. — Rohrbach, 
Gatt. Typha, S. 81. — Tchichatscheff, Asie min.. Bot., II, p. 649 pro p. — 
Marsson, Fl. Vorpomm., S. 504. — Willk.-Lge., Prodr. Hisp., I, p. 32. — 
Pancic, Fl. Serb., p. 648. — Nymau, Consp., p. 757. — Watson, Bot. of 
Calif., II, p. 189. — Boissier, Fl. Orient., V, p. 49. — Morong, Bull. Torr. 
Club, 1888, p. 6. — nee non auct. — non Aublet, Plant.de Guiane, II, p. 847. 

— neque Stewart mscr. — neque Eckl. et Zeyh. mscr. — neque Desfon- 
taiue, Fl. Atlant., II, p. 333. — neque Drege, PI. cap. b. sp. Nr. 8811. — 
neque Mertens, Herb. bor. Amer. — neque Be langer. Herb. del'Inde, Nr. 107. 

\ — neqüe Roxb., FI. ind., III, p. 566. — neque Richard, Tent. fl. Abyss., II, 
p. 350. — neque Buch in Guillem, Arch. de Bot., I, p. 483. — neque Schimper, 
Abyss., Nr. 1190. ~ neque Kralik, PI. Cunet. — neque Schimper, Unio. it. 

— neque Miquel, Fl. Jnd. Bat., III, p. 173. — neque Balansa, PI. Mersin., 
Nr. 103. — neque Brother us, PI. Caucas., Nr. 869. — neque Thwait., Enum. 
of Ceyl. plant., p. 231. — neque Kurz in Seem. Journ. of Bot., 1867, p. 95,96. 

— neque Regel, It. turkestan., 1876, 1877. — neque Heldreich, Pflanzen d. 
att. Ebene, R. 509. — neque Battandier- Trabut, Fl. d'Alger, p. 19. — 
neque auct. 

Typha angustifölia cc. genuina Godron, Fl. Lorr. (1843), II, p. 20. 
Typha angustifölia var. spathacea Borbäs mscr.! 

Typha gracilis Simonkai in herb. Borbäs! — non Reich enb. — 
neque Schur. 

Typha intermedia Sdringe mscr.! — Wolff mscr.! 

Typha latifolia Pittoni in herb, palat. Vindob! — Tineo, PI. sie. exs.! 

— non L. neque auctor. 

Typha latifolia ß. minor Ambros, Flor, tirol. austr., I, p. 797. 
Typha media Clusius, Rar. stirp. pann. hist., p. 716. — Rajus, Hist. 
plant., p. 1312. — Gmelin, Fl. bad., III, p. 602. — Eichw., Lithauen, p. 121. 

— non auct. 

Typha palustris Dodon., Stirp. hist., p. 506 pro p. 

Typha palustris clava gracili Tourn ef.. Inst. (1719), p. 529. 

Typha palustris media Morls., Plaut, hist., p. 246 ic. sect. 8, Tab. XIIL 

Fig. 2. 

Typha Shuttleivorthii Borbäs, Term. tud. közlöny, Heft 153, p. 216 und 
Oesterr. botan, Zeitschr., 1882, S. 237 pro p. (specimen Steinitzii). — L. Richter 
mscr.! — non Koch et Sond. — neque auct. 

Descriptio: Planta robusta, 10 ad 15 dm alta. — Spica mascula et 
feminea remotae, rarissime contiguae, aequilongae vel masc. a feminea 1 — 4 cm 
diversa ; haec 11 — 35, illa 12—27 cm longa, spatium a floribus liberum 1 — 5 cm 



152 



M. Kroufeld. 



latum. Axis spicaemasc.pilis fasciatis, niveis vel mfo-hrunneis, linearibus, acutis, 
vel furcatis, rarius trifidis obsita; flores 1—3-andri, plerumque triandri; an- 
therae 2— 3 mm longae, superne 0'5 mm latae; pollen simplex, grana 26—33 fi 
in diam. Spica feminea in anthesis stadio tertio (cinnamomeo-)hrunnea, 
cylindracea; florihus fertilibus abortivi (carpodia) intermixti. Flos fem, totus 
in anthesis stadio I. 2 — 3 mm, in anthesis stadio III. 9 — 10 mm longus, suffultus 
bracteola fasciata, brunneola, versus apicem obrundato- vel acuto-spathulata, 
ovato-obrundata, obtusa vel cordato-incisa, 0'12—0'26 mm lata; pili florum fem. 
numerosi (ad 50) superne acuti, brunneoli, 0-013 mrd lati, bractaeolam ad- 
aequantes; Stigma lineare, O'6—O l mm latum, pilos longe superans; germen 
elongato-fusiforme. Fructus elongatus, 1'2—1'5 mm longus, 3 mm latus, superne 
infundibuliformis ; carpophorum ad 5 mm longum; Stylus in fructu plerumque 
defractus. Pedicelli gradati, ad 5 mm dlti. Folia caulium floriferorum 
laniinata, laminae integerrimae, lineares 5 — 10 mm latae, extus convexae, intus 
canalicidatae vel planae, semicylindraceae, inflorescentia longiores. 

Icones: Moris., Plant, bist. Icon., sect. 8, Tab. XIII, Fig. 2. — Tournef., 
lustit., Tab. 301. — Curtis, Fl. Lond., ed. I, Fase. 3, Tab. 62; ed. II, III, 
Tab. 94. — Fl. dan., V, 815. — Engl. Bot., XXI, 1456. - Sehkabr, Handb., 
IV, Tab. 281. — Sveusk. Bot., Tab. 234. — Dict. sc. nat., Botan., Monocot., 
Tab. 9. — Scbnizlein, Typbaceen, Fig. 1, 2. — Reicbenb., Icon. germ., IX, 
Tab. 321, Fig. 745. 

Analysen: Lamk., Illustr., 748, Fig. 2. — Scbnizlein, Typbaceen, 
Fig. 9, 10, 12—18, 24—28. — Dietz, Entwicklungsgescb., Taf. I, Fig. 11, Taf.II, 
Fig. 9. — Engler, Typhae. Natürl. Pflanzeufam., II, 1, S. 184, Fig. 143 Ä, B. 

— Morong, Bull. Torr. Club, 1888, p. 6. — Anal, nostr. Tab. V, Fig. 2. 

Exsiccatae: Mertens, Herb. Amer. bor! — Tausch, Herb. Bob! — 
Eeichenb., Fl. Germ., Nr. 41! — Friedrichstbal, Plant. Macedon., Nr. 729! 

— Baenitz, Herb, europ! — Revercbon, Plant. Sardaigne, Nr. 197! 

Formae (ab auctoribus pro varietatibus vel speciebus habitae): 
1. media (Scbleicb.) Kronf. 

Synonymia: Typha angustifolia a) elatior Scbur, Enum. Trans- 
silv., p. 637. 

Typha angustifolia ß. elatior Godron, Fl. de Lorr., II (1843), p. 20. 
Scbloss.-Vukotinovic, Fl. Croat., 1869, p. 1156. 

Typha elatior Boengh, Prodr. fl. Monast., p. 274. — Reicbenb., 
Fl. exs., p. 11. — non Boreau. 

Typha gracilis Scbur, Enum. fl. Transsilv., p. 637. 

Typha media Scbleicb., Catal. plant. Helv., ed. I (1800), p. 59 
(excl. syn. Morison). — De Cand., Fl. de France (1815), VI, p. 302. — 
Pollini, Fl. Veron., III, p. 100 (excl. syn. Sm., Willd., Balb. etNocca 
et icon. cit.). — Bluf f-Fingerb., Comp. fl. germ., sect. I, Tom. II, p. 458 
(excl. syn. Sm. et L.). — non Merat, nec Bory et Cbaub., nec Bar- 
bieri in herb. Bracht. 



Monographie der Gattung Typha Tourn. 



153 



Reichenbach, Fl. exc. — non Sm. — nec. Willd. — neque auct. 

Exsiccatae: Reichenb., Fl. exsicc, Nr. 702! — Reichenb., Fl. 
Germ., Nr. 42! — Wiesbaur in Baenitz, Herb, europ.! 

Icones: Reichenbach, Icon. Fl. germ., IX, Tab. 320, Fig. 744. 

Descriptio: Planta 15 ad 30 dm alta. Spicae fere aequilongae. 
Laminae angustiores, tantum 3 — 5 mm latae, extus convexiusculae vel 
subconvexiusculae, intus planae. 

2. inaequalis Kronf. 

Synonym.: Typha media Rigo, PI- Lomb. exsicc, 1886! — non 
Schleich, neque auct. 

Descriptio: A praeeedente differt spieis conspicue diversis, 
masc. 2- vel 2' 5^ fem. longiore. 

3. Sonderi Kronf. 

Synonym.: Typha angustifolia ß. spadicibus approximatis Son- 
der, Fl. Hamb., p. 507. 

Descriptio: A Typha angustifolia genuina differt spicis masc. 
et fein, contiguis. 

4. Uechtritzii Kronf. 

Synonym.: Typha angustifolia Uechtr., 25. Jahresb. d. Schles. 
Gesellsch., 1878, S. 185. — non L. neque auct. 

Descriptio: A Typha angustifolia genuina differt spatha in 
hasi spicae fem. foliacea, 60—80 cm longa diutius persistente. 

Observatio: Während Typha angustifolia var. spathacea Borh. 
in der That nur junge Exemplare der genuinen Form darstellt, ist 
Uechtritz's Form durch das grosse, sich an der Basis der weiblichen 
Gemeinschaft erhaltende Hochblatt bemerkenswerth. 

Distributio geographica: An Ufern, in Weihern und Sümpfen, seltener 
als Typha latifolia. 

A. Europa: In ganz Europa, wie Typha latifolia, mit Ausschluss 
Griechenlands, doch im Allgemeinen seltener als diese. So kommt Typha an- 
gustifolia in der Schweiz nur in Wallis vor (Christ, Pflanzenl. d. Schweiz, 
S. 94, 100), und fehlt in der Bukowina (Herbich, Fl. Bukow.), als dem einzigen 
der Krouländer Oesterreich-Ungarns. Aus Dalmatien von Visiani nicht an- 
gegeben, aber von Ascherson an der Narenta und bei Stagno grande beob- 
achtet (Oest. botan. Zeitschr., 1867, p. 263, 1869, p. 67). Auf der Insel Orsera 
(Istrien) fand A.v. Kerner eine Typha im Brackwasser, welche durch Stand- 
ort und hohen Wuchs auffiel. In den Wiener botanischen Garten verpflanzt, 
erwies sich die Art als Typha angustifolia, die auch auf den anderen Inseln 
der nordadriatischen Bucht gesammelt wurde, so auf Veglia und Arbe (Borbäs). 
In ganz Italien vorkommend, begegnet uns Typha angustifolia auch in Sicilien 
(Parlat., Fl. ital., II, p. 265), so um den Aetna (Strobl, Oest. botan. Zeitschr., 
1881, S.234), ferner auf Sardinien (Thomas! Reverchon, PI. d. Sard. Nr. 197! 
Barbey, Fl. Sard. comp., p. 57) und Corsica (Parlat., 1. c, p. 266), ferner im 

Z. B. Ges. B. XXXIX. Abb. 20 



154 



M. Kronfeld. 



mittelländischen Meere auf den Balearen (Willkomm, Linnaea, N. F., 1876, 
p. 8). In Griechenland vicariirt für Typha angustifolia Typha angustata (s. d.). 
Bei Constantinopel kommt die Art nach Griesebach (Spicil, II, p. 475) und 
Tchi chatscheff (Asie min., Bot., II, p. 649) vor. Ausgenommen den Libanon 
beherrscht Typha angustata dann Kleinasien, Persien, Afghanistan und das 
chinesische Reich. Im Kaukasus ist das Vorkommen der Typha angustifolia 
durch Weidemann (herb, petrop.!), Koch! (Linnaea, N. F., 1849, p. 269), u. A. 
belegt. 

jB. Asien: Syrien: Im Libanongebiet bei Broummane (Blanche ex 
Rohrbach), am Damour (Gaillardot, Nr. 409 bis!), Vermuthlich bildet der 
Ural die östliche Grenze der Typha angustifolia. Wohl ist dieselbe in Lede- 
b Our 's Fl. Altaica, IV, p. 249 angegeben, aber ich glaube, dass es sich auch 
in diesem Gebiete um die in ganz Centrai-Asien häufige Typha angustata 
handelt, wie gleichfalls zu dieser Art gehört, was ich als Typha angustifolia 
aus China und Japan sah. Am Ufer des ~ indischen Oceans tritt an Stelle der 
Typha angustata Typha javanica. Nach Allem ist bis nun Typha angustifolia 
auf asiatischem Boden nur am Libanon gefunden worden. Ganz fehlt dieselbe 
in Afrika. Dagegen ist sie in Nordamerika, Australien und Polynesien wiederum 
zu Hause. 

C, Amerika: Aus Pensylvanien und Virginien durch Pursh (Fl. Am. 
septent., I, p. 34) bekannt. Häufig in den Vereinigten Staaten, aber in Britisch- 
Nordamerika fehlend (Hook er, Fl. Bor. Amer., II, p. 170); Mobile (Mohr!), 
Californien (Watson, Botauy of Calif., p. 189; Morong, Studies on Typhac. 
p. 7), Louisiana (Tainturier!). Von Texas au wird nach dem Süden die Art 
durch Typha dominginensis vertreten. 

Floret: Julio, Augusto (in Europ. med.) 

Var. ß. Brownii (Kuiith) Kronf. 

Synoiiymia: Typha angustifolia Brown, Prodr. fl. nov. Holl, p. 338. — 
Seemann, Fl. Vitiens., p. 280 (excl. syn. Boengh, Ehrenb., Bory et Cbaub., 
Koch, Sonder). — Hooker, Fl. New Zeal., I, p. 238. — Bentham, Fl. Austral., 
VII, p. 159 (excl. syn. Rohrbach). — Mueller, Cens. of Austr., PI. I, p. 120, 
pro p. — Lindsay, Journ. of Botan., 1869, p. 329. — non L. — neque auct. 

Typha Brotvnii Kunth, Enum., III, p. 92. — Schnizl, Typhac, p. 26. 

Typha latifolia Forster, Fl. Insul, prodr., p. 64. — Kirk in New Zeal. 
Inst., XI (1878), p. 144. — non L. — neque auct. 

Descriptio: Typha robusta. Spicae remotae vel saepius contiguae. 
Pili axis masc. rufo-brunnei fasciati, versus upicem dilatati, denticulis non- 
nullis instructi. Bracteolae Stigmata adaequanies vel iis paidulo breviores. Folia 
cauliwn floriferorum laminata, laminae ad 10 mm latae, extus subconvexiuseulae, 
intus planae. 

Exsiccatae: Haast, PI. exsicc! — Mueller, PI. exsicc! 
Distributio geographica: ^. Australieu: Victorialand (Täte, Trans, of 
the Roy. Soc. of South Austr., 1880, p. 83); Port Jackson und Vandiemensland 



Monographie der Gattung Tijpha Tourn. 



155 



(R. Brown ex Rohrbach); Queensland, Rockhampton (Mueller!). In Bentham's 
Fl. Aiistral., VII. p. 159 ist Typha JMuelJeri mit Typlia angustifolia vereinigt, 
so dass die Standortsangaben nicht mit Sicherheit bezogen werden können. 

B. Polyiiesieu: Neu-Seeland am Tamise (herb. Richard ex Rohrbach), 
Canterbury (Haast!) etc. (cf. Lindsay in Seemann, Journ. of Bot., 1869, p. 329), 
Fitschi-Inseln (Seemann, Fl. Vitiens., p. 280). 

Obseryatio: Was die Synonymik der Typha angustifolia anlangt, so ist 
dieselbe mit Bezug auf Typha media bereits oben, p. 96, erörtert worden. Dass 
Typha media, beziehungsweise Typha elatior nur eine grössere und flach- 
blättrige Standortsform ist, lehren die zahlreichen Uebergänge, welche zwischen 
dem Typus und der Form media zu beobachten sind. Auch Typha angusti- 
folia continua ist eine blosse Form ; an sich sehr wechselnd, ist die Länge des 
freien Zwischenraumes in der Mitte der beiden Blüthengemeinschaften hier 
geworden. 

Was die Verbreitung betrifft, so scheinen der caspische See und das 
Marmara-Meer die westliche Grenze der Art gegen Asien zu bilden. Ebenso 
wird dieselbe südöstlich, schon in Griechenland, durch Typha angustata ver- 
treten, in Afrika kommt als fernere vicariirende Art Typha australis hinzu. 
Die Pflanze Australiens und Polynesiens, in welcher Kunth eine neue Art, 
Typha Broiünii, vermuthete, ist nur wenig von Typha angustifolia verschieden 
und nähert sich durch die flacheren Blätter der Form media. Von Typha an- 
gustifolia ist freilich auf australischem Boden eine Art, Typha Muelleri Rohrb., 
abgezweigt. Ferner kommt die Pflanze in Nordamerika vor. Südlich schliesst 
sich an dieselbe Typha dominginensis und beherrscht den gewaltigen Conti- 
nent bis nach Patagonien. Wenigstens halteich auch Typha angustifolia (Ball, 
Linn. Soc. Bot., 1886, p. 236) für Typha dominginensis. 

Die Deutung der Typha gracilis Schur hat Rohrbach Schwierigkeiten 
gemacht, ja er kommt zur Hypothese, dass die Pflanze der russischen Typha 
Laxmanni (Typha stenophylla) gleichkommt. Die Schwierigkeit ist behoben, 
wenn man erwägt, dass die von Reichenbach abgebildete riTypha gracilis 
Suhr" gewiss nur in Folge eines Druckfehlers den Namen des Algologen an- 
statt demjenigen Schur 's trägt, und ebenso, was von den transsilvanischen 
Autoren als Typha gracilis vertheilt wurde, entweder Typha angustifolia oder 
deren flacbblättriger Form media gleichkommt. 

Die Unterschiede der Typha angustifolia von den nächstverwandten 
Unterarten: Typha australis, Typha javanica und Typha Muelleri lassen sich 
folgendermassen darstellen: Die männlichen Haare der drei Unterarten sind 
oben verbreitert und mehrgipflig, zumal bei Typha australis, wo sie geweih- 
artig aussehen. Die Tragblätter von Typha australis überragen etwas die Haare, 
diejenigen von Typha Muelleri sind im Stieltheile ausserordentlich verengert, 
fein fadenförmig und gegen das Ende plötzlich erweitert. Die Narben von Typha 
javanica sind so lang wie die Haare, länger oder kürzer als dieselben, der 
Querschnitt der unteren Blätter ist bei derselben elliptisch. Von Typha an- 
gustata unterscheidet sich Typha angustifolia schon äusserlich durch das 

20* 



156 



M. Kronfeld. 



Längeiiverhältuiss der männlichen und der weiblichen Abtheilung, sowie durch 
die dunklere Farbe des Kolbens. Dazu kommt das wichtige Merkmal für Typha 
angustata, dass die Bracteolen die Haare weit überragen und an die Narben 
heranreichen. 

5. Typha australis Schnm. et Thonn. 

Synonymia: Typha aequinoctialis Wel witsch, It. angol. Nr. 241! 

Typha angustifolia Desfont., Fl. atlant., II, p. 333. — Hook er, Nig. 
Fl., p. 527. — Buch in Guillem. Archiv de Bot., 1833, p. 483. — Battand ier 
et Trabut, Fl. d'Alger, p. 19. — Kralik, Plantae Cunet.! — Drege, PI. cap. 
bon. sp., Nr. 8811! — atque auct. algeriens. — non L. atque auct. 

Typha angustifolia var. ß. Schur, mscr.! 

Typha angustifolia ß. australis Rohrb., 1. c, S. 92. 

Typha australis Schum. et Thonn. in Danske Vidensk. Selsk. Afhandl., 
1829, p. 175. 

Typha intermedia Schott in herb, palat. Vind.! — non Schur. 
Typha macranthelia Webb-Berthelot, Phytogr. Cauar., Sect. III, p. 291. 

— Christ in Engler's Bot. Jahrb., IX, 1887, S. 170. 

Descriptio: Subspecies Typhae angustifoliae. Planta rohusta, ad 
15 dm alta. — Spica mascula et feminea spatio hrevi remotae vel contiguae; 
longitudine admodum diversae, haec 13—25 cm, illa 12 — 22 cm longa, spatium 
0—2cm latum. Axis spicae masc. pilis fasciatis rufo-hrunneis, versus apicem 
valde dilatatis, cervi damae cornua referentibus ohsitus; pollen simplex, grana 
26 fi in diam. Spica feminea denique cinnamomeo-hrunnea, cylindracea; floribus 
fertilibus abortivi (carpodia) intermixti. Flos femineus, suffultus bracteola 
fasciata, brunneola, versus apicem spathulata, triangulariter-acuta ; pili florum fe- 
mineorum numerosi,brunneoli, bracteola paululum breviores; stigma lineare, pilos 
et bracteolam superans. Fructus et pedicelli ut in Typha angustifolia. — Folia 
laminata, laminae integerrimae, lineares, 5—10 mm latae, caulem adaequantes. 

Icones: Webb et Berthelot, Phytogr. Canar., Tab. 218. 

Analyses: Webb et Berthelot, 1. c. — Anal, nostr., Tab. V, Fig. 4. 

Exsiccatae: Drege, PI. cap. bon. sp., Nr. 8811! — Kralik, Plant. Cunet.! 

— Durando, Fl. atlant. exsicc! — Hildebrand, Nr. 1229 b.! Welwitsch! 

Distributio geographica: Afrika: 1. Algier (Battaudier -Trabut, 
Fl. d. Alger, p. 49; Munby, Cat. pl. Alg., ed. II, p. 34): Bei Oran (Durando!), 
Constantine (Maisonneuse!), La Calle (Desfont., PI. atlant., II, p. 333), Tlemsen 
(Bourgeau, PI. Alg. ex Rohrbach). — 2. Tunis: Zaghuan (Kralik, PI. Cuuet). 

— 3. Marocco: Tanger (Ball, in Journ. of Linn. Soc, XVI, 1878, p. 684). — 
4. Guinea (Schumach.!); Angola (Welw!) — 5. Canarische Inseln: Tene- 
riffa (Webb et Barth elot, Phytogr. Canar., p. 291; Buch in Guillem. Archiv., 
1833, p. 483), Canaria (Despreaux ex Rohrbach). — 6. Z anzibar-Küste: 
Bei Mombassa (Hildebrandt, Nr. 1229 &!). —7. Capland (Krebs! Massou! 
Bergius): Zwischen Vanstaadesberg und Bethelsdorp (Drege,Nr. 8811!), zwischen 
Driekoppen und Bloedrivier (id. Nr. 8810!). 



Mouographie der Gattung Tijpha Tourn 



157 



Obseryjitio: Vou Typlia angiistifölia, die noch auf den Baleareii und 
in Sicilien vorkommt, durch die männlichen Haare und die dreieckig zuge- 
spitzten Bracteoleu deutlich unterschieden. Durch eben diese Merkmale, ferner 
durch die in der Länge nur wenig verschiedenen Blüthengemeinschafteu, schliess- 
lich die kürzeren Bracteolen weicht Typha australis von der einzigen noch be- 
kannten Speeles bracteolata Afrikas, Typha angustata, deutlich ab. 

6. Typha javanica Schnizl. — Eohrb. 

Syuouymia: Typha angustata Baker, Fl. of Maurit., Seychell, p. 394. — 
non Bory et Chaubert. 

Typha angustifolia Decaisne, Herb. Timor, descript,, p. 38. — Blanco, 
Fl. Filip., p. 687. — Kunth, En. pl., III, p. 91 pro p. — Spanoghe in Lin- 
naea, 1841, p. 479. ~ Hasskarl in Flora, 1842, II, Beibl. I, S. 12, excl. syn. — 
Miquel, Fl. Ind. bat., III, p. 173 (excl. syn. R. Brown, Presl). — Zollinger, 
Naturk. Tijdschr. Nederl. Ind., 1857, p. 150. — Thwaites, Enum. of Ceylon, 
plant., p. 231. — Will"d., Herb. Nr. 17.087 b, fol. 3 ex Rohrbach. — non L. 
neque auctor. 

Typha elephantina Thwaites, Ceylon, plant., Nr. 3218. — non Roxb., 
nec Schimper. 

Typha javanica Schnizlein apud Zolling., Verz. d. ind. Arch. -Pflanz., 
1854, S. 77 (sine descriptione). — Rohrbach, Gatt. Typha p. 98. 

Typha latifolia Moon, Catal. of plant, in Ceylon, p. 81. 

Descriptio : Subspecies Typhae angustifoliae. Planta robusta, ad 
15 dm alta. — Spica mascula et feminea spatio nonnull. cm.-rum remotae, longi- 
tudine pares (14—30 cm). Axis spicae masc . pilis fasciatis, rufeoUs, versus 
apicem simplicibus vel ramosis ohsitus; pollen Simplex, grana . . . ^ in diam. 
Spica feminea denique cinnamomeo-brunnea, cylindracea; florib. fertilibus abor- 
tivi (carpodia) intermixti. Flos fem. suffultus bracteola fasciata, brunneola, 
versus apicem sputhidata, vel ovali, subacuta; pili florum fem. numerosi, 
albi, bracteola paululum breviores; stigma lineare, longitudine varia, mox pilis 
hrevior, moxpilos adaequans, mox superans. Fructus et pedicelli ut in Typha 
angustifolia. — Folia laminata, laminae integerrimae, lineares, 5 — 10 mm latae, 
foliorum inferiorum ad vaginam extus intusque convexae, ideoque ellipticae, 
foliorum superiorum semicylindricae. 

Analyses: Analys. nostr., Tab. V, Fig. 6. 

Exsiccatae: Zollinger, Plant. Javan., Nr. 1542! — Willden., Herb. 
Nr. 17.087 b, Fol. 3 ex Rohrbach. — Thwaites, PI. Ceylon., Nr. 3218! 

Distributio geographica: Gebiet des indischen Oceans. 

A, Afrika: 1. Mascarenen: Bourbon (Bory de St. Vincent! 
Richard)! Mauritius (Perottet ex Rohrbach, Baker, Fl. of Mauritius, p. 394). 
— 2. Seychellen (Baker, I.e.). 



158 



M. Kronfeld. 



Asien: 1. Ceylon (Moon, 1. c, Thwaites, PI. Ceyl, Nr. 3218! 
Hooker). — 2.Sunda-Inseln: Java beiKuripan (Z oll inger, PI. Jav.,Nr. 1542!), 
bei Goelengoeng (Miquel, Fl. Ind. Bat., III, p. 173), bei Tjipannar (Hass- 
karl ex Rohrbach, Miquel, 1. c), Timor (Decaisne ex Rohrbach, Spa- 
noghe in Linn., XV, 1841, p. 479, herb. Kunth!). — 3. Philippin en (Blanco!). 

Obserratio: Schon von Schnizlein erkannt, ist diese Art durch die 
wechselnde Länge der Narben und die im Querschnitt elliptischen unteren 
Blätter sattsam charakterisirt. Haben Narbe und Perigonhaare gleiche Länge, 
dann erinnert der weissschimmernde Kolben an denjenigen von Typlia Shuttle- 
worthii. Sonst ist er, wenn die braunen Narben allein vorragen, jenem von 
Typha angustifolia ähnlich. Nach Rohrbach (I.e., S. 99) zeichnet sich die 
Form von den Mascarenen durch schmälere (3 — 6i«m breite) Blätter aus, bei 
der von der Insel Timor sind die oberen Blätter auf der Aussenseite nur 
schwach convex. 

7. Typha Muelleri Rohrb. 

Synonymia; Typha angustifolia Hook er, Fl. of Tasman., II, p. 38. — 
Bentham, Fl. Austr., VII, p. 159 pro p. — Müller, Gens, of Austr. pl., I, p. 
120 pro p. — non L. neque auct. 

Typha Muelleri Rohrbach, Gatt. Typha, p. 95. — Täte, Transact. 
of the Royal Soc. of South Austr., III, 1880, p. 83. 

Typha Shuttleworthii Lehm., PI. Preiss., II, p. 1. — Sonder, Linnaea, 
1856, p. 277, (excl. syn. R. Brown.) — non Koch et Sonder. — nec. auct. 

Descriptio: Subspecies Typhae angustifoliae. Planta robusta, ad 
15 dm alta. Spica masc. et fem. spatio nonnull. cm.-rum remotae, rarius contiguae, 
haec illa brevior. Axis spicae masc. pilis fasciatis rufeolis, versus apicem 
simplicibus vel ramosis obsitus; pollen simplex, grana 26 ^ in diam. Spica 
fem. cinnamomeo-brunnea, cylindracea; floribus fertilibus abortivi (carpodia) 
intermixti. Flos fem. suffuUus bracteola brunneola, e basi filiformi angu- 
stissima, versus apicem subito dilatata, ovali, acuta, crenulata, pilos ad- 
aequante vel paulo breviore; pili florum fem. numerosi in disseminationis stadio 
lineari-lanceolato stigmate pauluJum breviores, inde spica fructificans ut in 
Typha Shuttletvorthii argenteo-grisea, quasi maculis albis afflata. Fructus 
longo- fusiformis. Pedicelli ad 1 mm longi, acuti. FoUa caulium floriferorum 
laminata, ad vaginas biconvexa, superiora intus plana, extus convexa, 5 — 10 mm 
lata; folia inferiora ad 20 mm lata, spadices superantia. 

Analyses: Analys. nostr. Tab. V, Fig. 3. 

Exsiccatae: Preiss., Nr. 1874.! 

Distributio geographica: A. Australien: Central- Australien (Täte, 
Transact. of the Soc. of South Austr., 1880, p. 83), am Fusse der Elizaberge bei 
Peath (Preiss.^ Nr. 1874!), am Gawler (Behr ex Rolirbach), Tamunda in Süd- 
Australien (F. V. Muelleri), nördlich von Port Lincoln (Wilhelmü), Neu-Süd- 



Monographie der Gattung Typha Tourn. 



159 



Wales (Herb. Maille ex Rohrbach). — B. Tasmanien (Gunn, Nr. 410). 

— C. Neu-Seeland (Dav. Nelson ex Rohrbach). %. 

Obseryatio: Obwohl von Bentham und Mu eller „eingezogen", lässt 
sich die Pflanze wegen der unten fadenförmigen, plötzlich verbreiterten Bracteolen 
und den wie bei Typha Shuttleivorthii silberartig schimmernden Fruchtkolben, 
ferner durch die an der Scheide biconvexen Blätter und die oben verzweigten 
männlichen Haare recht wohl von Typha angustifolia abtrennen. Von Typha 
ShxäÜeicorthii ist sie, von allem Anderen abgesehen, als Speeles bracteolata weit 
verschieden. Im Herb, palat. Vindob. findet sich zu Gunn's Pflanze aus Tas- 
manien eine Rohrbach 'sehe Etikette mit der Aufschrift: „Typha Muelleri 
Rohrb. ß. tasmannica Rohrb." Aber dieses Specimen ist von Typha Muelleri 
in Nichts abweichend, es sei denn, dass die weibliche Aehre kürzer ist. 

Gelegentlieh der Erörterung von Typha Muelleri sei bemerkt, welche 
Achtsamkeit bei der Untersuchung von Typ/m -Arten nöthig ist. Dass Typha 
Muelleri Bracteolen hat, ist Sonder ganz entgangen, einem Manne, der sich 
mit Typha eingehend beschäftigte. So kam es, dass er die australische Pflanze 
für identisch mit seiner und Koch 's Typha Shuttle worthii hielt. 

8. Typha angustata Bory et Chaub. 
Synouymia: ? n^r] Theophrast, I, 8, IV, 11. 

Typha aequalis Schnizlein, Typhae., p. 25. — Karolkoff et Krause, 
in herb, petrop.! 

Typha angustata Bory et Chaub., Exped. sc. de Moree, II, pars, sec., 
p. 338. — Nyman, Sylloge Fl. Europ., 1854, p. 388. — Hausskn. in sched. it. Sjr.- 
Armen.!, nee non Orient.! — Nyman, Consp. fl. europ., p. 757 (excl. syn. Schur). 

— Boissier, Fl. Orient., V, p. 50. — Aschers, et Sehweinf., III. fl. d"Egypte, 
p. 148. — Aitchison in Transact. of theLinn. Soc, 1888, III, part 3 — non Baker. 

Typha angustifolia Sibth. et Sm., Prodrom., II, p. 225. — Kunth, 
Euum. plant., III, p. 91 pro p. — Roxburgh, Fl. ind., III, p. 566. — Lede- 
bour, Fl. altaica, IV, p. 249. — Kurz in Seemann's Journ. of Bot., V, 1867, 
p. 95, 96, excl. syn. nonn. — Sehweinf. et Aschers., Beitr., p. 292 pro p. — 
Heldreieh, Pflanzen d. att. Ebene, 1877, p. 509. — Belanger, Herb, de Hude, 
Nr. 107! — Ehrenberg, in sched. herb, berol.! — Schimper, ünio. itin., 
1855, Nr. 366! — Bovö, PI. sinait., Nr. 35 ex Rohrbach. — Heldreich, PI. 
cret., Nr. 1576!— Karelin, Astrabad, Nr. 44! — Maximowicz, in sched. it. 
secund.! — Griffith, PI. Afghan., Nr. 5621! —Regel, in sched. it. turkestan.!, 
pro p. (spec. ad urbem Saidun lect.). — Reverehon, PI. Grete, Nr. 173! — 
Aitchison, Journ. of the Linn. Soc, XIX, 1882, p. 188. eiusdem exsicc! — 

— non L. neque auct. 

Typha damiattica Ehrenberg, ^) in sched. herb, berol.!, nec non in Cat. 
h. bot. Berol., 1834. 



') In sched. aut. „damiatica" cum una t est legend um. Certe ex eriore apud Steudel 
(Nomencl., II, p. 727) „daenatica". 



160 



M. Kronfeld. 



Typha elephantina herb. Royle! — non Roxburgh. 
Typha Ehrenbergii Schur, in herb, berol.! 

Typha latifolia Friedrichsth., PI. Graec, Nr. 1171! — non L., neque auct. 
Typha media Bory et Chaub., Exped. sc. de Moree, II, pars, sec, p. 29. 

— non Schleich., non De Cand., — neque auct. 

Typha stenophylla Sintenis, It. trojan., Nr. 166! — non Fisch, et 
Mey. — neque auct. 

Descriptio: Planta robusta, 15 dm ad 3 m alta. — Spica mascula et 
feminea remotae, rarissime contiguae, aequilongae vel mascula a fem. 4 — 12 cm 
diversa; haec 12 — 40 cm longa, spatium a floribus liberum 2 — 7 cm latum. 
Axis spicae masc. pilis fasciatis, brunneolis, linearibus, acutis, vel superne denti- 
culatis instructus; flores 1 — 5-andri, plerumque triandri; antherae 1'4 — l'8mm 
longae, in summo 0'2 — 0'3 mm latae; polten simplex, grana 20 — 26 in diam. 
Spica fem. in anthesis stadio tertio pallido-brunnea, (apicibus carpodiorumj 
griseo -punctata; floribus fertilibus abortivi (carpodia) intermixti. Flos fem. 
totus in anthesis stadio 1. 2'3 mm, in anthesis stadio III. 10 mm longus, suf- 
fultus bracteola fasciata, brunneola, versus apicem ovato- vel acuto-spathulata, 0'06 
— 0'14 mm lata; piliflorum fem. numerosi, superne acuti, albi, 006—0'013 mm 
lati, bracteola breviores; stigma lineare, 04 — 0V8 mm latum, cum bracteola 
pilos super ans; germen elongato-fusiforme. Fructus elongatus, O'8—l mm 
longus, 0'2—0'3 mm latus, supra infundibiüiformis; carpophorum ad 3 mm 
longum; Stylus in fructu plerumque de fr actus. Pedicelli gradati, ad 1 mm 
alti. Folia caulium floriferorum laminata, laminae integerrimae, lineares 
4 — 10 mm latae, extus convexae, intus planae, semicylindricae , inflore- 
scentia longiores. 

Icones: Icon. nostr. Tab. IV, Fig. 6. 

Analyses: Anal, nostr. Tab. V, Fig. 1. 

Exsiccatae: Belanger, Herb.de PInde, Nr. 107! — Bove, PI. sinait, 
Nr. 35! — Heldr., PI. cret., Nr. 1576! herb. Graec. norm. Nr. 892! — Hauss- 
knecht, it. Syr.-Arm., it. Orient. — Schimper, Un.it., Nr. 366. — Karelin, 
Astrabad, Nr. 44! — Maximow., it. secund. ! — Regel, it. Turkestan.! — Sin- 
tenis, it. Trojan., Nr. 166! — Reverchon, Plant, de Grete, Nr. 173! — Stapf, 
it. Persicum! 

Distributio geographica : A, Europa : l.Jonischeln sein (Margot et 
Reuter, Fl. Zante, S. 92). — 2. Cycladen (Nyman, Consp. Fl. Europ., p. 757). 

— 3. Griechenland (Berger in herb, petrop.) : Phaleron bei Athen (Heldr., 
Herb. Graec, Nr. 892!), am Kephissos (Heldr.!), bei Modon, Paleogrissi, am 
Eurotas etc. (Bory et C haub., 1. c, p. 29), bei Argos (Friedrichsthal, Nr. 1171 
ex Rohrbach), am Peloponnes (Orphanides!). — 4. Kreta: Am Kikamabache 
(Heldr., PI. cret., Nr. 1576!), bei Platania (Raulin, PI. cret., Nr. 47 ex Rohr- 
bach, Reverchon, Plant, de Grete, Nr. 173!). 

B, Afrika: 1. Egypten (herb. Link in herb. Berol!): Bei Damiette 
am Nildelta (Ehrenberg!), in Egypten am IVIittelmeere, den Nilfluss aufwärts 
und im Wüstengebiete, östlich bis Wadi-Toumilät (AschersonetSchweinfurt, 



Monographie der Gattunfi: Typha Tourn. 



161 



III. de Fl. d'Egypte, p. 148) ; in Nubien von Assuan bis Chartum, in Kordofan 
und Sennaar (Ascberson et Schweinfurt, Beitr., S. 202). 

C. Asien: 1. Sinai-Halbinsel: Im Wadi-Kamme (Ehrenberg!), im 
Wadi-Hebran (Schimper, Un. It., 1835, Nr. 366!), zwischen Tor und Sinai 
(Bove, PI. sinait., Nr. 35!). — 2. Syrien: Bei Marasch (Haussknecht, It. syr.- 
arm.!). — 3. Kleinasien: Dardanellen am Rhodiusflusse (Sinten,, It. trojan., 
Nr. 166!). — 4. Persien: Bei Madschor (Wilhelms ex Rohrbach), Meschhed 
(Bunge!), Astrabad (Karelin, Nr. 44!), bei Seytun und am Tabflusse (Hauss- 
knecht, It. Orient.!), Quellen am Baermaeh Daelack, circa 5690 Fuss (Stapf, 
It. pers.!). — 5. Turkestan (Fetschenko!) Stadt Seidun im Rayon von Kuldscha 
(Regel!). — 6. Afghanistan (Griffith, Nr. 5621!): Am Kuramflusse bei Shi- 
nak (Aitchison!). — 7. Altaigebiet (Ledebour, Fl. Alt., IV, p. 249). — 
8. Mongolei: In der nördlichen Mongolei am Flusse Tatche-Teli beim Kirghiz nor- 
See (Po tan in!), ferner am Flusse Tschou Charicha (Po tan in!); in der west- 
lichen Mongolei: Ordos (Potanin!, Przewalsk ü), Lob (Przewalskü). — 9. In- 
dien (Roxb., Fl. ind., III, S. 566, Kurz in Seem. Journ. of Bot., V, 1867, 
p. 95, 96). nordwestliches Indien (herb. Royle!), Bengalen (Thomson!), bei 
Calcutta (Wallich!, Voigt ex Rohrbach), Coromandelküste (Belang., Herb, 
de rinde, Nr. 107!). — 10. China (Kar olko ff ex Krause!): Bei Peking im 
See Wan-shau-shan (Bretschneider!), bei Peking (Fischer!). — 11. Japan: 
Yokohama (Maximow, lt. secund.!). 

Floret: Junio, Julio (in Graecia). %. 

Tai*, ß. leptocarpa Rohrb. 

Synouymia: Typha migustata ß. leptocarpa Rohrb., Gatt. Typha, S. 88. 

Typha anyustifolia Schweinf. et Aschers., Beitr., S. 292 pro p. — 
Schimper, it. Abyss., sect. 3, Nr. 1563! — non L. — ueque auct. 

Descriptio: Differt a Typha angustata typica fructibus leptoideis, septies 
longioribus quam latis. 

Exsiccatae: Schimper, 1. c. ! 

Distributio geographica: Abyssinien: An Wasserläufen bei Djela- 
dscheranne (Schimper, I.e.!). 

Olbseryatio: In Scbnizlein's Namen Typha aequalis für unsere Pflanze 
ist der wichtigste Unterschied von Typha angustifolia und den nächstver- 
wandten Arten hervorgehoben: das Tragblatt kommt der Narbe an Länge gleich 
und überragt in Gemeinschaft mit diesem die Haare. Aeusserlich weicht Typha 
angustata von Typha angustifolia durch den mitunter auffallend verlängerten 
Blüthenstand und dessen lichtbraune Farbe ab. Dass Typha damiattica synonym 
ist mit Typha angustata, hat schon Rohrbach richtig erkannt. 

Was die Verbreitung der Art anbelangt, so lässt sich zusammenfassend 
sagen: sie kommt im südöstlichen Europa, im östlichen Afrika und in der ganzen 
Südhälfte Asiens vor. Da die Typha angustifolia in Macedonien und bei Con- 
stantinopel (s. oben) gefunden ist, bilden der Hellespont und das Marmara- 

Z. B. Ges. B. XXXIX. Abh. 21 



162 



M. Kronfeld. 



Meer die Greuze zwischen Typha angustifolia und Typha angustata in dem 
von den Parallelkreisen 40 und 41 eingeschlossenen Gebiete; denn schon bei den 
Dardanellen tritt Typha angustata auf, um östlich bis nach Japan das Gebiet 
zu beherrschen. Durch Potanin's und Przewalski's schöne Aufsammlungen 
im Petersburger Herbar konnte ich das Vorkommen der Art im mongolischen 
Eeiche feststellen und war genöthigt, Ledebour's Typha angustifolia eben- 
falls für Typha angustata zu halten. Nicht minder ist durch Specimina Karol- 
koff's und Krause's, Bretschueider 's, Pischer's das Vorkommen von 
Typha angustata für China bezeugt, auch gehört zu dieser Art die von Maxi- 
mowicz auf seiner zweiten japanischen Reise als Typha angustifolia gesam- 
melte Pflanze. Was ich aus Ostindien als Typha angustifolia sah, erwies sich 
gleichfalls als Typha angustata. Wohl hat Rohrbach im Petersburger Herbar 
das Specialen Belang er 's von der Coromandelküste (herb, de Finde, Nr. 107!) 
als Typha angustifolia bestimmt. Aber dies gewiss nur in Folge eines Versehens, 
wofür auch der Umstand spricht, dass Indien als Standort der Typha angusti- 
folia von Rohrbach nicht angeführt ist. Zahlreiche Botaniker haben schliess- 
lich Typjha angustata aus Persien, Afghanistan u. s. w. gebracht. Aus Allem 
ergibt sich, das Typha angustifolia im Südosten zwischen Europa und Asien 
aufhört, an ihre Stelle Typha angustata tritt und Asien in seiner ganzen 
Breite bewohnt. Merkwürdiger Weise kommt Typha angustifolia in einer 
förmlichen Enclave im Libanongebiete vor (s. oben). Wie weit Typha angustata 
in Asien nach dem Norden vorgreift und ob Gmelin's Typha var. a (Fl. sib., 
I, p. 113) als solche aufzufassen sei, wie dies Ledebour (Fl. Alt., IV, p. 249) 
thut, muss ich dahingestellt sein lassen. Man darf wohl annehmen, dass die 
wärmere Gegenden liebende Pflanze nirgends den 50. Parallelkreis überschreitet. 

9. Typha aethiopiea (Rohrb.) Kronf. 

Synonymia: Typha abyssinica Reichenbach jr. in herb. Buchinger. 

Typha angustata y. aethiopiea Rohrbach, Gatt. Typha, S. 89. 

Typha angustifolia Richard, Tent. fl. Abyss., II, p. 350 pro p. — 
Schweinf., PI. uilot., p. 37. — Schweinf. et Aschers., Beitr., S. 292 pro p. 
— Schimper, PI. Abyss., 1853, Nr. 1190. — non L. — neque auct. 

Descriptio: ^whs^QQiQ^ Typhae angustatae. — Planta robusta. — 
Spica masc. et fem. spatio nonnull. cm.-rum distinctae. Äxis spicae masc. ßis 
fasciatis hrunneölis, linearihus, acutis vel superne denticulatis instructus; flores 
plerumque triandri; pollen simplex, grana 20 — 26 (jl in diam. Spica fem. pallido- 
hrunnea. Floribus fertilibus abortivi (carpodia) intennixti. Flos fem. suffultus 
bracteola, eadem cum lineari stigmate et pilis relatione ut in Typha angustata; 
germen breviter-fusiforme; fructus brevis, 2- vel 3- longior ac latus. Pedicelli 
. . . mm. Folia caulium floriferorum laminata, laminae integerrimae, lineares, 
6—8 mm latae, ad vaginas obtuso-triquetrae, intus paululum angustiores, sub- 
coneavae, inflorescentiam superantes. 

Exsiccatae: Schimper, 1. c! 



Monographie der Gattung Typha Tourn. 



163 



Distributio ^eoarrjiphica : Afrika: 1. Im Lande der Kitsch, 7. — 9.*^ 
nördlicher Breite (Hartmann ex Rohrbach). — 2. Abyssinien (Quartin 
Dillon et Petit ex Rohrbach, Richard, Tent. Fl. Abyss., II, p. 350): Im 
District Simen (Schimper, 1. c.!). 

21-. 

Obseryatio: Durch die kurzen Früchte und die eigenartigen Laubblätter 
von Typha angustata verschieden. Typha Schimperi, mit der die Art verwech- 
selt werden könnte, hat flache Blätter, lanceolate Narben und Pollentetraden. 
Eben diese kommen auch der übrigens weit grösseren Typha elephantina zu. 

10. Typha dominginensis Pers. 

Synoiiymia: Typha americana Meyer ex Rohrbach. 

Typha angustifolia Au biet, Plant, d. Guiane, II, p. 847. — Spreng., 
Syst. veg.. III, p. 890 pro p. — Richard in Ramon de la Sagra, Hist. ins. 
Cub., Botan., II, p. 283. — Humboldt, Ans. d. Nat., 3. Aufl., I, S. 32. — 
Berg, Ann. Soc. Argent., III, 1877, p. 200; IV, 1877, p. 33. — Marianus, Fl. 
Flumin., p. 394. — Ernst, Fl. Venez. — non L. — neque auct. 

Typha angustifolia var. dominginensis Griseb., Catal. Cub., p. 220, 
Fl. brit. West, ind., p. 511. — Hemsley, Biol. Centr. Amer., IV, p. 93. 

Typha bracteata Greene in Calif. Acad., II, p. 413. 

Typha dominginensis Pers., Syn. plant., II, p. 532 (pro Typhae latifoliae 
subspecie). — Kunth, Enum. pl., III, p. 92. — Schnizlein, Typhae, p. 26. — 
Rohrbach, Gatt. Typha. — Morong, Bull. Torr. Club, 1888, p. 6. 

Typha, essequehoensis Meyer ex Rohrbach. 

Typha gigantea Schur in herb. Berol.! — non Unger. 

Typha latifolia Meyer, Prim. fl. Essequeb., p. 262. — Schomburgk, 
Reis. Brit. Guiana, III, S. 922. — non L. — neque auct. 

Typha maxima Schur apud Sello, PI. exsicc, Nr. 1905! 

Typha tenuifolia Humb. et Bonpl., Nova gen. et spec, I, p. 82. — 
Kunth, Enum. plant., III, p. 92. — Schnizlein, Typhaceen, p. 26. 

Typha truxillensis Humb. et Bonpl., 1. c. — Kunth, 1. c. — Schniz- 
lein, 1. c. — Sodiro, Vegetac. ecuador. 

Descriptio: Planta robusta, 2 ad 4 m alta. — Spica mascula et feminea 
remotae, rarius contiguae; spicae aequilongae vel valde diversae; spica fem. 
15 — 30, spica masc. 15—40 cm longa, spatium — 3 cm latum. Axis spicae 
masc. pilis fasciatis rufo-brunneis (rarissime simplicibusj, versus apicem dilatatis 
ramosis, ramiculis incurvatis, hamiformibus praeditis, instructus; flores 1 ad 
5-andri, plerumque triandri; antherae 2 — 2'5 mm longae, superne 3 mm latae; 
pollen Simplex, grana 20 — 26 in diam. Spica fem. in anthesis stadio tertio 
brunnca; floribus fertilibus abortivi (carpodia) intermixti. Flos fem. totus in an- 
thesis stadio 1. 2 — 3 mm, in anthesis stadio III. 10 — 12 mm longus, suffultus 
bracteola fasciata, versus apicem ovali-, vel acutO'Spathulata, 06 — 014 mm 

21* 



164 



M. Kronfeld. 



lata, pilos adaequante; pili florum fem. numerosi fad 30), sub apice clavulati (ad 
0'02m7ii), incrassati, hrunneoli, bracteola aequilongi; stigma lanceolato-lineare, 
O'l — 0'12mm latum, pilos et bracteolam super ans; germen elongato-fusiforme. 
Fructus elongatus; carpophorum ad 5 mm longum, Stylus in fructu plerumque 
defractus. Pedicelli gradati, ad 1 mm alti. Folia caulium floriferorum laminata, 
laminae, integerrimae, lineares, planae, extus subconvexiuscxdae ; inferiores ad 
20, superiores 5—10 mm latae, inflorescentiam superantes. 
Icones: Icon. nostr. Tab. IV, Fig. 8. 

Analyses: Morong, Bullet. Torr. Club, 1888, p. 7. — Anal, nostr. 
Tab. V, Fig. 5. 

Exsiccatae: Sello, Plant. Brasil., Nr. 365! et 1905! — Karwinsky, It. 
Mexican.! — Mandon, Plant. Boliv., Nr. 1432! 

Distril>utio geographica: Amerika: 1. Nordamerika: Insel Santa 
Cruz an der californischen Küste (Greene et Morong, 1. c), Texas (Engel- 
mann!, Mathe WS, Nr. 114 ex Rohrbach, Morong, 1. c), Louisiana (ex Rohr- 
bach), Mexico (Morong, Hernsl,, 1. c, Karwinsky, It. Mexic.!). — 2. West- 
indien: Cuba (Liebmann!, Ramon dela Sagra!, Whrigt, Nr. 600 ex Rohr- 
bach, Griseb., Cat. pl. Gubens., p. 220), Jamaica (Wullschlägel!), St. Domingo 
(Pers., Syn., II, p. 532, Poiteau ex Rohrbach), Portovico (Bertero!, Sinten., 
Plant. Portor., Nr. 698!), und auf den übrigen Antillen (cf. Rohrbach, S. 97). 
— 3. Centraiamerika: Costa-Rica bei Lepanto (C. Hoff mann!). — 4. Süd- 
amerika; a) Venezuela, bei Valencia, am Ticaragua-See, bei Kura (Humb. et 
Bonpl., Nov. gen. et spc, I, p. 82), bei Caracas (Gollmer ex Rohrbach); 
bj Guyana, am Essequibo (Rodschied ex Rohrbach, Schomburgk, Reis. Brit.- 
Guiana, III, S. 922), bei Paramaribo (Wullschlägel, Nr. 873, ex Rohr b ach); 
Cayenne (Aublet, 1. c); c) Brasilien (Schumann!), bei Rio de Janeiro (Gla- 
ziou, Nr. 4288!, Riedel!, Marianus, Fl. Fluminens., p. 394), auf der Insel 
St. Catharina (Macrae ex Rohrbach), bei Montevideo (Sello, Nr. 365! et 
1905!); dj Ecuador (Sodiro, Vegetac. ecuador.); e) Peru, bei Lima (Wawra, 
Erdums. „Donau", Nr. 510! et 2629!, D'Urville ex Rohrbach), bei Truxillo 
und am stillen Ocean zwischen Manciche und Guamang (Humboldt et 
Bonpland, 1. c, Humboldt ex Rohrbach); f) Bolivia, beim Chacaguaya- 
See (Mandon, PI. Boliv., Nr. 1432!); g) Buenos- Ayres, am Rio-negro (Berg, 
Ann. de la Socied. Argeut., III, 1870, p. 200; IV, 1877, p. 33); h) Patagonien, 
im nördlichen Theile (Ball, Journ. of Linn. Soc, XXI, 1886, p. 236). 

Olbservatio: Diese Art, welche sich bis zur Höhe von 4 7n an ihren 
natürlichen Standorten erhebt, also nebst Typha elephantina die riesigste 
Typha -Art ist, unterscheidet sich von Typha angustifolia, als deren Varietät 
sie von Griseb ach aufgefasst wurde, namentlich durch die unter dem zugespitzten 
Ende zu einer länglichen Keule erweiterten weiblichen Haare, die flachen Blätter 
und den imposanten Habitus. Wohl wegen der breiten und flachen Blätter 
hatte sie Persoon als eine Unterart von Typha lati folia hingestellt. Typha 
tenuifolia und Typha truxillensis gehören beide zu Typha dominginensis, wie 



Monographie der Gattung Ti/pha Tourn. 



165 



dies Rohrbach durch Vergleichung der Huniboldt'schen Specimina beweisen 
konnte. 

Was die Verbreitung dieser Art anbelangt, so sehen wir dieselbe nörd- 
lich an Tijpha angustifolia angrenzen, ja in Louisiana und Texas in deren Ge- 
biet vordringen. Der nördlichste Standort wäre nacli Greene die Insel Santa 
Cruz an Californiens Küste, also etwa der 30. Parallelkreis nördlicher Breite. 
Möglicherweise ist auch Rein 's „Typha angustifolia"' von deu Bermudas-Inseln 
(Senkenb. Ges., 1872 — 1873, S. 131) Typha dominginensis. Ganz Westindien und, 
wie sich aus unserer Zusammenstellung ergibt, ganz Südamerika bis hinab nach 
Patagouien, darf als Verbreitungsgebiet der Art angesehen werden. 

11. Typha elephantina Roxb. 

Syiiouymia : Typha elephantina Roxburgh, Fl. Ind., III, p. 566. — Kunth, 
Enum. plant., III, p. 92. — Schnizlein, Typhaceen, p. 26. — Kurz in Seem. 
Journ. of Botan., V, 1867, p. 94. — non Schimper — neque Thwaites. 

Typha latifolia Edgeworth, Journ. of the proceed. of the Linn. Soc, 
VI, 1862, p. 194. — D alz eil et Gibson, Bombay Flora. — Kurz, 1. c, p. 95. 
— non L. — neque auct. 

Typha Maresii Battand., Bull. Soc. botan. France, 1887, p. 389. 

Descriptio: Planta rohusta, ad 4 m alta. — Spica mascula et feminea 
remotae, longitudine diversae; spica fem. 17 — 25, spica masc. 20 — 30 cm longa, 
spatium 2 — 4 cm latum. Axis spicae masc. pilis fasciatis, sordide albis, versus 
apicem obtusis instructus; flores 1 — 5-andri, plerumque triandri; antherae 
2 5 mm longae, superne 0'3 mm latae; polten 4-dymum, grana 20 — 26 fz in diam. 
Spica fem. in anthesis studio tertio cylindrica, brunnea vel brunneo-nigra ; 
floribus fertilibus abortivi clavaeformes (carpodia) intermixti. Flos fem. totus 
in anthesis studio I. 2 — 3, in anthesis stadio III. 10 mm longus, suffultus brac- 
teola fasciata, versus apicem angusto- spathulata, obrundata, 04 — 06 mm lata, 
pilos multo superante; pili florum fem. numerosi (ad 30), albi, versus apicem 
acuti, bracteola multo breviores; Stigma spathulato-lanceolare, 010—0'16 mm 
latum, pilos multo superans, germen elongato-fusiforme. Fructus elongatus; 
carx>ophorum 5 mm longum, Stylus in fructu plerumque defractus. Pedicelli 
gradati, 5 ad 1 mm alti. Folia caulium floriferorum laminata, laminae 
integerrimae, latissivio-lineares, ad vaginas intus planae, extus angulatae, 
ideoque excavato-trigonae, supra pldniusculae, 3 — 4 cm latae, inflorescentiam 
adaequantes. 

leoues: Roxburgh, Icon. ined., XIV, 40 (ex Kurz, 1. c). 
Analyses: Anal, nostr. Tab. V, Fig. 10. 

Exsiccatae: Hooker, fil. in herb. Ind. or.! — Battand., PI. Alger. exs.! 
Distributio geographica: Ä. Asien: Ostindien (Hook er fil. in Herb. 
Ind. or.!; Roxb., Fl. Ind., III, p. 566), bei Calcutta, Assam, Peshawer, Kulu 



166 



M. Kronfeld. 



im nordwestlichen Himalaja (Kurz, 1. c). — B. Afrika: Algier, in einem 
Sumpfe bei Boufarik (Battand., Exsicc.Iet 1. c). 

Observatio: Diese merkwürdige Art war von Rohrbach, der nur junge 
Blüthen gesehen, fälschlich für eine Verwandte der Typha latifolia gehalten 
worden. Sie gehört aber in die Section der Bracteolatae, in welcher sie die 
imposanteste Art darstellt. Der Riesenwuchs, die ausgezeichnet dreikantigen, 
bis 4cm breiten Blätter charakterisiren diese Art trefflich; dazu kommen die 
relative Länge der Bracteolen, die so weit wie bei keiner anderen Typha die 
Haare überragen, und die Pollentetraden. In den Geröhren dieser Typha halten 
sich mit Vorliebe die Elephanten auf, daher der ihr von Roxburgh gegebene 
Name. Battandier's Typha Maresii aus Algier stimmt merkwürdigerweise 
mit dieser indischen Pflanze völlig überein. Dies bewiesen mir letzthin er- 
haltene Original-Exemplare. Von Roxburgh bleibt eine Typha latifolia 
aus Indien unerwähnt. Auch Kurz, 1. c, kennt sie nicht aus Autopsie, sondern 
beruft sich auf Edgeworth und Dalzell-Gibson. Ich glaube annehmen zu 
dürfen, dass auch Typha latifolia der indischen Autoren gleich ist der Typha 
elephantina. 

Eigenartig ist die Verbreitung der Typha elephantina, die bisher nur in 
Indien und an einer vereinzelten Localität in Algier gefunden wurde. Die ent- 
fernten Vorkommnisse werden durch die in Abyssinien auftretende Typha 
Schimperi näher gebracht, welche ich für eine Unterart der Typha elephan- 
tina halte. 

12. Typha Schimperi Rohrb. 

Synonymia: Typha elephantina Schimper, PI. Abyss., 1853, Nr. 1479! 
— non Roxburgh — nec Thwaites. 

Typha Schimperi Rohrbach, Gatt. Typha, p. 95. 

Descriptio: Subspecies Typhae elephantinae. — Spica mascula et 
feminea remotae, haec 15 — 25, illa 35 — 45 cm longa. Axis spicae masc. pilis 
fasciatis, versus apicem ohtusis instructus. Pollen 4~dymum. Spica fem. denique 
hrunneo-nigra. Flos fem. suffultus hracteola, versus apicem angusto-spathu- 
lata, pilos multo superante. Stigma, fructus, pedicelli ut in Typha elephan- 
tina. Folia caulium floriferorum laminatae, laminae integerrimae, lineares, 
ad vaginas paululum angustiores, intus planae, extus convexiusculae. 

Exsiccatae: Schimper, PI. Abyss., 1853, Nr. 1479! 

Distributio geographica: Abyssinien: Bei Dscha-Dscha (Schimper, 
PI. Abyss.!). 

%■ 

Observatio; Durch die constant dunkle Farbe der weiblichen Blüthen- 
gemeinschaft und die flachen Blätter von Typha elephantina unterschieden. 
Vielleicht nur eine Varietät derselben. 



Monographie der Gattuug Typha Touru. 



167 



Tribus IL Ebracteolatae Schnizl. emend. 
Subtribus C: Engleria Kronf. 

13. Typha glauca Godr. 
{Typha angustifolia X latifoUa Kronf.) 

Syuouymia: Typha glauca Godrou, Fl. Lorr., ed. I, II, p. 20; ed. II, II, 
p. 332. — Rohrbach, Gatt. Typha^ p. 81. — Nyraau, Consp. fl. europ., p. 757. 

— uoD Costa in herb, petrop. 

Descriptio: (Secundum Godr. et Rohrb., I.e.) Planta robusta,12—lodm 
alta. Spica viasc. et fem. contiguae. Axis spicae masc. püis linearihus sorclido- 
albis instructus. Pollen . . . Spica fem. castaneo-brunnea. Flores sine 
hracteolis; Stigmata Unearia, pilos alhos acutos stiperantia. Fructus . . . 
Folia caulium floriferormn laminata, glauca, laminae planae, ad 10 mm latae, 
inflorescentiam superantes. 

Distrilbutio g-eographica: Lothringen: In eineuQ Sumpfe auf dem 
Besitzthume des Grafen Ligniville bei Villers unweit Nancy (Godron, 1. c). 
■ 

Obseryatio: Ich habe, da ich das Original-Exemplar Godron's — in- 
zwischen wurde die Pflanze nicht wieder gefunden — nicht einsehen konnte, 
die Diagnose nach Godrou und Rohrbach gegeben. Die Pflanze vereinigt den 
Habitus und die tragblattlosen Blüthen von Typha latifolia mit der Kolbenfarbe 
und Narbengestalt von Typha angustifolia. Ich halte sie demnach für einen 
Bastard. Für diese Erklärung spricht das seltene Vorkommen der Art, obwohl 
man hoffen darf, sie an Oertlichkeiten, wo Typha latifolia und Typha angusti- 
folia nahe beisammen vorkommen, wieder anzutreffen. Godron's erster Stand- 
ort ist zerstört (Rohrb ach, S. 81). 

14. Typha Laxmanni Lepecliin. 

Syuouymia: Typha angustifolia C. Koch, Linnaea, VI, 1849, p.269. — 
Bertoloni, Fl. ital., X, p. 25 pro p. — Tchichatschef f, Asie min., Botan., 
II, p. 649 p. p. — Gebler in herb, petrop.! — Balansa Exsicc. Nr. 103! — Bro- 
therus, PI. Caucas., Nr. 869! — Br etschneider in herb, petrop.! — non L. 

— neque auctor. 

Typha Balansae Reuter, in herb. Boissier (ex Rohrbach). 

Typha juncifolia Ce\d.koYskj, Lotos, XVI, 1866, p. 149. — non Montan d. 

Typha Laxmanni Lepechin in Nova Acta Acad. Petrop., XII, 1801, 
p. 84, 335, Tab. IV. — eiusdem exsicc. in herb. Fischer, herb, petropol. ! — 
Bayern herb. Caucas.! — non Ledebour. — non Rohrbach. — neque auct. 
praecipue Fl. ross. 

Typha Martini Thomson in herb. Kew.! — Aitchison, in Journ. of 
Linn. Soc, XIX, 1882, p. 188. - non Jordan. 



168 



M. Kronfeld. 



Typlia media Barbieri in herb. Bracht (ex Rohrb.) — non Schleich., 
— non De Cand. — neque auctor. 

Typha minuta Schrenk in herb, petrop. ! 

Typha stenophylla Fisch, et Mey. in Bull, de la classe phys.-mathem. 
de l'Acad. d. scienc. de St.-Petersb., III, 1845, Col. 209. — Rohrbach, Gatt. 
Typha, p. 90. — Nynaan, Consp. fl. europ., p. 757. — Boissier, Fl. Orient., 
V, p. 50. — Regel, it. Turkest.! — Radde, Exs. Caucas.! — Krassnow, Fl. 
Iliensis.! — non Hausskn., It. Syr.-Arm., 1865. — neque Sinten., It. trojan., 
Nr. 166. 

Typha stenophylla var. ad int. alopecuroides Krön f. in Sitzungsber. d. 
k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, 1887, S. 15. 

Pescriptio: Planta gracilis, 10 — 12 dm alta. Spica mascula a feminea 
remota, hac triplo vel quadruple longior. Spica masc. 9—15, spica fem. 
3 — 5 cm longa, spatium a floribus liberum 2 — 5 cm latum. Äxis spicae masc. 
pilis fasciatis sordide albis, linearibus, versus apicem acutis instructus. Flores 
1 — 5-andri, plerumq^ue triandri; antherae 1—15 mm longi, superne 0'2—0 3 mm 
latae; pollen simple x, grana 33 — 40 (jl in diam. Spica feminea in anthesis 
stadio tertio breviter cylindrico-elliptica, brunnea; floribus fertilibus abortivi, 
clavaeformes (carpodia) intermixti. Flos fem. totus in anthesis stadio I. 2 — 3, 
in anthesis stadio III. 10 mm longus, ebracteolatus, pili florum fem. numerosi 
(ad 50), albi, 006 — 0'012 mm lati, versus apicem obtusiusculi, stigmate multo 
breviores; stigma spathulato-lanceolare, 0'14—0'2 mm latum, pilos multo superans, 
germen elongato-fusi forme, 0'8 mm longum, O'l mm latum., fructus ovoideus, quasi 
subinflatus, 1 — 1'4 mm longus, 0'3 — 0'4 mm latum Stylus in fructu inte^'dum de- 
fractus. Carpophorumporrectum, 4 — 6 mm longum. Pedicelli gradati, 0'2—0'4 mm 
alti. Folia caulium floriferorum laminata, laminae integerrimae, angusto- 
lineares, ad vaginas intus planae vel canaliculatae, extus convexae, ideoque 
semicylindricae, 2—4 mm latae, inflorescentiam conspicue superantes. 

Icones: Lepechin, 1. c. — Icon. nostr. Tab. IV, Fig. 3. 

Analyses: Anal, nostr. Tab. V, Fig. 15. 

Exsiccatae: Balansa, Nr. 103! — Brother., PI. Caucas., Nr. 869! — 
B ayern, Herb. Caucas.! — Regel, it. Turkestan.! — Krassnow, Fl. Iiiens.! — 
Knapp, it. Pers., 1884! 

Distribiitio geographica: A, Europa: 1. Rumänien: Dobrutscha 
(Sinten. ex Kanitz, PI. Roman., p. 117.) — 2. Russland: Odessa (Nord- 
mann!), an der Wolga (Fisch, et Mey., 1. c), bei Sarepta (Becker!), Jenotäwsk 
(Semiaschko!). 

J5. Asien: 1. Kaukasus: In Grusien und Kaspien, im Gau Pennek 
(Koch exsicc.!, Linnaea, VI, 1849, p. 269), Uucha-Ebene (Radde!), Gori (Broth, 
PI. Caucas., Nr. 869!), Ziuval (Bayern, Herb. Caucas.!). — 2. Cilicien: Alatan- 
gebirge (Semenow!), Mersina (Balansa, Nr. 103!). — 3. Persien: In Sümpfen 
bei Gul, Uramiah, beim Scher-Tschai-Bache (Knapp, It. Pers. !). — 4. Turke- 
stan: Bei Kutmaldy am Issikul und in der Talkischlucht (Regel, It. Turkest.!, 



Monographie der Gattung Typha Tourn, 



169 



187(3, 1877), bei Zurawscban (Fedsch enko). — 5. Songavei: Am Iii (Schrenk!, 
C.A.Meyer, Semeiiow ex Kohrbach), bei Utsch-Turfuu (Krassnow, Fl. 
Ilieus. !), am Balchasch -See (S c h r e n k !), bei Loktj am Altai (G e b 1 e r !). — 6. A f g h a- 
uistan: Im Kuram-Thale zwischen Shiuak und Badishkhel (Aitcbison, Jouru. 
of Liu. Soc. Bot., 1882, p. 188). — 7. Kaschmir (Thomson in Herb. Kew!). 
— 8. Mo n golei: Westliche Mongolei in den Salzsümpfen (Przewalskü), am 
Altaigebirge bei Bulun-Tochoi (Frzewalskü), nördliche Mongolei bei Tannu-ola 
am Nariugu-Flusse (Przewalskü), Ordos am Baia-nor-See (Potanin!). — 
9. Daurien (Lax mann in herb. Fisch., Nr. 66, herb. Petrop.!). — 10. China: 
In der Umgebung Pekings, am Fusse des Mont Corolly (Bretschneider in 
herb. Petrop.!). 

Floret: Julio, Augusto (in Europa med.). 

Var. ß. mongolica Kronf. 

Descriptio: Diff'ert a Typha Laxmanni typica carpophoro perlongo, 
anguülulae in modum undulato. Laminae semicylindricae, 2 — 3 mm latae, 
ceterum ut in Typha Laxmanni typica. 

Aualyses: Anal, nostr. Tab. V, Fig. 16. 

Distributio geographica: Mongolei: Oestliche Gobivvüste im Thale 
des Lonssyz-Flusses (Potanin in herb. Petrop.!). 

Var. y. planifoUa Kronf. 

Descriptio: Diff'ert a Typha Laxmanni typica nec non a varietate ß. 
laminis planiusculis, 5 — 6 mm latis. Carpophora porrecta ut in Typha Lax- 
manni typica. 

Distributio geographica: Persien: Asupas zwischen Schiras und 
Ispahan (Stapf, It. Pers. !). 

Ohservatio: Die von Laxmann in Daurien (Transbaicalien) gesammelte, 
von Lepechin als neu erkannte Pflanze ist von Ledebour irrthümlich für 
identisch mit Typha minima erklärt worden, und die russischen Autoren, dann 
Rohrbach, Boissier, Nyman u. A. folgten Ledebour's Angabe. Ver- 
gleicht man aber Lepechin's Abbildung, so fällt zunächst auf, dass der ein- 
zelne Blütheutrieb mit langspreitigen Blättern besetzt ist, und im Texte ist dieser 
Umstand eigens hervorgehoben (vergl. oben S. 94). Demnach kann Lepechin's 
Pflanze nicht Typha minima sein. Dass sie aber auch nicht der Typha Mar- 
tini gleichkommt, ergab sich aus der Einsicht des Original-Exemplares im herb. 
Petrop. Meine frühere Vermuthung, dass Typha Laxmanni der Autoren gleich 
ist Typha stenophylla F. et M., wurde durch Untersuchung der von Laxmann 
in Daurien gefundenen Pflanze zur Gewissheit. Unter den Autoren gebührt 
Franchet (PI. David., p. 312) das Verdienst, auf die Verschiedenheit der TypJia 
minima und Typha Laxmanni Ledeb. non Lep. hingewiesen zu haben. Die von 
Franchet erörterte Pflanze ist bereits oben (S. 149) als neue Varietät der Typha 
Martini (Typha Davidiana) hingestellt worden. 

Ä. B. Ges. B. XXXIX. Abb. 22 



170 



M. Kronfeld. 



TypJia juncifoUa ist zweifellos gleich Typha Laxmanni. Ebenso sicher 
scheint mir der angebliche Fundort bei Mantua in Oberitalien auf einen Fehler 
in der Etikette zu beruhen, wesshalb ich denselben in der Distributio geographica 
nicht anführte. Wenn aber wirklich Barbieri Typha Laxmanni bei Mantua fand, 
so stammte die Pflanze aus einem botanischen Garten und war nur zufällig. 
Uebrigens sei bemerkt, dass Typha Laxmanni im Wiener, Pester, Berliner, Peters- 
burger und anderen Gärten trefflich gedeiht, und einmal irgendwo ausgesät, 
sich vielleicht einheimisch machen könnte. Im Wiener botanischen Garten reifen 
die Samen alljährlich in Masse. 

Eohrbach stellt die Typha Laxmanni in seine Rotte der Indehiscentes 
und findet (S. 70), dass nach der alten (Schnizlein'schen) Gruppirung „eigenthch 
kein durchgreifender Unterschied" zur Trennung der beiden Arten Typha lati- 
folia und Typha Laxmanni vorhanden wäre. Allein, wie oben gezeigt wurde, 
klafft auch die Frucht von Typha Laxmanni — wenn freilich nach längerer 
Zeit — in einer Längsfurche auf, Typha Laxmanni gehört also thatsächlich 
mit Typha latifolia in eine Eotte. Abgesehen von dem völlig verschiedenen 
Habitus, gibt es aber zwischen den beiden Arten auch feinere Unterschiede. 
Als solche seien die weiblichen Haare und die Pollenkörner erwähnt; jene sind 
bei Tyx)ha latifolia wie bei den meisten anderen Arten zugespitzt, bei Typha 
Laxmanni dagegen abgestumpft; der Pollen von Typha latifolia erscheint in 
Tetraden, derjenige von Typha Laxmanni einzeln. Zudem sind die Körner 
von Typha Laxmanni die grössten unter allen Typhen. Den zarten, schlanken 
und gefälligen Habitus der Typha Laxmanni gibt unsere Abbildung wieder. 
Die Art bleibt Jedem im Gedächtnisse, der sie einmal untersuchte. 

Die Verbreitung der Typha Laxmanni ist eine vorwiegend asiatische. 
Wie bei Typha angustata gestatteten die werthvollen Aufsammlungen Pota- 
nin's, Przewalski's und Bretschneider's im herb. Petrop. die Art durch 
die Mongolei bis nach China zu verfolgen. Ueber den Kaukasus dringt Typha 
Laxmanni auch in die russische Tiefebene ein. Erheblicher entfernt vom Vege- 
tationscentrum ist das Vorkommen in der Dobrutscha. Auf Grund desselben muss 
der 46. Meridian als westliche Grenze der Typha Laxmanni angegeben werden. 

Die Varietät ß. ist durch die langen, schlangenförmig gewundenen Carpo- 
phore charakterisirt, im Uebrigen sind die Merkmale diejenigen von Typha Lax- 
manni. Die var. steht zur Art in demselben Verhältnisse, wie die forma 
1. media zu Typha angustifolia. Wahrscheinlich werden Uebergänge zwischen der 
var. planifolia und der typischen Art aus Persien selbst nachgewiesen werden. 
Es würde dann die var. planifolia als Form anzuführen sein. 

Subtribus D.: Scliuria Kronf. 

15. Typha Shuttleworthii Koch et Send. 

Syuonymia: Typha angustifolia Hölzl, in herb. Kerner! — non L. 
— neque auct. 



Monographie der Gattung Typlia Tourn. 



171 



Typha latifolia Simonkai, Euum. flor. Transsilv., p. 514 pro p. — 
Kirchner, Flora von Stuttgart, pro p. — non L, — neque auct. 

Typha Jat ifolia v ar . m inor A. Braun in sched. (ex Rohrbach). 

Typha Shuttle ivorthii Koch et Sond. in Koch's Syn. fl. germ., ed. II 
(1844), p. 786; Syn. d. deutsch. Flora, 2. Aufl. (1846), S. 810. — Schnizlein, 
Typhaceen, p. 24. — Reichenbach, Icon. fl. Germ., IX. — Godron et Gre- 
nier, Flore de France, III, p. 334. — Rohrbach, Gatt. Typha, S. 79. — 
Christ. Pflanzenleb. d. Schweiz, S. 179. — Nyman, Consp. fl. Europ., p. 757. 

— Bouvier. Fl. d. Alpes de la Suisse, IP ed., p. 634. — Arcangeli, Comp, 
fl. ital. (1882), p. 723. — Haussknecht in Mittheil. d. Botan. Ver. f. Thüring., 
V (1886), Sitzber., S. 69. — Borbäs in Oesterr. botan. Zeitschr., 1882, S. 237, 
und 1886, S. 82 pro p. — uec non in sched. pro p. — Kronfeld in Sitzungs- 
ber. der k. k. zool. -botan. Gesellsch., 1887, pro p. — non Lehmann, PI. Preiss. 

— nec Sonder in Linnaea, 1856, p. 277. — nec Herbich, Fl. Bucov., p. 98. 

— nec L. Richter in sched. 

? Typha transsüvanica Schur, Enum. Transsilv., p. 637. — non idem in 
herb, palat. Vindob.! 

Descriptio: Planta robusta, 10 — 15 dm alta. Spica mascula et feminea 
contiguae, longitudine conspicue diver sae; masc. 4 — 5, fem. 8 — 12 m longa. 
Axis spicae masc. pilis fasciatis sordide alhis vel subhrunneolis, linearibus, 
versus apicem acutis instructus. Flores 1 — 5-andri, plerumque triandri; an- 
therae2 — 2' 2 mm longi, superne 0'3—0 4 mm latae; polten 4-dymum, grana 20 
in diam. Spica fem. in anthesis stadio tertio cylindrica, cinerea vel argenteo- 
cinerea, stigmatum apicibus quasi punctidis nigris nebulosa; floribiis fertili- 
bus abortivi piriformes (carpodia) intermixti. Flos fem., totus in anthesis 
stadio I. 2—3, in anthesis stadio III. 10 mm longus, ebracteolatus, pili florum 
fem. rariores ac in Typha latifolia (numero 20—30), 0'013 mm lati, albi, versus 
apicem acuti, Stigma in anthesis stadio tertio aequantes vel paululum superantes ; 
Stigma spathulato-lanceolatum, in margine subcremdatum, O l — 0'12 mm latum, 
päos aequans vel iis brevior; gerinen elongato-fusiforme, 1 mm longutn, 0'14mm 
latum, fructus ovoideus, 1 mm longus, 0'3o — 0'4 mm latus, superne anmdariter 
constrictus. Carpophorum porrectum, 4 — 6 mm longum, pilis versus basim con- 
fertis. Pedicelli gradati 1 — T5 mm alti. Folia caulium floriferorum laminata, 
laminae integerrimae, lato-lineares, ad vaginas extus subconvexiusculae, intus 
planae, 5—10 mm latae, inflorescentiam valide superantes. 

Icones: Reichenb., Icon. germ., IX, Tab. 322, Fig. 746. — Icon. nostr. 
Tab. IV, Fig. 5. 

Analyses: Schnizlein, Typhaceen, Fig. 5 et 22. — Anal, nostr. Tab. V, 
Fig. 12. 

Exsiccatae: Christener!, Lagger!, Rehsteiner!, Morthier, PI. 
Helv. exsicc! — Gibbelj, PI. Parm. exsicc! — Hölzl, in herb. Kerner! 

Distributio g-eog^raphica: Europa: 1. Frankreich: La Tet in den 
Ostpyrenäen (Debeaux in Soc. Linn. Bord., 1878), am Var (Loret), bei Lyon 
(Jordan ex Godron- Grenier, Fl. France, III, p. 334). — 2. Schweiz: Im 

22* 



172 



M. Kronfeld. 



Wallis (Rolle, Soc. Bot. Bel^., 1882, p. 248), bei Domleschg und im Rätigan 
Graubündtens (Brügger in litt.), Lyss im Canton Bern (M ort hier!), Bern (Reh- 
steiner!, Christen er u. A.!, Shuttle Worth ex Rohrbach), Belp (Shuttle- 
worth ex Rohrbach), Seeland im Canton Bern, Morlon dans les Gruyeres (Lag- 
ger!), an der Saane bei Freiburg (Buchinger ex Rohrbach), Bünzer Moor im 
Aargau (Haussknecht, 1. c), an der Aar von Thun bis Aarau, an der Sense bei 
Neueneck, an der Bünz bei Muri und an der Lorze bei Cham (Christ, 1. c). 

— 3. Oberitalien: Parma (Gibbelj!), Tabiano, Callecchio bei Parma (Passe- 
rini ex Roh rbach), Moncalieri bei Turin (Cesatü). — 4. Baden: Riegel bei 
Freiburg i. B. (A. Braun ex Rohrbach), Wiesloch (Leonhardi ex Rohr- 
bach). — 5. Baiern: An der Strasse von Chiemsee bis Reichenhall (A. Braun 
ex Rohrbach), bei Rosenheim und Reichenhall (Haussknecht, 1. c). — 
6. Würtemberg (Stuttgart!). — 7. Steiermark: Rohitsch (Hölzl in herb. 
Kerner!). — 8. Ungarn:^) Nagy-Barkocs an der Mur im Eisenburger Comitat 
(Borbäs!), Mosnitza im Temeser Comitat (Borbäs!). — 9. Siebenbürgen: 
Zwischen Topänfalva und Vöröspatak (Janka ex Rohrbach), Nagy-Enyed 
(Borbäs!). 

Floret: Julio, Augusto. %. 

Olbseryatio: Die Unterschiede dieser Art von Typha latifolia sind erst 
im dritten Stadium der Anthese (Fruchtstadium) mit Sicherheit zu erkennen. 
Da erst haben die weiblichen Haare ihre definitive Länge erreicht, da erst zeigt 
der Kolben jenes eigenartige Aussehen, welches ihn auf den ersten Blick von 
Typha latifolia unterscheiden lässt. Der Kolben hat eine graue, selbst silber- 
schimmernde Oberfläche und ist durch die Enden der Narben gleichsam wie von 
dunklen Punkten überstreut. Im ersten und zweiten Stadium der Anthese ist 
die Blüthe, da die Haare ihre endliche Länge noch nicht erreicht haben, von 
jener der Typha latifolia nicht zu unterscheiden. Die Zahl der Haare zu er- 
mitteln unterliegt grossen Schwierigkeiten. Bleiben also nur die relativen Merk- 
male von dem Längenverhältniss der männlichen und der weiblichen Blüthen- 
abtheilung, dem niedrigen Wüchse und den schmäleren Blättern. Da es aber 
eine Form von Typha latifolia gibt, bei welcher die männliche Aehre gleich- 
falls erheblich kürzer als die weibliche ist, bei welcher die Blätter schmäler 
und der Blüthentrieb niedriger ist als bei dem Typus {Typha involucrata Sirak.) 

— Typha Bethulona — so folgt daraus, dass man Typha Shuttleworthii nur im 
Fruchtstadium von Typha latifolia abtrennen kann. Demnach ist das Vorkom- 
men der Typha Shuttleworthii Koch et Sond. für eine bestimmte Localität dann 
erst festgestellt, wenn von derselben Specimina im dritten Stadium der Anthese 
• vorliegen. Auch Rohrbach's anatomisches Kriterium zwischen Typha latifolia 

und Shuttletvorthii ist ein solches, welches sich aus der Untersuchung des reifen 
Samens ergibt. Dem aber, welcher behaupten würde, Typha Shuttleivorthii sei 
darum keine „gute Art", weil sie nur im fruchtenden Zustande zu erkennen ist. 



1) Aus weiter unten zu erörternden Gründen kann ich hier nur jene Standorte anführen, 
von welchen ich unzweifelhafte Exemplare sah, oder wo ich mich auf Rohrbach beziehen kann. 



Monographie der Gattung Typha Tonrn. 



173 



möchten wir erwidern, dass die Boibriii^un^ eines Fruchtexemplars neben einem 
Blüthenexemplare für jede Pflanze wünsclienswerth, für manche Arten aber, 
wenn anders die Diap^uose ermöglicht werden soll, durchaus nothwendig ist. 

Mag an einigen Beispielen die Bedeutung dieses Postulates erläutert 
werden. Herbich machte im Jahre 1859, also zu einer Zeit, wo Typha Shuftle- 
wortliii für einen Schweizer Eudemisten gehalten wurde, die überraschende 
Mittheilung, dass die Art auch in den Alpen des südlichen Siebenbürgens vor- 
komme, und da dieses Vorkommen, zusammengehalten mit dem Schweizer so 
ganz unvermittelt blieb, erhob noch im Jahre 1872 Knapp in seiner verdienst- 
vollen Aufzählung der Pflanzen Galiziens gegen die obige Angabe berechtigte 
Zweifel. Man musste sie aber aufgeben, als Rohrbach (S. 80) für Siebenbürgen 
das Vorkommen der Typha ShutÜeivorthii behauptete, und Borbäs^) sowie 
Frey n 2)^ nicht nur aus Siebenbürgen, sondern auch von vielen Orten in der 
ungarischen Tiefebene Standorte nannten. Dazu kam, dass ich die unzweifel- 
hafte Typha Shuttleivorthii im Herbar Kern er von Rohitsch (Steiermark) sah, 
und so schien das westliche und das östliche Vorkommen einigermassen ver- 
mittelter. Unter diesem Eindrucke hatte ich in meinem Aufsatze über die 
Verbreitung von T^/pha Shuttleivorthii mit Herbich 's Angabe wie mit einer 
Thatsache gerechnet. Nun kamen mir aber durch Güte des Herrn Prof. Tan gl 
Original-Exemplare aus dem Czernowitzer Herbare zu, gesammelt in der süd- 
lichen Bukowina bei Kapodanestie, und da die Exemplare sich im dritten (Frucht-) 
Stadium befanden, konnte darüber kein Zweifel sein, dass die Herbich'sche 
Ti/pha Shuttleivorthii nicht die Schweizer Pflanze, sondern jene Form der Tyj^ha 
latifolia ist, welche Koch und Sonder's Speeles sozusagen imitirt, aber schon 
äusserlich durch die völlig andere Kolbenoberfläche und durch kürzere Haare 
von jener abweicht. Ob Typha transsilvanica Schur, Enum. transs., wie dies 
Kohrbach annimmt (ohne Specimina gesehen zu haben), zu Typha Shuttle- 
ivorthii Koch und Sond., oder zu Typha latifolia f. 4. Bethulona gehört, muss ich 
in Frage lassen. Schur 's Typha transsilvanica im Herb, palat. Vindob. ist 
bestimmt Typha latifolia f. 1. amhigua. 

Simonkai zieht in seiner Enum. fl. transs. (1886, p. 514) die Typha 
Shuttleworthii der Auct. Transs. zu Typha latifolia. Aber unter Typha Shuttle- 
ivorthii der ungarischen Autoren sind drei verschiedene Pflanzen zu verstehen, 
und zwar: 1. Typha angustifolia (leg. W. Stein itz ad hortura Palatinum 
Budae. Borbäs in sched. pro Typha Shuttleivorthiil L. Richter in sched.!), 

2. Typha latifolia f. Bethulona (das Meiste, was ich im Herbare Dietz^) sah), 

3. Typha Shuttleivorthii Koch et Sond., die ich von den drei Original-Stand- 
orten Borbäs^): Nagy-Barkocs a. d. Muri, Mosnitza im Temeser Banat! und 
Nagy-Enyed! in Siebenbürgen, vergleichen konnte. Ob schliesslich Borbäs' 



1) Oesterr. tot. Zeitschr., 1882, S. 237 ; 1886, S. 82; 1887, S. 113. — Term. tuflom. kozl., 
18«'., Heft 189, p 1—2. 

2) Mittheil, der k. ungar. Akad. der Wissensch., 187ß, Nr. 1. 

Beiden Herren, welche die Güte hatten, mir ihre reichen Aufsammlungen ungarischer 
Typhen zur Verfügung zu stellen, sage ich hierait meinen besten Dank. 



174 



M. Kronfeia. 



Typha Shuttleivorthii vom Eisernen Thore, von Travnik in Bosnien und Sz. 
Udvarhely wirklich diese Pflanze, oder die bemerkte Form der Typha latifolia 
ist, muss ich, da die Specimina sich sämmtlich im ersten Stadium der Anthese 
befinden, dahingestellt sein lassen.^) Gleiches gilt, noch einige Fälle zu er- 
wähnen, von der Typha major Fenzl (Giesshübl bei Wien!) im herb, palat. Vindob., 
Gleiches von einem Specimen im Herbar von Haläcsy (Kalksburg bei Wien!) 
und weiter im Herbar Juratzka (Moosbrunn bei Wien!), ferner der Typha 
Shuttleivorthii Walz! und Tyjpha latifolia Landoz! im Klausenburger Herbare. 
Jung eingesammelte Exemplare sind, wo es auf die Differential-Diagnose zwischen 
Typha latifolia und Typha Shuttleivorthii ankommt, vollständig unbrauchbar. 
Nur fruchtende Belegstücke können entscheidend sein. 

Nach diesen Erörterungen ist noch auf die Geographie der Typha Shuttle- 
ivorthii einzugehen. 1855 verzeichneten Godron und Gren ier die Speeles für 
das südöstliche Frankreich, in den siebziger Jahren wurde sie aus Oberitalien, 
namentlich dem Turiner und Parmesaner Gebiete, ferner aus Baden und Baiern 
bekannt. Zwanglos lassen sich diese Vorkommnisse auf das Massencentrum der 
Art in der Schweiz zurückführen. Aar und Saane entspringen im Berner Ober- 
lande, Rhone, Rhein und der in die oberitalienische Ebene hinabführende Ticino 
strömen vom St. Gotthard herab, welcher im Osten neben dem genannten Ge- 
birgsstocke aufragt. Der Annahme, dass der Rhein Typha Shuttleivorthii nach 
Deutschland, die Rhone nach Frankreich, der Ticino nach Italien geführt habe, 
steht füglich nichts im Wege, und es wird im Quellengebiete von Aar, Rhein, 
Rhone und Ticino, welche beiläufig nach den vier Weltrichtungen ihren Lauf 
lenken, der Ursprungsort oder der Schöpfungsherd der Typha Shuttleivorthii zu 
suchen sein. Das Auftreten in Steiermark zu erklären, ist wohl eine Fortführung 
der Früchte durch den Wind anzunehmen nöthig. Aus Steiermark kann die 
Pflanze, wieder durch Luftströmungen, leicht in die ungarische Tiefebene ge- 
bracht und hier verbreitet worden sein. Die Verbreitung der Typha Shuttle- 
ivorthii durch den Wind ist insoferne begünstigt, als die Früchte unter allen 
Arten die längsten Haarkronen haben und so zum Fluge am günstigsten aus- 
gerüstet sind. Nach dieser Richtung nimmt Typha Shuttleworthii unter den 
Typha- Arten eine Stellung ein, welche jener der Senecio vernalis unter den 
Senecio -Ai'tm'^) vergleichbar ist. 

Ueberblickt man die Verbreitungsarea der Typha Shuttleworthii, welche 
nach dem Obigen beiläufig durch den 23. und 43. Meridian, sowie den 45. und 
48. Parallelkreis zu umgrenzen wäre, so ergibt sich, dass es, um das Vorkom- 
men im Einzelnen festzustellen, noch zahlreicher weiterer Nachforschungen be- 
darf. Jedenfalls ist es aber von Interesse zu sehen, wie eine vordem für ende- 
misch gehaltene Art ein verhältnissmässig grosses Gebiet bewohnt. Das ürtheil 
über den Endemismus einer Art sollte immer nur mit Vorsicht ausgesprochen 



») Freyn'sche Specimina der Typha Shuttleworthii aus Ungarn und Siebenbürgen lagen 
mir nicht vor. 

2) Cf. Nobbe, Handbuch der Samenkunde. 



Monographie der Gattung Typha Tourn. 



175 



werden. Eine Art ist endeiiiiscb, dieser Satz gilt meistens nur nach dem vor- 
läufigen Stande der Erkenntniss, Ich erinnere nur daran, wie die für Kraiu 
endemisch gehaltene DapJme Blagayana dann im serbisch-montenegrinischen 
Gebirge und in den Alpen bei Serajewo gefunden wurde. ^) 

16. Typha orientalis Presl. 

Synoiiymia: Typha japonica Miquel, Prol. fl. Jap., p. 324. — Franch.- 
Sav., Enum. pl. Japon., II, p. 11. 

Typha ?af?/bha Br etschneider, Fl. of China, p. 181. — Möllendorff, 
in herb. Petrop. !, nec non Berol. ! — H e n ry, in herb. Petrop. ! — non L., neque auct. 

Typha orientalis Presl, Epimel. bot., p. 239. — Wal pars, Annal. bot., 
III, p. 495. 

Typha Shuttleworthii ß. orientalis Rohrbach, Gatt. Typha, S. 80. 

Descriptio: Subspecies Typhae Shuttleworthii. Spica mascula 
et feminea contiguae, longitudine conspicue diversae ut in Typha Shuttleivorthii. 
Axis spicae masc. pilis fasciatis, suhbrunneolis instructus. Pollen simplex, 
grana 20—26(x in diam. Spica fem. in anthesis stadio III. ut in Typha 
Shuttleworthii, iidemque flores fem. Fructus ovoideus, superne non constrictus. 
Carpophorum, pedicelli ut in Typha Shuttleworthii. Folia caulium flori- 
ferorum laminata, laminae integer rimae, ad vaginas extus convexiusculae, 
intus planae, tantum 5 mm latae, inflorescentiam superantes. 

Icones: Iwasaki-Tsoun^massa, Phonzo Zoufou, XXXIII, fol. 19 et 20 
(ex Franch.-Sav., 1. c). — Icon. nostr. Tab. IV, Fig. 1. 

Analyses: Anal, nostr. Tab. V, Fig. 14. 

Exsiccatae: Cumming, PI. Philipp., Nr. 1767! — Siebold, Bürger, 
Textor, Plant. Japon. (ex Miquel). — Savat., Nr. 3276. — Möllendorff!, 
Brets chneider!, Henry, PI. Sin.! 

Distributio geographica: Ostasieu: 1. China: Häufig im nördlichen 
China (Bretschn eider!, I.e.), Tachiav-sse nordwestlich von Peking (Bret- 
schneider!, Möllend.!), Ichang (Henry!). — 2. Japan: Auf Kiusiu (Buer- 
ger, Textor, Siebold ex Miquel; Mohn ike ex Franch.- Savat.), auf Yoko- 
hama bei Kanasana (Maximowicz!), auf Nippon bei Yeddo (Savat.). %. 

Observatio: Diese auf den Reisfeldern Chinas und Japans, sowie auf den 
Philippinen vorkommende Art hat ganz das Aussehen der Typha Shuttleivorthii, 
namentlich deren eigenthümliche Kolben. Zu ihr gehört was B retschneider, 
Möllendorff und Henry als Typha lati folia aus China im Petersburger und 
Berliner Herbar deponirten. Original-Exemplare der Miquel'schen Arten habe 
ich nicht gesehen. Ich halte sie aber nach der ausführlichen Beschreibung für 
synonym mit Typhae orientalis, zumal der Autor von derselben bemerkt: „AfFinis 
videtur Typha orientali, quam me coraparare non potuisse doleo*, und mir 
die Presl'sche Pflanze von Yokohama (Specimen von Maximowicz) vorlag 



1) Cf. Wettsteiu in Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellscli. in Wien, 1888, Sitzungs- 
bericlite vom 1. Februar. 



176 



M, Kronfeld. 



Typha orientdlis ist von Typha latifolia im Südosten Asiens abgezweigt 
zu denken. Und zwar analog der Typlia Shuttleworthii in der europäischen 
Schweiz, auf asyngamischem Wege. 

17. Typha latifolia L. 

Syuonymia: Liesch- oder Mostkolben Tabernaemont., Kräuterbuch 
(1588), I, S. 686 pro p. 

Ttcpy] Dioscorid., Mat. med., III, 123. 

Typha Cuba, Hort, sanit., p. 149. 

Typha Nr. 70 Gmeliu, Fl. sib., I, p. 133 (excl. var. a). 

Typha angustifoUa Eichard, Tent. fl. Abyss., II, p. 350 pro p. — Mer- 
tens, Herb. bor. Am.! — Dur. d. Maisonn., PI. d' Alger.! — Bourgeau, 
PI. d. Pyren. Esp., Nr. 298! — Regel, in sched. it. Turkestan. pro p. (spec. ad 
Taschkent lectum) ! — non L. — ueque auct. 

Typha clava unica Hall., Hist. stirp. Helv., II, p. 163. 

Typha elongata Dudley, Cayuga Fl., p. 102. 

Typha Engelmanni A. Braun, mscr. ex Rohrbach. 

Typha latifolia Linne, Spec. plant., ed. I, 1753, p. 971. — Pollich, 
Hist. plant, palat. Elect., II, p. 554. — Roth, Tent. fl. Germ., Up. sec, p. 471. 

— Desfont, Fl. atlant., II, p. 333. — Smith, Fl. Britann., III (1805), p. 959. 

— Pursh, Fl. Amer. sept., I, p. 34. — M. a Bieberst., Fl. Taur., Caucas., III, 
p. 611. — Balbis, Fl. Ticiu., II, p. 166. — Pollinius, Fl. Veron., p. 100. — 
Bluff et Fingerh, Comp. fl. germ., Sect. I, Tom. II, p. 458. — Ledeb., Fl. 
Alt., IV, p. 249. — Kunth, Enum. plant., III, p. 90. — Visiani, Fh Dalm., 
I, p. 187. - Mart. et Galeotti, Enum. pl. Mexic, Bull. Brüx., X, 1843, p. 123. 

— Doli, Rhein. Fl., S. 169. — Schnizl., Typhac, S. 24. — Neilr., Flora v. 
Wien, S. 150. — Hausm., Fl. v. Tirol, S. 826. — Bunge, Fl. v. Esth-, Liv- u. 
Kurland, 2. Aufl., S. 239. — Bertol., Fl. Ital., X, p. 23. — Nym., Syll. fl. 
Europ., p. 388. — Godron-Grenier, Fl. de France, III, p. 334. — Celak., 
Prodrom. Böhm., S. 28. — Tchichatscheff, Asie min., Bot., II, p. 649. — 
Rohrb., Gatt. Typha, S. 75. — Schlosser-Vukot., Fl. Croat., S. 1156. — 
Marsson, Fl. Vorpomm., p. 504. — Willk.-Lge., Prodr. Hispan., I, p. 32. — 
Arno, Fl. Esp.-Port., p. 403. — Pancic, Fl. Serb., p. 649. — Nym., Consp. 
fl. Europ., p. 757. — Watson, Bot. Calif., II, p. 188. — Grecescu, Enum. 
Roman., p. 55. — Strobl, Etua, Oesterr. botan. Zeitschr., 1881, S. 233. — 
Battand.-Trab., Fl. Alg., p. 20. — Barbey, Fl. Sard., p. 55. — Boiss., Fl. 
Orient., V, p. 49. — Simonk., Enum. fl. Transs., p. 514, nec non Kirchner, 
Fl. Stuttg., pro p. — Bentham -Hooker, Fl. Britan., 5. ed., p. 418. — Mo- 
rong, Bull. Torr. Club, 1888, p. 6. — non Forst., Prodr., nec Meyer Prim. 
fl. Essequeb. — nec F. Krauss in Flora, 1845. — nec Friedrich sth., PI. 
Graec. exs. — nec Kurz, nec Edgeworth, nec Dalzell et Gibson. — nec 
Tineo, PI. Sic. exs. 



Monographie der Gattung Typha Tourii. 



177 



Typha latifolia var. a. Ambro si, Fl. Tirol, austr., I, p. 797. 

Typha major Curt,, Fl. Lond., ed. I, Fase. 3, Tab. 61. 

Typha palustris Dodon., Stirp. bist., p. 506 pro p. 

Typha palustris major J. Baub., Hist. plant, receus. Cbabr., p. 539. — 
Kajus, Hist. plaut., p. 1312. — Morls., Plaut, hist. univ., p. 246. — Volk am., 
Fl. Norinb., p. 329. — Touruef, lustit., p. 529. 

Descriptio: Planta rohusta, 15— 25 dm alta. — Spica muscula et feminea 
contiguae, rarissime remotae, longitudine aequales vel admodum diversae, 
fem. 10 — 30, masc. 10 — 25 cm longa. Axis spicae masc. pilis fasciatis sordido- 
albis, rarius brunneolis, linearibus, versus apicem acutis instructus. Flores 
1 — 5-andri, plerumque triandri; antherae 2'5—2'7 mm longae, supra 3 — 4 mm 
latae; pollen 4-dymum, grana 26—33 in diam. Spica fem. in anthesis 
stadio III. cylindrica, brunneo-nigra vel nigra, quasi fuliginosa; floribus 
fertilibus abortivi piriformes (carpodia) intermixti. Flos femineus totus in 
anthesis stadio I. 2 — 3, in anthesis stadio III. 10—12 mm longus, ebracteolatus, 
pili florum fem. frequentiores ac in Typha Shuttleworthii (numero ad 50), 
0'01—0 013 mm lati, albi, versus apicem acuti, stigmate in anthesis stadio 
tertio conspicue breviores; stigma spathidato-lanceolatum, in margine sub- 
crenidatum, 015 — 0'2 mm latum, pilos superans; germen elongato-fusiforme, 
1 mm longum, 015 mm latum, fructus ovoideus, 1'2—1'4 mm longus, 0'3 mm 
latus, supra infundibuliformis. Carpophorum 5—6 mm longum, pilis per eius 
longitudinem dispositis. Pedicelli gradati, columellares, l'5—2 mm alti. Folia 
caulium floriferorum laminata, laminae integerrimae, lato-lineares, ad vaginas 
extus subconvexiusculae, intus planae, 10 — 20 mm latae, inflorescentiam ad- 
aequantes, vel superantes. 

Icoues: Morls., Plant, hist. Icon., Sect. 8, Tab. 13, Fig. 1. — Fl. dan., 
IV, 645. — Svensk Bot., Tab. 520. — Curt., Fl. Lond., ed. I, Fase. 3, Tab. 61. 
— Engl. Bot., XXL 1455. — Sehkuhr, Handb., IV, Tab. 281. — Eeichen- 
baeh, le. fl. germ., IX, Taf. 323, Fig. 747, 748. — Schur in Verhaudl. des 
Siebenb. Ver., II, Tab. I, 1. 

Analyses: Gaertner, De fruct., I, Tab. 2, Fig. 1. — Lamk., Encyclop. 
Illustr., Tab. 748, Fig. 1. — Richard in Guillem. Archiv, I, Tab. 5. — Spach, 
Suit, Tab. 93. - Nees, Gen. plant., II, Tab. 1. — Sehnizl., Typhac, Fig. 4, 
19, 20, 47, 48. — Schur, 1. c, Tab. I, 2, 3, 8, 9; Tab. II, Fig. 25—49. — 
Rohrb., Gatt. Typha, Fig. 1. — Decaisne et Maout, Traite Botan., 1876, 
p. 643. — Dietz, Entwickl. etc., Taf. I, Fig. 4-10, 12—14; Taf. II, Fig. 1—8, 
10-14. — Engler in Natürl. Pflanzenfam., II, 1, S. 184, Fig. 143 G—H. — 
Morong, Bull. Torr. Club, 1888, p. 0, Fig. 1—3. — Analys. nostr. Tab. V, 
Fig. 11. 

Exsiccatae: Weihe, Nr. 296! — Tausch, Herb. Boh., Nr. 1577! — 
Nordmann, Nr. 910! — Gaillardot, Nr. 409! — Bayern, Herb. Caucas., 
Nr. 79! — Macoun, Fl. Great Plains, Nr. 167! — Parish, PI. of South Calif., 
Nr. 97! — Bourgeau, Comm. scientif. d. Mexico, Nr. 2375!, idem Pyr. hisp., 
Nr. 298! 

Z. B. Ges. B. XXXIX. Abb. 23 



M. Kronfeld. 



Formae (ab auctoribus pro speciebus vel varietatibus habitae): 

1. amhigua (Sond.) Kronf. 

Synonym.: Typha intermedia Schur, Verhandl. des Siebenb. 
Ver., II, S. 206. — non Schott — neque Seringe. 

Typha latifolia X angustifolia Wiesh-ä-ar, in sched.! 

Typha latifolia ß. amhigua Oborny, Fl. Mähr., S. 108. 

Typha latifolia y. amhigua Sonder, Fl. Hamb., S. 508. 

Typha transsilvanica Schur, in herb, palat. Vindob.! — non idem 
in Enum. Transs. 

Descriptio: Spicae spjatio 1 — 2 cm-rum distinctae, fere aequi- 
longae. Folia 10 — 20 mm lata. 

Icones: Schur, 1. c, Tab. I, Fig. 4, 6, 11. 

Exsiccatae: Schur, in herb, palat. Vindob.! — Wiesbaur, in 
herb. Kronf.! 

2. remotiuscula (Schur) Kronf. 

Synonym.: Typha latifolia y&y. remotiuscula Simonkai, Enum. 
Transs., p. 514. 

Typha remotiuscula Schur, Enum. Transs., p. 637. 

Descriptio: Spicae spatio hrevi distinctae, spica fem. quam 
masc. conspicue hrevior. 

3. elata (Boreau) Kronf. 

Synonym.: Typha amhigua Schur, in litt, ad Rohrbach. — non 
Sonder. 

Typha elata Boreau, Fl. d. centre de la France, II, p. 733. 

Typha elatior Boreau, in Guillem. Arch., II, p. 399. — Kunth, 
Enum., III, 90 pro p. — nonBönningh. — neque auct. 

Typha latifolia ß. gracilis Godron, Fl. Lorraine, II, p. 19. — 
Sond., Fl. Hamb., S. 508. — Aubriot-D aguin, Fl. d. Ht. Marne, p. 443. 

Typha latifolia ß. intermedia Coss. -Germ., Fl.de Paris, p. 580 
(excl. syn. De C). — non Schleich. — neque auct. 

Typha latifolia YSir. intermedia Coss. -Germ., Syn. anal. d. fl. de 
Paris, p. 447. — non Schur — neque auct. 

Typha pendula Fisch., Vegetationsverhältnisse Litthauens. 

Typha spatulaefolia Kronfeld, Verhandl. der k. k. zool.-botan. 
Gesellsch. in Wien, Sitzuugsber. v. 2. März 1887. 

D e s c r i p t i o : Spicae contiguae vel paululum distinctae, utraque hre- 
vior ac in Typha latifolia typica. Folia angustiora, tantum 5 — 10mm lata. 

4. Bethulona (Costa) Kronf. 

Synonym.: Typha Bethulona Costa, Introduc. fl. CataL, p. 251, 
nec non in herb. Petrop.! 

Typha glauca Bubani, in herb. Petrop.! — non Godron. 

Typha latifolia ß.. involucrata Simonkai, in Magyar Növingt. 
Lapok, 1878, p. 152. 



Monographie der Gattung Tijpha Touru 



179 



Typha Shuttleworthii Herbich, Fl. Bucov., p. 98. — non Koch 
et Sonder — ueqiie auct. 

? Typha transsilvanica Schur, Enurn. — non idem in herb, palat. 
Vindob. 

Descriptio: Planta humilior ad 1 m alta; spicae contiguae, 
mascula quam feminea conspicue brevior (relatio longitiidinis ut in 
Typha Shuttleivorthii) . Folia 5 — 10 mm lata. 

Exsiccatae: Costa, in herb. Petrop.I — Simonk., PI. exsicc! — 
Herbich, Exsicc. in herb. Czernowitziensi! 
5. Bietzii Kronf. 

Synonym.: Typha lati folia dioica Dietz, in sched. ! 

Descriptio: Inflorescentia tota floribus eiusdem generis expleta. 
Adhuc tantum planta masc. a cl. Dietz, in horto botan. Pesthin. reperta. 

Exsiccatae: Dietz, in herb. Kronf.! 

Distributio geographica: An Ufern in Weihern und Sümpfen, mit 
Ausnahme des mittleren und südlichen Afrika, des südlichen Asien, Australiens 
und Polynesiens, überall häufig. 

A» Europa: 'In ganz Europa, ausser Lappland, wesshalb ich mich mit 
einigen Ergänzungen zu Rohrbach begnüge. — Balearen (Willkomm, 
Linnaea, N. F., VI, 1876, p. 8). — Sardinien (Barbey, Fl. Sard. Comp., S. 57). 

— Alpen, stellenweise bis zu bedeutender Höhe, so auf der Tofana di Mezzo 
im Arapezzothale bei 1800 w die Form Bethulona (0. Simony!). — Rumänien 
(Grecescu, En. Roman., p. 55). 

JS, Asien : I Kaukasus: An der Kuban-Mündung (C. K o c h !), bei Awhasia 
(Nordmann, Nr. 910!). — 2. Cilicien: Bei Skanderun (Tch ic h atscheff, 

1. c). — 3. Cypern: Bei Larnaca und Ivatli (ünger et Kotschy, Ins. Cyp., 
S. 212). — 4. Syrien: Am Barrada-Flusse bei Damascus (Gaillard., Nr. 409!). 

— 5. Persien: Bei Achmedabad (Knapp, It. pers.!). — 6. Turkestan: Tasch- 
kent (Regel, It. Turkestan. I). — 7. Songarei: Unweit des Alakulj (Schrenk!). 

— 8. Baikalien (Türe za ninow!). — 9. Afghanistan: Kuram-Thal (Ait- 
chison, Journ. Linn. Soc, XIX, 1882, p. 188). — 10. Altaigebiet (Ledeb., 
Fl. alt., IV, S. 249). — 11. Sibirien (Gmel., Fl. Sib., I, p. 133): Am Gum- 
beka-Fluss (Lessing!), im Wilui-Gebiet in Ostsibirien (Meinshausen, Beitr. 
z. Kenntn. d. russ. Reich., XXVI, S. 212). — 12. Kamtschatka: Bei Ttchapin 
(Rieder!). — 13. Japan: Hakodate, Kamida, Nippon med. (Maximowicz, 
It. secund.!). 

C. Afrika: 1. Algier: Bei La Calle (Des f., Fl. atlant, II, p. 333; 
Durieu de Maisonn.!), bei Targhen und Colöali (Batt.-Tr ab., Fl. d. Alg., 
p. 20). — 2. Egypten (F igari ex Rohrbach). — 3. A by ssi n ien : Im District 
Schireh (Quartin Dillon et Petit ex Rohrb.). 

D. Amerika: 1. Nord -Amerika (Mertens, herb. bor. Amer.!). — 

2. Canada: In ganz Canada (Hook er, Fl. Bor.-Am., II, p. 170). — 3. Ver- 
einigte S taaten : Winipeg Valley (Coli. Bourgeau!), Great Plains (Macoun, 

23* 



180 



M. Kronfeld. 



Nr. 167), New-York (Wright!), Kent (Coli. Fowler!), Wisconsin (Swezey!), 
Texas (Torrey, Bot. of the Bound). — 4, Californien: San Bernard. (Parish, 
Nr. 97!), am Sacramento (Wats., Bot. of Calif., II, p. 188). — 5. Mexico 
(Schlumberg., herb. Mexican., Nr. 1880!): In den Molino-Sümpfen bei Pedre- 
guera, bei Xalapa (Martens et Galeotti, Enum. Mexico, Bull. Brüx., X, 1843, 
p. 123), bei Apulachicola auf Florida (Karwinsky, It. Mexic.!). 
Floret: Julio, Augusto (in Europa med.). 

Obseryatio: Da über die Typha media der Autoren und die der TypJia 
Shuttleworthii ähnlich sehende Typha latifolia f. 4 der Autoren schon im 
Früheren abgehandelt ist, werden die Bemerkungen nun in aller Kürze zu 
fassen sein. 

Typha latifolia ist eine so wohl charakterisirte Art, dass es schwer zu 
begreifen ist, wie einzelne Autoren, so Gmelin und Ambrosi, sie mit Typha 
angustifolia in eine Speeles zusammenfassten. Lässt man sich bei Deterraini- 
rung der Typhen bloss von dem Entfernt- oder Beisammensein der Aehren und 
der Blattbreite leiten, dann freilich sind die Unterschiede zwischen den beiden 
gedachten Arten nur relative, und leicht ergibt sich die Aeusserung: „reperiun- 
tur inter Typham angustifoliam et Typham latifoliam formae per omnes gradus 
intermediae." 1) Diese vermeintlichen Uebergänge sind es nur dem groben äusseren 
Ansehennach; die Blüthenmorphologie erlaubt in allen Fällen unzweifelhaft zu 
entscheiden, ob man eine Form der Typha latifolia oder Typha angustifolia 
vor sich habe. Ein auffallendes Kriterium der beiden Arten ist auch die Färbung 
des weiblichen Kolbens; bei Typha angustifolia braun, ist dieselbe bei Typha 
latifolia schwarzbraun, oder nahezu russartig schwarz. 

Was die Verbreitung anlangt, so ist Typha latifolia auf die nördliche 
Hemisphäre beschränkt. Sie kommt aber so ziemlich auf allem Festlande der- 
selben zwischen dem Wendekreis des Krebses und dem nördlichen Polarkreis 
vor. An der südlichen Grenze ist in Afrika die Typha capensis von Typha 
latifolia abgezweigt zu denken. In Ostindien scheint Typha latifolia völlig 
durch Typha elephantina ersetzt; Moon's Typha latifolia von Ceylon ist Typha 
javanica. Im südöstlichen Asien, so China, sehen wir die von Typha latifolia 
asyngamisch abgezweigte Typha orientalis auftreten. 

18. Typha capensis Eohrb. 

Synonymia: Typha Bergius, Exsicc. cap. hon. spei! 
Typha angustifolia Stewart, Exsicc. cap. bon. spei! — Eckl. et Zeyh., 
Exsicc. cap. bon. spei, Nr. 913! et 1222! — non L. — neque auct. 
Typha capensis Rohrb., Gatt. Typha, S. 96. 

Typha latifolia Bergius, Exsicc. cap. bon. spei! — Krauss in Flora, 
1845, p. 4343. — non L. — neque auct. 

Typha latifolia f. capensis Rohrbach, in herb, palat. Vindob.! 



1) Faccliini, Flora von Südtirol, S. 117. 



Monographie der Gattung Typha Tourn 



181 



Bescriptio: Subspecies Typliae latifoliae.. — Planta rohusta, ad 
20 (im alta. Spica mascula et feminea contiguae vel spatio brevi remotae, 
fere aequilongae, vel masc pauluJum longior. Axis spicae masc. pilis fasciatis, 
nifo-hriinneis, anguste linearibus, versus apicem acutis vel denticulatis, quasi 
tridentigeris instructus. Pollen 4-dymum, rarius Simplex, grana 26 ^ in diam. 
Spica fem. in anthesis stadio III. cylindrica, rufo-hrunnea, albo-maculata, 
demum griseo- siibbrunneola ; floribus fertilibus abortivi clavaeformes (carpodia) 
intermixti. Flos femineus ebracteolatus, pili numerosi (ad 50), albi, vel versus 
apicem acutum brunneoli, Stigma in anthesis stadio III. adaequantes, vel eo 
subbreviores ; stigma spathulato-lanceolatum vel lineare ^ e pilis vix emergens. 
Pili per longitiidinem carpophori dispositi, fructus ovoideus, superne annulariter 
constrictus. Pedicelli . . . Folia caulium floriferorum laminata, laminae 
integerrimae lato-lineares, ad vaginas extus subconvexiusculae, intus planae, 
5 — 10 mm latae. 

Analyses : Anal, nostr. Tab. V, Fig. 13. 

Exsiccatae: Bergius, Exsicc. cap. bon. spei! — Stewart, Exsicc. cap. 
bon. spei! — Eckl. et Zeyh., PI. cap., Nr. 913! et 1222! 

Distrilbutio geogTaphica rCapland (Hesse ex Rohrbach): Im District 
Uitenhaage am Zwartkopsrivier und Krakakamma (Eckl. et Zeyh.!), bei der Cap- 
stadt (Stew.!), an Flussufern in Natal (Krauss, 1. c), bei Eietvalley (Berg.!). %. 

Obseryatio: Durch die langen Haare der weiblichen Blüthen erinnert 
diese Unterart der Typha latifolia an Typha Shuttleivorthii, was das Längen- 
verhältniss und die Grösse der Aehren aber anlangt, an Typha latifolia. Von 
beiden unterscheidet sich die Pflanze durch die wechselnde Gestalt der Narbe, 
die in ein und derselben Aehre bald linear wie bei Typha angustifolia, bald 
lanceolat wie bei Typha latifolia erscheint, und die eigenthümlichen, oberwärts 
meist dreizackigen Haare des männlichen Blüthenreiches. Rohrbach gibt 
ferner an: „Pollenkörner stets einzeln", aber ich fand bei den Exemplaren des 
Wiener und Berliner Herbars meist Tetraden, nur vereinzelt singulare Körner. 
Käme Typha capensis unter Typha latifolia und angustifolia vor, so könnte 
man an einen Bastard der Combination perlatifolia X angustifolia denken. 
Jedenfalls bleibt der Dimorphismus des Pollens bei dieser Typha- Avt allein be- 
merken swerth. 

Die Verbreitung ist auf Capland beschränkt. Eine gleich zu besprechende 
Varietät der Typha capensis bewohnt Madagascar. 

Var. ß. Hildehrandtii Kronf. 

Descriptio: Diff'ert a Typha capensi typica pilis spncae masc. ad unum 
Omnibus superne tridentigeris, polline simplici. 

Exsiccatae: Hildebrandt, Exsicc, Nr. 3334! 

Distribiitio geographica: Madagascar: Im Brackwasser bei Vavatobe 
(Hildebr., 1. c). 



182 



M. Kronfeld. 



01)servatio: Di§se vielleicht für Madagascar eigentliümliche Varietät be- 
nenne ich zu Ehren Hildebrandt's, des verdienstvollen Botanikers in den Tropen. 



Appendix. 

Speeles exeludendae. 

1. Typha sp., quam föliis pulcherrime glaucescenter- viridihus albido- 
variegatis (ex Japon. allatamj laudat Zoll Inger, Verz. d. im ind. Archip. 
ges. Pfl., S. 77 = ? 

2. Typha, specimen Petersianum e Nova Hollandia in herb. Petrop.! = 
Xanthorrhoea sp. 

Speeles fossiles. 

Secundum cl. üugerum iam supra (p. 110) paucis commemoratae. 



Emendanda. 

Seite 89, Z. 4 v. o., statt „a. Chr.« lies „p. Chr." 
„ 90, Z. 5 V. 0., statt „/aXXoüaiv" lies „xaXouaiv". 

98, Z. 3 V. u. (Anm.), statt „p. 1709" lies „Nr. 1709". 
„ 103, Z. 2 V. 0., statt „ Schnizleinii'^ lies „Davidiana". 
„ 149, Z. 19 V. u., nach „Jordan!" ist „Miciol!" einzuschalten. 
„ 149, Z. 12 V. 0., statt „26 /u" lies „26—33/ic". 
„ 151, Z. 13 v.o., statt „Desfon taine" lies „D esf o nt ain es". 
„ 152, Z. 8 v.u., nach „Reichenb., Fl. exc." ist „Kunth, Enurn., 

III, 90 p. p." einzuschalten. 
„ 153, Z. 1 V. 0., vor „Reichenbach, Fl. excurs., p. 11" ist „Typha 

minor" einzuschalten. 
„ 156, Z. 1 v.u., ist „Namaqualand (Belik!)" anzuhängen. 
„ 156, Z. 12 V. u., ist nach „Hildebrandt" „Belik, Fl. S. W. Afr. 

Nr. 19!" einzuschalten. 
„ 159, Z. 5 V. u., das Citat „Reverchon" gehört in die nächsthöhere 

Rubrik „Typha angustata". 
„ 163, Z. 11 V. 0., nach „Typha americana" ist das Citat „Typha, an 

latifolia L.? an truxillensis, H. B. K.? Cham, et Schlecht. 

Linn., VI, p. 23" einzuschalten. 
„ 163, Z. 20 v.u., nach „Morong" ist „Rohrbach, Gatt. Typha, 

S. 97" einzuschalten. 



Monographie der Gattung Tijpha Tourn. 



183 



Index. 



Die Synonyme sind durchwegs in gewöhnlicher Schrift aufgeführt; die 

als solche im Buche abgehandelten Tribus und Subtribus sind in fetter, die 
Arten, Varietäten und Formen in gesperrter Schrift und die fossilen Speeles 
mit einem vorgesetzten Sternchen (*) verzeichnet. 

Seite 

Typha angustata Bäk. . . . 157 

— angustata var. ß. lep- 
tocarpa Rohrb. . . . 161 

— angustata var. y. aethio- 
pica Rohrb 162 

— angustifolia Auct. alger. 156 

— angustifolia Blsmco . . 157 

— angustata Boiss. . . . 159 

— angustata Boryet 
C h a u b 159 

— angustata Hausskn. . 159 

— angustata Nym., Consp. 
pro p 159 

— angustata Nym., Syll. . 159 

— angustata Reverch. . . 159 

— angustifolia A\xh\. . . 163 

— angustifolia Balsa. . . 167 

— angustifolia Balb. . . 151 

— angustifoliaB si.tta, u diel- 
et Tvä^h 156 

— angustifolia Belang. . 159 

— angustifolia B e u t h a m 
pro p 154, 158 

— angustifolia Berg. . . 163 

— angustifolia B e r t o 1 o n i 
pro p 151, 167 

— angustifolia Bluff, et 
Fingh 151 

— angustifolia Boiss. . . 151 

— angustifolia Bourg. . . 176 

— angustifolia Bovä . . 159 
angustifolia B r e t s c h n. 167 



Seite 

Bracteatae Schuizl 138 

Bracteolatae S c h n i z 1. emend. 144 

DeÄiscetife.s Rohrb. - Boiss. . . 112 

Ebracteatae Schnizl 139 

Eb7^acteofataeS chnizl. emend. 167 

Engleria Kronf. . . . . . 167 

Indehiscentes R o h r b. - B o i s s. . 112 
Kleiner Geschlecht vom Liesch- 

kolben Tabernaemout. 144 
Liesch- oder Mostkolben Taber- 
naemout. pro p. . 150, 176 
RoJirbachia Kronf. . . . . 144 

ScJinizleinia Kr ou f. . . . . 150 

ScJmria Kronf 170 

Ti9r) Dioscorides 176 

?Ti9r) Theophrast 159 

Typha Bergius 180 

— Cuba 176 

— Nr. 70 Gmel., Sib. pro p. 176 

— Nr. 70 var. a. Gmel., Sib. 150 

— Peters 182 

— sp. Zolling 182 

— aequalis Karolkoff et 
Krause 159 

— aequalis Schnizl. . . 159 

— aequinoctialis Welw. . . 156 

— aethiopica (Rohrb.) 
Kronf 162 

— americana Mey. . . . 163 

— angustata Aitchis. . . 159 

— angustata A s c h e r s o n et 
Schweinfurt, III. . . 159 



184 M. Kronfeld. 







Seite 






Seite 


Tijpha 


angustifolia Broth. . . 


167 


Typha 


angustifolia Miqu. pro p. 


157 


— 


angustifolia Brown . . 


154 


— 


angustifolia Morong . 


151 


— 


angustifolia Buch. . . 


156 


— 


angustifolia M u e 11 e r pro 




— 


angustifolia Decaisne . 


157 




p 154, 158 


— 


angustifolia Desf. . . 


156 


— 


angustifolia Nym.. . . 


151 


— 


angustifolia Drege . . 


156 


— 


angustifolia Panc. . . 


151 


— 


a ngustifolia Eckl.-Zeyh. 


180 


— 


angustifolia Pollich 


151 


— 


angustifolia Ehrenb. . 


159 


— 


angustifolia P o 1 1 i n. . . 


~151 


— 


angustifolia Ernst . . 


163 


— 


angustifolia Pursh . . 


151 


— 


angustifolia Gebl. . . 


167 


— 


angustifolia^ It. Tur- 




— 


angustifolia Godron et 






kest. pro p. . . . 159, 176 






151 


— 


angustifolia'RiQ.h., Abyss. 




— 


angustifolia Griff. . . 


159 






176 


— 


angustifolia Hasskarl 




— 


angustifolia Rieh., Cub. 


163 




pro p 


157 


— 


angustifolia Ried. . . 


144 


— 


angustifolia Heldr., Pfl. 




— 


angustifolia Rohrb. . . 


151 




d. att. Eb 


159 


— 


angustifolia Roxb. . . 


159 


— 


angustifolia H e 1 d r . , Cr et. 


159 


— 


angustifolia Schirap. 


159 


— 


angustifolia H ö 1 z 1, Herb. 




— 


angustifolia S c h i m p., 








170 




Abyss. 1563 


161 


— 


angustifolia Hook., New 




— 


angustifolia S c h i m p.. 






Zeal 


154 




Abyss. 1190 


162 


— 


angustifolia Hook., Nig. 




— 


angustifolia Schnizl. . 


151 




Fl 


156 


— 


angustifolia Schwein f., 




— 


angustifolia H o o k.,Tasm. 


158 




Nil 


162 


— 


angustifolia Humb., Ans. 


163 


— 


angustifolia Schwein f. 




— 


angustifolia Karel. . . 


159 




et Aschers., Beitr. pro p. 


159 


— 


angustifolia C.Koch. . 


167 


— 


angustifolia Schweinf. 




— 


angustifolia Kral. . . 


156 




et Aschers, pro p. 161, 162 


— 


angustifolia Kunth pro 




— 


angustifolia Seem. . . 


154 






159 


— 


angustifolia Sibth. et 




— 


angustifolia Kurz pro p. 


159 




Sm 


159 


— 


angustifolia Ledebour. 


159 


— 


angustifolia Sm. . . . 


151 


— 


angustifolia Linds. . . 


154 


— 


angustifolia Spanoghe 


157 


— 


angustifolia L., ed. I 


150 


— 


angustifolia Spreng. 




— 


angustifolia L , ed. 11, 






Pi'o P 


163 






151 


— 


angustifolia Stew. . . 


180 


— 


angustifolia Maisonn. . 


176 


— 


angustifolia Szov. . . 


144 




angustifolia Marian. 


163 




angustifolia T c h i c h a t. 






angustifolia Marss. . . 


151 






167 




angustifolia Maxim., It. 






angustifolia Thwait. 


157 






159 




angustifolia U e c Ii t r., 






angustifolia Mert. . . 


176 






153 





.Moiiograpliie 


(1er Gi 


ttuiig Tifpha Tourii. 


185 






Sßite 






beite 


T 7 


utiyu/bcz/ uiiu vv diö. 


1 M 


Typha Bethulona Costa. . • 


1 78 
I/o 




UHU Hol 1/ UHU YY 1 1 1 U.j nci U« 






hracteata Greene. . . 


lOö 










T3..„ • • TT" J. 1 

Broiomi Kunth . . . 


lO'l 




ffhi nn Q'töfril'in AATillV 

UrvUl4/0(/Vf UiVU VVlllü. cL 






Broionii Schnizl. . . 


1 54 




Ti c p 


151 




Bunyeana Kurz . . . 


144 




ufiyuoiii/ UHU £j u 1 !• • 


1 ^1 

lO 1 




Bungeana Pres! . . . 


144 










Bungeana Walp. . . . 


144 










capensis Rohrb. 


1 sn 

loU 




uriy U/oi 1/ UHU u yotltvltlU 






capensis var. ß. Hilde- 






Cln(\ r 


1 ^^ 

101 




hrandtii Kronf. . . 


1 ftl 
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III 




clava unica Hall.. 


1 7fi 

I/o 




n'nnijQf'ifnIin R fiii Qtvnl i v 
urvyu/o(/if/ Uvvu jJ, uvvoOi iivto 






daenatica Steud. . 


159 




Rohrb 


156 




damiattica Ehrb. . . . 


159 




/III Qf-i Tfili fi ^T/ifÖ/it* 
II fiy iio VI' / ui/ eil p. oiU/i/tUi 






dominginensis Kuuth . 


1 




G odr 


152 




dominginensis M o r o u g . 


163 




nii Qfo T/uin R vh'i^^it^^ i, 

%A/ ftU (A/Ov Cf UV CiAf fJ» lilViVUI -Li. 


1t: Tb 




dominginensis rers. 


163 




U/iVU woVVf UVtfU/ j-f, UIAxAiVKjIU Ivo 






dominginensis Rohrb. . 


182 




iAj£/JJi UJUtinUdVio O U U U . . 


lOO 




dominginensis Schnizl. 


1 




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U^/vy(4/oVC / U l t Li lUXiJiCl 






Ehrenbergii Schur . 


1 (iO 

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elata Box. . . . . . 


1 78 
1 /ö 




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10^ 




elatior Boengh. . . . 


1 ^9 
loci 




Uf fl y Uf o V V 1 U t t LI IUI Uict 






elatior Bor 


178 
I/o 




VrVvbOiiwilfvCo IX 1 U Ii i. . ■ 


1 

itJO 




elatior Kunth pro p. 152, 


178 




n i^i n Q i" *i t 1 ^ /t 'Tf\vfii\u 
iif(/yv%/ovv / u V V II lUi liicl 






elatior Reichen b. 


1 ^9 




O« KJ U rl/ U/ O i i XV 1 U Ii 1. . 


lOO 




elephantina Kunth . 


1 




n. n oj. <i t f n l n idYiwu. 






elephantina Kurz . . 


165 




A- TJ p pJ) f T i f i TT r n 11 f 






elephantina Roxb. 


165 




lAifiy IvQVV 1 UllxAj /\ liAjVV/ UvViA/ 






elephantina Royle 


160 




Kronf 


167 




elephantina Schimp. 


166 




n Vi n n c / 1 /"/i 7 1 /» vnv /-? 

UfvywoVvfUvVU V dl . ^ >• 






elephantina Schnizl. 


165 




"Fi T n liii v) ö 7 (\C ^^ ti ■f. 1 1 t 1 1 f 

X> / U lAJ gl/ V V \^ II 11 uJI^ Ii. IUI. 


1 54 




elephantina Tbwait. 


157 




(mnu'itifolin.'Vri.v ß Srliiir 


156 




elliptica bmel., Bad. 


144 




nvifitj.ftf'ifnl^fi vJiT ^J/tm91ii- 

iA/ftilJ wOv VI \/vv\Af V ul • \AJ\JI/vvfV 






elongata Du dl 


176 






163 




Eng elmanni A. Br. . . 


176 




nvinii^tifolin, var fLotnovi- 

\A/ gvlj WOv l/l \Jvlf\Aj f 1*1 , \^\J IllfVfV 






essequeboensis Mey. . . 


163 




i>VI Q'i Q TT O TYl C 1 
y(/ftCHotO XAtJlllOl« . 




_ 


fragilis Ludw. . . . 


110 




cinyustifolici VEr. spcithci- 






gigantea Schur. . . . 








101 


* 


gigantea Ung 


110 
1 Iv 




an latif. ? an tTuxillensis ? 






glauca Bub an i . . . 


178 

1 1 o 




V^Ualll« cDOCUlcCUlj. 






glauca Godr 


167 




UM'oC'/ltC'C'O Ot/UU Iii , c L 






glauca Rohrb 


167 




V. ^ 


lob 




gracilis Godr. et Gren. 


14Q 

i^y 




Balansae Reut. . . . 


167 




gracilis Jord 


148 




GeB. B. XXXIX. Abh. 






24 





186 



M. Kronfeld. 



Seite 



Typha gracilis Schur . . . . 152 

— gracilis Simonk. . . . 151 

— gracilis Suhr . . . . 155 

— gracilis Walp 149 

— Haussknechtii Boiss. . 150 

— Haussknechtii Rohr- 
bach 150 

— intermedia Schott . . 156 

— intermedia Schur . . 178 

— intermedia Serg. . . . 151 

— intermedia Wolff . . . 151 

— japonica Franch.-Sav. 175 

— japonica Miquel . . . 175 

— javanica Rohrb. • . . 157 

— javanica Schnizl. . . 157 

— javanica Schnizl. — 
Rohrb 157 

— juncifolia Celak. . . . 167 

— juncifolia Montand. . 144 

— juncifolia ^ ilh . . . 144 
* — Kerner i Krön f. . . . 110 

— latifolia Arno . . . . 176 

— latifolia Balb 176 

— latifolia Barb 176 

— ^a^^/b^mBattand.-T^ab. 176 

— Za^i/bZm B enth. etHook. 176 

— latifolia Bergius . . . 180 

— latifolia Bertol. . . . 176 

— latifolia Bieberst. . . 176 

— latifolia Bluff et Fin- 
gerh 176 

— latifolia Boiss. . . . 176 

— latifolia Br et sehn. . . 175 

— latifolia Bunge . . . 176 

— latifolia Celak. . . . 176 

— latifolia Dalz. et Gibs. 165 

— latifolia Desfont. . . 176 

— latifolia Doli 176 

— latifolia Edgeworth . 165 

— latifolia Forst. . . . 154 

— latifolia Friedrich sth. 160 

— latifolia Godr. et Gren. 176 

— latifolia Grecescu . . 176 



Seite 



Typha latifolia Hausm. . . . 176 

— latifolia Henry . . . 175 

— ^a^^■/b^^aKirchn.p.p. 170, 176 

— latifolia Kirk . . . . 154 

— latifolia Krauss. . . . 180 

— latifolia Kunth . . . 176 

— latifolia Kurz 165 

— latifolia Ledeb. . . . 176 

— latifolia L 176 

— latifolia Marss. . . . 176 

— latifolia Mart. et Ga- 
leotti 176 

— latifolia Mey 163 

— latifolia Möllendorff . 175 

— latifolia Moon . . . . 157 

— latifolia Morong . . . 176 

— latifolia Neilr 176 

— latifolia Nym., Consp. . 176 

— latifolia Nym., Syll. . . 176 

— latifolia Panc 176 

— latifoliaV ition, Wo. Wiw- 

dob 151 

— latifolia Pollich ... 176 

— latifolia Po 11 in. . . . 176 

— latifolia Pursh. . . . 176 

— latifolia Rohrb. . . . 176 

— latifolia Roth . . . . 176 

— latifolia Schloss. etVu- 

kot 176 

— latifolia Schnizl. . . . 176 

— latifolia Schomb. . . 163 

— latifolia Simonkai pro 
parte 170, 176 

— latifolia Sm 176 

— latifolia Strobl. . . . 176 

— latifolia T chichat. . . 176 

— latifolia Tin 151 

— latifolia Vis 176 

— latifolia Wats 176 

— latifolia Wi 1 1 k. et L n g e. 176 

— latifolia X angustifolia 
Wiesb 178 

— latifolia ß. ambigua Ohnf. 178 



Mouograpliie der Gattung Tijpha Touru. 187 



Seite 

Typha latifolia ß. gracilis A u b r.- 



Dag 178 

— latifolia ß. gracilis G o d r. 178 

— latifolia ß. gracilis Sond. 178 

— latifolia ß. intermedia 
Coss. et Germ. . . . 178 

— latifolia ß. involucrata 
Siinoukai 178 

— latifolia y. amhigua S o u d. 178 

— latifolia dioica Dietz . 179 

— latifolia forma cayensis 
Rohrb 180 

— latifolia forma 1. amhigua 
(Sond.) Kroiif. ... 178 

— latifolia forma 2. re- 
motiuscula (Schur) 
Kronf. ...... 178 

— latifolia form^iS.elata 
(Bor.) Kronf 178 

— latifolia forma 4. Be- 
thulona{Cost&)Kront. 178 

— latifolia f. 5. Dietzii 
Kronf. 179 

— Za^i/bZm var. a. Ambro si 177 

— latifolia var. ß. minor 
Ambrosi 151 

— latifolia var. intermedia 
Coss. et Germ. . . . 178 

— latifolia var. minor A. Br. 171 

— latifolia var. remotiuscula 
Simonkai 178 

* — latissima A. Br. . . . 110 

* — latissimia Ung. . . . 110 

— Laxmanni Bay. . . . 167 
~ Laxmanni Boiss. . . 144 

— Laxmanni Engl. . . . 144 

— Laxmanni Franch. . . 149 

— Laxmanni Ledeb. . . 114 

— Laxmanni Lep. . . 107 

— Laxmanni Nym., Syll. . 144 

— Laxmanni Regl. . . . 147 

— Laxmanni Rohrb. . . 144 

— Laxmanni Tchichat. . 144 



Typha Laxmanni Turcz. . . 144 

— Laxmanni ß. gracilis 
Rohrb 149 

— Laxmanni y&T. ß.mon- 
golica Kronf 169 

— Laxmanni var. y. pla- 
nifolia Kronf. . . . 169 

— lugdunensis Chabt. . . 144 

— lugdunensis Gandog. . 144 

— macrantlielia Christ . 156 

— macranthelia Webb et 
Barth 156 

— maior Curt 177 

— Maresii Battand. . . 165 

— ilfar^im Aitchis. . . . 167 

— Martini Jord. . . . 148 

— Martini Thoms. . . . 167 

— Martini var. ß. Davi- 
diana Kronf 149 

— maxima Schur . . . 163 

— media Barbieri . . . 168 

— media Bluff et Fingh. 152 

— media Bory et Chaub. 160 

— media Clus 151 

— media De Cand. . . . 152 

— media Eichwd. . . . 151 

— media Endres . . . . 144 

— media Gmel., Bad. . . 151 

— media Pollin. pro p. . 152 

— media Raj 151 

— media Rigo 153 

— media Schleich. . . . 152 

— minima Braune . . . 144 

— minima Franch. . . . 144 

— minima Funk . . . . 144 

— minima Funk-Hoppe 144 

— minima Hoffm, . . . 144 

— minima Hoppe . . . 144 

— minima Kunth . . . 144 

— minima Po 11 in. . . . 144 

— minima Schnizl. . . . 144 

— minima Willd 144 

— minima ß. serotina Qx^n. 149 

24* 



188 



M. Kronfeld. 



Seite 



Tygha minima duplici clavaMo- 

rison ....... 144 

— minima var. ß. Begelii 
Kronf 147 

— minima var. gracilis D u c. 149 

— minor Bauh 144 

— minor B er toi 144 

— ?/wno?' Lob. et Pen. . . 144 

— minor Reich b. . 144, 182 

— minor Sm 144 

— minor Willd 144 

— minor jS. Bertol. . . . 144 

— minuta Schrank . . . 168 

— Muelleri Rohrb. . . 158 

— Muelleri Täte .... 158 

— nana Ave-Lallem. . . 145 

— nana Reichenb. . . . 145 

— orientalis Presl. . . 175 

— orientalis Walp. . . . 175 

— palustris Dodon. ]).]). 151,177 

— palustris clava gracili 
Tournef. 151 

— palustris maior J. Ba,uh. 177 

— palustris maior Mo i' IS. . 177 

— palustris maior Raj. . . 177 

— palustris maior T onvne f. 177 

— palustris maior Y o\k3,m. 177 

— palustris media Moris. . 151 

— palustris minor Raj. . . 145 

— palustris minor Tour n f. 145 

— pendulaFisch 178 

— remotiuscula Schur. . . 178 

— Schimperi Rohrb.. . 166 

— Shuttleworthii Are ?i.ng. . 171 

— Shuttletüorthii B o r b ä s 

pro p 151, 171 

— Shuttleworthii Bouv. . 171 

— Shuttleworthii Christ . 171 

— Shuttleworthii Godr. et 
Gren 171 

— Shuttleworthii Ra.nsskn. 171 

— Shuttleworthii Herb. . 179 



Seite 



Typha Shuttletüorthii Koch 

et Sond 170 

— Shuttleworthii Kronf., 
Zool.-botan. Ges. pro p. . 171 

— Shuttleworthii Lehm. . 158 

— Shuttletüorthii N y m a n, 
Consp 171 

— Shuttleworthii Ue^i che n- 
bach 171 

— Shuttleiüorthii Rieht. . 151 

— Shuttletüorthii Rohrb. . 171 

— Shuttletüorthii Schnizl. 171 

— Shuttleiüorthii Sond. . 158 
. — Shuttleiüorthii ß. orienta- 
lis U oh rh 175 

spathulaefolia Kronf. . 178 

— stenophylla Boiss. . . 158 

— stenophylla Fisch, et 
Mey 168 

— stenophylla Hausskn. . 150 

— stenophylla Krassn. . . 168 

— s^enop7^2/^Z^^ Nym., Consp. 168 

— stenophylla Rdde. . . 168 

— stenophtjlla Rgl. . . . 168 

— stenophylla Rohrb. . . 168 

— stenophyllaSint., It.Troj. 160 

— stenophylla var. ad int. 
alopecuroides Kronf. . 168 

— tenuifolia Humboldt et 
Bonpl 163 

— tenuifolia Kunth . . . 163 

— tenuifolia Schnizl. . . 163 

— transsilvanica Schur, 
Enum 171, 179 

— transsilvanica S c h u r, hb. 
Vindob 171, 178 

— truxillensis H u m b. et 
Bonpl 163 

— truxillensis Kunth . . 163 

— truxillensis Schnizl. . 163 

— truxillensis Sodiro . . 163 
* — Ungeri Stur .... 110 



1 'crluiTuU. d. A: l: zool.fwt.dtv. 



Tiü'. IV. 



DCMKroiücld: 

Monocpxiiiliie d. Gattii Typlui . 




Ki onl'eld rlir Vt'imraer d.t>l . 



Li!h.Anst.vTh.Bnnnwarth,\flen,We7. 



mnmu of tuiNois 



J 't'r^tmdl. d. A*. k. xool. Iwt. Ovs. 



Taf.T 



DrM.Kronfeld: 
JIano(jmpfäe d. Gattg. "^lo . 




lö'onfdd dir.'Winuner ei«' 1 



I.: rh . Anst .v.Th^ a luiwa rth Wien,"SEBe •/. 



l 



Monographie der Gattung Ttjpha Tonrn. 



189 



Erklärung der Abbildungen. 



Tafel IV. 

Fig. 1. Typha orientalis. Inflorescenz im II. Stadium derAnthese; die weib- 
liche Abtheilung ist (entsprechend der basipetalen Entwicklungsfolge 
der Blüthen) oben etwas breiter als unten, V3 der nat. Gr. — Das 
Exemplar stammt von den Philippinen. 
„ 2. Typha minima. Habitusbild. Inflorescenz im II. Stadium der Anthese. 
V4 der nat. Gr. — Das Exemplar stammt von Funk 's locus classicus 
bei Salzburg. 

„ S. Typha Laxmanni. Blüthentrieb im I. Stadium derAnthese. 1/4 der 
nat. Gr. — Das Exemplar stammt aus Persien (Urumiah). 

„ 4. Typha minima. Inflorescenz im IL Stadium der Anthese. Nat. Gr. 
— Specimen v^n Kuldscha in Turkestan. 

„ 5. Typha Shuttleioorthii. Habitusbild. Inflorescenz zu Beginne des III. Sta- 
diums der Anthese. V4 der nat. Gr. — Vom locus classicus bei Bern. 

„ 6. Typha angustata. Inflorescenz im I. Stadium der Anthese. V5 ^ei' 
nat. Gr. — Attisches Specimen. 

„ 7. Typha Martini*. Habitusbild. Inflorescenz zu Beginne des II. Stadiums 
der Anthese. V4 der nat. Gr. — Vom locus classicus bei Lyon. 

„ 8. Typha dominginensis. Inflorescenz im IL Stadium der Anthese. der 
nat. Gr. — Specimen von Lima in Peru. 

Tafel V. 

Die zu den einzelnen Figuren gehörigen analogen Details sind nach dem 
folgenden Schema mit den gleichen Ziffern bezeichnet. 

1. Weibliche Blüthe zur Uebergangszeit des II. in das III. Stadium 
der Anthese. Man sieht den Fruchtknoten mit Griffel und Narbe in 
dem Büschel der weiblichen Haare, daneben links bei den species 
bracteolatae (Fig. 1 — 10) das spateiförmige Tragblättchen, bei einer 
species bracteolata (Fig. 11) rechts die Carpodie. — Vi der nat. Gr. 

2. Carpodie, etwas stärker vergrössert. Bim- (Fig. 2 — 11) oder keulen- 
förmig (Fig. 3, 7). 

3. Weibliches Blüthenhaar. Oberes Ende; wasserhell (Fig. 1, 11, 15) 
oder bräunlich (Fig. 2), spitz zulaufend (Fig. 1, 2, 11), keulig (Fig. 5) 
oder kugelförmig erweitert (Fig. 7). — ^'''^/i der nat. Gr. 



1) Die gleiche Form des Kolbens beobachtet man gelegentlich auch bei Tijpha latifolia, 
minima u. a. Gewöhnlich ist derselbe trotz der langsam nach abwärts fortschreitenden Blüthen- 
entwicklung in seiner ganzen Continuität gleich dick. (Nachtrag zu S. 120.) 



M. Kroufeia. 



4. Bracteole. — ^/i der uat. Gr. 

5. Männliche Blüthenhaare. Lineal und zugespitzt (Fig. 11), oder 
abgestumpft (Fig. 10); mehrtheilig (Fig. 2, 3), hiebei auch spatelfürmig 
erweitert (Fig. 4, 5). — Vi— der nat. Gr. 

6. Einzelnes Stamen. — Vi der nat. Gr. 

7. Pollen. Einzelkörner (Fig. 1—5, 13—15) oder Tetraden (Fig. 7, 
10 — 12). ^) Die vier hauptsächlich vorkommenden Korngrössen (20, 26, 
33 und 40 /n) sind verhältnissmässig durch Ringel von zunehmendem 
Durchmesser zur Darstellung gebracht. — ^^Vi der nat. Gr. 

8. Querschnitt des Blattes über der Scheide. In Fig. 9 und 15 ein 
Stück des Blattkörpers über der Scheide, in Fig. 10 ein solches neben 
dem Querschnitt. — Nat. Gr. 

9. Weibliche Kolben im II. Stadium der Anthese. Fig. 7 (Typha 
minima) V2> Fig. 9 (Typha minima ß. Begelii) Vi der nat, Gr. — 
Die Abbildungen machen die wechselnde Form der weiblichen Blüthen- 
gemeinschaft anschaulich. 

10. Frucht. Ueber dem Samen kreisförmig eingeschnürt (Fig. 12) oder 
ohne Einschnürung (Fig. 11). — Vi der nat. Gr. 

11. Unteres Ende des Carpophors. Haare in verschiedener Höhe 
(Fig. 11) oder bloss an der Basis (Fig. 12) eingefügt. — ^Vi der nat. Gr. 

12. Pedicellen. Gedrungen (Fig. 1, 2) oder gestreckt säulchenfürmig 
(Fig. 11 — 14); mit seitlichen Absätzen. — ^s/^ ^^t. Gr. 



Die zur Darstellung gebrachten A 

1. Typha angustata . . 

2. Typha angustifolia . 

3. Typha Muelleri . . 

4. Typha australis . . 

5. Typha dominginensis 

6. Typha javanica . . 

7. Typha minima . . . 

8. Typha Martini . . 

9. Typha minima ß. Regel 

10. Typha elephantina . 

11. Typha latifolia . . 

12. Typha Shuttletoorthii 

13. Typha capensis . . 

14. Typha orientalis . . 

15. Typha Laxmanni 

1 6 . Typha Laxmanni ß. m ongoUca 



ten, beziehungsweise Varietäten sind: 



2 3.. 
2 3 4 
2 . 



. . 3 
2 . . 

2 3 



2 . . 

2 3 



1) Die Erklärung der verschiedeneu Tetraden in Fig. 11, 7 a— ^, siehe S. 123. 



Monographie ilev Gattung Tiipha Tourn. 191 



Inhalt. 



• Seite 

I. Einleitung- (Gescliichtlicher Ueberblick. Allgemeines) ..... 89 

II. Morphologie und Biologie 114 

a. Das Rbizom 114 

b. Die Wurzeln 115 

c. Die Laubblätter 115 

d. Der Blüthentrieb 116 

e. Der Blüthenstand 117 

f. Die männliche Blüthe 120 

g. Der Blüthenstaub 122 

h. Die Haare der männlichen Gemeinschaft 124 

i. Die weibliche Blüthe 126 

k. Die Haare der weiblichen Gerneinschaft; die Frucht . . . 128 

l. Die Bracteolen der weiblichen Blüthe 129 

m. Der Same und die Keimung 130 

III. Specieller Theil 135 

Typha (Diagnose) 136 

Usus 137 

Conspectus specierum analyticus 138 

Eintheilung und Entstehungstheorie 140 

I. Braeteolatae 144 

A. Rohrbachia 144 

1. Typha minima 144 

2. Typha Martini 148 

3. Typha Haussknechtii 150 

B. Schnizleinia 150 

4. Typha angustifolia 150 

5. Typha australis 156 

6. Typha javanica 157 

7. Typha Muelleri 158 

8. Typlm angustata 159 

9. Typha aethiopica 162 

10. Typha dominginensis . 163 



192 



M. Kroufeld. Monographie der Gattung TypJia Touru. 



Seite 



11. Tijpha elephantina 165 

12. Typha Schimperi 166 

II. Ebracteolatae 167 

a Engleria . 167 

13. Typha glauca 167 

14. Typha Laxmanni 167 

D. Scharia 170 

15. Typha Shuttleworthii 170 

16. Typha orientalis 175 

17. Ty2)ha latifolia 176 

18. Typha cap)ensis 180 

Emendanda . . . . 182 

Index 183 

Erklärung der Abbildungen 189 



193 



Beitrag zur Kenntniss der eroatisehen Eichen. 

Von 

Ludwig Y. Farkas ° YiikotinoYic. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 2. Jänner 1889.) 



I. Gruppe: QuercilS pilMferae (die Flaumeiche) Pahulj. 

Charactere der Gruppe. 

Blätter meist dicklich, lederartig, seltener dünn, symmetrisch, meist viel- 
gestaltig, fiederspaltig bis fiedertheilig; jung beiderseits mehr oder weniger 
filzig oder flaumig behaart, später oberseits verkahlend, unterseits dicker oder 
dünner filzig, flaumig, an den Rippen und Seitennerven stärker oder schwächer 
flaumig oder behaart; die jungen Zweige und Triebe filzig, kurzhaarig oder später 
auch kahl; Blattstiel meist länglich, filzig, flaumig; Frucht (Eichel) einzeln, 
am häufigsten 2 bis 5; klein bis mittelgross; sitzend angehäuft oder kurz-, nur 
selten langstielig; die Cupula und die zumeist zahlreichen Schuppen filzig oder 
glänzend, silberweiss, haarig, röthlich oder blassbraun; Baum mittelgross, häufig 
ein Grossstrauch, auch niedrig, knorrig; blüht am spätesten; wächst auf Bergen 
und Hügeln, hauptsächlich in sonniger Lage auf Kalk- und Mergelboden. 

A. Formen und Varietäten mit sitzenden Früchten. ^) 

1. Quer cus pubescens WiWd. {Medunac; Flaumeiche). Synonyme: Quercus 
Bolur, sessiliflora, lanuginosa A. de Cand., Roch.; Quercus collina Schleich.; 
Quercus faginea Rohr, et Mey. Quercus lanuginosa Thuill. 

2. Quercus Susedana. Rad, jugosl. Acad., libr. 51, 1880. 

3. Quercus torulosa. Rad. jugosl. Acad., libr. 51, 1880. 

4. Quercus pmnatifida. Rad. jugosl. Acad., libr. 51, 1880. 

1) Die früher publicirten Formen sind hier hlos namentlich mit Angabe des Ortes, wo 
sie publicirt wurden, angeführt, damit ein vollständigeres Bild des Ganzen gegeben werde. Von 
Beschreibungen der Charalftere, des Lebens und Wachsthumes der Eichen ist Abgang genommen 
worden, weil dies ohnehin in Monographien und anderen, namentlich forstlichen Floren vorkommt, 
also hier nichts als blosse Wiederholung wäre. 

Z. B. Ges. B. XXXIX. Abh. 25 



194 



L. V. Farkas-Vukotinovic. 



5. Quercus crispula. Rad. jugosl. Acad., libr. 22, 1873 {crispa, Rad. jugosl. 
Acad., libr. 51, 1880; crispata? Stev.). 

6. Quercus crispula var. carduifolia. Rad. jugosl. Acad., libr. 22, 1873. 

7. Quercus decipiens. Form. Quere. Croatic, 1883, p. 14. 

8. Quercus oxycarpa. Rad, jugosl. Acad., libr. 51, 1880. 

9. Quercus oxycarpa var. pyramidata. Form. Quere. Croatic, 1883, p. 11. 

10. Quercus saxicola. Form. Quere. Croatic., 1883, p. 12. 

11. Quercus Pilari. Form. Quere. Croatic, 1883, p. 12. 

12. Quercus platyloba. Form. Quere. Croatic, 1883. p. 13. 

13. Quercus glomerulosa. Form. Quere. Croatic, 1883, p. 11. 

14. Quercus erythrolepis. Rad. jugosl. Acad., libr. 51, 1880. 

15. Quercus Croatica. Rad. jugosl. Acad., libr. 51, 1880. 

16. Quercus parvifolia. Form. Quere. Croatic, 1883, p. 14. 

17. Quercus Borhäsiana. Form. Quere. Croatic, 1883, p. 11. 

18. Quercus latifoUa. Form. Quere. Croatic, 1883, p. 14. 

19. Quercus torulosa var. granulata. Blätter symmetrisch, spatei- 
förmig; Eicheln iu kreiseiförmigen tiefen Cupulen; Sehuppen aschgrau, 
filzig, auf dem Rücken erhoben, körnig. Am Berge Jagodiste bei Sused; 
Grossstrauch ; eine hübsehe Varietät, von der torulosa verschieden, deren Sehuppen 
ebenfalls erhoben und knorrig sind, Jedoch dreieckig ausgeschnitten; Frucht in 
sehr tiefem Becher sitzend. 

20. Quercus sectifolia. Blätter vielgestaltig, gross, Lappen bis in die 
Mitte eingeschnitten, ganzrandig oder gekerbt; oberseits glatt und 
sehwach glänzend, unterseits flaumig, längs der Nerven wollig; Blattstiel 
lang; Basis ungleichförmig; Früchte sitzend; Eichel eiförmig, lang aus der 
Cupula hervorragend; Cupula trichterartig, silberweiss- filzig; Sehuppen 
locker, sich in gerader Richtung bedeckend, blass geröthet; bei dem 
Dorfe Planina an der nordöstlichen Seite der Agramer Gebirge. Grosser, statt- 
licher Baum. 

Diese Eichenform wurde irrthümlieh als Quercus pinnatifida in Formae 
Quereuum Croatiearum, 1883, Nr. 4 angegeben. 

21. Quercus pinnatifida var. parviglandis ( Quercus longiloha, Form. Quere. 
Croatic, 1883, p. 14). Blätter fiederartig gespalten; Eicheln klein, kugelig; 
Cupula kreiseiförmig, Sehuppen zahlreich, röthlieh. Auf Bergen ober dem 
Dorfe Cucerje, namentlich auf dem Kalkfelsen „Stenge" genannt. 

22. Var. dissecata. Blätter gese blitzt- fiederspaltig, unregelmässig 
gelappt; unterseits netzaderig, an den Nerven roth, krauswollig, an der 
übrigen Fläche behaart oder sternförmig befläumelt. Eichel unbekannt! 
Bei Novi im eroatisehen Küstenlande, leg. Car. Hirtz, 1879. 

23. Quercus Bacunensis. Blätter symmetrisch, oval, länglieh, mit tief 
eingeschnittenen, stumpfen Lappen und breiten Buchten; oberseits 
glatt, unterseits befläumelt und zerstreut haarig; Blattstiele lang; Blattbasis 
ungleich herzförmig; Früchte sitzend; Eichel walzenförmig, drei bis viermal 
länger als die Cupula; diese ist schüsselartig, breit, flaumig; Schuppen 



Beitrag zur Kenntuiss der croatischeu Eichen. 



195 



dachziegelig, zahlreich, seidenhaarig bewimpert, röthlich; Rand der 
Cupula seiden glänzend befranst; mittelmässiger Baum, auf Kalkfelsen 
im Walde ober dem Dorfe Bacun am Fusse des Agramer Gebirges. 

24. Quercus lieterophylla. Blätter veränderlich, vielgestaltig, oval, 
länglich, halblederig, mit tiefen gerundeten oder eckigen, breiten 
oder schmalen rechtwinkelig eingeschnittenen Lappen (ausserdem 
kommen bandförmige und eckige Blätter vor); oberseits glatt, unterseits beflaumt, 
an den Nerven behaart; Basis herzförmig, Stiel kurz; Früchte sitzend, 
Eichel eiförmig oder konisch, am oberen Ende geschmälert, nach unten 
breiter; Cupula becherartig, aschfarbig, sternförmig beflaumt; Schuppen 
dachziegelig, am Rücken convex, an den Enden zungenförmig, röthlich; baum- 
artiger Grossstrauch; auf Kalkfelsen im Walde ober dem Dorfe Bacun. 

25. Quercus lacinifolia. Blätter unsymmetrisch, halblederig, oval, 
mit geschlitzten, eckigen, welligen, gezähnten oder ausgenagten 
Lappen, mit ausgeschweiften, geöffneten oder geradwinkelig ge- 
schnittenen Buchten; oberseits glatt, unterseits blass flaumig; Früchte 
sitzend, gewöhnlich vereinzelt; Eichel gross, eiförmig; Cupula becher- 
artig, filzig, warzig, .bekernt; Schuppen dachziegelig, dreieckig, am Ende 
stumpf, bewimpert, geröthet. Im Wäldchen ober dem Dorfe Gracan; mittel- 
grosser Baum am Fusse des Agramer Gebirges. 

26. Quercus rufa. Blätter symmetrisch, oval-lanzettlich, mit gekerbten 
oder ausgerandeten Lappen, herzförmiger Basis auf länglichen Stielen; 
Früchte sitzend; Eichel kegelförmig; Cupula tief becherartig, Schuppen 
zahlreich, alle braunroth oder röthlichschwarz, zungenförmig, etwas locker, 
die unteren warzig, die übrigen spärlich behaart. Auf Bergen bei Gucerje 
bis gegen Plan in a; mittelgrosser Baum; Ostseite des Agramer Gebirges; Sand 
und Congerienschichten. 

B. Formen und Varietäten mit gestielten Früchten. 

27. Quercus microlepis. Form. Quere. Croatic, 1883, p. 15. 

28. Quercus longiglandis. Rad. jugosl. Acad., libr. 51, 1880 {steno- 
balana ? Guss.). 

29. Quercus lacera. Form. Quere. Croatic, 1883, p. 15. 

30. Quercus ilicifolia. Form. Quere. Croatic, 1883, p. 15. 

31. Quercus Wormastinyana. Form. Quere. Croatic, 1883, p. 16. 

32. Quercus fulcrata. Form. Quere Croatic, 1883, p. 16. 

33. Quercus bullata. Form. Quere. Croatic, 1883, p. 16. 

34. Quercus Brandisii. Oesterr. botan. Zeitschr., 1888, S. 83. 

35. Quercus pachyphylla (crassifoUa). Form. Quere. Croatic, 1883, p. 16, 

36. Quercus Buccarana. Rad. jugosl. Acad., libr. 51, 1880. 

37. Quercus Streimii Ueufll. Form. Quere Croatic, 1883. (Freyn, Flora 
von Südistrien.) 

38. Quercus acutiloba. Form. Quere. Croatic, 1883, p. 17. 

25* 



196 



L. V. Farkas-Vukotinovic. 



39. Quercus aceroides. Form. Quere. Croatic, 1883, p. 16. 

40. Quercus stenolepis. Form. Quere. Croatic, 1883, p. 17. 

41. Quercus Schulzeri. Oesterr. botan. Zeitschr., 1888, S. 82. 

42. Quercus tetracarpa. Blätter symmetriseh, umgekehrt eiförmig, mit 
gerundeten Lappen; oberseits glatt, unterseits blässer, befiäumelt und behaart; 
Basis in einen länglichen Stiel gezogen; Früchte kurzstielig; Eicheln 
eiförmig klein, regelmässig zu vier, gegenständig an je einem kurze n 
steifen Stiel ansitzend; Cupula kreiseiförmig, die unteren Schuppen warzig, 
die oberen dachziegelig verkleinert, bewimpert und rostig gebräunt. Mittelgrosser 
Baum; Rude-Samobor; 1880 gesammelt vom Studiosus Pichler. 

Ausser einigen von Pichler gesammelten Zweigen ist kein grösseres 
Material vorgelegen; um sich genauer zu überzeugen, ob die Eicheln anhaltend 
auf die beschriebene Art vorkommen, wird es jedenfalls nothwendig sein, diese 
auffallende Form zu beobachten. 

43. Quercus pusilla. Blätter unsymmetrisch, oval-lanzettlich, dunkel- 
grün, mit gerundeten oder spitzigeren Lappen, die mittleren grösser, 
ausgerandet oder zernagt, breit oder auch schmäler ausgebuchtet; oberseits 
glatt, unterseits blässer, an den Nerven, sowie die langen Stiele befiäumelt und 
behaart. Früchte auf kurzen Stielen, zuweilen in den Blattwinkeln 
sitzend, zu 3, 4 bis 6; Eicheln klein, eiförmig, oben eingedrückt, die 
Cupula um die Hälfte überragend, diese ist kreiseiförmig; Schuppen zahlreich, 
dachziegelig, blass, seidenglänzend; mittelgrosser Baum; im oberen Theile 
des Wäldchens Ribnjak, nächst dem oben befindlichen Steinbruch. 

Dass die sehr kleinen Eicheln eine Eigenthümlichkeit dieser Form bilden, 
kann mit Sicherheit behauptet werden, denn sie wurde am 22. September 1880 
gesammelt; zu dieser Zeit sind alle Quercus aus der betreffenden Gruppe 
reif und fallen die Eicheln häufig schon aus ihren Cupulen heraus; Quercus 
pusilla wurde übrigens zwei Jahre später mit Eicheln von derselben Dimension 
gesammelt. 

44. Quercus coriifolia. Blätter dicklederig, symmetrisch, mit breiten 
rundlichen oder zugespitzteren, oder stumpfeckigen Lappen; ober- 
seits netzartig geädert, glatt, unterseits graulichgrün befiäumelt, an den 
etwas verdickten Nerven wollig behaart; Früchte auf kurzen 
Stielen, einzeln oder gepaart; Eichel ellipsoidisch; Cupula kreiseiförmig, filzig; 
Schuppen zahlreich, dachziegelig, geröthet, die oberen schmäler; Grossstrauch. 
Im oberen Theile des Wäldchens Ribnjak, nächst den sieben Quellen, südlich 
am Fusse des Agramer Gebirges. 

45. Quercus sulcata. Blätter symmetrisch, halblederig, oval oder läng- 
lich, mit gerundeten ganzrandigen oder gekerbten Lappen, offenen Buchten; ober- 
seits glatt, unterseits bloss am Grunde der Mittelrippe kleinhaarig; die kurzen 
Blattstiele und die Zweige schwachfilzig; Frucht auf einem steifen, holzigen 
kurzen Stiel einzeln oder gepaart sitzend, Eichel walzförmig, über die 
Hälfte länger als die Cupula, diese ist becherartig, dick, weiss filzig, 



Beitrag zur Kenntuiss der croatisclien Eiclien. 



197 



Schuppen schmallauzettlich, am Rücken etwas erhoben, s ich gerade 
deckend, gefurcht und zwischen den einzelnen Lagen rinnenartig 
getrennt. Im oberen Theile des Wäldchens Ribnjak; mittelgrosser Baum. 

II. Gruppe: Qiierciis lUOlltaiiae (Gornjaci; Bergeiche). 

Blätter oval oder lanzettlich, spatel- oder keilförmig, gewöhnlich symme- 
trisch, selten ungleich gestaltet; mit mehr oder weniger tiefen, eckigen, 
spitzigen, gerundeten, ganzrandigen oder gekerbten Lappen; häutig, seltener 
etwas verdickt, auf laugen Stielen; beiderseits glatt, lebhaft grün, zuweilen iu's 
Graulichblaue ziehend; Früchte sitzend, augehäuft, selten vereinzelt, noch 
seltener kurzgestielt; Cupula glatt, zuweilen etwas filzig; Schuppen dachziegelig, 
warzig, knorrig; die oberen kleiner, angedrückt, schmutzig röthlich oder 
schwärzlich; grosse, kräftige, vielästige Bäume. Die Aeste gehen gewöhnlich 
aus den unteren Theilen des Stammes, so dass die Schäfte zumeist kurz er- 
scheinen. Die Bergeichen haben ihre Standorte auf höheren Gebirgen und 
steigen hinab auf niedere Berge und Hügel bis an den Rand der Ebene. 

A. Quercus montanae mit sitzenden Früchten. 

1. Quercus Rohur L., sessilißora Sm. (Gradun, Steineiche). 

2. Quercus undulata (n. Kit.). Rad. jugosl. Acad., libr. 51, 1880. 

3. Quercus palmata. Rad. jugosl. Acad., libr. 51, 1880. 

4. Quercus angulata. Rad. jugosl. Acad., libr. 51, 1880. 

5. Quercus lancifoUa. Form. Quere. Croatic, 1883, p. 20. 

6. Quercus conferta^) Kit. Kotschy, Die Eichen Europas und des Orients, 
Taf. XIV. 

7. Quercus erosa. Form. Quere. Croatic, 1883, p. 18. 

8. Quercus avellanoides. Blätter symmetrisch, oval, lanzettlich, 
mit kurzen, gerundeten Lappen; Früchte sitzend, äusserst zahl- 
reich, 10 — 20 in einem traubenartigen Knäuel angehäuft; Eicheln 
klein; Cupula kurz, tellerartig, etwas befläumelt; Schuppen dach- 
ziegelig, klein, angedrückt. 

Im Walde Maximir, gegen die erzbischöfliche Schweizerei; grosser Baum; 
sehr selten. 

9. Quercus spatulaefolia. Blätter symmetrisch, halblederig, 
spateiförmig, dunkelgrün, etwas glänzend, unterseits graugrün; 
Lappen kurz, gerundet, ganzrandig; Basis herzförmig, auf langen Stielen; 
Früchte sitzend, Eichel laug, walzenförmig oder ellipsoidisch, gegen 
den Scheitel etwas zugespitzt; Cupula kreiseiförmig, am Grunde warzig; 

') Quercus conf er ia Kit. steht übrigens nicht vereinzelt da ; es gibt auch da Modificatiouen, 
uameutlich zwischen den pubescenten, die besonders in Hinsicht der Fruchtkapseln der Quercus 
conferta nahe stehen; es scheint mir überhaupt Quercus conferta eine Stellung zwischen Quercus 
montana und puhescens einzunehmen. 



198 



L. V. Parkas -Vukotinovic, 



Übrige Schuppen dachziegelig, kleiu, zungenförmig, röthlich; grosser, reich 
verzweigter Baum. Maximir, am Hauptwege durch die grosse Wiese an der 
Westseite; ist sehr selten; nächst verwandt mit Quercus cuneata Kit., die 
jedoch durch ihre schmalen, keilförmigen, sehr kurzen, theilweise nur ange- 
deuteten Lappen ganz gut verschieden ist. 

B. Mit kurzgestielten Früchten. 

10. Quercus Columbaria. Form. Quere. Croatic, 1883, p. 21. 

11. Quercus ovalifolia. Rad. jugosl. Acad., libr. 22, 1873. 

12. Quercus Castanoides. {Quercus sphaerocarpa Rad., jugosl, Acad., 
libr. 51, 1880.) 

Blätter symmetrisch, lederartig, gross, breit, oval, mit ganzrandigen 
kurzen Lappen und ausgebreiteten Buchten; oberseits glatt, unterseits grau- 
grün; Basis herzförmig, langgestielt; Früchte kurzgestielt, Eichel 
rundlich, kugelförmig, dick eiförmig, viel grösser als die Cupula; 
diese ist kreiseiförmig, befläumelt; Schuppen dachziegelig, die unteren warzig- 
buckelig, die übrigen dreieckig, angedrückt, kurz. Grosser Baum, auf Hügeln 
und niederen Bergen ziemlich häufig. 

Die auffallend grossen, kugeligen Früchte gaben die Veranlassung, dass 
diese Eiche im Volksmunde „Kestenjar" (Kastanieneiche) genannt wird. 

13. Quercus erythroneura. Blätter symmetrisch, häutig, keilförmig, 
mit kurzen, gerundeten Lappen; Basis herzförmig, oberseits glatt, unterseits die 
hervorragenden Nerven und die laugen Blattstiele braunröthlich, 
Früchte 1—3 auf kurzen Stielen; Eichel ellipsoidisch oder walzenförmig, 
viel länger als die Cupula; diese kreiseiförmig, flaumig; Schuppen dach- 
ziegelig, warzig, dreieckig, mit spitzigen rothen Enden; Baum mittelgross, 
jung; möglich, dass die Röthe der Blattstiele und der Blattnerven ein vorüber- 
gehendes Merkmal ist; die Stellung der Eicheln jedoch und die eigenthümliche, 
sehr zierliche Form der Blätter bleiben immerhin bemerkenswerth, und darum 
erscheint es berechtigt, dieser Eiche zu erwähnen. 

In einer waldigen Thalschlucht zwischen dem Dorfe Reraete und Maximir, 
am Wege, der von hier aus nach der Stadt führt. 

III. Gruppe: Qiiercus lucorum (Luznjaci; Haineichen). 

Blätter häutig oder etwas lederartig, oval, verkehrt eiförmig, lanzettlich; 
symmetrisch oder unregelmässig gelappt, kurzgestielt; Früchte auf mehr weniger 
verlängertem, holzigen oder sehr langen, schlaffen oder hängenden Stiel; Eichel 
wie bei den übrigen — verschiedengestaltig, Cupula ebenso — gewöhnlich 
glatt, nur wenig befläumelt; Schuppen gewöhnlich klein, angedrückt oder locker, 
oder etwas sparrig. 

Grosse Bäume, mit hohen, astlosen Stämmen; Aeste oben zahlreich. 
Wächst in Ebenen des ganzen Landes, grosse Waldbestände bildend. 



Beitrag zur Kenntniss der croatischeu Eichen. 



199 



1. Quercus pedtmculata Ehrh. (Luznjak; Stieleiche). Synonyme: Qiiercus 
jRöbur a. L.; germanica Lasch.; racemosa Lam.; fructipendula Schrank; fasti- 
giata DC; opaca Schur; pilosa Sch.; purpurascens DC. 

2. Quercus stenocarpa. Rad. jugosl. Acad., libr. 51, 1880. 

3. Quercus laciniata. Ead. jugosl. Acad., libr. 51, 1880. 

4. Quercus aurata. Form. Quere. Croatic, 1883, p. 23. 

5. Quercus filipendula. Rad. jugosl. Acad., libr. 2, 1868. 
Die gewöhnlichsten Varietäten sind: 

aj macrocarpa, mit sehr grossen, eiförmigen oder dicken, walzförmigen 
Früchten; 

h) microcarpa, mit kleinen, rundlichen oder eiförmigen, nach oben hin 
verdünnten Eicheln; 

c) cuneifolia, mit keilförmigen, an den Lappen und am Scheitel zugerun- 
deten Blättern. 

Mehr hervorragend ist: 

dj xylolepis. Blätter gross, symmetrisch, im Umkreis spateiförmig, 
oben breit gerundet, gegen die herzförmig umfassende Basis 
verschmälert; Lafpen breit gekerbt oder ausgerandet; Früchte 
1—3, langgestielt; Eichel gross, eiförmig, Cupula tief becherartig, dick; 
Schuppen au der Basis holzig, hart, höckerig; die mittleren und ober- 
sten dachziegelig, eckig, seidenflaumig, gezüngelt, röthlich. 

Grosser, starker Baum in Maximir, selten ; längs der gegen die Schweizerei 
führenden Strasse. 

6. Quercus dbreviata. Blätter symmetrisch, häutig, lanzettlich, mit 
gerundeten Lappen und ungleicher Basis auf langen Stielen; Früchte ver- 
einzelt oder zu zwei auf länglichen, holzigen Stielen sitzend; 
Eichel dick, eiförmig; Cupula trichterartig, graulich befläumelt; 
Schuppen dachziegelig, locker und an den Enden etwas abstehend. 
Ein schöner, mittelstarker Baum; im Thale „Fuckov jarak zwischen Bukovec 
und Lascina". 

Eine interessante Form als Mittelglied zwischen Quercus sessiliflora Sm. 
und Quercus pedunculata Ehrh. Die beiden peduncularen kurzen Blattstiele 
sind bei Quercus abreviata verlängert; die bei Quercus sessiliflora sitzenden 
Eicheln sind bei Quercus abreviata bedeutend verkürzt und holzig. 

7. Quercus farinosa. Blätter symmetrisch, länglich, halblederig, mit tiefen 
Lappen, fingerartig ausgespreitzt; Buchten theilweise eng, theilweise weit 
geöffnet; oberseits glatt, unterseits an den Nerven befläumelt; an der Basis herz- 
förmig, kurzgestielt; Früchte zu 1—3 auf einem steifen, holzigen 
Stiele angeheftet; Eichel dick, eiförmig; Cupula becherartig- warzig, 
ganz weisslich, mehlig oder bereift, filzig; Aestchen am Ende 
ebenfalls weisslich, leicht filzig oder flockig. 

Grosser Baum; nächst den Weingärten, vis-ä-vis der Villa St. Xaveri 
bei Agram. 



200 



L. V. Farkas-Vukotinovic. Beitr. z. Kenntn, d, croat. Eichen. 



Sempervirentes ; Immergrüne. 

Quercus Hex L. Blätter lederig, eiförmig-länglich, eilanzettlich, 
spitz oder zugespitzt, ganzrandig oder dornig gezähnt, oherseits brauu- 
röthlich, sternflaumig, glänzend dunkelgrün; unterseits weisslich, dünn- 
filzig, bis rostbraun-, Früchte an verlängertem, hin- und hergebogenen 
Stiele sitzend; Cupula halbkugelig, becherförmig, Schuppen anliegend, dicht, 
filzig; Eichel von verschiedener Grösse, bespitzt. 

Im croatischen Küstenlande meist strauchartig. Auf den Inseln wird 
diese Eiche baumartig. Variirt in Hinsicht der Blätter sehr stark. 

Quercus Cerris L. Blätter länglich, lanzettlicb, fiederspaltig, polymorph, 
besonders die jungen, lederartig, oberseits glänzend dunkelgrün, 
unterseits matter, an den Adern sternflaumig; Früchte im zweiten Jahre reifend; 
einzeln oder mehrere auf kurzen Stielen; Cupula becherartig, Schuppen 
zahlreich, lineal, pfriemenförmig, steif, braunfilzig, die unteren 
abstehend, die oberen sparrig; Eichel eiförmig, gross, am Scheitel 
bespitzt, dreimal so lang wie die Cupula. Nicht wie Dr. Willkomm, Forstl. 
Flora, S. 423, anführt, „vereinzelt", sondern sehr häufig in Croatien. Sehr 
grosser Baum. Es ist nicht gehörig beobachtet, ob sie variirt, und ob nicht in 
ihrer Nähe welche Bastarde vorkommen. 

Quercus Cerris f. Austriaca kommt hierzulande nicht vor; scheint mehr 
eine nördliche Form zu sein. 



201 



Beschreibung zweier neuer Cecidomyiden -Arten. 

Von 

Dl. Franz Low 

iu Wieu. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 6. März 1889.) 



Ceeidomyia epilobii n. sp. 

Mäiiiichen. 'Stirn und Untergesicht grau; Hinterhaupt schwarzbraun, 
weisslich behaart; Augen schwarz, am Hinterrande mit weisslichen Haaren ge- 
säumt; Taster blass graugelblich. 

Fühler dunkelbraun, von drei Vierttheilen der Körperlänge, 2 + 14- (seltener 
2 + 13-)gliederig. Geisseiglieder gestielt, oval, mit je zwei Wirteln bleicher Haare, 
Stiele nur wenig kürzer als die Glieder. 

Hals gelblich- oder röthlichbraun; Rückenschild dunkel schiefergrau, wenig 
glänzend, mit zwei nach vorne divergirenden Längsfurchen, welche mit kurzen, 
gelblichweissen Haaren besetzt sind; Thorax an den Seiten gelblich- oder 
röthlichbraun; Schulterbeulen röthlich; Schildchen röthlichbraun. 

Flügel hyalin, schwach irisirend, blassgraulich behaart, nur an der Basis 
des Hinterrandes mit einigen blassgrauen Fransen besetzt; Vorderrandader 
schwarz; die erste Längsader erreicht den Vorderrand innerhalb der Mitte des 
Flügels, die zweite Längsader ist gerade und mündet in die Vorderrandader 
ziemlich weit vor der Spitze des Flügels, der hintere Ast der dritten Längsader 
ist schwach gebogen und läuft schief zum Hinterrande; Querader fehlend; 
Flügelfalte deutlich. 

Schwinger mit blassbräunlichem Stiele und blassgelblichem Knopfe. 

Beine blassgelblich, weisslich behaart, Schenkel und Schienen aussen 
schwärzlich, Tarsen bräunlich. 

Hinterleib gelblichbraun, graulich behaart, oben auf jedem Segmente mit 
einer schwachen, schwärzlichen Schuppenbinde. Zange mässiggross, schwarzbraun. 

Körperlänge r25 mm, Flügellänge TS mm. 

Weibchen. Fühler kaum von der Hälfte der Körperlänge, 2 + 13-gliederig, 
Geisselglieder ungestielt, cylindrisch, mit je zwei Wirteln bleicher Haare. 

Hinterleib bräunlichgelb, graulich behaart, auf jedem Segmente sowohl 
oben als unten mit einer schwachen, schwärzlichen Schuppenbinde, welche auf 
der Unterseite kürzer und schwächer als auf der Oberseite ist. 

Legescheide weit vorstreckbar, blassgelblich; auf der Oberseite des ersten 
Segmentes derselben zwei schmale, schwärzliche Längslinien. Alles Uebrige wie 
bei dem Männchen. 

Körperlänge l'5w?w, Flügellänge 1*5 wim. 

Z. B. Ges. B. XXXIX. Abh. 26 



202 



Franz L5w. 



Larve. Die Larve ist blass chamoisfärbig, mit einer kurzen, orange- 
färbigen Längslinie auf der Mitte des Rückens. Sie lebt gesellig in den defor- 
mirten Blütheuknospen von Epilohium angustifolium L., verpuppt sich in der 
Erde in einem weisslichen Cocon und erscheint achtzehn Tage, nachdem sie in 
die Erde gegangen ist, als Imago. 

Galle, Die von den Larven dieser Gallmücke bewohnten Blütheuknospen 
von Epilobium angustifolium L. bleiben entweder vollständig geschlossen oder 
öffnen sich nur sehr wenig. Sie sind dicker als die normalen und haben eine 
ovale oder ellipsoidische Gestalt. Der Kelch erscheint nur wenig verändert, aber 
die übrigen Organe der Blüthe sind in ihrer Entwickelung sehr zurückgeblieben 
und daher bedeutend verkürzt. Die Blumenblätter, von denen nur die Platte 
vorhanden ist, während der Nagel vollständig fehlt, sehen wie zerknittert aus, 
haben eine mehr bläuliche Färbung und sind so kurz, dass sie den Kelch nicht 
überragen. Die Staubfäden sind sehr verkürzt und wellenförmig gebogen, während 
die Staubbeutel kaum eine Veränderung zeigen. Am meisten verkümmert ist 
der Griffel, von welchem nur ein ganz unscheinbarer Rest übrig geblieben ist. 

Dieses Cecidium ist zuerst von J. H. Kaltenbach (Die Pflanzenfeinde 
aus der Classe der Insecten, 1874, S. 249) kurz beschrieben, später von mir 
(Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, Bd. XXVIII, 1878, Abb., S. 398) 
erwähnt worden und in der Synopsis Cecidomyidarum von J. v. Bergenstamm 
und P. Löw auf S. 95, Nr. 574 aufgeführt. 

Vorkommen. Die Galle wurde von Kaltenbach bei Aachen, von mir 
in Niederösterreich, und zwar im Wienerwalde und in der Umgebung von Lunz 
gefunden. Die von mir in Zucht genommenen Larven verliessen die von ihnen 
bewohnten Blüthen am 16. und 17. Juli, um sich in die Erde zu begeben, aus 
welcher die Imagines am 3. und 4. August zum Vorscheine kamen. 

Diplosis galliperda n. sp. 

Männchen. Untergesicht gelblichgrau; Augen gross, schwarz, auf dem 
Scheitel zusammenstossend; Hinterhaupt braungrau. 

Fühler 2 + 25-gliederig; die zwei Basalglieder blassgelblich, die Geissel- 
glieder blassbräunlich ; diese sind abwechselnd einfache, kugelige und doppelte, 
aus je zwei kugeligen, einem unteren kleineren und einem oberen grösseren 
Theile zusammengesetzte Glieder, so dass die Fühler den von J. Winnertz in 
der Linnaea entomologica. Vol. VIII, 1853, p. 270 beschriebenen und Tab. III, 
Fig. 7 a abgebildeten Fühlern von Diplosis pini Deg. ähnlich sind. Die ein- 
fachen Geisselglieder haben je einen kurzen, die doppelten je zwei Wirtel bleicher 
Haare, von denen der untere kürzer als der obere ist. Alle Geisselglieder sind 
gestielt; die Stiele der einfachen sind kürzer als diese und die der Doppelglieder 
kürzer als die der einfachen. Das erste und letzte Geisseiglied sind einfache 
Glieder; das letzte ist aber nicht kugelig, sondern walzig, mit verdickter Basis. 

Hals gelblich ; Thorax röthlichgelb ; Rückenschild röthlichbraun, glänzend, 
mit zwei blassröthlichen, nach vorne divergirenden, mit gelblichweissen Haaren 
besetzten Längslinien, welche sich nach hinten zu einer Linie vereinigen; Schild- 
chen etwas blässer als der Rückenschild. 

Flügel hyalin, blassgraulich behaart und befranst und matt bronzegelb 
irisirend; erste Längsader etwas innerhalb der Mitte des Flügels in den Vorder- 
rand mündend, zweite Längsader gebogen und in der Flügelspitze endend, die 
Aeste der dritten Längsader sehr fein und kaum wahrnehmbar, der hintere Ast 
gerade und mit dem Hinterrande des Flügels einen rechten Winkel bildend; 
Flügelfalte deutlich; Querader fehlend. 



Beschreibung zweier neuer Cecidomyiden -Arten. 



203 



Schwinger blassgelblich. Beine blassgelb; Schenkel aussen mit einer 
schwärzlichen Längslinie; Tarsen gelblichgrau. 

Hinterleib einfärbig röthlichgelb, mit nach hinten gebogenen blassgelb- 
lichen Haaren au den Hinterrändern der Rückenplatteu. Zange blassgelb, 
ziemlich gross, ihre Theile schmal und lang. Inmitten der Zange ragt aus dem 
Abdomen ein unpaariges, gerades, an der Basis breiteres und nach der Spitze 
hin stark verschmälertes Organ hervor, welches etwas kürzer als die Zange ist 
und aus einer oberen und unteren Längshälfte besteht, deren jede aus zwei 
dicht aneinanderliegenden, griffelförraigen Theilen gebildet ist, von denen die 
zwei oberen nur wenig länger als die zwei unteren sind, 

Körperlänge I Svini, Fühlerlänge 1'75 wm, Flügellänge 2 mm. 

Weibchen. Fühler 2 + 12-gliederig; Geisselglieder gestielt. Stiele kürzer 
als die Glieder, diese verkehrt kegelförmig, mit je zwei gleich langen Wirtein 
bleicher Haare, von denen der untere dicht an der Basis des Gliedes sitzt; die 
drei bis vier ersten Geisselglieder sind je aus zwei rundlichen, durch einen 
kurzen Stiel mit einander verbundenen und mit je einem Wirtel bleicher Haare 
versehenen Gliedern zusammengesetzt; das letzte Geisseiglied trägt an der Spitze 
ein kurzes, schmales Zäpfchen. 

Die Legeröhre konnte ich nicht sehen. Alles Uebrige wie bei dem Männchen. 

Körperlänge 2 mm, Fühlerlänge 1*5 mm, Flügellänge 2*5 mm. 

Larve und deren Lebensweise. Die Larve ist etwas depress, orange- 
gelb bis Orangeroth und hat am Seitenrande eines jeden Segmentes eine kurze, 
dicke Borste. Der Stiel ihrer Brustgräte ist kaum länger als das Endstück 
derselben, sehr blass gelblich oder farblos, wie das etwas breitere Basalstück 
und geht allmälig in das Endstück über, welches eine blass honiggelbe Farbe 
hat und durch einen schmalen, rundlichen Ausschnitt in zwei kurze, fast durch- 
aus gleich breite und vorne abgerundete Lappen getheilt ist. Auffallend ist 
die Bedornung, welche das letzte Segment zeigt. An dem Hinterrande desselben 
befinden sich drei Paare spitzer, dornartiger Fortsätze. Die beiden mittleren 
Dorne sind die kleinsten, diese sitzen zwischen zwei grossen, langen, etwas 
gekrümmten Dornen, von denen nach aussen beiderseits noch ein etwas kleinerer 
Dorn sich befindet. Die Larve ist sehr träge, lässt sich durch das Abbrechen 
der Gallen nicht in ihrer Ruhe stören, bewegt sich nur dann, wenn sie be- 
rührt wird und hat nicht die Fähigkeit zu springen. 

Die Larven nähren sich von den an der Unterseite der Blätter von Quercus 
pedunculata Ehrh., sessüiflora Sm. und puhescens Willd. sitzenden Gallen des 
Neuroterus lenticularis Oliv., fallen im Spätherbste mit den Gallen ab, begeben 
sich dann sogleich in die Erde, in welcher sie überwintern, verpuppen sich in 
derselben erst in der zweiten Maihälfte und erscheinen Ende Mai und im Juni 
als Imagines. Sie sitzen in der Zahl eins bis drei stets nur an der Unterseite, 
d. i. an der der Eichenblattfläche zugekehrten Seite der Neuroterus-GdMe. 

Die mit diesen Larven besetzten Gallen sind leer, d. h. man findet in 
ihnen keine Gallwespenlarve, sie sind dünner als die normalen Gallen und haben 
nicht wie diese eine convexe, sondern eine etwas concave Unterseite; überdiess 
ist ihr Rand abwärts gekrümmt und an die Blattfläche angedrückt, so dass um 
ihre Ansatzstelle herum eine kreisrunde, rinnenförmige Höhlung entsteht, in 
welcher die Larven, nach aussen völlig abgesperrt und geschützt, Raum genug 
für ihre Entwickelung haben, aber auch so lange gefangen gehalten werden, bis 
die Galle von dem Eichenblatte sich ablöst. Jene Stelle der Galle, auf welcher 
eine solche Larve saugend sitzt, ist feucht, glatt und glänzend. Diese Gallen 



1) Dieses Organ sieht genau so aus, wie dasjenige der Männchen von LasiopUra cerealis 
Lindem., von welchem ß. H. Meade im Entomologist, Vol. XXI, London, 1888, p. 197 eine Ab- 
bildung gegeben hat. 

26* 



204 Franz Low. Beschreibung zweier neuer Cecidomyiden -Arten. 



werden im Herbste braun, schrumpfen dabei etwas zusammen und fallen erst 
Ende November von den Eicbenblättern ab. ^) 

Vorkommen. Die Larven dieser Gallmücke wurden in Lothringen, in 
der Umgebung von Bitsch von Herrn J. J. Kleff er aufgefunden, welcher so 
freundlich war, mir eine Anzahl derselben zu übersenden. Noch am 24. November, 
an welchem Tage die Sendung ankam, hafteten die Gallen an den Eichenblättern; 
nachdem ich sie aber von diesen abgelöst und auf feuchte Erde gelegt hatte, 
begaben sich die an ihnen sitzenden Larven sogleich in diese. Die Imagines 
kamen in der Zeit vom 29. Mai bis 20. Juni zum Vorscheine. Die Diplosis 
galliperda scheint aber eine viel grössere Verbreitung zu haben, wie aus den 
in nachstehender Anmerkung aufgeführten Citaten hervorgeht. 

Anmerkung. Ueber das Vorkommen von Cecidomyiden-Larven an den 
Linsengallen der Eichen sind mir folgende zwei Angaben in der Literatur be- 
kannt geworden: 

Reaumur sagt in seinen Memoires pour servir ä l'histoire des insectes, 
Tom. III, 1737, p. 425, nachdem er die Beschreibung der Galle von Neuroterus 
lenticularis Oliv., welche er „galle en Champignon" nennt, gegeben hat, Folgendes: 
„. . . . entre la feuille et la surface un peu concave de la galle il y avait de 
petits vers oblougs, de couleur d'ambre jaune, assez semblables par leur figure 
aux vers des rebords roule's des feuilles du tilleul. Iis portent devant eux deux 
petits crochets noirs. Sous teile galle en Champignon, il y a une douzaine de 
ces vers, et on n'en trouve que deux ou trois, et quelquefois qu'un seul sous 
d'autres. Au lieu que les autres vers ce tiennent dans l'interieur des galles, 
ceux-ci se coutentent de se placer sous une galle, mais qui leur forme un toit 
epais et solide au dessous duquel ils sont bien ä couvert et bien Caches, et c'est 
apparemment de ce meme toit qu'ils tirent leur aliment. Iis sont de ceux qui 
doivent se metamorphoser en mouches ä deux alles; ils sont si petits, qu'on a 
peine ä les bien voir sans une loupe; il n'est donc pas etonnaut que je n'aie 
pas eu les mouches dans les quelles ils se metamorphosent. Lorsque j'ai cherche 
de ces vers sous leurs galles, apres la fin de Septembre, je n'y en ai plus trouve." 
Die von Reaumur beobachteten Larven waren ohne Zweifel Cecidomyiden- 
Larven; doch hat er dieselben offenbar in einem sehr jugendlichen Stadium 
gesehen. 

Ch. de Gernet theilt in seinem Rapport sur les galles des feuilles de 
ebene envoyees de Crimee (Horae soc. entom. rossicae, VIII, 1871, Bull., p. IV — V) 
mit, dass in der Krimm in den linsenförmigen, flachen Gallen auf den Blättern 
von Quercus pubescens Willd. Cecidomyiden- Gallen leben. 



1) Nach G. L. Mayr (Die mitteleuropäischen Eicheugallen in Wort und Bild. Zehnter 
Jahresbericht der Wiener Communal-Oberrealschule im IX. Gemeindebezirk für das Schuljahr 
1870—1871, S. 11) fallen die normalen Gallen von Neuroterus lenticularis Oliv, im October ab. 



205 



Beiträge zur Flora von Persien. 
II. 

Von 

Dl. Otto Stapf. 

(Vorgelegt in der Versammluug am 6. März 1889.) 



In den Verhandlungen der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in 
Wien, Jahrg. 1888, Abh., S. 249 ff., habe ich eine kleine Anzahl von Pflanzen auf- 
geführt, welche mir aus der botanisch noch ganz unerforschten Umgebung von 
Suitanabad bekannt geworden waren. Seither habe ich durch Dr. J. E. Polak's 
Vermittlung eine neue, etwas grössere Sammlung von dort erhalten, deren In- 
halt ich in Folgendem bekannt mache. Sämmtliche aufgezählten Arten sind von 
Theodor Strauss bei Suitauabad, und zwar in dessen nächster Nähe, bei dem 
Dörfchen Girdu, etwa 6 hm südöstlich von der Stadt, gesammelt worden. Der 
Aufzählung der Pflanzen schicke ich eine kleine Skizze des allgemeinen Land- 
schaftscharakters der Umgebung von Suitanabad voraus, welche mir mein Freund 
Dr. Alfred Rodler, der im Sommer 1888 zweimal jene Landschaft besuchte, 
zur Verfügung gestellt hat. Alfred Rodler schreibt: „Suitanabad (im Volks- 
munde meist Schehr-i-nö, die neue Stadt, da sie erst im laufenden Jahrhun- 
derte entstand) ist die Hauptstadt der Provinz Irak und der Hauptsitz der 
mittelpersischen Teppichindustrie. Die Stadt liegt in etwas weniger als 6000 
englischen Fuss Seehöhe in einem der für das iranische Hochland so charakte- 
ristischen abflusslosen Ceutralbecken. Die tiefste Stelle dieses Beckens nimmt 
der Saefid-daria (türkisch: Tuzlu göl) genannte Salzsee von Suitanabad ein, den 
man etwa zwei Farsach nördlich von der Stadt erreicht. Seine Ausdehnung 
ist sehr bedeutend, in seiner Wassermenge unterliegt er aber grossen Schwan- 
kungen, da er im Sommer stark zusammenschrumpft, angeblich zuweilen sogar 
ganz eintrocknet. Er ist eine ausserordentlich flache, seichte Pfanne, umgeben 
von einem breiten, schwer passirbaren Gürtel salzreichen Schlammes. Der Fluss 
von Suitanabad kommt aus dem Thale Seh-deh südlich von der Stadt und fliegst 



206 



Otto Stapf. 



dem Salzsee zu. Schon Ende April erreicht er jedoch nicht mehr die Ebene 
nordwärts von der Stadt, in so ausgedehntem Masse wird er zu Culturzwecken 
in Anspruch genommen. 

Die Berge, welche die Ebene von Suitanabad im Süden und Westen be- 
grenzen, bestehen zum grössten Theile aus alten Schiefern, stellenweise findet 
sich auch Granit, der mit der Reihe von Granitvorkommen in Zusammenhang 
gebracht werden kann, die ostwärts vom Elwend eine Portsetzung dieses gra- 
nitischen Gebirgsstockes vorstellen dürften. 

Bezüglich der Vegetation möchte ich um Suitanabad drei Gebiete unter- 
scheiden. Erstens die Ebene, an deren Rande die Stadt selbst liegt. Hier 
herrscht der salinare Typus, das Grundwasser ist gesalzen, und gegen den See 
zu werden Salzpflanzen immer mehr und mehr die ausschliesslichen Besitzer 
des von unzähligen Canälen durchfurchten Bodens. Zweitens die Berge, deren 
Flora wohl jener des Hügellandes um Hamadan entsprechen dürfte, und drittens 
die engen, gut bewässerten und stark bevölkerten Thäler (Seh-deh, Kerre-Rud 
und Türe). 

1. Corydalis rutaefolia DG. — Vergl. Boissier, Fl. Or., I, p. 126. — 
Syn. : Corydalis Persica und Corydalis verticillaris Stapf, Botan. Ergebnisse d. 
Polak'schen Exped., II, S. 28, non Cham, et Schlechtd., bezw. DC. (?). 

Ohne hier in eine kritische Sichtung der in die Gruppe der Corydalis 
rutaefolia gehörigen Formen dieser Gattung einzugehen, möchte ich an dieser 
Stelle nur hervorheben, dass die von Polak und Pichl er am Charson-Pass, 
nördlich von Kaswin (27. April), und bei Zerschk, nordöstlich von Kaswin 
(8. Mai), gesammelten Pflanzen, welche ich a. a. 0. als Corydalis Persica auf- 
führte, mit der durch ganz Kleinasien, Syrien und Armenien verbreiteten Cory- 
dalis rutaefolia übereinstimmen. Hieher gehört auch die Pflanze von Sultana- 
bad, welcher Standort die Südostgrenze des Verbreitungsgebietes bezeichnet. 
Die Nordostgrenze fällt in den Elburs, wo Bunge und Bienert die Pflanze 
gesammelt haben (vergl. Boissier, 1. c). 

Ob die von Gmelin im ghilanischen Elburs gesammelte Pflanze, welche 
Chamisso und Schlechtendal als Corydalis Persica (Linnaea, I, p. 567) 
beschrieben, und die von Boissier ebenfalls hieher gezählten Formen, die 
Szovits bei Deliman am Urmia-See und Buhse bei Stassula an der Grenze 
von Talysch und Aserbeidschan sammelte, gleichfalls hieher gehören oder in dei' 
That eine selbstständige Art darstellen, vermag ich augenblicklich aus Mangel 
an Vergleichsmateriale nicht festzustellen. Als sicher kann ich nur bezeichnen, 
dass die von E. Regel aus den Chanaten Darwasch und Baldschuan angeführte, 
in den Acta horti Petropol., VIII, 3 (1884), p. 694, 695 beschriebene und auf 
Tab. XVI (Fig. g, h, i, l, t) abgebildete Corydalis Persica von Corydalis rutae- 
folia bestimmt verschieden ist. Ich behalte mir vor, diese Frage an anderer 
Stelle zu beantworten und hebe hier nur die ausserordentliche Mannigfaltigkeit 
hervor, welche Corydalis rutaefolia in der Zertheilung der Blätter, der Form 



Beiträge zur Flora vou Persien. 



207 



der Abschnitte derselben und bis zu einem gewissen Grade auch der Länge ihrer 
Stiele zeigt. Eine Form mit reich zertheiltera Laub und ganz schmalen Ab- 
schnitten vom Elwend war es, welche mich verleitete, a. a. 0. die Corydalis 
verticillaris DC. aufzuführen, entsprechend der Angabe des Autors: „foliis . . . 
hiternatim sectis, lobis segmentisve linearihus'^ (Syst., II, p. 114). Seither habe 
ich selbst jene Pflanze, welche Boi ssier, 1. c, p. 127, als Corydalis verticil- 
laris aufführt, in den Hochgebirgen von Daescht-aerdschin gesammelt, und die 
Exemplare Kotschy's vom Kuh-Delu, wenige Meilen östlich von dem genannten 
Dorfe, und von Passgala bei Teheran (Kotschy, Nr. 471, bezw. Nr. 107), und 
jene Haussknecht 's vom Kuh-Eschker in Südwest-Persien gesehen. Diese 
Pflanze hat mit derjenigen, welche Pichl er auf dem Elwend sammelte, nicht 
so viel gemein, dass sie mit einander vereinigt werden könnten. Andererseits 
stammt die Pflanze, welche DeCandollea. a. 0. beschrieb, gerade vom Elwend, 
wo sie Ii vi er fand, und es bleibt die Frage offen, ob nicht De Candolle 
dieselbe Form der Corydalis rutaefolia vor sich hatte, welche Pichl er sammelte. 
In der Beschreibung De Candolle's ist nichts gelegen, was dem widerspricht. 

2. Barharea jplantaginea DC. — Vergl. Boissier, Fl. Gr., I, p. 183. 
Das Verbreitungsgebiet dieser Art reicht von Kleinasien und Syrien über 

Armenien und Kurdistan bis in den Elburs (bei Teheran) in Nord- und bis an 
den Kuh-Dinah in Süd-Persien. Die weite Lücke zwischen dem Elburs und dem 
südlichen Theile des Zagros-Systemes wird durch die Standorte bei Suitanabad 
und bei Hamadan bedeutend eingeschränkt. Bei Hamadan, und zwar südlich 
von der Stadt, war die Pflanze nämlich schon 1882 von Dr. J. E. Polak gesam- 
melt worden, in Folge eines Versehens fehlt sie jedoch in der Aufzählung in 
meinen „Botan. Ergebnissen d. Polak'schen Exped.", II. 

3. Parlatorea rostrata Boiss. — Vergl. Boissier, Fl. Gr., I, p. 244. 
Bisher nur aus dem Elburs bekannt, wo Kotschy die Pflanze bei Der- 
bend unweit Teheran sammelte (Kotschy, Nr. 236!). 

4. Boreava sp. 

Mir liegt nur ein einziges, kaum 4 cm hohes Pflänzchen vor, welches 
wahrscheinlicher Weise eine Zwergform darstellt, wie sie bei einjährigen Cruci- 
feren nicht selten sind. Zudem trägt dasselbe noch die Keimblätter. Unter 
diesen Umständen trage ich Bedenken, die Pflanze schlechtweg mit Boreava 
orientalis Jaub. et Sp. zu identificiren oder sie neu zu beschreiben. Mit der 
genannten Art hat sie die Grösse und Form der Blüthen und die Farbe der 
Blumenblätter, die übrigens goldgelb und nicht blassgelb sind, wie Boissier, 
Fl. Gr., I, p. 372, angibt, und die vierflügeligen Früchte, welche ein schmal 
pyramidenförmiger Griffel krönt, gemein. Andererseits sind die etwa 1*5 cm 
langen Stengelblätter kaum spitz und schwach ausgeschweift gezähnelt, und die 
Schötchen relativ breiter als gleichalterige der Boreava orientalis. 

Das Wichtigste ist indessen die Feststellung der Verbreitung der Gattung 
bis in das persische Steppengebiet. Der am weitesten nach Gsten vorgeschobene 



208 



Otto Stapf. 



Standpunkt war nach unseren bisherigen Kenntnissen Charput am oberen 
Euphrat. 

5. Lepidium Draha L. — Vergl. Boissier, Fl. Gr., I, p. 357. — Ait- 
chison, On the botany of the Afghan. Delim. Comm., p. 36. 

6. Silene ampuUata Boiss. — Vergl. Boissier, Fl. Gr., I, p. 606, Suppl., 
p. 96. — Stapf, Botan. Ergebnisse d. Polak'schen Exped., II, S. 15. 

Der Standort bei Suitanabad schliesst sich unmittelbar an jenen auf dem 
Elwend an, und dieser an das von Haussknecht im persischen Kurdistan 
entdeckte Vorkommen. Von hier bis zu dem zweiten bisher bekannten Ver- 
breitungsbezirk dieser Art, welche einen ganz eigenthümlichen Typus innerhalb 
der Gattung Silene darstellt, nämlich bis zu dem Flussgebiet des oberen 
Euphrat (Auch er, Nr. 491! Noe), ist dermalen noch eine grosse Lücke. 

7. Hypericum scabrum L. — Vergl. Boissier, Fl. Gr., I, p. 796, Suppl., 
p. 128. — Aitchison, On the botany of the Afghan. Delim. Comm., p, 42. — 
Stapf, Botan. Ergebnisse d. Polak'schen Exped., II, S. 40. 

8. Trigonella Persica Boiss. — Vergl. Boissier, Fl. Gr., II, p. 72. 
Bisher nur aus Süd-Persien bekannt (Auch er, Nr. 3325/B.! und Kotschy, 

Nr. 240!). 

9. Astragalus grammocdlyx Boiss. et Höh. — Vergl. Boissier, Fl. Gr., 
II, p. 421. 

Bisher nur aus dem mittleren und östlichen Elburs bekannt. 

10. Astragalus Demawendicus Boiss. et Buhse. — Vergl. Boissier, Fl. 
Gr., II, p. 468. 

Bisher nur aus dem Lar-Thale am Fusse des Demawend bekannt 
(Kotschy, Nr. 389!). 

11. Astragalus pulchellus Boiss. — Vergl. Boissier, Fl. Gr., II, p. 262. 

Der Standort bei Suitanabad verknüpft die bisher bekannten Verbreitungs- 
bezirke bei Isfahan (Au eher) in Mittelpersien und bei Urmiah und Mianeh 
in Nordwest-Persien (Szovits, Bunge). 

12. Astragalus curvirostris Boiss. — Boissier, Fl. Gr., II, p. 476. — 
Beck in Stapf, Botan. Ergebnisse d. Polak'schen Exped., II, p. 71 (339). 

Die Pflanze von Suitanabad stimmt vollständig mit derjenigen von Hama- 
dan und aus dem Karaghan- Gebirge (Polak und Pich 1er!) überein. Sonst ist 
sie nur noch von Süd-Persien (Kotschy, Nr. 358 und 265!) bekannt. 

13. Astragalus Schahrudensis Bge. — Boissier, Fl. Gr., II, p. 416. — 
Aitchison, Gn the botany of the Afghan. Delim. Comm., p. 52. 

Eine im ganzen nördlichen Persien von Chorassan bis an das zagrisch- 
kurdische Gebirgssystem hin häufige Pflanze. Suitanabad bezeichnet bis jetzt 
den südwestlichsten Standpunkt. 



Beiträge zur Flora vou Persien. 



209 



14. Cicer oxyodon Boiss. et Hob. — Vergl. Boissier, Fl. Or., II, p. 563. 
Die Pflanze war auch 1882 von Pichler bei Geudschnäme ana Elwend 

gesammelt worden. Dieser Staudort und derjenige von Suitanabad verknüpfen 
die beideu weit entlegenen Verbreitungsbezirke im Elburs einerseits (Bag-i-Uston 
am Kuh-Totschal bei Teheran, Kotschy, Nr. 287! und Sergendeh ebenda, 
Bunge) und im persischen Kurdistan (Kuh-Eschker, Haussknecht), an welch' 
letzteren sich dann nach Westen hin der im Sommer 1888 von P. Sintenis 
im Karadscha-Dagh (Vilajet Mardin) entdeckte Standort, wenn auch mit Ueber- 
springung einer bedeutenden Lücke, anschliesst, 

15. Lathyrus erectus Lag. — Boissier, Fl. Gr., II, p. 613. — Syn.: 
Lathyrus inconspicuus Beck in Stapf, Botan. Ergebnisse d. Polak'schen Exped., 
II, S. 76 (344). 

Die Pflanze, welche Linn^ (Spec. plant., ed. I, p. 730; ed. II, p. 1030) 
als Lathyrus inconspicuus beschrieb, und welche Ja c quin (Hort. Vindob., 
Tab. 86) abbildete, eine Abbildung, auf die sich Linne' in der 13. Auflage seines 
Systema Vegetabilium, p. 551 selbst bezieht, weicht von derjenigen, welche ich 
aus den Mediterranländern unter den Namen Lathyrus erectus, stans, incon- 
spicuus kenne, durch die in lange Ranken auslaufenden Blattstiele ab, worauf 
schon Vis i an i, Boissier u. A. aufmerksam machten, aber, wie mir scheint, auch 
durch grössere, lebhafter gefärbte Blüthen und breitere, mit 1—2 Zähnen ver- 
sehene Nebenblätter. Die durch die Mediterranländer und den Orient weit ver- 
breitete Art ist in Bezug auf die Form des gemeinsamen Blattstieles, der in 
eine kurze, borstenförmige Spitze, nie aber in eine Ranke endet, die Form der 
Nebenblätter und die Grösse und Farbe der Blüthen so beständig, dass ich 
zweifle, dass jene von Linne beschriebene Form nichts weiter als eine Varietät 
sei. Freyn führt sie in seiner Flora von Süd-Istrien (Verhandl. der k. k. zool.- 
botan. Gesellsch. in Wien, Jahrg. 1867, Abb., S. 325) aus der Umgebung von Pola 
an. In getrockneten Exemplaren ist mir die Pflanze nur aus cultivirten Stücken 
bekannt, welche mit Jacquin 's Abbildung bis ins Einzelne stimmen, Linne 
führt als Heimat seines Lathyrus inconspicuus den Orient an. Bisher scheint 
die Pflanze aber dort nicht gefunden worden zu sein. 

Boissier führt a. a, 0., p. 614 eine Varietät ß. stenophyllus an, welche 
er früher als Lathyrus hispidulus beschrieben hatte. Sie wird durch schmale 
Blätter und feine, rauhe Behaarung charakterisirt. Die vorliegende Pflanze ent- 
spricht dieser Form. Ich glaube aber nicht, dass sie etwas anderes als eine 
individuelle Spielform darstellt. Unter den Pflanzen von Tschitschian bei Hama- 
dan finden sich kahle Exemplare mit ebenso schmalen Blättern, und andere 
Stücke, welche mit nur wenigen bis vielen steifen Härchen von derselben Art, 
wie sie bei jener „Varietät" vorkommen, bedeckt sind. 

16. Crataegus melanocarpa M. B. — Vergl. Boissier, Fl. Or., II, p. 661. 
— Koppen, Geogr. Verbreit, d. Holzgewächse d. europ. Russland u. d. Caucas., 
I, S. 364. 

Z. B. GeH. B. XXXIX. Abb. 27 



210 



Otto Stapf. 



Sultanabad ist der südlichste Standort dieser Art, deren Verbreitungs- 
gebiet vom südlichen Russland (Podolien und Krim) über den Caucasus und 
das Elburs- System bis in das südliche Tarkmenengebiet (Halbinsel Dardsha) 
reicht, üeber die ungarische Crataegus pentagyna W. K., welche mitunter 
ebenfalls zu Crataegus melanocarpa gezogen wird, vergl. Neilreich, Aufzähl, 
d. Gefässpfl. v. Ungarn u. Slavon., S. 317. 

17. Chaerophyllum macropodum Boiss. — Vergl. Boissier, Fl. Gr., II, 
p. 904. — Stapf und Wettstein in Stapf, Botan. Ergebnisse d. Polak'schen 
Exped., II, S. 54. 

Der Standort bei Sultanabad schliesst sich unmittelbar an den nord- 
östlichsten Theil des Verbreitungsgebietes, nämlich das der Biaban-Region an- 
gehörige Bergland zwischen Hamadan und Teheran an und verknüpft denselben 
mit dem Hauptentwickelungsgebiet der Art, dem zagrisch-kurdischen Gebirgs- 
system. 

18. Scandix pinnatifida Yent. — Vergl. Boissier, Fl. Gr., II, p. 916. 

— Stapf und Wettstein in Stapf, Botan. Ergebnisse d. Polak'schen Exped., 

II, S. 54. — Aitchison, Gn the botany of the Afghan. Delim. Comm., p. 66. 

Einer der gewöhnlichsten Bestandtheile der ephemeren Vegetation der 
Dschaengael-Region bis in die tieferen Lagen des Saerhadd und die hoch- 
gelegenen Theile der Biaban-Region Süd- und Mittel-Persieus; wahrscheinlich 
unter ähnlichen Verhältnissen durch ganz Iran wiederkehrend. 

19. Prangos uloptera DC. var. brachyloha Boiss. — Vergl. Boissier, Fl. 
Gr., II, p. 941. — Syn.: Prangos brachyloba Stapf et Wettst. in Stapf, Botaa. 
Ergebnisse d. Polak'schen Exped., II, S. 54. 

Dieselbe Pflanze wurde auch von Alfred Rodler auf dem Schuturun- 
Kuh, 80 Jcm südlich von Sultanabad gesammelt. Auch ich habe in Süd-Persien 
nur die Varietät mit kurzen Blattabschnitten gesehen. Sie scheint demnach 
im ganzen südwestlichen und südlichen Persien und im Inneren des Landes 
(Kohrud-System zwischen Isfahan und Jezd, Buhse) die im Nordwesten und 
Norden vorherrschende Form mit langen Blattabschnitten zu vertreten. Es ist 
eines der werthvollsten Futterkräuter der Saerhadd-Region und eine der als 
„Kumäs" bezeichneten Umbelliferen. 

20. Gdlium subvelutinum DC. — Vergl. Stapf, Botan. Ergebnisse d. 
Polak'schen Exped., I, S. 52. — Syn.: Galium leiophyllum var. subvelutinum 
Boissier, Fl. Gr., III, p. 51. 

Bisher nur vom Elwend bekannt. 

21. Galium humifusum Stapf. — Vergl. Stapf, Beiträge zur Flora von 
Lycien etc., I, S. 35. — Syn.: Valantia humifusa Willd., Spec. plant., IV, p. 949. 

— Galium coronatum Sibth. et Sm., Fl. Gr. Prodr., p. 90; Boissier, Fl. Gr., 

III, p. 79. 



Beiträge zur Flora von Persien. 



211 



22. Pterocephalus canus Coult. — Vergl. Boi ssier, Fl. Or., III, p. 151. 

— Stapf, Botan. Ergebnisse d. Polak'schen Exped., I, S. 56. 

23. Pyrethrum myriophyllum C. A. M. — Vergl. Boissier, Fl. Or., III, 
p. 350. — Heimerl in Stapf, Botan. Ergebnisse d. Polak'schen Exped., I, p. 59. 

Die von Suitanabad eingeschickte Pflanze entspricht am ehesten der 
var. (f. variegatum bei Boissier a. a. 0. 

Pyrethrum myriophyllum ist einer der gewöhnlichsten Bestandtheile der 
Gestrüppformation in der oberen Dschaengael- und in der Saerhadd-Region 
Persiens. 

24. Centaurea pergamacea DC. — Vergl. Boissier, Fl. Or., III, p. 624. 

— Heimerl in Stapf, Botan. Ergebnisse d. Polak'schen Exped., I, S. 65. 

25. Linaria Dalmatica L. ß. grandiflora Boiss. — Vergl. Boissier, Fl. 
Or., IV, p. 376. 

Aus Persien bisher nur aus dem Norden (Karabagh, Sahend- Gebirge, 
Buhse) und aus der Umgebung des übrigens schon ausserhalb des iranischen 
Hochlandes gelegenen Mendeli bekannt. 

26. Linaria Michauxii Chav. — Vergl. Boissier, Fl. Or., IV, p. 374. 

— Richter in Stapf, Botan. Ergebnisse d. Polak'schen Exped., I, S. 23. 

Durch die Biaban-Region von ganz Nord-Persien bis zur Breite von Isfahan 
und Jezd. 

27. Polakia paradoxa Stapf, Botan. Ergebnisse d. Polak'schen Exped., 
I, S. 43. 

Bisher nur in wenigen Exemplaren in der Nähe von Hamadan gefunden. 

28. Salvia Szovitsiana Bge. — Vergl. Boissier, Fl. Or., IV, p. 607. — 
Stapf, Botan. Ergebnisse d. Polak'schen Exped., I, S. 40. 

Bisher nur aus Aserbeidschan (Szovits, Derderian) bekannt. 

29. Nepeta sessilifolia Bge. — Vergl. Boissier, Fl. Or., IV, p. 649. 
Bisher nur bei dem Dorfe Kohrud in dem gleichnamigen Gebirgszuge, 

160 km östlich von Suitanabad gefunden. 

30. Nepeta heliotropifölia Lam. — Vergl. Boissier, Fl. Or., IV, p. 668. 
Bisher in Persien nur bei Sengem im südlichen Aserbeidschan gefunden 

(Bunge). Von hier und von Suitanabad, dem südöstlichsten Standorte, erstreckt 
sich das Verbreitungsgebiet der Art über Kurdistan bis nach Mesopotamien. 

31. Stachys lavandulaefolia Vahl. — Vergl. Boissier, Fl. Or., IV, p. 743. 

— Stapf, Botan. Ergebnisse d. Polak'schen Exped,, I, S. 49. 

32. Eremostachys macr ophylla Monihr. et Auch. — Vergl. Boissier, Fl. 
Or., IV, p. 799. — Stapf, Botan. Ergebnisse d. Polak'schen Exped., I, S. 50. 

27* 



212 



Otto Stapf. Beiträge zur Flora von Persien. 



33. EcMnospermum harbatum Lehm. — Vergl. Boi ssier, Fl. Or., IV, 
p. 250. — Aitchison, On the botany of the Afghan. Delim. Comm., p. 89. — 
Syn.: EcMnospermum saxatile Wettst. in Stapf, Botan. Ergebnisse d. Polak- 
schen Exped., I, S. 31. 

Der Standort von Suitanabad ist der südlicbste bisher bekannt gewordene. 

34. Eheum Bibes Gron. — Vergl. Boissier, Fl. Or., IV, p. 1003. — 
Stapf, Botan. Ergebnisse d. Polak'schen Exped., II, S. 5. 

35. Urtica dioica L. 1. xiphodon. — Syn. : Urtica xiphodon Stapf, Botan. 
Ergebnisse d. Polak'schen Exped., II, p. 3. 

Die Pflanze von Sultanaba.d stimmt mit derjenigen vom Elwend überein. 
Hieher gehören auch mehrere der von Haussknecht in den Zagros-Ketten ge- 
sammelten und als Urtica dioica vertheilten Nesseln. Diese Form, so auf- 
fallend in den von Hamadan vorliegenden Exemplaren, ist doch sicherlich nur 
eine im Orient und auch anderwärts auftretende Spielform der Urtica dioica L., 
die sich durch eine merkwürdige Förderung des Endzahnes der Blätter aus- 
zeichnet. 



213 



Beitrag zur Flora von Persien. 

Bearbeitung der von J. A. Knapp im Jahre 1884 in der Provinz 
Adserbidschan gesammelten Pflanzen. 



jT. Lahiatae von Heinrich Braun. 

(Mit Tafel VI.) 

II, SalsolaceaCf III. Amarantaceae und IV, Polygonaceae 
von Carl Kechinger. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 6. März 1889.) 



Herr Dr. J. E, Polak in Wien entsendete im Jahre 1884, sowie in den 
vorhergegangenen Jahren, eine naturwissenschaftliche Expedition nach Persien, 
und zwar übernahm in diesem Jahre Herr J. A. Knapp die Aufgabe, in der Pro- 
vinz Adserbidschan zu botanisiren. Nach seiner Rückkehr wurde das von ihm 
aufgesammelte Material von Dr. J. E. Polak dem botanischen Museum der k. k. 
Universität in Wien übergeben. 

Die nachfolgenden Blätter enthalten den Beginn der Bearbeitung der 
Pflanzen, die Fortsetzungen sollen in ungezwungener Folge in diesen Verhand- 
lungen gebracht werden. 

Mit Rücksicht auf die Standorte sei hier bemerkt, dass dieselben aller- 
dings von Herrn J. A. Knapp erst nach seiner Rückkehr den Pflanzen beigefügt 
wurden, so dass es nicht ausgeschlossen ist, dass in ein oder dem anderen Falle 
sich ein Irrthum einschlich. Bei dem ausgezeichneten Gedächtnisse des Herrn 
Knapp, ferner bei dem Umstände, dass er sich bei Angabe der Fundorte an seine 
Reiseaufzeichnungen hielt und das durchforschte Gebiet an und für sich von 
geringer Ausdehnung ist, dürften solche Irrthümer jedoch nur ganz vereinzelt 
vorkommen. 

Dr. R. V. Wettstein. 



214 



Heinrich Braun. 



I. Labiatae. 

Bearbeitet von Heinrich Braun. 

1. Mentha viridis L., Spec. plant., ed. I, p. 576, pro var. a. Menthae spi- 
catae (1753); Spec. plant., ed. II, p. 804 (1762). — Mentha spicata Huds., Fl. 
Angl., p. 221 (1762). — Benth. in De Candolle's Prod., XII, p. 168 (1848). 
Exsicc: Fl. Austro-Hung., Nr. 641 (1882). — D'ürville, Enum., p. 67 (1822). 

Var. b) Lejeuniana Opiz, Nomenciator botan., p. 61 (1831). — Mentha 
angustifolia Lejeune, non Schreber in Schweigger et Körte, Fl. Erlaugen- 
sis, II, p. 8 (1811). 

Urumiah in agris, ubi colitur. 30./VI. 1884. — Khoi in hortis. 27./VIII. 1884. 

2. Mentha incana Willd., Enum. hört. reg. bot. Berolinensis, p. 609 
(1809), nec Mentha incana Sole herb.; Smith in Rees, Cyclopoedia, XXIII, Nr. 5 
(1819); conf. K. Koch in Linnaea, XXI, p. 649 (1848). Exsicc: Fl. Austro- 
HuDg., Nr. 1747 (1888). 

Bentham schreibt in De Candolle's Prod., XII, p. 169 (1848) der 
Mentha incana Willd. gestielte Blätter zu und versetzt dieselbe daher in eine 
andere Section innerhalb der Gruppe „Terminales". Das ist nun völlig un- 
richtig. Nicht nur, dass Will den ow in der Diagnose ausdrücklich die sitzen- 
den Blätter hervorhebt, auch die Original-Exemplare zeigen durchaus sitzende 
Blätter. 

Die Exemplare, welche Knapp in Persien gesammelt hat, stimmen recht 
gut mit den Originalien überein, nur ist das Indument etwas dichter und mehr 
anliegend, erinnert so an die nachfolgende Mentha Chalepensis Miller. 

Carik in rivi ripis. 

3. Mentha Chalepensis Miller, Diction., ed. VII, Nr. 10 (1759). — Mentha 
tomentosa Autor, p. p., non D'ürville, Enum., p. 67, Nr. 507 (1822), nec Smith 
in Rees, Cyclopoedia, XXIII, Nr. 23 (1819). — Mentha silvestris ß. candicans 
Boiss. et Buhse, Aufzähl., S. 170 (1860), non Crantz. — Menthastrum Chale- 
pense Morison, Plantar, bist., III, p. 368 (1715). 

Theils unter dem Namen Mentha tomentosa D'ürv. oder Bentham, theils 
unter dem Namen Mentha silvestris L. var. stenostachya oder „Mentha silvestris 
angustifolia" wurden von verschiedenen Autoren und Sammlern, welche die 
orientalische Flora zum Gegenstand ihrer Studien und Thätigkeit erwählt 
hatten, Pflanzen cumulirt, welche sowohl untereinander bedeutende Difi:erenzen 
zeigten, als auch mit den richtigen Pflanzen des betreffenden Namens gar keine 
Aehnlichkeit aufwiesen. Dieser Umstand und die dadurch hervorgerufene Ver- 
wirrung in der Auffassung der orientalischen Formen der Gattung Mentha, 
welche insbesonders Boissier und seinen Abschreibern aufs Kerbholz zu setzen 
ist, zwingt mich hier, auf die in Persien, Kleinasien und Griechenland wachsenden 
Arten und Formen der Gattung Mentha, welche der Section „Spicatae" angehören, 
in aller Kürze zurückzukommen. Die ausgezeichnetste aller Arten, welche die 



Beitracf zur Flora von Porsien. 



215 



Küsten Kleinasiens, die Inseln des ägäischen Meeres und die Ostküsten Griechen- 
lands bewohnt, ist Mentha tomentosn D'ürv. Es kann keinem Zweifel unter- 
liegen, welche Form mit diesem Namen zu belegen ist. Schon Bentham hat 
diese Mentha aufgeklärt, was ja gewiss keine Schwierigkeiten hatte, da doch 
D'ürville seine Mentha ganz genügend beschrieben hatte. Dieser Autor gibt 
als Standort die Insel Skyros an und beschreibt seine Mentha mit folgenden 
Worten: „Caule adscendente tomentoso, superne ramosissimo, foUis tomen- 
tosis sessüibus, crispis, lanceolato-linearihus, grosse dentatis, supra obscuris, 
stibtus incanis; calycihus minimis, vülosis, staminibus corolla longioribus, 
spicis numerosis, longis, basi interruptis. Affinis Mentha niliaca Vahl 
differt (foliis) crispis et longioribus. Gaulis etiam magis ramosus. Ad fontes 
insulae Scyri. Jidio floret." Der auffälligsten Merkmale: des sehr verzweigten 
Stengels, der fast krausen Blätter, der minutiösen Kelche, der langen, mit 
zahlreichen und von einander entfernten Blüthenquirlen besetzten Scheinähren 
wird hier gedacht. Nur auf eine Pflanze, welche die Cykladen und die Ostküste 
Griechenlands bewohnt, passt die oben erwähnte Diagnose, Dieselbe wurde von 
Held reich unter dem Namen Mentha tomentosa D'ürv. in der Flora Graeca 
exsicc, 1853, ferner .im Herb. Graecum normale, Nr. 971, ferner von Nauplia 
(leg. Zuccarini), und schon von Grisebach (Nr, 710) als Mentha tomentosa 
D'ürv. richtig bestimmt. 

Diese Pflanze ist charakterisirt durch ungemein reich verzweigte Stengel, 
kleine, gewellt gesägte, lanzettliche oder elliptisch-lanzettliche Blätter, welche 
an der ünterseite filzig abstehend behaart sind, mit vertieften Secundärnerven, 
so dass die ganze Unterseite wie runzelig aussieht; die Stengel sind ebenfalls 
abstehend behaart. Kelchröhre fast kugelig, sehr klein, 1 — TS mm im Durch- 
messer, mit kleinen, dreieckig spitzen (aber nicht pfriemlichen), kurzen 
Kelchzähnen. Blüthenstand eine lange, mit von einander entfernten, kleinen 
(5 mm im Durchmesser), zahlreichen Blüthenquirlen besetzte, endständige Schein- 
ähre. Durch die langen, ruthenförmigen Scheinähren, die kleinen Blüthenquirle, 
welche von einander getrennt sind, die kurzen, dreieckigen Kelchzähne von allen 
verwandten Mentha-kxien und Formen sofort zu unterscheiden. Mir lagen 
Exemplare dieser Pflanze von der ümgegend Athens, von Nauplia, von den 
ägäischen Inseln und von der Westküste Kleinasiens vor. Diese Pflanze hat 
also unzweifelhaft den Namen Mentha tomentosa D'ürv. fernerhin zu führen. 

Eine zweite Mentha mit abstehender Behaarung des Stengels, runzeliger 
Blattunterseite und wenigstens am Grunde mit von einander entfernten Blüthen- 
quirlen besetzten Scheinähren ist die Mentha canescens Sieber non Roth, oder 
die Mentha Sieberi C. Koch in Linnaea, XXI, p. 649 (1848), Die Unterschiede, 
welche diese Mentha von Mentha incana Willdenow trennen, sind nicht besonders 
gross, aber nach meiner Ueberzeugung doch genügend, um die zwei Menthen 
als Arten oder Racen zu trennen. Die Kelchröhren sind bei dieser Pflanze 
klein, aber doch grösser wie bei Mentha tomentosa D'ürv., die zwei unteren 
Kelchzähne in eine pfriemliche Spitze vorgezogen, die Behaarung aller Theile 
ist, wie schon erwähnt, zottig abstehend. Die Oberseite der Blätter ist mit 



216 



Heinrich Braun. 



länglichen, abstehenden Haaren bekleidet, welche das Grün deutlich durch- 
schimmern lassen. Charakteristisch ist für die Pflanze die runzelige Blattunter- 
seite; die Behaarung ist nämlich zwischen den Secundärnerven sehr dicht und 
abstehend, während auf letzteren nur eine schwächere Behaarung wahrzunehmen 
ist, die Nerven erscheinen daher wie in den Filz eingesenkt. Die untersten 
Blüthenquirle sind immer von einander entfernt, manchmal aber ist der ganze 
Blüthenstand aus von einander entfernten, zahlreichen Quirlen gebildet. 

Original-Exemplare von Canea (leg. Sieb er) im Herbare des kais. Hof- 
museums zu Wien. Ferner gehören dazu Reverchon, Plantae Cretic, Nr. 125 
(1883) und in Magnier, Flora selecta, Nr. 643, Orphanides, Flora Graeca 
exsicc, Nr. 549 (1856), dann die Mentha ifomm^osa Heldreich (non D'ürville), 
Iter quartum per Thessaiium primumque in monte Pindo 1885. Mehrmals wurde 
eine Form von Heldreich edirt, und zwar unter dem Namen „tomentosa," 
welche mit Mentha Sieberi C. Koch übereinstimmt, und welche sich von letzterer 
Mentha nur durch die kleineren Blüthenquirle, etwas weniger zottige, breitere 
Blätter und spitze, pfriemliche Kelchzipfel unterscheidet; es ist dies die Mentha 
glomerulata Jan, welche ich auf S. 42 des vorliegenden Bandes erwähnt habe. 

Zur Mentha Sieberi Carl Koch, von welcher mir Exemplare aus Dal- 
matien, Italien (Sicilien, Ostküste von Calabrien, Apulien und Ravenna), Griechen- 
land, von den ägäischen Inseln, Kreta und aus Kleinasien vorliegen, gehört 
auch die Mentha seriata A. Kerner, Exsicc. Fl. Austro-Hung., Nr. 644 (1882), 
ferner, wie schon erwähnt, als kaum trennbare Varietät die Mentha glomeru- 
lata Jan {Mentha Ilissa Heldr.). 

Anschliessend an diese Pflanze möchte ich eine Form besprechen, welche 
sich in den von Sintenis in Troja gesammelten Exsiccaten vorfindet und welche 
von Ascherson als Mentha silvestris ß. stenostachys forma androdynamica 
(Sintenis, Iter trojanum, 1883 [Nr. 522]) und forma gynodynamica (Sinte- 
nis, ibidem, Nr. 522 b), ferner von demselben Autor als Mentha silvestris L. 
(Sintenis, Iter trojanum, 1883, Nr. 626) determinirt wurde. Alle drei Exsic- 
caten sind nach meiner Ansicht als zu einer Form gehörig zu betrachten. Diese 
Pflanze zeichnet sich durch die angedrückte, feine Behaarung des Stengels und 
der Blätter aus. Stengel aufrecht, anliegend, samratig behaart; Blätter sitzend 
oder die untersten sehr kurz gestielt, länglich-lanzettlich, 3— 4 mal länger als 
breit, spitz, am Rande scharf und spitz gesägt; Sägezähne öfter geschweift oder 
mit der Spitze fast zurückgekrümmt; Blattfläche oberseits dicht mit kurzen 
Haaren bekleidet, unterseits sehr dicht und anliegend mit kurzen Haaren be- 
deckt. Secundäre Blattnerven etwas vertieft und dadurch die Blattunterseite 
etwas runzelig. Kelchröhre kurzglockig, dichtbehaart, Kelchzähne aus drei- 
eckiger Basis spitz, Blüthenstand bis 75 mm lang, aus dicht gedrängten oder 
an der Basis mit ein oder zwei von einander entfernten Blüthenquirlen gebildet. 
Von Mentha silvestris L. unterscheidet sich diese Mentha durch die Behaarung 
und die Kelchzähne, und dürfte eher als Zwischenglied der Mentha silvestris L. 
und der später zu besprechenden Mentha Chalepensis Miller anzusehen sein. 
Ich nenne sie nach dem Vorgange Ascher son's Mentha stenostachya Boiss. p.p. 



Reitrag zur Flora von Persien. 



217 



Aehnlichkeit mit dieser Form, wenn auch nur entfernt, hat eine ausge- 
zeichnete Art, die bisher nur auf Cjpern gefunden wurde, welche aber mög- 
licherweise noch auf Kreta oder in Kleinasien entdeckt werden könnte; ich nenne 
diese Art, weil sie entschieden neu und unbenaunt ist, Mentha cyprica» 
Der Stengel ist bei dieser Mentha aufrecht, schon vom Grunde an verzweigt, 
im unteren Theile kahl, oben mit sehr dünnem, anliegenden Flaume bekleidet. 
Die unteren und oberen Blätter kurz gestielt, seltener einige der obersten 
Blätter sitzend, beiderseits grün, mit sehr kurzem, anliegenden Flaume bekleidet, 
am Rande sehr schmal (oder bei Varietät b) scharf) gesägt, länglich-lanzettlich, 
mit fast parallelen Rändern, 6 — 13 mni breit, 25 — 50 mm lang, oben kurz, spitz 
oder stumpflich, an der Basis zum Blattstiel plötzlich kurz zugerundet. Untere 
Deckblätter lineal-lanzettlich. Blüthen stand verlängert, Blüthen quirle zahl- 
reich, klein, von einander entfernt (bei Varietät b) gedrängt), Blüthenstiele 
kurz (1—1-5 mm), dicht mit weisslichen Härchen bekleidet, Kelche kurzglockig 
bis fast kugelig, sehr klein, circa 1 mm im Durchmesser, mit feinen Härchen 
dicht bekleidet. Kelchzähne kurz, spitz, öfter fast pfriemlich, mit länglichen 
Härchen bewimpert, Scheinähre circa 55— 70?wm lang, Varietät a) genuina. 
Blätter grün, am Rande seicht gezähnt, Quirle des Blüthenstandes alle von 
einander entfernt, schmal. Mentha silvestris L. forma foliis angustatis Poech, 
Enum. pl. cyp., p. 23, Nr. 97 (1842); Kotschy (herb. 6, Cjprus); Kotschy, 
Die Insel Cypern etc., S. 265 (1865). — Varietät bj Galatae H. Br. Blätter 
etwas graugrün, am Rande scharf und spitz gesägt. Blüthenquirle dicht an- 
einander gereiht, Blattform und Kelche wie bei voriger Varietät. — Mentha 
tomentosa (D'ürville) Sintenis et Rigo, Iter Cypricum, 1880, Nr. 732. 

Die Meyitha Chalepensis Miller, auf welche ich nun zu sprechen komme, 
ist eine vielfach verkannte Pflanze; Smith in Rees' Cyclopoedia stellt diese 
Pflanze zu seiner Mentha incana, Bentham stellt sie ganz mit Unrecht zur 
Mentha mollissima Borkh., andere Autoren übergehen obgenannte Pflanze mit 
Stillschweigen. Und doch ist diese Mentha eine solch' vorzügliche Art, dass man 
sie auf den ersten Blick erkennt. Miller bekam diese Pflanze zuerst aus Klein- 
asien und beschreibt sie mit folgenden Worten: „10. Mentha Chalepensa, foliis 
oblong is, dentatis, utrinque tomentosis, sessilibus, spicis tenuioribus.'^ Die 
Exemplare Mi 11 er 's lassen gar keinen Zweifel aufkommen, welche Pflanze der 
Autor im Auge gehabt hat. Es ist eine Mentha, bei welcher alle Theile mit 
einem anliegenden Toment bekleidet sind, welches aus dichten, sehr kurzen ein- 
fachen oder etwas gekräuselten Haaren besteht. Die Blätter sind alle sitzend 
oder die untersten am Stengel sehr kurz gestielt, die Ober- und Unterseite 
derselben ist mit weisslichen Haaren dicht anliegend bekleidet, so dass die 
Blätter wie sammtig anzufühlen sind, die Nervatur der Blattunterseite tritt nicht 
auffällig hervor, daher auch die Lamina hier nicht wie runzelig erscheint; die 
Blätter sind meist nach dem Mittelnerven zusammengefaltet und herabgeschlagen, 
die Serratur ist von entfernt von einander in den Blattrand eingeschnittenen, 
scharfen Sägezähnen gebildet. Die Bracteen sind lanzettlich-pfriemlich, mehr 
weniger dicht behaart, kürzer oder länger als die Blüthenquirle. Blüthenstände 

Z. ß. Ges. B. XXXIX. Abb. 28 



218 



Heinrich Braun. 



ZU einer kurzen oder etwas verlängerten Scheinähre zusammengestellt, welche 
dicht und gedrängt erscheint, und höchstens am Grunde etwas unterbrochen 
ist. Die Blüthenstiele sind dicht behaart wie die Kelche. Kelchröhren kurzglockig, 
Kelchzähne kurz, aus dreieckiger Basis in eine pfriemliche Spitze vorgezogen. Die 
Kelche sind violett oder weisslichgrün bis grün gefärbt. Diese eben besprochene 
Art hat eine grosse Verbreitung aufzuweisen; vom südlichen Spanien ist sie 
über Sicilien, den Peloponnes, Kreta, Kleinasien, Persien, Turkestan verbreitet. 
Nicht einmal als Form zu trennen ist von dieser Art die Mentha silvestris 
var. alhida Reichenb., Ic. crit., Tab. 983, Fig. 1314 (1832); sie unterscheidet sich 
nur durch etwas längere und schmälere Kelchzipfel. Synonyme der Mentha 
Chalepensis Miller sind: Mentha silvestris ß. stenostachya Boiss., Fl. Orient., 
IV, p. 543 (1879) p. p. et Aut. pl, non D'Urville, non Smith nec Borkh. 
— Mentha silvestris Aut. p. p. non L. — Mentha concolor Stapf, Die botani- 
schen Ergebnisse der Polak'schen Expedition nach Persien (Separat- Abdruck 
a. d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch, in Wien, Bd. L), S. 35 (1885). — 
Mentha Hamadanensis Stapf, ibidem, S. 35 (1885). — Dize-siamek, ad ripi 
rivas, in einer Form, welcher der nachfolgend zu besprechenden Mentha calliantha 
Stapf nahekommt und gleichsam das Verbindungsglied zwischen dieser und der 
typischen Mentha Chalepensis Miller darstellt. Exsiccaten der Mentha Chale- 
pensis Miller, welche allgemeiner zugänglich sein dürften, sind: Kotschy 
(Ed. Hohenacker), Nr. 787 et 609 (1845); Kotschy, PI. Syricae bor. ex Amano 
prope Beilan, Nr. 232 (1862); Huter, Porta et Eigo, It. hispan., Nr. 783 (1879) 
(unter den Namen Mentha crispa Benth., Mentha undulata Willd.); letztere 
Pflanze stellt die Mentha alhida (Reichenb.) dar. Verwandte Formen, welche 
kaum als Arten von Mentha Chalepensis Miller zu trennen sind, da sehr viele 
Zwischenformen oberwähnte Formen mit der Mentha Chalepensis Miller ver- 
binden, sind: 

a) Mentha calliantha Stapf, 1. c, S. 36 (1885). Ad paludes prope Hama- 
dan in Persia. Ausgezeichnet durch die tief violett gefärbten, sehr kurz ange- 
drückt behaarten Kelche mit kurzen, aus breit dreieckiger Basis spitzen 
oberen Kelchzähnen. Stengel und Blätter mit kurzem, angedrückten Flaume 
bedeckt, welcher die grüne Farbe der Blattlamina durchschimmern lässt; über- 
diess sind die Kelchzähne sehr kurz bewimpert. Ich beschränke mich 
hier auf die Angabe der wichtigsten Merkmale und verweise auf die ausführliche 
Beschreibung an angezogener Stelle. 

h) Mentha Kotschy ana Boiss., Diagn., II. Serie, Nr. 4, p. 5 (1859) sub 
varietate Menthae silvestris L. — Mentha silvestris var. s. glabrata Boiss., Fl. 
Orient., IV, p. 544 (1879). Eine durch den Habitus ausgezeichnete Pflanze. 
Stengel mit sehr kurzem Flaume bedeckt. Die unteren Blätter deutlich gestielt, 
mit äusserst kurzem, angedrückten Flaume bedeckt, grün, etwas rauh anzu- 
fühlen; Kelche abstehend zottig behaart, tief violett gefärbt, Kelch- 
zähne alle lang pfriemlich zugespitzt. Bracteen länglich, pfriem- 
lich-lanzettlich, länger wie die entsprechenden Blüthenquirle, 
dadurch die unaufgeblühten Scheinähren langschopfig. Im üebrigen verweise 



Beitrag zur Flora von Persien. 



219 



ich auf die Diagnose Boissier's, die sonst sehr kurz gehalten und in ihren Aus- 
führungen mangelhaft erscheint. 

4. Lycopus europaeus L., Spec. plant., ed. I, p. 21 (1753). — Bentham, 
Labiatae, p. 186 (1832— 1836). — Bentham in De Candolle's Prod., XII, 
p. 178 (1849). — CA. Meyer, Verz., S. 89, Nr. 760 (1831). — Boissier et 
Buhse, Aufzähl., S. 171 (1860). — Bunge, Labiatae Persic, p. 34 (1873). — 
Boissier, Fl. Orient., IV, p. 545 (1879). 

Merdisch ad aquarum fossas, Chanian in aquosis. 

5. Origanum parviflorum D'ürville, Enum., p. 71, Nr. 532 (1822). — 
Trautvetter, Incr., p. 90, Nr. 4108 (1884). — 0. virens C A. Meyer, Verz., 
S. 90, Nr. 773 (1831). — 0. heracleoticum ß. humile Walp. secund. Walpers, 
Repert., III, p. 694 (1845). — 0. hirtiim Bunge, Labiatae Persic, p. 34 p. p. 
(1873), non alior. — 0. gracile C. Koch, Linnaea, XXI, p. 661 (1848). — 0. 
vulgare ß. virens Boiss., Fl. Orient, IV, p. 551 (1879). 

Hasanbeili in silvis caeduis. 

6. Thymus Kotschyanus Boiss. et Hohenacker in Boissier's Diagn. 
plantarum orientalium novarum, V, p. 16 (1844). — Bentham in De Can- 
dolle's Prod., XII,. p. 203 (1848). — Boissier et Buhse, Aufzähl., S. 171 
(1860). — Bunge, Labiatae Persic, p. 35 (1873). — Celakovsky in Flora, 
LXVI, p. 148 et 150 (1883). — Trautvetter, Incr., p. 90, Nr. 4112 (1884). — 
Thymus Serpyllum C- Kotschyanus Boiss., Fl. Orient., IV, p. 556 (1879). 

Variat: 

«. hirta Boiss. et Hohenacker, 1. c, p. 17 (1844), f. hirtifolia H. Br., 
foUa plus minus pilosa. 

Isperehan in monte Sahend lapidosis. 

ß. glabrescens Boiss. et Hohenacker, 1. c, p. 17 (1844), f. glabrifolia 
H. Br., folia ad basin in margine ciliata ceterum glabra. 
Carik in lapidosis, ürumiah in elatiorum aridis. 

7. Thymus Kotschyanus Boiss. et Hohenacker var. intercedens 
H. Braun. Eine Form, welche die Behaarung und Blattform des Thymus Daenensis 
Celak. in Flora, LXVI, p. 150 (1883), ferner auch die Form der Kelchzähne letzt- 
genannter Art zeigt, im Wachsthume und durch die deutlich gestielten Blätter 
entschieden aber die grösste Verwandtschaft zu dem Thymus Kotschyanus 
Boiss. et Hohenacker zeigt. Aus dicken, verholzten oberirdischen Stämmen, 
welche niederliegen, treiben die heurigen, krautigen Zweige, welche später ver- 
holzen und die Blüthenstände tragen; die verholzten Stämmchen wurzeln nicht, 
sondern bilden einen kleinen, aufrechten, dicht buschigen Halbstrauch. Aeste 
stielrundlich, ringsum feinflaumig, kurz. Blätter eiförmig-lanzettlich (wie bei 
Thymus Daenensis Celak.), deutlich, wenn auch zuweilen kurzgestielt, 
entweder beiderseits kahl und nur am Rande an der Basis bewimpert, oder 
oberseits feinüaumig, nach oben kurz abgerundet. Nervatur wie bei Thymus 
Daenensis Celak., nämlich die secundären Nerven verlaufen vom Primärnerven 
aus bogig und verschmelzen am Rande mit einander zu einem verdickten Ringe, 

28* 



220 



Heinrich Braun. 



welcher parallel zum Blattrande verläuft; jedoch sind die Nerven viel weniger 
vorspringend, wie bei Thymus Daenensis Celak. Die ganze Blattfläche ist mit 
rothbrauuen oder gelblichrothen Oeldrüsen besetzt. Die Bracteen sind gross, 
von den übrigen Blättern nur wenig verschieden. Blüthenstand kopfförraig ge- 
drängt. Blüthenstiele so lang oder etwas kürzer wie die Kelchröhre, feinflaumig, 
Oberlippe des Kelches in drei, aus breit dreieckiger Basis in eine pfriemliche 
Spitze vorgezogene Zähne gespalten. Zähne der Unterlippe pfriemlich, mit langen 
weissen Haaren bewimpert, so lang oder etwas länger wie die Zähne der Ober- 
lippe. Die Länge der Kelchzähne, sowie ihr Verhältniss zu einander habe ich 
übrigens bei den zahllosen Arten und Formen der Gattung Thymus, welche 
ich Gelegenheit hatte zu untersuchen, nur in wenigen Fällen constant gefunden; 
und es ist hiebei von grossem Einflüsse, ob man es mit andro- oder gyno- 
dynamischen Formen derselben Art oder Varietät zu thun hat. 

Exemplare der eben besprochenen Pflanze finden sich im Herbare des k. k. 
naturhistorischen Hofmuseums in Wien gemeinschaftlich mit Exemplaren des 
echten Thymus Kotschyanus Boiss. et Hohenacker auf einem und demselben 
Bogen gespannt vor (Kotschy, Plantae Persiae borealis, Nr. 572 (1843), in 
rupestribus alpinis Totschal); ferner häufig als Thymus Sibthorpii (Boiss.), de- 
term. Boissier, und als Thymus nummularius Hohenacker (Iberica caucasica), 
als Thymus collinus und auch von Kotschy, Nr. 282 (1841) unter dem schon 
oben erwähnten Namen Thymus Sibthorpii Boiss. 

Var in lapidosis, in monte Karnaru in lapidosis, Hasanbeili in aridis. 

8. Thymus hirsutus M. a B., Flora Tauro-Caucasica, II, p. 59 (1808), 

III, p. 406 (1819). — Bentham, Labiatae, p. 346 (1832—1836). — Bentham 
in De Candolle's Prod., XII, p. 203 (1848). — Boissier, Fl. Orient., IV, 
p. 557 (1879) p. p. 

Ahmedabad ad aquas minerales. 

9. Satureja hortensis L., Spec. plant., ed. I, p. 568 (1753). — M. a B., 
Fl. Tauro-Caucasica, II, p. 38 (1808). — C. A. Meyer, Verz., S. 91, Nr. 774 
(1831). — Bunge, Labiatae Persic, p. 35 (1873). — Boissier, Fl. Orient., 

IV, p. 562 (1879). 

Hasanbeili in lapidosis aridis. 

10. Satureja macrantha CA. Meyer, Suppl. XI, Ind. horti Petrop., 
p. 67 (1846). — Bunge, Labiatae Persic, p. 36 (1873). — Trautvetter, Incr., 
p. 9, Nr. 4120 (1884). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 566 (1879). 

Hasanbeili in lapidosis aridis. 

11. Calamintha intermedia Baumg., Enum., II, p. 184 (1816) sub 
Melissa. — Calamintha silvatica Bromf. in Engl. Botan., Suppl. IV, Tab. 2897 
(1849). — Calamintha umbrosa Schur, Enum. Fl. Transsylv., p. 530 (1866). — 
Conf. Simonkai, Enum. Fl. Transsylv., p. 466 (1886). — De Calamintha sil- 
vatica Bromf., conf. A. Kern er, Vegetationsverhältnisse etc., in Oesterr. botan. 
Zeitschr., XXIV, S. 211 und 212 (1874). 

Hasanbeili in silvis caeduis. 



Beitrag zur Flora von Persien. 



221 



Calamintha intermedia (Baiimg.) liegt mir in einer grossen Zahl von 
Exemplaren aus verschiedeneu Gegenden Europas vor; es ist wohl selbstverständ- 
lich, dass bei einer Pflanze, welche einen derartig grossen Verbreitungsbezirk besitzt, 
der sich von England, Frankreich, Deutschland über die österreichisch-ungarische 
Monarchie, die Balkanländer, das mittlere und südliche Russland, Turkestan 
und Persien erstreckt, viele locale Modificationen auftreten. Dieselben sind 
jedoch so geringfügig, dass sie unmöglich als Arten oder auch nur als Varie- 
täten aufgefasst werden können. So sind im Allgemeinen bei den aus Eng- 
land und Deutschland stammenden Exsiccaten der Calamintha intermedia 
Baumg. die Blätter grösser, etwas tiefer gesägt, die Hochblätter breiter, an der 
Basis mehr abgerundet; dies ist die Pflanze, welche in der Engl. Botan., Suppl. 
IV, auf Tafel 2897 als Calamintha silvatica Bromf. abgebildet ist. Die ost- 
ungarischen und siebenbürgischen Exemplare der Calamintha intermedia Baumg. 
weisen hingegen im Allgemeinen kleinere Blätter mit feinerer Serratur auf, die 
Hochblätter sind bei diesen Formen schmäler, zur Basis fast keilig verlaufend. 
In Mittelungarn trifft man beide eben besprochenen Formen vereint an, und alle 
Zwischenformen, ja Formen, bei welchen auf einem Individuum bald grössere, 
bald kleinere, bald tief, bald seicht gesägte Blätter und verschiedene Formen der 
Hochblätter vorkommen. Bei der Form, welche aus Persien stammt, ferner bei 
den Exemplaren, welche aus Transkaukasien stammen, und welche mit den sieben- 
bürgischen Exemplaren völlig gleichen Zuschnitt der Blätter aufweisen, tritt die 
Behaarung der Anhangsorgane und der primären Axe viel stärker hervor, als sie 
bei den aus Europa stammenden Exemplaren wahrgenommen wird. Der charak- 
teristische Bau des Kelches und die Verästelung der Cymen ist allen diesen 
localen Modificationen gemeinsam. Die Calamintha officinalis Ledeb., Flora 
Rossica, III, 1, p. 352 (1847-1849), Bunge, Labiatae Persic, p. 37 (1873), 
ferner die Calamintha Nepeta Boiss. et Buhse dürften wohl zum Theile der 
eben besprochenen Calamintha intermedia Baumg. anzufügen sein. 

12. Calamintha umbrosa M. a B., Fl. Tauro-Caucasica, II, p. 63 (1808), 

III, p. 407 (1819J sub Melissa. — Bentham in De Candolle's Prod., XII, 
p. 232 (1848). — Bunge, Labiatae Persic, p. 37 (1873). — Boissier, Fl. Orient., 

IV, p. 578 (1879). — Melissa umbrosa M. a B. — C. A. Meyer, Verz., S. 88, 
Nr. 751 (1831). — Eich wald, Caspisch-kaukas. Pflanzen, S. 30 (1831—1833). — 
Bentham, Labiatae, p. 392 (1832—1835). — C. Koch in Linnaea, XVII, 
p. 296 (1843). 

Alibulak in silvis caeduis. 

13. Calamintha Acinos L., Spec. plant., ed. I, p. 591 (1753) sub Thymo. 
— Clairville in Gaudin's Flora Helv., IV, p. 84 (1829). — Bentham in 
De Candolle's Prod., XII, p. 230 (1848). — Bunge, Labiatae Persic, p. 37 
(1873). - Boissier, Fl. Orient., IV, p. 582 (1879). — Thymus Acinos L. — 
M. a B., Fl. Tauro-Caucasica, II, p. 60 (1808). — Acinos thymoides Mönch, 
Meth., p. 407 (1794). — Acinos vulgaris Pers., Syn., II, p. 131 (1807). — C. A. 
Meyer, Verz., S. 88, Nr. 747 (1831). — Melissa Acinos Benth., Labiatae, p. 389 
(1832 -1835). 



222 



H e i 11 r i c h Braun. 



Alibulak in silvis caeduis. 

14. Calamintha graveolens M. a B., Fl. Tauro-Caucasica, II, p. 60 
(1808); III, p. 409 (1819) sub Thijmo. — Bentham in De Candolle's Prod., 
XII, p. 231 (1848). - Bunge, Labiatae Persic, p. 37 (1873). — Boissier, Fl. 
Orient., IV, p. 583 (1879). — Äcinos graveolens Link, Enum. pl. hort. berol., 
II, p. 117 (1822). — C. A. Meyer, Verz., S. 88, Nr. 748 (1831). — Melissa 
graveolens Benth., Labiatae, p. 390 (1832—1835). — C. Koch in Linnaea, XVII, 
p. 295 (1843). 

In monte Karnaru in lapidosis. Zendjireh in lapidosis graminosis. 

15. Clinopodium vulgare L., Spec. plant., ed. I, p. 587 (1753). — 
D'ürville, Enum., p. 70 (1822). — C. A. Meyer, Verz., S. 89, Nr. 752 (1831). 

— Calamintha Clinopodium Benth. in De Candolle's Prod., XII, p. 233 (1848). 

— Bunge, Labiatae Persic, p. 38 (1873). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 579 
(1879). — Melissa Clinopodium Benth., Labiatae, p. 392 (1832—1835). — 
C. Koch in Linnaea, XVII, p. 296 (1843). 

Hasanbeili in silvis caeduis. 

16. Melissa officinalis L., Spec. plant., ed. I, p. 592 (1753). — M. a B., 
Fl. Tauro-Caucasica, II, p. 61 (1808). — Hohenacker, Enum. Talüsch, p. 65 
(1838). — C. A. Meyer, Verz., S. 88, Nr. 749 (1831). — Boissier et Buhse, 
Aufzähl., S. 171 (1860). — Bunge, Labiatae Persic, p. 38 (1873). — Boissier, 
Fl. Orient., IV, p. 584 (1879). 

Hasanbeili in lapidosis aridis. 

17. Ziziphora rigida Boiss., Fl. Orient., IV, p. 586 (1879) pro var. 
Zizipliorae clinopodioidis M. a B,, Fl. Tauro-Caucasica, I, p. 17 (1808); III, p. 20 
(1819). — Stapf, Die botanischen Ergebnisse der Polak'schen Expedition nach 
Persien, Sep.-Abdr., S. 39 (1885). 

Livan in glareosis, Zendjanab in apricis lapidosis. 

18. Ziziphora Persica Bunge, Labiatae Persic, p. 39 (1873). 
Carik in lapidosis. 

Durch die zu einem länglichen, kopfförmigen Blüthenstande vereinigten 
Blüthenquirle, die oblong-lanzettlichen, zugespitzten, die Kelche weit überragenden, 
an der Basis breiten Bracteen und den robusten Habitus ungemein ausgezeichnet. 
Bunge erwähnt ausdrücklich aller dieser Merkmale und charakterisirt diese Pflanze 
in ganz treff'licher Weise; obwohl diese Pflanze sich von Ziziphora tenuior L., 
abgesehen von dem ganz difi'erenten Habitus, überdies durch einfächerige, an- 
hangslose Antheren unterscheidet und also einer anderen Gruppe anzuschliessen 
ist, wird sie von Boissier in der Fl. Orient., IV, p. 587 als einfaches Synonym 
zu Ziziphora tenuior L. gestellt, was natürlich eine Bestimmung und Erkennung 
dieser Pflanze nach dem eben erwähnten Werke völlig illusorisch macht. 

19. Ziziphora tenuior L., Spec. plant., ed. I, p. 21 (1753). — Bentham 
in De Candolle's Prod., XII, p. 366 (1848). — Falk, Beiträge zur Kenntniss 
des russischen Eeiches, II, S. 98 (1786). — C. A. Meyer, Verz., S. 89, Nr. 756 
(1831). — Hohenacker, Enum. Talüsch, p. 66 (1838). — Bunge, Labiatae 



Beitrag znr Flora von Persien. 



223 



Persic, p. 39 (1873). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 587 (1879), excl. syn. Zizi- 
phorae Persicae Bunge. 

Dize-siamek in glareosis. Khoi in lapidosis. Khosrowa in glareosis. Var 
in lapidosis. 

20. Salvia Hydrangea (DG. herb.) Bentham, Labiatae, p. 717 (1836). 
— Bentham in De Candolle's Prod., XII, p. 271 (1848). — Boissier et 
Buhse, Aufzäbl., S. 172 (1860). — Bunge, Labiatae Persic, p. 42 (1873). — 
Boissier, Fl. Orient., IV, p. 606 (1879). 

Inter Sargul et Salivan in lapidosis. 

21. Salvia Shielei Boiss., Diagn., I. Serie, VII, p. 45 (1846). — Bois- 
sier, Fl. Orient., IV, p. 607 (1879). — Bunge, Labiatae Persic, p. 42 (1873). 

Scher in lapidosis. 

22. Salvia Szovitsiana Bunge, Labiatae Persic, p. 43 (1873). — 
Boissier, FL Orient., IV, p. 607 (1879). 

Scher in lapidosis. 

23. Salvia glutinosa L., Spec. plant., ed. I, p. 26 (1753). — Bentham, 
Labiatae, p. 218 (1832—1836). — Bentham in De Candolle's Prod., XII, 
p. 276(1848). — M. a B., Fl. Tauro-Caucasica, I, p. 22 (1808). - C. A. Meyer, 
Verz., S. 85 (1831).'— Eichwald, Caspisch-kaukas. Pflanzen, S. 28 und 31 
(1831—1833). — Boissier et Buhse, Aufzähl., S. 172 (1860). — Bunge, 
Labiatae Persic, p. 43 (1873). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 609 (1879). — 
Sclarea glutinosa Miller, Dict., Nr. 11, ed. VII (1759). 

Hasanbeili in silvis caeduis. 

24. Salvia SyriacaL., Spec. plant., ed II, p. 36 (1762). — Bentham 
in De Candolle's Prod., XII, p. 279 (1848). — Falk, Beiträge zur Keuntniss 
des russischen Reiches, II, S. 99 (1786). — Hohenacker, Enum. Talüsch, 
p. 64 (1838). — Boissier et Buhse, Aufzähl., S. 172 (1860). — Bunge, 
Labiatae Persic, p. 50 (1873). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 610 (1879). — 
Syn. : Salvia parviflora Vahl, Enum., I, p. 268 (1805). — Salvia varia Vahl, 
Enum., I, p. 273 (1805). 

Zendjanab in montosis aridis. 

25. Salvia verbascifolia M. a. B., Fl. Tauro-Caucasica, III, p. 24 
(1819). — Bentham, Labiatae, p. 227 et 718 (1832—1836). — Bentham in De 
Candolle's Prod., XII, p. 285 (1848). — Eichwald, Caspisch-kaukas. Pflanzen, 
S. 28 (1831—1833). — Hohenacker, Enum. Talüsch, p. 64 (1838). — C. A. 
Meyer, Verz., S. 86, Nr. 722 (1831). — Boissier et Buhse, Aufzähl., S. 173 
(1860). — Bunge, Labiatae Persic, p. 46 (1873). — Boissier, Fl. Orient., IV, 
p, 619 (1879). — Syn.: Salvia candidissima M. a B., Fl. Tauro-Caucasica, I, 
p. 22 (1808), non Vahl. 

Alibulak in silvis caeduis. Livan in lapidosis. In lapidosis montis Selosa. 

26. Salvia limhata CA. Meyer, Verz., S. 86, Nr. 724 (1831). — Bent- 
ham, Labiatae, p. 718 (1836). — Bentham in De Candolle's Prod., XII, 
p. 279 (1848). — Hohenacker, Enum. Talüsch, p. 64 (1838). — Bunge, Labiatae 
Persic, p. 44 (1873). 



224 



Heinricli Braun. 



Scher in lapidosis. In montis Karnaru lapidosis. 

27. Salvia staminea Montbret et Aucher-Eloy in Annales des Sciences 
natur., 1836, II, p. 41. — Bentham in De Caudolle's Prod., XII, p. 283 
(1848). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 626 (1879). — Trautvetter, Observ. 
in Act. hört. Petrop., I, 1, p. 30 (1871), et Incr., p. 96, Nr. 4152 (1884). — Syn.: 
Salvia Austriaca C.Koch in Linnaea, XXI, p. 656 (1848), non L., teste Boissier. 

In montis Karnaru lapidosis. 

28. Salvia campestris Güldenstädt, Iter, I, p. 188 (1787). — M. a B., 
Fl. Tauro-Caucasica, I, p. 20 (1808), et III, p. 22 (1819). — Reichenb., Icon. 
bot. Cent., VI, 21, Tab. 529 (1828). — Eichwald, Caspisch-kaukas. Pflanzen, 
S. 24 und 28 (1831—1833). — Salvia Sibthorpii Sibth. et Sm., Prod. fl. Graec, 
I, p. 16 (1806). — Fl. Gr., I, p. 12, Tab. 22 (1806). — Bentham, Labiatae, 
p. 236 (1832—1836). — Bentham in De Candolle's Prod., XIL p. 291 (1848). 

— Hohenacker, Enum. Talüsch, p. 64 (1838). — Bunge, Labiatae Persicae, 
p. 50 (1873). — Salvia virgata Boiss., Fl. Orient, IV, p. 627 (1879), non Alton. 

Alibulak in silvis caeduis. 

29. Salvia nemorosa L., Spec. plant., II, p. 35 (1762). — Salvia sil- 
vestris Aut. pr. max. p., non L , Spec. plant., I, p. 24 (1753), et II, p. 34 (1762). 
De Salvia silvestri L., conf. A. Kern er, Schedae ad floram exsiccatam Austro- 
Hung., III, p. 101, Nr. 948 (1883). — Syn.: Horminum silvestre salvifolium 
minus Bauhin, Pinax, lib. VI, p. 239. — Hormini silvestris quinti species prior 
Clusius, Hist. plant., lib. IV, p. 31. — Salvia silvestris Jacq., Fl. Austr., III, 
p. 7, Tab. 212 (1775), non L. — Salvia pseudosilvestris Stapf, Die botan. Er- 
gebnisse d. Polak'schen Exped. nach Persien, Sep.-Abdr., p. 42 (1885). 

Karacal in agris. 

30. Salvia verticillata L., Spec. plant., ed. I, p. 26 (1753). — Bent- 
ham, Labiatae, p. 311 (1832—1836). — Bentham in De Candolle's Prod., 
XII, p. 357. — Güldenstädt, Iter, I, p. 422 (1787). — M. a B., Fl. Tauro- 
Caucasica, I, p. 22 (1808), et III, p. 24 (1819). — C. A. Meyer, Verz., p. 86 
(1831). — Eichwald, Caspisch-kaukas. Pflanzen, p. 28 (1831—1833). — Hohen- 
acker, Enum. Talüsch, p. 64 (1838). — Boissier et Buhse, Verz., p. 173 
(1860). — Bunge, Labiatae Persicae, p. 53 (1873). — Boissier, Flor. Orient., 
IV, p. 634 (1879). 

Zendjanab in argillosis. Carik in agris. Von letzterem Orte eine im 
Habitus von der gewöhnlichen Salvia verticillata L. sehr abweichende Form, 
mit kürzeren, zusammengezogenen Blüthenständeu und seichter gezähnten 
Blättern. Alle übrigen Merkmale stimmen übrigens mit der typischen Pflanze 
so überein, dass es wohl höchst überflüssig wäre, auf Grund dieser wenigen 
Exemplare, welche mir vorliegen, wieder eine neue Art (!) oder Form zu con- 
struiren und so zur Vermehrung der Synonymik weiter beizutragen. 

31. Nepeta menthoides Boiss. et Buhse, Aufzähl., S. 174 (1860). — 
Bunge, Labiatae Persicae, p. 53 (1873). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 643. 

— Regel, Descr. pl. nov. in Acta horti Petropolitani, VI, 2, p. 360 (1880). — 
Trautvetter, Incr., Nr. 4172 (1884). 



Beitrag zur Flora von Persien. 



225 



ß. virescens Regel, 1. c, p. 360 (1880). 
In uiontis Saeheud lapidosis. 

32. Nepeta raceniosa Lamarck, Dict., I, p. 711 (1789). — Icon. 
Reicheub., PI. crit., VI, p. 19, Tab. 585, Fig. 804 (1838). — Bentham, La- 
biatae, p. 480 (1832—1836). — Boissier et Buhse, Aufzähl., S. 175 (1860). — 
Bunge, Labiatae Persicae, p. 54 (1873). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 660 
(1879). — Syn.: Nepeta ReicJienbachiana Fischer et Meyer, lud. VIII. hört. 
Petrop., p. 68, Nr. 2008 (1841), teste Boissier. 

In montis Selosa pratis. 

33. Nepeta iiuda L., Spec. plant., ed. I, p. 570 (1753). — Jacquin, 
Fl. Austr., I, Tab. 24 (1773). — C. A. Meyer, Verz., S. 92, Nr. 794 (1831). — 
Boissier, Fl. Orient., IV, p. 663 (1879) p.p. — Nepeta Ucranica M. a. B., 
Fl. Tauro-Caucasica, II, p. 41 (1808), et Eichwald, Caspisch-kaukas. Pflanzen, 
S. 27 (1831—1833), non L. — Nepeta Pontica C. Koch in Linnaea, XXI, p. 677 
(1848). — Nepeta Meda Stapf, Die botan. Ergebnisse d. Polak'schen Exped. 
nach Persien, S. 46 (1885). — De Nepeta nuda (Jacq.) L. conf. A. Kerner in 
Vegetatiousverhältnisse etc., LXXII, in Oesterr. botan. Zeitschr., XXIV, S. 213 
und 214 (1874), und Freyn in Flora, 1884, S. 682 und 683. 

In montis Saehend lapidosis. 

Kern er und Freyn haben an den oben angeführten Orten überzeugend 
nachgewiesen, dass Nepeta pannonica (Jacq., Fl. Austr., II, Tab. 129 [1774]) L. 
und Nepeta nuda (Jacq.) L. zwei von einander wohl zu trennende Arten von ver- 
schiedener geographischer Verbreitung sind. Betreffs der Nomenclatur dieser 
beiden Arten scheint es mir mindestens keinem Zweifel zu unterliegen, dass die 
in dem östlichen Theile Niederösterreichs und in Ungarn stellenweise häufig 
wachsende Nepeta mit dem Namen „Nepeta pannonica L." zu bezeichnen ist. 
Linne beschreibt seine Nepeta pannonica in Spec. plant., ed. I, p. 570 (vor 
der Nepeta nuda) (1753) mit folgenden Worten : „Nepeta florihus paniculatis, 
foliis cordatis petiolatis obsolete crenatis." Jacquin in der Euumeratio fl. 
Austr., p. 106 (1762) schreibt vorstehende Diagnose Linne's wörtlich ab. Es 
ist sehr wahrscheinlich, dass Jacquin von Linne diese Pflanze bekam, die 
jedenfalls aus Ungarn stammt, wie ja Linnd ausdrücklich betont, und dieselbe, 
die er ja in Niederösterreich und Ungarn an vielen Stellen wildwachsend fand, 
unter dem Linne 'sehen Namen abbildete. Es ist auch nach dem eben Erwähnten 
absolut kein Grund vorhanden, diese Pflanze fernerhin mit dem Namen Nepeta 
pannonica Jacq. zu bezeichnen, da ja ohnediess in Ungarn nur drei Nepeta- 
Arten wachsen, unter denen betreffs der Nepeta pannonica L. eine Wahl ge- 
troffen werden kann. Nepeta Cataria und Nepeta Ucranica kannte und be- 
schrieb Linne, es bleibt also einzig und allein nur die Nepeta pannonica 
übrig, das heisst jene Pflanze, welche wir heute unter diesem Namen verstehen. 
Nepeta nuda beschrieb Linne nach den Exemplaren des Upsalenser Gartens; 
ob diese Pflanze wirklich aus Spanien stammt, wie Linnä anführt, ist sehr 
zweifelhaft, jedenfalls wächst diese Pflanze an den Gestaden des mittelländischen 
Meeres und wird vielfach in den botanischen Gärten Europas cultivirt. Jacquin / 

Z. B. Ges. B. XXXIX. Abb. 29 



226 



Heinricli Braun. 



kannte auch diese Pflanze recht wohl, citirt bei der Besprechung der Abbildung, 
die genau der Pflanze entspricht, die wir noch heute unter diesem Namen ver- 
steheu, Linne und gibt die Worte seiner Diagnose wieder. Es ist also immer- 
hin möglich, dass Linne hinsichtlich der Angabe des Vaterlandes dieser Pflanze, 
die übrigens am Fusse der Pyrenäen vorkommt, sich im Irrthume befand; das 
Citat „Mentha Cataria hispanica oUm Sideritis altissima flore albo", Bauhin, 
Hist., 3, p. 226 bestätigt im weiteren Verfolge, dass Linne und Jacquin wohl 
ein und dieselbe Pflanze mit dem Namen Nepeta nuda bezeichneten. 

34. Nepeta micrantha Bunge in Ledebour, Fl. Altaica, II, p. 401 
(1830). — Ledebour, Ic. pl. FL ross. alt. illustr., Tab. 412. — C. A. Meyer, 
Verz., S. 92, Nr. 792 (1881). — Boissier et Buhse, Aufzähl., S. 175 (1860). 
— Bunge, Labiatae Persic, p. 56 (1873). — Syn.: Nepeta Meyeri Benth., 
Labiatae, p. 478 (1832 — 1836). — Nepeta pallida C, Koch in Linnaea, XXI, 
p. 675 (1848). 

Marand in arvis. Täbris in argillosis. Khosroes in glareosis. Nakcivan in 
glareosis. 

35. Nepeta WettsteiniiM» Braun ii. sp. E sectione „Micronepeta 
Boiss.". Ännua, e hasi ramosa; rami cymas florigeras congestas 
capitulatas gerentes. Gaules erecti, subquadranguli, in parte inferiore 
dense adpresse puheruU, superne dense et tenuissime puberuli, foUosi. Folia 
infima petiolata deltoideo-ovata, apicem versus obtusiuscula, ad 
basin late rotundata vel in petiolum repanda, superiora breviter petio- 
lata, ovato-lanceolata vel ovata; in margine obsolete crenulato- 
dentata, tttrinque puberula (nec villoso-rugosa), viridula. Flores in 
cymis confertis capitatis aggregati, ramulis cymarum abbreviatis, 
dense pub er Ulis. Cymae di- vel triehotomae multibracteatae, floribus bre- 
viter pedicellatis, subsessilibus. Bracteae subulato-lanceolatae hinc 
inde subincurvae, pedicellum multo superantes, calices aequantes 
vel eis subbreviores, pilosae, marginem versus pilis albidis longiusculis 
ciliatae. Calices obliqui, tubulosi, recti, albido- papilloso-pilosi, 
glandulis albidis stipitatis sessilibusve conspersi, in parte superiore amoene 
purpureo-violacei, basin versus pallide rubelli vel subflavescentes, antice 
circiter ad medium fissi, labiis superioribus tubo triplo brevioribus, 
dentibus tribus late lanceolatis apicem versus in mucronem ab- 
rupte repandis; labiis inferioribus bidentatis dentibus triangu- 
lari-acutis ; superioribus eximie longioribus. Calices fructiferi ampliati. 
CoroUae rubrae, tubum calicis demum subduplo superantes, in- 
curvae, pilosae, bilabiatae. Nuculi tenuiter granulato-punctati, atro- 
fusci, subtrigono-ovoidei. 

Dimensiones: Planta tota 250— 300 mm alta. — Folia inferiora 16 ad 
20 mm longa, 12— 20 mm lata; petioli 11— 17 mm longi. Folia superiora 14 
ad 27 mm longa, 11— 18 mm lata; petioli 3— 7 mm longi. Bracteae 7—10 7tim 
longae. Calices 5 — 9 mm longi, 2 — 3 lati. CoroUae 12 — 15 mm longae. 

Zendjanab in montium glareosis. l./VIII. 1884. 



Beitra<!f zur Flora von Persien. 



227 



Dnrch die befläumten grünen Blätter, welche nicht wollig-runzelig' be- 
haart sind, die dicht kopfförmig zusammengestellten vielblüthigen Cjmen, die 
breiten, plötzlich in eine Stachelspitze zugeschweiften oberen Kelchzähne, 
die purpurviolett überlaufenen Kelchröhren, die aus dem Kelchschlunde vor- 
ragenden Corollen und die fein punktirten, schwärzlichbraunen Nüsschen sehr 
ausgezeichnet. Von der zunächst stehenden Nepeta Schirasiana Boissier, 
Diagn., Ser. I, VII, p. 52 (1846) durch die Behaarung der Blätter, welche bei 
Nepeta Schirasiana wollig-runzelig behaart sind, die violett überlaufenen 
Kelchröhren, die Form der Kelchzähne, die fein granulirten Nüsschen sofort zu 
unterscheiden. Von Nepeta Isfahanica Boiss., Diagn., Ser. I, V, p. 23 
(1844), mit der sie das Indument und die fein punktirte Sculptur der Nüsschen 
gemeinsam hat, durch die aus dem Kelchschlunde, ähnlich wie bei Nepeta 
Schirasiana vorragenden Corollen, die Kelche etc. ebenfalls leicht zu unter- 
scheiden. Nepeta petraea Benth. in De Candolle's Prod., XII, p. 394 
(1848) unterscheidet sich vor Allem durch wenigblüthige Cjmen, kleine, kurze 
Kelchröhren, welche grün gefärbt sind, und gleichmässige, aus dreieckiger 
Basis spitze Kelchzähne, ferner durch die an der Unterseite wollig-runzelig 
behaarten Blätter und viel feinere Stengel und Zweige; ferner durch die glatten 
Nüsschen weit verschieden. Nepeta hymenodonta Boiss., Fl. Orient., IV, 
p. 665 (1879) unterscheidet sich leicht durch die in eine Scheinähre zusammen- 
gestellten Cymen, dornig zugespitzte Bracteen, die Kelche, Corollen etc. Alle 
anderen Arten aus dieser Kotte unterscheiden sich, abgesehen von anderen 
wichtigen morphologischen Merkmalen, schon durch glatte Nüsschen von Ne- 
peta Wettsteinii. 

36. Lallemantia peltata L., Spec. plant,, ed. I, p. 596 (1753) sub Draco- 
cephalo. — Fischer et Meyer, Ind. sem. hört. Petrop., VI, p. 53 (1839). — 
Bentham in De Candolle's Prod., XII, p. 404 (1848). — Boissier et Buhse, 
Aufzähl., S. 176 (1860). — Bunge, Labiatae Persicae, p. 60 (1873). — Boissier, 
Fl. Orient., IV, p. 674 (1879). — Syn.: Dracocephalum ocymifolium Miller, 
Dict., VII, Nr. 4 (1759). — Zornia peltata Mönch, Method., S. 411 (1794). 

Zendjanab in arvis. 

37. Lallemantia Iberica Steven in M. a B., Fl. Tauro-Caucasica, 
II, p. 64 (1808); III, p. 409 (1819) sub Dracocephalo. — Fischer et Meyer, 
Ind. sem. hört. Petrop., VI, p. 53 (1839). — Bentham in De Candolle's 
Prod., XII, p. 404 (1848). — C. Koch in Linnaea, XVII, p. 296 (1843). — 
Boissier et Buhse, Aufz., p. 176 (1860). — Bunge, Labiatae Persicae, p. 60 
(1873). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 674 (1879). — Dracocephalum Iberi- 
cum (Steven) M. a B., C. A. Meyer, Verz., S. 87, Nr. 739 (1831). — Hohen- 
acker, Enum. Talüsch, p. 65 (1838). 

In glareosis ad Isperehan. Khoi in lapidosis. Achca medjidjeh in arvis. 
Zendjireh in argillosis. Var in argillosis. 

38. Scutellaria orientalis L., Spec. plant., ed. I, p. 598 (1753). 

Var. pinnatifida Reichenb., Ic. pl. crit., I, p. 10, Tab. 8, Fig. 1 
(1823). — Hohenacker, Enum. Talüsch, p. 66 (1838). — Boissier et 

29* 



228 



Heinrich Braun. 



Buhse, Aufzähl., S. 177 (1860). — Bunge, Labiatae Persicae, p. 64 

(1873). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 682 (1879). 

Zendjireh in collium graminosis. Ad pedem montis Karnaru in siccis. 
Ad pedem montis Selosa in lapidosis. Urumiah in collium apricis. (Planta 
foliorum laciniis tenuibus, laxe et longiuscule püosa.) 

39. Scutellaria alhida L., Mantissa, p. 248 (1771). — Bentham in 
De Candolle's Prod., XII, p. 420 (1848). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 687 
(1879). 

Gisgapan in glareosis. 

40. Scutellaria galericulata L., Spec. plant., I, p. 599 (1753). — 
Georgi, Beschreibung des russischen Reiches, III, 5, p. 1096 (1800). — Bois- 
sier, Fl. Orient., IV, p. 690 (1879). — Cassida galericulata Mönch, Method., 
p. 413 (1794). 

Baend in nemore ad rivum. 

41. Brunella vulgaris L., Spec. plant., ed. I, p. 600 (1753). — Pru- 
nella vulgaris M. a B., Fl. Tauro-Caucasica, II, p. 66 (1808). — Ledebour, 
Fl. Rossic, III, 1, p. 393 (1847—1849). — C. A. Meyer, Verz., S. 87, Nr. 733 
(1831). — Bunge, Labiatae Persicae, p. 65 (1873). — Boissier, Fl. Orient., 
p. 691 (1869). 

Dize-siamek ad rivi ripas. 

42. Marruhium Ästracanicum Jacq., Ic. rar., I, p. 11, Tab. 109 
(1781—1786). — Bentham in De Candolle's Prod., XII, p. 449 (1848). — 
Reichenb., Ic. crit., III, p. 61, Tab. 270, Fig. 433. — C.A.Meyer, Verz., 
S. 95, Nr. 817 (1831). — Boissier et Buhse, Aufzähl., S. 178 (1860). — 
Bunge, Labiatae Persicae, p. 67 (1873). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 695 
(1879). 

Scher in lapidosis. Isperehan in versuris. 

43. Marruhium propinguum Fischer et Meyer, Index I. hört. Petrop., 
p. 33 (1835). — Bentham, Labiatae, p. 743 (1836). — Bentham in De Can- 
dolle's Prod., XII, p. 450 (1848). — Bunge, Labiatae Persicae, p. 67 (1873). 
— Boissier, Fl. Orient., IV, p./701 (1879). 

Zendjanab in lapidosis. 

44. Marruhium hiillotae forme H. Braun u. sp. Perennis; caules 
erecti, superne ramosi; ramis alternis vel oppositis, dense stellato-canescente- 
pubescentibus vel tomentosis. JRami laterales satis breves. Folia inferiora 
breviter petiolata, petiolis lamina dimidio brevioribus, ambitu ovato-elliptica, 
profunde inaequaliter acute s er rata, stellato-puberula vel tomentosa, 
supra viridia, subtus aequaliter albido -tomentosa; nervis secun- 
dariis paginae inferioris foliorum pl er um que ad basin costae Orientes, 
in dentes serraturae abeuntes. Folia ad basin breviter attenuata, 
dentibus serraturae saepe mucronulatis, breviter petiolata; folia supe- 
riora inferioribus breviora ovoideo-elliptica. Flor es in fasciculis remo- 
tis in axillis foliorum superiorum dispositi, fasciculis densis, 
multifloris. Pedicelli breves, dense puberuli, virides vel canescente- 



Beitrag zur Flora von Persien. 



229 



virides. Calices elevato-8 — 10-nervati, tuhulosi, sulcati, nervis patenter 
pilosis, glanduUs albidis dense adspersis; ceterum adpresse püosi, glanduUs 
tenuihus lucidis dense obsiti. Dentes calicis quingue, lineari-subu- 
lati, in mucronem terminantes, subpungentes, tandem stellatim 
patentes, tubo subbreviores vel eum aequantes. Bracteae lineari- 
subulatae, i7i mucronem terminantes, dense patenter pilosae, glandidis albidis 
stipitatis obtectae, calicem aequantes. Corollae carneae extus dense pilosae, 
tubum purum excedente s, labio superiore lobulis tribus brevibus obtusius- 
culis, labio inferiore bilobulato, lobulis anguste elliptico-lanceolatis. 

Dimensiones: Planta tota 900 — 1000 mm alta. — Petioli foliorum infe- 
riorum 9— 15 mm longi; folia inferiora 20 — 27 mm longa, 14— 18 mm lata. 
Petioli foliorum superiorum 5 — 7 mm longi; folia superiora 30 — 60 mm longa, 
25 — 50 mm lata. Folia suprema 24 — 36 mm longa, 15 — 24 mm lata. Tubus cali- 
cis 5 mm longus. Dentes calicis 4 — 4'8 mm longi. Bracteae 7 — 9 mm longae. 
Verticilli florigeri 20 mm diam. 

In fancibus int er Hasanabad et Gisgapan. 

Durch die grossen, auf der Oberseite grüulichgrauen, auf der Unterseite 
aber weisslich mit gleicbmässigem Sternfilze überzogenen, am Rande grob und 
spitz gesägten Blätter sehr ausgezeichnet. Blüthenquirle am Stengel von einander 
entfernt in den Achseln der oberen Blattstiele, Blüthenquirle dicht, Kelchzähne 
fast so lang wie die Kelchröhre, sternförmig ausgebreitet, lineal-pfriemlich, 
stachelspitzig. Zunächst wohl dem Marrubium procerum Bunge, Labiatae 
Persicae, p. 66 (1873) verwandt, dieses unterscheidet sich aber durch spitze, 
oblonge, blüthenständige Blätter, dicke Kelchzähne, welche stechen (dentibus 
pungentibusj, ferner längere Bracteen, so dass die Blüthenquirle von ihnen über- 
ragt werden und schopfig aussehen, sowie gekrümmte Kelchröhren. Marru- 
bium Persicum C. A. Meyer, Verz., S. 95 (1831) ist einjährig, hat wollig- 
runzelige Blätter, welche am Ptande gekerbt sind, Blüthen mit sehr kleinen 
Deckblättern versehen, überdies sind die Kelchzähne halb so lang wie der Kelch. 
Marrtibium leonuroides Desr. in Lani., Dict., III, p. 715 (1794) hat beiderseits 
grüne Blätter, kahle Deckblätter, kahle, kurze Kelchzähne, welche nur halb so 
lang wie die Kelche sind, überdiess ist die Serratur des Blattrandes rund, fast 
gekerbt, die Blattstiele sind lang, so laug oder länger wie die Blattspreite. 
Von Marrubium plumosum C. A. Meyer, Verz., S. 96, Nr. 819 (1831), welches 
Boissier in der Fl. Orient., IV, p. 701 (1879) als Varietät zu Marrubium leo- 
nuroides Desr. stellt, unterscheidet sich Marrubium bullotaeforme durch nicht 
nierenförmig geformte, langgestielte untere Blätter, welche spitz gesägt sind, 
nicht wie bei Marrubium plutnosum C. A. Meyer fast gekerbt gesägt, ferner 
grössere, vielblüthige Blüthenquirle, anders geformte Kelchzähne und Bracteen. 

45. Marrubium parviflorum Fisch, et Meyer, Ind. bort. Petvop., I, 
p. 33 (1835). — Bentham, Labiatae, p. 743 (1836). — Boissier et Buhse, 
Aufzälil., S. 178 (1860). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 704 (1879). - Syn.: 
Marrubium peregrinum C. A. Meyer, Verz., S. 96, Nr. 821 (1831). — Marrubium 
radiatum Delil. in Bentham, Labiatae, p. 591 (1832—1836). — Bentham 



230 



Heinrich Braun. 



in De Candolle's Prod., XII, p. 452 (1848). — Bunge, Labiatae Persicae, 
p. 68 (1873). 

Carik in lapidosis. Isperehan in graminosis. 

Var. ß. oligodon Boiss., Fl. Orient., IV, p. 705 (1879). — Mar- 
ruhium album Boiss. et Balansa, Diagn., 2. Serie, IV, p. 52 (1859). — 
Marrubium candidissimum C. Koch, Linnaea, XXI, p. 696 (1848) non L. 
Carik in montosis aridis. 

46. Sideritis purpurea Talbot in Bentham, Labiatae, p. 742 
(1831—1836). — Icon.: Reichenb., Icon., XVIII, Tab. 25, Fig. 1226 (1858). — 
Boissier, Fl. Orient., IV, p. 706 (1879). 

In monte Karnaru in lapidosis. Var in saxosis. ürumiah in arvis. Carik 
in lapidosis. 

47. Sideritis montana L., Spec. plant., ed. I, p. 575 (1753). — D'Ur- 
ville, Enum., p. 66 (1822). — C. A. Meyer, Verz., S. 90, Nr. 771 (1831). - 
Hohenacker, Enum. Talüsch, p. 67 (1838). — Boissier et Buhse, Anfzähl., 
S. 178 (1860). — Bunge, Labiatae Persicae, p. 66 (1873). — Boissier, Fl. 
Orient., IV, p. 706 (1879). — Syn.: Sideritis Jiirsuta Kichwald, Caspisch-kaukas. 
Pflanzen, S. 24 (1831—1833). — Hesiodia hicolor Mönch, Meth., p. 392 (1794). 

— Hesiodia montana Du Mortier, Florula belgica, p. 44 (1827). 

In monte Karnaru in lapidosis. Zendjanab in apricis. 

48. Stachys lanata Jacq., Icon. pl. rar., II, p. 11, Tab. 107 (1781—1786). 

— M. a. B., Fl. Tauro-Caucasica, II, p. 50 (1808). — D'ürville, Enum., p. 67 
(1822). — C.A.Meyer, Verz., S. 94, Nr. 806 (1831). — Eichwald, Caspisch- 
kaukas. Pflanzen, S. 5 (1831—1833). — Hohenacker, Enum. Talüsch, p. 70 
(1838). — Boissier et Buhse, Aufzähl., S. 178 (1860). — Bunge, Labiatae 
Persicae, p. 68 (1873). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 718 (1879). 

Alibulak in silvis caeduis. Hasanbeili in silvis caeduis. 

49. Stachys spectabilis Choisy in De Candolle's Rapport sur le 
nov. plant, du jard. de Geneve, I, p. 27 (1823). — Boissier, Fl. Orient., IV, 
p. 723 (1879). — Bunge, Labiatae Persicae, p. 69 (1873). 

Gisgapan in glareosis. 

50. Stachys silvatica L., Spec. plant., ed. I, p. 580 (1753). — C. A. 
Meyer, Verz., S. 94, Nr. 805 (1831). — Eichwald, Caspisch-kaukas. Pflanzen, 
S. 24 (1831—1833). — Bunge, Labiatae Persicae, p. 69 (1873). — Boissier, 
Fl. Orient., IV, p. 727 (1879). 

Alibulak in silvis montanis. 

51. Stachys palustris L., Spec. plant., ed. I, p. 508 (1753). — Falk, 
Beitrag zur Kenntniss des russischen Reiches, II, S. 206 (1786). — C. A. Meyer, 
Verz., S. 94, Nr. 805 (1831). — Eichwald, Caspisch-kaukas. Pflanzen, S. 4 
(1831—1833). — Ledebour, Fl. Rossica, III, 1, p. 414 (1849). — Boissier, 
Fl. Orient., IV, p. 726 (1879). 

Carik in aquosis. 



Beitrag zur Flora vou Persien. 



231 



Var. cT. viridifolia Ledeb., Fl. Rossica, III, 1, p. 414 (1849), 
folia glabra vel suhijlabra viridia. 
Scher in scaturigiiiosis. 

52. Stachys siibcr enata Visiaui iu Flora, 1. Ergänzuiigsblatt (1829), 
S. 15, Nr. 22 (1831). — Vis., Fl. Dalmat., I, Tab. XVI (1812). — Vis., Fl. 
Dalmat., II, p. 208 (1847). — Beutham, Labiatae, p. 566 (1832—1836). — 
Stachys sideritoides C. Koch in Linnaea, XXI, p. 692 (1848). — Boissier, Fl, 
Orient., IV, p. 730 (1879) sub varietate Stachydis rectae L. 

Alibulak in silvis caeduis. Hasanbeili iu silvis caeduis. 

Die Pflanze aus der Gruppe der Stachys recta L., welche Knapp in 
Persieu gesammelt hat, ist entschieden dem Formeukreise der Stachys sub- 
crenata Vis. zuzuzählen. Die Form der Deckblätter und die übrigen morpho- 
logischen Merkmale lassen über letztere Thatsache keinen Zweifel aufkommen. 
Die zahlreichen „Üebergänge", welche Boissier (Fl. Orient., IV, p. 730) zwi- 
schen Stachys recta L. und Stachys subcrenata Vis. beobachtet haben will, 
habe ich trotz sehr grossen mir vorliegenden Materiales nicht beobachtet, ich 
muss daher die Beobachtung Boissier 's vorläufig in Zweifel ziehen. 

53. Stachys fruticulosa M. a. B., Casp. append., p. 177, Nr. 47 (1798). 
— Fl. Tauro-Caucasica, II, p. 51 (1808). — Bentham in De Candolle's 
Prod., XII, p. 486 (1848). — C. A. Meyer, Verz., p. 93, Nr. 800 (1831). - Eich- 
wald, Caspisch-kaukas. Pflanzen, S. 28 (1831—1833). — Ledebour, Fl. Ross., 
III, 1, p. 419 (1849). — Boissier et Buhse, Aufzähl., p. 178 (1860). — Bunge, 
Labiatae Persicae, p. 70 (1873). 

ß. macrocheilos Boiss., Fl. Orient., IV, p. 737 (1879). — Stachys 
macrocheilos Boiss., Diagu., V, p. 30 (1844). — Bunge, Labiatae Per- 
sicae, p. 70 (1873). 
Khoi in lapidosis. 

54. Stachys inflata Bentham, Labiatae, p. 562 (1832—1836). — Bent- 
ham in De Candolle's Prod., XII, p. 491 (1848). — Boissier et Buhse, 
Aufzähl., S. 179 (1860). — Bunge, Labiatae Persicae, p. 72 (1873). — Bois- 
sier, Fl. Orient., IV, p. 740 (1879). — Exsicc: Kotschy, Nr. 359. 

Zamesli in collibus aridis. 

55. Stachys lavandulae folia Vahl, Symb., I, p. 42 (1790). — 
Beutham in De Candolle's Prod., XII, p. 489 (1848). — Boissier et Buhse, 
Aufzähl., p. 178 (1860). — Bunge, Labiatae Persicae, p. 72 (1873). — Boissier, 
Fl. Orient., IV, p. 743 (1879). — Syn.: Stachys parva, floribus purpureis Bnxh., 
PI. Cent., V, p. 32, Tab. LXI, Fig. 1 (1740). — Zietenia orientalis Gleditsch 
in Act. berol., 1766, p. 3. — Pers., Synop., II, p. 125 (1807). — C. A. Meyer, 
Verz., p. 94, Nr. 809 (1831). — Sideritis cahjcantha M. a. B., Fl. Tauro-Cau- 
casica, III, p. 393 (1819). — Reichenb., Icou., I, p. 17, Tab. 15 (1823). — 
Eichwald, Caspisch-kaukas. Pflanzen, S. 28 (1831 -1833). 

Var in saxosis. 



232 



Heinrich Braun. 



56. Stacliys puhescens Teiiore, Fl. Nap. Prod., p. 34 (1811—1815); 
Fl. Neap., V, 2, p. 14, Tab. 289 (1835-1836). — Boissier et Buhse, Aufzäbl., 
S. 178 (1860). — Bunge, Labiatae Persicae, p. 70 (1873). — Boissier, Fl. 
Orient., IV, p. 745 (1879). 

Khosroes in arvis. Urumiah ad rivum Scber. Cai in ripis. 

57. Betonica orientalis L., Spec. plant., ed. I, p. 573 (1753). — 
C. Koch in Linnaea, XVII, p. 300 (1843). — Bentham in De Candolle's 
Prod., XII, p. 461 (1848). - Boissier, Fl. Orient., IV, p. 750 (1879). — Syn.: 
Stachys longifolia Bentham, Labiatae, p. 533 (1831—1836). 

Inter Alibulak et Dahli. 

58. Leonurus Cardiaca L., Spec. plant., ed. 1, p. 584 (1753). — 
Bentham in De Candolle's Prod., XII, p. 500 (1848). — C. A. Meyer, 
Verz., S. 94 (1831). — C. Koch in Linnaea, XVII, p. 297 (1843). — Hohen- 
acker, Enum. Talüsch, p. 70 (1838). — Bunge, Labiatae Persicae, p. 72 (1873). 

Var. ß. villosus Benth., Labiatae, p. 518 (1831—1836). — Leo- 
nurus villosus Desf., Cat. h. hört. Paris, p. 75 (1829). — Boissier, Fl. 
Orient., IV, p. 753 (1879). 
Dize-siamek in agrorum versuris. 

59. Lamium amplexicaule L., Spec. plant., ed. I, p. 579 (1753). — 
C. A. Meyer, Verz., S. 92, Nr. 787 (1831). ~ Reichenb., Icon. crit., Tab. 224, 
Fig. 373 (1825). — Boissier et Buhse, Aufzähl., S. 179 (1860). — Bunge, 
Labiatae Persicae, p. 73 (1873). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 760 (1879). — 
Galeohdolon amplexicaule Mönch, Method., p. 394 (1794). ~ Pollichia amplexi- 
caulis Roth, Fl. Germ., I, p. 254 (1788). 

Täbris in arvis. 

60. Lamium maculatum L., Spec. plant., ed. II, p. 809 (1762). — 
Ledebour, Fl. Rossic, III, 1, p. 430 (1849).— Bentham in De Candolle's 
Prod., XII, p.510 (1848). — Boissier et Buhse, Aufzähl., S. 179 (1860). — Bunge, 
Labiatae Persicae, p. 73 (1873). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 763 (1879). 

Isperehan, in monte Saehend in lapidosis. In raontis Karnaru fissuris. 

61. Lamium alhum L., Spec. plant., ed. I, p. 579 (1753). — Falk, 
Beiträge zur Kenntniss des russischen Reiches, II, S. 206 (1786). — M. a. B., 
Fl. Tauro-Caucasica, II, p. 47 (1808). — CA. Meyer, Verz., S. 92, Nr. 784 
(1831). — Boissier et Buhse, Aufzähl., S. 179 (1860). — Bunge, Labiatae 
Persicae, p. 73 (1831—1836). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 763 (1879). 

Hasanbeili in silvis caeduis; in monte Selosa in umbrosis. Isperehan in 
monte Saehend. 

62. Ballota nigra L., Spec. plant., ed. I, p. 582 (1753). — Falk, Bei- 
träge zur Kenntniss des russischen Reiches, II, S. 207 (1786). — D'Urville, 
Enum., p. 67 (1822). — Bentham in De Candolle's Prod., XII, p. 520 (1848). 
— Boissier et Buhse, Aufzähl., S. 180 (1860). — Bunge, Labiatae Persicae, 
p. 75 (1873). — Syn.: Marrubium nigrum Crantz, Stirp. Austr., ed. II, p. 272 
(1769). — Ballota vulgaris Link in Spreng., System veg., II, p. 738 (1825). 

Carik in lapidosis. 



Ueitrag zur Flora von Porsien. 



233 



63. Phlomis Ärmeniaca Willd., Spec. plaut, III, p. 119 (1800). — C. A. 
Meyer, Verz., S. 96, Nr. 825 (1831). — Bentliam in De Candolle's Prod., 
XII, p. 538 (1848). — Boissier et Buhse, Aufzähl., p. 180 (1860). — Bunge, 
Labiatae Persicae, p. 75 (1873). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 783 (1879). — 
Regel, Cousp., p. 575 et 578 (1886). — Herbar Willdenow, Nr. 10.936! — 
Syu.: Fhlomis lanceolata Boiss. et Hohenacker, Diagn., Ser. I, V, p. 36 (1844). 

Carik in moutosis aridis. Scher in lapidosis. 

64. Phlomis pungens Willd., Spec. plant., III, p. 121 (1800). — M. a B., 
Fl. Tauro-Caucasica, II, p. 55 (1808); III, p. 401 (1819). — D'ürville, Enum., 
p. 70 (1822). — C. A. Meyer, Verz., S. 96, Nr. 824 (1831). — Ic: Sibth. et Sm., 
Fl. Graeca, Tab. 564 (1827). — Bunge, Labiatae Persicae, p. 77 (1873). — 
Syn.: Phlomis Hormini (folio angustiore, subtus incano, flore minore, pur- 
purascente) Amman (Stirpium rariorum in Imperio ruthenico sponte provenientium 
icoues et descriptiones collectae ab Joanne Ammano), p. 41, Nr. 50 (1739). 

— Phlomis Herba Venti L. ß. tomentosa Boiss., Fl. Orient., IV, p. 791 (1879). 

Zamesli in apricis montosis. ürumiah secus riv. Scher, Cai in via folvi 
rejectamentis. 

65. Phlomis- tuberosa L., Spec. plant., ed. I, p. 586 (1753). — Falk, 
Beitrag zur Kenntniss des russischen Reiches, II, S. 208 (1786). — M. a B., 
Fl. Tauro-Caucasica, II, p. 57 (1808). - C. A. Meyer, Verz., S. 96, Nr. 823 (1831). 

— Bentham in De Candolle's Prod., XII, p. 544 (1848). — Boissier et 
Buhse, Aufzähl., S. 181 (1860). — Bunge, Labiatae Persicae, p. 77 (1873). — 
Boissier, Fl. Orient., IV, p. 792 (1879). — Regel, Consp., p. 577—578 (1886). 

— Icon.: Botan. Magaz., Tab. 1555 (1813). — Reichenb., Icon., XVIII, Tab. 20 
(Fig. 1221), (1858). — Syn.: Orloivia rossica Güldenstädt et Georgi, Iter., I, 
p. 222 (1787). — Phlomoides tuberosa Mönch, Meth., p. 404 (1794). — Phlomi- 
dopsis tuberosa Link, Handb., S. 479 (1829). 

Scher in montium graminosis. 

66. Eremostachys laeiniata L., Spec. plant., ed. I, p. 585 (1873) 
sub Phlomide. — Bunge in Ledebour, Fl. Alt., II, p. 416 (1830). — CA. 
Meyer, Verz., S. 96, Nr. 826 (1831). — Bentham in De Candolle's Prod., 
XII, p. 547 (1848). — Boissier et Buhse, Aufzähl., S. 181 (1860). — Bunge, 
Labiatae Persicae, p. 78 (1873). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 793 (1879). — 
Regel, Monogr. d. Gen. Ei-emostachys, S. 552 (1886). — Molucella lanigera 
Poiret, Encycl. meth., Suppl. III, p. 722 (1813). — Phlomis laeiniata L., M. a B., 
Fl. Tauro-Caucasica, II, p. 55 (1808). — Icon.: Bot. Reg., XXII, Tab. 52 (1845). 

Marandjuk in collinis. 

67. Äjuga Chamaepytis L., Spec. plant., ed. I, p. 562 (1753) sub 
Teucrio. — Sch reber, Plantae verticillatae unilabiatae, p. 24 (1773). — 
CA. Meyer, Verz., S. 90, Nr. 765 (1831). — Bentham in De Candolle's 
Prod., XII, p. 601 (1848). — Boissier et Buhse, Aufzähl., S. 182 (1860). 

— Bunge, Labiatae Persicae, p. 84 (1873). — Boissier, Fl. Orient., IV, 
p. 802 (1879). — Teucrium Chamaepytis L., Falk, Beitrag zur Kenntniss 

Z. B. Ges. B. XXXIX. Abb. 30 



234 



Heinricli Braun. 



des russischen Eeiches, II, S. 204 (1786). — Bugula Chamaepytis Scop., Fl. 
Carniol., p. 417, Nr. 718 (1772). — Chamaepytis vulgaris Link, Handb., S. 453 
(1829). — Chamaepytis trifida Du Mortier, Plorula belgica, p. 42 (1827). 
Marand in arvis. 

68. Teucrium Orientale L., Spec. plant., ed. I, p. 562 (1753). — 
Schreber, Plantae verticillatae unilabiatae, p. 30 (1772). — M. a B., Fl. Tauro- 
Caucasica, II, p. 35 (1808). — Eichwald, Caspisch-kaukas. Pflanzen, S. 30 
(1831—1833). — C. A. Meyer, Verz., S. 90, Nr. 770 (1831). — Bentham 
in De Caudolle's Prod., XII, p. 577 (1848). — Boissier et Buhse, Aufzähl., 
S. 181 (1860). — Bunge, Labiatae Persicae, p. 83 (1873). — Boissier, Fl. 
Orient., IV, p. 808 (1879). 

Khosroes in glareosis. 

69. Teucrium Orientale L. xm. ß. villosum Bentham in De Can- 
d olle 's Prod., XII, p. 577 (1848). — Teucrium Orientale var. ß. altior pilosa 
Schreber, Plantae verticillatae unilabiatae, p. 21 (1772). 

Khosroes in glareosis. 

70. Teucrium scordioides Schreber, Plantae verticillatae unilabiatae 
p. 37 (1772). - C. Koch in Linnaea, XVII, p. 301 (1843). — Ledebour, 
Fl. Rossica, III, 1, p. 444 (1849). — Bunge, Labiatae Persicae, p. 83 (1873). 
— Boissier, Fl. Orient., IV, p. 813 (1879). — Teucrium lanuginosum Holfm. 
et Link, Fl. Portug., p. 80, Tab. 1 (1809). 

Samkaleh in rivi ripis. 

71. Teucrium Chamaedrys L,, Spec. plant., ed. I, p. 565 (1753). — 
Schreber, Plantae verticillatae unilabiatae, p. 32 (1772). — C. A. Meyer, Verz., 
S. 90, Nr. 766 (1831). — Bentham in De Candolle's Prod., XII, p. 587 
(1848). — Boissier et Buhse, Aufzähl., S. 182 (1860). — Bunge, Labiatae 
Persicae, p. 83 (1873). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 816 (1879). — Chamae- 
drys officinalis Mönch, Meth., p. 383 (1794). — Teucrium Nuchense C. Koch, 
Linnaea, XXI, p. 704 (1848). 

Hasanbeili in dumetis. 

72. Teucrium Polium L., Spec. plant., ed. I, p. 566 (1753). — M. a B., 
Fl. Tauro-Caucasica, II, p. 37 (1808). — D'Urville, Enum., p. 64 (1822). — 
Eichwald, Caspisch-kaukas. Pflanzen, S. 3, 4, 24 (1831-1833). — Hohen- 
acker, Enum. Talüsch, p. 67 (1838). — Bentham in De Candolle's Prod., 
XII, p. 591 (1848). — Boissier et Buhse, Aufzähl., S. 182 (1860). — Bunge, 
Labiatae Persicae, p. 84 (1873). — Boissier, Fl. Orient., IV, p. 821 (1879). 

Carik in lapidosis. Urumiah in elatiorum aridis. 

Var. y. angustifolia Boiss., Fl. Orient., IV, p. 821 (1879). — 
Teucrium capitatum L., Spec. plant., ed. I, p. 566 (1753). — D'Ur- 
ville, Enum., p. 64 (1822). 

Zamesli in lapidosis. 



Beitrag zur Flora vou Peraieu. 



235 



Verzeichn iss 
der in vorstehender Arbeit am häufigsten citirten Literatur. 

Bentham, Labiatae (1832—1836). 

— Labiatae in De Candolle's Prodi-., Pars XII (1848). 
Boissier, Diagnoses, Ser. I, Fase. V (1844); Fase. VII (1846). 

— „ Ser. II, Fase. IV (1859). 

— Flora Orientalis, Pars IV (1879). 

— et Buhse, Aufzählung der auf einer Reise durch Transkaukasieu und 
Persien gesammelten Pflanzen (1860). 

Bunge A., Labiatae Persicae in Memoires de l'Academie imperiale des sciences 
de St.-Petersbourg, Sdrie VII, Tom. XXI, Nr. 1 (1873). 

De Candolle Aug. Pjr., Rapport sur les nouvelles plantes du jardin de Ge- 
neve, I (1823). 

Eiehwald Dr. Ed., Plantarum novarum vel minus cognitarura quas in itinere 

Caspieo-eaueasico observavit ete. (1831 — 1838). 
Falk Joh. Peter, Beiträge zur Kenntniss des russischen Reiches (1786). 
Fischer et Meyer, Index I. seminum quae hört. bot. imp. Petrop. ete. (1835). 

— — Index sextus seminum quae hört. bot. imp. Petrop. etc. (1839). 

— — „ oetavus „ (1841). 
Georgi, Beschreibung des russischen Reiches, Bd. III (1800). 
Güldenstädt, Dr. Johann Anton, Reisen durch Russland und im kaukasischen 

Gebirge, herausgegeben von Pallas, I. Theil (1787). 
Hohenacker R. Fr., Enumeratio plantarum quas in itinere per prov. Talüsch 
eoUegit. ete. (1838). 

Koch Carl Dr., Catalogus plantarum quas in itinere per Caueasum georgiam 
Armeniamque annis 1834 et 1837 leg. in Linnaea, XVII (1843). 

— Beitrag zu einer Flora des Orientes in Linnaea, XXI (1848). 
Ledebour, Flora Rossica, P. III, Ser. I (1847-1849). 

Marsehall a Bieberstein Fried. Aug., Flora Tauro-Caueasica, P. II (1808); 
P. III (1819). 

— Beschreibung der Länder zwischen den Flüssen Terek und Kur am 
caspischen Meere. Mit einem botanischen Anhange (1800). 

Meyer C. A., Verzeichniss der Pflanzen, welche während einer Reise im Kau- 
kasus und in den westlichen Provinzen des caspischen Meeres eingesam- 
melt wurden etc. (1831). 

— et A vö-Lallement, Supplementum ad indicem undeeimum seminum 
quae hortus botanicus imper. Petropolit. ete. (1846). 

Regel Dr. E., Descriptiones plantarum novarum et minus cognitarum in Acta 
horti Petropolitani, VI (1880). 

30* 



236 



Heinrich Braun. 



Eegel Dr. E., Descriptiones etc., Fase. X in Acta horti Petropolitani, IX (1886): 
Conspectus specierum generis „Eremostachys" et „PhloiJiis" imperium 
rossicum incolentium. 

Stapf Dr. Otto, Die botanischen Ergebnisse der Po lak 'sehen Expedition nach 
Persien im Jahre 1882, besonders abgedruckt aus dem L. Bande der 
Denkschriften der mathem.-naturw. Classe der kais. Akad. der Wissensch, 
zu Wien (1885). 

Traut Vetter E. R., Observationes etc. in Acta horti Petropolit., I (1871). 
— Incrementa florae phanerog. Rossicae, Fase. III in Acta horti Petropolit., 
IX, Fase. 1 (1884). 



Index. 





Seite 




Seite 


Acinos graveolens Link . . . 


222 


Dracocephalum Ibericum Stev. . 


227 


— thymoides Mönch . . . 


221 


— ocymifolium Miller . . 


227 


— vulgaris Persoon . . . 


221 




227 


Ajuga Chamaepytis (L.) . . 


233 


Eremostachys laciniata (L.) 


233 


— Chamaepytis Schreber. . 


233 


— laciniata Bunge .... 


233 




232 


Galeohdolon amplexicaule Mönch 


232 


— vulgaris Link 


232 


Hesiodia bicolor Mönch . . . 


230 


Betonica orientalis L. . . 


232 


— montana Du Mort. . . . 


230 


Brunella vulgaris L. . . . 


228 


Horminum silvestre Bauhin . . 


224 


Bugula Chamaepytis Scop. . . 


234 


Hormini silvestris quinti spec. 




Calamintha Acinos Clairville . 


221 




224 




221 


Lallemantia Iberica Fisch, et M. 


227 


— Clinopodium Benth. . . 


222 


— Iberica (Steven) . . . 


227 


— graveolens Benth. . . . 


222 


— peltata Fischer et Meyer . 


227 


— graveolens (M. a B.) 


222 




227 


— intermedia (BsLumg.) 220,221 




232 




221 


— amplexicaule L. . . . 


232 


— officinalis Ledeb. . . . 


221 




232 


— silvatica Bromf. . . 220, 221 


Leonurus Cardiaca ß.villo- 






221 




232 


— umhrosa (M. a B.) . . 


221 




232 


— umbrosa Schur . . . . 


220 




232 


Cassida galericulata Mönch . . 


228 


Lycopus europaeus L. . . 


219 


Chamaedrys officinalis Mönch . 


234 


Marrubium album Boiss. . . 


230 


Chamaepytis trifida Du Mort. . 


234 


— Astracanieum Jacq. . 


228 




234 


— ballotae forme H. Br. . 


228 


Clinopodium vulgare L. . . 


222 


— candidissimum C. Koch . 


230 



Beitrag zur Flora vou l'ersicn 



237 



Seite 

arrubium Jeonuroides Desr. 229 



— nigrum Crantz .... 232 

— parviflortim ß. oligo- 
don Boiss 230 

— parviflorum Fischer et 
Meyer 229 

— peregrinum C. A. Meyer . 229 

— persicum C. A. Meyer . . 229 

— plumosum C. A. Meyer . 229 

— procerum Bunge .... 229 

— propinquum Fischer et 
Meyer 228 

— radiatum Delile .... 229 
Melissa Acinos Benth. . . . 221 

— Clinopodiiim Benth. . . 222 

— graveölens Benth. . . . 222 

— intermedia Baumg. . . . 220 

— officinalis L 222 

— umbrosa M. a B 221 

Mentha albida (Reichenb.) . . 218 

— angustifolia Lejeune . . 214 

— calliantha Stapf . . . 218 

— canescens Sieber .... 215 

— Chalepensis Miller . . 214 

— Chalepensis Miller 216, 217, 218 

— concolor Stapf .... 218 

— eyprica H. Braun . . . 217 

— eyprica var. Galatae 

H. Braun 217 

— Galatae (H. Braun) . . 217 

— glomerulata Jan. . . . 216 

— Hamadanensis Stapf . . 218 

— Ilissa Heldr 216 

— incana Sole 214 

— incana WiWd 214 

— incana Willd 215 

— Kotschyana (Boiss.) . 218 

— Lejeuniana Opiz . . . 214 

— niliaca Vahl 215 

— seriata A. Kerner . . . '216 

— Sieberi C. Koch . . 215, 216 

— silvestris ß. candicans 

Boiss 214 



Seite 

Mentha silvestris ß. stenostachya 

Boiss 214, 216 

— silvestris var. albida Rchb. 218 

— silvestris var. f. glabrata 
Boiss 218 

— silvestris var. Kotschyana 
Boiss 218 

— spicata Huds. 214 

— stenostachya Boiss., p. p. 216, 218 

— tomentosa Aut 214 

— tomentosa D'ürville 214, 215 

— tomentosa Heldr. . . . 216 

— tomentosa Smith . . . 214 

— undulata Willd 218 

— viridis L 214 

— viridis L. var. b) Le- 
jeuniana Opiz . . . 214 

Menthastrum Chalepense Moris. 214 

Molucella lanigera Poir. . . . 233 

Nepeta hymenodonta Boiss. . 227 

— Isfahanica Boiss. . . . 227 

— Meyeri Benth 226 

— Meda Stapf 225 

— m enthoides Boiss. et 
Buhse 224 

— menthoides Boiss. et Buhse 

ß. virescens . . 224 

— micrantha Bunge . . 226 

— nudah 225, 226 

— pallida C. Koch .... 226 

— pannonica L 225 

— petraea Benth 227 

— pontica C. Koch .... 225 

— racemosa Lam. . . . 225 

— Reichenbachiana Fisch, et 
Meyer 225 

— Schirasiana Boiss. . . . 227 

— ucranica M. a B. ... 225 

— virescens (Regel) . . . 224 

— Wett Steina H.Braun 226, 227 
Origanum gracile C. Koch . . 219 

— heracleoticum ß. humile 
Walpers 219 



238 



Heinricli Braun. 



Seite 

Origanum hirtum Bunge . . . 219 

— parviflorum D'Urville . 219 

— virens C. A. Meyer . . . 219 

— vulgare ß. virens Boiss, . 219 
Orlotüia rossica Güldenstädt . . 233 
Pollichia amplexicaulis Roth . 232 
Phlomis armeniaca Willd. . 233 

— Herba Venti L. ß. tomen- 



tosa Boiss 233 

— Hormini Amman . . . 233 

— laciniata L 233 

— lanceolata Boiss. et Hohen- 
acker 233 

— pungens Willd. . . . 233 

— tuberosa L 233 

Phlomidopsis tuberosa Link . . 233 

Phlomoides tuberosa Mönch . . 233 

Prunella vulgaris M. a B, . . 228 

Salvia austriaca C. Koch . . 224 

— campestris Gülden- 
städt 224 

— campestris M. a B. . . . 224 

— candidissima M. a B. . . 223 

— glutinosa L 223 

— Hydrangea DG. . . . 223 

— limbata C. A. Meyer . . 223 

— nemorosa L 224 

— parvifoliaYohl 223 

— Pseudosilvestris Stapf . . 224 

— Shielii Boiss 223 

— Sibthorpii Sra 224 

— silvestris Aut 224 

— silvestris Jacq. .... 224 

— staminea Montbret et 
Aucher-Eloy 224 

~ Syriaca L 223 

— Szovitsiana Bunge . . 223 

— varia Vahl 223 

— verbascifolia M. a B. . 223 

— verticillata L. ... 224 
~ virgata Boiss 224 

Satureja hortensis L. . . 220 

— macrantha C. A. Meyer 220 



Seite 



Sclarea glutinosa Miller . . . 223 

Scutellaria albida L. . . . 228 

— galericulata L. . . . 228 

— orientalis L 227 

— orientalis var. pin- 
natifida Reichenb. . . 227 

Sideritis altissima Bauh. . . . 226 

— calycantha M. a B.. . . 231 

— hirsuta Eichwald . . . 230 

— montana L 230 

— purpurea Talbot . . . 230 
Stachys fruticulosa M. a B. 231 

— fruticulosa ß. macro- 
cheilos Boiss 281 

— inflata Benth 231 

— lanata Jacq 230 

— lavandulaefolia Vahl. 231 

— longifolia Benth. . . . 232 

— macrocheilos Boiss. . . . 231 

— palustris^. viridifolia 
Ledeb 231 

— palustris L 230 

— parva (etc.) Buxb. . . . 231 

— pubescens Tenore . . 232 

— recta L 231 

— sideritoides C. Koch . . 231 

— silvatica L 230 

— spectabilis Choisy . . 230 

— subcrenata Vis. . . . 231 
Teucrium capitatum L. . . 234 

— Chamaedrys L. . . . 234 

— Chamaepytis L 232 

— lanuginosum Hoffmgg. et 
Link 234 

— Nuehense C. Koch . . . 234 

— Orientale L 234 

— Orientale var. ß. villo- 
sum Benth 234 

— Orientale var. ß. altior pi- 
losa Schreber 234 

— Polium L 234 

— Polium var. angusti- 
folia Boiss 234 



/ 'crTiumll. d. k. k. zool. bot.6es. 

Bernd Jim, ms. 



Taf.Vl. 



R.Bi'aun : 

Bezti'(t(f zurlh)ra von Persieri . 




Fiß 1-3 Marrubiinii ballol apfonnc 11. Hr. 't (7 Xcpcla \\>t I sU-inii II. Bi aim. 



tfBRABV 
OF TUE 



Beitrag zur Flora von Persien. 



239 



Seite 

T euer ium scordioides 

Scbrebei- 234 

Thymus Acinos L 221 

— colUnus Aut 220 

— Daenensis Celak. . 219, 220 

— graveolens M. a B. . . . 222 

— hirsutus M. a B. . . . 220 

— intercedens (H. Braun) . 219 

— Kotschyanus Boiss. et 
Hohenacker . . . 219, 220 

— Kot schyanus\?i.x. inter- 
cedens H. Braun . . . 219 

— Kotschyanus a.hirtaBoiss. 219 

— Kotschyanus f. glahri- 
folia H. Braun .... 219 



Seite 



Thymus Kotschyanus forma 

hirtifolia H. Braun . . 219 

— Kotschyanus ß. glabrescens 
Boiss 219 

— nummularius Hohenacker 220 

— Serpyllum C. Kotschyanus 
Boiss 219 

— Sibthorpii Boiss. . . . 220 
Zietenia orientalis Gleditsch . . 231 



Ziziphora clinopodioides M. a 

B. var. rigida Boiss. . . 222 



— Persica Bunge . . 222, 223 

— rigida (Boiss.) .... 222 

— tenuior L 222 

Zornia peltata Mönch .... 227 



Erklärung der Abbildungen. 



Tafel VI. 

Fig. 1. Marrubium ballotae forme H. Braun, etwas verkleinert. 

„ 2. Corolle mit Kelch, 3 mal vergrössert. 

„ 3. Kelch, 2V2iiial vergrössert. 

„ 4. Nepeta Wettsteinii H. Braun, natürliche Grösse. 

„ 5. Corolle mit Kelch, 3 mal vergrössert. 

„ 6. Kelch, 3V2iiial vergrössert. 



240 



Carl Eechinger. 



II. Salsolaceae. 

Bearbeitet von Carl Rechinger. 

1. Beta long espicata Moq., Chenop., p. 13 (1840). — P. et M. in 
Hohen., Enum. Talüsch, p. 124. 

Carik in lapidosis. 17. VI. 

2. Chenopodium Vulvaria L., Spec. plant., ed. I, p. 220. — Fl. dan., 
Tab. 1162. — Chenopodium olidum Curt., Fl. Lond., V, Tab. 20. 

Zendjanab in glareosorum humidis. 1. VIII. 

3. Chenopodium album L., Spec. plant., ed. I, p. 219. — Moq., Cheno- 
pod., p. 29. — Moq. in DC, Prodr., XIII, 2, p. 70 (1849). — Fenzl in Ledeb., 
Fl. Boss., III, p. 697 (1846-1851). 

ürumiah ad rivi Scher-Cai ripas. 2. VII. 
Dize-siamek ad rivi ripas. 30. VI. 
Isperehan in riideratis. 4. VIII. 
Chaman in cultis. 26. VIII. 

4. Chenopodium Botrys L., Spec. plant., ed. I, p. 219. — Sibth. et 
Sm., Fl. Graeca, Tab. 253. — Moq. in DC, Prodr., XIII, 2, p. 75 (1849). 

Khosroes in argillosis. 8. VI. 

5. Blitum rubrum L., Spec. plant., ed. I, p. 218. — Blitum poly- 
morphum CA. Meyer in Ledeb., Fl. Alt., I, p. 13 (1829). — Fenzl in Le- 
deb., Fl. Ross., III, p. 707 (1846—1851). — Blitum rubrum Reichenb., Fl. 
Germ., p. 582. — Moq. in DC, Prodr., XIII, 2, p. 83 (1849). 

Hasanbeili ad rivum. 19. VII. 

6. Blitum virgatum L., Spec. plant., ed. I, p. 4. — M. a B., Fl. Tauro- 
Caiicas., I, p. 4 (1808). — Ledeb., Fl. Alt., I, p. 12 (1829). — Moq. in DC, 
Prodr., XIII, 2, p. 83 (1849). 

Carik in declivitatum glareosis. 17. VI. 

Carik in lapidosis. 16. VI. 

ürumiah ad rivi Scher-Cai ripas. 2. VII. 

7. Spinacia oleracea L., Spec. plant., ed. I, p. 1027. — Spinacia 
spinosa Mönch, Method., p. 318 (1794). — Moq., Chenop., p. 78 (1840). — 
Moq. in DC, Prodr., XIII, 2, p. 118 (1849). — Spinacia spinosa C. Koch 
in Linnaea, XXII, p. 184 (1849). 

Khoi in agris. 23. V. 
Täbris in arvis. 2. V. 

8. Ätriplex nitens Schk., Handb., III, S. 541, Taf. 348 (1803). — 
Fl. Dan., Tab. 2466. — Ätriplex acuminatum W. et K., PI. rar. Hung., II, 
Tab. 103 (1805). — M. a B., Fl. Tauro-Caucas., II, p. 641 in nota ad Nr. 1984 (1808). 



Beitrag zur Flora von Persien. 



241 



— Moq. in DC, Prodi-., XIII, 2, p. 90 (1849). — Ledeb., Fl. Alt, IV, p. 306. 

— C. A.Meyer, Indo-Caucas., p. 162. — Ledeb., Fl. Ross., III, p. 715 (1846-1851). 

Merdiseh ad aquariim fossas. 20. XI. 

9. Ätriplex littorale L., Spec. plant., ed. I, p. 1054. — Atriplex mari- 
num L., Mant., II, p. 300. - Moq. in DC, Prodr., XIII, 2, p. 96 (1849). — 
'C. Koch in Linnaea, XXII, p. 183. — Fenzl in Ledeb., Fl. Ross., III, p. 729 
(1846—1851). 

Gömörchane in salsis ad lacum. 25. VI. 
Dize-siamek ad rivi ripas. 30. VI. 

10. Atriplex liastatum L., Spec. plant., ed. I, p. 1053. — Atriplex 
micrantlmm C. A. Meyer in Ledeb., Fl. Alt., IV, p. 308 (1829). — Moq. in 
DC, Prodr., XIII, 2, p. 94 (1849). 

Carik in glareosis. 17. VI. 

11. Atriplex laciniatum L., Spec. plant., ed. I, p. 1053. — Engl. Bot., 
Tab. 165. — Atriplex incisum M. a B., Fl. Tanro-Caucas., III, p. 641 (1808). 
Atriplex recurvum D'Urv., Enum., Nr. 239. — Atriplex venetum Willd., Spec. 
plant., IV, p. 962. — Moq. in DC, Prodr., XIII, 2, p. 93 (1849). — Ledeb., 
Fl. Alt., IV, p. 313. — Eichwald, Casp.-kaukas. Pfl., S. 1, 3, 6 (1831—1833). 

— Besser, Enum., p. 54, Nr. 1476. — Fenzl in Ledeb., Fl. Ross., III, p. 718 
(1846—1851). 

Merdiseh ad aquarum fossas. 30. V. 

Gul in ruderatis. 22. VIII. 

Inter Sahatli et Guschtschi in salsis. 20. VII. 

Urumiah in incultis. 28. VI. 

12. Atriplex verruciferum M. a B., Fl. Tauro-Caucas., II, p. 441 
(1808). — Obione verrucifera Moq. in DC, Prodr., XIII, 2, p. III (1849). — 
C Koch in Linnaea, XXII, p. 184. — Fenzl in Ledeb., Fl. Ross., III, p. 734. 

— Atriplex verruciferum Ledeb., Fl. Alt., IV, p. 318. 

Schindawur in salsis. 1. X. 

13. Eurotia ceratoides L., Spec. plant., ed. I, p. 979 sub Axyride. — 
Diotis ceratoides Willd., Spec, IV, p. 1. — Eurotia ceratoides C A. Meyer in 
Ledeb., Fl. Alt., IV, p. 239 (1829). - Moq. in DC, Prodr., XIII, 2, p. 120 
(1849). - Fenzl in Ledeb., Fl. Ross., III, p. 737 (1846—1851). 

Zameschli in pagi argillosis. 7. VII. 

14. Ceratocarpus arenarius L., Spec. plant., ed. I, p. 969. — Moq. 
in DC, Prodr., XIII, 2, p. 121 (1849). — Ledeb., Fl. Alt., IV, p. 198. — C Koch 
in Linnaea, XVII, p. 311; XXII, p. 184. — Fenzl in Ledeb., Fl. Ross., III, 
p. 739 (1846—1851). 

Gescht in siccis sterilibus. 30. V. 
Dize-siamek in arvorum aridis. 30. VI. 
Merdiseh in lapidosis. 30. IX. 

Z. B. Ges. B. XXXIX. Abb. 31 



242 



Carl ßechinger. 



15. Kochia scoparia Schrad., Neues Journal, III, 3 — 4 Stück, S. 85 
(1809). — L., Spec. plant., ed. I, p. 221 sub Chenopodio. — Salsola scoparia 
M. a B. in Mem. de la Soc. nat. de Mose, I, p. 144; IV, p. 17. — M. a B., 
Fl. Tauro-Caucas., III, p. 128 (1808). — Moq., Chenop., p. 91 (1840). — Fenzl 
in Ledeb., Fl. Eoss., III, p. 746. 

Chanian in incultis. 26. VI. 

16. Kochia hyssopifolia Fall., Veg., p. 278, Tab. 43 sub Salsola. — 
Suaeda hyssopifolia Fall., III., Tab. 36. — Chenopodium villosum Lam., Dict., 
I, p. 196. — Echinopsilon hyssopifolium Moq. in DC, Prodi-., XIII, 2, p. 135. 

— Echinopsilon lanatum Moq. in Annal. des Sc. nat., ser. II, p. 127. 

Khosroes in glareosis. 9. VI. 
ürumiah in sterilibus. 28. VI. 

17. Kochia lanata Jacq. in herb. De Cand. sub Chenolaena. — Moq. 
in DC, Prodr., XIII, 2, p. 216 (1849). — Boiss., Fl. Orient., IV, p. 921 (1879). 

Zameschli in pagi tumulo. 1. VII. 

18. Salieornia herbacea L., Spec. plant., ed. II, p. 5. — Salicornia 
europaea L., Spec. plant., ed. I, p. 3. — Moq., Chenop., p. 113 (1840). — Sali- 
cornia annua Engl. Bot., Taf. 415. — Fl. dan., Tab. 303. — Ledeb., Fl. 
Alt., I, p. 2. 

Schindawur in salsis. 1. X. 

19. Halopeplis amplexieaulis Vahl, Symb., II, p. 1 sub Salicornia. 

— Halostachys perfoliata Moq. in DC, Prodr., XIII, 2, p. 148 pro p. (1849). 

— Boiss., FI. Or., IV, p. 935 (1879). 

Schindawur in salsis. 1. X. 

20. Halocnemum strohilaceum Fall., It., I, App., p. 481, Tab. 91 B, 
Fig. 1, 2. - Moq., Chenop., p. 109 (1840). — Moq. in DC, Prodr., XIII, 2, 
p. 149 (1849). — Ledeb., Fl. Alt., I, p. 6. — Boiss., Fl. Orient., IV, p. 6 (1879). 

Merdiseh in salsis. 30. X. 

21. Suaeda altissima L., Spec. plant., ed. I, p. 221 sub Chenopodio. 
~ Salsola altissima L., Spec. plant., ed. II, p. 324. — Fall., III., p. 49, Tab. 42. 

— M. a B., Beschr. d. Land, am casp. Meere, S. 150, App. Nr. 23. — Moq., 
Chenop., p. 123 (1840). — Moq. in DC, Prodr., XIII, 2, p. 157 (1849). — 
Boiss., Fl. Orient., IV, p. 940 (1879). 

Grök-tepe in ruderatis. 26. VI. 

22. Suaeda maritima Du Mort., Fl. Belg., p. 22. — Chenopodium 
maritimum L., Spec. plant., ed. I, p. 221. — Schoberia maritima C. A. Meyer 
in Ledeb., F]. Alt., I, p. 400 (1829). — M. a B., Fl. Tauro-Caucas., I, p. 182 
sub Chenopodio; III, p. 176 (excl. var. ß. ad Suaedam salsam spect.) (1809). — 
Suaeda maritima Moq., Chenop., p. 127 (1840). — Chenopodina maritima Moq. 
in DC, Prodr., XIII, 2, p. 161 (1849). 

Gul in salsis. 22. VIII. 
Khoi in pratis salsis. 23. V. 



Beitrag zur Flora von Persien. 



243 



Carik in sterilibus. 17. VI. 

Inter Sahatli et Guschtschi in salsis. 20. VII. 

Merdiseh in salsis. 30. IX. 

23. Suaeda salsa Fall., III., p. 46, Tab. 39. — Salsöla salsa Fall., It.^ 
I, p. 216. — Schoberia salsa C. A. Meyer in Ledeb., Fl. Alt., I, p. 401. — 
Chenopodina salsa Moq. in DC, Frodr., XIII, 2, p. 160 (1849). — Fenzl in 
Ledeb., Fl. Ross., III, p. 785 (1846—1851). 

Schindawur in salsis. 1. X. 

24. Schanginia baccata Forsk., Eg. Arab., p. 69 sub Suaeda. — 
Schanginia baccata Moq., Chenop., p. 119 (1840). — Euchylaena aegyptiaca 
Spreng., Syst., I, p. 923. 

Schindawur in salsis. 1. X. 

25. Salsola brachiata Fall., III., p. 30, Tab. 22. — M. a B., Fl. Tauro- 
Caucas., I, p. 185; III, p. 178 (1808). — C. A. Meyer in Ledeb., Fl. Alt., I, 
p. 388 (1829). — Salsola Pallasiana Y est in Schult., Syst. veget., VI, p. 240. 

— Moq., Chenop., p. 137 (1840). — Moq. in DC, Frodr., XIII, 2, p. 185 (1849). 

— Salsola pulla C. Koch in Linnaea, XXII, p. 190. 

Schindawur in salsis. 1. X. 

26. Salsola Soda L., Spec. plant., ed. I, p. 223. — Fall., III., Tab. 30. 

— M. a B. in Mem. de la Soc. nat. de Mose, I, p. 102; IV, p. 10. — M. a B., 
Fi. Tauro-Caucas., L p. 185; III, p. 179 (1808). — Moq., Chenop., p. 147 (1840). 

— Moq. in DC, Frodr., XIII, 2, p. 189 (1849). 

Schindawur in salsis. 1. X. 

27. Salsola Kali L., Spec. plant., ed. I, p. 222. — Moq., Chenop., 
p. 136 (1840). — Moq. in DC, Frodr., XIII, 2, p. 187 (1849). — Fenzl in 
Ledeb., Fl. Ross., III, p. 797 (1846-1851). — C Koch in Linnaea, XVII, 
p. 313; XXII, p. 100. 

Disa-Chald in lapidosis. 1. X. 
ürumiah in sterilibus. 28. VI. 

28. Salsola crassa M. a B. in Mem. de la Soc. nat. de Mose, I, p, 100 
(1806). — M. a B., Fl. Tauro-Caucas., I, p. 184; IE. p. 178 (1808). — Eichwald, 
Casp.-kaukas. FA., Taf. XXV (1831-1833). — Moq., Chenop., p. 137 (1840). — 
Moq. in DC, Frodr., XIII, 2, p. 186 (1849). — Fenzl in Ledeb., Fl. Ross., 
III, p. 804 (1846—1851). — Boiss., Fl. Orient., IV, p. 956 (1879). 

Schindawur in salsis. 1. X. 

29. Salsola glauca M. a B., Beschr. d. Land, am casp. Meere, S. 144 
(1800). — M. a B., Fl. Tauro-Caucas., I, p. 185 (1808). — Salsola spicata Fall., 
III., II, p. 27, Tab. 19 (1803). — Moq., Chenop., p. 140 (1840). — C Koch in 
Linnaea, XVII, p. 313; XXIV, p. Ol. — Fenzl in Ledeb., Fl. Ross., III, p. 818 
(1846—1851). — Boiss., Fl. Orient., IV, p. 959 (1879). 

Gul in salsis. 22. VIII. 

31* 



244 



Carl Recliinger. 



30. Salsola verrucosa M. aB. in Mem. de la Soc, nat. de Mose, I, 
p. 141 (1806). — Boiss., Fl. Orient., IV, p. 961 (1879). — Salsola dendroides 
Fall., III., p. 22, Tab. XIV (1806). — M. a B., Fl. Tauro-Caucas., I, p. 186; IV, 
p. 12. — Moq. in DC, Prodr., XIII, 2, p. 180 (1849). — Salsola ericoides C. A. 
Meyer, Indo-Caucas., p. 160. — Eichwald, Casp.-Kaukas. Pfl., S. 26. 

Schindawur in salsis. I. X. 

31. Salsola vermiculat a L., Spec. plant., ed. I, p. 223. — Moq., 
Chenop., p. 140 (1840). — Moq. in DC, Prodr., XIII, 2, p. 181 (1849). - 
Fenzl in Ledeb., Fl. Ross., III, p. 810 (1846-1851). — Boiss., Fl. Orient., 
IV, p. 962 (1879). 

Merdiseh in lapidosis. 30. IX. 
Gömörchane in salsis ad lacum. 25. VI. 

32. Noea spinosissima L. fil., Suppl., p. 173 (1781) sub Änabasi. — 
Anabasis spinosissima M. a B,, Fl. Tauro-Caucas., I, p. 190; III, p. 184 (1808). 

— Salsola Echinus Del., Eg., p. 223, Tab. XXI, Fig. 2 (1817). — Halogeton 
spinosissimus C. A. Meyer, Verz. d. kaukas.-casp. Pfl., S. 159 (1831). — Halogeton 
spinosissimus Moq., Chenop., p. 157 (1840). — Moq. in DC, Prodr., XIII, 2, 
p. 207 (1849). — Fenzl in Ledeb., Fl. Boss., III, p. 831 (1846—1851). — 
Boiss., Fl. Orient., IV, p. 965 (1879). 

Urumiah in aridis. 2. VII. 

Zendjanab in montosorum aridis. 1. VIII. 

Merdiseh in lapidosis. 30. IX. 

33. Gir gensohnia oppositiflora Pall., Reise, II, S. 735, Taf. 
(1773) sub Salsola. — Fenzl in Ledeb., Fl. Ross., III, p. 835 (1846—1851). 

— Halogeton oppositiflorum Moq., Chenop., p. 161 (1840). — Noea oppositi- 
flora Moq. in DC, Prodr., XIII, 2, p. 209 (1849). — Boiss., Fl. Orient., IV, 
p.967 (1879). 

Merdiseh in lapidosis. 30. IX. 

34. Änabasis aphyllaL., Amoen. acad., II, p. 347. — L., Spec. plant., 
ed. I, p. 223. — M. a B. in Mem. de la Soc. nat. de Mose, I, p. 108. — M. aB., 
Fl. Tauro-Caucas., I, p. 189; III, p. 183 (1808). — Moq., Chenop., p. 165 (1840). 

— Moq. in DC, Prodr., XIII, 2, p. 211. — Bunge, Rev. Anab., p. 40 (1862). 

Disa-Chald in ruderatis. 29. IX. 
Merdiseh in lapidosis. 30. X. 

35. Petrosimonia triandra Pall., Reise, I, S. 483, Taf. D, Fig. 2; 
Taf. JE, Fig. 1 ('1771) sub Polycnemo. — Polycnemon volvox Pall., III., p. 60, 
Tab. 50 (1803). — Halimocnemis volvox C. A. Meyer in Ledeb., Fl. Alt., I, 
p. 383 (1829). — Bunge, Rev. Anab., p. 54 (1862). — Boiss., Fl. Orient., IV, 
p.979 (1879). 

Schindawur in salsis. 1. X. 

36. Halocharis sulphurea Moq. in Mem. de l'Acad. de Toul., V, p. 180 
(1839). — Boiss., Fl. Orient., IV, p. 975 (1879). — Sub Halocnemide in DC, 
Prodr., XIII, 2, p. 201 (1849). - Bunge, Rev. Anab., p. 63 (1862j. 



Beitrag zur Flora von Persien. 



245 



Isperehan in gramiuosis aruisi. 30. VII. 

37. Halimocnemis gibhosa Wol'osczak, Botan. Ergebnisse d. Polak'schen 
Exped. nach Persien (1882), II. Th., S. 9 (1886) in Denkschr. d. kais. Akad. d. 
Wissensch., Bd. LI (1886). 

Merdiseh in lapidosis. 30. IX. 

38. Ualanthium rarifolium Moq. in DC, Prodi*., XIII, 2, p. 204 
(1849). — C. Koch in Linnaea, XVII, p. 314. — Halocharis pycnantha C. Koch 
in Linnaea, XXIV, p. 91 (1851). — Halogeton rarifolius Fenzl in Lad eh., Fl. 
Ross., III, p. 834 (1846-1851). 

Var. Aucherianum Bunge, Rev. Anab., p. 83 (1862). — Boiss., 
Fl. Orient., IV, p. 982 (1879). 
Gömörchane in salsis ad lacum. 28. VI. 



III. Amarantaceae. 

. Bearbeitet von Carl Rechinger. 

1. Amarantus Blitum L., Spec. plant., ed. I, p. 990. — Moq. in DC, 
Prodr., XIII, 2, p. 263 (1849). — Fenzl in Ledeb., Fl. Ross., III, p. 857 
(1846—1851). — Amarantus silvestris Boiss., Fl. Orient., IV, p. 990 (1879). 

Urumiah in depressis humidis. 28. VI. 

Inter Hasanbeili et Alibulak in ruderatis. 18. IX. 

Täbris in cultis. 27. IX. 

2. Amarantus retroflexus L., Spec. plant., ed. I, p. 991. — Moq. in 
DC, Prodr., XIII, 2, p. 258 (1849). — Fenzl in Ledeb., Fl. Ross., III, p. 856. 

— Willd., Hist. Amarant., Tab. 11, Fig. 21. — Reichenb., Xeon., V, Fig. 668. 

— Boiss., Fl. Orient., IV, p. 989 (1879). — Amarantus spicatus Lam., Fl. fran9., 
II, p. 192. 

üriimiah in incultis depressis. 28. VI. 
Täbris in cultis. 27. IX. 



IV. Polygonaceae. 

Bearbeitet von Carl Rechinger. 

1. Calligonum comosum L'Herit. in Trans. Soc. Linn, lond., I, p. 180. 
— Boiss., Fl. Orient., IV, p. 1000 (1879). 

Inter Hebeschi et Tesutsch in arenosis. 22. VII. 

2. Eheum ribes L., Spec. plant., ed. I, p. 372. — Jaub. et Spach, 
III. pl. Or., V, Tab. 470 (1853—1857). - Boiss., Fl. Orient., IV, p. 1004 (1879). 



246 



Carl Rechinger. 



Scher in saxosis. 8. VII. 
Tachte-Balküs in locis asperis. 18. VIII. 

Zendjire in monte Mischob, unde attulere riistici. Initio Maii. 

3. Oxyria digyna L., Spec. plant., ed. I, p. 337 sub Rumice. — Oxyria 
reniformis C. A. Meyer, Indo-Caucas., p. 155. — C. A. Meyer in Ledeb., Fl. 
Alt., II, p. 56 (1830). 

Isperehan in monte Saehend in glareosis. 5. VIII. 

4. Bumex Patientia L., Spec. plant., ed. I, p. 333. — C. A. Meyer 
in Ledeb., Fl. Alt., II, p. 58 (1830). — Ledeb., Fl. Ross., III, p. 507 (1846-1851). 

Gisgapan in saxorum umbrosis. 16. VIII. 

5. JRumex crispus L., Spec. plant., ed. I, p. 335. — Fl. dan., Tab. 1334. 

— C. A. Meyer in Ledeb., Fl. Alt., II, p. 57 (1830). — Ledeb., Fl. Ross., III, 
p. 505 (1846-1851). 

Khosroes ad rivi ripas. 9. VI. 

6. Uumex pratensis M. et K., Deutschi. FI., II, p. 609. — Engl. Bot., 
Tab. 2757. — Bumex acutus M. a B., Fl. Tauro-Caucas., I, p. 289 (1808). — 
Rumex Oxylapathum Hayne, Arzneigew., XIII, Taf. 2. 

Alibulak in silvis caeduis. 19. IX. 

7. Rumex conglomeratus Morr., Prodr. stirp. Goett., p. 52. — Fl. 
dan., Tab. 2228. — Rumex glomeratus Schreb., Spicill. lips., ed. II, p. 64. — 
Rumex Nemolapathum M. a B., Fl. Tauro-Caucas., I, p. 289, non Ehrh. (1808). 

Urumiah in rivulorum ripis. 28. VI. 

8. Rumex scutatus L., Spec. plant., ed. I, p. 337. — Rumex glaucus 
Jacq., Collect., I, p. 63; Icon. pl. rar., I, Tab. 67. — Rumex digynus Schult., 
Schneeb., I, Ausg. Anh., S. 120, non L. 

In montis Gelosae argillosis. 14, VI. 

9. Rumex tuberosus L., Spec. plant., ed. II, p. 481 (1762). — M. a B., 
Fl. Tauro-Caucas., III, p. 280. — Rumex creticus Boiss., Diagn., I, 12, p. 102. 

— Boiss., Fl. Orient., IV, p. 1027 (1879). 

In pratis depressis montis Karnaru. 12. VI. 
In graminosis montis Saehend. 6. VIII. 

10. Rumex acetoselloides Bai., Bull, de la Soc. bot. fr., I, p. 282. — 
Boiss., Fl. Orient., IV, p. 1018 (1879). 

Isperehan in glareosis. 30. VII. 
Zendjanab in glareosis. 1. VIII. 

11. Polygonum Bistorta L., Spec. plant., ed. I, p. 516. 

Var. angustifolium Meissn. — Polygonum bistortioides 
Boiss., Diagn., ser. I, 5, p. 46 (1844). — Polygonum confusum Meissn. 
inWallr., PI. As. rar., III, p. 53 (1832). — Boiss., Fl. Orient., IV, 



Beitrag zur Flora von Persieu. 



247 



p. 1027 (1879). — Polygonum splendens Klotzsch in Reis. d. Prinz. 
Wald. V. Preuss., S. 135, Taf. 88 (1862). 
In scaturiginosis montis Saehend. 6. VIII. 

12. Foly gonu7n amphihium L., Spec. plant., ed. I, p. 361. — M. a B., 
Fl. Tauro-Caucas., I, p. 301 (1808). — Ledeb., Fl. Ross., III, p. 520. 

Var. «. natans Boiss., Fl. Orient., IV, p. 1028 (1879). 
Gul in stagni marginibus. 22. VIII. 

13. Polygonum Persicaria L., Spec. plant., ed. I, p. 361. 
Urumiah ad rivi Scher-Tschai ripas. 2. VII. 

14. Polygonum lapathifolium L., Spec. plant., ed. I, p. 360. — Poly- 
gonum pennsylvanicum Huds., Fl. angl., ed. I, p. 148. 

Hasanbeili ad rivum. 18. IX. 

15. Polygonum Convolvulus L., Spec. plant., ed. I, p. 364. — Curt., 
Fl. Lond., IV, Tab. 29. — Ledeb., Fl. Eoss., III, p. 528 (1846-1851). 

Urumiah in arvis. 28. VI. 
Hasanbek in silvis caeduis. 17. IX. 

16. Polygonum rottboellioides Jaub. et Spach, III. pl. Or., Tab. 122 
(1846). — Polygonum tubulosum Boiss., Diago., ser. VII, 1, p. 83 n. s. — Boiss., 
Fl. Orient., IV, p. 1032 (1879). 

Khosroes in argiilosis. 8. VI. 

Urumiah ad rivi Scher-Tschai ripas. 2. VII. 

17. Polygonum Olivieri Jaub. et Spach, III. pl. Or., II, p. 32, Tab. 122 
(1844). — Boiss., Fl. Orient., IV, p. 1033 (1879). 

Dize-siamek in aridis. 20. VI. 

Schandschu in viarum durissimis. 15. VIII. 

Achmedabad ad aquas minerales. 17. VIII. 

18. Polygonum Bellardi All., Fl. Ped., II, p. 205, Tab. 90, Fig. 2. 
— Polygonum patulum M. a B., Fl. Tauro-Caucas., I, p. 204. — Polygonum 
strictum Ledeb., Fl. Alt., Ic, Tab. 444 (form, tenuior stricto) (1829). — Poly- 
gonum chlorocoleum Steud. in Ky. Sched. — Polygonum reticulatum C. Koch 
in Linnaea, XXII, p. 200. 

Gescht in arvis. 30. V. 

Gömörchane in salsis ad lacum. 25. VI. 

Urumiah in arvis. 28. VI. 

Mirse in salsis. 30. IX. 

19. Polygonum ammanioides Jaub. et Spach, III. pl. Or., II, p. 28, 
Tab. 119 (1844 — 1846). — Polygonum cognatum y. ammanioides Meissn. in 
DC, Prodr., XIV, 1, p. 96 (1856). — Polygonum alpestre ß. ammanioides Boiss., 
Fl. Orient., IV, p. 1038 (1879). 

Var in arvis. 29. V. 



248 



Carl Rechinger. Beitrag zur Flora von Persien. 



20. Polygonum setosum Jacq., Obs., III, p. 8, Tab. 17. — Boiss., Fl. 
Orient., IV, p. 1038 (1879). 

Inter Kotursu et Zaraschora in pascuis. 18. VIII. 

21. Foly gonum thymifolium Jaub. et Spach, III. pl. Or., II, p. 22, 
Tab. 116 (1844-1846). — Polygonum Kotschyanum Boiss. in Ky. Sched. (1845). 
— Meissn. in DC, Prodr., XIV, 1, p. 90 (1856). — Boiss., Fl. Orient., IV, 
p. 1040 (1879). 

Khoi in lapidosis. 27. V. 

Isperehan in monte Saehend in lapidosis. 5. VIII. 
Tachte-Balktis in asperis. 18. VIII. 



249 



Liehenologisehe Ausflüge in Tirol. 

Von 

Dr. F. Arnold. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 1. Mai 1889.) 



XXIV. Finkenberg. 

Literatur: 1. H. G. Floerke, eine Biographie von E. Coemaiis (Flora 
1867 p. 186); 2. v. Sonklar, Die Zillerthaler Alpeu, 1872. 

Nachdem Floerke in seinem 33. Lebensjahre sich entschlossen hatte, 
dem theologischen Berufe zu entsagen, unternahm er, bevor er sich dem Studium 
der Medicin widmete, von Mecklenburg aus eine grössere, bis in die Salzburger 
Alpen ausgedehnte Reise. Im Sommer 1798 hielt Floerke sich mehrere Wochen 
zu Finkenberg im Duxer Thale auf, welches damals noch zum Herzogthum Salz- 
burg gehörte. Am 28. Juni 1798 wurde eine Excursion nach Dornauberg, jetzt 
Ginzling, unternommen und am 26. und 29. jenes Monats machte Floerke 
den durch die Ungunst der Witterung vereitelten Versuch, den südlich ober 
Finkenberg (883 w) gelegenen Grimberg (2765 w) zu besteigen. Die botanischen 
Ergebnisse der Reise sind im Briefe vom 1. März 1799 (Schräder Journ. 1799 
p. 502) kurz augedeutet; der Aufenthalt in Finkenberg dagegen ist in Schräder 
Journ. 1801 p. 187 eingehend geschildert. 

Floerke besass zwei Herbarien. Das ältere, in welchem allem Vermuthen 
nach der grösste Theil der bei Finkenberg gesammelten Pflanzen enthalten sein 
wird, kam in den Besitz der Gesellschaft naturforschender Freunde in Berlin 
(Flora 1867 p. 189), welche dasselbe später dem dortigen k. botanischen Museum 
überliess. In diesem älteren Herbare werden auch diejenigen Flechten sich vor- 
finden, welche Floerke in Schräder Journ., Web. Mohr Beitr. und im Berl. 
Magaz. (vgl. v. Kplhbr. Gesch. der Lieh. I p. 452) zum Gegenstande seiner 
Untersuchungen gemacht hatte. Das zweite Herbar wurde seit der Ernennung 
Floerke 's zum Professor in Rostock (1816) angelegt und ist jetzt Eigenthum 
der Universität daselbst. Einige der bei Finkenberg gesammelten Flechten sind 
darin enthalten. 

Z. B. Ges. B. XXXIX. Abb. 32 



250 



F. Arnold. 



Ueber die Lebensverhältnisse Floerke's kurz vor dieser Ernennung gibt 
der Entwurf eines Briefes an Professor Sprengel in Halle Aufschluss : „Berlin, 
21. März 1815. Ich müsste weit ausholen, wenn ich Ihnen den Gang meines 
Schicksals während der letzteren Jahre erzählen wollte. Nur so viel erlaube ich 
mir zu bemerken, dass der Krieg von 1813 meine schriftstellerischen Geschäfte 
gänzlich unterbrach und ich endlich als Secretär bei dem Kriegscommissariate 
des vierten Armeecorps mit zu Felde ging. — Auf meinen militärischen Kreuz- 
und Querzügen hatte ich Gelegenheit, einige interessante botanische Ausflüge 
zu machen, besonders nach den östlichen Umgebungen des Harzes, nach dem 
Meissner in Hessen. — In meinen Nebenstunden beschäftige ich mich jetzt 
mit einer Monographie der Gattung Lecidea, die mir dringend nöthig er- 
scheint Diese Monographie, für welche Floerke reichliches, im Kostocker 

Herbare befindliches Material zusammengebracht hatte, kam nicht zu Stande, 
es wendete Floerke sich vielmehr den Cladonien zu und schloss seine Thätigkeit 
im Jahre 1828 mit dem Hauptwerke seines Lebens, der Commendatio de Cla- 
doniis, ab. Am 6. November 1835 starb Floerke, 71 Jahre alt. 

Es möge mir gestattet sein, aus dem Inhalte des Rostocker Herbars, 
dessen Einsicht mir durch die Gefälligkeit des Herrn Dr. Oltmanns ermöglicht 
wurde, hier Einiges bekannt zu geben. Die Zahl der Original-Exemplare von 
Acharius, Schräder, Persoon, Mosig, Seeliger, Funck, Laur er ist nicht 
gross. Von Hoffmann, Schrank, Mohr, Sprengel, Meyer sind nur wenige 
Exemplare vorhanden. Flechten von Agar d h, Graf Raben, Hübener sind in 
je einem Fascikel enthalten. Beträchtlicher sind die Beiträge von Schaerer 
und E. Fries, welche auch die ersten Lieferungen ihrer Exsiccata einsendeten. 
Von Schleicher hat Floerke eine ansehnliche Zahl Lichenen erworben. 
Mougeot schickte allmälig gegen 1000 Exemplare, von welchen viele noch 
nicht bestimmt sind. Ein besonders freundschaftlicher Verkehr bestand mit 
Sommer feit und v. Flotow; die beiden Centurien der Cryptog. norveg. sind 
gut erhalten. Unter den Flechten Sommerfelt's befindet sich Rehmia cae- 
TuleoaTba Kplhbr., welche derselbe als: „8. Lee. speirea Ach." bezeichnete, 
während Floerke sie für „Lee. epipoUa, alt^ erachtete: ep: viride, hyp. fuscese., 
spor. incol., virid., 1-sept., utroque apice ohtusae, medio leviter constrict., 
015— 17 mm lg., 008 mm lat., 8 in asco. 

Welche Bedeutung dem Rostocker Herbare zukommt, um jenes „Chaos 
ohne Gleichen" (Forssell Gloeolich. p. 3), wofür man die Lichenologie billig 
ausgeben darf, langsam zu entwirren, möge aus drei Beispielen entnonimen werden: 

A. — Wallroth hat an Floerke wenige Cladonien, wohl aber viele 
andere, jedoch nur zu oft nicht mit Bestimmung versehene Flechten geschickt. 
Hie und da aber erhält man sicheren Aufschluss über Arten, welche in Wallr. 
Flora crypt. germ. 1831 beschrieben sind. 

1. p. 296, Nr. 737. Thromb. baeillareW.; das Exemplar ist steriles Leptog. 
Schraden (Bhd.); von Wallroth als „338, Collema hacülare m." an Floerke 
gesendet. 



Lichenolofjische Ausflüge in Tirol. 



251 



2. p. 299, Nr. 742. V. leucoplaea W.; von W. als „8. Verr. Candida W." 
an Fl. geschickt und von diesem als: „V. (jemmata\. minutula Fl." bestimmt. 
Das Exemplar ist Pyrenula farrea Ach., Nyl., Stitzb. helv., p. 252, Zw. Heidelb. 
p. 76: thall. dlhesc, apoth. emersa, atra, paraph. capül., spor. ine, demum 
fuscidulae, 3-sept., utroque apice nonnihil acutae, 031 mm Jg., 010 — 12 mm 
lat., 8 uniseriatae in asco. 

3. p. 303, Nr. 750. F. chlorotica Ach.; von W. als: „20. V. FloerJceana m., 
Viva laete viret, V. subwersa" bezeichnet, von Fl. mit der Bemerkung ver- 
sehen: „wenn sie nicht mit der chlorotica zusammenfällt. Pyren. Funckii Spr."; 
diese Flechte ist Verr. aethiobola W., Arn. Flora 1885 p. 80 (spor. simplices, 
oblong., 0'018 — 22 mm lg., 008— 9mvi lat., 8 in asco). 

4. p. 308, Nr. 759. V. spadicea W. ist Stigmat. clopimum (Wbg.) Arn. 
Flora 1885 p. 66: thall. ohscurefuscus, gonid. hymen. pallide virid. vel sub- 
incol., 003—4 mm lat., spor. fusc, obtusae, murales, binae, 0'042 — 45 mm lg., 
O'OlSmm lat. — W. bezeichnete das Exemplar als: „16. F. spadic. m."; Fl. 
schrieb hinzu: „wahrscheinlich zu F. nigricans, cf. DC. 43". 

5. p. 308, Nr. 760. F. alutacea W. ist eine Lithoicea, welche unter diesem 
Namen beibehalten werden darf und zur Gruppe der Lith. fuscella T., Arn. 
Flora 1885 p. 72 gehört: thall. cinerascens, areolato-rimulosus, apoth. parva, 
areolis insidentia, spor. ovales, simplic, 0'018—21 mm lg., 009 — 11 mm lat., 
8 biseriatae in asco. — W. schickte sie als: „14. Verr. alutacea m."; Fl. er- 
achtete sie für Urc. einer, v. polygonia Ach. 141. 

6. p. 309, Nr. 761. F. elegans W. ; die unter diesem Namen anit Nr. 12 
versehene Flechte ist, so weit ich zu urtheilen vermag, von F. spadicea W. = 
Stigmat. dop. nicht verschieden. Hymenialgonidien und Sporen stimmen über- 
ein, der äussere Habitus ist der nämliche und nur die Färbung des Thallus 
weicht etwas ab (thall. apud V. eleg. in herb, opacus fuscus). Fl. hielt sie für 
„eine kümmerliche Porina pertusa auf Stein". 

7. p. 313, Nr. 767. E. verruc. i. coronata; von W. unter Nr, 232 geschickt, 
ist Pertus. coccodes Ach. c. apoth. 

8. p. 316, Nr. 769. E. lept. b. polyphylliim W. (Nr. 101 ad Fl.) ist Gue- 
pinia polyspora Hepp, Arn. Tirol XXII p. 63. Der älteste Name dieser Flechte 
dürfte G. Wallrothii Spreng, lauten. 

9. p. 373, Nr. 825. P. fuscolut. c. spodophaena W. (von W. als „40. Lee? 
decülorans'^ und von Floerkc als: „L. fuscolut. b. leucoraea Ach. p. 42" be- 
zeichnet) ist Bilimbia sahulet. (Fi.) Arn. Flora 1884 p. 571: ep. sordide lutesc, 
hyp. fiiscesc, spor. 3—7 sept., 024— 27 mm lg., 005 mm lat. 

10. p. 379, Nr. 833. P. vern. dendrophila W. ist Biatorina sphaeroides 
Mass., Arn. Flora 1884 p. 564: thall. lepros., muscos obducens, ap. pallide 
carnea, convexa, intus incol., hym. jodo caeriü. deinde vinos., spor. 1-sept., 
O'Olomm lg., 0'004 — 5mm lat. — W. schickte die Flechte unter Nr. 48 als: 
„Lee. dlab. b. sphaeroides koh..^^ an Floerke. 

11. p. 431, Nr. 903. Pat. ßoccosa W.; diese von W. unter „Nr. 263, ai^oth. 
floccosa, pallidefusca'* bezeichnete, von Fl. aber „Sph. phaeoc." benannte Flechte 

32* 



252 



F. Arnold. 



ist Äphanopsis terrigena Ach. Univ. p. 181, Nyl. Flora 1882 p. 456, Stizbg. 
helv. p. 17, Lahm Westf. p. 160, Zw. exs. 904. Das Exemplar von Wallr. 
(perithec. fusc, paraph. et asci jodo caerul., spor. amplae, simplic, incöl., late. 
oblong., 0'030—32 mm lg., 015—18 mm lat., 8 fere uniseriatae in asco) stimmt 
mit Zw. 904 überein. 

12. p. 551, Nr. 1026. P. teretiuscula W. wurde von W. als: „25. Coli, 
subtile'^ an Fl. geschickt und von demselben „OoZZ. teret." genannt. Das vor- 
handene sterile Exemplar ist Leptog. microscopicum Nyl, Arn. Flora 1885 p. 213. 

B. — Lee. sabuletorum Fl. Berl. Mag. 1808 p. 309, 311. 

1. Die Flechte vom Rehberger Graben auf dem Harz ist Lee. limosa Ach., 
Th. Fries Sc. p. 538, Arn. Tirol XXI p. 137: pl. macrior, thall. minus evolutus, 
sordide albesc , ap. atra, epith. caerul. viride, ac. nitr. colorat., hym. incöl., 
hyp. lutesc, spor. oblong, vel fusi formt- oblong., simplic, 0'012 mm lg., 004 mm 
lat., 8 in asco. 

2. L. sab. auf Baumrinde (Berl. Mag. 1808 p. 309, 310) ist nach dem 
Exemplare im Rostocker Herbare Biatorina globulosa (Fl.) Th. Fries Sc. p. 575, 
gesellig mit Megalosp. alpina Fr., Th. Fries Sc. p. 479. 

3. L. sab. syncomista Fl. Berl. Mag. 1808 p. 310. Mit der Bezeichnung: 
„Lee. muscorum Fl., L. sabul. syncomista Fl. Berl. Mag. 1808 p. 310, Carnaria, 
Lieh. musc. Ehr.; vom Brocken, 1808" befindet sich im Rost. Herb, ein „zur 
Berlinischen Sammlung" gehöriges Exemplar, welches aus Plat. fahlunense, dem 
Thallus der Lee. neglecta Nyl. und der Lee. arctica Sft., Th. Fries Sc. p. 540 
besteht: thall. L. arctic, ap. pruinosa, ep. viride, hyp. pallide luteol., spor. 
oblong., 0'016—19 mm lg., 006 mm lat. 

4. L. sab. vorticosa Fl. Berl. Mag. 1808 p. 311 umfasst eine Mehrzahl 
von Arten (vgl. Koerb. syst. p. 251). Auf den Steinchen am Rehberger Graben 
wächst ausweislich der Exemplare im Rost. Herb., welche von Fl. als „L. sab. 
vortic, Rehberger Graben auf dem Harze, 1808" bezeichnet wurden, lediglich 
IjCC. crustidata Ach.: thall. sordide albesc, K — , hyph. non amyloid., apoth. 
hic inde nonnihil gyrosa, exc hyp. fusc, epith. sordide oliv., spor. oblong., 
simplic, O'OlSmm lg., 0'009 — 10 mm lat. 

5. Kein Exemplar der L. sabulet. Fl. im Rostocker Herbare entspricht 
der Bilimbia sabulet. Stizbg., Arn.! 

C. — Lee. goniophila Fl. Berl. Mag. 1809 p. 311. Hier gibt Floerke 
nur einen Standort an. Das Rostocker Exemplar: „Lee. gon. Ach., Berlin, ist 
auch in Mecklenburg, z